Druckschrift 
Anleitung zur Darstellung und Prüfung chemischer und pharmaceutischer Präparate : ein auf eigene Erfahrungen gegründetes, insbesondere den Apothekern gewidmetes praktisches Hülfsbuch
Entstehung
Seite
375
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

F -v

Formylum chloratum.

395

Kalkhydrat CaO + HO, 22 Prc. Chlorcalcium = CaCl und28 Prc. unterchlorigsaurem Kalk CaO -\- CIO, welches Ver-hältniss 4 M.-G. Kalkhydrat, 1 M.-G. Chlorcalcium mit 1 M.-G.unterchlorigsaurem Kalk entspricht. Doch ist diess Verhältniss inder käuflichen Waare keineswegs immer dasselbe, was theils inder ursprünglich schlechtem Beschaffenheit, theils in dem Alterund in der Aufbewahrung derselben in nicht verschlossenen Ge-fässen liegt. Die Bleichkraft oder, was dasselbe ist, der Werthdes Chlorkalks liegt in seinem Gehalte an unterchlorigsaurem Kalk;je grösser also dieser, um so grösser die Bleichkraft. Da sichbei der Bereitung des Chlorkalks stets gleiche M.-G. Chlorcal-cium und unterchlorigsaurer Kalk erzeugen,

2 M.-G. CaO und 2 M.-G. Cl bilden:1 M.-G. CaCl und 1 M.-G. CaO + CIO,so muss jeder Chlorkalk, seine Bleichkrafl sei welche sie wolle,im frischen Zustande diess Verhältniss der beiden Chlorverbin-dungen besitzen. Wenn aber seine ursprüngliche Bleichkraftdurch längeres Liegen bei Luftzutritt vermindert ist, so hat sichin demselben Grade sein Gehalt an Chlorcalcium auf Kosten desunterchlorigsauren Kalks vermehrt, er wird um so empfänglicherfür die Feuchtigkeit der Luft und geht endlich in eine schmierigeMasse über. Diese Andeutungen mögen genügen, die chemi-sche Constitution des Chlorkalks anschaulich zu machon und dieNothwendigkeit, denselben nur im möglichst kräftigen Zustandebei der Darstellung des in Bede stehenden Präparats anzuwen-den, zu zeigen. Ich gehe nun zu seiner Wirkung auf den Al-kohol über.

Der wasserfreie Alkohol besteht aus C 4 H 6 0 2 . Kommt der-selbe mit Chlorkalk und der zur Beförderung des Processes-thigen Menge Wasser zusammen, so übt der Chlorkalk seineEinwirkung nur vermöge seines unterchlorigsauren Kalks aus;sein Chlorcalcium bleibt dabei ganz indifferent und das Kalkhy-drat betheiligt sich bei einem neuen, durch überschüssigen Chlor-kalk aus dem Alkohol in zweiter Instanz erzeugten Produkte nurinsofern, als es einen Antheil davon sättigt. Die Erfahrunglehrt, dass man in dem Chloroform = C 2 HC1 3 nur den viertenTheil des Kohlenstoffs, welcher in dem Alkohol enthalten ist, wie-der erhält; aus den andern drei Vierlheilen Kohlenstoff des Al-kohols entsteht Ameisensäure = C 2 HO,,, und da das Chloroformund die Ameisensäure ein und dasselbe Radikal (C t W) haben,