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Repetitorium der Chemie : mit besonderer Berücksichtigung der für die Medizin wichtigen Verbindungen sowie des Deutschen Arzneibuches und anderer Pharmakopöen namentlich zum Gebrauche für Mediziner und Pharmazeuten
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Anorganische Chemie.

Z. B. läßt sich das Eadikal "OH oder "SH unverändert von einer Verb,in andere überführen u. kann so Verb, wie K~(OH), Car(OH) 2 , Fe=(0H) 3 ,K"(SH), Ca=(SH) 2 bilden.

Nach der Zahl der einwert. Atome, welche an ein Radikal gebundenoder in einer Verb, durch ein Eadikal ersetzt werden, unterscheidet man ein-,zwei-, usw. -wertige Radikale; anorg. Radikale heißen, zum Unterschiedvon org. Radikalen, oft Gruppen u. enden meist (im Gegensatz zu org.Radikalen ohne Berücksichtigung ihrer Wertigkeit) auf ,,yl".

Radikale treten, mit Ausnahme der geradwert, des Kohlenstoffs, seltenfrei auf, da sie freigemacht, ähnlich den freien Atomen, sofort mit ihren freienWertigkeiten zu Mol. zusammentreten; z. B. werden aus den Mol. des W.HÖH, des Schwefelwasserstoffs HSH, des Ammoniaks NH 3 , des Sumpf-gases CH 4 , durch Abspaltung von einem Atom H entstehenden einwert.Gruppen "OH, "SH, ~NH 2 , ~CH 3 sich sofort vereinigen zu

II II II II III III IV IV

HO-OH, HS-SH, H 2 N-NH 2 , H ? C-CH 3 ,

Wasserstoff- Wasserstoff- Diamin Dimethyl

peroxyd. persulfid. oder Hydrazin. oder Äthan.

Für die Benennung anorg. Verb, wichtige Radikale, bzw. Gruppen,sind z. B. "OH Hydroxyd oder Hydroxyl (veraltet Hydrin), "NH 4 Ammo-nium, "NH, Amido oder Amino, "NO Nitroso oder Nitrosyl, "N0 2 Nitrooder Nitryl, "SH Hydrosulfuryl, "S0 2 "Sulfuryl, "SO" Thionyl oder Sulfoxyl,ferner solche Radikale die noch Säurefunktionen haben u. entspr. benanntwerden, z. B. "S0 2 "OH Sulfonsäure, "SO"OH Sulfinsäure, "PO(OH) 2 Phos-phinsäure usw.; oft werden Namen von Radikalverb, verwirrend abgekürzt,z. B. heißt H 2 N"S0 2 "NH 2 Sulfamid statt Sulfurylamid, H 2 N"S0 2 r OH Sulfa-midsäure statt Amidosulfonsäure usw.

Steht der Name des Radikals vor oder hinter dem Namen eines Ele-ments oder andern Radikals, so liegt eine Verb, des betr. Radikals vor,z. B. K'OH Kaliumhydroxyd, NH 2 ~OH Hydroxylamin, crso 2 "Cl Sulfuryl-chlorid, CHySCTOH Methylsulfinsäure.

Steht hingegen der Name des Radikals vor oder hinter dem Nameneiner Verbindung, so liegt Substit. von H-Atomen der Verb, durch dasRadikal vor, z. B. Nitrosylschwefelsäure (ON)"0~S0 2 "OH, Amidophosphorsäure(H 2 N)-0"P(OH) 2 , Methylschwefligesäure, (CH,)"CrSO-OH.

3. Säuren u. deren Benennung.

Anorg. Säuren (veraltet Mineralsäuren) heißen Verb, des Wasser-stoffs (H) mit einem oder mehreren Nichtmetallen (seltener mit einem Metalloder einem Nichtmetall), deren H-Atome ganz oder teilweise durch Metall-atome ersetzt werden können, wobei Salze entstehen (s. ferner S. 84).

Alle Lös. von Säuren haben sauren Geschmack u. saure Reaktion,d. h. die Eigensch., blauen Lackmusfarbstoff zu röten, gerötete Phenolphthal-einlös. zu entfärben u. gelbe Methylorangelös. zu röten.

Man unterscheidet sauerstoffreie u. sauerstoffhaltige Säuren u. nachder Anzahl ihrer durch Metalle ersetzbaren H-Atome ein-, zwei- usw. basischeSäuren (ein-, zwei- usw. -wertige Säuren), z. B. HCl Chlorwasserstoffsäure,Schwefelsäure, H 3 P0 4 Phosphorsäure.

Die Stärke der Säuren u. Basen (ihre Affinitätsgröße) wirdbedingt durch die Größe ihrer Dissoziationsfähigkeit (S. 84),

H 2 S0 4