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Repetitorium der Chemie : mit besonderer Berücksichtigung der für die Medizin wichtigen Verbindungen sowie des Deutschen Arzneibuches und anderer Pharmakopöen namentlich zum Gebrauche für Mediziner und Pharmazeuten
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Heterokarbozyklische Verbindungen.

6. Abbauprodukte der Eiweißstoffe.

Eiweißstol'fe können, außer in die einfacher konstit. Proteosen, auch inihre einfacheren Bausteine, die Aminosäuren, gespalten werden durch längereHydrolyse (S. 618); die hierbei erhaltene Verb., welche nicht Aminosäurensind, entstehen durch deren Zerfall (S. 613).

Durch Hefepilze entstehen Aminosäuren u. dann aus diesen unterAbspaltung von C0 2 u. NH Alkohole (Fuselöle, s. S. 389).

Durch Fäulnisbakterien entstehen Proteosen u. hierauf Amino-säuren, welche aber weiter zerlegt werden, indem unter NH 3 -Abspaltung Fett-säuren u. zykl. Säuren entstehen u. anderseits durch Abspaltung von COPt omaine, häufig auch Skatol, Indol, Phenole, Methylmercaptan, Amine.

Gewisse pathogene Bakterien erzeugen giftige Eiweißstoffe (S. 619).

Aminosäuren, die als Bausteine der Eiweißmol. aus denselben abspaltbarsind, jedoch aus jedem einzelnen Eiwcißsloff in versch. Mengen u. die von-einander durch die Estermethode trennbar sind (S. 411, 5 ), sind folgende:

1. Aliph. Monaminosäuren: Aminoessigsäurc (Glykokoll), Amino-propionsäure (Alanin), Oxyaminopropionsäure {Serin), Aminobullersäure,Aminovaleriansäure (Valin), Aminocapronsäure (Leucin), Aminobernsteinsäure(Asparaginsäure), Aminobrenzweinsäure (Glutaminsäure), ferner Aminothio-milchsäure (Cyste'in, bzw. Cystin) der schwefelhaltige Anteil der Eiweißstoffe.

2. Aliph. Diaminosäuren: Diamtnocapronsäure (Lysin), Diamino-essigsäure, Diaminovaleriansäure (Ornithin), Diaminoadipinsäure, Diamino-bernsteinsäure, Diaminobrenzweinsäure, Guanidinaminovaleriansäure (Arginin).

3. Zykl. Aminosäuren: Phenylaminopropionsäure, Oxyphenylamino-propionsäure (Tyrosin), Phenylaminoessigsäure (Phenylalanin).

4. Heterozykl. Aminosäuren: Indolaminopropionsäure (Trypto-phan), Imidazolaminopropionsäure (Histidin, S. 593).

5. Hydrohelerozykl. Aminosäuren: Pyrrolidincarbonsäure (Prolin),Oxypyrrolidincarbonsüure (Oxyprolin, S. 590).

Ptomaine, SepLicine, Ptomatine, Fäulnisbasen nennt man eineAnzahl bas. stickstoffhaltiger org. Verb., welche, meist giftig, sich durchMikroorganismen aus in faulendem Eiweiß zuerst auftretenden Amino-säuren (also auch in Leichen, ptoma, Leichnam) bilden können.

Viele Ptomaine sind giftig u. heißen dann Toxine; aus ihren Lös. werdensie durch dieselben Reagenzien gefällt wie die Alkaloide (s. diese).

Da gewisse Eiweißstoffe u. andere Verb, ähnliche Farbenreaktionen wieAlkaloide geben, so können diese auch mit unreinen Ptomainen entstehen,weshalb man glaubte, daß den Ptomainen die Reaktionen der Alkaloide zu-kämen u. sie daherFäulnis- oder Leichenalkaloide" nannte.

Ptomaine sind nach ihrer Konst. Amine, Diamine, AmmoniumbasenGuanidin- u. Pyridinderivate, zum Teil aber noch unbekannter Konst.; einigesind fJüss. u. flüchtig, andere nicht flüchtig, flüssig oder kristallisierbar.

Hierher gehören Methylguanidin u, Betain, dann die AmmoniumbasenNeurin u. Muscarin, die Diamine Neuridin, Cadaverin, Saprin.

Ptomaine unbekannter Konstit. sind Marcitin, C 8 H 19 N 3 , PutrinCjjH 26 N 2 0 3 , Viridinin, C 9 H 12 N 2 0 3 u. Sepsin, CgH^N^, das Hauplgiftfaulender Tierstoffe, ferner Mydatoxin, C 6 H 13 0 2 N, u. Mydin, CgHuON,aus gefaultem Fleisch, Gadinin, C 7 H 19 0 2 N, aus gefaulten Fischen, Mytili-toxin, C 6 H 16 0 2 N, aus giftigen Miesmuscheln, Wurst- u. Käsegift, Pyo-cyanin, C 13 H 20 O 1 N 2 , die Ursache der Blaufärbung faulen Eiters usw.

Leukomaine sind ungiftige, den Hormonen nahestehende, bas. Stoffe,welche als Zersetzungsprodukte des Eiweißes im lebenden Tierkörper entstehen.

Toxine sind starkgiftige, wenig gekannte Verb., welche wahrscheinlichals Zersetzungsprodukte von Eiweißstoffen im lebenden Tierkörper entstehen;manche enthalten Eiweiß, anscheinend aber nur als Beimengung u. sind wahr-scheinlich auch die wirksamen Anteile der Toxoprotol'ne; im Tierkörper ein-geführt bewirkt jedes Toxin die Bild, eines best. Gegengiftes oder Antitoxins.

Toxine sind z. B. Anthracin aus Milzbrandbazillen, Tetanin,