Gesetze der flüssigen Körper.
39
ihre Erklärung. Ohne auf die komplizierten Verhältnisse hier näher. einzugehen, sei nur bemerkt, daß, wenn man ein solches enges Röhrchenin eine Flüssigkeit einsetzt, das Niveau im Röhrchen entweder höherist als das der anderen Flüssigkeit (Kapillarattraktion) odertiefer (Kapillardepression). Kapillarattraktion, die gewöhnlicheErscheinung, muß stattfinden, wenn die Oberflächenspannung imRöhrchen geringer ist als in der anderen Flüssigkeit, wenn also derMeniskus in ihm konkav ist; Kapillardepression findet sich demgemäßbei konvexem Meniskus, Auf der Kapillarität beruhen viele wichtigeErscheinungen, z. B. das Sickern von Wasser durch poröse Wände,das Aufsteigen von Wasser in Zucker, wenn nur eine Stelle benetztist, das Eindringen von Flüssigkeiten unter das Deckgläschen beimikroskopischen Präparaten, usw.
§ 43. Lösungen. Eine Lösung ist ein physikalisch und chemischhomogenes Gemenge verschiedenartiger Körper. Abgesehen von denMetallegierungen, die als.feste Lösungen bezeichnet werden können,handelt es sich um Flüssigkeiten. Eine Lösung entsteht dadurch,daß in einer Flüssigkeit, dem sog. Lösungsmittel, gasföimige[§ 53], flüssige oder feste Stoffe aufgelöst werden. Der Gehalt einerLösung an dem aufgelösten Stoffe heißt Konzentration; das Lö-sungsvermögen wächst meist mit der Temperatur [vgl. § 89]. Ge-sättigt ist eine Lösung, die bei einer bestimmten Temperatur nichtsmehr von dem betreffenden Stoff aufnehmen kann, also eine maximaleKonzentration für diese Temperatur besitzt. Unter Umständen, z. B.durch langsames Abkühlen, kann man auch übersättigte Lösungenerhalten, bei denen also mehr Substanz aufgelöst ist, als es unter ge-wöhnlichen Verhältnissen bei der betreffenden Temperatur der Fallist 1 . — In verdünnten Lösungen wird der Zustand des gelösten Körpersdem Gaszustand ähnlich. Man nennt Lösungen, welche dieselbe An-zahl Moleküle des gelösten Stoffes enthalten, äquimolekular oderisomolekular. Es verhalten sich hier die in gleichen Volumina ent-haltenen Massen der gelösten Stoffe wie ihre Molekulargewichte [vgl.§§ 44 u. 45]. Äquimolekulare Lösungen sind isotonisch, zeigen gleicheErniedrigung des Gefrierpunktes und Dampfdruckes sowie gleicheErhöhung des Siedepunktes [§§ 44, 89, 90, 93]. Betreffs Dissoziationin Lösungen s. § 185.
§ 44. Diffusion und Osmose. Diffusion 2 heißt die Eigenschaftzweier Flüssigkeiten (oder Gase), sich, wenn sie übereinander geschich-tet sind, allmählich zu durchdringen. Das ist z. B. bei Wasser und
1 Erschüttert man aber eine solche übersättigte Lösung oder bringt insie einen kleinen Kristall des gelösten Stoffes, so wird die überschüssig gelösteSubstanz sofort wieder ausgeschieden. — 2 diffusio das Sich-Ausbreiten.