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2 (1847)
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unsere antagonistischen Hcilversuche, von denen doch niemandbehaupten kann, dass sie unfehlbar sind, in allen den Fällen,wo das Heilen nicht dadurch bewirkt wird, dem Kranken neueund nutzlose Leiden bereiten; da es eben so unwidersprechlichist, dass durch dieselben sein Leben nicht selten auf dieSchanze gesetzt wird, so muss man mit Recht fragen: ist esmit der Sittlichkeit verträglich, dass wir Menschen, die aufguten Glauben ihr Wohl, ihr Leben uns anvertrauen, so be-handelen, als seien wir befähiget, dieses Leben (das dochausserhalb der Grenzen unserer Erkenntniss liegt, dessen Aeusse-rung wir nur sinnlich wahrnehmen können) nach Mass, nachGewicht, nach Zahlen zu berechnen? Wenn wir die gegne-rischen Hcilversuche, ganz abgesehen von der intellektuellenund sittlichen Bildung derer, welche sie anwenden, bloss inabstracto betrachten, so können wir dreist behaupten, dass siemit der Sittlichkeit ganz unverträglich sind, ja dass sie mitder ärztlichen, in unseren Tagen thätlich offenbarten zartenSittlichkeit in dem allergrellsten Widerspruche stehen. Manlegt ja Leichenhäuser an, um den möglichen Funken desLebens, der noch in einer Leiche sein könnte, vor dem ge-waltsamen Ersticken zu sichern, und wer ist unter uns, derdieses nicht löblich finden sollte? Aber, Freunde! verdientdenn in dem Kranken das feindlich ergriffene Leben wenigerzarte Schonung, als der blosse mögliche Funke des sichtbarerloschenen im Leichname?

Betrachten wir aber die feindlichen Heilversuche in con-creto, als von verständigen, sittlichen Menschen angewendeteHeilversuche, so müssen wir ganz anders darüber urtheilen.Keiner, der das direkte unfeindliche Heilen kennet und esdurch eigene Erfahrung zu würdigen gelernt hat, keiner, derdas Unsichere, ja in vielen Fällen das Gefährliche des feind-lichen indirekten Heilens sich möglichst deutlich denkt, wird,dem unfeindlichen das feindliche vorziehend, letztes als einegewöhnliche Waffe täglich nothlos gebrauchen. Thäte einsolcher es dennoch, so könnte man sagen, er mache sich einerUnsittlichkeit schuldig. Wo sind aber solche Menschen, diemit deutlichem Bewusstsein absichtlich unsittlich handeln ?Vielleicht nirgends. Wer unsittlich handelt, der thut es ausII. 36