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Eduard Bendemann : Betrachtungen und Erinnerungen
Entstehung
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nicht die etwa noch vorhandenen früheren Skizzen dieserSzene mitgeteilt erhalten, müssen wir annehmen, dagdieselbe in seltener Klarheit vor dem Jnnenauge ihresSäwpsers gestanden hat, eine Annahme, die jedoch mitder Art nnd Weise des Bendemann'schcn Schaffens znschroff kontrastiert, als daß man sie ohne weiteres atSrichtig aeecpticren konnte.

Mit welch ernstester künstlerischer Gewissenhaftigkeitund Strenge unser Künstler meist arbeitete, wird durchdie zahlreichen ansgestellten Studien, die Akt-, Kopf-,Gewand- nnd Detailstudien zu dem Bilde: „Wegfiihrungder Inden in die babylonische Gefangenschaft", znm„sseremias", zn seinen großen FreSco-Geniäldcn n. v. a.seiner Werke, mit noch verblüffenderer Beredtsamkeitdargethan, als durch die Skizzen der Wüstcnbitder. Eiltgeradezu erstaunliches Aufgebot von Arbeitskraft, Einsichtund Sorgfalt findet sich in diesen Studien niedergelegtund wenn irgend etwas, so konnte ihre Betrachtungzum Glauben an die These bereden, die HanS v. Bülowmir in einem seiner geistreichen Briese einmal so nach-drücklich betonre, zur überzeugten Bekennung desSchlagworteS: „Das Talent ist der Fleiß." Und dochist auch diese blendende These im Grunde nur eine Halb-wahrheir. Das Talent ist so wenig der Fleiß als derFleiß daS Talent ist, obgleich Talent ohne Fleiß wieFleiß ohne Talent ewig gleich unerquicklich und unvoll-kommen erscheinen werden. Das Talent, das Genie,ist ein Geschenk, eine Naturgabe, der Fleiß eine ethischeErrungenschaft, ein Erworbenes, eine Charaktereigenschaft.Das Talent erschafft, der Fleiß arbeitet^ jenes ist derwollende, befehlende Herr, dieses der dienende Knecht.Glücklich die Naturen, in denen, wie bei unserem Meister,beider Gewalten für ihre Thätigkeit mit gleichen Kräf-ten ausgerüstet sind nnd sich ohne Hader in die Handarbeiten.

Die Originale der großen Oelgemälde, denen Bende-mann seinen ersten Ruf und Ruhm verdankt: die trau-ernden Juden in Babylon, BoaS nnd Ruth, die zweiMädchen am Brunnen, Jeremias ans den Trümmernvon Jerusalem, sind in der Ausstellung ebensowenig