De. THOMAS MURNERS ULENSPIEGEL. HERAUSGEGEBEN J. M. LAPPENBERG. LEIPZIG, T. O. WEIGE L. 1 8 5 4 . ULENSPIEGEL. I lenspwfd,h er. o. Lapp entern) . ímrkel in au •‘mui! trft tjtorefl lï&p f Lith.-ÀnstVv: "EnnLWUieliniiTL Ipzg M. Sauer. Grabstein, zu Mölln.. Dr. THOMAS-MURNERS I ÏV: ia ¡ , |jr uleñsTiegel. HERAUSGEGEBEN VON J. M. LAPPENBERG. LEIPZIG, T. O. WEIGEL. 1854 . £anbes=u. SYabt- II mumm fi I] Duffelborf 11 / i \ ûY-4$ÿ‘i ‘f ‘TÎL HERRN CARL FRIEDR. yon SA VIGNY UND HERRN JACOE GRIMM. Wenn gleich ein Meister und ein solcher Jünger ihre Neimen gern vereinigt finden, so darf es Sie doch vielleicht über- ' raschen, dass dieses vor einem Buche geschieht, dessen Inhalt den gewöhnlichen Studien des Aelteren ferne liegen. Docli haben Sie, verehrter Savigny, allen meinen wissenschaftlichen. Bestrebungen von jeher so viele Theilnahme erwiesen, dass ich hoffen darf, ein Werk, dessen erste Keime einst in Ihrem Hause an unvergesslichen Abenden aus den Unterhaltungen mit den würdigen Genossen Ihrer schöpfungsreichsten Lebensjahre, mit Achim von Arnim und Meusebach, sich entwickelten, und zu dessen Ausarbeitung mich die vielfachen Anforderungen mancher gemeinschaftlichen Freunde später geführt haben, werde Ihnen, hei Ihrem umfassenden Gesichtskreise auf dem Gebiete der Wissenschaft und besonders auf dem des deutschen Mittelalters, nicht gleichgültig sein. Dass aber Ihnen, verehrter Grimm, dem Meister der deutschen Sprachwissenschaft, dem ersten Kenner unserer Volksdichtung, die Widmung dieses Werkes gebühre, ward Niemand bezweifeln wollen, auch der nicht weiss, dass Ihre Beschäftigung mit demselben vor bereits vierzig Jahren, später mir die unmittelbare Veranlassung dazu dargeboten hat. Gerechteres Bedenken dürfte ich tragen, ob ich überall ein Buch von nicht mehr innerem Gehalte, als das vorliegende, hochverehrten Freunden widmen könne. Ich habe Werke, auf welche ich einen grösseren Werth lege, abgesehen von einer zufälligen aber besonders geeigneten Ausnahme, nie mit einer ‘ Zuschrift, und also auch nicht an Einen von Ihnen Beiden begleitet, weil ich noch immer hoffte, Ihnen etwas Vollendeteres vorlegen zu können. Ich habe aber hier, gleich wie hei anderen literarischen Plänen, tlieils die Störungen und Hemmnisse des Geschäftswelt nicht gehörig erwogen, theils auch die Kürze des menschlichen Lebens, am wenigsten aber die Leiden und Gebrechen, denen dasselbe vielfach ausgesetzt ist. Von jenen aber haben mich gar manche heimgesucht, diese haben mich frühe betroffen, eine seit Jahren stets zunehmende Augenschwäche hat der Forscherlust eine unüberwindliche Schranke gesetzt, so dass ich höchstens zu hoffen wage, einige der bereits früher begonnenen historischen Arbeiten fortsetzen zu können. Ich muss also das vorliegende Werk als das letzte ansehen, welches, als ein selbstständiges, mir vergönnt sein dürfte mit einer Widmung zu schmücken, und darin, was meiner Empfindungsweise ein Bcdürfniss ist, öffentlich auszusprechen, wie sehr viel ich Ihnen, hochverehrte Freunde, verdanke. Von den Lebenden hat keiner auf meine geistige Entwicklung und die literarische Richtung, in welcher ich ein hohes Lebensglück gefunden habe, einen so entschiedenen Einfluss gehallt, als Sie Beide; in Ihnen ist dem aus der Fremde heimgekehrten Jünglinge einst sein Vaterland doppelt werth geworden. Der Tage, welche er mit Ihnen verweilen durfte, sind stets zu wenige gewesen, doch war er schon frühe gewöhnt mehr mit den Geistern der Abwesenden und Hingeschiedenen zu verkehren, als mit der Gegenwart, und hat den besten Gewinn des Lebens gefunden in der Einsamkeit und in der Sehnsucht nach Denen, die ihm die Liebsten sind. Unter diesen sind Sie die Ehrwürdigsten, die Einflussreichsten gewesen, mir und anderen Freun- den, welche die Vorsehung ähnliche schöne und belohnende Wege geführt hat. Empfangen Sie denn diese kleine Gabe, welche ich anstatt der verhofften besseren als ein Zeichen der treuesten Gesinnung und alter Verehrung, bei sehr gereiften Jahren aber mit jugendlicher Wärme Ihnen darbringe. HAMBURG, den 12. Februar 1854. J. M. Lappenberg;. VORWORT Das Bestreben, die Denkmäler der Geschichte und des Rechtes des niedersächsischen Stammes, besonders die in dessen Mundart geschriebenen, zu sammeln, hat mich dazu geführt, auch den Ueberbleibseln niedersächsischer Dichtungen eifrig nachzuspüren. Zu letzteren gehörte auch das Buch vom Ulenspiegel, dessen Bedeutung für die Sittengeschichte jedenfalls nicht verkannt werden konnte. Es gelang mir jedoch ebenso wenig, wie das plattdeutsche Original des Stortebekerliedes, dessen lleimath sich noch in den Reimen des oberdeutschen Gewandes zu erkennen giebt, eine plattdeutsche Niederzeichnung über irgend einen Theil des hochdeutschen Ulenspiegel aufzufmden. Dagegen hatte ich das Glück, die älteste bekannte, 1519 zu Strassburg gedruckte Bearbeitung desselben durch die Güte des Bibliothekars an der herzoglichen Bibliothek zu Gotha, Herrn Ilofrath Ukert, zu erhalten, so wie von meinem Freunde, Herrn von Meusebach eine, schon im Jahre 1813 von Jacob Grimm veranstaltete Abschrift. Die Abweichungen, welche diese älteste Ausgabe von allen späteren darbot, schienen mir für die Geschichte dieses beliebtesten aller Volksbücher nähere Beachtung zu verdienen, aus welcher sich bald eine Nachforschung über die älteren Quellen, welche für einen bedeutenden Theil des Buches noch zu erkennen sind, entsponnen und zu vielfachen verwandten Untersuchungen geführt hat. Es belohnten sich diese Nachforschungen durch manche interessante literarhistorische Resultate, um deren Mittheilung ich von verehrten Freunden so häufig und dringend angegangen bin, dass ich den Widerwillen beseitigte, welchen die Beschäfti- gung mit diesem Gegenstände mir bisweilen erwecken musste, wie es dem Anatomen mit dem Cadaver, dem Historiker mit nur zu vielen Scenen der Geschichte begegnet, und mich entschloss, die hier gegebene Abhandlung nebst den für deren Würdigung dem deutschen Literarhistoriker unentbehrlichen Texte des alten Druckes dem Publicum vorzulegen. Die übrigen Beilagen dürften Ihcils unentbehrlich, theils nicht unwillkommen erscheinen. Die bibliographischen Nachrichten beruhen grossentheils auf eigener Anschauung, welche die Herren Vorsteher der betreffenden Bibliotheken mir hei sich oder durch Zusendung hieher freundlichst gestatteten, theils auf deren gefälligen schriftlichen Mittheilungen. Bei so vielen und ungewöhnlichen Begünstigungen habe ich geglaubt, in der Darlegung der Resultate dieser Forschungen, welche dem Literarhistoriker von einigem Werthe sind, nicht zurückhaltend sein zu dürfen. In der zuweilen ausführlicheren Mittheilung mancher Erinnerungen an den Eulenspiegel, welche sich ausserhalb des Buches von seinen Schwänken in Schrift, Bild und Stein erhalten haben, hin ich allerdings mehr als meiner Neigung, dem Rathe sachkundiger Freunde gefolgt. Aus der Untersuchung über den Verfasser des Ulenspiegel, für welchen ich den Dr. Thomas Murner zu halten kein Bedenken trage, haben sich die biographischen und literarischen Notizen gestaltet, welche hier zu einer ausführlichen Schilderung des Charakters, so wie der schriftstellerischen und polemischen Thätigkeit dieses begabten, vielseitigen, nicht unsittlichen, aber leichtfertigen Mannes zu benutzen, dem Zwecke dieses Werkes nicht entsprach. Es ist mir jedoch besonders schwer geworden, darauf zu verzichten, ein umfangreiches Lebensbild desselben zu liefern, welches zugleich den damaligen Zustand mehrerer Zweige der Wissenschaft und der schönen Literatur, so wie der folgenreichen Bewegungen auf dem kirchlichen Gebiete des westlichen Deutschlands und der Schweiz, umfassen müsste. Mögen diese Vorarbeiten geeigneten Händen dazu empfohlen sein. UEBERSICHT DES INHALTS. Seite Vorwort.ix Das Leben von Dil Ulenspiegel, nach der Ausgabe von 1519.. 1—138 DieVorrede . 1 H. 1 —10. Jugendstreiche. 3 Geburt in Kneitlingen und Taufe in Ampleve fl. 1. Ulcnspiegcl als Kind II. 2. Ulenspiegel und seine Mutter im Magdeburgischen an der Saale H. 3—5. Der Häcker in Stassfurt H. 6. Metzelsuppe H. 7 u. 8. Ulenspiegel im Bienenstock H. 9, als Holjunge II. 10. II. 11—13. Ulenspiegel beim Pfarrer zu Büddenstedt .. Als Knecht II. II, Sigrist II. 12. Osterspiel II. 13. H. 14. Vom Fliegen in Magdeburg. 17 H. 15—17. Ulenspiegel als Arzt.18 Auf Gicbiclienstein II. 15; in Peine 11.16; im Hospital zu Nürnberg II. 17. II- 18—20. Ulenspiegel als Brotverkäufer und Bäcker . 24 Brotverkäufer in Halberstadt H. 18. Bäcker in Braunschweig II. 19 und Uelzen II. 20. II. 21. Sprüche.28 H. 22 — 27. Ulenspiegel bei weltlichen Fürsten . . 28 Beim Grafen von Anhalt als Thurmbläser H. 22 ; beim Könige von Dänemark 11. 23, beim Könige von Polen H. 24, beim Herzoge von Lüneburg in seinen vier Pfählen und auf seiner Scholle 11.25 u. 26, beim Landgrafen von Hessen als Maler II. 27. XII UEBERSICIIT DES INHALTS. Seite II. 28 ii. 29. Universitäten.38 Prag H. 28 ; Erfurt H.29. II. 30—33. Verschiedene Schwänke.42 Nigeslätten : Wahrheilreden und Pelzwaschen H. 30 ; Pommern : Reliquien H.31 ; Nürnberg: Scbaarwächter H.32; Bamberg: für Geld essen H. 33. 11.34 — 38. Schwänke mit Geistlichen und geist- lich en Dingen.47 Rom: der Papst H. 34 ; Frankfurt a. M. : Juden, Prophetenbecrcn H.35; Quedlinburg: Schreiber der Aebtissin, Hühnerkauf 11.36; Pfarrer zu Hohen-Egelsheim H. 37 ; Pfarrer zu Kissenbrügge H. 38. H. 39—66. Hand werker und ver wand le G ewerb e . .67 Schmiede-: zu Rostock H. 59, zu Wismar H. 41. Schuhmacher 11.43, zu Stade H. 44, Braunschweig H.45, Wismar 11.46. Brauer zu Eimbeck 11.47. Schneider in Berlin 11.48, Brandenburg H. 49, Niedersachsen II. 50. Tuchmacher in Stendal H. 51. Kürschner in Aschersieben II. 52 u. 53, Berlin H. 54, Leipzig II. 55. Gerber in Braunschweig H. 56. Weinzäpfer in Lübeck (Befreiung vom Galgen) II. 57. u. 58. Taschenmacher zu Helmstädt H.59. Metzger zu Erfurt 11.60 u. 61. Schreiner in Dresden II. 62. ßrillenmacher; Ulenspiege! beim Bischof von Trier H. 63. Koch und Stubenheizer in Hildesheim 11.64. Rosstäuscher in Wismar 11.65. Pfeifenmacher in Lüneburg 11.66. 11.67 — 74. Verschiedene Schwänke .98 Propst von Epsdorf, goldene Hochzeit zu Gerdau H. 67. Bauer bei Uelzen H. 68. ßadestube in Hannover H. 69. Milchfrauen in Bremen H. 70. Die zwölf Blinden in Hannover H.71. Collation in Bremen H. 72. Das Schälkesäen an der Weser H.73. Barbier in Hamburg H. 74. II. 75—86. Wirthe und Bewirthung .HO Nürnberg 11.77. Wirlhe zu Eisleben 11.78, Coin 11.79 und 80, Rostock 14.81; Wirthinnen 11.82—85, zu Stassfurt 11.82 u. 83, in Frankfurt a. 0. 11.85; der Holländer in Antdorf 11.86. 11.87 — 89. Verschiedene Schwänke .125 Bischof von Bremen H. 87; Bauer aus Oldenburg bei Eimbeck H 88 ; Abt von Marienthal II. 89. II. 90—96. Krankheit und Tod Ulenspiegels zu Mölln.131 Krankheit II. 90 ; Verspottung der ßeguine II. 91 ; Beichte II. 92 ; Testament II. 93 ; Begräbniss und Epitaphium II. 94-96. UEBERSiCHT DES INHALTS. XIII Seite Zusätze der nächst ältesten Ausgaben .... 139—146 Ulenspiegel als Kind S. 139, Rosstäuscher S. 140, zu Hildes- heimS. 140; Hirt des Herzogs von Braunschweig S. 141; Ulenspiegel kauft Schuhe in Erfurt S. 141 ; Büttel in Berlin S. 142; bei einem Dorfpfarrer S. 143 ; bei einem Bauern S. 144; zu Paris auf der hohen Schule S. 144. — Aus der ältesten englischen Ausgabe des W. Copland Cap. 44: S. 145 Von den Ausgaben des Ulen Spiegel . 147—220 Erläuterungen . . . . . 221—294 (Meistersänge: Das Osterspiel Eulenspiegels S.223; die zwölf Blinden S. 272 ; Eulcrispiegel im Kloster S. 282.) Abhandlung über den Ulenspiegel . 295—384 §. 1. Einleitung.295 §. 2. Von der Verbreitung des Volksbuches in verschiedenen Ländern.297 I. In Deutschland ............ 297 II. In den Niederlanden.303 III. ln Frankreich.305 IV. In England.308 V. In Dänemark.313 VI. In Polen.314 VII. Am Mittelmecre.316 §. 3. Bildliche Darstellungen und Gegenstände mit Ulenspiegels Namen.317 §. 4. Ulenspiegels Grab zu Mölln.324 §. 5. Ulenspiegels angeblicher Grabstein zu Damme . . .338 §. 6. Vom geschichtlichen Ulenspiegel.340 §. 7. Von der Abfassung des Buches vom Ulenspiegel . . .347 §. 8. Von den Quellen der Erweiterungen des Buches . 352 I. Vom Pfaffen Amis.353 II. Vom Pfaffen vom Kalenberg . ..354 III. Vom Gonella.357 IV. Poggio .359 V. Cento Novelle antiche .360 VI. Morlini.360 . VII. H. Bebel.361 VIII. Maistre François Villon .• . . 362 XIV UEDERSICIIT DES INHALTS. Seite §. 9. Von einigen späteren, dem Ulenspiegel verwandten Büchern.363 I. Johannes Pauli, Schimpf und Ernst.363 II. Bruder Rausch .380 III. Claus Narr. 382 IV. Hans Clawert.383 §. 10. Thomas Murner, als Verfasser des Ulenspiegel . 384 §. 11. Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner.387 §. 12. Anhang über den Murnarus Leviathan und einige andere Schriften gegen Murner .412 Beilagen .419—434 I. Invectiva T. Murner ad Jo. Kaisershergium. 1502 . . 421 II. Tliomae Murner Jac. Wimphelingius.422 III. Schreiben des Kanzlers Thomas More an Cardinal Wolsey. 1523 . 424 1VI M. Francesco Rainaldo' da Mantua Face'cie del Gonelia 426 Glossar .435 Zusätze und B e r i,c h t i g u n g e n. Holzschnitte. 1. Titelblatt der Strassburger Ausgabe von 1519. 2. Schlussvignette derselben Ausgabe. 3. Ulenspiegel nach einem Gemälde, ehemals auf dem Rathhause zu Mölln. Steindrücke. 1. Ulenspiegels Grabstein zu Mölln. S. das Titelblatt. 2. Stein in der Marienkirche zu Wismar, 1350 und 3. Landcharte über die Heimatb und die Reisen Ulenspiegels, sind hinten angefügt. Die vorred Ais man zalel von Chriltus gebürt taufend fünfhundert bin icli N. durch etliche perfonen gebetten worden, daz ich dife historien vnd gefchichten in zü lieh fol zefanunenbringen vnd befchreiben, wie vor Zeiten ein behender, Iiftiger vnd durchtrib- ner eins bauren fun, was er getriben vnd gthon hat in welfchen vnd tütfchen landen, was geborn in dem brunfclnvigifchen herzoglhum, genant Thyl Vlenfpiegel. Für folich mein müe vnd arbcit, wolten fie mir eer gunst hoch erbieten. Solicits zü thftn vnd mer, ich in willig wer, antwortet ich. Aber ich wifzt mich nit folicher Vernunft vnd verftentnifs folichs zü volbringen, vnd mit lriintlicher bit an fie mich folichs zü erlafsen manig vrfacli darthet, von Vlnfpiegcl etwas zü fehreiben, fo er in etlichen Helten getriben het, fie das verdriefsen möcht. Aber dife mein antwurt wolten fie für kein entfchuldigen haben vnd mich weiter gebetten, vnd verdachten mich vernünftiger dann ich bin, vnd ir ablafsen nit wolt fein. So hab ich mich nach wenig meiner verftentnifz verpflicht vnd angenommen mit Gots hilf (on den mit gefchehcn mag) mit tleifz angefangen, vnd wil mich on cli geen iederman entfclmldigt haben, daz folch mein befchreiben nemend zü widerdriefz befchehen, oder iemant damit zü fchwechen: das fei weit von mir! Nun 1 ) allein vmb ein frölich gemüt zü machen in fchweren Zeiten vnd die lefenden vnd zü- hörenden mögen güte kurlzweilige fröden vnd fchwenk darus fabulieren. Es ist auch in di fern meinem fchlechten fchreiben 1. !.. nur. 1 kein kirnst oder fubtcilichkeit, dann ich leider der lateinifchen gefchrift vngelert vnd ein fcldecliter ley bin. Vnd dienet dite mein fchrift allerbest zfl lefen, (auf das der gotsdienft nicht verhindert werd) fo fich die miifz vndcr den henken beiffen, vnd die ftund kurz werden, vnd fodan die gebraten biren wol fchmecken bei dem neuwen wein. Vnd bitt liiemit einen ¡etlichen, wa mein fchrift von Vlenfpiegel zfl lang oder zfl kurz fei, daz er das heiser'), vf daz ich nil vndank verdiene. Vnd ende damit mein vorred, vnd gib den anfang Dyl Vlenfpiegels gehurt, mit zfllegung etlicher fabulen des pfaff Amis vnd des pfaflen von dem Kafenberg. Die erst histori Tagt, wie Dil Vlenfpiegel geborn, vnil zu dreien malen eins tags ged oft ward, vnd wet ') fein doufgüttel waren. Bei dem wald Meinte genant, indem land zft Sa eh Ten, in dem dorf Knetlingen, da ward Vlnfpiegel geborn, vnd lein vatter liiei'z Claus VI n f'ji icgcl, vnd lein raftter Ann Wibcken. Vnd da fie des kindes VlnFpiegels genafz, da fchickten fie es gen Ampleuen in das dorf zfl dem tauf, vnd liefsen es heil'fen Thyl Vlenfpiegel. Vnd Tliyl von Vtzen, der burgher zft Ampleuen, vvard fein taufpfelter. Vnd Ampleuen ill daz fchlofz, daz die von Megdburg etwa vor fünfzig iareu mit hilf der ander fiel für ein arg ltöfz raubfchlofz zerbrachen. Die kirchen vnd das dorf dabei hat nun in befitzung der wirdig Arnolf Pfaffenmeyer, apt zft Sunt en 1 2 ). Als nun Vlnfpiegel getöDt ward, vnd fie daz kind wolteu wider geen Knetlingen tragen, alfo wolt die góttelfraw oder die taufgöttel, die das kind trüg, endlich vher ein fteg eins waffers gond, daz zwifchen Knetlingen vnd Ampleuen ill. Vnd fie hetten da zft vil biers getrunken nach der kindtöfe. Da ift die gewonheit, daz man die kinder nach der tôle in daz bierhufz treit vnd feind frolich vnd vertrinken die kinder alfo, daz mag dann dez kinds vatter bezahl. Alfo fiel des kinds gôttel von dem fteg in die lachen, vnd befudelte beide, fielt vnd das kind, fo iemerlichen, daz des 3 ) kind schier erstickt waz von vnsuberkeit. Alfo hülfen die andern frauwen der badmflmen mit dem kind wider herus, vnd gingen wider heim in ir dorf zft haus vnd wüschen das kind in einem kefsel 1. I,. wer. 2. L. sunt Egidicn. 3. L. (las. 1 * 4 Vnn Vlenfpiegel. vnd machten es wider fauber vnd fchon. Alfo ward Vlenfpiegel eins tags drei mal getöft, ein mal im tant, ein mal in der wuften lachen vnd eins im kefsel mit warmen wafser. Die ander histori fagl, wie alle bauren vnd piirin 1 ) vber den hingen Vlenfpiegel clagten vnd fpracli 2 ), er wer ein bub vnd lecker, vnd wie er vf einem pferd binder feinem vatler ritt vnd Mfchweigend die litt binden in arfch liefz leben. Alsobald nun Vlenfpiegel fo alt ward, daz er fton vnd gon luint, da macht er vil l'pils mit den hingen kinden, wann er waz noli ich. Wie ein elf dmnelt er ficli vf den kilfsin vnd im grafz, fo lang bis er drey iar alt warde 3 ). Da llifz er ficli aller fchalkheit alfo, (las alle nachbauren gemeinlich vber Vlenfpiegel clagten, das fein Am Tliyl Vlenfpiegel wer ein fclialk. Da käme der vatter zu dem fun vnd fpracli zu ym: "wie get doch das ymer zu, das alle vnfer nachbauren fprechen, du feyeft ein fclialk?” Vlenfpiegel fpracli: "lieber vatter, ich tliü doch nemen mit, das wil ich dich ofTcnbar beweifen. Gang hin, fitz vf dein eigen pferd, vnd fo wil ich hinder dich sitzen vnd flilfchwcigcnd mit dir reiten durch die gafsen, noch werden fie vf mich liegen und fagen was fie wollen, das nim acht.” Alfo thet der vatter vnd nam in hinder ficli vf das pferd. Alfo lupft fich Vlenfpiegel binden uf mit dem loch, vnd liefz die lüt ye in den ars feilen vnd fafz da wider nider. Da zögten die nachbauren vnd nacli- bcurin vf in vnd fprachen: "pfuy dich an, wol ein fclialk ift das”! Da fpracli Vlenfpiegel; "hör vatter, du fich ft wol, das ich ftil fehweig vnd nieman niit tliü, noch dann fagen die lüt, ich fei ein fclialk.” Alfo tliel der vater eins vnd fatzt Vlenfpiegel, feinen liehen fun, für fich vf das pferd. Da fafz Vlenfpiegel ftil, aber er fpert das maul vf vnd zannet die harnen an, vnd reckt die Zungen vfz, da luflen die lüt zft vnd fprachen: fehen 4 ) zu, wol ein iunger fclialk ift das!” Da fpracli der vatter: "du bift freilich in einer unglückfeligen ftund geboren, 1. L. hürin. 2. L. sprachen. 3. L. ward. 4. L. sehet. Diu drin hislori. 