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Im Jahre 1806 wurde ich zu dem damahls sechzigjährigen,jetzt längst verstorbenen Pfarrer J. zu Pf* gerufen. Angeb-lich war er früh morgens zur ungewöhnlichen Zeit aus demBette gestiegen und hatte sich gar fremdartig geberdet; er-schrocken eilt man zu ihm, spricht ihn an, er antwortet nicht,taumelt, und man bringt ihn mit Mühe ins Bett. Bei meinerAnkunft, die ich möglichst beschleuniget hatte, fand ich ihnin folgendem Zustande.
Er war ganz besinnungs- und gefühllos, konnte nichtsschlucken, nicht einen Tropfen Flüssigkeit. Sein Gesichtwar weder roth noch blass, aber fremdartig entstellt, seinAthemholen langsam und so rasselnd, wie man es zuweilenbei Sterbenden hört, sein Puls voll, stark, abnorm langsam,aber rhythmisch regelmässig, die Wärme seiner Haut von dernormalen nicht merkbar verschieden. Lähmung konnte ichnicht erkennen, zum wenigsten war der Mund nicht schief.
Da er nicht schlucken konnte, war es auch unmöglich,ihm Arzenei einzugeben. Weil ich aber meines alten Freundesleibliche Eigenthümlichkeiten genau kannte, erinnerte ich michgleich der ausgezeichneten Reizbarkeit seiner Haut; auf diesebaute ich die schwache Hoffnung, ihn durch äussere Reize soweit zu erwecken, dass er wieder zum Schlucken befähigetwürde. Schwach war diese Hoffnung aber gewiss, da wedertüchtiges Kneipen der Haut, noch Kitzeln der Fussohle dasgeringste Zucken, oder sonst ein Zeichen des Gefühls hervor-brachte. Ich legte ihm grosse Zugpflaster auf beide Waden,beide Oberarme und den Nacken. Nachdem diese Blasengezogen und der Zustand noch unverändert blieb, Hess ichdie Oberhaut von den wunden Stellen ganz wegnehmen, diePflaster mit einem Messer aufkratzen und wieder auf dieStellen legen, verordnete auch, dass man dieses von Zeit zuZeit wiederholen müsse. Das erste Zeichen von Gefühl, daser auf diese Kasteiung von sich gegeben, ist, wie man mirsagte, später ein leises Winseln gewesen, welches man beimAbziehen der Pflaster gewahrte. Es währte aber bis zumMorgen des dritten Tages, ehe er wieder so weit kam, etwasschlucken zu können. Der besinnungslose Zustand hatte also48 Stunden angehalten. Jetzt gab ich ihm, weil ich damahls