daß eine heilsame Angst vor der Revolution nnd das Gefühl der Unmöglichkeit, ohneuns und Preußen ans der gegenwärtigen bedenklichen Lage gezogen zu werden, die si-cherste Bürgschaft gegen weitere nnd gefährliche Jntrignen gewähren werde.
Dies ist die Lage des Augenblickes. Noch bleibt mir übrig, Ew. Erc. mit nnscremVorschläge, der allerdings jetzt nur in großen Hanptzügen gezeichnet werden kann, be-kannt zu machen. Er läuft im wesentlichen auf folgende Punkte hinaus.
Oesterreich strebt nach Einheit als Monarchie. Politische commercicllc oder legis-lative Schranken dürfen fortan zwischen den einzelnen Theilen des Reiches nicht längerbestehen. Aber Oesterreich will seine tausendjährigen Rechte als erste deutsche Macht, eswill seine im Laufe der Zeit gewachsene Stellung i n Deutschland nicht aufgeben. Vondiesen beiden leitenden Gedanken ging das k. k. Cabinet aus, als es über die künftigeGestaltung Deutschlands seinen Entschluß faßte.
Deutschland nnd Oesterreich sollen in sechs große Kreise zerfallen: Oesterreich mitall seinen Bestandtheilen, Preußen desgleichen, sodann die übrigen vier Königreiche.Ihnen wären nach Maßgabe der geographischen Lage nnd sonstigen Verhältniße dieübrigen deutschen Kleinstaaten »nlerznordnen. Ein jeder dieser Kreise habe seinen selb-ständigen gesetzgebenden Körper, sein Finanz- nnd Heerwesen. Den Mittelpunkt des scchs-gliedcrigen Staatenbnndes bildet ein Direktorium, dessen Sitz, wenn man will, Frank-furt sein kann. Die oberste Leitung oder Präsidentschaft bleibt bei Oesterreich. Gegenden Wechsel in derselben, sei es zwischen Oesterreich nnd Preußen, oder noch mit Hin-znzichnng des an der Drins gern fcsthaltcnden Bayerns, erklären wir uns entschieden.
Dies die Hanptnmrisse unseres zu einer weitern Ausarbeitung noch nicht gereiftenVorschlages. Zn seiner Beleuchtung in Kürze nachfolgendes.
Als erste Bedingung ergibt sich die Qnast-Mediatisirung aller nicht königlichenStaatenkörper Deutschlands. Sic ist unvermeidlich ans dem einfachen Grunde, weil dasLeben auf die Länge sich durch künstliche Mittel nicht fristen läßt, sobald die innere»Kräfte erstorben sind. Ein Blick auf Deutschland erweist dies. Zn ohnmächtig, um anseigenen Mitteln der Revolution zu widerstehen nnd in ihrem politischen Dasein nur er-halten durch die Polizeigewalt des alten Bundestages zu Frankfurt, verfielen die deut-schen Regierungen zweiten nnd dritten Ranges in Anarchie und Auflösung in deni Au-genblicke, wo die schützende Hand des Bundes von ihnen gewichen war. Ein schlagendesBeispiel der Art gewährt das Schicksal des Herzogs von bsn.ssn.ri. Der Sonvcrain einesschönen Ländchens, im Besitz eines Vermögens von etwa 1.200.000 st. Einkommenkonnte er mit Recht für den glücklichsten Fürsten »nd den ersten Privatmann der Weltgelten. Nur eins fehlte zu seinem Glücke, ein österreichisches oder preußisches Regiment.Diesen Abgang bezahlte er mit dem thatsächlichen Verluste seines Herzogshntes an diesonvcrain gewordenen Nassauer, nnd mit dem Austausche seiner Millionen Privatver-mögcns gegen eine Civilliste von einigen 20000 Thalern.
Diesen Erfahrungssatz, den ich wahrhaftig Ew. Erc. gegenüber nicht näher zu er-örtern brauche, im Auge gehalten, erweist sich die nnabwehrbare Nothwcndigkeit diekleinen Staaten durch eine innige Verschmelzung, nicht durch Agglomcrirnng, mit dengrößer» Körpern zu stärken, geschähe dies auch, wie es in der That geschehen muß, »inden Preis einiger nicht ganz unwesentlicher Opfer. Zn diesen Opfern gehört allerdingseine Schmälerung der Sonverainetät, wenn Sie wollen, eine Art theilwciscr Mediatisi-rnng der nicht-königlichen Fürstenhäuser. Es handelt sich nur darum, zu wessen Gunstenletztere geschehen, wie weit sie reichen, auf welchem Wege sie herbeigeführt werden soll.
Entweder zum Nutzen der Republik oder zum Heile des monarchischen Princips —gänzlich und radical, „so weit die deutsche Zunge reicht", oder bis an jene Gränze, wo