5 1 ( du filzcft I'til und l'cliweigrst vnd lliilft nieman nichts, nodi dan lagen die hU, du leiei't ein fchalk.” Die dritt histori lagt, wie Claus Vlenfpiegcl von Knellingen hinweg zoch an die Sal, das wal'ser, da lein nniLer her war hurtig, da starb er, vnd wie lein Tun Tyl vf dem feil IcrnL gen. ') Allo zocli lein vattcr mit im von dannen vnd zoch mit haus in das megdburgi sell land vf die Sal, das waller. Daher was Vlenfpiegcls mil (er. Vnd bald darnach da flarb der alt Claus Vlenfpiegcl. Da blieb die nulter hei dem fun in dem dorf vnd affen vnd trunken was fie betten. Allo ward die muter arm vnd Vlenfpiegel wolt kein handwork lernen vnd was da bei fechzehen iar alt vnd duineltc ficli vnd lernt mancherlei göcklerei. Vlenfpiegels mütcr wonet in einem haus, vnd der hof gieng an das waller die Sal genannt. Vnd Vlenfpiegel begund vf dem feil ze gun vnd das trib er vf der biinin des lmfz, wan er das vor der mfiter nit mócht zewegen bringen. Dan fie wolt die thorheit nit von im leiden, das er lieh duineltc allb vf dem feil, vnd treuwet im darumb zefchlagen. Vnd eins mais erwuft fie in vf dem feil vnd nam ein grofsen knüttel vnd wolt in von dem feil fchlahen, da entran er ir zfl einem fenfter vs vnd lief oljen vf das tacli zefitzen, das fie in nit erreichen kirnt. Das wert fo lang mit im, bis das er ein wenig eher ward, da fing er wider an ficli ze dumlen vf dem feil vnd zoch das feil oben von feiner müter hinderhaus vber die Sal in ein ander haus dargegen vber. Allo vil iunge vnd alte litt die warden innen des feils, das Vlenfpiegel ficli daruf dumlen wolt. Die kamen dar vnd wollen in daruf feben gon, vnd fie wunderten ficli 1er, was er doch für ein fellzam Ipil wolt haben oder was wunderlichen fpils er doch treiben w'olt. Vnd als nun Vlenfpiegel vf dem feil falz, vnd fein dumlen am heften was, wie 1. Diese Ucbcrschrift stellt im Originaldruckc erst auf (1er folgenden Seite hinter den Worten „mancherlei göcklerei“, vcrmuthlich um bessern Raum fiir den Holzschnitt zu gewinnen : ein Irrthum, welcher sich his in das neueste Volkshuch vererbt bat. 6 Von Vlenfpiogel. es fein miiter innen ward, vnd kunt im nit vil darumb ilifln, doch fo fchlcich fie heimlich liinden in das Laus auf die bün, da das feil gebunden was, vnd felmeid das feil entzwei. Da fiel Vlnfpiegel, ir fun, in das wafser mit grofsem fpot, vnd badet redlichen in der Sal. Da warden die baurcn gar 1er lachen, vnd die hingen rfiften im fast nach: “lie, lie, had nur wol aus etc. Du hast lang nach dem bad gerungen”. Das verdrofz Vleufpiegel 1er vnd achtet des badens nit, funder des fpottes vnd rüf'ens von den iungen hüben, vnd gedacht doch, wie er in das wider vergelten vnd fie bezalen wolt. Vnd alfo badete er vs fo beste er nióc-ht. Die vierd histori fugt, wie Vlenfpiegcl den iungen bei 11 hundert par fchüh in von den füfzen ret, vnd macht das fich alt vnd iung darum hei dem har rouften. In kurzer zeit darnach da Vleufpiegel wolle feinen fchaden vnd fpot des hades rechen, vnd zoch das feil vfz einl andern hus vber die Sal, vnd verwonte die lüt, wie er aber vf dem feil wolt gon. Das folk fandet fich bald darzü, iung und alt. Vnd Vlenfpiegel fpracli zu den iungen, das fie im geben ein ¡etlicher feinen linken fchüh, er wolt in ein litibfch ftitck vf dem feil zeugen mit den fchühcn. Die iungen glaubten das vnd meinten all war, auch die alten. Vnd hüben an die iungen, vnd zugen die fchüh vs, vnd gaben fie Vlenfpiegeln, vnd der iungen war beinach zwei fchock, das ift zweimal LX. Die halben fchüh wurden im, da zoch er fie an ein fclinür, vnd fteig damit vf das feil. Als er nun vf dem feil was, vnd het die fchüh mit im daruf, da fahen die alten vnd die iungen zü im vf, fo das fie meinten, er wolt etwas nötlicbs dings damit tliün, vnd der iungen waren ein teil betrübt, wan fie ir fchüh gern betten wider gehabt. Alfo nun Vlenfpiegel vf dem feil fafz und macht fein gefert, da ruft er vf dem feil: “menglich nem war, vnd ieglichcr fiieh feinen fchuch wider” ! Vnd fchneid damit die fclinür entzwei, vnd warf die fchüh all von dem feil vf die erden, das ie ein fchüh vber den andern bürlzelt. Da dumleten die Die funft vnil VI. histori. 7 ¡ungen vnil alten hinzfl, vnd erwuft einer hie ein fchflh, der ander dort. Der ein fprach: “diter fcliûh ist mein,” der ander fprach: “du liigft, er ift mein.” Vnd fielen alfo einander in das har vnd begunden fich einander zefchlagen, der ein lag vnden, der ander oben, der ein fchry, der ander weint, der drit lacht, vnd wert fo lang das die alten auch backenftreich teilten, vnd zohen fich bei dem har. Alfo i'afz Vlenfpiegel vf dem feil vnd lacht vnd rftft: “he, he, füchen nun die fchüh, wie ich geftern vfbaden mflft”, vnd lief von dem feil, vnd liefz fich die iun- gen vnd alten alfo ob den fchflhen zanken. Vnd dürft in vier wochen vor den ¡ungen oder vor den alten nit lierfür klimmen, vnd fafz alfo in dem haus hei feiner mflter, vnd hletzete helm- ftettifche fcliüch. Da ward fein mflter ganz erfröwt, vnd meinet fein fach folt noch gflt werden, aber fie wifzt nit die mer, das er fich alfo verfchalkt het, das er nicht dcu’fte für das haus kummen. Die funft histori fagt, wie Dil Vlenfpiegels müm in viulerweifcn w'olt, das er ein hant- werk folt lernen, darzú wolt fie helfen. Vnd Vlenfpiegels mflter die was fro das ir fun fo ftil was, vnd Draft in das er kein hantwerk wolt lernen. Da fchweig Vlenfpiegel Dil. Da liefe die mflter nit nach in zft ftrafen. Da fprach Vlenfpiegel: “liehe mflter, warzfl fich einer begibt, das würt im fein lebtag gnflg”. Da fprach die mflter: “ich lafz mich es wol bcdunken, ich hah in vier wochen kein brot in meinem haus gehabt.” Vlenfpiegel fprach: “das dient vf min red nit. Aber ein arm man der nit zfl efsen hat, der vaDet wol laut Niclaufen, vnd wann er etwas hat, fo ifzt er mit Tant Martinus abent. Alfo effen wir auch.” Die VI. histori lagt, wie Vlnfpiegel ein brotbeckcr betrog vmb ein i'ack vol brotes zû Stasfurt in der statt, vnd bracht das feiner mûter beim. Lieber Got hilf, gedacht Vlenfpiegel, wie wil ich die mflter Dillen? wa fol ich brot vberkummen in ir hus? Vnd er gieng 8 Von VlenCpipgel. vs dem flecken da fein müm in wonte, gen Stas.furt in die flat vnd vermerkt eins reichen brotbeckers handlang, vnd ging zum brotbecker in fein haus vnd fprach, ob er feim herren wolt lenden für X ß. rocken- vnd weifzbrot? Vnd nante den herren von einer gegne, vnd fjiracli flirter, der feil» fein her fei zu Stas- furt in der' felben flat. Vnd nant ein berberg, darin er wer, vnd der brotbecker folt ein knallen mit im fchicken zft feim herren in die berberg, da wolt er im das gelt geben. Der brotbecker fagt: cc ia”. Vnd Vlenfpiegcl bet ein groffen flick, der bet ein verborgen loch, vnd liefz im das brot in den flick zelen, vnd der becker fant ein ¡ungen mit VIenfpiegel hin das gelt zft ent- pfaben. Als nun VIenfpiegel ein armbruslfchufz von des brotbeckers bus kam, da liefz er ein weifz brot aus dem holen loch fallen in das kat. Da fatzt VIenfpiegel den flick nider, vnd fprach zft dem iungen : cc ach, das bcfudelt brot darf ich für meinen herren nit bringen, lauf reich mit 1 ) widerumb zft haus vnd bring mir ein ander brot dafür, ich will dein hie warten”. Der iung lief bin vnd holt ein ander brot. Die weil was VIenfpiegel hin gangen vnd gieng in die vorftat in ein bus, da was ein karch vs feim flecken, daruf legt er fein fack vnd ging darneben bar und ward im heim in feiner mflmen haus gefiirt. Vnd da der iung mit dem brotbecker 2 ) wider kam, da was VIenfpiegel hinweg mit dem brot. Da lief der iung zftrück vnd fagt das dem brotbecker. Der brotbecker lief endlich der berberg zft, die im VIenfpiegel genant bet. Da fand er niman, funder er fach das er betrogen was. Vnd VIenfpiegel kam zft bus, vnd bracht der mftmen das brot vnd fagt: “ ifz die wyl du etwas hast, vnd faft mit fant Nielaufen, wan du nit halt”. Die VIL histori lagt, wie VIenfpiegel daz wockbroL oder daz femelbrot mit andern iungen alz, vnd wie er das vber macht essen mfift, vnd darzü schlagen ward. Nun was in dem flecken, darin VIenfpiegel mit feiner mftter wonte, ein gewonheit. Welcher haufwirt ein fchwein fcblftg, 1. Kehlt: dem brut. 2. I,. dem lind. Die achte hislori. 9 1b giengcn der nachhauren kinder in daz haus vnd aflen da ein fuppen oder hrei, das hcil'zt das wcckbrot. In dem land wont ein meier in dein felben flecken vnd der was fo karg an feiner ko ft, vnd durfte doch den hindern das weckbrot nicht vertagen. Vnd gedacht einen finn, wie das er fie des weckbrots miid wolte machen, vnd l'chnit in ein molken kar von hertcn rinden des hrots. Als die kinder kamen, knaben vnd tóchterlin, vnd da was auch “Vlenfpiegel mit, da liefz er fie in vnd fchlofz die lliiir zfl, vnd hegofz da die fuppen oder das weckbrot, vnd der niurken waren vil mei' wan die kinder möchten vseffen. Vnd wann eins darvon gieng vnd vol was, fo kam derfelb hauswirt vnd het ein güte felmiicken vnd fchlflg fie vmb die lenden, das ein ietlicher vher macht effen rnüft. Vnd der haufwirt wifzte nun wol von Vlenfpiegels biiberei, alfo das er vf in acht het, wann er ein andern vmb die lenden liiiw, fo traf er Vlenfpiegel noch bafz. Das treib er fo lang bis fie die murken 1 ) das weckbrot gar vs militen effen. Vnd denen bekam das fo wol als dem bund das grafz, vnd darnach wolt keiner mer gon in des karigen mans haus das weckbrot oder die metzelfuppen effen. Die achtet 2 ) histori taget, wie Vlenfpiegel macht daz des kargen huren liilner das lüder zugen. An dem anderen tag da der man vsgieng, fo begegnet im Vlenfpiegel. Fragt in vnd fprach: “lieber Vlnfpiegel: wan wiltu zü mir kummen vf das weckbrot?” Da fagt Vlenfpiegel : “wan ficli dein liilner vm das lüder ziehen, ie vier vm ein biffen hrots.” Da fprach er: “ia, fo wiltu langsam kummen vf mein weckbrot.” Da fprach Vlnfpiegel: “oh ich aber eer kein dan feifzter fuppen zeit wer”? vnd gieng darmit filr fleh. Vnd Vln- fpiegcl achtete des fo lang, das er die zeit het, vnd das des mans hüner auf der gaffen giengen weiden; da het Vlnfpiegel bei XX ledern oder mer, vnd het ye zwen vnd zweu inmitten zefamen gebunden, vnd band an ein ietlichs end des fadems ein biffen hrots, vnd nam die federn vnd legt fie verdecket vnd 1. Fehlt: und. 2. L. achte. 10 Von Vlenfpiegel. die bil’fen brots hcrftir. Alfo nun die liilner hie vnd dort kipten vnd fchluckten die biffen brots mit dez 1 ) end der federn in die hels vnd kunten die doch nit infchhicken , dann an dem andern end zolie ein ander hfln, alfo das ie eins das ander hinder zuckt, vnd kunt auch nicht fchlucken, vnd kunt des auch nil ledig vs dem hals werden von gröfse des bil'fen brots. Vnd Milden alfo mer dann zweihundert liüner ye eins gegen dem andern zewürgen, vnd zugen das lftder. Die neand histori fagt, wie Vlenfpiegcl in einen ymenflock krouch, vnd zwen bei nacht kamen vnd den ymenftock wolten ftelcn, vnd wie er macht das lieh die zwen rauften vnd liefsen den ymenftock fallen. Auf ein zeit da begäbe lieh das Vlenfpiegel mit feiner müter gieng in ein dorf uf die kirchweihung. Vnd Vlenfpiegel trank lieh das er trunken ward, vnd ging da vnd fftelit ein end, da er frölichen fchlafcn möcht, vnd ym auch niemans nichts tliet. Alfo fand er da hinden in dem hof ein liufen ymen fton vnd da hei lagen vil ymenstôck, die 1er waren, alfo kroch er in ein leren ftock, der neclift hei den ymen lag, vnd meint er wolt ein wenig fchlafen, vnd fchlief von mittag an bis das es fcliier mitternacht ward. Vnd meint fein müter, er wer wider heim zü haus gegangen, da fie in niergen kunt fehen. Alfo in der felben nacht kamen zwen dieb vnd wolten ein ymen ftclen, vnd fprachen da zefamen : “ ich hah allweg gehört, welcher der fchwerft ymenftock ift auch der best.” Alfo hüben fie die körb vnd Rück vf ie einen nach dem andern, vnd da fie kamen zü dem ftock da Vlenfpiegel innen lag, der was der fchwerfte, da fprachen fie : “ das ift der lieft ym,” vnd namen in vf ir hels vnd trügen in von dannen. Indem erwacht Vlnfpiegel vnd horte ir anfchleg. Vnd es was ganz finster, das einer den andern kum fehen moclit. Alfo greif Vlenfpiegel vs dem ftock vnd greif den forderften bei dem har vnd gäbe ym einen güten rupf. Der war da zornig vf den hinderften vnd meint, er het in alfo bei dem har gezogen, vnd ward ym Rüchen. Der hin- 1. dez 1. dem. Die zchcnt histori. derft fprach: “getrompt dir oder galt du in dem fclilaf, wie l'olt ich dich hei dem har rupfen? icli kan doch luim den ymenltock mit meinen henden halten.” Vlenfpiegcl lacht vnd gedacht: das Ipil wil lieh recht ('teilen, vnd beitet bis fie aber ein acker lengin giengen, da gibt er dem hinderten auch einen güten rupf hei dem har, das er fich rümpfte. Der ward da noch eins zornig vnd fprach: “ich gang vnd trag, das mir der hals kracht, vnd du ziichft mich bei dem har, das mir die fchwart kracht. Der forderft fprach: “das liigftu dein hals vol. Wie fol ich dich bei dem har ziehen? Ich kan doch kaum den weg vor mir fehen, auch weifz ich das fürwar, du ziichft mich bei dem har.” Vnd giengen alfo zanken mit dem ftock fiiran zü kiffen vnd er einander. Nit lang darnach fo fy am grölten zanken waren, fo zücht Vlenfpiegcl den forderten noch einift, das im der köpf an den ymenkorb gnöpft. Da ward er fo zornig, das er den ymenftock fallen liefz, vnd fchlug dem hinderten fmfterling mit den feuften nach dem köpf. Der hinderft ver- liefz den ymenftock auch, vnd fiel dem fordern in das har, alfo das lie vber einander dumlelen, vnd einer verliefz den andern vnd wifzt nit wa der ander bleib, vnd verloren fich alfo in der finster vnd liefsen den ymenftock ligen. Alfo lügt Vlenfpiegel vs dem korb ganz. Vnd da er fach, das es noch finster was, da fehlof er wider hinder fich vnd belib darin ligen bis es heller tag ward. Da krouch er vs dem ymenftock vnd wifzt nit wa er was. Alfo gienge er einen weg vs, da kam er zü einer bürg, da verdinget er fich für einen hofiungen. Die zehent histori lagt, wie Vlenfpiegcl ein hofiunger 1 ) ward vnd in fein iunker lerte, wa er fund das krul lienep, fo fuit er darin fcheifsen; alfo fcliifz er in fenep, vnd meint henep vnd fenep wer ein ding. Bald darnach da kam lieh Vlenfpiegel vf ein bürg zü einem iunkhern, vnd gab fich vs für ein hofiungen. Alfo müft er gleich mit feinem iunkhern reiten vber fehl, vnd alfo bei dem weg da flünd hanf, das heifset man in dem land zü Sachfen, 1. L. hofiungc. 12 Von Vlenfpiegol. da“Vlcnl'piegcI har ift, fenep’). Viul da fpracli loin iunkher, als ym Vlenlpiegel die glen nacliffirl: “ fichflu das krut, das da ftot, des heifzet lienep.” Vlenlpiegel der fpracli: “Ja, das ficli ich wol.” Da fpracli lein iunkher: wa du darzu kümmelt, lu fcheilz darein ein grofsen liufen, wann mit dem kraut hint vud henkt man an die rauher vnd die lieh on herrendienlt vs dem fattel erneren, von dem hast, das von dem kraut wiirt gefpun- nen.” Vlenlpiegel der Tagt: “ia gern, das ill wol ze Unhid.” Der hofnian oder iunker reit mit Vlenlpiegel hin vnd har in vil ftett, vnd half rauhen, fielen vnd nenien, als lein gewonheil was. Vnd hegah ficli eins tags, das fie zu haus waren und lagen ftil, vnd als es ymhifz wolt werden, fo gal Vlenlpiegel in die kuclien. Da fpracli der koch zu im: “iunger 2 ), gang hin in den keller, da ftot ein irdin halen oder ditppen, da ill fenep in (als vf die fachifche fpracli), den bring mir her.” Vlenlpiegel fpracli: “ia,” vnd hat doch fein lebtag noch nirgeii kein fenep oder fenf gefehen. Vnd da er in dem keller den halen oder düppen mit dem fenf fand, da gedacht er in ficli felber: was mag doch der koch damit lliüii wollen? Ich mein, er wól mich damit binden. Er gedacht auch weiter: mein iunker hat mich alfo geheifsen, wa ich follich krut funde, fo fol ich darin fcheiffen. Vnd liauret vber den halen mit fenf vnd fcliifz vnd gar vol vnder den fenep vnd rüret das vmb vnd bracht in dem koch alfo. Was gefchah? Der koch gedacht niergens an, vnd ylens rieht in fafz 3 ) fchüffelin den fenf an vnd fchickt das zü tifch. Der iunker vnd fein gesl dunklen in den fenf, da fchmeckt er ganz vbel. Der koch der ward hcfchickt vnd angefprochen, was er für fenf gemacht bet? Der koch fehmecket auch an den fenf vnd I'püw vs vnd fpracli: “der fenf fchmeckt gleich als wer darin gefchiffen.” Da ward Vlenlpiegel lachen. Da fpracli fein iunkher: “was lacliflu fo fchamperlich? meinftu das wir nil künden fchmecken, was das fei? Wiltu es nit glauben, fo kum vnd fehniecke hie den fenf auch.” Vlenlpiegel fpracli: “ich en ifz fein nit, wiffen ir nit was ir mich geheifsen hon in dem feld vf der firaffen? wa ich des gekrüts 1. L. lienep. 2. L. iunge. 3. L. ilaz. lohe, fo r«lt ich dariif fcheifsen; man pfleg die rauher damit zA henken vnd zA erwirgen. Allo da mich der koch in keller nach dem fenep fchickte, fo hab ich darin getlion nach cuwerni heiflcn.” Da fprach der iunker: “du feiger fchalk, das fol dein vngliiek fein. Das kraut, das ich dir zeigte, das heifzt licnep oder henf, vnd das dich der koch bringen liiefz, das heifzt fenep. Du halt das getlion von groffer fchalkheit.” Vnd nain ein knittcl vnd wolt in fchlahen. Da was Vlenfpiegel behend vnd entlief im von der bürg vnd kam nit wider. Die eilft histori lagt, wie (ich Vlenfpiegel zu einem pfarrer verdingt, vnd wie er ym die gebratenen liiiner von dem fpifz affe. In dem land zA Brunfchwig da ligt ein dorf, in dem ftift zA Maigd h org, geheifsen Buden ftc ten. Da kam Vlnlpiegel in des pfalfen 1ms vnd der pl'alf dingt in für ein kncchl. Aber er kaut in nit, vnd fprach zA im, er folt gAt tag vnd gAten dienl't bei im haben, vnd folt eilen vnd trinken das lieft, als gAt als fein kellerin, vnd alles das das er tluin miift, thet er mit halber arlioit. Vlenfpiegel der fprach ia darzA, er wolt ficli wol darnach richten. Vnd Iahe, das die pfaflenkellerin nur ein aug het. Vnd die kellerin nam gleich zwei liiiner ab, vnd fteekt lie an den fpifz ze braten vnd liiefz Vlnfpiegel nider fitzen zum herd vnd dy vmbwenden. Vlenfpiegel was bereit vnd want die zwei liiiner bey dem feur vmb. Vnd da fie nun fchicr gebraten waren, da gedacht er, der pfaff fprach doch da er mich dingt, ich folt ia effen vnd trinken fo gAt als er vnd fein kellerin, vnd das mücht hie feien, vnd fo würden des pfaffen wort nit war fein vnd ich efze auch von den braten hiinern nit; ich wil fo weis fein vf das fein wmrt war bleiben. Vnd brach das ein luin von dem fpifz vnd afz es on brot. Alfo da es ymbifz zeit wolt werden, fo kumt des pfaffen kellerin (die was einäugig) hei das feur vnd wolt die liiiner betreiben, fo ficht fie das nur ein hAn am fpifz was. Da Tagt fie zA Vlenfpiegel: “der liiiner waren doch zwei, wa ift das ein hinkunnnen?” Vlenfpiegel fprach: “ Fra uw, tliüt euwer ander aug auch vf, fo fehent ir die 14 Von Vlenfpiegel. hüncr alle beide.” Vnd da er der kellerin das ein aug alfo verwis, da ward fie gar zornig vnd zürnt vber Vlenfpiegel, vnd lief zü dem pfaffen vnd fprach zü ym, wie das fein bübfeher kn echt fie alfo verfpottet bet mit irem einen aug, vnd fie bet zwei hüner an den fpifz geftoffen, vnd fo fie zu im lügte, wie er brite, fo fend fie nicht mer dan ein hñn. Der pfaff gieng zu dem feuer in die kuclien vnd fprach zü Vlenlpiegel: “was liastu meiner magt ze fpotten.? Vnd ich fich wol, daz nur ein hün an dem fpiefz ftecket und feind ir doch zwei gewefen.” Der güt Vlenfpiegel sprach: “ia, ir feind wol zwei gewefen.” Der pfaff fprach: “wa ift dann das ander gebliben?” Vlenfpiegel fagt: “das fteckt doch da, thünt vf euwere beide äugen, fo fehend ir wol das ein hün an dem fpiefz fteckt. Alfo fagt ich zü euwer kellerin auch, da ward fie zornig.” Da warde der pfaff lachen vnd fprach : “ das kan mein magt nit, daz fie beid äugen vf thû, wan fie bat nur ein aug.” Da faget Vlenfpiegel: “her, das faget ir, ich fprichs nit.” Der pfaff feids: “daz ift gefchehen vnd bleibt darbei, aber das ein bim ift gleichwol hinweg.” Vlenfpiegel fagt: “ia, das ein hün ift hinweg, vnd das ein fteckt noch, ich hab das ander gefsen, als ir dan gefprochen bond, ich folt es ia fo güt effen vnd trinken als ir vnd euwer magt, fo was mir leid das ir folten gelogen hon, das ir dy hüner mit einander vfgefsen folten hon, das mir mit dauon worden wer. Vf das ir mm nit der wort zeliigner würden, da afz ich das ein hün gar vf.” Alfo der pfaff' was des zefriden vnd fprach: “mein lieber knecht, das ift mir vmb ein braten') zü tbün, aber thû l'ürter nach dem willen meiner kellerin, als fie gern ficht.” Vlnfpiegel fagt: "ia, mein lieber her, geren, waz ir mich heiffen.” Darnach was die kellerin Vlenfpiegel hiefz das er llnm folt, das tliet er halber. Alfo wann er folt ein ebner mit waffer holen, fo bracht er in halber vol, vnd wann er zwei hölzer folt holen an das leur, fo bracht er ein holz; folt er dem ftier zwei gebund hews geben, fo gab er ym nur ein gebunt; folt er vs des 2 ) wirtsbausein mafz weins brin- 1. Fell It: nit. 2. L. dem. Die zwelfl liistori. 15 gen, fo bracht er ein hall) mafz, vnd dergleichen in vil ftitcken, alfo das lie das merkte, das er ir das zü widerdriefz tliet, vnd wolt ym doch nichts Tagen, vnd verclagt in vor dem plañen. Da fprach der pfaff zu Vlnfpiegel: "lieber knecht, mein magt claget vber dich, vnd ich hat dich doch, das du thfin folteft alles das fie gern fehe.” Vlenfpiegel fprach: “ia, her, ich hah auch anders nichts gethon, dann wie ir mich geheilten bond. Ir Tagten mir, ich küud euwer ding mit halber arbeit thün vnd euwer magt Teile gern mit beiden äugen, vnd ficht doch nur mit eim, vnd Tie ficht nur halber, alfo tliet ich halb arbeit.” Der pfaff ward lachen vnd die kellerin ward zornig, vnd fie fprach: "herr, wann ir den leckerfchen fchalk wolt lenger behalten für ein knecht, fo wolt fie von im laufen.” Alfo müft der pfaff Vlenfpiegel feinem knecht funder feinen willen vrlaub geben. Doch fo half er mit den bauren hantieren, wann der mefzner oder figrift desfelhen dorfs was kürzlich tod. Vnd nachdem als die bauren keins mefzners kunten entheren, da ward der pfaff mit den bauren zü rat vnd eins, das fie Vlen- fpiegel für ein glóckner annamen. Die zwelft histori Tagt, wie Vlenfpiegel ein mefzner ward in eim dorf zu Budenfteten, vnd wie der pfarrer in die kirchen fcliifz, das Vlenfpiegel ein tliun hiers damit gewan. Alfo nun Vlenfpiegel in dem dorf ein mefzner was, da kunt er laut 1 ) fingen alsdann eim figriften zflgehort. Alfo nun der pfaff bereit was mit einem kuftor 2 ), da ftunde der pfaff eins mais vor dem altar, vnd thet lieh an, vnd wolt mefz halten. Da flflnd Vlnfpiegel hinder im vnd richtet im fein albe zü recht, da liefz der pfaff einen groffen furz, daz es vber die kirchen erhalt. Da fprach Vlenfpiegel: lierr, wie dem, opfern ir das vnferem herren für weirauch hie vor dem altar? Der pfaff fprach : “Was fragftu darnach? ift doch die kirch mein, ich hah die 1. Schon die Erfurter vnd Augsburger Ausgaben haben sinnlos: nicht singen. 