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sie ihm die Befähigung rauben, der Kunst in ihren Fort-schritten eben so gut zu dienen als die grossstädtischen Aerzte ?Ich sehe das wahrlich nicht ein. In allen Fächern des mensch-lichen Wissens (nicht bloss in der Medizin) sind doch nurimmer wenige, sehr wenige Geister erkoren, die Fortschrittedes Wissens im eigentlichen Sinne zu fördern, und diesekönnen es nicht thun, oder sie müssen ihrem Zeitalter vor-geeilt sein. Ehre, Ruhm und Geld können unmöglich diemächtigen Hebel sein, die sie ihrem Zeitalter entrücken, dennsonst müsste ja die Medizin, in der diese Hebel oft gewirktund noch immer wirken, sich längst auf dem höchsten Punktemöglicher Vollendung befinden: es ist vielmehr eine geheim-nissvolle Gewalt (man nenne diese Kunstliebe, Forschbegierde,oder wie man wolle), die sie treibt, ruhelos einem verschleier-ten Musterbilde nachzurennen, und keine Hindernisse sindmächtig genug, ihren Lauf zu hemmen. Wie der harte Stahlaus dem Kiesling das Feuer schlägt, so schlagen gerade un-freundliche, harte, rauhe Umgebungen aus solchen Geisternden Funken der Wahrheit. Hätte das Schicksal sie früh durchfreundliche Gaben verzärtelt, so würden sie vielleicht für immerSchmarotzerpflanzen geblieben sein. Wer vermag nun dieGeister zu schätzen, wer die Schicksalserziehung zu bestimmen,die ihrer Eigenthümlichkeit frommet? — Niemand. Darumist es auch unweise, zu behaupten, dass kleinstädtische Aerzte,aus Mangel an Aufmunterung zur Selbstbildung, Nullen fürdie Förderung der Kunst bleiben müssten.
Ueber die Nothziichtigung des ärztlichen Verstandes.
Das Wahre ist gewöhnlich einfach; wer es sich deutlichdenkt, kann es auch einfach und deutlich mittheilen. Jedergesunde Verstand, der das deutlich Vorgetragene begreift, istgezwungen, es als Wahrheit anzuerkennen. Dieser Verstan-deszwang ist etwas Nothwendiges, in dem Verstände jedesMenschen Gegründetes, ihm Angeborenes. Wer also nichtscheinbare, sondern wirkliche Wahrheiten vorträgt, der zwingtnicht Leser oder Zuhörer, seiner Meinung zu sein, sondern