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Grundriß der Physik für Studierende, besonders für Mediziner und Pharmaceuten : mit 185 Abb.
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Akustik.

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Fig. 66.

Obertöne des Grundtons an, und zwar die offenen alle, die gedecktennur die ungeraden Obertöne.

b) Die Zungenpfeifen besitzen statt der Lippe ein federndesBlättchen, dieZunge" (z, Fig. 66), meist aus Metall. Die bei c einge-blasene Luft gelangt hier in Richtung der Pfeile durchden engen Spalt neben dieser Zunge ins Zungenrohr r,dann ins Pfeifenrohr f. Hierdurch gerät die Zunge inperiodische Schwingungen, welche die Luftsäule in der Pfeifezum Mittönen veranlassen [§ 70]. Außer diesen federndenMetallzungen gibt es auch membranöse Zungen, bei denenzwei membranöse Platten einen zwischen ihnen befindlichenschmalen Spalt durch ihre Schwingungen abwechselndöffnen und schließen. Hierzu gehören z. B. die Stimm-bänder des_Kehlkopfes; aber auch die Lippen des Mundeskönnen so wirken, wenn man sie fest schließt und dannLuft durchpreßt (beim Blasen von Trompeten, Posaunenusw.).

Man kann auch die Luft in einer offenen Röhre zumTönen bringen, wenn man die Röhre über eine Flamme,am besten von Wasserstoff, hält (sog. singende Flam-men oder chemische Harmonika) [vgl. § 70]. Hier-bei sei bemerkt, daß Flammen ein feines Reagens auf Schallschwin-gungen sind. Besonders wenn sie unter Druck stehen, (z. B. Gas-flammen), hüpfen sie, wenn (hohe) Töne und Geräusche in der Näheerklingen (sensible Flammen).

§ 70. Mittönen und Resonanz. Bringt man in die Nähe einertönenden Stimmgabel eine ruhende, die auf denselben Ton abge-stimmt ist, so ertönt auch diese, selbst nachdem die erste aufgehörthat. Ebenso erklingt, wenn man gegen die Tasten eines Klavierssingt, der betreffende Ton spontan mit. Dieses Mittönen, auchauswählende Resonanz 1 genannt, ist eme Eigenschaft aller tönen-den Körper und beruht darauf, daß ihre Moleküle durch diejenigeArt der Bewegung am leichtesten zur Mitbewegung veranlaßt werden,die bei ihnen gewissermaßen präformiert ist. Um einenVergleich zu gebrauchen, so kann auch ein Knabe schwereKirchenglocken in Gang bringen, wenn er an dem Strickeimmer in der Richtung zieht, welche die Glocke schon vonselbst einzuschlagen im Begriff ist [vgl. auch § 213]. Aufdiesem Prinzip des Mittönens beruhen auch die Pfeifen und singendenFlammen. An der Lippe und Zunge der Pfeifen nämlieh, sowie durchdas Flackern der Flamme entstehen eine große Zahl unregelmäßiger

Fig. 67.

1 resono wiedertönen.Guttmann, Grundriß der Physik. 17.20. Aufl.