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1 (1893) Die Sympetalen
Entstehung
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56 mm lang, weiss, glockig-trichtertörmig, im oberen Viertel fünflappig, aussen an der oberen Hälftekurz weichhaarig, innen an der unteren Hälfte zottig. Bei der langgriffligen Form sind die sitzendenStaubgefässe in der Mitte der Röhre angeheftet, der kurz zweispaltige Griffel überragt die Blumen-krone ein wenig, die Narben sind zurückgekrtimmt; bei der kurzgriffligen sind die Staubbeutel auf langenFilamenten über den Blumenkronensaum gehoben, und der Griffel mit wenig spreizenden Narben überragtkaum die halbe Röhre. Der Nektarkragen ist verhältnissmässig hoch und polsterförmig.

Die Steinfrucht hat zuletzt nur ein dünnes, weiches Fleisch; sie ist zuerst von purpurrother, dannschwarzvioletter Farbe; sie zeigt getrocknet eine eigentümliche Spirale Drehung der drei schwach aufdem Rücken jeder Hälfte vorspringenden Rippen und wird von dem kurzen, bleibenden Kelche gekrönt.

Der Same ist planconvex, auf der Innenseite von einer Furche durchzogen.

Die Ipecacuanlia wächst nicht selten und gewöhnlich sehr gesellig in den schattigen Wäldern derProvinzen Rio de Janeiro, Minas Geraes, Mato Grosso, Bahia, vielleicht auch Parä und Maranhäo Brasiliensund findet sich auch noch in Bolivien und Neu-Granada. Sie blüht Januar und Februar.

Anmerkung I. Schon Balfour pat. hat zwei Formen der Pflanze unterschieden, von denen die eine durch einenmehr verholzten, dickeren Stengel, lederartige, glatte Blätter mit ein wenig gebuchteten Rändern und nur sehr spärlicherBehaarung ausgezeichnet ist, während die zweite, welche wir oben beschrieben haben, durch einen mehr krautigen, dünne-ren Stengel, häutige, rauhe Blätter und dichtere Behaarung gekennzeichnet wird. Jene wird seit alten Zeiten in den bo-tanischen Gärten cultivirt, diese aber ist nur selten in den Gärten gezogen worden, die vorliegende Tafel giebt einExemplar aus dem Berliner Universitätsgarten wieder. Gegenwärtig ist dieselbe kaum, noch irgendwo in Europa vorhanden.Die erstere ist in dem Edinburger botanischen Garten in grossen Mengen vermehrt worden, und die so gewonnenen Pflanzensind der Grundstock der umfangreichen Culturen zu Rungbi in Ost-Indien geworden. Die Pflanze kann durch Würzelstückeund selbst durch Blätter leicht und reichlich vermehrt werden.

Ob beide Pflanzen wirklich in dieselbe Art eingeschlossen werden können, scheint nicht ganz sicher, doch können erstgenaue Untersuchungen darüber Aufschluss geben.

In Brasilien führen noch eine Menge anderer Pflanzen den Namen Poaya, welche theilweise zu den Rubiaceen, theil-weise zu anderen Familien gehören. Von den ersteren nenne ich die Poaya branca oder Poaya do campo und die Poayado Rio oder da Praya. Als Poaya branca oder do campo fassen die Brasilianer mehrere Spermacoceen zusammen, besonderswird die Richardsonia Brasiliensis Gomez, welche mit Ii. scabra L. durchaus nicht identisch, sondern durch die Beschaffenheitder Samen, von ihr vollkommen verschieden ist alsdann werden aber auch Borreria capitata DC., B. Poaya DC. und Diodiapolymorpha Cham, et Schlecht, mit diesem Trivialnamen belegt. Die Poaya do Rio oder da Praya ist Machaonia BrasiliensisCh. et Schi., alle diese Pflanzen scheinen in den Wurzeln brechenerregende Eigenschaften zu besitzen, und die eine oderdie andere hat früher wohl ein Surrogat der Ipecacuanha geliefert. Aus anderen Familien seien Polygala Poaya Mart. (P.angulata DC., beide Namen sind in demselben Jahre 1824 veröffentlicht) und Jonidium Ipecacuanha Vent. erwähnt.

Anmerkung II. Der vonPiso ganz vortrefflich abgebildeten Pflanze gab Linne zuerst den Namen Ouragoga, dener auch als Gattung in den Gen. pl. ed. I. beibehielt. Diese Gattungsbezeichnung ist allen anderen vorzuziehen, mag mannun Müller Arg. folgend, die Pflanze bei Psychotria unterbringen, oder sie bei Cephaelis belassen, denn Psychotria wurdevon Linne erst in Syst. ed. X. 929 (1759) und Cephaelis von Swartz in Prodr. 4 (1788) aufgestellt. Nach den Regeln derPriorität heisst die Ipecacuanha also Ouragoga Ipecacuanha Baill.

Medicinische Verwendung finden die als Reservestoffbehälter dienenden verdickten Nebenwurzeln derPflanze, in deren stärkehaltigem Rindenparenchym das giftige Emetin vorkommt, als Radix Ipecacuanhae.Die grösste Menge der Droge wird jetzt noch von wildwachsenden Pflanzen in Brasilien gesammelt, dochist es wahrscheinlich, dass die von den Engländern in Indien eingerichtete Cultur der Pflanze bald ebenso grosse Quantitäten der Droge in den Handel liefern wird, wie Brasilien.

Fig.Fig.

Erklärung der

Eine blühende Pflanze nach einem in Berlin culti-virten Exemplare, natürliche Grösse: a. Rhizom;b. oberirdischer Stengel; c. Wurzeln; d. Nebenblätter.Nebenblattscheide, aufgeschnitten, 2faeh vergrössert.Ein Blüthenköpfchen, schief von unten gesehen, umdie 4 Hüllblätter zu zeigen, natürliche Grösse.

Eine Blüthenknospe mit dem Deckblatte, 4mal ver-grössert: e. Deckblatt; f. Fruchtknoten; g. Kelch;h. Blumenkrone.

Eine geöffnete Bliithe, 4fach vergrössert: i. Staub-gefässe.

Abbildungen.

Fig. F. Dieselbe, der Länge nach aufgespalten und ausge-breitet : h. Nektarkragen; l. Griffel.

Fig. G. Der Stempel, "mal vergrössert: m. Narben.

Der Fruchtknoten im Längsschnitte, 12mal ver-grössert: n. Samenanlagen.

Derselbe im Querschnitte.

Der Kelch aufgeschnitten und ausgebreitet, 14malvergrössert.

Staubgefässe von innen, von aussen und von derSeite betrachtet, 16mal vergrössert.

Pollenkörner, c. 300mal vergrössert.