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noch suchen muss, ist man eine arme, unglückliche Creatur.Begreiflich wendet man dann Mühe und Fleiss an, sich sobald wie möglich der unheimlichen Stellung zu entziehen.
Da ich in einem praktischen Buche der W ahrheit voll-kommen treu bleiben muss, so darf ich den Lesern, besondersden jüngeren, nichts verhehlen, was sie in der Folge einmahlauf eine etwas unangenehme Weise überraschen könnte. Hatman das Wesen einer herrschenden Krankheit richtig erkannt,heilt man sie also im eigentlichen Sinne, so ist es, wenn dieNatur dieser Krankheit verändert,-man also anfänglich daswahre Heilmittel nicht kennet, sondern es erst suchen muss,dem Volke gleich sichtbar, dass man die gewohnte Sicherheitverloren. Der Laie, der den Arzt in dem Zeiträume seinerSicherheit handien sah, und siehet ihn hernach in dem Zeit-räume seiner Unsicherheit handeln, der müsste wirklich ganzverstandlos sein, wenn ihm der Unterschied nicht in die Augenfallen sollte.
Was mich betrifft, so mache ich mir gar nichts daraus,das& die Leute so etwas merken, vielmehr habe ich des nieHehl gehabt, dass ich bei veränderter Natur einer herrschendenKrankheit leise auftreten und sie erst kennen lernen muss,bevor ich mit Sicherheit und Bestimmtheit handeln kann; ichhabe des nie Hehl gehabt, dass Krankheiten, deren Natur icherst erforschen muss, während meiner Untersuchung Fort-schritte zur Verschlimmerung machen können, ja ich habejederzeit in solchen Fällen, nach endlich beseitigter Krankheit,das gemeine Lob, das die Leute dem Arzte als Lebensretterspenden, unter der Bemerkung abgelehnt, dass ich Lob nurdann verdient haben würde, wenn ich befähiget gewesen, derKrankheit von Anfang an Stillstand zu gebieten, und die ver-meintliche Lebensrettung ganz unnöthig zu machen.
Ein Arzt, der sich nimmer als unsicher in der Erkenntnissden Augen der Menschen blosstellen will, der thut am besten,keine einzige Krankheit zu heilen, sondern sie alle nur zubehandlen. Er muss täglich neue Arzenei verordnen, auchmitunter, wenn er sich recht emsig zeigen will, zweimahltäglich, dabei mit holdseligen Reden dem Kranken, oder istdieser schwerhörig, den Freunden die Zeit vertreiben; so kann