108
noch ein junger manu; mit allen deinen Sünden wird es sclionnocli gut werden, du kannst im alter noch Imsze tun, derdenkt anders als er soll mau sieht, wie in dem mann sicheine gewisse religiöse besorgnis für das Seelenheil geltendmacht, die weltlichen stoffe von Artus und seiner tafelrundeerscheinen ihm darum allein so gefährlich und verderblich,weil sie unwahres schildern und deshalb sagt er weiter: ,da-rum würde ich gern bereit sein, wahres zu erzählen, um auchgottes willen zu tun und so die last meiner Sünden zu ver-mindern 1 .
Wir haben hier eine erscheinung, wie sie sich auch sonstin der deutschen literatur findet, dasz in dichtem, 1 ) die sich inihrer jugend leidenschaftlich mit dichtungen von mären ab-gaben, später dieselbe ansicht erwacht von der Unwahrheitund liigenhaftigkeit dieser romane, dasz sie wie eine mahnendestimme des gewissens zu ihnen spricht und sie auf ihr früherestreiben wie auf ein sünderleben zurückblicken läszt. 2 ) dies istsehr wohl begreiflich bei naturen, deren gefühlsieben sehr ent-wickelt ist, sehr wohl begreiflich in jener empfindsameren zeit.
Dieser mehr geistlichen richtung, die vielleicht durch dieeindrücke aus seiner jugendzeit noch gefördert wurde, bleibtHartmann treu und dichtet nun das nach form und inlialt voll-kommenste seiner werke den , armen Heinrich 1 , alle Vorzügeseines dichterischen könnens, auf deren Ursprung und ent-wickelung im einzelnen hingewiesen ist, vereinigen sich hierzu einem harmonischen und ansprechenden ganzen, welcheseinen würdigen abschlusz von Hartmanns dichten bildet undeins von den wenigen erzeugnissen jener zeit ist, welche auchdem modernen leser noch anziehend erscheinen.
J ) und nicht blosz bei dichtem haben wir dies, wir finden dieselbeerscheinung oft bei rittern und vornehmen herrn, die nach einem lebenin freudc und herrlichkeit plötzlich der weit entsagen und ins klostergehen, vgl. Ludwig III. von Arnstein (1139). es ist diese plötzlicheweltflucht etwas jener zeit eigentümliches, vgl. auch Parzivals geschichto:frauendienst und abenteuer, dann Gralsuche und Gralkönigtum.
-) Gervinus G. d. D. 4 I, 431.