Strömende Elektrizität.
155
dies Verhalten als spezifischen Widerstand (k) und berechnetdenselben gewöhnlich für einen Draht von 1 m Länge und 1 qmmQuerschnitt. Den kleinsten spezifischen Widerstand haben Metalle,besonders Silber und Kupfer, einen erheblich größeren schon Kohle,und einen noch weit größeren Flüssigkeiten [vgl. § 103]. Der elek-trische Widerstand wird demgemäß durch die Formel W = — k
ausgedrückt.
Der spezifische Widerstand (somit auch sein reziproker Wert, die spezi-fische Leitfähigkeit) hängt auch von der Temperatur ab. Im allgemeinenwird der Widerstand der Metalle mit steigender Temperatur größer, der vonElektrolyten [§ 185] geringer. Warme Lösungen leiten also besser als kalte,so daß man z. B. für medizinische Zwecke die Elektroden mit warmer Salz-lösung anfeuchtet. Ebenfalls kleiner bei steigender Temperatur wird auchder Widerstand der Kohle und der Oxyde einiger Erdmetalle (Magnesium,Thorium, Osmium), was z. B. bei der Nernstlampe praktisch verwertet wird.Erwähnenswert ist noch, daß die an sich geringe Leitfähigkeit des metallischenSelens durch Belichtung, insbesondere mit rotem Lichte, verstärkt wird;hierauf beruht u. a. eine Methode der Fernphotographie.
Als praktische Einheit des Widerstandes hat man denWiderstand gewählt, den ein Quecksilberfaden von 1,063 m Längeund 1 cpnm Querschnitt dem Strome bietet Diese Widerstandseinheitwird nach dem gleichnamigen Physiker ein Ohm genannt. Die Mes-sung von Widerständen kann auf verschiedene Weise erfolgen. Beider Substitutionsmethode z. B. wird zuerst der unbekannte Wider-stand in eine Strombahn eingeschaltet und die Stromstärke an einemMeßinstrument abgelesen; dann wird der unbekannte Widerstanddurch einen Widerstandskasten (s. u.) ersetzt, dei so reguliert wird,daß wieder dieselbe Stromstärke herrscht; sein Widerstand ist somitjetzt gleich dem unbekannten. Die beste Methode ist aber die Messungmit der Wheatsxone sehen Brücke [§ 1781.
Apparate, welche in bequemer Weise die Einschaltung von Wider-ständen in die Strombahn gestatten, heißen Rheostate 1 . Von denvielen Arten seien hier nur zwei angeführt.
Die Stöpselrheostate oder Widerstands-kästen, deren Schema Fig. 145 zeigt, sind Kästen,auf deren Deckel dicke Metallklötze in geringemAbstände voneinander liegen. Je zwei benachbarteKlötze sind im Innern des Kastens durch einen, meistspiralig aufgerollten, Draht von bestimmtem Wider-stand leitend verbunden. Außerdem kann aber nochdadurch eine Verbindung zwischen ihnen hergestelltwerden, daß in die Lücken zwischen ihnen dicht an-schließende Metallstöpsel eingesetzt werden. In letzterem Falle geht der Stromnatürlich durch die Stöpsel, weil dieser Weg für ihn einen geringeren Wider-
ff
\J
<J
*s
Fig. 145.
1 xb $eos das Fließende, larrj/ii zum Stehen bringen, hemmen.