Beiträge zur Kenntnis der chemischen Natur usw. des Eizins. 99
Trotzdem wirkten 5 com davon, einem Mittelkaninchen subkutan ein-gespritzt, binnen 24 Stunden tödlich.
Dieser Versuch beweist, dass die Absorption des Eizinssowohl durch Gehirnzellen als durch BlutkörperchenSpuren des Giftes ungebunden lässt, die bei der enormenEmpfindlichkeit der Kaninchen diese noch zu tötenimstande sind. Analog- wie Fermentprozesse niemals ganzquantitativ verlaufen, sondern Spuren der zu zersetzenden Sub-stanz unzersetzt lassen, so ist auch der physikalisch-chemischeProzess der Adsorption des Eizins und wohl aller Agglutininean die Zellen ein nicht genau quantitativer. Dies muss manberücksichtigen, falls man den folgenden Versuch richtigdeuten will.
Zu 5 ccm Rizinlösung (0.2 g Same entsprechend) werden so langeKaninchenhlutkörperchen gesetzt, bis auch nach 24stündiger Einwirkungkeine Agglutination mehr stattfindet. Nun wird filtriert, aus dem rotenFiltrat die durchgegangenen Blutkörperchen abzentrifugiert und von derneuen klaren, farblosen Flüssigkeit 5 ccm einem Mittelkaninchen unter dieHaut gespritzt. Nach 24 Stunden ist das Tier schwer krank und balddarauf stirbt es. Die Sektion ergibt punktförmige Ekkymosen im Netz undauf bezw. unter der Serosa des Ileums. Die Plaques des Darmkanales sindz. T. geschwollen und gerötet, ebenso die Mesenterialdrüsen. In der Bauch-höhle findet sich ein seröser massiger Erguss. Alle diese Befunde sprechenfür eine typische Rizinusvergiftung.
Die Anhänger der Ansicht Müllers werden geneigt sein,aus diesem Versuche zu schliessen, dass er ihre Ansicht alsrichtig erweise. Es sei eben durch die roten Blutkörperchennur das Agglutinin, aber fast gar nichts vom Toxin verankert,und dieses habe daher das Kaninchen getötet. Ich bin derAnsicht, dass auch hier lediglich eine nicht ganz quan-titative Bindung des Eizins an die Blutkörperchen statt-fand. Der nicht gebundene minimale Eizinrest war nochgross genug, klassische Vergiftung des Tieres hervor-zurufen.
Ich glaube aus dem von mir vorgebrachten tatsächlichenMaterial den Schluss ziehen zu können, dass die MtiLLEnschenVersuche, auf denen sich die Annahme eines gesonderten Eizin-toxins und Eizinagglutinins aufbaut, nicht die Beweiskraft haben,welche man ihnen ganz allgemein bisher zugeschrieben hat.