Kampf bei Werschetz am IS. Januar.
417
stm beladene Wagen, kleine nnd große Kinderköpfe lugten aus der selt-samen Bepacknng heraus, von den Serbianern mit Cerbernsniienen in'sAuge genommen, während andere, auf den Trommelruf zu ihren Fähn-leins eilend, allerhand Geraubtes mit sich brachten. Hier tummelte einerein ungeübtes Roß dem er mit eiserner Hartnäckigkeit Begriffe von denorientalischen Steigbügeln beiznbringen suchte; dort führte ein zweiter mitSiegerstolz einen muntern Hengst am Zügel; da wieder trieben anderein Gesellschaft zehn bis zwölf Stück Hornvieh, oder eine Heerde Indiansworein sich aufgeschreckte Gänse Enten Hühner gemischt hatten, vor sichher, daß es ein Wiehern Blöcken Schnattern Brüllen Schreien gab wieauf einem ungarischen Jahrmarkt, wenn nicht das Kreischen und Jammernder Weiber und Kinder dem Auftritt einen andern Charakter gegebenhätte. Da erschien Knicallin ain Platze, erhob seinen Arm der mit Cent-nerschwere den ersten traf der ihm in den Wurf kam, ließ seine donnerndeStimme in das zuchtlose Getümmel erschallen, nnd wie auf einen Zan-berschlag ist alles wie umgewandelt, steht in Reih und Glied, die be-freiten Flüchtlinge eilen in wilder Hast davon. Ein paar Stunden spä-ter stand Knicanin am Ausgang von Werschetz als eben das 28.Honved-Bataillon, von Weißkirchen kommend, aus der Stadt rückte. Gleich warman in erbittertem Handgemenge. Knicanin selbst mit einer Anzahl sei-ner Leute gerielh in einen dichten Knäuel als im rechten Augenblicke Hanpt-mann Kossaniü zur Unterstützung kam. Die Ungarn suchten sich mit demBajonnct Bahn zu brechen, auf allen Seiten von Serbianern Serbenund Gränzern umdrängt. Plötzlich fielen Kanonenkugeln mitten unterFreund und Feind, sie kamen von einer Abthcilung Kaiserlicher die denKlumpen für davoneilende Ungarn hielten. Nach hartem Kampf undschweren Verlusten gelang es den Honveds die Straße nach Moravica zugewinnen ans der sie Knicanin vor sich herjagte. Das serbische Armee-Corps kostete der Tag bei hundert Mann an Todten Verwundeten undVermißten
Des äußern Feindes waren Banat und Backa für den Augenblickfast gänzlich los, allein die Freude welcher Bischof Atanackoviä in einerum die Mitte Januar zu Neusatz gehaltenen Predigt Ausdruck gab warkeine reine. Denn ein ärgeres Ucbel hatte sich in die eigenen Reihen derKaiserlichen cingenistct, das sich kürz als Zwiespalt Aller mit Allen be-zeichnen läßt. Einmal standen Rnkavina nnd Thodoroviä mit einandernicht zum besten; letzterer litt Mangel an Cavallerie die ihm jener hart-
Geschichte Oesterreichs, Bd. IV. 27