Ein kurzer Beitrag zur Kenntnis der Wirkungen des Abrins. 107
daraus nicht extrahiert werden. Sobald man aber jetztmit Salzsäure die Zellen behandelt, lässt sich Abrinabspalten und an Blutkörperchen (hier vom Menschen)verankern.
Versuch V yoni 1. bis 6. November 1912.
Leberzellen vom Kaninchen.
5 ccm Leberzellenbrei vom Kaninchen, blutfrei gewaschen, weiden mit2 ccm Abrin = 20 mg Substanz (Merck) versetzt und nach 12stündiger Ein-wirkung auf dem Filter immer wieder mit Kochsalzlösung gewaschen, bisdas Filtrat nicht mehr auf Blutkörperchen agglutinierend wirkt. Dann wirdmit 5 ccm physiologischer Kochsalzlösung -|- 2 Tropfen verdünnter Salzsäureverrieben, ausgezogen und dieser Auszug neutralisiert und rasch filtriert. Eragglutiniert 5 ccm 2°/ 0 iges Menschenblutkörperchengemisch binnen zweiStunden total.
Versuch VI. Analoger Versuch vom 3. bis 6. November.
Menschlicher Eiter.
5 ccm menschlicher Eiter aus einem tuberkulösen Abszess wurden ge-waschen, um die weissen Blutkörperchen zu isolieren, die dann 2 Tage unterverdünntem Formalm -)- physiologischer Kochsalzlösung standen, und diedann mit 20 mg Abrin (Merck) versetzt wurden. Nach 12 Stunden auf demFilter energisch gewaschen, bis keine Agglutination mehr erfolgte; nun mitSalzsäure versetzt, der Auszug neutralisiert, rasch filtriert und gegen 6 ccm2°/ 0 ige Kaninchenblutkörperchensuspension geprüft. Nach 5 Stundentotale Agglutination.
Diese Versuche, welche mehrfach variiert wurden, unddoch immer im gleichen Sinne ausfielen, zwingen zu dem Schluss,dass in dem Abrin ein gesondertes Abrintoxin und einAbrinagglutinin nicht angenommen werden können,sondern dass diese beiden Substanzen identisch sind. Auch fürdas Kizintoxin und ßizinagglutinin ist dies durch dievorstehenden Untersuchungen von Eeid jetzt erwiesen.Was die „Verankerung" des Abrins in oder genauer an denZellen verschiedener Art, d. h. an den Hirnzellen, Leberzellen,Thymuszellen, Eiterkörperchen anlangt, so braucht dies lediglicheine Adsorption im Sinne der physikalischen Chemie zusein. Diese würde vollständig genügen, um alle beobachtetenErscheinungen, d. h. das Nichtgelöstwerden durch Kochsalzlösung,aber das "Wiederfreiwerden durch verdünnte Säure, zu erklären.Für diese rein physikalisch-chemische Auffassung spricht auchdie Tatsache, dass Formalineinwirkung auf die Zellen des Gehirnsund des Eiters die Erscheinungen nicht änderte.