dann ein Staatsoberhaupt an die Spitze gestellt werden, welches die Rolle übernimmtin dem s o organisirten Deutschland die Beschlüsse der in Frankfurt tagenden Profes-soren zn ercqniren. Und wenn man auch an die Ansführnng dieses Planes gehenwollte, so würde derselbe statt zn einem einigen, gerade zn einem gespaltenen, verwirr-ten, in sich selbst zerfallenden Deutschland führen.
Die Hülflosigkeit der kleinen Staaten scheint der Nationalversammlung zu Stattenz» kommen — Fürsten und Völker sind des langen Redens und Treibens müde undverlangen nach Rnhe. Die großen sind aber durchaus nicht geneigt, sich willig znfügen und darüber ist man nirgends besser unterrichtet als in Wien. Namentlich in Süd-Deutschland ist man darauf bedacht, Mittel zn finden, sich der Autorität der Frank-furter Beschlüsse zn entziehen, nnd wenn wir, Oesterreich und Preußen, ihnen dieseMittel nicht bieten, ihnen in ihren eigentlich gerechten Ansprüchen nicht bestächen, sosteht sehr zn befürchten, daß die süddeutschen Regierungen zuletzt zn solchen schreitendürften, deren Resultate Deutschland in die traurigen nnd schmachvollen Verhältnisseder Rheinbunds-Epoche zurückversetzen würden.
Oesterreich hat — was echt deutsche Gesinnung anbclangt — seine Proben injener Zeit abgelegt nnd wird sich anch dieses Mal nicht untren. werden. Es strebtnicht darnach sich an die Spitze von ganz Deutschland zu stellen, nnd noch wenigerwill es einem Thcile desselben verstehen. Soll Deutschland auseinander fallen, bringenes die Frankfurter Cinheitöfanatiker dahin, die Einheit unmöglich zn machen, so sehenwir uns gezwungen der Verwirrung ans dem Wege zn gehen nnd ziehen uns in unserSchneckenhaus zurück, denn so weit reicht unser deutscher Patriotismus nicht, daß wirmit Deutschland zn Grunde gehen wollen, wen» wir zn Hause noch erträglich eristirenkönnen.
Allen diesen Schwierigkeiten wird aber wirksam vorgebengt werden, wenn Oester-reich und Preußen fest znsammenhaltcnd auf der bezeichnet«»» Bahn inuthig vorwärtsschreiten.
Als Herr von Schmerling neulich erklärte, daß das österreichische Ministeriumsein Programm modificirt habe, hat er sich geirrt; denn wir stehen heute gerade da,wo wir am 27. November standen, d. h. wir wissen heute noch nicht, wie wir zuDeutschland definitiv stehen werden; ich erlaube mir aber zu fragen, ob denn dieübrigen deutschen Fürsten nnd Völker über ihr endliches Verhältniß znm Gesammt-Deutschland mehr im Klaren sind? Nach den uns znkommenden vertraulichen Anfragen,Bemerkungen nnd Aufforderungen sollte ich glauben, daß man an vielen Orten darübermannigfache, begründete nnd bisher noch nngelvste Zweifel hegt.
Nun leben Sie wohl, mein hochgeehrter Gras, ich brauche Ihnen wohl nichtzn sagen, daß wir die Antwort ans Berlin zwar mit Vertrauen aber doch mit Unge-duld erwarten. Die Verspätung der heutigen Erpedition bitte ich der mit dem linkenDonan-Nfer unterbrochenen Verbindung zuzuschreiben. Der Eisstoß hat alle Brückenweggeriffcn. Ans Ungarn lantcn die Nachrichten fortwährend günstig.
Genehmigen Ew. Hochgeboren die erneuerten Versicherungen w. :c.
8) Trauttmansdorff an Schwarzenberg.
N. 12. u. Berlin, 17. Januar 1849.
Durchlauchtig Hochgeborner Fürst!
Herr von lVotkomü kam dieser Tage von seiner nach Frankfurt nnd Brüssel nnter-nonnnenen Urlaubsreife wiederholt hicher zurück. Eifriger Beobachter der politischen