Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
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543
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angebliches Zeichen der Magen- und Darmunreinigkeiten,so ist mir die Sache wahrhaftig zu einfältig, als dass ich>ohne mich selbst zu langweilen, viel Worte darüber ver-schwenden könnte. Ich denke auch, diejenigen meinerLeser, die ungefähr von meinem Alter sind, und die sichnoch aus ihrer Jugend erinneren, welchen Werth mandamahls auf dieses Zeichen legte, werden, so gut als ich,durch eigene, vorurtheilfreie Beobachtungen, sich von derNichtigkeit desselben hinlänglich überzeugt haben. Ge-rade in den Fällen, wo, nicht eine eingebildete, sonderneine wirkliche, bedeutende Ansammlung scharfer Galleim Magen und Darmkanal steckt, finde ich die Zungenie gelb, schmutzig, dickpelzig belegt, sondern vielmehrrosenartig entzündet, ja der ganze Schlund ist in solchenFällen, wol zusammt der Speiseröhre, rosenartig ent-zündet. Wo ich eine sehr schmutzige Zunge sehe, dakann ich auch wissen, dass die Krankheit schon Fort-schritte gemacht hat, entweder wegen Mangel an Hülfe,oder wegen ungehöriger Hülfe.*) Wenn während meinerHeilversuche die Zunge des Kranken, die, wie gewöhnlichim Anfange akuter Krankheiten, einen weissen Anflughatte, grau, braun, gelb, und pelzig wird, so begreifeich, dass ich auf einem Irrwege bin; denn wenn ich dasrichtige Heilmittel anwende, so wird die Zunge nichtschmutzig, sondern sie wird, je nachdem das urerkrankteOrgan, oder der urerkrankte Gesammtorganismus zumNormalstande zurückkehret, je länger je reiner und ge-sundheitsgemässer. Diese allgemeine Beobachtung lässtmich vermuthen, dass die Aerzte der Stollischen Schule,durch die unsinnige Anwendung ihrer Brech- und Laxir-mittel die schmutzige Zunge selbst gemacht haben, und

*) Von dem Gesagten machen diejenigen fieberhaften Krankheiten eine Aus-nahme, welche die Organe der Mundhöhle selbst angreifen. Bei diesenkann man, am zweiten Tage 2u dem Kranken gerufen, schon die Zungesehr schmutzig finden. Auch gibt es einzelne, jedoch wenige Menschen,die bei jedem geringen Unwohlsein gleich eine garstige Zunge haben. Dashängt von einer unerklärlichen Eigenthümlichkeit solcher Körper ab.