Allgemeiner Teil.
Die Pharmakognosie 1 ) lehrt uns die Arzneimittel, so wie die Natursie bietet, nach bestimmten Merkmalen kennen und beurteilen, die ver-wandten Stoffe von einander, die falschen von den echten unterscheiden.
Wiewohl diese Kenntnis sich auf sämtliche Arzneimittel erstreckensollte, hat man doch als Gegenstand der Pharmakognosie nur die aus demPflanzen- (und Tier-) Reiche herrührenden Mittel betrachtet und die aus demMineralreiche stammenden Rohprodukte und deren Präparate in das Gebietder Chemie verwiesen.
Die Stoffe, mit denen sich die Pharmakognosie beschäftigt, nennt mauDrogen.
Die Bestimmung einer Droge, die Aufsuchung der ihr eigentümlichenMerkmale erfolgt teils nach den Grundsätzen der Botanik (bezw. Zoologie)teils nach denen der Chemie oder Physik. In ersterer Beziehung kom-men in Betracht die äufsere Gestalt, Farbe, Geschmack und Geruch, dieäufseren und inneren Strukturverhältnisse, wie sie teils dem blofsen Auge,teils unter der Lupe sich darstellen; in letzterer Beziehung ist es Sacheder Pharmakognosie, darzuthun, in welchem Teile der Droge die wirksa-men Stoffe, welche allein den Wert und die Güte in medizinischer Hin-sicht bestimmen, enthalten sind, und unter welchen Bedingungen undEinflüssen deren mehr oder minder günstige Bildung stattfindet. Hierzubedarf es des Mikroskops und geeigneter Reagcntien.
Yon besonderem Werte für die Feststellung der Identität einerDroge ist ferner ihre Abstammung und ihre Geschichte, ihre geographischeHerkunft, ihr Handelsweg, sowie die Art der Einsammlung, bezw. die Kulturder Stammpflanze.
Die meisten pflanzlichen Drogen sind Sammelprodukte, d. h. siewerden von wildwachsenden Pflanzen genommen, nur für wenige gestattendas deutsche Arzneibuch und die Pharmakopoen anderer Länder die Kulturund regelmäfsige Ernte.
Die in den Pflanzen bezw. den Drogen enthaltenen wirksamen Stoffesind unter Umständen mannichfachen Veränderungen unterworfen undzwar 1. in der lebenden Pflanze selbst, 2. bei der Aufbewahrung und3. bei der Verarbeitung der Droge. In. ersterer Hinsicht ist zu berück-sichtigen :
a) Die Entwickelungsstufe der Pflanze, d. h. der Zeitpunkt, wannsie am gehaltreichsten ist an den ihr eigentümlichen Stoffen. Im allge-meinen ist dies der Fall bei den Wurzeln und Wurzelstöcken während
]) (f.ÜQfiaxov, Arzneimittel, und yvBnig, Kenntnis.