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ich wol nicht lügen. Da ich aber über das, was ich in dieserHinsicht beobachtet und was zu meiner Kunde gekommen nieBuch geführt habe, so mag ich auch jenes Verhältniss in be-stimmten Zahlen nicht ausdrücken. Kühn darf ich aber inAllgemeinen behaupten, dass die Natur weit, weit in denmeisten Fällen direkt, unfeindlich heilet, und nur in denwenigsten antagonistisch, so dass also Letztes nur Ausnahmevon dem Gewöhnlichen ist.
Kluge Meister haben gesagt, der Arzt müsse Schüler derNatur sein, sonst könne er nie ein guter Diener derselbenwerden. Will ich aber Schüler der Natur sein, so muss ichihr auch folgen und, wie sie, in den meisten Fällen direkt,unfeindlich heilen. Auf dieses unfeindliche direkte Heilen mussich alle meine Gedanken richten, emsig streben, mich je längerje mehr in demselben zu vervollkommnen, damit ich je längerje weniger des feindlichen Heilens bedarf. Wollte ich dasGegentheil thun, alles antagonistisch zu heilen versuchen, demKranken das Blut abzapfen, ihn brechen lassen, ihn purgiren,ihn brennen, ätzen, schneiden, durch Quecksilber und anderefeindliche Mittel die Zähigkeit seines Lebens tollkühn auf dieProbe stellen, so würde ich als ein fauler, unaufmerksamerSchüler der Natur handien, als ein der Lehre zu früh ent-laufener mir in einseitiger Selbstgenügsamkeit eine Meisterschaftanlügen, die nur die Einfalt, oder die durch freches Auftretenverdutzte Bescheidenheit, oder ein seltsamer, wandelbarer Zeit-geist anerkennen könnte.
Bis jetzt ist noch kein Arzt so weit gekommen, dass erdas antagonistische Heilen ganz entbehren kann; auch ich willmich einer solchen Künstigkeit nicht rühmen: sollen wir aberdieser Unvollkommenheit wegen, die vielleicht durch die ver-einte Bemühung vieler guten Aerzte mit der Zeit zu verbessernsein möchte, die ganze Kunst zu einem wahrhaften Glücks-spiele herabwürdigen? Nein, da sei Gott vor! wir wollen lieberdemüthig der Natur folgen, ihre Spur wird doch die Kunstmit der Zeit wol am sichersten zu dem Ziele möglicher Vol-lendung führen.
Nun wollen wir noch am Schlüsse dieses Kapitels folgendeFrage erörtern. Da es unwiderspreclilich ist, dass wir durch