Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 401
haben. Er scheint also eine Professur der Rechte bekleidet zuhaben. Wer Murners Arbeiten kennt, wird sich nicht wundern,hier eine äusserst ungenaue, oft fehlerhafte Umschreibung des ur-sprünglichen Textes zu finden. Dennoch muss man, sow' eit über-haupt die populäre Richtung der Murnerschen Arbeiten anzuerken-nen, es hervorheben, dass dieser Versuch der erste ist, ein römi-sches Rechtsbuch in’s Deutsche zu übertragen. Seine Ueber-setzung der Institutionen ist der ersten holländischen noch im Jahre1547 zu Grunde gelegt. 1 ) 1518 gab er zu Strassburg bei JohannPrils ein Chartiludium institute summarie heraus 2 ],ein ausführliches Werk, worin er, wie früher die Logik und Metrik,jetzt die Jurisprudenz durch Spielkarten zu erläutern sucht. In dem-selben Jahre liess er zu Easel drucken: Utriusque iuris tituliet regulae in Allemannicum traducti eloquium, eine Uebersetzungder Ueberschriften und Rechtsregeln des römischen Rechts, denRechtsbeflissenen der Universität Easel gewidmet. 3 ) Es sind jeneRechtsbücher die vier Bücher der Institutionen, Digestum vetusLib. 1—24; D. infortiatum Lib. 1 — 14; D. novum Lib. 1 —12;Codex Lib. 1—9; Liber constitutionum novellarum authentica-rum; Collatio Lib. 1—9; Codicis Lib. X repetitae praelectionisLib. 10 —12; Consuetudines feudorum; Collatio decima Lib.1 — 2; Extravagantes; Aurea bulla Caroli IV., Romanorum im-peratoris; Decretum abbreviatum: Tituli decretalium Lib. 1 — 6
1. Antwerpen 1547 in 8., auch s. Gravenhuge 1648 in 8. Beide Ausgabensind zu Güttingen. 2. Nach Waldau S. 77 enthält dieses Werk 30 Bo-gen 4. Auf den K. Bibliotheken zu Wien, Berlin, München und Wolfenbüttelsind Exemplare vorhanden. Ein Irrthum scheint es zu sein, wenn BreitkopfUrsprung der Spielkarten S. 116 von einer Ausgabe zu Basel ohne Jahreszahlspricht, und diese Erläuterung der Institutionen identisch hält mit: “Chartaelusoriae, quibus tituli Pandectarum et Codicis leges variae ex iisdem exhiben-tur”, die zu Venedig auf sechs Karten gedruckt wurden, (siehe auch GesnerBibi. fol. 618) und auch zu Basel 1519 deutsch in 4. herauskamen. In
der Bibi. Utfenbach tom. II. app. 129 n. 393 finden sich Chartae lusoriae Iu-ridicae circa initium sec. XVI jam inventae, quibus tituli Pand. et Cod.
legesve variae ex iisdem exhibentur. Name des Verfassers, Ort und Jahr sindnicht angegeben. 3. Exemplare befinden sich zu Göttingen und Wolfen-büttel. Eine Ausgabe Basel 1520, October, durch Adam Petri, Bogen a—zu. A — II in 4. ist auf der Universitätsbibliothek zu Heidelberg vorhanden.Beide Ausgaben sind zu Berlin und zu .München.
26