— 601 —
er Jahr aus Jahr ein sich gleich bleiben, und kein Menschwird je sagen, dass er jetzt minder mit der Natur der zu hei-lenden Krankheit, bekannt sei als er es früher gewesen.
Bis hierhin habe ich nur von der Veränderung des We-sens der Krankheit eines und desselben Organs gesprochen.Kommt aber die Zeit, dass der Morbus stationarius in derForm verändert, dass er auf ein anderes Organ übergehet,dann gilt es wahrlich noch mehr aufpassen. Eine solche Ver-änderung der Form offenbart sich oft durch keinen einzigenausgezeichneten, in die Augen fallenden Zufall, sondern leidereinzig durch das Nichtheilwirken des bis dahin heilendenOrganmittels. Nun stehet man da und schauet das Ding ganzverblüfft an. Man merkt wol, dass man mit etwas Neuemzu thun hat; ob aber das Neue in einer Wesenveränderun;.der bis dahin herrschenden Organkrankheit bestehe, oder inder Erkrankung eines ganz anderen Organs, das ist das grosseRäthsel, welches einem zu lösen aufgegeben ist. Sollten viel-leicht manche Leser denken, man müsse doch wol aus denZufällen erkennen können, ob Leber, oder Milz, oder Pankreas,oder Gehirn u. s. w. erkrankt sei, so bitte ich sie, sich an daszu erinneren, was ich oben von der Unsicherheit der Er-kenntniss der Krankheitsform durch die Zufälle gesagt habe.Auf eine Kleinigkeit muss ich jedoch aufmerksam machen, diemir zuweilen beim Errathen des neu erkrankten Organs guteDienste geleistet. Das kleinliche und ängstliche Aufzählenaller Zufälle einer herrschenden Organkrankheit ist ganz nutz-los; denn die Zufälle sind gewöhnlich so wandelbar, so viel-artig in verschiedenen Körpern, dass, wollte man auch, wieSylvins, sie bei der Krankheitsbeschreibung in gewisse Klassenordnen, um das Uebersehen und Behalten derselben zu er-leichtern, man dadurch doch in der Folge, wenn wieder ein-mahl dieselbe Krankheit erscheinen sollte, den Aerzten dieErkenntniss nicht erleichtern, sondern weit eher erschwerenwürde; denn diese Krankheit könnte alsdann andere Zufällezeigen als früher, und doch von dem nämlichen urerkranktenOrgan abhangen als die frühere, und eben so naturet sein alsdie frühere, das heisst, durch das nämliche Mittel heilbar.Man beobachtet aber, zwar nicht bei allen, aber doch bei