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Die Natur heilt zuweilen durch Erschöpfung des ganzenLeibes eine solche Erkrankung eines Organs, welche derKunst zu heilen unmöglich ist, wenn gleich der Arzt daserkrankte Organ kennet und es ihm auch nicht an kräf-tigen Organheilmitteln fehlet. So habe ich mehrmahls,jedoch nur in einzelnen seltneren Fällen beobachtet, dasseine akute epidemische Leberkrankheit eine schon langechronisch erkrankte Leber ergriff; das gab einen bösenKampf, bei dem meine Kunst wenig vermochte. Wenndie Natur hier heilte, so heilte sie nicht bloss das neueakute, sondern auch gleichzeitig, zum grössten Theil, daschronische Uebel durch Erschöpfung des ganzen Leibes.Wie viel, oder wie wenig ein gleichzeitig gegebenes gutesLebermittel zur Heilung beigetragen, mag der Himmelwissen; ich selbst bin nie geneigt gewesen, seinen Antheilhoch anzuschlagen.
Den merkwürdigsten Fall eines bloss durch gänzlicheErschöpfung geheilten urerkrankten Organs habe ich vorungefähr 36 Jahren beobachtet. Ein Mann von mittlemAlter wurde wahnsinnig. Arzenei weigerte er zu nehmen.Da er Speise und Trank zu sich nahm, so liess ich einstJalappenpulver unter die Speise mischen, in der gutenMeinung, durch einen tüchtigen antagonistischen Reiz aufden Darmkanal ihm sein krankes Gehirn zu heilen. Erwar aber anderer Meinung, merkte bei dem ersten Happschon Unrath, spie ihn aus, und weigerte sich von demAugenblicke an, Speise und Trank zu nehmen. Sein un-gestümes, gefährliches Wesen nöthigte seine Söhne, ihnin eine Kammer zu sperren, welche man dick mit Strohbelegt hatte. Er tobte und schrie nun unaufhörlich Tagund Nacht durch. So oft man ihm Speise und Trankanbot, weigerte er nicht bloss, sie zu nehmen, sondernwurde noch viel wüthender durch dieses Anbieten. An-fänglich glaubten seine Freunde und ich, er werde wolin ein paar Tagen, durch Hunger und Durst gemahnet,essen und trinken. Das ging aber ganz anders als wirglaubten; bis zum eilften Tage setzte er hartnäckig dieHunger- und Durstkur fort. Die Leser können leicht