Druckschrift 
2 (1894) Botanik, Pharmakognosie, spezielle Pharmazie
Entstehung
Seite
6
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Der Sprofs.

Haupt -und Neben-stamm.

Der Sprofs.A. Der Stamm.

§ 6. Der Stamm oder Stengel, die Axe, ist derjenige Teil derPflanze, welcher die Blätter trägt; er wendet sich bei der Entwickelungaus dem Keim entgegen der Wurzel nach oben, wächst der Schwerkraftentgegen (negativ geotropisch) und dem Lichte zu (positiv heliotropisch).Man unterscheidet oberirdische und unterirdische Stämme.

1. Der oberirdische Stamm (Truncus) auch schlechtweg Stammoder Stengel genannt. Sein Wachstum findet an der Spitze statt, dortentwickelt er an dem Vegetationskegel (die mit einem besonderen Bildungs-gewebe ausgestattete kegelförmige Spitze) Seitenaxen oder Blätter, undzwar so, dafs das jüngste stets das innerste ist, oder der Spitze am näch-sten steht.

Der Stamm beharrt meist in seiner einmaligen Richtung nach oben."Verändert er dieselbe, durch äufsere Umstände dazu gezwungen, so behältdoch die Spitze immer das Streben nach oben bei.

Diejenigen Stämme, welche direkt aus der Keimaxe beim Keimenhervorgehen, heifsen Hauptstämme oder Hauptaxen, diejenigen, welchesich aus den Knospen in den Blattachseln entwickeln, Nebenstämmeoder Seitenaxen, Äste, Zweige. Die Stellung dieser Verzweigungenzur Hauptaxe bedingt wesentlich die Gestalt, den Habitus der Pflanze.Stellung Die Stellung der Äste ist wirtel- oder quirlförmig, wenn meh-

' "zweig rere am Umkreise des Stammes in gleicher Höhe zu entspringen scheinen,wie bei der Tanne, beim Schachtelhalm, gegenständig, wenn sich stetsin gleicher Höhe zwei Äste gegenüberstehen, kreuzständig, dekussiert,wenn zwei aufeinander folgende Paare gegenständiger Äste ein Kreuzbilden, abwechselnd, wenn zwischen zwei Ästen auf der einen Seitenur einer auf der andern steht, zerstreut, wenn scheinbar keine Ordnungherrscht, wie bei der Eiche, gabelförmig, wie bei der Mistel.

Die Stellen am Stengel, an welchen die Äste entspringen, heifsenKnoten, die Stengel teile, welche zwischen zwei Ästen liegen, Stengel-intemodien. glieder oder Internodien. Die Internodien wachsen entweder gleich-zeitig und gleichmäfsig, so dafs die Ausdehnung des Stammes nach obendavon abhängt, wie bei der Tanne, oder sie bleiben in der Entwickelungmehr oder weniger zurück, wie am auffallendsten bei Plantagoarten; mannennt die ersteren dann entwickelte, die letzteren unentwickelteInternodien.

Triebe, welche durch energischeres Wachstum die Längenausdehnung'bewirken, heifsen Langtriebe, diejenigen, welche verhältnismäfsig gerin-geres Längenwachstum zeigen, Kurztriebe. Bei der Lärche z. B. sindKurztriebe die Nadelbüschel, welche in der Achsel vorjähriger Blätterstehen; bei den Laubhölzern, z. B. den Apfelbäumen, sind die Kurztriebediejenigen Triebe, welche das sogenannte Tragholz darstellen und alleinBlüten und Früchte tragen.

Gewöhnlich findet die Bildung der Äste und Zweige am Stammeerst in einer gewissen Entfernung vom Boden statt, es kommt aber auchvor, dafs sie gleich über der Wurzel vom Stamm sich seitlich abzweigen,