2. Der pfaff — kustor fehlt Erfurt. Augsh : irrig: bereit was on den sigrist. Von Vlenljiiegcl. 16 macht wo], das ich milcht mitten in die kirchen fcheiffen.” Da fprach Vlenfpiegel: "das gelt vch vnd mir ein thunnen biers, ob ir das thftn.” Der pfaff lagt : "ia, das gilt wo!, 1 ’ vnd fie wet- teten’t mit einander, vnd der pfaff fprach: "meinftu, das ich nit fo frisch fei?” vnd körte ficli vmb, vnd macht einen groffen häufen in die kirchen vnd fprach: "fich, herr cultor, ich hab die tliun biers gew’unnen.” Vlcnfpiegel fprach: "nein, herr, wir wollen vormeffen, o]) es mitten in der kirchen fei, als ir dann lagt.” Allo malz cs Vlenfpiegel, da feit es wol das fierteil der mitten in der kirchen. Alfo gewan Vlcnfpiegel die tlmnn hiers. Da ward die kellerin aber zornig vnd lagt: "ir wölt des fchalkhaftigen knechts nit muffig gon, bis das er euch in alle weg fchand bringt.” Die dreizehent histori lagt, wie Vlcnfpiegel in der oflern mellen ein fpil macht, daz fich der pfarrer vnd fein kellcrin mil den bauren rauflen vnd fcldügen. Nun da es fich neheret zun Oflern, da fprach der plarror zft VIeni'piegel, dem mefzner: "es il't ein gewonheit hie, das die bauren allwegcn zft den oftern in der nacht ein ofterfpil halten, wie vnfer her entftet vfz dem grab.” Vnd fo miift er darzil helfen, wann es w r er recht alfo, das die figriften das zurichtent vnd regierten. Da fprach VIeni'piegel vnd gedacht: wie fol das Mergen ') Ipil zft gon von den bauren? Vnd fprach zft dem pfarrer: "nun ift doch kein heuer hie, der da gelert ift, ir miiffent mir euwere magt darzil leihen, die kan wol fchreiben vnd lefen.” Da fprach der pfarrer: "Ia, ia, nym mummen dazü 2 ), wer dir helfen kan, es fey weih oder man, auch fo ift mein maget vor mer darhei gewefen.” Alfo was das der kellerin lieb vnd fie wolt der engel im grab fein, wann fie künt denfelben reimen vfzwendig. Da lucht Vlcnfpiegel zwen bauren vnd nam fie zft im, vnd wolten die drei Marien fein, vnd Vlcnfpiegel lerte den einen bauren zft Iatein feinen reimen, vnd da was der pfarrer vnfer her Got, der folte vfz dem graf» er- fton. Da nun Vlenfpiegel für das grab kam mit feinen zweien 1. So für: Marien. 2) Fehlt: dann. Die XIIIJ. hislnri. 17 bauren, als die Marien angelegt, da fpracli die. kellerin als der cngel im grab den reimen zü latein: “Quem queritis ? Wen fü- clie.nt ir hie?” Da fpracli der baner, die forderfte Merg, als in Vlenfpiegel geleret. bet: “Wir fliehen ein alte einougige pfaffen- bflr.” Da dy pfaffenkellerin das hört, das fie verfpot ward mit irem einen aug, da ward fie giftig zornig vf Vlenfpiegel, vnd fprang vs dem grab, vnd meint fie wolt im in das antlit fallen mit den feilsten, vnd fclilúg hei' vngewifz, vnd traf den einen bauren, das im das ein aug gcfchwall. Da der ander baner das fach, der fehlug mit der feuft dar vnd traf die kellerin auch an den köpf, das ir die tlfigel entfielen. Da das der pfarrer fach, da liefz er das fan fallen, vnd kam feiner kellerin zu hilf, vnd fiel dem einen burén in das har, vnd zohen fieh für das grab Lindan. Da das die andern bauren fallen, da lüden fie zü. vnd es ward ein grofz gerühel, vnd lag der pfaff mit der kellerin vnder, vnd lagen die bauren, die zwo Mergen, auch vnder, das fie die bauren von einander müften ziehen. Aber Vlenfpiegel der bet der fach acht genummen vnd thet fich zeitlich darvon vnd lief zü der kirchen hinaus vnd ging vfz dem dorf, vnd kam nicht wider. Got geb, wa fie ein andern figriften namen. Die XIIÏI. histori fagt, wie Vlenfpiegel vfzgab, das er zu Megdburg von der lauben fliegen wolt, vnd die züfeher mit fehimpfred abwifze. Bait dar nach difzer zeit als Vlenfpiegel ein figrift was ge- wefen, da kam er gen Megdburg in die ft at, vnd trib vil an- fchleg, vnd fein nam ward davon erflen bekannt, daz man 1 ) Vlenfpiegel wifzt zefagen. Da ward er angelachten von den heften der burger von der flat, das er folt etwas abenlüer vnd gecklerei treiben. Da lagt er, das wolt er thfin vnd von der louben fliegen. Das ward ein gefchrei vber die ganze ftat, das fich iung vnd alt famleten vf dem markt, vnd wolten fehen wie der fliegen wolt. Alfo ftond Vlenfpiegel vf der louben vor dem rathhus, vnd bewegt fich mit den armen vnd gebar eben als ob 1. Fehlt: van. 2 18 Von Vlenfpiegel. er fliegen weit. Die leut (tunden vnd theten ougen vnd miller vf vnd meinten nit anders dan daz er fliegen wöll. Da ward Vlenfpiegel fchinutzcn, vor lachen kunt er kum enthalten vnd fprach: “Ich meinte, es wer kein thor oder nar mer in der welt dan ich. So ficli ich wol, daz hie fchier die ganz ftat vol toren iít. Vnd wan ir mir aflamen tagten, daz ir lügen wolten, ich het es nit gegloubt, vnd ir glouben mir als einem toren. Wie Colt ich lügen künde? ich bin doch weder gans noch fogel, fo hon ich kein fettich, vnd on fettig oder federn kan niman fügen. Nun feilen ir offenbar, daz es erlogen ift.” Vnd kert lieh vmb vnd lief von der louhen, vnd liefz das folk von einander, eins teils fluchende, das ander teil lachend. Vnd Tagten : “das ift ein fchalknar, nochdan fo hat er war getagt.” Die XV. histori tagt, wie fich Vlenfpiegel für ein arzt vfgab, vnd des bifchofs von Megdburg doctor arzneiet, der von im betrogen ward. Zu Megdburg was ein bifchof, der liiefz Brun o’), was ein graf zü Qucrfurt. Der hört die anfchleg von Vlenfpiegel, vnd liefz in forderen zu dem Grenenftein. 2 ) Vnd dem bifchof gefiel Vlenfpiegels fchwank ganz wol, vnd gab im cleider vnd gelt, vnd die diener mochten in vaft wol leiden, vnd triben vil fchimpfs mit im. Allo heit der bifchof ein doctor hei im, der dueht lieh gelert vnd weil', daz im des bifchofs hofgfind nit gar giinftig was. Vnd derfelh doctor het ein weis an im, daz er nit gern tlioren vmb ficli moclit leiden. Alfo fprach der doctor zu dem bifchof vnd zü feinen raten, man folt weis liit an der herren höf halten vnd nit folicli narren vfenlhalten, durch mancherlei vrfach willen. Die rilter vnd das hofgefmd Iprachen darzu, das wer gar nit ein rechte ineinung von dem doctor, wer fein -thorheit nit hon mocht, der kiint wol von im gon, es wer doch nieman zü im gezwungen. Der doctor fprach darwider: Narr bei narren, vnd weif zü weifen; hetlen die fürften w’eife liit hei in, fo wer in vor die weifheit, vnd fo fie narren bei in halten, fo leren fie narry. Da fprachen etlich: “Wer fein die weifen? ]. Vermut li] icli : Burr,hard. 2. L. Gevckcnstein, wie un ten steh. Die XV. liistori. 19 Die ficli bedunken lie leien weil', man tint ir wo], die von narren feind betrogen worden. Es zem lierren vnd fürflen, vnd folten allerlei Volks an iren liófen ballen. Wan mit (hören ver- triben fie mancherlei l'antafy, vnd wa die lierren feind, da wollen die narren gern fein.” Allo kamen die rciter vnd hoiblt zu Vlenfpiegel, vnd legten mit im an folicli anfcbleg, vnd baten yn, das er ein finn erdeebt, fie wollen im darzü bellen, desgleichen auch der bifehof, das der doctor bezalt wiird feiner weisbeit, als er dan gebürt bell. Vlenfpiegel fprach: cc ia, ihr edlen lind riiter, wóllent ir mir darzu helfen, der doctor fol wol bezalt werden.” Sie wurden der lachen eins. Allo zocli Vlenfpiegel vier woeben über leid von dannen, vnd bedacht lieb, wie er mit dem doctor wolt leben. Alfo was er bald bedacht, und kam wider zu G eu en k e n ft e i n , vnd verkleit lieb , vnd gab lieh vs für ein arzt, wan der doctor bei dem bifehof was oft liech im leib vnd lliet vil artznei darzü. Da Tagten die reiter dem doctor, wie das ein doctor in der artzny wer kommen vnd ktinl vil künft der artznei. Der doctor kaut Vlenfpiegel nit vnd gieng zu im in fein herberg, vnd nach wenig reden, er nam in mit im vf die bürg, vnd kamen mit einander zü Worten. Vnd fprach der doctor zü dem arzt: cc kunl er im helfen von der krankbeit, er wolt im faft wol Ionen.” Vlnfpiegel antwurt im mit Worten, als die arlzet pflegen, vnd gab im für, wie das er ein nacht bei im liegen mtift vf das er defter baf vermerken macht waruf er genaturt wer. “Wan ich wolt euch gern etwas geben ee das ir fchlafen gierigen, das ir dauon fehwitzlen”, vnd in dem fchweifz wolt er merken was fein gebreften wer. Der doctor liefz im lagen, vnd meint aller wars ') vnd ging mit Vlenfpiegel zu belt, vnd meint nit anders dann was im Vlnfpiegel fagt, es wer war. Alfo gab Vlnfpiegel dem doctor ein fcharfe purgation. Vnd der doctor meint er foil dauon fchwitzen, vnd wifzt nit daz es ein febarpfe purgatz was. Da ging Vlnfpiegel vnd vberkam ein holen ftein, vnd thet ein häufen feines katz daryn, vnd legt den holen ftein mit dem treck zwifchen die wand vnd den doctor vf das bettbret. Vnd der doctor lag der nechl't an 1. Lies: meint, cs wer alles war. 2 * 20 Von Ylonfpiogcl. der wand vnd Ulnfpiegel lag vornen an dem Lett.. So lag der doctor vnd het ficli gen der wand gekert; da flank im der treck vnder äugen, der in dem holen ftein lag, daz er ficli vmb muft keren gegen Vlenfpicgeln, vnd fo bald fich der doctor alfo zfl Vlenfpiegel kert, fo liefz er ein ftillfchweigenden furz fchleichen, daz er zumal vbel Hank. Da kert ficli der doctor wider hin- mnb, fo flank dann der treck im holen ftein in wider an; daz tet er dem doctor fchier die halb nacht vber. Darnach kam vnd treib die purgatz fcharpf, fchnell vnd ftark, daz ficli der doctor ganz vnd gar vnrein macht, vnd flank faft vbel. Da fpracli Vlnfpiegel zum doctor: cc wie nun? wirdiger doctor, euwer fchweifz bat lang vbel geltunken, wie ifl im, daz ir folichen fchweifz febwizen, es Hinkt. zumal vbel.” Der doctor lag vnd gedacht: das fehmeck ich auch wol,” vnd er was des geftanks also vol worden, daz er kum reden kunt. Vlnfpiegel fagte: <> Vim Vlenfpiegel. l)0)i vnd kauft nier Ipezcry darzil, vnd ging mil leim kram für den II ü mer lion. Da kamen vil lût zü im, vnd befallen leinen fellzamen kram, vnd fragten da in, waz er feltzams feil bet, dann es was ein Icltzaine kaiifmanfcliatz, es waz in biiiidlin ge- limiden wie Infam, vnd roch doch fellzam. Aller Vlenfpiegel gab nienian rechten hefcheid von feiner kaufmanfchaft, fo lang bis das drei reiche inden zu im kamen, vnd fragten nach feiner war. Den gab er zu antwnrt: es wercn wäre propheten beer, vnd wer derfelben eins in den niiind nein, vnd darnach in die nafcn fleckt, der fagte von Hunden an war. Allo gien- gen die inden hinder lieh, vnd ratlchlagten ein wyl. Ziiletlt fprach der alt iud : cc hie von fo möchten wir wol weiffagen, wan vnfer Moflías klimmen folt, daz vns inden nit ein deiner troll wer.” Vnd befehhiffcn, das fie die war alle vfkaufen wollen, was fie dann darfilr militen geben. Vnd alio gingen fie daruf wider zñ Vlenfpiegeln, vnd fprachen: “kaufherr, waz fol der propheten beer eins gelten mit einem wort?” Vlenfpiegel bedacht, lieh in kurzem vnd fprach: “fürwar, als ich war bah, als befchcrt mir vnfer her Got kaullüt, den inden dienet difze koft wol.” Vnd fpracli: “ich gib eines ftir lufenf, guldiii, wann ir die nit gehen wollen, ir hund, fo gond mir hinweg, vnd kind mir den treck Hon.” Vf das fie Vlenfpiegeln nil erzürnten, vnd fein war mochte vherkmmnen, da zallen fie im bald das gell; vnd nainen der beer eins; vnd gingen entlieh zü haus vnd Hoffen ziir fchfil klopfen, allen inden, alt vnd iung. Allo lie nun zfifammen kamen, da fliind vf der elllle Dabi, genannt Alpha 2 ), vnd fprach: wie lie durch den willen Golfes ein pro- phetenbecr vherkummen betten, das folt iron 1 ) einer in den nmnd nenien, vnd fo folt er die zükimft Meffias verkündigen; vf das in heil vnd troll dation keine, fo folien fie lieh all dar- zü fchicken , mit falten vnd beten, vnd nach dreien tagen folt das lfaac mit groffer reucrenz ynnenien. Das alio gefcliacli. Als min einer das im nmnd het, da fragt in Moyles: “lieber Ifaak, wie fchmcckt es doch?” “Gottes diener, mir feind von dem golien betrogen, es ift anders nüt dann liitz treck.” Allo 1. I. ies: iror. 2. Kai plia in der iilleslen Anhvcrpcnor Edition. Die XXXVI. liislori. 51 finiielítrn fio nil an das propheten beer, fo lang bis fie fallen das liolz, (larnf die lieer vvaclil'en folien. Vnd Vlonfpiegel was hinweg, vnd fclilempte redlich die weil der inden gell werte. Die XXXVI. histori l'agl, wie Vlenfpiegel zu Quedlinburg hiiner kauft, vnd der btlrin ir lian zu jifand liefz für das gell. Alles dings warenl die leut elwan nit fo fclialkhaftig, als iotz, fumlerlich die landliil. Vf ein zeit da kam Vlenfpiegel geen Quedlinburg, da was zil der zeit wuclienmarkt innen. Vnd liet auch Vlenfpiegel nit vil zoning, dann wie er fein gelt ge- wan, all« gieng es wider hinweg, vnd gedachte wie er wider zerung woll vberkunnnen. Alfo fafz ein landfraw da zft markt, vnd liet ein korb vol guter liüner mit einem lian feil. Alfo fragt Vlenfpiegel fie, waz daz par gelten folt? Sie antwurt im: “das par vinb zwen Stcllansgrofehen.” Vlenfpiegel fpracli: “wollen fie ir nit lieber geben?” Die fraw fpracli: “nein”. Alfo nain Vlenfpiegel die liüner mit dem korb, vnd gieng gen dem burglbor zfi. Da lief im die fraw nach, vnd fpracli: “kauf- inan, wie fol ich das verllon? wiltu mir die biiner nit beza] en?” Vlenfpiegel fpracli: “ia gern, ich bin der eptiflin fchreiber.” “Danach frag ich nit,” fpracli die biirin, “wiltu die hiiner haben, fo bezal fie, ich boíl' bei dym apt oder eptiffin niebs zfl fehaffen ze haben. Mein valer bat mich gelert, ich fol von denen niit kaufen, noch in verkaufen, oder zü borg geben vor den man ficli neigen oder den kfigel ab rnufz ziehen. Darumb bezal mir die liüner; hörftu das wol?” Vlenfpiegel fpracli: “fraw, ir fein klcingleubig, cs wer nicht gilt alle kaulliit alfo fein, es militen limit die guten ftalbriider vbel becleidet gon. Aber damit ir des cuwern gewifz feien, Ib nenien den bau zu pfaud bis das ich euch den korb vnd das gelt bring.” Die gilt fraw vermeint ficli wol verbirgt vnd nam ir eignen bau zu pfand. Darum!) fie ward betrogen, wann Vlenfpiegel mit den Ininern vnd mit dem gelt vsblieb. Da gefchah ir eben als denen, fo vnder- zeiten ir ding allergnúweft wollent verforgen, bcfcheiffen ficli al- lererft zu Zeiten. Alfo lcliied Vlenfpiegel von danueu, liefz die 4 * 52 Vein Vlenipii'pel. beiirin vber den lian, der Tic vmb die Ininer liet braebl, va ft znrnen. Die XXXVII. histori lagl, wie der pfarrer von Hohen Egelsheiin Vlenfpiegeln ein wurfl alz, die ira darnach nicht wol bekam. Zu Hilde sh ei in waz Vlenfpiegel, vnd kauft ein gflte rote wurlt vnder der inetzig vnd gieng von dannen geen Egelsheiin, wann da waz er gar wol hekant mit dein pfarrcr. Vnd es waz vf ein fonlag zu morgen als er dar kam, da hielt der pfairer die fronmel'z. Wan er zeitlich effen wolt, alio gieng Vlen- l'piegel in die pl'arr, vnd hat die kellerin, daz fie im die roten wurll braten wolt. Die kellerin fprach: “ia.” Da gieng Vlen- fpiegel in die kirehen, da waz die fronniefz vs. Vnd ein ander priefter Inlb die hohe mefz an, die hört Vlenfpiegel gar vs. Die weil waz der plarrer zil haus gangen, vnd fprach zu der magt: ct ill hie mit gar gekocht, daz ich ein lullen eilen milcht?” Die kellerin fprach: cc liie ill noch mit gekocht, dann ein rote wiirft, die Vlenfpiegel bracht, die ill gar, die wolt er effen, wann er vs der kirehen kein.” Der pfarrcr fprach : " lang her mir dy wiirft, ich wil ein biffen daruon effen.” Die magt langt im die wiirft. Dem pfarrer fchmeckt die wiirft alfo, daz er fir, ganze fral'z. vnd fprach zil im felbcr: “gl egen mir es Gott, es hat mir wail gefelnneckt, die wiirft ill gilt gewefen,” vnd lagt der magt: "gib Vlenfpiegel l'pcck vnd kolknlt zü effen als fein art ill, daz bekumpt im vil bafz.” Vnd nach dem ampt als es vs waz, da ging Vlenfpiegel wider in den pfarrhof, vnd wolt von feiner wurll effen, vnd liiefz in der pfarrer wilkum fein, vnd dankt im filr die wurft, vnd lagt, wie fie im fo wol gefelnneckt het, vnd Iatzt im da fpeck vnd kolknlt für. Vlenfpiegel fchweig ftil, vnd afz waz da gekocht was, vnd ging am montag wieder hinweg. Der pfarrer rüft Vlenfpiegeln nach: "liörftu, wann du nun herwider kuinpft, fo bring zwo wiirft mit dir, ein für mich, vnd eine für dich, waz du darmnb gibll, daz wil ich dir wideruinb gehen, vnd fo wlillen wir redlich fchlemmen, daz vns die miiler fclnnutzen w erden.” Vlenfpiegel fprach : cc ia , her pfarrer, euch Die XXXVII. liislori. 53 fol gefchehen nach emvcni werten, ich wil omvcr wo] gedenken mil den wiirflen,” vnd gieng da wider gen Ilildefzheim in die Hat. Vnd es gieng nach feinem willen daz die Ichinder ein todte Anv fiirten vf die fchelmen grub. Da Jiat Vlenfpiegel den Ichinder, daz er wolt gell nenien vnd wolt iin da zwo rote wiirft machen von der fmv, vnd zalt im da etliche filberin pfennig. Der ichinder Ihet daz, vnd macht im zwo fchüne rote wnrft. Da nam líe Vlenl'piegel, vnd fode die r gar, als man wiirft jillegt zft lliiin, vnd gat des andern Innings wider geen Egelsheim vnd traf daz der pfarrer die fronmefz aber hielt. Da ging Vlenl'piegel vf den pfarhof vnd bracht die zwo wilrft der kellerin vnd hat líe daz líe die zwo wiirft wolt braten vf den ymbil'z. Der pfarrer Colt die eine haben, vnd er die ander, vnd gieng dahin in die kirr, lien. Allo thet die magl die wiirft zft dem liier vnd briet fie. Vnd da die mefz vs w'as, da ward der pfarrer VIenfpiegels gewar, vnd von flund gieng er aus der kirchen in den pfarhof vnd l'prach: "Vlenfpiegel ift hie, hat er auch die wiirft mit im bracht?” Die kellerin l'prach: "ach ia, als zwo fchoner wurft, als ich kum gefehen hall, vnd feind gleich bald alle beid gebraten.” Vnd fie gieng vnd nam die ein von der glüt, vnd fie ward der wiirft auch luftig als wol als der pfarrer, vnd Ile fntzten lieh nider beide zfil'amen. Vnd die weil als fie fo hegirig der wiirft allen, I'o begunden inen die miiler zü fclmiutzen. Das fach vnd hört ein ander man, das der pfarrer l'prach zft der magel: "ach mein liehe trutc magt, lieh wie felmmpt dir der mund.” Allo l'prach die magt zum pfarrer hinwider: "ach lieber her, gleich ill euwer mund auch alio he- fclinmtzt.” Vnd glych fo kumpt Vlenl'piegel yngegangen von der kirchcn. Da l'prach in der pfarrer an: “fich, waz haftu für wiirft bracht? Sich wie mir vnd meiner kellerin die miind fclmiutzen.” Vlenfpiegel ward lachen vnd l'prach: "Cot gel'cgen’s vch, her pfarrer, euch hfchicht nach euwerm begeren, als ir mir da rftften, ich foil zwo wiirft bringen, dauon wolt ir offen, daz vch der mund nnifte fchmutzen. Aber des l'clnniitzes acht ich nil, wa nit daz fpüwTii hernach ' ' , ich verlieh mich wol, es vverd bald hernach klimmen. Wan dauon die zwo wiirft gemacht find, das w'az ein todte fuw, vnd waz hei vier tagen tod 54 Von Vlcnlpiegcl. gcwcfen, (lai’iim ninl’t icli daz ilcifch rauher ieifen, vnd dation kuinpt euch daz gcl'chmütz.” Die keil crin Imh an zu bycken ') vnd Ijmct über den til'ch yn, dcfzglcichen thct auch der pfarrer, vnd I'prach: “gang bald vs nieiin 1ms, du Iclialk vnd bill),” vnd ergreif ein knülle), vnd weil, in fr,blähen. VIenfpiegel I'prach: “daz fiel eirn frunnnen man nil wol an, ir hielzent mich doch die wilrll bringen, vnd hon fie beide gellen, vnd weil mich nun mit knüllen fchlahen vnd werfen, bezalen mir doch vom erl'ten die zwo würft, ich gefchweig der dritten.” Der pfarrer was zornig vnd dohet fall, vnd fprach filrter, er foil feine faule würft, die er von der l'chelmongrüben gemacht hat, felher geffen haben, vnd folt fie ym in fein haus nicht gebracht hon. VIenfpiegel fprach: “ich hab doch euch on euwern dank nit in leih gefleckt, auch Id moclit ich dilze wilrll nicht, aber die erl'ten, die bei ich wol gemocht, die bond ir mir on mein dank geefzen. Ilond ir dann nun die güten vnd die erl'ten würft gefrel'fen, alfo elfen min die holen auch hindennach.” Vnd fprach: “aide güte nacht.” Die XXXVIII. histori lagt, wie VIenfpiegel dem pfarrer zü ltyfzcnburg 1 2 ) fein jiferil ahre- det mit einer falfclien beieht. Büfer fchalkheit liel'z fich VIenfpiegel nit verdriefzen zü Uyl'zenhurg in dem dorf in dem Affehurger geeicht 3 ). l)a wollte auch ein pfarrer, der gar eine fchonc kellerin het, vnd darzü ein dein leubcrlich wacker pferd, die het der pfarrer alle beide lieh, das pferd als wol als die inagt. Da was der lierzog von Brun fell wick zü der zeit zü Byfzcnlmrg vnd het den pfarrer durch ander liit lallen bitten, daz er im das pferd wolt lallen züfton, er wolt im dar für gehen mer dann es wert wer. Der pfarrer verneint alle zeit dem fünften, daz er das pferd nit wolt verlaffcn, wan fo lieh het er das pferd, fo dürft im der 1. Lies: brechen. 