Die Wirkungen liesien nicht ans sich warten. Preußen und Bayern suchten zuerstmit Oesterreich zu einen, Vcrständniße zn gelangen. König Friedrich Willieln, schickteden Generalen Lrüül nach Oliinir, um mit mir in vertrauliche Berathnng zn treten.Dic von dem Könige geäußerten Gesinnungen lassen nichts zn wünschen übrig, als viel-leicht ein standhaftes Beharren bei denselben Dic deutsche Kaiserkrone, wie eine Frak-tion des Frankfurter Parlaments sic ihm durch Herrn v. Oa^orn in Aussicht stellte,
wies der König ans das bestimmteste zurück. Er wolle nur mit Oesterreich gehen. Daß
dieses seiner geschichtlichen Ucbcrlicfcrnng nicht untren werde, daß cs sich nicht lossagevon Deutschland, darauf gingen seine Anträge. Ein eigenhändiger merkwürdiger Brief-des Königs an den Kaiser enthielt diesen dringenden Wunsch. Gleichzeitig ward GrafIlornslorlk in Wien beauftragt, die vertraulichen Verhandlungen mit uns fortznsetzen.Die Vorschläge des preußischen Cabinets lauteten inzwischen schon minder befriedigend,zwar nicht in der Form, aber im Inhalt. Das Gelüste sich eine andere, näher ver-bundene Stellung mit dem übrigen Deutschland als uns znzuweisen, den ehemaligenZollverein gewissermaßen ans das politische Gebiet hinüber zn spielen, leuchtete ans denvorsichtig gestellten und geschmeidigen Anträgen deutlich genug hervor. Noch mehr mußtedies anffallen, verglich man die preußische Denkschrift mit dem Lla^oru'schcn Programm.Der Gedanke in beiden war, wenige Abstufungen abgerechnet, im Grunde derselbe. Eindeutscher Bundesstaat, natürlich unter Preußens Hegemonie, und ein eng verbündetesOesterreich, hieraus einzngehen waren wir keineswegs geneigt. Hinsichtlich der nächstenGestaltung der obersten Bnndes-oder Eentral-Gewalt schlug Preußen die Bildung einesStaatcnhanses und einer — unserer Ansicht nach durchaus »nznläßigeu — Volksvertre-tung in Frankfurt vor. Hiedurch sollte ein kräftiges Provisorium möglich gemacht, undfür weitere Verständigung Zeit gewonnen werden.
Mit dem mittlerweile in Frankfurt cingetretenen Ministerwcchsel, mit dem Aus-scheiden der leitenden österreichischen Männer ans der Lentrnl-Gewalt hing dieser Antragnatürlich enge zusammen. Dort war Hr. v. VaZerir an Hrn. v. Selimorliu^'s Stellegetreten. Er gilt mit Recht für den Vorkämpfer der preußischen Interessen. Sein Pro-gramm machte in ganz Deutschland eine nnermefilichc, aber keineswegs die erwünschteWirkung. Die Frankfurter Versammlung, erst noch ans vielen Fraktionen zusammen-gesetzt, zerfiel in zwei große feindliche Heerlager. Oesterreich und Preußen waren die Lo-sungsworte. Noch ist das 6,>Aer»'sche Programm nicht zur Abstimmung gekommen, abernicmand zweifelt an der Verwerfung desselben. Hr. v. 8cl»nerling durch seinen Aus-tritt ans dem Ministerium, als Haupt der österr. Partei in der Üisttioiml-Versamm-lung eher gekräftigt denn geschwächt, begab sich eilends nach Wien, um mit uns imAufträge seiner politischen Freunde über das künftige Verhältnis Deutschlands zn Oester-reich in Besprechung zn treten. Er kehrt als kais. Bevollmächtigter nach dem Sitze derOentrul-Gcwalt zurück und wird dort, in seiner neuen Stellung, unsere Interessen mitGeschick und Energie und hoffentlich mit dem gewünschten Erfolge vertreten.
Während dieser Aufschwung der öffentlichen Meinung zn Gunsten Oesterreichs inFrankfurt eben so plötzlich als naturgemäß vor sich ging, beschickte uns der König vonBayern ans verschiedene Weise mit Wortführern der speciell baycr'schcn Pläne,Wünsche und Befürchtungen. Das Bedürfnis schleuniger Hilfe, die Ungewißheit ob mansie in Wien suchen solle oder in Berlin, wo man bereits früher durch den bekanntenPolitischen Ounäottiei's IlliixlworU, intrignirt hatte, das Wiedcrcrwachen alter Rhein-bundgelüste, sprachen sich zn deutlich in diesen Anträgen ans, als daß diese anders dennmit großer Vorsicht konnten ausgenommen werden. Nach dieser Seite hin ließen wiruns daher in eine nähere und abgesonderte Verhandlung nicht ein, in der Nebcrzeugnng,