Druckschrift 
2 (1894) Botanik, Pharmakognosie, spezielle Pharmazie
Entstehung
Seite
58
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

58

Vermehrung und Fortpflanzung.

unverletzten angrenzenden Zellen nicht sofort Wundkork, sondern siewachsen zu einem parenchymatischen, körnigen, schwammigen Gewebe,dem Callus, aus. Treffen nun die Callusschichten zweier in gleicherWeise verletzter Eindcnteile aufeinander, so verschmelzen sie und bildenein gemeinsames Cambium, anschliefsend an das alte Cambium, nachaufsen hin. bilden sie Kork (daher die graubraune Farbe der überwachse-nen Wunde).

Fort-pflanzung.

§ 42. Die Fortpflanzung ist entweder

eine

ungeschlechtliche

oder geschlechtliche, sexuelle. Die erstere ist bei den niederenPflanzen verbreitet, bei einzelligen Algen und Pilzen fällt sie häufigmit der Zellteilung zusammen. Bei vielen Algen bilden sich im InnernSporen, von Zellen einzeln oder zu mehreren, Sporen, d. h. Zellen, welche ausder Mutterzelle austreten und ohne Mitwirkung anderer Pflanzenteile fähigsind, zu keimen und neue Pflanzen zu bilden. Der ungeschlechtlichenFortpflanzung dienen ferner unbewegliche Brutzellen oder Gonidien,die entweder im Innern von Zellen oder durch Sprossung und Abschnü-rung entstehen (Fig. 68a).

Fig. 116.

Kon-jugation,

Kopulation der Zellen bei Spirogyra.A dio Zellen zweier Fäden, welche sich zur Konjugation vorbereiten und bei a Fortsätze zu einandertreiben, cl der spiralbandförmigo Chlorophyllkörpor, K der Zellkern. Bei B verschmilzt das Proto-plasma p und p' der beiden Zellen. Z eine durch die Verschmelzung entstandono Zvgospore.

(Vergr. 400 Mal.)

Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung werden in den Pflanzen zweiverschiedene Zellen gebildet, welche jede für sich nicht weiterbildungsfähigsind, aber durch die materielle Vereinigung, die Befruchtung entwicke-lungsfähige Gebilde liefern.

Die einfachste Form ist die Kopulation oder Konjugation. Beidieser sind die beiden Zellen einander an Form und häufig auch an Gröfsegleich, sodafs ein Geschlechtsunterschied kaum hervortritt, meist ist diemännliche etwas kleiner; entweder sind beide beweglich und vereinigenihr Protoplasma, indem sie an ein andertreten, oder die eine bewegliche trittan die unbewegliche, um das Kopulationsgeschäft zu vollziehen; häufiggeschieht die Vereinigung des Protoplasmas durch einen zwischen beidenZellen gebildeten Kanal oder Fortsatz (Fig. 116).Gameten, Die kopulierenden Zellen heifsen Gameten, das Kopulationsprodukt,

zygospore. die gebildete Spore heilst Zygospore.

Findet die Konjugation zweier aktiv beweglicher Zellen aufserhalb, oftin bedeutender Entfernung von der Mutterpflanze statt, so heifsen die-selben Planogameten (Fig. 127). In allen Fällen vollzieht sich eineVereinigung der gleichwertigen Teile des Protoplasmakörpers.