2. Mes stets: Kyffenbriick. 3. Diese Worte sind schon in den nächsten und allen späteren Ausgaben niisverslunden : zu liicssenburg sassen die Bauern zu Gericht. Die XXXVIII. liistori. lürl'l auch daz pferd nil nenien lallen, wann daz gcricht waz vndei' deni rat von Briinlehwick. Alio hot Vlenfpicgel die ding wol gehöret vnd verflamlen, vnd Fpracli zu deni fiirftcn : “gne- diger lierr, was wollen ir mir feheukeii, daz ich daz pferd zii wegen bring von deni pfall'en zii Hyfzenburg . 33 “Kanllu daz limn , 33 fpracli der lierzog, “ich wil dir den rock gehen, den ich an lion , 33 vnd daz was ein rol J'cliainlot, mit perlin geflickt. Daz nam gel an vnd reit von Wulfen hiitel in daz dorf zu dem pfarrer yn zii herberg. Vnd Vlcnfpiegel waz wol be- kaniit in des pfarrers haus, wann er was oft da bei im vor Zeiten gewefen, vnd was im wilkunnnen. Als er min bei dreien lagen da gewefen waz, da gebarte er wie als ob er ganz krank wer, vnd achtet mit vnd legt ficli ganz liider. Dem plaffen vnd feiner kellerin waz leid darinnb, vnd wifzten nil rat, wie fie den fachen tlniii folien. Zii letl't ward Vlcnfpiegel ia krank alfo, das in der pfaff anfprach, er manet in zii beichten vnd Gottes recht zü nenien. Vnd Vlenfpiegel waz fall darzii geneigt. Alfo das er in felb wolt heiclit hören vnd fragen vf das fcherpfte vnd fpracli: das er fein feel hedechte, wann er hett fein tag vil abentheuer getriben, das er ficli bewcretc, das ym Gott der alluieehtig feine bind vergeben wolt. Vlenfpiegel ganz krenldi- clien zii dem pfarrer fprach: er wil'zt nichts nier das er ge thon bet, funder ein fund, die dürft er im nit beichten, vnd das er im ein andern plaffen holte, dem wolt er fie beichten. Wann fo er lie olfenharte, l'o beforgte er, das er darumh zürnen wurd. Da der pfarrer daz hört, da meint er, da wer etwaz vnder verborgen, vnd daz wolt er auch wifsen vnd fprach : “ lieber Vlcnfpiegel, der weg ill ferr, ich kau den anderen plaffen nit fo bald vberkummen, vnd ob du in der zeit ftirbl't, fo baft du vnd ich vor Gott dem herrén die fchulde, wa du darin verfaumpt würdel't. Sag min mir das, die fluid loi fo l'chwer nicht fein, ich wil dich daruon abfoluieren. Auch was litllf es, das ich bös wiird? ich miilz doch die heiclit nicht melden . 35 Da fprach Vlenfpie- gel: “fo wil ich daz wol beichten, fie wer auch fo l'chwer nit, funder im wer mir leid, das er bös vvürd vnd darüber zürnen wiird, dann es treff in an. Da verlangt den pfarrer noch lerer, das er das wiiffen folt, vnd fprach zü im: “liett er im etwas 56 Von Vlenfpiegel. geilolen oder angefacht oder l'chaden gelhon, oder was es wer, das er es im beichte. Er wolt im das vergeben vnd in nymmer darumb baffen. Vlenfpiegel fprach: "ach lieber lier, ich weifz, das yr darumb zürnen werden. Doch ich en Lp find vnd fü relit, das ich bald von binnen miifz fcheiden. Ich wil euch das lagen, Gott geh, ir werdet quad oder bös. Vnd, lieber herr, daz iff daz. Ich hon bei cuwer magt gefehlalen.” Der pfaff fraget: wie off das gelehehen wer? Vlenlpiegcl fprach: " nur fünfmal.” Der pfaff gedacht, da fol líe V draufzen ') für vberkummen, vnd abfoluiert in bald, vnd ging in die kannner vnd hiefch lein magt zii im zckummen. Vnd fragte, wa fie bei Vlenlpiegcl gefchlafen bet? Die kellerin fprach: nein, es wer gelogen. Der pfaff fprach, er het im doch daz gebeichtet, vnd er glaubt es auch. Die maget fprach: "nein”, der pfaff fprach "ia”, vnd envuft ein ftecken, vnd fchlüg fie brun vnd bla. Vlenfpiegel lag im bet vnd lachet, vnd gedacht in im felber: nun wil daz Ipil gilt werden, vnd wil fein recht vberkummen. Vnd lag den ganzen tag alfo, in der nacht ward er ftark, vnd ftiind des morgens vf, vnd fprach: es wiird heiser, er miiff in ein ander land, daz er rechent, waz er in der kränklich verzert bet. Der pfaff recht mit im, vnd waz fo irr in feinem fynn, daz er nit wifzt w'az er tet, vnd nam gelt, vnd doch kein gelt, vnd waz des ziifridcn, daz er nun men wanderte von dan; desgleichen die magt auch, die was gleich wol vmb feinent willen gefchlagcn. Alfo waz Vlenfpiegel bereit vnd wolt gon, vnd fprach zu dem pfaffen: "her, feieut gemant, daz ir die beicht geoffenbart hon. Ich wil gon gen Ilalberftat zü dem bifchof, vnd wil daz offenbaren von euch.” Der pfaff vergafz feiner bosheit, da er hört, daz Vlenfpiegel in wolt in befchwernifz bringen, vnd hat in, das er fchw'ig, es wer gefehehen in gehem mut, er w'olt im XX guldin geben, daz er in nit verclagte. Vlenfpiegel fprach: "nein, ich W'olt nit hundert guldin nemen daz zii fchweigen, ich wil gon vnd wil das fürbringen, als lieh das gebürt.” Der pfaff bat die magt mit weinenden äugen vnd fprach, das fie in fragte, das er ir lagte, was er im geben foil, das wolt fie im geben. Zfdetft 1. Im Original : drüfzen. Dic XXXIX. liistori. 57 ('praeli Vlenfpiegel, wolt er ini das pferd gehen, fo wolt er fehwcigen vnd Ibit vnnermelt (»leiben, er wolt auch anders nichts nenien dann das pferd. Der pfalf het das pferd ganz lieh vnd het im lieher alle fein harlehaft gehen, wann das er das pferd Colt verladen, vnd verheiz das on feinen dank, dann die not bracht in darziî, vnd gab Vlenfpiegeln das pferd, vnd liel'z in damit hin reiten. Allo rit Vlenfpiegel mit des pfalfen pferd gecn Wnlfenhiitel. Alfo kam er vf den dam, da ftfmd der Iier- zog vf der leghehrucken, vnd falle Vlenfpiegeln mit dem pferd daher traben. Von flund zocli der filrft den rock vs, den er Vlenfpiegeln geloht het, vnd ging im vnder äugen vnd fpracli: “ fehin mein lieher Vlenfpiegel, hie il't der rock, den ich dir gelobt hab.” Alfo fiel er von dem pferd, vnd fpracli: "gnediger licrr, hie ill euwer pferd.” Vnd was dem herzogen grofz zft dank, vnd mil ft im das erzelen, wie .er das pferd von dem pfaflen gebracht het. Das lacht der filrft vnd was frôlich dation, vnd gab Vlenfpiegeln ein ander pferd zu dem rock, vnd der plarrer betrübte lieh vmh das pferd, vnd fehlüg ' die magt oft vhel darunih, alfo das im die magt entlief. Alfo ward er beide, des pferds vnd der magt, quit. Die XXXIX, histori lagt, wie Vlenfpiegel (ich verdingt zu einem felnnid, vnd wie er im die bclg in den hof trüg. Zü Roftock in dem land Mecklenburg, da kam Vlenfpiegel hin vnd verdingt lieh für ein fclmiidkneehl. Vnd derlei]) fch in hl liett dann für ein fprichwort, wann der kneclit fall mit den beigen blafen folt, fo fpracli er: “ha ho, folg mit den beigen.” Alfo llftnd Vlenfpiegel vf den beigen vnd blies. Da fpracli der felnnid zu Vlenfpiegeln mit harten Worten: “ha ho, folg mit dem beigen nach.” Vnd er ging mit den Worten vfs in den hof, vnd wolte lieh feins wallers entplöffen. Alfo nam Vlenfpiegel den einen balg vf den hals vnd folgt dem nieifter nach in den hof vnd Iprach : “ nieifter, hie bring ich den einen balg, wa loi ich ihn hin thim , ich wil gon den andern auch brin- 58 Von Vlenl'piegel. gen.” Der meifler lach lieh vmb, vnd l'prach: “lieber knecht, ich nieinle es nil alio, gang mir hin vnd leg den balg wider an fein Hat, da er vor lag.” Daz lliet Vlenl'piegel vnd trüg den balg wider an lein ftal. Allo gedacht der meiller, wie er im das wider belonen inöchl, vnd ward in im l'elber eins, wie daz er V lag lang wöll alle mitnacht vfflon vnd den knechl wecken vnd arbeiten. Da wackt er die knecht vnd lielz lie Iclmiiden. Vlenfpiegels gefpan begund zft I'prechen : “ was meint vnl'er meil'ter darmit, das er vns alfo 1‘rii weckt? des pflegt er nil zii llnin?” Alfo l'prach Vlenfpiegel: “wil tu, fo wil ich in fragen.” Der knechl l'prach: cc ia”. Alfo l'prach Vlenfpiegel: "lieber mei» Her, wie gat es zii, daz ir vns als fril wecken? cs il't erfl mit- tcrnacht.” Der meil'ter l'prach : “ es ill mein weis, daz zii dem eilten mein knccht acht tag lang nit lenger folien ligen vf meinen hetten dann eine halbe nacht.” Vlenfpiegel fehweig I'til vnd fein companien dorl'l nichts I'prechen, bis in die ander nachl, da weckt lie der meifler aber vf zii millernacht. Als ging Vlenfpiegels company zii arbeiten bei dem meil'ter vnd Vlenfpiegel nimpt dy weil daz bet, vnd bindt daz vf den rucken, vnd als daz eifin heifz waz, fo kuinpt er ylens von der büne laufen vnd zii dem ambil'z vnd fchlecht mit zii, daz die funken in daz bet Hüben. Der l'elunid l'prach: “min lieh, waz llniftu? da hiflu loi worden? mag daz bet nil bleiben ligen, da es fol ligen?” Vlenfpiegel l'prach: “meil'ter zürnent nil, das il't mein weis, zii dem erl'len Worten, daz ich ein halb nacht wil ligen vf dem bet, vnd die ander halb nacht fol das bet vf mir ligen.” Der meil'ter ward zornig, vnd l'prach zii im: “daz er daz bet wider hintriig, da er daz genommen het, vnd fprach fürter zii im in gebem mût: “vnd gang mir doben vs meinem bus, du verzweifelter fchalk.” Vlenl'piegel l'prach: “ia”, vnd gieng vf die biin vnd legt daz bet wider da ers genommen het. Vnd vberkam ein hdter, vnd l'lig in die finit, vnd brach daz dach (dien vs vnd ging vf dem dach vf den lallen, vnd nimpt die lei 1er vnd ziiclit fie nach im, vnd 1'etzL fie vom dach ab vf die l'lral'z vnd l'teigt alfo hinab, vnd gat hinweg. Der fclnnid horte, daz er boldei'l vnd gat im nach vf die biin mit dem andern knecht vnd ficht, das er daz dach hat vfgebrochcn, vnd war dardurch Ilie XXXX. bisturí. 59 vsgeftigen. Da ward er noch zorniger, vntl lucliet den fpiefz vnd lici' im nach vs dem lmfz. Der kncclit ergrif den meii'ter vnd l'prach zu im: “meii'ter, nit all'o, lond vcli Tagen. Er liât doch anders nit gethon, den daz ir in geheifsen haben. Wan ir i'| ira ch en zu im, er Tolt euch da oben vs dem haus gon, daz hat er gethon, als ir dann Teilen.” Der Tclnnid licl'e lieh berichten, vnd waz woll er darzft tlmn? VlenTpiegel waz hinweg vnd der meii'ter niTd't daz dach wider Ion plelzen, vnd niTiTt des züTriden Tein. Der Unecht Tprach : “ an Tolichen companien il't nit vil zu gewinnen. Wer VIenTpiegcln nit keilt, der hab nur mit im zil tliiin, der lernt in kennen.” Die XXXX, histori Tagt, wie Vlenl'piegel einem Tclimid liemmer, zangen vnd ander werk- gezilg zufamen Telimidt. Da nun VlenTpiegel von dem Tclimid kam, da gieng es geen dem winter, der ward ganz kalt vnd gel'ror hart vnd liel yn ein theuere zeit darzft, alTo das vil dienftknecht ledig giengen, vnd VlenTpiegel het nymme gelt zft verzeren. Da wandert er Tarier, vnd kumpt auT ein dorT, da wollte auch ein Tclimid, der nam in vT 1'iir ein Tchmidknecht. Aber VlenTpiegel het kein grollen lul't da ein Tchmidknecht zft bleiben, wann der hunger vnd des winters not zwang in darzft, vnd gedacht: leid waz du leiden kanTt, To lang der finger wider in die luck erd gat, tliiin was der Tclnnid wil. Der Tclimid wolt in nit gern vlhemen, vmb der theuren zeit willen. Da hate VlenTpiegel den Tclnnid, das er im zft arbeiten gehe, er wolt tliiin alles was er wolt, darzft eilen was nieinan eilen wolt. So was der Tclnnid ein arg man, darzft fpöttifch vnd gedacht: nyin in vT verluch in acht tag lang, darin kan er mich nit arm elTen. Des morgens begunden Tie feliini- den, vnd der Tclnnid trengt Vlcnfpicgelen mit dem hammer vnd mit den beigen hel'tigklichen, bis an das malzeit. Da es mittag ward, da het der Tclnnid ein prophey im hof. Vnd als Tie wollen zft lii'ch gon, To nimpt der Tclnnid VlenTpiegel, Ttirel in zft dem prophei im hof, vnd Tagt zft im: “fehin, du fprichl't, du wóllell elfen das niemaus eilen wóll, vT das ich dir zft arbeiten 60 Von Ylcnlpicgel. gel), vml dis mag niemans eilen, das ifz du nun alles.” Vnd ging in das haus vnd afz etwas, liefz Vlenfpiegcl hei dem pro- phei fton. Vlenl'piegel leimig ftil vnd gedacht: du halt dicli verrent, halt follichs vnd bófzers vil andern luten auch gelhon, mit der malz wilrd dir wider gemelTcn. Wie wiltu du m"m das im hezalen? dann es mül'z bezalt werden, vnd wer der winter noch l'o hart. Vlenfpiegcl arheit Ihr lieh his an den ahenl. Da gah der fchmid Vlenlpiegeln etwaz zü elfen, wann er het den tag gefallet, l'tak im auch noch in dem köpf, daz er in het zum prophei gewifen. Als mm Vlenfpiegcl wolt zu heit gon, da Ipracli der fchmid zu Vlenlpiegeln: “Hand morgen vf, die maget fol hlafen, vnd fchmid eins für daz ander was du halt, vnd houw lmfnegel ah, fo lang his daz ich vfftand.” Da gieng Vlenfpiegcl fchlafen. Vnd als er vfflund, dacht er wolt im daz hezalen, vnd folt er hifz an die kniiw im fchnee laufen. Er macht ein heftig feur vnd nimpt die zang vnd fchweifzt lie im lantloffel, vnd macht fie zfifammen, desgleichen zwen hammer vnd des liier fpet, vnd fperhaken, vnd nimpt den rümpf, darin die lmfnegel liegen, vnd fchüttet die lmfnegel darus, vnd howet in die köpf ah, vnd die köpf zflfamen, vnd die fteft auch alfo, vnd nimpt feinen fchurz, da er hört daz der fchmid vfflimd, vnd gat hinweg. Vnd der fchmid kumpt in die werk flat vnd ficht daz den hfifnegeln die köpf waren abgehouwen, vnd der hammer, zangen vnd ander ftück zfilamen waren gefchmidet. Da ward er ganz zornig vnd rillt der magt, wa der knecht wer hinlcum? Men die magt läget, er wer für die thür gangen. Der fchmid flucht vnd fagle: tc er ift gangen als ein verheit fclialk. Wifzt ich wa er wer, daz er vffer der ftat wer, ich wolt im nach reiten, vnd im ein güten fehlappen fchlagen.” Die magt lagt: “er fehrih etw'az vher die thür, da er hinweg gieng, das ill ein antlit, daz ficht als ein ule.” Dann Vlenfpiegcl het dife gewonheit. Wa er ein hiiberei thet, da man in nit kant, oder feinen namen wufzt, da nam er kreiden oder kolcn, vnd malet vher die thür, ein nie vnd einen fpiegel, vnd fchreih darüber zu latyn : hic fuit. Vnd das malet Vienfpiegel vf des fchmids thür auch. Alfo mm der fchmid lieh des morgens vs dem luifz gieng, da fand er daz alfo, wie im die magt daz het gefagl. Die XXXXI. liislnri. 01 "Wann der frlnnidt kunt die gefchrift niclit leien, da gieng er zft dem kirrhherrn, vnd hate in das er mit im ging, vnd lefze die gefchrift vber feiner tlniren. Der kircldierr gicng mit dem fclnnid für fein tlüir, vnd lach die gefchrift, vnd das gemelts. Da fpracli er zu dem iclnnid: cc das bedeut fo vil, als hie ift Vlcnfpiegel gcwefen.” Vnd fo bet der kirchher vil von Vlenljiiegeln gehört, was er für ein ge fei wer, vnd fcholt den Iclnnid, das er im das nit zu wiffen bet gethon, das er doch Vlenfpiegcln gefeben mócbt haben. Da ward der fclnnid bös vber den kirchherrcn, vnd lagt: " wa folt ich euch daz wiffen thfln, das ich felber nit wifzt? Aber ich weifz nun wol, das er in meinem haus gewe- fcn ift, befinde ich an meinem werkziig wol; funder wann er nimmer kumpt, daran ift deine macht.” Vnd nimpt die kol- ([ueft vnd wiifchet das vber der tlniren vfz. Vnd lagt: “ich wil keines fchalks wappen an meiner thüren haben.” Vnd alio ginge der kircldierr von dannen, vnd liefz den fclnnid fton, aber Vlcnfpiegel blieb vs vnd kam nit wider. Die XXXXI histori lagt, wie Vlcnfpiegel einem fclnnid, feiner frauwen, knecht vnd magot yegliebem ein walnheit fagt vor dem liufz hie aulTen. Vor \Y i fz ni a r kam Vlenfpicgcl auf einen beiligen tag, als er von dem Iclnnid kam, da fall er vor der (chinitien fton ein füberlichc framv mit der magt vnd waz des Ichm ids fraw. Da zocli er dargegen vber zft herberg vnd brach in der nacht feinem plerd alle vier hftfeilin ab, vnd zocli des andern nachts für die fchmidte. Vnd alfo ward er bekaiit. Als er nun für die Jchnhtte kam, vnd das fie folten feilen, das er Vlenfpicgcl was, da kam die fraw vnd magt für das haus vf ein thielen, vf daz fie möchten hören vnd feilen Vlcnfpiegels handelung. Da fpracli Vlenfpicgcl zftm fclnnid, ob er im wölt fein pferd be- fehlagen? Der fclnnid fagt: “ia”, vnd im waz lieb, daz er mit im reden nioclit. Vnd mit vil Worten kamen fie, das der fclnnid zft im fagt: wann er im auch luint ein war wort lagen, daz warhaflig wer, wolt er feinem pferd ein hflfyfin geben. Vlen- fpiegcl fagt: “ia”, vnd fpracli: 02 Von Vlenfpiegel. wann ir haben yfzcn vnd kolen, vnd wind in den balg holen, fo künden ir wol l'chmiden. Der fchmid Tagt: tc daz ift in trüwcn war”, vnd gab im ein luifyfin. Der knecht fchlflge Vlenfpicgels ]»ferd das yfcn vf, vnd fprach zü Vlenfpiegeln bei dem notftall, kiindt er im auch ein war wort tagen, das yn antreff, er wolt feinem pferd auch ein bnfyfiu geben. Vlenfpiegel fagt cc ia” vnd fprach: Ein fcbmidknecht vnd fein gefel, die muffen alle beid hart fLon, wann fie wóllen zu werk gon. Der knecht fprach: cc es ift auch war”, vnd gab ym noch ein hiifyfin. Daz laben die fraw vnd die magt vnd trun- gen darzft, daz fie mit Vlenfpiegeln auch zu Worten keinen, vnd fprachen zii im: ob er in allen beiden mich ein war wort kiind lagen, fie wolten im auch ietliche ein hiifyfin geben. Vien- fpiegel fagt "ia”, vnd fprach zfi der frawen: Welche l'raw vil vor der thilr ftot, vnd welche vil weiffes in den äugen hol, betten fie zeit vnd flat, daz wer nil alles filch vf dem gral. Die fraw fprach: "daz ift in truwen war”, vnd gab im auch ein hiifyfin. Darnach fagt er zii der magt: "megllin wan du iffeft, fo hüt dich vor rinlfleifch, fo darfftu in den zenen nil grübeln, vnd fo thttt dir auch der huch nit wee.” Die magt fagt: " ey behüt vns Gott, wie ein war wort ift das”, vnd gab ym auch ein lmfeifen. Allo reit Vlenfpiegel von dannen, vnd fein pferd ward im wol befchlagen. Die XXIII. histori lagt, wie Vlenfpiegel einem fcluicbmacher diente, vnd wie er in fragt, was formen er ziifchneiden foil? der meifter fprach zii ym : "grol'z vnd dein, wie der luwhirt zii dem tbor austreihl.” Alfo fclnieid er zii, oclifzen, küw, kelhcr, hock etc. vnd verderbt das leder. Eines andern tags da waz ein fchüchinacher, der gieng vil lieber vf dem markte fehleichen, wenn daz er arbeil, vnd lnefz Die XXXXIII. liislovi. 63 Vlenfpiegeln zflfchiieidcn. Vlenfpiegel fragte, waz fanzen er haben wolt? Der fclmchmacher fagt: “fclmeid zfl grofz vnd dein, wie der fchweinhirt vs dem dorf treibt.” Vlenfpiegel fagt: "ia, meifter, gern.” Der fchflhmacher gieng vs, vnd Vlenfpiegel fclmeid zfl, vnd niacbtc von dem leder fchwein, oebfzen, kelber, fchaf, geifz, bock, vnd allerlei vibes. Der meifter kam des abents yn- gegangen, vnd wolt leben, waz fein knecht zftgefchnitten bet, da fand er difer thierer von dem leder gcfclmitten. Er ward bös vnd fpraeh zfl Vlenfpiegeln : cc waz liaftn darns gemacht, wie balín mir daz leder alfo zu vnnutz zerfchnitten?” Vlenfpiegel lagt: "lieber meifter, ich hab das gemacht als ir daz gern haben.” Der meifter fpraeh: "daz big flu, ich wolt daz nit haben, daz du daz folteft verderben, daz hab ich dich nit geh ei fien.” Vlenfpiegel lagt: "meifter, waz ift des Zornes not? ir Jagtet zfl mir, ich folt von dem leder zflfclmeidcn, dein vnd grofz, wie der fchweinhirt vs dem tlior trib, daz hab ich gethon, das ift offenbar.” Der meifter fpraeh: "Io meinte ich daz nicht, ich meint daz alfo, daz (ölten dein vnd grofz fcbflli fein, vnd foltl't die liegen ein durch den andern.” Vlenfpiegel fpraeh: "betten ir midi das alfo gebeiffen, lö bet ich das goren gethon vnd llifln das noch gern.” Nim Vlenfpiegel vnd fein meifter vertrugen ficli mit einander, vnd vergab ym das zflfclmeidcn, wann Vlenfpiegel gelobt ym, das er in das wolt machen, lö er das haben wolt, das er ym das liiel'z. Da fclmeid der fcliidimacher folleder zfl, vnd leget das Vlenfpiegel für, vnd fagt: “fehin, neg die deinen mit den groficn ein durch den andern bar.” Vlen- fpiegel fagt ia, vnd fing an zfl neyen. Vnd fein meifter zürnte 1 ) mit dem vsgon, vnd wolt Vlenfpiegeln venvaren, vnd fehen wie er das machen wolt, wann er ward den kennen, das er in das gebeiffen bet, das er darnach tbfm wiird, als er auch thet, nach des meifters heilten. Vlenfpiegel nam einen deinen fcbficb vnd ein grollen, vnd flach den deinen durch den groffen, vnd neyet die zftfamen. Vnd als der meifter 111111 fcbleicben gieng, da w ; az im leid, daz er tliftii wolt vnd auch tliet, vnd fab daz er einen fcbflli durch den andern neyet. Da 1. I.ies: ziigCTle. 