1638
11 mm dick; Nabel schmäler als bei Ph. vulgaris, ± 1 U der Samenlänge einnehmend; Zwillings*höcker schief auseinander tretend. — VI bis IX.
Aus dem tropischen Amerika stammend, im Gebiet häufig als Zierpflanze oder auchals Hülsenfrucht gebaut.
Für die Stammpflanze der Feuerbohne halten Alefeld und Bailey Ph. formösus Humb., Bonpl.et Kunth in Mexiko. Vor 1624 war die Feuerbohne in Europa sicher unbekannt. Sie soll 1635 durch den holländischenAdmiral Hains, nach dem sie auch Hainsbohne genannt wurde, eingeführt worden sein, nach anderen Autorenschon früherj so soll sie in England 1597 gewesen sein, und nach Cornutus war der „Phaseolus puniceoflore" 1635 in Paris in solchen Mengen in Kultur, dass aus den Blütentrauben Sträusse und Kränze gebundenwurden. Wohl die erste nähere Beschreibung des „Phaseolus Indicus flore coccineo seu puniceo" stammt vonMorison. Nach Titius waren 1654 bereits die 3 Hauptformen in Königsberg in Kultur. Seither hat sichdie Kultur der Feuerbohne über den grössten Teil Europas ausgebreitet; doch wird sie im Mittelmeergebiet(auch in Nordafrika) viel weniger gebaut als andere Arten der Gattung. Da die Wärmeansprüche etwas geringerals bei Ph. vulgaris sind, reifen die Samen noch gut in vielen Alpentälern und auch im südlichen Norwegen.In höheren Lagen und Breiten (z.B. am Ritten in Tirol bei 1150m, beim Eggerhotel ob Bozen 1284 m, inDrontheim bei 63° 26' nördl. Breite) werden noch Blüten, aber keine Früchte gebildet.
Variiert viel weniger als Ph. vulgaris. Vererbungsversuche, die infolge der häufigen Kreuzbefruchtungschwieriger als bei Ph. vulgaris sind, haben Mendel, Körnicke, Hoffmann, v. Tschermak, Sirks,Tjebbes u. a. durchgeführt. Die rote Farbe der Kronen dominiert über die weisse, dunkle Samenfarbe überhelle (nach K ö r n i c k e jedoch auch in einzelnen Fällen weisse über dunkle). Als Zierpflanzen am beliebtestensind. f. variegätus (Martens) Wettstein (= Ph. multiflörus Lam. var. coccineus Koch, = Ph. coccineus L. s. str.).Stengel unten braunrot gesprenkelt. Krone ganz scharlachrot. Hülsen meist braun. Samen hellviolett (bei f.lücidus Alef. bräunlichgelb) und dicht schwarz marmoriert. — f. bicolor Arrabida. Fahne lebhaft rot;Flügel ± weiss. Hülsen und Samen ähnlich wie bei voriger, doch etwas kleiner. Die zuerst 1827 aus Rio deJaneiro beschriebene Form soll 1836 in Deutschland eingeführt worden sein. — Als Hülsenfrucht wird alleingebraucht s f. albiflörus (Lam.) Wettstein (= Ph. multiflörus Lam. var. albiflorus Lam. und var. älbus Mart.). Stengelhellgrün. Krone ganz reinweiss. Samen weiss (Weisse Kochbohne, weisse Feuerbohne, Riesenbohne). — f.niger (Martens). Stengel trüb rötlich. Krone sehr gross, scharlachrot. Hülse braunrot geflammt. Samenglänzend kohlschwarz. In Europa nur selten gebaut. — Nicht rankende Buschformen wurden in Kolorado(»Barteides bush Lima 1 ") und Wien (von Tschermak) gefunden. — Von Missbildungen wurde Vermehrungder Blättchen einzelner Laubblätter beobachtet. Goebel und Lopriore konnten Fasciation der Seitenachsendurch Abschneiden der Hauptachse über den Kotyledonen hervorrufen.
In wärmeren Ländern scheint Ph. coccineus zu perennieren oder doch mindestens 2.jährig zu sein,während er im Gebiet regelmässig einjährig ist und im Herbst meist erfriert. Bei Frostschutz schwellen dieWurzeln knollenförmig an, und die in den Achseln der Keimblätter gebildeten Knospen bilden schon im Herbstoder im nächsten Frühling neue Stengel. R. v. Wettstein (Die Innovationsverhältnisse von Phaseoluscoccineus L. Oesterr. Botan. Zeitschr. Bd. XLVII, 1897 und XLVIII, 1898) konnte bei Ueberwinterung imGlashaus 3 bis 4 Samenernten erzielen, ähnlich schon früher Hoffmann und Reuter. De Vries be«obachtete die Bildung von Verjüngungsknospen am Hypokotyl.
Phaseolus coccineus ist seit Sachs klassischen physiol. Untersuchungen über die Keimung der Schmink«bohne (Sitzungsber. Akad. Wien math.«nat. Kl. Bd. XXXVII, 1859) noch häufiger als Ph. vulgaris morphologischund physiologisch untersucht worden. Die zuerst gebildeten Laubblätter sind gegenständig und besitzen Inter.petiolarstipellen. Die Bewegungen der Primärblätter etiolierter Keimpflanzen haben E. Sehn ei dl er und A.Sperlich (Zeitschr. f. Botanik. Bd. XIV, 1922) untersucht, die normaler Blättchen Pfeffer, Stoppel u.a.(vgl. pag. 1627). Die keulenförmigen Drüsenhaare der Blatt ob erseite und nach Nest ler auch die Spalt«Öffnungen (nach anderen auch die Stipellen) wirken sezernierend. Das Drüsenexkret enthält KaCOs, das hygro«skopisch Wasser aus der Luft aufnimmt (vgl. hierüber Haberlandt in Sitzungsber. Akad. Wiss. Wien. Bd. CHI,Abt. 1, 1894 und A. Nestler ebenda Bd. CV. 1896, pag. 545ff. und in Ber. Deutsch. Bot. Ges. Bd. CXII,1900, pag. 332 ff.).
Die Blüteneinrichtung stimmt im wesentlichen mit der von Ph. vulgaris überein. Als normale Be«sucher wurden in Europa Bombus hortorum und Eucera longicornis festgestellt. In der Regel sind die Blütenselbststerilj doch beobachteten Darwin und Fruwirth auch ausnahmsweise Samenbildung bei Insekten»abschluss. Oft verkümmern die Blüten, sodass der Samenansatz sehr gering ist. Von einer Traube werdenmeist nur 3, höchstens bis 6 Hülsen erhalten. Das Samengewicht schwankt zwischen 0,8 und 1,1 g. Von denSamen des Ph. vulgaris sind die des Ph. coccineus (Fig. 1602 w) besonders durch den längeren Nabel, diestärker auseinandertretenden Zwillingshöcker und die Sanduhrzellen zu unterscheiden, deren Lumen nicht pris«