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Anwandlung von Schwindel, zu meinem Kollegen nach Geldernbegeben und sich auf dessen Rath eine tüchtige Menge Blutabziehen lassen. Weit entfernt aber, dass ihn diese Entlee-rung vor der Apoplexie hätte bewahren sollen, wurde er viel-mehr zwei Tage nachher davon ergriffen. Sein voller, starkerPuls und sein athletischer Körperbau hatten meinen Amtsge-nossen auch jetzt bestimmt, ihm ein reichliches Aderlass, nebstantiphlogistischen Mitteln zu verordnen; die Krankheit waraber nach diesem Heilversuche sichtbar schlimmer geworden.P., ein ehemaliger Schüler Stolls, der grösste ärztliche Skep-tiker, den ich je gesehen, fragte mich ohne Unischweif, ob ichschon in meinem Leben einen Puls gefühlt, der das Ader-lassen mehr anzeige, als der des vorliegenden Kranken ? Ichkonnte nicht in Abrede stellen, dass nach schulrechter Ansichtder Puls des Kranken auf eine solche Hülfe hinweise; setzte aberhinzu, ich habe schon ein paarmahl, ausser der Apoplexie, einengleich starken, vollen und harten Puls beim Marasmo seni/igefunden, wo es denn doch wol schwerlich einem Arzte ein-fallen würde, die verschlissenen Körper durch Blutlassen zuverjüngen. Das war Wasser auf des Skeptikers Mühle; sati-risch erinnerte er mich an die ärztliche Erklärung jener auf-fallenden Erscheinung beim Marasmus, und war der Meinung,es würde denn doch unweise sein, in dem vorliegenden Falle,irgend einer Theorie zu Liebe, eigensinnig auf einem Wegefortzuschreiten, der bis dahin sichtbar und unwidersprechlichzu nichts Gutem geführt. Ich musste ihm Beifall geben, wie-wol ich begriff, dass das Einschlagen eines anderen Heilwegesden Kranken auch nicht mehr retten würde; er starb dendritten Tag nachher.
Im Anfange des zweiten Befreiungskrieges musste ich einenachtzigjährigen apoplektischen Mann übernehmen, dessen Arztzum Kriegeshospital abgegangen war. Dieser hatte dem Alten,bei den ersten Zeichen des eintretenden Schlages, eine reich-liche Blutentleerung gemacht; nach Aussage der Hausgenossen,war der Kranke gleich nach dem Aderlassen schlimmer unddie Lähmung sichtbar geworden. Auch dieser hatte einenvollen, starken Puls und wird ihn auch wol bis zum Tode,der am zweiten Tage erfolgte, behalten haben.