64 Von Vlonfpicgcl. fpracli er: cc du bift mein rechter kneclit, du tliüft als was ich dich hcifz.” Vlenfpiegel Tagt: “welcher timt das man in lieifzt, der wtirt nit gefchlagcn, waz anders nn'iglich zetlnin ift.” Der meifter lagt: " ia, mein lieber kneclit, das ift alfo, mein wort waren alfo, aber mein meinung was nit alfo. Ich meint, du folteft ein dein par fchûch zñmachen, vnd darnach ein par groffer fchûch, oder die groffen vor, die deinen darnach; du thfift nach den Worten, nit nach der meinung.” Vnd ward zornig vnd nam im das zügefehnitten leder, vnd fagt: "wes fiir- üchtigen, fehin, da haftu ander leder, fchneid die fchfdi zü über einen leift.” Vnd gedacht nit daruf me, wann im was not vfzzü- gond. Der meifter gieng nach feinem gewerb vnd was heinach ein ftund vs, da ward er erft gedenken, daz er feinen kneclit het geheiffen die fchüh zu fchneiden vber einen leiften. Er liefz all fein gewerb fton vnd lief notig zum hufz vnd Vlenfpiegel falz die weil vnd het das leder genommen, vnd fclmeid das alles über den deinen leift. Als nun der meifter kam, fo ficht er das er dye fchüh het gefchnitten vber den deinen leift. Da fpracli er zu im: "wie gehört der grofz fchüh zu dein deinen?” Vlenfpiegel fagt: "ia, wolten ir das noch haben, ich wil daz noch wol hernach machen, vnd fchneiden den vordem nun noch nach.” Der meifter fpracli: “beffer künd ich deinem fcliü fchneiden nach dem vordem, dann einen vordem nach dem deinen, vnd nimpftu einen leift vnd der ander leift ift zü nicht.” Vlenfpiegel fagt: " trnwen, meifter, ir heifzen mich, das ich die fcliü folt züfclmciden vber ein leift.” Der meii'ter fagt: "ich lieifz dich wol fo lang, das ich mit dir mit ft an galgen loufen;” vnd fpracli lürter, das er im folt das leder bezalen, das er im verderbt het, wa er ander leder wölt nenien. Vlenfpiegel fagt: "der gervver kan des leders wol meer machen,” vnd ftund vf vnd ging zü der tliiir vnd kcrl lieh im 1ms vnib vnd fpracli : “ kuui ich in das luis nit wider, fo bin ich doch hie gewefen.” Vnd ging damit zü der ftat vs. Die XXXXIIII. histori. 65 Die XXXXIIII. histori Tagt, wie Vlenl'picgel einem burén ein l'np begofz vnd der iibel fchmecken') fifch feifzte darvf del für brotfehmalz, vnd meint cs were den büren gilt genug. Vil fehalkheit bet Vlenfpiegel den fchühmacheren gethün, nit allein an einem ort, funder an vil enden. Als er nun difze fehalkhcit bat vfzgericht, kam er gen Staden, da vei'dinkt er fielt wider zü einem fchümacher. Als er nun des erften tags arbeiten begund, da ging fein meifter vf den markt, vnd kauft ein fflder bolz, vnd verhiefz dem büren ein fupp zü geben zü dem gelt, vnd bracht dem büren mit dem holz vor fein bus, da fandt er niemant in feinem haus, die fraw vnd magt waren vsgangen, dan Vlenfpiegel, der was allein in dem 1ms, vnd neyet fchflh. Ua was dem meifter not an den markt wider zft gon. So befalch er Vlenfpiegcln, das er nem was er bet vnd mechl dem bauren ein fupp, er bet im das im fchank gelaffen. Vlenfpiegel lagt ia, vnd der bner warf fein bolz ab, vnd kam in das bans. Vnd Vlenfpiegel fchneid ym brotfehnitten in die fchiiffel vnd fand niergen feifzte in dem fchank, fo gat er zü dem behalter, darin das fclnneckende lifcbfehmalz was, vnd be- gufz dem buern die fu]>]< darmit. Der bauer begund elfen vnd fchmeekt daz cs vbel flank, doch fo was er hungerig vnd afz die fup vs. In dem fo kam der fchühmaeher yngond, vnd lagt zü dein bauren, wie im die fupp heit gefchmecket? Der bauer lagt: “das fclnneckt alles wol, dann es bat nach gefchmack, als nilwe fcliüh,” biernit gieng der bauer vs dem haus. l>a ward der fcbübmacber lachen vnd fragt Vlenfpiegeln, wa von er dem bauren die fupp gegoffen bet? Vlenfpiegel fagt: “ ir fagten mir, ich foil nemen was ich bet, fo bet ich nienen ander feifzte wann feeflfeh fchmalz. Dann ich waz vber dem fchank in der kuchin, da fand ich niergen feifzte, da nam ich was ich bet.” Der fcbübmacber fagt: “nun das ift güt, es ift den bauren güt genüg“ 1. Lies: fclnneckende. 66 Von Vlciifpiegcl. Die XXXXV. histori lagt, wie ein flifelmacher zu Iirunfcli wick Vlenfpiegel fein Itiiel l'picktc, dem er die feufter vs der Mhcn l'liefz. Chrifloffer het ein ftifelmacher, wonend zfi Brun f clnvick vf dem kolmark. Zii dem ging Vlenfpiegel vnd weil fein l'tifel fchmieren laffen. Als er nun zü dem flifelmacher in das liaus kam, da fprach er: “meifter, wann ir mir wolten dil'e ftifeln fpicken, das ich l'ie auf montag wider haben möcht.” Der mei- fter fagt: “ia, gercu.” Vlenfpiegel ging wider vs dem 1ms, vnd gedacht nirge an. Als er hinweg was, da fprach der knecht: “meifter, das ift Vlenfpiegel, der ift allen mannen zu fchalkhaf- tig, vnd wan ir in daz hiefzen, als er vch das geheifzeu het, daz thet er vnd liefz das nit.” Der meifter lagt: cc was hat er mich dan geheiffen?” Der knecht fprach: “er hiefz vch die ftifeln fpicken, vnd er meint fchmiren. Nun wolt ich fy nit fchmiren, ich wolt fie fpicken, als man die braten fpickt.” Der meifter fagt: hört, das wer gut, wir wollen tlnin als er vus ge- heiffen hat, vnd nimpt fpeck, vnd fchnyd den in fpalten vnd fpickt den durch die ftifeln, mit einer fpicknadeln, als einen braten. Vnd Vlenfpiegel kumpt des montags, vnd fragt, oh fie iin fein ftifeln haben bereit? Der meifter het fie an ein hocken an die wand gehenkt, vnd weift fie im, vnd fagt: “fiel), da hangen fie.” Vlenfpiegel iahe, daz die ftifeln fo gelpickt waren, vnd ward lachen vnd fagt : cc w ie feint ir fo ein frommer meifter, haben ir mir daz gemacht,, als ich vch hab geheifzen, waz wollen ir dar für haben?” Der meifter fprach: “einen alten grol'chen.” Vlenfpiegel gab den alten grofehen vs vnd nain fein ftifeln gefpickt vnd ging zü dem bus vnd der meifter mit feinem knecht die iahen vnd lachten im noch, vnd fprachen vnder einander : “wie folt.im das gefchcen? mm ift er geeilt.” Mit dem fo louft Vlenfpiegel mit dem köpf vnd fclmlleren in das glas- feufter dan die ftub ftund vf der erden vnd fliefz vf die ftrafz vnd fprach zü dem flifelmacher: “meifter, was ift das für fpeck, den ir zü meinen l'tifel gebracht haben? ift es fpeck von einer fuw, oder von einem eher?” Der meifter verwundert fich mit Die XXXXVI. Iiislori. 67 dem knecht. Zü letft fah er das Vlenfpiegel in dem fenfter lag, vnd Itielz mit dem köpf vnd feluilteron die tafeln der fenftcr wol halber vfz, das fie zü im in die Hüben fylen, vnd ward zornig vnd fprach: "wiltu verretcr difz nit laffen, ich wil dir mit difzem gruudel für den köpf fchlagen.” Vlenfpiegel fprach: "liber raeifter, erzürnet vch nit, ich wtift gern, was das für fpeck were, da ir mein ftifeln mit gefpiekt haben. Ift das von einer finv oder von einem eher?” Der meifter ward zornig vnd fagt, das er im fyn fenfter vuzerbrochen liefz. "Wollen ir mir das nit fagen, was daz für fpeck ift, fo müfz ich gan vnd fragen ein andern.” Alfo fprang Vlenfpiegel wider vs dem fenftcr. Vnd der meifter ward zornig vf feinen knecht vnd fprach zü im : "den rad gahftu mir, nun gib mir rat, das mein fenfter wider gemacht werden.” Der knecht fchwieg, der meifter was vnwil- lig vnd fprach : “ wer hat nun den andern geefft? Ich halt al- wegen gehört: wer mit fchalksleuten beladen ift, der fol den fchlupf abfchncidcn vnd fic lafzen gon. het ich das oucli gc- lliün, fo weren mein fenfter wol ganz hüben.” Der knecht, nnift darum wandern, wan der meifter wolt die fenftcr bezalt haben, darum das er den rad gab, das man die ftifeln fpicken folt 1 ). Die XXXXVI. histori lagL, wie Vlenfpiegel einem fclmmaelier zu Wismar dreck für kalcli 2 ) verkouft, der gefroren was. In einer zeit thet Vlenfpiegel einem fchülnnacher zü Wismar grollen fchaden mit zfifclmeiden, vnd verderbet im vil le- ders, das der gflt man ganz trurig ward 3 ). Vnd das vernam Vlenfpiegel vnd kam wider gcen Wismar, vnd fprach den leihen fchfdnnacher, dem er den fchaden gethon het, wider an, wie daz im ein laft leder vnd fclnnalz kuimnen wiird, da folt er im groffe kauf an geben, daz er feinem fchaden wider nachkummen lolt. Der fchülnnacher fagt: "ia, das duftu hillich, dan du mich 1. Die gereimten Verse, welche anstatt des letzten Satzes das neue Volksbuch hat, finden sich schon in der Erfurter Ausgabe v. J. 1532. 2. kalch E. talcli. 3. S. oben Historic XXXX1II. 5 * 68 Von Vlenfpiegel. damit zü einem armen man gemacht baft. Wan dir das güt kiimpt, fo lag mir das zû.” Darvf fehieden fie von einander. Nun was es in winterzeiten, das die fchinder die heimlichen gemach reinigten. Zu denen kam Vlenfpiegel, vnd gelopt in bar gelt, daz fie im XII. dünnen wolten füllen, mit materi, dy fie fünft pflegen in das waffer zü füren. Die fchinder theten alfo, vnd fchlügen im die donnen ganz voll vf her finger breit, vnd liefen die fton fo lang bis das fie alfo hart gefroren waren. Da holet Vlenfpiegel die hinweg. Vnd vf fechs dünnen begofz er oben das dick mit kalch 2 ), vnd Ich lüg fie hart zü, vnd fechs dünnen begofz er mit koken fchmalz, vnd fchliig die alle hart zü, vnd liefz die zum guldin fiemen in fein herberg füren, vnd fchickt dem fchühmacher boten. Da er kam, alfo fchlügen fie das gilt oben vf, vnd das gefiel dem fchühmacher wol. Sie vertrügen fieh des kaufes, das der fchühmacher Vlenfpiegel für den laft folt geben XXIIII guldin, das folt er im har gell gehen XII guldin, das ander in einem iar. Vlenfpiegel nam das gelt vnd wanderte, dann er forcht das end. Der fchühmacher empfieng fein güt, vnd waz frolich als der- ginne, der verloren fchadens oder fchulden wider zükumpt, vnd hat vmb hilf, daz er des andern tags wolt leder fchmieren. Die fchümacherknecht kamen ftark, dann fie ficli eins güten kropfes vermeffen betten, vnd begunden das werk anzügon vnd lut zü fingen, als dann ir weifz ift. Als fie nun die dünnen zü dem feuer brachten, vnd fiengen an warm zü werden, da gewannen fie iren natürlichen gefchmack. Sprach ihr einer zü dem andern: “ich mein du liabft in die holen gefchiffen.” Der mei- fter fprach: “vwer einer het in ein dreck gedretten, wifchen die fcliüh, es fchmeckt vfz der mafzen vbel.” Sie fuchten all vinhhar, aber fie funden nichts, vnd begunden das fclnnalz in einen kcffel zü thün vnd fchmieren, ie diel'er fie kamen, ie das vbeler flank. Zü letft wurden fie das innen, vnd liefzen die arbeit fton. Der meifter mit den gefellen liefen Vlenfpiegel zü luchen, vnd in zü behalten vmb den fchaden, aber er was mit dem gelt hinweg, vnd fol noch wider klimmen nach den ande- 1. kalch I. laich Die XXXXVH. histori. 69 ren zwölf guldin. Alfo mftl'l der fchftlnnacher lein donnen mit dem karch vf die fchelmengrftb l'üren, vnd kam zö zwifalligem fchaden. Die XXXXVII. histori lagt, wie VIenfpiegel zu Einbeck ein brilwerkneclil ward, vnd einen bund, der Hopf hiel'z, für hopfen foudt. Zulcttig macht fielt VIenfpiegel wieder in fein arbeit')- Vf ein zeit als man nun fein mit den pllumen zft Einbeck, die er befchiffen bet I. 2 ), vergeffen bet, kam er wider gen Einbeck vnd verdinkt fielt ztt einem bierbrüwer. Alfo begab fielt, das der bruwer zft einer hochze.it gon wolt, vnd befal V’ gebt, er folt mit der magt die weil hier bruwen, fo lieft er kirnt. Vf den nachtag wolt er im zft hilf klimmen , vnd vor allen dingen folt er lleifz Ihftn vnd den hopfen wol fieden vf das das hier fcharpf dation fclmieckeu würd, das er das verkaufen kiind. VIenfpiegel Tagt: ia gern, er wolt das belt Ihftn. Mil dem gieng der briier mit feiner bausfrauwen zft der thiiren vs. Vlenfpie- gcl begund fall zft fieden. Die magt vnderwifz in, dann fie mer verftands bet daruf dann er. Da es mm kam das man den hopfen fieden folt, fprach die magt : “ach lieber, den hopfen zft fieden thfiftu wol allein, vergun nur das ich ein ftund gon mag vnd den danz beleben. VIenfpiegel fagt: “ia”, vnd gedachte: “gat die magt auch hinweg, fo haflu einer fchalkheit macht. Was willtt nun difem briier für ein fchalkheit thftn?” Nun bet der briier ein groffen bund, der biefz Hopf, den nam er als das waffer beifz w'ard vnd warf den daryn, vnd liefz in wol darin fieden, das im baut vnd bar abgieug, vnd das (leifcli aller ding von den heilten fiel. Als es nun die magt bedacht, das es wider zeit wer beim ztt gon, der hopf folt nun mer genflg haben, da kam fie vnd wolt VIenfpiegel zeltilf klimmen, da fagt líe: "fich, mein lieber brftder, der hopf bat fein genüg, fchlag ab.” Als fie nun den feykorb für fchliigen, vnd begunden Ichuof- I. Spätere Ausgaben schalten bereits liier die Schlossbemerkung dieser Historie ein, dass VIenfpiegel sieb nirgend viel Dank verdiente. 2. Siebe unten Historie LXXXVIII. 70 Von Vlenfpiegel fen nach der andern yn zefchlagen, da Tagt die magt: " liaftu auch hopfen daryn gethon? ich vcrnim noch nichts in meiner fchüffen.” Vlenfpiegel fagt: cc ia, vf den grand wiirftu den finden.” Die magt fifchet darnach, vnd vberkam das reff vf der fchüffen vnd hegund lut zefchreien: "ey, hehiit mich Got, waz haftu daryn gethon? der henker trink daz hier !” Vlenfpiegel fagt : cc als mich vnfcr hriier hat gedan, Hopf, vnfer lnmd.” In dem kam der brüwcr wol getrunken vnd fprach: "w r ns thün ir, mein liehen kinder, fein ir gflter ding? 3 ’ Die magt fprach: "ich wcifz nit, wei den teufel wir thfln, ich gang ein halb ftund den tanz zu befelien vnd liefz vnfern niiwen knecht den hopfen die weil gar fieden, lo hat er yjifern hund gar gefotten. Ilie mögen ir wol fein ruckgrad fehen.” Vlenfpiegel fagt: cc ia, her, ir haben mich daz fo geheiffen. Ift es nit ein grofe plag? ich thu alles was man mich heiffet, noch kan nienen dank verdienen. Es feint welche brthver es wellen, theten ir gefind halber das dez man fie hiefz, fie helfen fich begnügen.” Allo nam Vlcnfpicgel vrloh vnd l'chicd daruon, vnd verdient nierngen grof- fen dank. Die XLVm. histori lagt, wae Vlenfpiegel ficli zu eim fclmeider verdingt, vnd vnder einer büLten liegt. Als Vlenlpiegel kam gen Berlin, da verdingt er fich für ein fchneiderknechl. Als er nun vf die werkftatt alz, da fagt der nieifter: “knecht, wiltu neigen, fo ney wol vnd neg, das man es nit ficht.” Vlenfpiegel fagt ia, vnd nimpt die nadel vnd gewant darmit vnd kreücht vnder ein butten vnd ftept ein nat vher ein knie, vnd hegund fo darüber zu neigen. Der fclinci- der ftfmd vnd fall das an vnd fprach zü im: "was wiltu thün? das ift fellzam neiwerk.” Vlenlpiegel fprach : "meifter, ir faglen ich foil nein das mans nit leb, fo ficht es niemant.” Der fclmeider fprach: "nein, mein lieber knecht, hör uf vnd ney nit nier alfo, vnd begin zu neyen, das man feilen kan.” Das w'crt ein tag oder drei, darnach kam es vf die nacht. Der fclmeider ward mild vnd woll zu bei gon, da lag ein grauwer baurenrock Die XLVIII. histori. 7! halb vngeneyt, den warf er zfi dem Vlenfpiegel vnd lagt: "fcliin, mach den wolf recht vfz vnd gang darnach onch zfi bet.” Vlenfpiegel lagt: cc ia, gond nur hin, ich wil im recht thfin.” Der meifter gieng zu hct, vnd dacht nit daran. Vlenfpiegel nimpt den rock vnd fchneil den vf vnd macht darufz ein köpf als ein wolf, darzû leih vnd bein, vnd fpert das mit Hecken von ein, das es Iahe eim wolf gleich, vnd gieng auch zu hct. Des morgens ftund der meifter vf vnd wecket Vlenfpicgeln ouch vnd tint diffen wolf im gaden fton. Der fchneider verwundert lieh, doch er fach wol das es gemacht was. Mit dem kumpt Vlenfpiegel darzû. Da fprach der fchneider: "was teul'els haitu darufz gemacht?^ Er fprach: “ein wolf als ir mich geheilten hont.” Der fchneider lagt: “ folichcn wolf meint ich nit, nur den grau- wen haureni'ock, den nant ich ein wolf.” Vlenfpiegel Tagt: “lieber meifter, das wüfzte ich nit. Het ich aber gewüfzt, das euwer meinung alle wer gewefen, icli het lieber den rock gemacht dann den wolf.” Nun der fchneider was des züfriden, es was gefehehen. Allo fchickt es lieh vber fier dag, das der meifter eines abents unid was vnd het geren zeitlich gelchlafen, doch liefz er lieh dünken, das es noch zû frit wer, das der knecht folt zü het gon. So lag da ein rock, der waz gemacht bis an die ermel, fo nimpt der fchneider den rock, vnd die ledigen ermel, vnd warf die zfi Vlenfpiegel vnd fagt: “wirf die ermel an den rock,” vnd gang darnach zü bet. Vlenfpiegel fagt: “ia”, der meifter gieng zu bet. vnd Vlenfpiegel hinge den rock an haken, vnd zi'mdt zwei licht an, vf yede feit des rocks ein licht, vnd nimpt ein ermel, vnd wiirlt den daran, vnd gat vf die ander feit, vnd wiirlt den auch daran. Vnd wann zwei licht warm vsgebrant, fo zündet er zwei ander an, vnd warf die ermel an den rock die nacht vfz bis morgens. Da ftund lein meilter vf, vnd kam in daz gaden, vnd Vlenfpiegel kert ficli an den meifter nil vnd warf alfo mit den ermelcn für vffin. Der fchneider ftunde vnd fall daz an, vnd fprach: “was tüfels maehftu nun für ein gaukelfpil?” Vlenfpiegel fprach crnfllichen: "daz ilt mir kein gaukelfpil, ich hab dife ganz nacht geftanden vnd hab dife fchelligen ermel an difen rock geworfen, vnd fie wollen daran nit kleben. Es wer wol lieffer gewefen, daz ir mich bet- s « ■... aülk-áMvfi:. ci is ! fi' !: fl| íiH ’ll } 1 72 Von Vlenfpiegel. ten heißen fclilafen gon, dann das ir mich fie heiffen anwerfen, vnd ir wuften doch, das es verloren arheil was.” Der fehuei- der fprach: “ift das nun meine fclmlt? witzle ich, das du daz alfo verftou wolltcft? ich meint das nit alio, ich meint du folleft die ermel an den rock liegen.” Da Tagt Vlenfpiegel : “das hal) der tid'd den Ion, pflegen ir ein ding anders zu lagen, dan ir dan meinen, wie lumten ir das fo eben reimen? Ilet ich die meinung alfo gewifzt, ich wolt die ermel wol gilt haben angc- negt, vnd het auch ein par ftunden gefchlafeii. So mögen ir nun den tag fitzen vnd negen, vnd wil auch geen ligen vnd fclilafen.” Der meifter lagt: “nein, nit alfo, ich wil dich nicht für ein fchlefer halten,” vnd warden alfo miteinander zanken, das der fclmeider in dem zank Vlen- fpicgelu anfprach vinh die lichter, er folt im die lichter bezalen, die er im darüber verhrant het. Indem Vlenfpiegel fein ding züfamen rafpelt, vnd wandert daruon. Die XXXXIX. histori lagt, wie Vlenfpiegel drei fclmeiderkiieclil von einem laden fallen macht vnd den Hilen lagt, der wand het fie lierai) gewegl. Bei dem markt zü Brenburg 1 ) da was Vlenfpiegel zu herberg wol XIIII. tag. Vnd hart darneben da wont ein fclmeider, der het drei kneclit fitzen vf einem laden vnd neyten. Vnd wan Vlenfpiegel für lie gieng, fo fpotteten fie fein oder würfen im ein fetzen nach. Vlenfpiegel fchwieg ftil vnder der zeit vnd vf ein tag da der markt, voller lilt was, in der nacht daruor fegte Vlenfpiegel die ladenpfoften vnden ab, vnd liefz fie vf dem niderften flcin flou. Des morgens legten die fclmeider knecht die laden vf die pfofteu, vnd laßen daruf vnd neigten. Da nun der fclrweinhirl vs bliefz, daz jedermann fein fchwein vs liefz treiben, da kamen des fchneiders fchwein auch vs feim 1ms vnd giengen vnder das fenfler, vnd hegunden ficli zü reihen an den " n, fo daz die pfoften trungen von dem reiben vnder den fenfter vfz, daz die drei knecht durmelten vu- 1. So für Brandenburg, wie KriifTler hat. Spätere Teste Italien Urc- men »der auch Hamburg. Dic L. histon. 73 der dem fenfter vfz vi' die gaffen. Vnd Vlenfpiegel nam ir war, vud da fie fielen beginn! Vlenfpiegel laut zu rufen: “lieh, fielt, der wind wegt drei fclineider von dem .fenfter,“ vnd rillt laut das man das vber den ganzen markt hört. Vnd die letit liefen dazft vnd lachten vnd fpeiten, vnd die Unecht fchempten fich vnd wiifzten nit wie líe von dem fenfter waren kumen. Zil left wurden fie das gewar, das die ladenpfoften waren ahgefegt, vnd merkten wol, das es in Vlenfpiegel het gethon. Sie fchhigen ander pfel darunder vnd dorfleu fein nit mer fpolten. Die L, histori fagl, wie Vlenfpiegel die fclineider im ganzen S a fíenla u d befchreib, er wolt líe ein kunft leren, die folt inen vnd iren kindern gut thiin. Confilium vnd ein vcrfanilung der fclineider hefehrieh Vlen- fpiegcl vs in die win di fchc ftet, vnd in das land zfl Sachfen, als nemlich in dem land zfl IJolftein, Bftmmeren, Stettin vnd Meckelhurg, auch zfl Lübeck, zfl Hamburg, zfl dem Sunte, zfl Wifzmar, vnd erinant fie in dem brief grofzen gunft, vnd daz fie folten zfl im kumen, er wer in der (tat zfl Roftock, er wolt fie ein kunft leren_ ten 1 ), vnd Hecken vnd vf den dórfern fchriben einander zfl, was ir mcinung darzfl wer. Sie fchriben alle, das fy da zfl ftat wolten klimmen vf ein zeit, vnd weren alle da verbindet vnd einem verlanget nach dem andern, waz daz möcht fein, das Vlenfpiegel in Tagen wolt, oder für ein kunft leren, nachdem er fie fo fcliarf verfeliriben het. Vnd kamen zftfainen vf ein zeit zu Roftock alle nach iren abfchciden, fo das fich vil hit verwunderten, was die fehnci- der da thftn wolten. Alfo nun Vlenfpiegel hört, daz die fchny- der im fo gefolgt betten, da liefz er fie wol zefannnen kunnncn, fo lang das fie all hei einander waren. Da fprachen die fclinei- 1. Es ist liinlcr “leren”, womit das Blatt 70 h schliesst augenscheinlich eine in späteren Ausgaben wieder ergänzte Zeile ausgefallen, welche etwa so lautete: “das inen vnd iren hindern gñt Toll llnin. Vnd die fclineider in den ftäd(ten).” 