Statische Elektrizität.
147
durch Luft getrennte Konduktoren; B sei mit einer Elektrisiermaschineverbunden, A zur Erde abgeleitet (,,geerdet"). Wäre der KonduktorB nur allein vorhanden, so könnte er durch die Maschine nur so vielElektrizität (angenommen positive) zugeführt erhalten, bis auf ihmdasselbe Potential erreicht ist wie auf der Maschine. Steht ihm aberder geerdete Konduktor A gegenüber, so entsteht auf diesem durchInfluenz positive und negative Elektrizität. Erstere, die ja „frei"ist, fließt zur Erde ab; letztere wird durch die positive Elektrizitätvon B gebunden, bindet aber rückwärts auch einen Teil der Elektrizitätvon B. Hierdurch wird aber die freie Elektrizität von B, d. h. solche,die nach außen wirken kann, verringert; mit andern Worten, dasPotential von B sinkt, dafür Mächst aber wieder seine Kapazität[§ 161], so daß er jetzt mehr Elektrizität von der Elektrisiermaschineaufnehmen kann als vorher, nämlich soviel, bis er deren Potentialwieder erreicht. Entfernt man dann A, so ist auf B jetzt nur freieElektrizität vorhanden, deren Menge und somit auch Potential weithöher ist, als es bei einfacher Ladung möglich gewesen wäre. Die; Kapazität eines Leiters wird also durch die Nachbarschaft eines' anderen, geerdeten, Leiters erhöht. Gewöhnlich bezeichnet man Bals Kollektor 1 , A als Kondensator 2 (im engeren Sinne), da ja durchA eine „Verdichtung" der Elektrizität auf B stattfindet.
Unter Kapazität eines Kondensators versteht man die-jenige Elektrizitätsmenge, die nötig ist, um den Kollektor auf dasPotential 1 zu laden, während der Kondensator (im engeren Sinne)geerdet ist. Diese Kapazität wächst mit der Größe der Konduktorenund nimmt ab mit ihrer Entfernung; sie ist aber auch wesentlich vonder Natur des Dielektricums abhängig. Letzteres wird verständlich,wenn man annimmt, daß die elektrische Energie durch Bewegungendes Lichtäthers fortgepflanzt wird, wobei die Moleküle der Dielektricaeine wichtige Rolle spielen [vgl. § 218]. Die Zahl, welche angibt,wieviel mal mehr Elektrizität der Kollektor aufnehmen kann, wennLuft durch eine gleichdicke Schicht eines anderen Dielektricums er-setzt ist, heißt Dielektrizitätskonstante; sie ist z. B. für Glas4—8, für Hartgummi 2—3, für Glimmer 6—8. Man kann also auchsagen, die Kapazität eines Leiters ist direkt proportional der Dielek-trizitätskonstante des umgebenden Isolators.
Der einfachste Kondensator ist die FRANKLINsche Tafel, eine einfacheGriastafel, die beiderseits mit Stanniol belegt ist, so jedoch, daß ein breiter Bandfrei bleibt (damit keine Funken überspringen). Die viel angewandte LeidenerFlasche (Fig. 140) ist ein Grlasgefäß, das innen und außen bis in die Nähe desoberen Randes mit Stanniol belegt ist. Hier ist das Glas das Dielektrikum, dieinnere Belegung der Kollektor, die äußere der Kondensator (im engeren Sinne).
1 colligo sammeln. — 2 condenso verdichten.
10*