Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
519
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

— 519 -

Sechstes Kapitel.

Von der Kunstheilung und von der Naturheilung.

I^s ist sehr gut, dass jeder praktische Arzt sich deutlich denke,auf wie mancherlei Weise durch die Kunst geheilt werden kann.Abgesehen von anderen wichtigen Vorth eilen, die diese Er-kenntniss gewähret, schützt sie uns am besten vor allem lieb-losen ärztlichen Splitterrichten. Ich habe, ehrlich sei es ge-standen , nie eine Anwandlung von Spott unterdrücken können,so oft ich las, dass Männer, die uns einen angeblich besserenWeg zur Heilung zeigen wollten, diesen neuen oder altneuenWeg nicht bloss als den vorzüglicheren, das heisst, als denkürzesten und sichersten, sondern als den einzig wahren an-priesen, und allen Aerzten weis machen wollten, jeder andereWeg führe nicht zum Heilen, sondern zum Verderben desKranken; ja, wo Heilung auf jede andere Weise erfolgt, seisie entweder bloss durch die unkünstige Natur, oder auch woldadurch bewirkt, dass der Arzt zufällig und bewusstlos denneu angezeigten Heilweg eingeschlagen. Ich dachte mir frühernicht ganz deutlich, warum mich bei solchen Aeusserungenein Spottkitzel anwandelte; seit ich aber grossjährig geworden,denke ich es mir recht deutlich. Jener Kitzel wurde nämlichdurch den grellen Widerspruch aufgeregt, welcher zwischendem kühnen Willen der Reformatoren und ihrer geistigen Be-fähigung zum Reformiren Statt fand.