erscheinen können, die Gedanken und die abweichenden Auf-fassungen im Einzelnen, mit denen mich das Studium jenerZeit erfüllt bat, in ein gelehrtes Werk niederzulegen.Jedenfalls wäre dies das für mich Leichtere gewesen.Aber ich wollte hierbei nicht ein Werk schreiben, das nurfür den Bücherschrank der Gelehrten vorhanden wäre. Ichfühlte mich selbst von meinem Stoff zu mächtig ergriffendazu. Was ich wollte, war, jenen gewaltigen cnltnr-histo-rischen Proceß, auf dessen Resultaten unsere ganze Wirk-lichkeit lebt, der aber nur noch den Gelehrten bekannt, vornNolk dagegen, bis auf einige Stichwortc, die noch immereine traditionelle Wirkung auf es ausüben und die Flammeseines Bewußtseins zum Aufflackcrn bringen, vergessen ist,zum innern bewußten Gemeingut des Volkes machen. Ichwollte, wenn möglich, diesen eultur-historischeu Proceß nocheinmal in bewußter Erkenntniß und leidenschaftlicher Er-greifung durch die Adern alles Volkes jagen. Die Macht,einen solchen Zweck zu erreichen, ist nur der Poesie gegeben,und darum entschloß ich mich zu diesem Drama. —Hierzu drängte auch von einer andern Seite eineästhetische Ueberzeugung, der ich seit lauge mit großerWärme hingegebeu bin. — Ich setze den Fortschritt, dendas deutsche Drama mit Schiller und Goethe über Shake-speare hinaus gemacht hat, dahinein, daß diese, zumalSchiller, das historische Drama im engeren Sinne erst ge-schaffen haben. Alles weitere, besonders die größere Ge-dankentiefe des Schiller'schen Dramas, ist nur eine hiermiteng zusammenhängende Folge davon. Aber selbst bei Schil-ler sind die großen Gegensätze des historischen Geistes nurerst der Boden, auf welchem sich der tragische Conflictbewegt. So die Gegensätze des Protestantismus und Ka-tholicismus im Wallenstein, Maria Stuart, Don Karlos.Was aus diesen: historischen Untergründe als die eigcnt-
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