Druckschrift 
4. Der ungarische Winter-Feldzug und octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 1 (1876) Der ungarische Winter-Feldzug und octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

A n h a n g

i.

Zu den Verhandlungen zwischen den Cabineten von WienBerlin und St. Petersburg über die deutsche Frage.

5. Derembrr 1848 bis 24. Januar 1849-

1) Graf Trauttmansdorff an Fürst Schwarzenberg.

Berlin. 5. Decembcr 1848.

Durchlauchtig Hochgeborner Fürst!

Die Thronentsagung des Kaisers b'ercliiiuiicl und die Abreise des Pabstcs Von Nom,bilden den reichhaltigen Stoff zu den Commentaren, womit die Politiker dieser Residenzsich beschäftigen. Der Eindruck, welchen die Kunde des Olmiit/er Ereignisses hervor-brachte. war groß und überraschend. Auch der Kurzsichtigste sicht ein, daß die Rück-wirkung des cingctretenen Thronwechsels ans die. gerade in ihrer Entwicklung befind-lichen Angelegenheiten Deutschlands eine bedeutende sein könne. Das hoffentlich baldwieder zur vollen Macht gelangte Oesterreich ist dadurch nntcr die Leitung eines jungenentschlossenen Herrschers gestellt und Deutschland kann alsdann mit doppeltem Ber-tram» ans seinen Beistand zählen, Dieß vermag mau sich überall nicht zu ver-hehlen, Die deutsche cliplomniie dahier, die das Ncbergcwicht Preußens ans Deutsch-land fürchtet, begrüßt daher auch das Ereigniß als ein erfreuliches.

Manche politische Berechnungen, die man in Lerlin gemacht, erscheinen sehr bedroht,durchkreuzt zu werden, und hat hier, wie man bisher behauptete, eine große Zuversichtwegen endlicher Lösung der Frage hinsichtlich des Rcichsoberhauptes geherrscht, so mußimumchr diese Sicherheit bei den preußischen Staatsmännern Abbruch leiden. Ansdemselben Grunde kömmt daher auch das Ereigniß unwillkommen.

Warum gerade dermalen ein Thronwechsel in Oesterreich? hört man, und ohneZweifel eben deshalb sagen, weil inan gewünscht hätte, er wäre unterblieben.

Wie man in votscksm darüber denkt, wo die Ansichten bekanntlich stets sehrschwankend sind, vermag ich heute nicht zu bestimmen.

Das ReichSministcrium hat neuerdings wieder einen Schritt bei dem preußischenCabinete wegen der deutschen Gesandtschaften und der Geschäftsübernahme durch diePreußischen Diplomaten gcthan. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dieselbe auswei-chende Antwort wie früher mit Beziehung ans den provisorischen Charakter der Reichs-gcwalt erfolgen.

Genehmigen Euere Durchlaucht den Ausdruck meiner vcrchrnngsvollen Gesinnung.

Traiittmaiisdsrff.

G-Ichichte Oesterreichs, Bd, IV,

1