1634
Kelch (Fig. 1600 h, i) und von mehreren Embryonen in einem Samen, Vermehrung der Keimblätter undhypogäische Keimung.
Der amerikanische Ursprung der Gartenbohne ist lange unbekannt geblieben. Die Verfasser derKräuterbücfier und noch in neuerer Zeit Sprengel, Martens, Gibault, Comes u.a. nahmen an, dass dieBohne schon im Altertum und frühen Mittelalter in Europa bekannt gewesen sei. Demgegenüber stelltenzuerst De Candolle und dann besonders Wittmack, Asa Gray, Körnicke u. a. fest, dass sich die altenAngaben teils auf Vigna, teils auf Vicia Faba beziehen, dass die Gartenbohne von den Indianern schon vorder Ankunft der Europäer gebaut worden ist (z. B. in Arizona), dass sich ihre Samen in peruanischen Gräbern(z. B. in Ancon) vorfinden, dass sie sich in Europa nicht vor dem 16. Jahrhundert mit Sicherheit nachweisenlässt und dass ihre nächsten Verwandten nur in Südamerika leben. Die Angabe Fiorellis, dass in Pompejiin einem ehernen Topf Bohnen und Zwiebeln (wohl von Muscari comosum) gefunden worden seien, die alsgeschleditlidie Reizmittel im Lupanar gedient hätten, bezieht sich Jedenfalls auf Vicia Faba. In Europa habenPhaseolus zuerst H. Bock 1539 (als „Welsche Bönen" ; schon 7, nach der Farbe unterschiedene Sorten), L. Fuchs1543 (als „Welsch Bönen oder Faselen, Smilax hortensis"), C. Gesner 1561 (als „Türkische Bohne"), Mattioli1565 (als in Italien bereits häufig und auch schon in Südtirol gebaut), Dodonaeus 1569, C. Bauhin 1583u. a. beschrieben, L. Fuchs in seinem „New Kreutterbuch" auch abgebildet. In der darstellenden Kunst tretenBlütenzweige von Phaseolus erst nach 1600 auf, so bei Jan Brueghel d. Ae. 1616, D. Seghers (Ph. vulgarisund Ph. coccineus), Hamilton u. a. Phaseolus fehlte noch im Hortus Eystettensis 1613, wird dagegen z. B.für Regensburger Gärten 1621 angeführt. Buschbohnen führten zum erstenmal Dodonaeus und Clusius(als Phaseolus peregrinus IV.) auf. Vgl. über die Geschichte der Gartenbohne: de Candolle, Alph. G6o.graphie botan. raisonn6e 1855, pag. 961 und L'origine des plantes cultiv£es. 1883, pag. 270 (deutsche Ausgabepag. 425ff.). — v. Martens, G. Die Gartenbohne. Stuttgart, 1860. — Asa Gray und Trumbull, H. inAmerican Journal of Science. Bd. XVI, 1883, pag. 130. — Wittmack, Louis in Sitzungsber. Botan. Ver.Prov. Brandenburg. Bd. XXI, 1879, pag. 176; Nachr. a. d. Klub der Landwirte. Berlin, 1881, nr. 115, pag. 782-,Ber. Deutsch. Botan. Gesellschaft. Bd. VI, 1888, pag. 374. — Körnicke, F. in Correspondenzblatt Nat. Ver.v. Rheinland»Westfalen. Bd. XLII, 1885, pag. 136/153. — Gibault, G. in Journ. Soc. nationale de l'horticult.d. France. 1896, pag. 685 und die Erwiderung Wittmacks ebenda 1897. — Fischer»Benzon, AltdeutscheGartenflora. 1894, pag. 98/100.— Comes, O. Del Fagiuolo commune. Atti del R. Istituto d'Incoraggiamento diNapoli. Bd. LXI, 1909, pag. 75/181. — Killermann, S. Die Herkunft und Einführung unserer Gartenbohne.Naturw. Wochenschr. 1919, Heft 22, pag. 305/312.
Nördlich der Alpen werden Gartenbohnen meist nur in Gemüse, und Weingärten, nur allenfalls Busch»bohnen auch feldmässig gebaut. Ab und zu werden sie als Gartenflüchtlinge beobachtet (so im Oberrhein,gebiet, in der Schweiz, Istrien usw.), haben sich aber wohl nirgends in Europa wirklich eingebürgert. Amgrössten ist die Bohnenausfuhr aus der Ukraine, Ungarn, den Sudetenländern, Italien, Spanien, Holland undSüdamerika.
Ph. vulgaris weicht durch die epigäische Keimung (Fig. 1600 a, b) von den anderen Phaseoleen undden Vicieen ab. Der Keimling führt eine Nutation aus, sodass zuerst das Hypokotyl den Boden durchbricht. DerStengel macht bei den Stangenbohnen bei warmem Wetter in der Stunde eine halbe Windung nach links. DieBlättchen schlagen sich bei Verdunkelung abwärts. Die Blüteneinrichtung ist zuerst von Darwin beschriebenworden. Die Flügel sind durch derbe, fleischige Fortsätze mit dem kleinen, eingerollten Schiffchen fest verkeilt.Eine Verbreiterung des obersten Staubblattes schützt die Nektarlöcher gegen unberufene Besucher. Den Blüten,mechanismus können nur grosse Apiden auslösen, die sich auf den linken Flügel setzen. Dieser ist deutlichgrösser als der rechte. Beim Niederdrücken des Schiffchens schnellt der Griffel mit der schon in der Knospemit Pollen beladenen Griffelbürste heraus. Als Blütenbesucher wurden Bombus hortorum, Osmia« und Mega.diile.Arten und einige Nachtfalter (Deilephila galii, Chariclea umbra) beobachtet. Die Erdhummel und Honig,biene begehen seitlichen Einbruch. Bei ausbleibendem Insektenbesuch tritt regelmässig Selbstbefruchtung einund ergibt vollen Ertrag, wie Darwin, Kirchner, Lindmann, Fruwirth u. a. nachgewiesen haben.Die Entwicklung des Embryosacks, Embryos und des frühzeitig resorbiert werdenden Endosperms sindvon Guignard (1881) und M. M. Brown (Bull. Torrey Botan. Club. Bd. XLIV, 1917) untersucht worden.Die Hülse unterscheidet sich u. a. dadurch von der der Vicieen, dass die Fasern der (bei den Formen mitessbaren Hülsen sehr schwach ausgebildeten) Faserschicht nicht schief verlaufen und sich daher die Klappenbei dem erst sehr spät erfolgenden Oeffnen nicht einrollen. Die Vererbung der „Fäden" ist von Wellensiek(in Genetica. Bd. VII, 1922) untersucht worden. Das Samengewicht schwankt zwischen 0,12 und 0,67 g. Diebeiden Höcker des Strophiolums sind bei Ph. vulgaris genähert, nicht wie bei Ph. coccineus auseinander,tretend. Die äussere Samenschale besteht aus einer 48 bis 52 ^ mächtigen Palissadenschicht und 15 bis 28 uhohen, prismenförmigen, eng aneinander schliessenden Sanduhrzellen, die Calziumoxalatkristalle führen.Endosperm ist nur spärlich in der Gegend des Würzelchens entwickelt. Die Keimblätter enthalten reich.