Epidendrum Vanilla Linn. Spec. pl. ed. I. 952 (z. Th.).
Myrobroma fragrans Salisb. Parad. t. 82.
Vanille; englisch: Vanilla; französisch: Vanille; spanisch: Bainilla.
Die ausdauernde Staude ist ein Wurzelkletterer, der hoch in die Bäume aufsteigt; der Stengel iststielrund, fleischig, im Innern schleimig; er wird bis fingerdick, ist reich verästelt und hin- und herge-bogen ; die Wurzeln erscheinen aus den Knoten einzeln oder zu zweien.
Die Blätter sind zweizeilig angereiht, von einander durch 7—17 cm lange Internodien getrennt.Der rinnenförmig ausgekehlte Blattstiel wird bis 1 cm lang, er umfasst den Stengel zur Hälfte. DieSpreite ist bis 15 cm lang und 6,5 cm breit, im Umfang elliptisch, am oberen Ende zugespitzt, amunteren verjüngt; sie ist fleischig, fast flach, nur wenig gewölbt, dunkelgrün, unterseits etwas blasser undbeiderseits völlig kahl.
Die Blüthen treten zu kurzgestielten, achselständigen, reichblüthigen, bis 10 cm langen Traubenzusammen. Die Spindel ist kräftig; die Deckblätter sind eiförmig, spitz, fast 10 mm lang. DerFruchtknoten misst mit dem kurzen Blüthenstiel 6—7 cm; er ist stielrund, oben schwach verdickt,nicht gedreht, stumpf dreikantig und grün, nach unten weisslich. Die Samenträger stehen gepaart anjeder Fruchtknotenwand; sie tragen ausserordentlich zahlreiche anatrope Samenanlagen; zwischen denPaaren der Samenträger ist die Höhlung mit bräunlichen Haaren ausgekleidet. Die äusseren, einandergleichen Blätter des Perigons sind lanzettlich- bis spathelförmig, stumpf, grün, 6—6,5 cm lang; von deninneren sind 2 etwas kürzer und stumpfer als diese und auf dem Rücken stark gekielt. Das Labell istnoch ein wenig kürzer, dütenförmig eingerollt, unten schwach bauchig aufgetrieben, schwach dreilappig, amRand kraus und gezähnelt; in der Mittellinie ist es mit zwei Höckern versehen, von denen der hinterekurz beschuppt, der vordere gelb und gekörnt ist. Das Labell ist mit der kürzeren Säule am Grundeverwachsen; diese ist halbstielrund, auf der Seite nach dem Labell zu flach und fein behaart. Das Staub-gefäss hängt von der Spitze der Säule herab und berührt fast die plättchenartige Narbe. 2 seitlicheZähnchen deutet man als die Reste der beiden verkümmerten Staubgefässe (Staminodien). Das gelbeStaubgefäss ist beweglich und liegt wie eine Klappe in der Rinne der Säule; die Theken sind nach dieserzu gewendet, sie sind zweifächrig und werden auf der Vorderseite von einem dünnen Saume überragt.Jede Theke öffnet sich durch einen Querspalt. Pollinien sind im Ganzen 4 vorhanden, sie sind oval undkörnig; die Pollenkörner sind einzeln, kugelrund und glatt.
Die Frucht ist stumpf dreikantig, fast walzigrund, an beiden Enden verjüngt, bis 25 cm lang und1 cm dick, gekrümmt, fleischig, grün, später wird sie braun; sie springt endlich von der Spitze zwei-,eeltener dreiklappig auf.
Die äusserst zahlreichen, umgekehrt eiförmigen, winzig kleinen (0,2 mm langen), glänzend schwarzenSamen sind mit einer gegitterten Samenhaut bekleidet und liegen in einem höchst aromatischem Mus;der ungegliederte Keimling erfüllt den ganzen Samen; Nährgewebe fehlt.
Die Vanille wächst vorzüglich in den feuchten tropischen Küstenländern an der Ostseite von Mexictund zwar in den Staaten Vera Cruz und Tampico, wahrscheinlich auch noch im Staate Puebla; hier wirdsie auch vielfach cultivirt; die Früchte der gezogenen Pflanze sind reicher an Aroma als die der wilden;sonst findet sie sich noch in Yucatan, Britisch Honduras, Guatemala, Costa Rica und geht durch Columbia,Ecuador, Peru, Venezuela und Guiana bis Brasilien in die Gegend von Rio de Janeiro. In grossem Maass-stabe wird sie ferner gebaut auf Mauritius und Reunion, sowie auf den Seychellen, auf Java, Tahiti undden Fidschi Inseln; auch in Westindien wird sie cultivirt.
Die noch nicht geöffneten, durch langsames Trocknen gebräunten Früchte werden als Fructus Vanillaein den Apotheken geführt und als Gewürz allgemein angewandt.
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