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übergehenden Erscheinung, dergleichen es unzählige gab: eswird mir also jetzt wol niemand mehr als Eigenliebe oderNeid auslegen, wenn ich das Wahre, was an der Sache ist,in das gehörige Lieht zu stellen versuche.
Zuerst bemerke ich dem Leser, dass ich nicht durchScharfsinn oder Belesenheit auf jene Entdeckung gekommen,denn ich war damahls noch jung und dumm, sondern dassmir bloss der Zufall gedient. Ich hatte einen Schneidermeisteram Faulfieber zu behandeln und behandelte ihn wie ich esgelernt, das heisst, anfänglich, weil er bitteren Geschmack,belegte Zunge und Druck in den Präkordien hatte, ein wenigantigastrisch, und weil ich sah, dass er, statt besser, schlimmerwurde, gab ich eine Abkochung der Rinde, Serpentaria u. s. w.,liess auch Schwefelsäure mit Sirop und Wasser nach Beliebenzum Durst trinken. Die Sache ging ihren Gang wie sie ge-wöhnlich bei dieser Behandlung zu gehen pflegt, der Krankestarb zwar nicht, aber er stand doch viel Elend aus undlag lange.
Indem nun dieser in den übelsten Umständen war, batman mich, den Gehülfen, einen sechzehnjährigen Jungen, deroben im Hause krank lag, zu besichtigen und seine Heilungzu versuchen. Ich fand ihn zwar bei guter Besinnung, aberin heftigem Fieber und mit grossen schwarzen Petechien besäet,das Blut sickerte ihm beständig aus der Nase.
Er war arm, sein kranker Meister hatte auch nichts mehrals die Nothdurft, und den Armenvorstand durfte man nichtansprechen, weil der Junge nicht in die Kategorie der eigent-lichen Armen gehörte; an eine schulrechte ärztliche Behand-lung war also gar nicht zu denken. Da ich aber glaubte, essei doch besser etwas als gar nichts zu thun, so verschriebich bloss Schwefelsäure und liess ihn davon nach Durst trinken.Nachmittags kam sein Nachbar der Apotheker L* zu mirund sagte: wenn ich keinen Rath auf das Nasenbluten wisse,müsse der Junge nothwendig sterben; dieses sei nämlich, seitich ihn gesehen, so stark geworden, dass er es so unmöglichlange aushalten könne.
Die Anwendung äusserlicher Mittel, die ich gegen dasNasenbluten gelernt, half nicht, Hülfe musste aber vor AbendII. 21