74 Von Vlenfpicgcl. der Vlcnfpiegeln an, fie weren dar kummen vnd im gefol- gct nach feinem fchreiben, wie er darin berilrt bet, wie er fie weil, ein knnft leren, das inen vnd iron kindern gut folt tlnm, die V eil die weit fti'md, vnd beten in, das er fie wôlt fordern vnd die knnft offenbaren vnd vermeiden, fie weiten im ein fchenk thiin. Vlenfpiegel fngte: “ia, kmmnen all zu fan ich in ein wifen, das euwcr ycder das von mir lloren kan.” Sie kamen all ziifainen vf ein weiten plon, vnd Vlenfpiegel fteig vf ein 1ms vnd labe zu dem fenfter vfz, vnd fpracb: “erbern menncr des handwerks der fcbneider! Ir folien merken vnd verfton, wann ir haben ein fcbcr, eien vnd faden vnd ein lingerlmt, darzu ein nadel, fo haben ir geziigs genug zii euwercm bandwerk, das ift euch kein knnft zu vberkummen, funder es fchiekt ficli felber, folien ir euwer bandwerk braueben werden. Aber dil'e knnft haben von mir vnd gedenken mein darbei, wann ir die mullen gefadmet haben, fo vcrgeflen das nicht, das ir an das ander end machen ein knöpf, oder ir flechen manchen flieh vinbfunft. Dan bet der faden kein vrl'ach, das er vfz der mullen wiifebet.” Ein fcbneider fach den andern an, vnd fpracb en zu einander: cc dife knnft wiffen wir all vor wol vnd alle die lag, die er vns gefagt bet,” vnd fragten in, ob er ouch etwas meer zeitigen bet, dan der fanlafy wollen fie nit X oder XII liiilen naebgezogen haben, vnd zii einander boten gefcbickt hon; dil'e kuuft haben die fcbneider lang wol gewiffet, mee dan vor du Cent iaren. Darvf antwortet inen Vlenfpiegel vnd fpracb : cc was vor dufent iaren gelblichen ift, da wer niemans, der das ingedenk wer. Ouch lagt er, wer es inen nil zu willen .-vnd zii dank, das fie das dan nenien vor vnwillen, vnd haben keinen dank darzu, vnd meng- licli wider ging, da er harkummen wer. Da wurden die fcbneider ganz liés vf in, die weit bar klimmen waren, vnd weren gern by im geweft, aber fie kirnten nit zu im kummeu. Allo giengen die fcbneider wider von einander, ein teil w'aren zornig vnd vnd waren ganz vnwillig, das fie alio den verrón weg vinbfunft gegangen, vnd beten nit me dan müde bein geholt, vnd die ginne die mil hus da wonten, die lachten vnd fpotteii der andern, das fie lieb fo betten lofzen elfen, vnd fprachen, das wer ir felbl't fclmlt, warum fie den lantdoren vnd Die LI. histori. 75 narren lietten geglaubt vnd gefolgt, dan fie lang wol gewiffel hotten, was Vlenfpiegel für ein fogel wer gewefen. Die LI. histori fegt, wie Vlenfpiegel wollen felihig vf einen heiligen tag, darumb das der dflchmacher im daz verboten bet, daz er kein montag fyren folt. Als Vlenfpiegel gen Stendel kam, da tliet er lieh vor ein wiillenweher vs. Vnd was vf ein fontag, da fagt der wüllen- weher zu im: "liber knap, ir geloben halten gern lyer am montag, vnd welcher daz pllegt gern zu tliiin, den hab ich nit gern in meiner arbeit, er mfifz die wftchen vs arbeiten. Vlenfpiegel fagt: "ia, meifler, daz ift mir wol allerliebft.” Da ftund Vlen- fpiegel des morgens vf, vnd fcldug wollen, vnd des dienftags desgleichen vnd daz bekam dem wüllenweher fait wol. So was am mitwoch eins apolléis tag, daz fie feiren miiften, vnd Vlenfpiegel thct wie er von dem heiligen tag nit wüft vnd ltond des morgens vf, vnd begund zu fclmieren, vnd fchlfl wollen, das man über die ganze ftral'z hört. Der wfdlenweber wifclict von ftund von dem bet vnd fagt zu im: "hör vf, hör vf, es ift ein heiliger tag, wir million die lenge nil arbeiten.” Vlenfpiegel fagt: "lieber meifter, ir verkuntcu doch mir am fontag kain heiligen tag, funder ir fugten, ich folt die ganz woch vfz werken.” Der wAllcnweber fagt: "lieber kuecht, das meint ich nit alfo, funder hör vf vnd fcblag nit mer. Was du den tag kun- deft verdienen, das will ich dir glich wol geben.” Vlenfpiegel war deffen zfilricden vnd liert den tag, vnd hielt des abends collation mit feinem meifter. Da fpraeh der wüllenweiter zft im, das im wol geling die wol zu fchlagen, funder er müfl fie wol ein wenig höher fchlagen. Vlenfpiegel fagt: "ia”, vnd ftond des morgens frü vf vnd fpand den bogen oben an dy latten vnd fetzet daran ein leiter, da fteige er hinulfen vnd machet, das die röt naclniolgen kund, bis auf die hurt vnd holt dann die woll von der hurt, die Mud vf der erden, biz an die biine, vnd fcldug die wob, das fie viter das bus Mb. Der wfdlenweber lag an dem bet vnd hört an dem fcblag wol, das er im nit M 76 Von Vlenfpiegel. redit thet, vnd l'tond vf vnd fach in an. Vlenfpiegel fprach: “meifter wie diinkt volt, ift das hoch genüg?” Der meifter fprach zü im : “irmven, ftündeftn vf dem dach, fo werftu noch höher, da du all'o wolteft die woll fchlagen, fo lieftu fie wol vf dem dach fitzen gefchlagen, als du hie vf der leitreu fteheft.” Vnd get damit vs dem luis in die kirehen. Vnd Vlenfpiegel wart vf die red, vnd nimpt den bogen vnd fügt vf das dach, vnd fchlegt die wol vf dem dach. Des ward der meifter vffen vf der gaffen gewar vnd kumpt bald loufen vnd fprach : “ was tii- fcls machftn? hör uf. Pllegt man die wol vf dem dach zu fchlagen?” Vlenfpiegel lagt: “was lagen ir nun, ir fprachen doch, es wer heller vf dem dach, dan vf der leitern, wan daz wer noch höher, dan die balkcn.” Der wüllenweher fprach: “wiltu wollen fchlalicn, fo fehlagfz, wiltu narry treiben, fo trebs 1 ), ftyg von dem dach, vnd fchcifz hy die hurt.” Mit dem fo gat der wüllenweher in das 1ms, vnd gieng in den hof vnd Vlen- l'piegcl fteig enlichen von dein dach, vnd gat in das 1ms zfi der l'tuhen fitzen vnd fchcifz dar ein grofzen hüfen drecks in die hurt. Der wüllenweher kam vs dem hof vnd fach , das er hei der l'tuhen fchcifz vnd fagt: “das dich nimmer güts angón niiil'z, du tliül't als die fchelk alle pllogen zü lliün.” Vlenfpiegel fprach: “meifter, ich thü anders nit, dan ir mich gcheiffen haben. Ir fagten, ich folt da von dem dach fleigen , vnd fcheiffen hy die hurt. Waruml) zürnen ir darum? ich thü als ir mich heiffen.” Der wüllenweher fprach: “du ft mir wol vf den köpf vn- gcheifzen, nim den dreck vnd drag in an ein ort, da in nimanfz haben wil.” Vlenfpiegel fagt ia vnd nimpt den dreck vf einen llein, vnd dreit vnd treg 2 ) in in die fpeiskammer. Da fagt der weher: “lafzi darns 3 ), ich wel in nit darin haben.” Vlenfpiegel lagt: “das weifz ich wol, das ir in da in nit haben wollen, vnd niemanz wil in da haben, noch thü ich, als ir mich heifzen.” Der wüllenweher ward zornig, vnd lief zü dein ftal vnd wolt Vlenlpiegeln mit dem fchyt zü dem köpf werfen. Da gieng Vlenfpiegel zü der diire zü dem lins vs vnd lagt: “kan ich dan niergen dank verdinen?” Der wüllenweher wolt daz holz cn- I. Lies: trcihs. 2. vnd treg ist überflüssig. 3. So für: clafz. Die LU. histori. 77 lieh ergreifen, vnd befudelt die finger allzümal, da liefz er den dreck fallen, vnd lief zü dem brunnen vnd wüfeh die bend wider. Die weil get Vlenfpiegel hinweg. Die LII. histori tagt, wie Vlenfpiegel lieh zu einem kürfzner verdinkt, vnd im in die Huben fcheifz, vf daz ein geflank den anderen vertreiben l'olt. Eins mais kam Vlenfpiegel gen Af eher lene, vnd was winters not vnd deurc zeit, vnd gedacht er, was wiltu nun an- folien, das du vfz dem winter vnd der deiiren zeit kummeft? Da was niemans, der eins kncclits bedürft, funder da wont ein kiirsner, der woll ein kneelit annemen, wan einer kem von feinem bantwerk wanderen. Da gedacht Vlenfpiegel: was wiltu thim? es ift winter vnd darzft dewer, du müft lyden was du kauft *) vnd lydeft die winlerzcit vlier vfz. Vnd verdingt fich dem kursner für ein kneelit. Als er nun vf die werkftat gieng fitzen, vnd wolt heiz liegen, da waz er des gcfcli macks nit gewollt, vnd lagt: “pfi, pli, biftu fo weil'z als kreiden, vnd fdn- keft fo vbcl als dreck.” Der kürfzner fagt: “reuchftu das nit gern vnd gell dar fitzen? Das efz Hinkt, das ift natürlich vnd ift von der wollen, daz das fcliaf het vf der rechten fyten.” Vlenfpiegel fchweig vnd gedacht: ein bós plligt das ander zü verdreiben, vnd liefz fo ein furen furz, das der meifter mit feiner frawen müften die nafen zü halten. Vnd der kürfzner fprach: cc was machftu? wiltu vbel Hirz lallen, fo gang vs der Hüben in den hof, vnd fyft fo vil du wilt.” Vlenfpiegel fprach: cc daz ift einem menfehen vil natürlicher zü gefuntheit, dan von geftank von fchaffellen.” Der kiirsner fprach : cc das fy gefunt oder vngelünt, wiltu farzen, fo gang in den hof.” Vlenfpiegel fagt: “meifter, es ift verloren, alle furz wollen nit gern in der keile fein, den fie feind alle zeit in der wörme. Vnd des zü vrfachen , laffent einen furz, er gat vch bald wider in dy nafe, vfz der wörme, da er vns kummen ift.” Der kürfzner fchweig, er vernam wol, das er mit einer fchalkeit beladen was, vnd ge- 1. Vergl. Histori XI. íÍfi^íjTíífflMiW!,. ' I' u li! 78 Von Vlenfpiegel. dacht er wolt den nit lang brauchen. Vlenfpiegel fafz íürter.an vnd negt, vnd flirter forfeit, vnd warf viz vnd liüftet das liar vs dem niund. Der kitrfzner fafz vnd liúftcl daz har vfz dem ninnd. Der kürfzner fafz') vnd falle in an, vnd fcliwig bis des aliens das fie gel'fcn betten, da fpracli der meifter zü im: “beber knecht, ich filie wol das du bei difem bantwerk nit gern bift, ich las mich dünken, du feieft kein rechter kürfzner kueclit, das merk ich an deinen geberden, oder du muH nit lang dabei gewefen fein, wan du bift des Werks nit gewollt. ITetteftu dar- bei nit mec dan fler tag gefchlafen, fo rimpftu auch dich nit alfo vnd frageft oucli nüt darnach, fo wer dir das auch nit wider. Darum!), mein lieber knecht, lüftet dich nit hie zu bleiben, fo niagftu morgen gon da dein pfert îlot.” Vlcnfpiegel fagt : “lieber meifter, ir lagen als war, ich bin daby nit lang gewefen; wan ir mir nun wollen gelltaten, das ich NIL neclit by dem werk fehlief, das ich des gewont'), vnd dan feilen ir, wie das ich tlifln mögte.” Des was der kürfzner zflfriden vnd kunt ouch wol liegen. Die LIII. histori fagt, wie Vlenfpiegel einem kürfzner in den beizen lclilief, drucken vnd nalz, als in der kürfzner geheilten bet. Der kürfzner ging frolich mit feiner husfrawen zü bet. Vlenfpiegel nam die bereiten feil, die vf den ricken hingen vnd nimpt die drucken feil, vnd die gclidert waren, vnd die naffeii, vnd treit die züfanimen vf die biine, vnd krüclit mitten darein, vnd fchlief hiz an den morgen. Da ftflndt der meifter vf, vnd fahe das die feil von dem ricken hinweg waren, vnd lief empfick vf die biine, vnd wolt Vlenfpiegel fragen, ob er nüt von den feilen wiifzt? Da fand er Vlenfpiegels nit, vnd fahe das die beiz drucken vnd nafz bei ein lagen vf der biine in einem grofzen hufen, einer durch den andern her. Da wart er griifz- licli bekümmert, vnd ruft mit weinender ftim der niagt vnd der frawen, vnd von dem rftfen erwacht Vlenfpiegel, vnd wifchet vf 1. Die Worte: vnd huftet bis falz sind i rrt h ü m 1 i ch e Wiederholt 1 u n g. 2. F e It 11 : werde. Dic UIII. histori. 79 vs den beizen vnd fpracli : “lieber nieiftcr, was ift vch, das ir fo heftig rüfen ? Der kürfzner verwundert, lieh vnd wiil'zt nit waz in dem bufen fell vnd beiz waz, vnd fpracli: cc wa biftu ? 33 Vlcn- fpiegcl lagt: "hiein bin ich . 33 Der meifter Tagt: "y, das dich minier glück beftc, liaftu mir die beiz von den ricken genommen, die drucken fei, vnd die naffen vs dem kalk, vnd hie zfi- famen gelegt, vnd verderbefl mir daz ein mit dem andern, waz ift daz für ein fantafy ? 33 Vlenlpiegel fpracli: “wie, meifter, werden ir darumb bös, vud bin nit me dan ein nacht dar in gelegen, fo werden ir vil böfer wan ich die IIII nacht darin fclilief, als ir gen nacht Tagten, das ich des werks nit gewollt wer / 3 Der kürlchncr Tagt: “du lügft als ein böfer l'chalk, ich liai» dich nit geheifzen, daz du mir die bereiten beiz folteft vf die biine tragen, vnd die naffen feil vfz der beifzen, vnd die zufainmen legen, vnd darin fcblaleii'” vnd fücht einen knütel vud wolt in fchlagcn. Die weil gieng Vlcnfpiegel von der ftegen, vnd wolt zu der düren vfz loufen. Da luinipt die fraw vnd die magt für die ftegen, vnd wolten in halten. Da riift er heftiglichen : “lafzen mich gon nach dein artzet, mein meifter het ein bein entzwei gefallen . 33 Alfo liefzen fie in gon vnd liefen die ftegen vf, vnd der meifter kam die ftegen ab vnd lief Vlenfpiegeln heftiglichen nach vnd fleucht, feit die fraw vnd magt nider, das fie alle drew bey einander lagen. Alfo lief Vlenfpiegel zü der düren vs, vnd liefz fie im bus bei einander. Die Lim. histori lagt, wie VIenfpicgcl zu Berlin macht einem kürfzner wölf für wolfs beiz. Grofz liftig lent feint die Schwaben, vnd wa die des eviten hinkummen vmb narung vnd die nit finden, da verdirbt ein anderer gar. Doch feind ir etlich oucli meer genaigt vf den bierkrug, vnd vf das faulen, dan vf ir arbeit, deshalban ir werk- ftat oft wüft ligen. Vf ein zeit wont ein kürfzner zü Berlin, der waz vs Schwaben geboren, vnd was feins ambis feer kunft- recli, vnd auch güter anfchleg, vnd waz ouch reich, vnd hielt ein güte werkftat, dan er mit feiner arbeit an im het den für- 80 Von Vlenfpiegel. ften des lands, die reiterfchaft, vil gütcr lent vnd burger. Alfo begab ficli das die fiirften 1 ) des lands einen grollen hof mit rennen vnd ftecben des winters halten wolten, dar/fl er feine reiterfchaft vnd andere lierren befcbreib. Als dan keiner der binderft fein wil, wurden zü der zeit vil wolfsbelz bei dem vor- gemelten kiirsner zü machen befielt, das ward Vlenfpiegel ge- war vnd kam zü dem meifter vnd bat in vnd) arbeit. Der mei- fter der vf die zeit gefinds bedorlt, was feiner zükunlt frow, vnd fragt in, ob er ouch wol wölf machen kund? Vlenfpiegel fagt ia, das 2 ) wer er nit der minft in Sachfenland bekant. Der kiirsner fagt: “lieber knecht, du kunnneft mir eben recht, kmn her, des Ions wollen wir vns wol vertragen.” Vlenfpiegel fagt: “ia, meifter, ich fehe vcb wol fo redlich, ir wóllen felbs bekennen wan ir mein arbeit leben. Ich arbeit oucli nit bei den andern gefellen, ich müfz allein fein, fo kan ich mein arbeit nach willen vnd vngerirt 3 ) machen. Demnach gab er im ein l'tüblcin yn, vnd legt im für vil wolfsliiil, die gelieret vnd zü beizen bereit waren vnd gab im die mafz von ¡etlichen beizen, grofz oder klein. Alfo begund Vlenfpiegel die wolfsfeil anzegön vnd fchneid zü, vnd macht vs allen den feilen yteil 4 ) wölf, vnd füllet die mit haw, vnd macht yn bein von flecken, als ob fie lebten. Da der nun die feil all verfchnitteu bet vnd die wölf vs- gemacht bet, fprach er: “meifter, die wölf feind bereit. Ift ouch etwaz meer zu lliün?” Der meifter fprach: “ia, mein fun, lieg fic als vil du daz ymmer tbün kauft.” Mit dem gieng er vffen in die ftub, da lagen die wölf vf der erden, klein vnd grofz, die iahe der meifter an vnd fagt: “ivas fol das fein? das dich der ril fchit! waz haftu mir grofzes fcbadens gethon, ich wil dich fallen vnd ftrafen lafzcn.” Vlenfpiegel fagt: meifter, ift daz mein Ion vnd dank? ich hab das nach üiveren eigenen Worten gemacht. Ir hiefzen doch mich wölf machen, hetten ir gefagt, mach mir wölfbeiz, das bet ich ouch gethon. Vnd bet ich das geivüfzt, das ich nit meer danks folt verdinet haben, ich wolt fo groffen ileifz nit gebracht haben.” Alfo fchied Vlenfpiegel von Berlin hinweg vnd liefz niergen güten gerüf hinder im, vnd zoch gen Lypzigk. l.Lies: der iïirfte. 2. Lies: des. 3. Lies: vngeirrt. 4. Lies: ytel. Die LV. histori. 81 Die LV. histori lagt, wie Ylenl'piegel zü Lypzigk den kilrsnercn ein lebendigen kalz, negl in ein hal'enfell in einem lack, für ein lebendigen halen verkonft. Schnei kund VIcnTpiegel einer gflten fchalkheit geraten, als er wol beweifz zü Lypzigk den kürsneren an der faftnachl nhent, als fie ir gelagt oder iirlin züfanimen hielten. Da hegah lieh, daz fie gern wilpred hetten geliebt. Das vernain Vlen- fpiegel vnd gedacht in feinem mftt: “der ktirfzner zu Berlin het dir nül für dein arheit gehen, daz folien dir dife kürsner bezalen.” Alfo gieng er in fein herberg, da het fein wirt ein Ichonc feilte katz vnd dyfelhe nam Vlenfpiegel vnder feinem rock, vnd hat den koch vinh ein liafen feil, er wölt damit ein hupfche hiihery vfrichten. Der koch gab im ein hafen feil, darin liegt er die kalz, vnd thet huren kleider an, vnd ftund für das ratlins, vnd hielt fein wilpred vnder der iuppen verborgen, fo lang das der kürsner einer da har kumpt loufen. Den fragt Vlcnlpiegel, oh er ein gflten hafen koufen wolt? vnd liefz in den vnder der iuppen feilen. Da kamen fie zflfamen, das er im 1III filher grofehen für den hafen gab, vnd VI pfenning für den alten fack, da der has in Hak. Den drflg der kiirfzner in ires zunft- meiflers hufz, da fie al hei einander waren mit grofzem gefchrei vnd frólichkeit, vnd fagt, wie er den fchonften lehendigen hafen kouft heb, den er in einem iar gefehen het; den fie allvmbher nach einander betalten. Als fie nun den in der faftnacht haben wollen, fo liefzen fie den hafen lebendig loufen, in einen be- fchloffen grasgarten vnd holten iagbund ‘), vnd wolten alfo kurz- weil mit dem hafen geieg 2 ) haben. Als nun die kürsner zflfam- men körnen, liefzen fie den hafen loufen, vnd die hund dem hafen nach. Als nun der has nit enlich loufen kund, fprang er vf die bäum, vnd rflft mawaw vnd wer gern wider zfl bus ge- weft. Da nun die kürsner das fallen, rulten líe heftig: “ir gflten ftalhrüder, kumen, kumen, der vns mit der katzen geefft I. Lies: iagdhund. 2. Lies: geiegcdc. 6 82 Von Vlenfpiegel. lid, fchlagen in dot!” Es blybt wol darbei, aber Vlenfpiegel bet feine kleider vsgezogen vnd ficli verändert, daz fie in nit kanten. Die LVI. histori lagt, wie Vlenfpiegel einem ledergerwer leder fut, mit ftülen vnd mit benken, zu Brunfchvvig vf dem damme. Indem alfo Vlenfpiegel von Lypzig reifte, kam er gen Brunfchwig zft einem gerwer, der das leder gerbte den fcliflb- machern. Vnd es was winterzeit, da gedacht er: du folt dich mit difem gerber diffen winter recht lvden. Vnd verdink ficli zft dein gerwer für einen luiecht. Alfo uun er bei dem gerwer VIII tag geweden was, da fchiek es ficli, das der gerwer wolt zrt galt efl'en, vnd vf den tag folt Vlenfpiegel leder gar machen. Fla fagt der gerwer zft Vlenfpiegeln: “mach du den znber vol Inders gar.” Vlenfpiegel fprach : “ia, waz fol ich für holz darzfl nenien?” Der gerwer fprach: “was ift des fragens not? Wan ich kein holz vf den holzlmfern hett, fo hott ich noch wol fo vil fttil vnd henk damit, du daz leder gar niacheft.” Vlenfpiegel fagt ia, es wer gut. Der genver gieng zft gaft. V' " ' gel der hing vber ein keffel vnd fleckt das leder darein, ein haut nach der andern, vnd fond das leder als gar, daz man daz mit den fingern entzwei greif. Alfo nun Vlenfpiegel das leder gar fond, da zerhiiw er ftid vnd henk enzwei, alle die in dem 1ms waren, vnd fteckt die vnder den keffel, vnd fond das leder noch has, vnd da das gcfchehen was, fo thftt er das leder vs dem keffel, vnd legt daz an ein liufen vnd get vs dem lins vor die ftat, vnd wandert hinweg. Der gerwer bietet ficli niergen für vnd trank den tag, vnd gieng des abents vol zft bet. Des morgens verlangt in, wie fein kriecht das leder gemacht het, vnd ftund vf vnd gieng in das gerwhus, vnd fand das leder alfo gar gefotlen, vnd fand weder henk noch füll iin hus noch hof, vnd ward ganz miströflig, vnd gieng in die kannner zft feiner frawen vnd fprach: “fraw, hie ift vbel zft gefehen. Ich liabs darfür, daz vnfer neu- wer knecht fei Vlenfpiegel gewefen, wan er pflegt alles das zft thftn als man in heifzet. Er ift hinweg, vnd het all vnfer ftill Die LVII. bistori. 83 vnd benk in das liier gehawen, vnd liet das leder dannit allzü gar gefotten.” Die frawe ward weinen, vnd fprach: "folgen im heftigliclien noch, vnd fchnel, vnd holen in wider.” Der gerwer Tagt: "nein, ich beger Tein nit wider, er bleyh nur vs, bis ich nach im fchick.” Die LVII. histori fagt, wie Vlenfpiegel dem weinzepfer zu Lübeck betrog, als er im ein kanten waller für ein kanten wein gab. Clüglichen fach fich Vlenfpiegel für, als er gen L4heck kam, vnd heilt fich gehnrlich, das er da nieman kein btlbery thet, wan es ift zfl Lübeck ein ganz fcharpf recht. So waz zft der zeit zft Lübeck ein weinzepfer in des rats keller, das der 1 ) ein feer hochmütig vnd ftolz man. Vnd liefz fich dünken, das nieman fo wifz wer als er, vnd dorft das felber ottch wol Lagen vnd fagen laffen, daz yn wol lüftet ein man anzufehen, der in betriegcn folt vnd yn in feiner gliickheit 2 ) bedoren: vnd darnmb wurden vil burger im gram. Alfo nun Vlenfpiegel difen vbcr- müt des weinzepfers hört, kunt er den fclialk nit lenger verbergen, vnd gedacht: das mflftu verfüchen was er kan. Vnd nam zwo kanten, die waren bcid gleich gemacht, vnd nimpt in ein kanten waller, vnd lat dy ander kanten leer, die drug er vnder dem rock verborgen, da das waffer in was, vnd die ledig- kanten trüg er offenbar. Vnd get mit den kanten in den Weinkeller, vnd lal't einmeffen ein ftouf weins vnd tliut die leant mit dem wein vnder den rock, vnd zeucht die wafferkant harfür vnd fatzt fie in das brenklyn vor zapfen, das es der weinzepfer nit Iahe, vnd l'prach: “weinzepfer, was gilt der ftouf weins?” Der weinzepfer fagt: "X pfenning.” Vlenfpiegel fagt: 3C der wein ift zü dcuer, ich hah nit dan VI pfenning. Mag ich in darfür haben?” Der weinzepfer ward zornig vnd fprach: "wiltu meinen herren den wein fchetzen? daz ift hie ein gefalzter kouf, wen das nit gltift, der lafz den wein in der bereu keller.” Vlenfpiegel fprach : " das würd ich wol leren, ich hah die VI pfen- ]. Lies: wer. 2. Lies: klugheit. 