26
scheidiger Basis den Stengel und verschmelzen paarweise mit einander; sie sind kahl, an den Scheiden-rändern zottig; die Fiederblättchen sind lanzettlich, spitz, am Grunde verschmälert, mehr oder wenigerdeutlich an der Spindel herablaufend, gesägt oder fast ganzrandig; das oberste Paar ist mit dem End-blättchen verschmolzen, an den grösseren Blättern stehen die Fiedern von einander entfernt und mehr oderweniger abwechselnd, an den kleineren sind sie gegenständig und genähert.
Die Inflorescenz ist endständig und eine reichlich verzweigte, 5—25 cm lange, deeussirte Rispe,deren Zweige von gefiederten, bald einfach werdenden, linealen Deckblättern gestützt sind; die oberen Ästederselben werden zu kleinen Dichasien, welche in Wickeln auslaufen; die Specialblüthenstände an denSeitenstrahlen II. Ordnung haben dadurch, dass die Blüthen in eine Ebene fallen, corymbösen Habitus.
Die Blüthen sind zwittrig, ziemlich klein (4—5 mm lang), fleischroth, sitzend, von 2 linealen, spitzen,am Grunde zuweilen mit einem Zahne versehenen Vorblättchen gestützt.
Der Fruchtknoten ist kaum 2 mm lang, oblong, etwas zusammengedrückt, glatt und kahl, grün.
Der Kelch wird aus 10 schmal linealen, eingerollten, braungrünen Blättchen zusammengesetzt.
Die Blumen kröne ist 3—4 mm lang, zygomorph, am Grunde kurz gespornt, trichterförmig, ungleichfünflappig, der Uber dem Sporn liegende Lappen ist der grösste, Lappen elliptisch stumpf. Der Grundder Spornaussackung ist fleischig und grün, er scheidet den Nektar aus.
Die Staubgefasse überragen im ersten männlichen Zustande die Bltithe weit; im zweiten, weib-lichen Zustände sind sie zurückgekrümmt. Die Staubbeutel sind fast zweiknöpfig, gelb, die Pollenkörnerellipsoidisch mit 3 meridionalen Längsfurchen, sie sind kurz bestachelt.
Der Griffel überragt im weiblichen Zustande die Blumenkrone, er ist doppelt gekrümmt und hat 3spreizende, kurze, stumpfe Narben.
Die Frucht ist oblong-eiförmig, etwas an der Spitze verjüngt, zusammengedrückt, auf der Innenseitewird sie von 3, am Rande von 2, auf der Aussenseite von einer Rippe längs durchzogen; sie ist gelbbraun,fast 5 mm lang und wird von einem zehnstrahligen Pappus aus gefiederten Haaren gekrönt.
Der Same füllt das Fruchtfach aus, das Würzelchen ist dreimal kürzer als die Keimblätter.
Der Baldrian ist von dem arktischen Russland durch fast ganz Europa weit verbreitet, nur im Südentritt er spärlicher auf und fehlt in Portugal, Süd-Spanien, im südöstlichen Frankreich ganz, in der Türkeiist er nur von der Halbinsel Chalcidice bekannt. Von Russland aus verbreitet er sich bis nach Kaukasienund dem türkischen Armenien. Durch das gesammte Sibirien ist er häufig, und auch in Japan gehört ernicht zu den seltenen Erscheinungen. In Süd-Afrika scheint er eingeführt zu sein, denn V. CapensisThbg. ( Harv. and So?id. Fl. Cap. III. 40) lässt sich von ihm nicht unterscheiden.
Anmerkung. Der Baldrian zeigt bezüglich der Länge der Ausläufer und der Natur der Blätter eine Neigung zuAbwandlungen, die bald als Varietäten, bald als Arten beschrieben worden sind. Die Form, welche keine Ausläuferentwickelt, dafür aber unmittelbar aus der Grundaxe mehrere blüthentragende Stengel treibt, heisst V. exaltata Mik., diemit langen Ausläufern und wenig-drei-bis fünfjochigen Blättern ist V. sambucifolia Mik., breit- und schmalblättrige Formenkommen bei der echten V. officinalis L. vor.
Die in Deutschland verkaufte Droge, Radix Valerianae oder Baldrianwurzel , stammt meist vonkultivirten Pflanzen und besteht aus höchstens 5 cm langen Rhizomen, welche die Endknospe und meisteinige kürzere Zweige tragen und mit zahlreichen Nebenwurzeln besetzt sind; die Laubblätter sind vomRhizome abgeschnitten. An von wild erwachsenen Pflanzen gesammelter Waare findet man gewöhnlichReste der oberirdischen Axen. Der wirksame Bestandtheil (ein ätherisches Öl) liegt vorzüglich in derHypodermis der Nebenwurzeln.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. A. Der obere Theil eines Exemplares der schmalblätt- i Fig. C. Die Bliithenknospe, 8 mal vergrössert: a. Frucht-
rigen Form von den Rüdersdorfer Kalkbergen. knoten; b. Kelch; c. Blumenkrone; d. Sporn.
Fig. B. Ein Grundblatt derselben Pflanze. Fig. D. Die Blüthe, 10mal vergrössert: e. Staubgefässe,