86 Das dritte Capitel. Von der unreinen Liebe GOtte«.
Wer also ein wahrer Liebhaber GOttes feynwchmuß zuerst den guten Geist um die Gabe der Lie-be inbrünstig anflehen, und sie als ein hinimlischejGnadengeschenk um Christi willen erbitten. ZurErlangung derselben ist ferner eine fleißige Be-trachtung der göttlichen Eigenschaften und seinerWohlthaten ndthig. Dadurch wird das Crkennt-niß des Höchsten vermehret; und in der Vermeh.rung des lebendigen Erkenntnißes wachset auch dieLiebe. Wer nicht laulicht und kalt in der Liebeseyn wil, der muß sich öfters durch die Vorstellungder Herrlichkeit GOttes ermuntern, und sichfleißig Vorhalten, was uns daraus vor Glückselig-keiten zu Theil werden. Wie viel Gelegenheitgiebet uns das Buch der Natur und der Schrift zudiesen Betrachtungen? Wieviel Reitzungen giebetuns unser Leben, dm Schöpfer zu lieben, da unsein jeder Tag neue Wohlthaten aus der Hand un-sers GOttes liefert, die uns an die ErmahnungJohannis denken lernen: Meine Lieben, lasst unsihn lieben, denn er hat uns erst geliebet. DieseVorstellungen geben immer neue Materie, wo-durch der im Herzen lodernde Liebeseyfer, als einimmerwährendes Feuer in der Glut unterhaltenwird- a)
Das
») Andächtige Seelen werden hiebey ferner Erbauung fi»'den in des sel. Heinrich Müllers geistlichen Liebes«tust- Thomas Wattson in seinen geistreichen Schuf"ten hat auch ein schön Capitel: Von den Liebhaber»GOttes. Speners, Geiers und andrer hieher gehöri-ge Schriften zu geschweigen.
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