84 Vun Vlenfpiegel. íiing, wollen ir die nit, Ib giefzcn den wein wider vs.” Da nimpt der weinzepfer die kanten vor bosheit, vnd meint, das wer der wein vnd es was das wader, vnd geufzet das oben zü dem piloten loch 1 ) wider in, vnd Iprach: "was hiftn für ein dor, lafeftu dir wein mellen, vnd magft den nit bezalen?” Vlenfpiegel nimpt die kaut, vnd gieng hinweg vnd l'prach : " ich lieh wol, das du ein dor bil't, es ift nieman 1b weys, er wiirt von doren betrogen, vnd wan er 1'clion ein weinzepfer wer.” Vnd gieng darmit hinweg, vnd trüg die kanten mit dem wein vnder dem mantel, vnd dy ledig kanten, da daz waffer in waz, Irftg er olfenhar. Die LVIII. histori lagt, wie man Vlenfpiegel zü Lübeck henken woll, da er mit liebender felialkliciI. dar von kam. Lamprecht der weinzepfer achtet der wort als Vlenfpiegel fagt, da er vs dem keller gieng, vnd get hin vnd vberkumpt ein boten, vnd loufl Vlenfpiegel nach, vnd vberkumpt in vf der flrafzen. Der hiittel greif in an, vnd da funden fie zwei kanten hei im, die ledig kant vnd die kaut, darin der wein was. Da Iprach en fie in an für ein diep vnd furten yn in die ge- fenknifz. Allo ward von etlichen ein vrteil gehen, er bah den galgón darumb verdient, vnd etliche fprachen, des wer nit mer dan ein fubtilig liiiherv, vnd die meinten der weinzepfer folt vf ge- fclien haben, als er dan l'pricht, das in niemans helrigen kunl, vnd daz hat Vlenfpiegel gelhon , vmb feiner grofzen vermeffen- lieit willen. Aber die Vlenfpiegeln gram waren, die Ipraehen, das wer dieberey, er midi darumb bangen. Allo daz vber in daz vrteil ward geben, der dot des galgens. Als nun der ge- richt stag kam, daz inan Vlenfpiegeln vsfiren foil vnd folt in henken, daz was ein gorühel vber der ganz ftat, das iederman zü rofz vnd füfz vf waz, alfo daz dem rat von Lübeck leid waz, daz er in abgedrungen würd vnd verfebüffen, daz er nil gehangen würd. Etliche wollen feilen, wie er fein end wolt nenien nachdem er ein abentitrlich menfcli waz gevvefen. Etlicb mein- 1. Kruffter: puntloch. Erfurt: fpunllocli. Dic LVIll. liisturi. 85 ten, er kunt mit der fehwarzen kunlt, vnd duz er fiel] damit ledigen würd, vnd daz mererteil gunten im, daz er ledig wiird. Vnd in der vsfürung waz Vleufpiegel ganz ftil, vnd fpracli nil ein wort, fo daz lieh iederman fein verwundert vnd meinten, er wer verzweifelt. Daz wert biz an den galgen , da tliet er den nnind vf vnd lieift den ganzen rat zu im vnd bat in gar demii- tigliehcn, daz fie im wollen ein bet geweren, er wolt fie weder vinb lyb noch leben bitten, oder viub gell oder gut, funder el- waz gftts nach zetbun, noch ewige mefz, noch ewig Ipenden, noch ewige gedechtnifz, funder ein ringe lach, das ou Cebaden wol zû tliuu ftunt, vnd daz der erlich rat von Lübeck leiclitig lliun kunt, 011 eins pfenning koften. Der’j rad perlbnen l'tun- den züfammen, vnd giengen darum!) vber die fytten zfi rat vnd wurden des zflfriden, daz fie ipi fein bet w ölten folgen nachdem er vorvs gedinkt bet, darumb er nit biLten wolt. Vnd ir waren etwan mancher die verlangt feer, was er bitten wolt, vnd fpraehen zu im, was er gebeten bet, das foil gefchehen, fo 1er das er nit bitten wolt vs den artikeln als er vor crzelt bet. Wolt er das a llb haben, fo wollen fie im fein bet geweren. Vleufpiegel fpracli: cc die artikel, die ich vor gezelt hab, wil ich vch nit bitten, funder wollen ir mir das halten, darumb ich vch bit, fo thftnd mir henil da vf.” Das Hielen fie all zft mal, vnd gcloptcn im das mit band vnd mit inund. Da fpracli Vlenfpic- gel: “ir erlichen bereu von Lübeck, fo ir mir gelopt haben, fo bit ich vch dariimb, vnd ift mein bet, wan ich nun gehangen bin, das dan der weinzepfer wól klimmen alle morgen 111 tag- lang, der fclienk zft dein erften, der greyhen fchinder darnach, vnd mich kilffen mit dem mund nüchteren in den ars.” Da fpüwten fie vs vnd fpraehen: “das wer nit ein zimlich bet.” Vleufpiegel fpracli: “ich halt den erlichen rad zft Lübeck fo redlich, er wöll mir halten das er mir zftgefagt hat, mit hand vnd mit mund.” Sie giengen all darüber zu rat, fo das mit gunfl vnd anderen zftlallenden fachen ward befchloffen, daz fie in beizen gen. Alfo reifte Vleufpiegel von dannen gen Uelm- ftet, vnd man fall in nil me zft Lübeck. I. Lies: Die. 1 86 Vnn Vlnnfpipgpl. Die LIX. histori lagt, wie Vleufpiegel zü Helmftet ein grofze defche machen liefz. Mit einer deichen richtet Vleufpiegel aber ein fchalkheit zu. Pan zü Helmftet da wont ein defchenmacher, zii dem kam Vlenfpiegel vnd fprach: ob er im wolt ein grofze hiibfche deichen machen? Der defchenmacher fprach: “ia, wie grofz fol fie fein?“ Vlenfpiegel fagt, das er fie grofz genug mecht, dan es waz zü der zeit, das man grofz defchen trüg, die waren breit vnd weit. Der defchenmacher macht Vlenfpiegeln ein grofze defche. Als er darnach kam, vnd befacli die defch, da fprach er: “die defch ift nit grofz genüg, das ift ein defchlyn, macht mir ein defch, die grofz genug, fei, ich wil fie vch wol gnüg bc- zalen.” Der defchenmacher macht im ein deichen von einer ganzen kiiwhaut, vnd macht líe fo grofz, das man wol ein ierig kalb daryn hei gcthon, das ein man daran zü heben het. Da mm Vlenfpiegel darzu kam, da geliel im die defch aber nit vnd fprach die defch wer nit grofz genüg. Welt er im ein defchen machen, das er im ein medite, die grofz genüg wer, er wolt im zwen gfildin daruf gehen. Der defchenmacher der nam die zwen gülden, vnd macht im ein defch, darzü nam er dry och- lenheut, das da ir dry genüg helten vf einer heren zetragen, vnd einer het wol ein fchüffel korns darin gefchiittet. Da Vlenfpiegel dar zü kam, da fprach er: “meifter, difze defch ift grofz gnüg, aber die grofze defch, die ich meint, das ift difze defch nit; ich wil ir ouch nit, fy ift noch zü klein. Wan ir mir wol- tcn machen die grofze defch, darin ich möclit einen pfenning vsnemen vnd das ftettigs zwen dar in blibin, fo das ich nimer on gelt wer, vnd nimmer luint an boden greifen, die wolt ich vch dan abkoufen vnd bezalen. Difze defche, die ir mir gemacht haben, das feint die ledige defche, die feind mir nil nütz, ich mufz vil defchen haben, ich kirnt anders zü den lenten nit kummen. Vnd gieng hin, vnd liefz im fein defchen, vnd fprach: cr ha ft ii güten kouf, den magftn behalten," vnd liefz im die zwen gülden, vnd er het wol für X gülden ledder verfchnilten. Die LX. vnd LXI. histori. 87 Die LX. histori fagi, wie VlenJ'piegel die metziger zu Erlford vnih ein braten betrog. Vlenf])iegel kunt fein l'chalkheit nil lafzen, als er gen Erlford kam, wan er ward in kurzem bekant von bürgeren vnd ftudenlcn. Er gieng eins by die metzige, da daz lleileb feil waz. Da fprach ein metziger zü im, daz er etwaz koufen foil, daz er mit im zu bus trüg. Vlenfpiegel lagt zfi im: “was fol ich mit mir nenien? 5 '’ Der metziger fpracb: “einen braten . 55 Vlenlpiegel lagt ia, vnd niinpt den braten bei dem end , vnd gieng dar mit dahin. Der metziger lief im nach vnd fagl zu im: “nein, nit alfo, du müll den braten bczalen . 55 Vlenlpiegel fprach: “von der bezalung haben ir mir nil gelagl, funder ir tagten, ob ich nit etwas wolt mit mir nenien . 55 Vnd het in ge- wifen vf den braten, das er den mit im nenien folt zu bus, daz wolt er beweifen mit feinen nachhuren, die dar bei Milden. Die andern metziger kamen darzü vnd fprachen vfz has : ia, es wer war. Die andern waren im gram, darumb dan wen imans kam zü den andern metzigern vnd wolt etwas koufen, fo rief er den leuten zû im, vnd züg inen die ab, darumb ftiften fie darzü, das Vlenlpiegel den braten behielt. Die weil der metziger alfo zankt, nam Vlenlpiegel den braten vnder den rock, vnd gieng darmit hinweg, vnd lies lie ficli darüber vertragen, fo belt fie limiten. Die LXI. histori fagl, wie Vlenfpiegel zü Erdfurl ein niclziger noch vmb ein braten betrog. Vber acht tag kam Vlenlpiegel wider vnder die fleifchbcuk. Da fpracb der felbig metziger Vleufpiegeln wider an mit l'pei- worten : “kum wider her vnd bol einen braten . 55 Vlenfpiegel lagt ia, vnd wolt nach dem braten dafebten, da was der metziger endlich, vnd nam den braten zü im. Vlenfpiegel fpracb: “beiten, lafzen den braten ligen, ich wil in bezalen. 55 . Der metziger leit den braten wider vf den bank. Da fpracb Vien- 88 Von Vlenfpiegcl. I'piegel wider zfi im: cc ift es das ich dir ein wort lag, das dir zfi gutem klimmen wärt, fol dan der braten mein fein?” Öer metziger lagt: "ia, du möchft mir foliche wort lagen, die mir nit nutz weren, aber du möchft oucli wort Pagen, die mir wol keinen, vud wolteft den braten hinweg nenien.” Vien I'piegel fpracli : ic icb wil den braten nit anriiren, mein wort Pollen dir fchmechen,” vnd fpracli Piirter: “ich fpracli difz: woluf her beu- tel vnd bezal die lent. Wie gefeit dir das? fclnneckt dir das nit?” Da fagt der metziger: “die wort gefallen mir wol, daruinb fclnnecken Pie mich wol an.” Da fpracli Vlcnfpiegel zü den, die vnibher ftunden : “lieben frUnd, das horten ir wol, Po ift der brat mein.” Allo nam Vlenlpiegel den braten vnd gieng damit hinweg, vnd fagt zü dem metziger mit fpott: “nun habe ich aber ein braten geholt, als du mich anfprachft.” Der melzi- ger ftunt vnd wüfzt nit was er dar vf antworten foil, vnd das er zwüret genart was, vnd iiberkam den fpott zu dein fcliaden von feinen naebburen, die bei in ftunden, die fein dazu lachten. Die LXII. histori fagt, wie Vlenfpiegcl zu ü reiz en ein febreinerkneeht ward, vnd nit vil danks verdient. Bald hub lieh Vlenlpiegel vs dem land zü Helfen 1 ) gen D reiz en vor den Bo hem er wähl an der Elbe vnd gab Pich vs für einen fcbreiiierknecbt. Den nam ein fchreiner an, der bet gefellen zü noturft, dan fein gefellen betten vsgedient vnd waren gewandert. Nun ward ein hochzeit in der ftadt, da was der fchreiner vf geladen. Da fpracli der febreiener zü Vleu- fpiegel: “lieber luiecht, ich inüfz zfl der hochzeit gon, vnd wiird bei tag nit wider kunnnen. Tbfl wol, vnd arbeit llyfzig, vnd bring die lier breiter vf das kontor vf das genaweft züfammen in den lyni.” Vlenfpiegcl fpracli: “ia. Weliche breiter gehören züfammen?” Der meifter leit im die vf einander, die zfifam- men gehörten, vnd gieng mit feiner husfrawen zu der hochzeit. Vlenlpiegel, der lrum kneebt, der lieh allzeit mer llyl'z fein ar- 1. In anderen Ausgaben heisst es richtiger anstatt Hessen: Thüringen. Dic LXIII. histori. 89 beit widerwertig zü tln'ín dan recht, fing an vnd durchhoret die köftlichen fchönen kranfen di ich oder kontor hrctter, die im fein meifler vf einander gelegt bet, an dry oder tier enden, vnd fclilüg lie in bretlöcher vnd verkydelt die zflfamnien, vnd foud da leim in einem grofzen keliel, vnd (Leckt, die breiter darein, vnd drüg die oben in daz lins, vnd ftiefz die oben zft dem limiter vs, das der leim an der Tonnen drucken folt werden, vnd macht zeitlich feierabent. Des abents kam fein meifter von der liochzeit, vnd bet wol gednmken, vnd fragt Vlenfpiegel: “waz er den tag gearbeitet bet? Vlenfpiegel fagt: “lieber meifter, ich bah die IUI difehbretter vf daz gnaweft züfammen in den leim bracht, vnd by güter zeit fyerabent gemacht.” Das gefiel dem meifter wol vnd fagt zfi feiner frawen: "das ift mir ein rechter kneclit, dem tlifi gütlich, den wil ich lang behalten;” vnd gien- gen damit zü bet. Aber des morgens, da der meifter vfftflnd, liiefz er Vlenfpiegeln den difcli bringen, den er bereit vnd gemacht het. Allo kam Vlenfpiegel mit feiner arbeit von der liiine ziehen. Als nun der meifter falle, das im der fchalk die bretter verderbt het, fpracli er: "knecht, liaftu oucli fchreiuer hantwerk gelernt?” Vlenfpiegel antwort: "wie er alfo fragt?” “Ich frag darumb, daz du mir fo gute breter verderbt haft.” Vlenfpiegel lagt: “lieber meifter, ich hab getlnin als ir mich hiefzen. Ift es nun verderbt, das ift iiwer Ich ult.” Der meifter ward zornig vnd fagt: “du bill ein fchalksnar, darumb heb dich vs meiner werkltat, ich hab deiner arbeit kein niitz.” Alfo fclicid Vlenfpiegel von dannen vnd verdient nit grofzen dank, wie wol er alles das tbet das man in liiefz. Die LXIII. histori fagt, wie Vlenfpiegel ein brillenmaclier ward, vnd in allen landen kein arbeit vberkummen kirnt. Zornig vnd zweitrechtig waren die Churliirften vnder einander, alfo das kein roinifchcr keifer oder kiinig was. Da begab fich, daz der graf von Supplenburg von inenglichem Churliirften zü Romifchem künig gekoren ward, fo alsdan me waren, die lieh meinten mit gewalt in das rych zü dringen. •■imwüw- 90 Von Vlenfpiegcl. Da mftft difzer nilw gekoren kilnig lieh VI m onet für Frankfurt! legen vncl warten wer in da hinweg fchlitg. Als er nun fo grofz folk zu rofz vnd zü fftlz hei einander het, gedacht Vlenfpiegcl, waz im da zft thftn wer? Da hin keinen vil freinhd lierren, die lafzen mich vnbegabt nit, vherkum ich nit dan ir wapfen, fo ge- ftand ich wol. Vnd er macht lieh vor vf den weg. Da zogen die lierren vs allen landen. Da begab lieh in der Wed er au, bei Fridburg 1 ), daz der hifchof von Trier mit feinem folk Vlcn- fpiegeln vf den weg gen Frankfurd fand. Als er nii feltzam gekleid waz, da fragt in der hifchof, waz er für ein gefel wer? Vlenfpiegcl entwert vnd fagt: “gnediger her, ich bin ein brillen- maclier, vnd kum vs Brabant, da ift nüt in zu thftu, fo wolt ich nach arbeit wandern, fo ift es gar nichts vf vnferem hantwerk.” Der hifcliof fprach: “ich meint, dein bantwerk folt von tag zft lag heller werden, vrfacli daz die litt von tag zft tag ie krenker werden, vnd am gefich ahnemen, deshalben man vil brillen bedarfl.” Vlenfpiegel antwort dem bilchof vnd fagt: “ia, gnediger her, iivver gnad fagt war, aber einerlei daz verderbt vnler hantwerk.” Der hifchof fprach: “was ift daz?” Vlenfpiegcl fprach: “wan ich das dürft lagen, das itwer gnad darüber nil zürnen wolt.” “Nein”, fprach der hifchof, “mir feind das wol gewout von dir vnd deins gleichen, lags nur frei vnd fclifth nichts.” “Gnediger her, daz verderbt daz brillemuacher hantwerk, vnd ift zft beforgen, daz es noch abgang, dan ir vnd andere grofz lieren, bapft, cardinal, hifchof, keiler, kilnig, fürften, rat, regircr, richter der ftät vnd land (Got erbarms) nun zur zeit durch die finger feilen waz recht ift, daz zft Zeiten von gelt gaben lieh vrlachl. Aber vor alten Zeiten limit man gefchrie- ben, daz die lieren vnd fürften, als vil ir feint, in rechten pflegten zft leien vnd ftudiren, vf daz niemans vnrecht befchehe vnd darzft helen fie vil brillen. Vnd da waz vnler hantwerk gilt. Onch fo ftudierten die pfaffen zft der zeit me dan fie nun Ihiin, alfo giengen die brill hinweg. So feind fie nun fo gelert worden von den bilchern, die fie koufen, daz fie ire zeit vswendig kiinnen. Darzft fie ire bûcher in fier wochcn nit nie dan eins 1. Krufller hat irrig: Fryburch. Dic LXIIII. Iiistori. 91 vi' tlifin. Deshalben ift vnfer hantwerk verdorben vnd ich louf vs einem land in daz ander, vnd kan nirgcns arbeit überkum- men, die gebreft ift fo weit lunnmen, daz dis die burén vf dem land pflegen vnd durcb die finger fehen.“ Der bilchof verftund den text funder glofz, fpracb zft Vlenfpiegeln: “folg vns nach gen Frankford , wir wollen dir vnfer wapen vnd ldeid geben.“ Dem tliet er alfo. Vnd blib die zeit bei dem lieren fo lang, daz der graf zü keifer beftetigt wart, mit dem zoch er wieder in S a c h f e n. Die LXmi. histori Tagt, wie Vlenfpicgel lieh zu II il des hem einem koufman für einen koch vnd fluhenheizer verdinkt vnd fich ganz l'chalkhaftig macht. Recht in der ftraffen als man von dem hewmarkt wil gon, wonet ein reicher koufman, der gieng vf ein zeit vor dem fel- bigen tlior fpacieren, vnd wolt vf feinen garten gan. Vnderwe- gen vf einem grünen acker fand er Vlenfpiegeln liegen, den grielzet er vnd fragt in, was er für ein ftalbruder wer, vnd waz fein handel wer? Dem Vlenfpiegcl mit verdeckter fchalkheit vnd kliiglicbcn antwortet: er wer ein kuchcnknab vnd bet keinen dienft. Zu dem der koufman fprach: “wan du fruin fein wolteft, ich wolt dich felber vfuemen vnd dir nilwe kleider vnd ein güten fold geben, wan ich hab ein fraw, die kreigt allen tag über das kochen, vnd der meine ich wol dank verdienen.“ Vlenfpiegel gelopt im grofze triiw vnd frumkeit. Darvf nam in der koufman an, vnd fragt in, wie er liiefz? “Iler, ich lieifz Barth, o. Io. me. vs.“ Der koufman fprach: “daz ift ein langer nam, man kan den nit bald nennen, du folt, Doll heiffen.“ Vlenfpiegel fpracb: “ia, lieber iunker, es gilt mir gleich wie ich lieifz.“ “Kuin bar, kiini bar, gang mit mir in meinen garten, wir wóllcnt kraut mit vns heim tragen, vnd tilge hiiner darmit, dan ich hab vf den nechJ'ten fontag gel't geladen, den wolt ich geren gütlich llnin.“ Vlenfpiegel gieng mit im in garten, vnd fchneid rofzmaryn, damit er die hiiner füllen wolt vf welfcli monier, die andern mit zwübelen, eiern vnd andern krütern, vnd giengen mit einander wider zu haus. Als nun dy lraw den 92 Von Vlenf|ii('gc’l. feltzamen gaft von rleidung falle, fragt fie iron hauswirt, waz daz fiir ein gfel wer, vnd waz er mit im llnin weit, vnd ob er Jieforgt daz lirot wiird fcbimlig? Der kanfniann lagt: “fraw, fei zfifriden, er fol dein eigen knee.lit fein, er ift ein koch / 3 Die fraw fpracli: cc ia, lieber man, er folt wol gilt ding kochen.” "Dan fei zfifriden,” f]>rach der man. "Du folt morgen wol fehen was er kan.” Vnd rief Vlenfpiegeln: "Doll / 3 Er antwort: "¡linker.” “Nim ein lack vnd gang mir nach vnder dy nielzige, mir wollen fleifch vnd ein braten bolen . 33 Alfo folgt er im nach. Alfo konfl fein intiker lleifcb, vnd ein braten, vnd fpracli zil im: "Dol, leg den braten morgens bald zu, vnd lafz in kiiel vnd langfam abbraten, das er nit verbrin, daz ander lleifcb fetz oncli hei Zeilen zil, das es zil imbifz gefotten lei . 33 Vlenfpiegel lagt ia, vnd ftnnd gilt zeit vf, vnd fatzt die koft zft dem lener, hinder den braten fleckt er an ein Ijvis, vnd legt in zwilchen zwei falz Einbecks biers in den keller, daz er kill leg, vnd nit verbrcn. Als nun der kanlinan den ftatfchreiber vnd andre gute l'riind zil gaft geladen liett, da kam er vnd wolt beleben, ob die geh, klimmen weren oder die koft auch bereit wer, vnd fragt feinen niiwen luiecht. Er antwurt: “es ift als bereit, funder den braten.” “Wa ift der braten?” fpracli der kanlinan. “Er ligt, im keller zwiifchen zweien vallen, kein killer ftat wuft ich im lmfz nit, als ir Tagten, ich folt den legen.” "Ift er dan ouch bereit?” fpracli der konfman. “Nein,” fpracli Vlenfpiegel. "Ich bah nit gewälzt, wan ir den haben wolten.” In dem kamen die geh, denen lagt er von feinen niiwen luiecht, vnd wie er den braten in keller gelegt bet, des lachten fie vnd machten einen güten fchimpf darus. Aber dy fraw waz des nit züfri- den, vmb der geh willen, vnd lagt dem kanlinan , er folt den luiecht gon lallen, lie wolte in im hus nicht lenger leiden, fic lebe, das er ein (chalk wer. Der kanlinan fpracli: “liebe frauw, feit zfifriden, ich will’d in ein reilz geen der hat Gofslar bedürfen, vnd fo ich wider kum, wil ich in fpringen Iahen.” Kumme lumt er die frawen vberreden, das fie des zefriden was. Als fie nuil allen vnd trunken, vnd waren guter ding des aliens, fpracli der kaufinan: “Dol, rieht den wagen wol zü vnd Tchmicr den, wir wöllen m orgen geen Gofslar Taren ; es ift ein pfaff, Die LMIII. hislori. 