Acetum concentratum. 3
Nachdem eingesetzt und verbunden ist, wird das Feuer unter dem Sand-bade angezündet, und die Destillation eingeleitet. Die ganze Masse kommt zumSchmelzen und wallt bei richtiger Leitung des Feuers regelmässig auf. DieRetorte darf nur am Anfange der Operation zur Hälfte on den Substanzen er-füllt werden, weil die Masse gegen Ende sieh aufbläht. Die Destillation gehtsehr leicht vor sich.
Die ersten, bei gut geleiteter Destillation übergehenden 33 Unzen haben einspeeifisches Gewicht von 1,052, sind vollkommen rein und frei von Schwefel-säure und schwefliger Säure. Um die richtige Menge von 33 Duzen in Gewichtzu rechter Zeit abnehmen zu können, ohne wiederholte Wägungsversuchemachen zu müssen, tarire man sich im Auflanggefässe 31 Unzen 3 Drach-men Wasser ab, und bezeichne die Linie der Oberfläche durch ein StreifehenGummipapier, welches darüber angeklebt, gerade bis an diese Stelle reicht. 31Unzen 3 Dr. destillirtes Wasser nehmen nämlich eben so viel Raum ein, als 33Unzen einer Flüssigkeit von 1,052 speeif. Gewicht.
Nach der Pharmacopoe sollen die ersten 33 Unzen des Destillats mit soviel destillirtem AVasser verdünnt werden, dass sie das speeif. Gewicht von 1,040haben. Dazu sind nach Versuchen 9 Unzen nothwendig, so dass das ganze Pro-duet 42 Unzen betrügt.
Setzt man die Destillation bis zur Trockne fort, so gehen 8 bis 9 UnzenFlüssigkeit übe:-, die sehr schwach sind, ein speeif. Gewicht von 1,009 haben, undunangenehm brenzlieh riechen. Man kann sie nur zur Darstellung krystallisir-barer, essigsaurer Salze gebrauchen.
Obige Vorschrift der Pharmacopoe ist ein Fortschritt gegen die in der3ten, 4ten und 5ten Auflage enthaltenen. Dort sollte kohlensaures Kali, mitEssig gesättigt, zu einem bcstimmten.Gewichte eingedampft und diese Flüssigkeitunter Zusatz von Schwefelsäure und Braunstein destillirt werden. Diese Me-thode litt an verschiedenen Gebrechen. Das kohlensaure Kali enthält immerChlormetallc, welche, da das essigsaure Kali nicht krystallisirt werden kann undsoll, darin bleiben und das Destillat unvermeidlich mit Salzsäure verunreinigen,die nun nicht mehr leicht und sicher entfernt werden kann. Man kann wohlmit Bestimmtheit sagen, dass kein denkender und erfahrner Apotheker sich je-mals dieser Methode des Zwekes halber bedient habe. Das essigsaure Natronist ein wohlfeiles, im Handel vorkommendes Salz, das sich durch Krystallisation'von fremden Salzen reinigen lässt. Da das Atomgewicht des Natrons im Ver-hältniss zu Bleioxyd und Kali klein ist, so ist im gleichen Gewichte essigsaurenNatrons mehr Essigsäure und weniger Basis enthalten.
Das essigsaure Natron erthält:
1 Atom Essigsäure (C 4 IL,0 3 ) = 511 Atom Natron (NaO) = 31,2
G Atom Wasser G HO =54
13G,2Zur Zersetzung desselben gehört mindestens 1 Atom Schwefelsäurehydrat(S0 8 -}-HO) s= 49, also auf 3 Pfund oder 30 Unzen nach diesem Verhältnisse!2,9 Unzen, und in runder Zahl 13 Unzen. Die Pharmacopoe schreibt 24 Un-zen vor, oder nahezu das Doppelte der zur Zersetzung nöthigen Menge. Siegeht unstreitig davon aus, bei der Zersetzung doppelt schwefelsaures Natron zue rzeugen. Dazu liegt aber kein Grund vor, da sich Salze mit so schwachenSäuren, wie die Essigsäure, Ameisensäure, Blausäure und ähnliche auch durche Jn Atom Schwefelsäure vollsändig zersetzen lassen. Man kann dies schon ausem em anderen Präparate der Pharmacopoe, nämlich Aädum acetkum, ersehliessen,Wo ess igsaures Natron mit doppelt schwefelsaurem Kali zersetzt werden soll.