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Organische Chemie
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Thiosäuren.

Thiosäuren.

Es gibt 1. schwefelhaltige Säuren, deren Carboxylgruppe C0 2 Hnoch vollkommen intact ist, wie Thioglycolsäure, CH 2 (SH)-C0 2 H; Sulfo-essigsäure, CH 2 (SO 3 H) - C0 2 H; u. s. w. —2. kennt man schwefelhaltigeSäuren, in deren Carboxylgruppe der Schwefel an Stelle des Sauer-stoffes getreten ist, wie die Tniacetsäure CH 3 'COSH; hierher gehörtvor allen auch der Schwefelkohlenstoff CS 2 , die Trithiokohlensäure,CS(SH) 2 u. s. w. — Den oben abgehandelten Schwefelverbindungen, denMercaptanen, Sulfiden und Sulfonsäuren, stehen die Säuren der erst-genannten Kategorie am nächsten.

1. Mercaptansäuren, C n H 2n (SH)-CO.>H und SulfonsäurenCnH 2n (S0 3 H)-C0 2 H.

Thioglycolsäure, CH 2 (SH) , C0 2 H. Durch Eintragen von Mono-chloressigsäure, CH 2 C1 - C0 2 H in eine concentrirte Lösung von 2 Mol.KSH. Eindunsteri Und Ausfällen des KCl mit Alkohol, worin sich dasthioglycolsäure Kali löst. Die Thioglycolsäure bildet ein in Wasser, Al-kohol und Aether lösliches Oel, das sich beim Erwärmen zersetzt. MitEisenchlorid färbt sie sich indigoblau. Sie zeigt das Verhalten einerzweibasischen Säure, und bildet als solche saure und neutrale Salzez. B. CH 2 (SH)"C0 2 K -(- H 2 0, kleine Nadeln, aus Alkohol auch wasser-frei krystallisirend; S - CH 2 "C0 2 - Ba -f- 3H 2 0, aus dem Kaliumsalzmit NH 3 und BaCl 2 , oder aus der freien Säure mit Barytwasser, inWasser kaum löslicher, charakteristischer Niederschlag. — Das der„Mercaptanessigsäure" entsprechende Disulfid, wie auch das Sulfid undSulfon, sind gleichfalls bekannt.

Dithiodiglycolsäure, C0 2 H• CH 2 • S■ S• CH 2 • CO a H. Aus thioglycolsaurem Kalidurch den Sauerstoff der Luft, oder durch Jod. Krystallinisch. Smp. 100°.

Thiodig'lycolsäure, C0 2 H - CH 2 "S , CH 2 - C0 2 H. Aus monochloressigsaurem Na-trium und Na 2 S in cone. Lösungen, Eindampfen der mit S0 4 H 2 versetzten Mischungim Yacuum und Extrahiren mit Aether. (s. B. 27, 3059.) Grosse Tafeln. Smp. 1-29°.Gibt gut krystallisirende Salze. Durch Erwärmen mit Acetylchlorid, oder durch Destil-lation, gibt die Säure ihr Anhydrid, CO' CH 2 'S' CH 2 • CO'O, nadeiförmige Ery stalle;Smp. 102°; Sdp. 158° (10 mm).

Sulf odiessigsäure, C0 2 H - CII 2 • SO./ CH 2 • C0 2 H. Bei der Oxydation von Thio-diglycolsäure mit MnO^K. Leicht lösliche rhombische Tafeln. Smp. 182".

Von der a-Chlorpropionsäure gelangt man bei Einwirkung von Kaliumsulfhydratzu Verbindungen, die mit den vorstehenden homolog sind:

o-Thiomilchsäure, CH 3 " CH(SH) • C0 2 H, unangenehm riechendes, leicht lös-liches Oel; im Vaeuum destillirbar. Zweibasische Säure. o-D it h i o dimil c h s äur e,C0 2 H-CH(CH,,)-S-S-CH(CH 3 )-C0 2 H; in Wasser schwer lösliche Nadeln; Smp. 141 — 142°.Thiodimilchsäure, C0 2 H-CH(CH 3 )-S-CH(CH 3 )-C0 2 H; tritt in 2 stereoisomerenFormen auf: Smp. 125°, resp. 109° (B. 29, 1132.). a-Sulfodipropions äure,C0 2 H-CH(CH 3 )-S0 2 -CH(CH 3 )-C0 2 H, aus der vorigen mit MnOJ-C; vierseitige Tafeln;Smp. 155—156°.

Sulfoessigsäure, CH 2 (S0 3 H) ■ C0 2 H. Durch Oxydation der Thio-glycolsäure (ebenso der Isaethionsäure) oder direct aus Monochloressig-säure und Kaliumsulfit S0 3 K 2 ; ferner durch Einwirkung von S0 3 oderSO.C1H auf Essigsäure (z. B. CH 3 ■ C0 2 H +SO s = CH 2 (S0 3 H)-C0 2 H.)Krystallisirt mit l^HgO in zerfliesslichen Krystallen; Smp. ca. 75°.