93 der lieifzt her Heinrich Ha men ftede, der lier ift da daheim, der wil mitfaren.” Vlenfpiegel der fagt ia. Vnd fragte, was hall) er darzü nemen folt? Der kaufman warf im einen fcliil- ling dar vnd fpraeli: "gang vnd kauf karehfalhen, vnd lafz die fraw alle feifzte darnnder lliün.” Er lliet ym alle. Vnd da yedernian fchlafen was, da hefchmieret Vlenlpiegel den wagen, innen vnd vl'fen, vnd allermeift da inan fitzen folt. Des morgens frite ftünd der kanfman vf mit dem pfaffen, vnd hieffen Vlenlpiegel die pferd anfpannen: daz thet er. Sie fallen vf vnd fflren dahin, da hüb der pfalf vf vnd lagt: "was galgen ift hie fo feifzl? ich wolt fnich halten, das mich der wagen nit fchwengt vnd befcheifz die hend aller ding.” Sie hieffen Vlenfpiegcln hallen vnd fagten zü im, fie weren heid hinden vnd fornen hefchmieret, vnd wurden zornig vher Vlenfpiegeln. Indem klimmet ein hauer mit einem Inder ftrow, der wolt zü dem markt faren, dem kauften fic etliche wellen ah, vnd wttfeheten den wagen, vnd fallen wider vf. Da fagt der kaufman zornnnitliig zü Vlenlpiegel: "du verlafzner fchalk, das dich nynnner glück heftee! far flirt an den liechten galgen.” Das thet Vlenlpiegel. Da er nun vnder den galgen kämme, da hielte er ftil, vnd fatzt die pferd aus. Zu dem l'prach der kaufman : "waz will du machen, oder was gemeineftu darinit, du fchalk?” Vlenfpiegel der fagt: "ir hieffent mich vnder den galgen faren, da feind wir; ich meinet wir weiten hye rallen.” In dem falle der koufman vs dem wagen, da hielten fie vnder dem galgen. Was foltcn fie tliftn? Sie wurden der dorery lachen, vnd der koufman fagt: "licng für, du fchalk, vnd far fort recht vs vnd fiel) dich nit vmb.” Nun zocli Vlenfpiegel den nagel vs dem landwagen vnd als er ein ackcrleng wegs gefaren was, da gieng der wagen von einander, vnd das hindergeftel mit dem höbel hleih fton. Vnd Vlenfpiegel für für ficli hinweg, dem fie nachrieften vnd liefen, daz das in die zung vs dem hals hing, biz fie in tiberkamen. Der koufman wolt in zü not 1 ) fchlagen, dem der plaff half fo lieft er kunt. Nun fie Vollmachten die reis vnd kamen wider zü 1ms, da fragt die fraw: wie cs im gangen wer? “Seltzam !jtWOTrT«iftWtiPr HWWBum« 94 Von Vlenfpiegel. genüg,” lagt der koufman, "doch wir klimmen wider.” Vnd rieft damit Vlenfpiegeln vnd lagt: "companion, die nacht fo blyh íiie, ifz vnd drink dich vol vnd morgens raum mir daz haus, icli wil dich nit lenger haben, du hil't ein betrogner fchalk, wa du ia harkummeft.” Vlenfpiegel Tagt: "lieber Got, ich tliii alles, das man heifzet, noch kan ich nienen dank verdienen. Doch lieht vch mein dienft nit, l'o wil ich vcli morgens nach eweren Worten das 1ms raumen vnd wanderen.” "Ia, dem thfm alio,” fpracli der koufman. Des andern tags Itiuid der koufman vf vnd lagt Vlenfpiegel : "ifz vnd drink dich lat, vnd felilöp dich, ich wil in die kirchen gon, lafz dich nit wider finden.” Vlenfpiegel der fchweig. Als ball der koufman vs dem 1ms kam, beginn! er zü raumen, ftiil, difch, henk, vnd waz er tragen vnd fchleifen kund, bracht er vf die gaffen, küpfer, zin vnd wachs. Die nachbüren verwunderten, was darvs werden wolt, das man alles gut vf die gaffen brecht. Daz ward dem koufman zü wif- fen. Der kam heftiglichcn, vnd Tagt zü Vlenfpiegeln : "du Trümmer kn echt, waz thül'tu hie? find ich dich noch hie?” "Ia, iunker, ich wolt erft iiweren willen erlillen, dan ir hiefzeu mich daz hus raumen vnd darnach wandern.” Vnd fpracli: "gryffen mit der band zü, die donne ill, mir zü fchwer, ich kan das allein nit gewalLigen.” "Lafz ligen,” fpracli der koufman, "vnd gang für den düfel hinweg. Es hat me gekol'tet dan das man daz in dreck werfen folt.” "Lieber her got,” fpracli Vlenfpiegel, "ift daz nit ein grol'z wunder, ich thü alles daz man mich heifzet, noch kan ich nienen dank verdienen? Das betriiigt mich nit. Ich bin in einer vnglückbaftigen Hunden geboren.” Alfo fchied Vlenfpiegel von dannen, vnd hiefz den koufman wider inhen fchleifen was er vsgeraumet bet, das die nachburen vor vnd nach lachten. Die LXV. histori fagt, w’ie Vlenfpiegel zu Parys ein pferdkoufer ward, vnd einem Franzofen feinem pferd dan fchwanz vszocli. Schimpfliche fchalkeit det Vlenfpiegel einem rofztiifcher bei dem fee zü Wismar. Wann dahin kam alle zeit ein rofztü- rÜir'.iiilfcärLi Die LXV. bisturí. 95 I'clier, der kauft kein pferd mer, das er da kauffchlagt vnd nicht kauft, vnd zoch dann die pferd bei dem fchwanz. Das tliet er aucli den pierden , die er nit kauft, vnd bet am ziehen lein geinerk , oli das rol'z lang leben wiird. Vnd was fein gern erk alfo. Helten die pferd einen langen fclnvanz, fo zoch er fie bei dem fdiwanz, ftilnd inen das lang bar leifz in dem lcbwanz, fo kauft er daz nit. Alfo bet er den glauben, daz es nit lang lebte. Stund im daz bar left in dem fchwanz, daz kauft er vnd bet guten glauben, daz es lang leben wiird vnd wer harter natui - . Vnd die waz ein gemeine fag in der ganzen flat Wifzmar, alfo daz lieb iederman darnach richtet. Daz ward Vlenfpicgcl zu wiffen, vnd gedacht daruf, den miiflu ein fchalkheit lliim, es fei waz es wúl, daz der irtum vs dem volle kum. So kunt Vlenfpiegcl etwaz mit der fclnvarzcn kunft fich behelfen. Vnd vberkam ein pferd, vnd macht das mit der fclnvarzcn kunft, als er das haben wolt, vnd zoch darnftt zü dem markt, vnd bote das pferd den leuten tlieur leil, vf das fie im das nit abkauften, fo lang daz difer kaufman kam, der die pferd bei dem fchwanz zoch, dem bout er das pferd gifts kaufs. Der kauliuan labe wol, das das pferd fchon was vnd gilt für das gelt. Vnd gat auch liarzü vnd wolt im hart an dem fchwanze ziehen. Vnd VJenfpiegel bet das alfo geniachet. So bald das er dem rol'z den fchwanz ziilie, das er yn in der band behielt, vnd was dem pferd das alfo gefchaffen, als ob er dem pferd den fchwanz het ausgezogen. Difer kaufman ftfind vnd ward zaghaftig vnd Vlenfpiegcl ward rüfen: "rabiio vber difen boswiebt! leben, lieben burger, wie er mir mein pferd verhüllt vnd verderbt bat!” Die burger kamen darzii, vnd fa- lient, daz der kaufman den pferdfehwanz in der band bet, vnd das es feinen fchwanz niminen liett, vnd der kaufman ficli feer lorcht. Da lielen die burger darzwiifchen vnd machten, daz der kaufman Vlenfpiegeln gab X guldiii vnd behielt fein pferd, vnd Vlenfpiegel zoch mit feinem pferd hinweg, vnd fetzt im den fclwanz wider an. Vnd der koufman zoch nach der zeit kein pferd nier bei dem fchwanz. ! I as? 96 Von Vlenfpitigcl. Die LXVI. histori Tagt, wie Vlenlpiegel einem pfüflenlreiger zu Lüneburg ein grofz lehallilieit thet. Zfl Lunenburg wont pfeif entreier, vml der waz ein land- farcr gewefen, vnd waz mit dein lotterholz vinbgeloufen, da fafz er zfl hier. Vnd Vlenfpiegel kam in daz geloeh, vnd bet vil ge- felfchaft da. Da lfld difer pfeifentreier Vlenlpiegel zfl galt in difer weifz, daz er in eilen wolt vnd taget zfl iin : " kum morgen zfl mittag, vnd ifz mit mir, ob du kauft.” Vlenlpiegel lagt ia, vnd verftflnd des wort Ib bald nit, vnd kam des andern tags, vnd wolt zfl dem pfeifeumacber zfl galt gon. Allo er nun für die tliiir kam, da waz die Ihür oben vnd vnden zugefeblagen vnd alle leniter waren zflgethon. Vlenlpiegel gieng vor den.tlht- ren bin vnd har, zwei oder drei mal, fo lang daz es nachmittag ward, das bus bleib ftets zfl, da gedacht er wol daz er be- fchiffen waz, da liefz er daruon vnd fchweig Jftil bis des andern tags. Da kam Vlenlpiegel zfl dem pfeifeumacber vf dem markt, vnd l'prach zfl im: "ficli, frum man, pflegen ir daz zfl thfln, wan ir gelt laden, vnd gon dann felber vfz, vnd thfln die tliiir vnden vnd oben zfl?” Der pfeifeumacber fprach: “hörftu nit, wie ich dich bat? Ich fagt, kuin morgen zfl mittag, vnd ifz elwaz mit mir, ob du kanft, fo fundeftu die tliiir zflgefchlagen, da ' nit hinyn kummen.” Vlenlpiegel fprach: "dez hon dank, das wifzt ich noch nit ich lern noch alle tag.” Der " lieber lacht vnd fagt: "ich wil dich nit vmhtreiben, gang nun hin, mein tliiir ftot offen, du (in (left, gebratens vnd gefottons bei dem feuer, gang für bin, ich wil dir nachkummen, du folt allein fein, ich wil limit kein galt hon.” Vlenlpiegel gedacht: daz wiirt, gilt, vnd gat endlichen zfl des pfeifenmachers hus, vnd lind daz als er im getagt het. Die magt wendet den braten, vnd die fraw gal darumb her, vnd richtet zfl, vnd Vlenlpiegel kumpt in daz 1ms, vnd fagt zfl der frawen, das fie endlichen folt klimmen mit irer magt, irem huswirt wer gefehenkt ein grofler fifch, ein ftôr, daz fie im den hiiif heimtragen, er wolt den braten fo lang wenden. Die fraw fagt: cc ia, ach lieber Vlenfpiegel, daz Dic I.XVI. liislnri. 97 l.lnint, ich wil gon init (1er magt vnd lieliend widerkunuuen.” Vlenl'piegel lagt: “gon nit mer dan endlichen.” Dic (raw vnd magi giengen zii markt, vnd der pfeillenlreier kam vndenvegen vnd 1'prach zft yn: waz lie zft laufen hetten? Sic fpraclien, Vlen- fpiegel wer in das hui' kmninen, vnd liet gefprochen, wie daz ini ein groffer flor wer gefchenkt, den feiten fic hellen heimtragen. Der pfeiffenmaeher ward zornig, vnd lagt zii der i'rawen: “kun- leftu nit in dem lud' bleiben ? er liett das vmblünft nit getlion, da ift ein fchalkeit vnd er.” Vnd die weil liett Vlenl'piegel das haul' vnden vnd olien zftbel'chloffen, vnd alle fenfter. Allo da der pfeiffenmaeher vnd fein frauw mit der niagt für fein häuf kamen, da funden lie die tliíir zñ, da Ipracli er zft feiner frau- wen: “filie, nun fichftu wol, was du für ein ftör holen folteft.” Vnd fie klopften an die tldir. Vlenl'piegel gieng für die tliiir vnd lagt: “lallen euwer klojd'en, ich lafz nienians yn, wan di 1er wirt hat mir befohlen vnd ziigefagt, ich foil allein hin fein, er wól kein gelt nier haben dann mich, gont nur hin vnd klimmen nach elfen herwider.” Der pfeiffenmacher Ipracli: “das ift war, ich lagt alfo, aber ich meint das nit alfo. Nun lallen in elfen, ich wil im wider ein fchalkheit daruinb tliftn.” Vnd ging mit der i'rawen vnd niagt, in des nachbauern huf, vnd beiten fo lang, daz Vlenl'piegel ledig waz. Vnd Vlenl'piegel bereit die kol'l gar vnd fetzt fie vf den t¡Ich vnd alz lieh vol, vnd falzt fie wider zu fo lang daz es yn gilt dünkt. Da lliet er die (luir vf vnd lid's fie ollen fton, vnd der pfeifenniacher kam mit feinem gel'ind, vnd Ipracli : “daz pflegen kein from hit zethiin, daz ein galt den wirt für der tliiir hefcldüfzt, der in zft galt geladen hat” Vlenfpic- gel Ipracli: “foil ich daz tliftn felbander, daz ich allein tlnhi foil, vnd würd zu galt gebeten, vnd wolt nienians me halten dan mich allein, vnd ich brecht im dan mer geft, daz wolt dem wirt nit gefallen.” Vnd gat mit den Worten vfz dein huf. Der pfeifenniacher fall im nach : “nun ich bezal dich wider, wie fchalkecht du bift.” Vlcnfpiogel Ipracli: “wer das belt kan, der fei meifter.” Da gieng der pfeifenniacher von Hund zu dem fchclnien- l'chindcr, vnd Tagt, in der herberg fei ein frum inan, der heil'zl Vlenfpiegel, dem fei ein pferd geftorben, das lull er ausfüren, vnd zeugt im das haus. Der Ichchnenfchinder Iah wol, das es 98 Von Vlenfpiegel. der pfeifemnacher was vnd Tagt ia, er wolt, das thün, vnd für mit dem schinderkarch für die herberg, als im der pfeifemnacher gezeigt het, vnd fragt - nach Vlenfpiegeln. Vlenfpiegel klimmet für die tlnir, vnd fragt, waz er haben wolt? Der fchelmenfchinder Iprach, der pfeifemnacher wer bei ym gcwefen, vnd hett ym ge- fagt, das ym fein pferd wer geftorhen, das folt er vsfüren, vnd ob er Vlenfpiegel hiefz vnd ob das alfo wer? Vlenfpiegel keret fich vmb, vnd zoch die brftch ab, vnd zart den arfz vf mit den henden: “fich hie, vnd fag dem pfeifemnacher, ift Vlenfpiegel in difer gaffen nit gefeffen, fo weifz ich nit in waz ftraffen er fitzt.” Der fchinder ward zornig, vnd flücht vnd für mit der l'chinder- karch für des pfeifenmachers haus, vnd liefz den karch da fton, vnd verclagt in vor dem rat. So daz der pfeifemnacher dem fchelmenfchinder X guldin geben milft, vnd Vlenfpiegel fattelt fein pferd, vnd reit vs der ftat. Die LXVn. histori faget, wie Vlenfpiegel von einer alten beurin verfpottet ward, da er feine tefchen verloren hett. Vor alten Zeiten da wont zu G erd a w im Land zü Lünenburg ein par alter hit, die hei fünfzig iaren im eclichcn ftot bei einander gefeffen waren, vnd hetten groffe kinder, die fie flirter beraten vnd vsgeben hetten. Nun waz zü der zeit ein ganz liftfindiger pfaff, vf der pfarr dafelbft, der alle zeit gern waz iva man fchlempt. Der felhig pfaff machet es mit feinen pfarlütcn alfo, daz vf daz wcnigft, zü dem iar einift müft in ye- der huer zü gaft haben, vnd in mit feiner magt ein tag oder zwen vol halten, vnd vf das gütlichft thün. Nun hetten die zwei alten lüt in vil iaren kein kirchweihe, kindtauf oder gastunge, da der pfaff ein fchlamp von haben möcht, das in verdrofz, vnd gedacht uf ein finn, wie er den bauren darzft brecht, daz er im ein collation gehe. Er fendet im ein boten, vnd fragt in, wie lang er mit feiner husfrawen im eelichen ftot gefeffen wer? Der hur antwurt dem pfarrer: “lieber herr pfarrer, das ift fo lang, daz ich das vergelten bah.” Dem der pfarrer antwurt: “das wer Die LXVII. hislori. 99 ein geferlicher Hand zü cuwer feel heil, fo ir nun fünfzig iar bei einander gewefen feind, fo wer die gehorfam des eelichen Hals vl'z, als eins münclis in einem cloHer. Des vnderred dich mit deiner huffrawen, vnd kum wider zü mir, vnd bericht mich der ding, vf das ich euch hell' ralben zü cuwer lteelen felikeit, das ich euch vnd allen meinen pfarrkindern ])flichtig hin.” Dem thet der hauer alfo, vnd vbcrfchlüg das mit feiner hauffrawen, vnd kunl doch nit gruntlich zal irs eelichen Hats dem pfarrer anzeigen. Vnd kamen heid mit großer forgfeltigkeit zürn pfarrer, in vmb irer vmvirdigkeit willen, güten rat zü den dingen zü gehen. Der pfarrer lagt: "nachdem fie kein gewillte zal wifzten, vnd vnd) forgfeltikeit willen irer feelen, wil ich euch des neclift- künl'tigen fontags vf ein nüws wider zülamen gehen, oh ir nil in eclichcm Hat weren, daz ir daryn keinen. Vnd darumh fchla- gen ein güten ochfen, fchaf vnd fchwein, hit deine kiud vnd güte fründ zü deiner kolt vnd tü den gütlich, fo wil ich auch hei dir fein.” “Ach ia, lieber pfarrer, dem tlmn alfo, es fol nit an eim fcliok hüner ligen, folten wir fo lang bei einander ge- wefen fein, vnd nun erft vs dem eelichen Hat fitzen, das w'er nit güt.” Er gieng damit zü huf vnd richtet zü. Der pfarrer lüd üz folcher koft etliche prelalen vnd pfaflen, da er mit bekaut was. Vmler denen was der problt von Epsdorf, der alzcit ein feuherlich pferd oder zwei bet, vnd auch wol effen leben mocht. Bei dem was Vlenfpiegel ein zeit lang gewefen. Zü dem fprach der probst: “fitz vf meinem iungen gaul vnd reit mit, du Colt wilkum fein.” Dem thet Vlenfpiegel alfo. Da fie nun dar kamen, affen vnd trunken vnd fröhlich waren, da w'as die alt lraw, die die braut fein folt, oben an dem tifch, als breut plle- gen zefitzen, daz fie mild waz, vnd yr ward fchwach, alfo liefz man fie vfz. So gieng fie hinder iren hof zü dem w-affer Ger- daw vnd fetzt die füfz in das waffer. Indem ward der problt mit Vlenfpiegeln gen Epfzdorf heim reiten. Alfo hofiert Vlenfpiegel die braut mit dem iungen hengst, mit fchonen fpriingen, vnd macht difer fo vil, das im fein defch vnd gürtel von der feiten fielen, als man zü der zeit pflag zü tragen. Da für das die güt, alt fraw fah, ftünd fie vf vnd nam die defch vnd gieng zürn waffer daruf fitzen. Da nun Vlenfpiegel ein acker lang weg gerit- 100 Von Vlenlpiegel. l,on was, da vermifzt er allererft fein defcli, vnd rant kurzumb wider gern Gerdaw, fraget die alt gilt beurin: ob fie nit ein ruhe alte defcli vernunnnen oder funden bet? Die alt fraw l'prach: “ia friind, in meiner horhzyt vberkam ich ein ruhe defcli, die hah ich noch vnd filz daruf. Ill es die?” "Oho, ift das Io lang?” fprach Vlcnfpiegel, cc da du ein braut warel't, das mfifz von nóten nun ein alte roftige defcli fein. Ich beger deiner alten defclien nit.” Aber Vlenlpiegel, wie fcbalkhaftig vnd liilig er was, fo warde. er dennoebt von einer alten beurin geeilt, vnd mftft feiner defclien entberen. Die felbe ruhe brutdcfchen haben die frawen zu Gerdaw noch. Ich glaub daz die alten witwen da- fellift die in verwarung haben. Wem etwas not daran leg, der móclit darnach fragen. Die LXVIU. histori fagt, wie Vlenlpiegel einen bauren vmh ein grün lümlifch tftch betrog vor Ollzen, vnd in vberredt, das es plaw wer. Gcfottenes vnd gebratens wolt Vlenlpiegel allzeit elfen, dar- vmb fo müft er feilen, wa er das neme. Auf ein zyt käme er in den iarmarkt geen Olzen, da dann vil Wenden vnd ander landnolk hinkumpt. Da giengc er mm hin vnnd bar, vnd be- fach in allen orten was da zft thfin oder zil fehaffen was. Vnder andern, fo ficht er daz da ein landman ein griin lündifcb tftch kauft, vnd wolt darmit zfi huf. Da gedacht Vlenlpiegel vf das letft, wie er den bauren vmh das tftch betriegen moeht, vnd fragt nach dem dorf, da der bauer daheim was, vnd nam zft im ein fcholten pfaffen vnd oucli ein lolen gelellen, vnd ging mit denen vs der Hat vf den weg, da der hucr harkummen fol, vnd macht fein anfchleg, wie fie im tliftn folten, fo der buer mit dem grüne dflcli kern, das es blow wer, vnd ir einer folt ein halbe ackerlang wegs von dem anderen fein gegen der ftatwerts gon. Allo der buer mit dem duch vs der ftat ging, in willen das zft huf zft tragen, den Vlenlpiegel anfpraeh, wie er das l'chon blow dûch kouft bet? Der buer antwort vnd fagt: es wer grün vnd nit blow. Vlenfpiegel fagt: el'z wer blow, daran wólt er XX gül- Die LXIX. histori. 101 den fetzen vncl das nechl't’) menfch, das liar keine, das yi(in vnd blow kennen kund, der l'olt im vvol das lagen, daz lie alfo ziifriden waren. Da gab Vlenlpiegel dem erllen ein zeicben, daz er kam. Zii dem fpracli der buer: “friind, wir zwen leint zwei- fpennig vmb die färb von di fein diieli. Sag die warbeit, ob dilz grün oder blow fei, vnd was du vns fagft, darbei wollen wirs bleiben lafzen.” Der lnib vf vnd lagt: "das ilt recht fcliön blow diieli.” Der biier lagt: "nein, ir feind zwen fclielk, ir haben das villeiclit mit einander angelegt, mich zü betrigen.” Da Iprach Vlenlpiegel: "wolan, vf das du filieft, daz ich recht hab, fo wil ich dir das zü geben vnd wil das lallen bleiben bei di- lein fnnmnen priefter, der da har kumpt, was vns der lagt, fol mir wol vnd wee tlifm.” Des der buer ouch zfllriden waz. Als mm der pfalf lieber kam, fpracli Vlenlpiegel: “her, lagt recht, waz farwe hat difz düch?” Der pfalf lagt: "lriind, das leben! ir lelbcr wol.” Der buer fpracli: “ja her, das ift war, aber die zwen wollen mich eins dings überreden, das ich weifz, das es gelogen ift.” Der pfalf Iprach: "was hab ich mit üwerem liader zu fchallen? was frag ich darnach, ob es fchwarz oder weifz lig?” "Ach, lieber her,” feit der buer, "entfeheident vns, do bit ich veb vmb.” “So ir das haben wolten,” fpracli der pfalf, “fo kan ich nit anders erkennen, das daz dftch plaw ift.” “Ilörftu das wöl,” fpracli Vlenlpiegel, “das tfich ift mein.” Der buer feit: "fürwor, her, wan ir nil ein geweicht ]>riefter weren, fo meint ich das ir liegen, vnd alle drig fclielk weren, aber fo ir ein priefter fein, 2 ) mälz ich das glouben,” vnd helfe Vlenfpiegel vnd linem gefellen das lücli folgen, des fie lieh gegen den winter in kleideten, vnd der buer in feinem zerilfen rock mill! heim gon. Die LXIX. histori lagt, wie Vlenlpiegel zû II a now er in die badflub feheisz, vnd meint es wer ein huf der reinikeit. ln der badltuben zu II o no wer vor dem Leinlhor wolt der bader nit das, das es ein badftub heifzen folt, funder es liiefz 1. So für: liefe lit. 2. S o t ii r : ein. 102 Von Vlenfpiegel. ein huf der reiuikeit. Des') wart Vlenfpiegel innen, vnd als er gen Ilanower kam, Io ging er in (life badftub, vnd zoeh Heb vs vnd l'prach, als er in die badftub drat: Got gritfz veb, ber, vnd fl wer bufgelind, vnd alle, die ich in difem reinen 1ml find.” Dein bader waz es lieb, vnd biefz in wilkum fein, vnd fprach: "her galt, ir fagen recht, das ift ein rein luif vnd ift ouch ein huf der reiuikeit, vnd kein badftub, wan der ftoub ift in der l'onnen, vnd ift ouch in der erden, in der eichen vnd in dem fand.” Vlenfpiegel fprach: cc daz disz ein hilf ift der reiuikeit., das ift offenbar, wan wir gon vnrein barein vnd rein wider barus.” Mit dem fo fcheift Vlenfpiegel ein groTzen häufen zfi dem wal'fer- trog, mitten in der badftuben, daz es in der ganzen ituben flank. Da fprach der bader: "nun feile ich wol, das die wort vnd werk nil all gleich feind. Deine wort waren mir angenem, aber deine werk fein mir nit da gleich, wan dein wort waren fat, aber deine werk ftinken übel. Fliegt man difz in des 2 ) huf der reiuikeit?" Vlenfpiegel lagt: "ist das nil ein lud' der rci- nikeit? ich bet binnen mer behilf dan vffen, ich wer funft nil herein kummen.” Der bader fagt: "die rcinikeit pileg man vf dem fpracblmf. Das ift ein huf der reinikeit von fchwitzen vnd du machft daruf ein fcheifzhuf.” Vlenfpiegel fprach: "ift das nit dreck von menfehen lyb kummen? fol man ilcb reinigen, fo mflfz man lieh innen fo wol reinigen als vffen.” Der bader ward zornig vnd fprach: "So dan hie pflegt man vf dem fcheifzhuf ab ze reinigen, vnd der fehelmenfclhnder pflegt das vs ze ftiren vf die fchelmen grfib, das pileg ich nit vs ze fiiren vf die fchelmen grid) , das pileg ich nit vs zü wafchen vnd zii fegen,” vnd mit den Worten fo biefz der bader Vlenfpiegeln vs der badltuben gon. Vlenfpiegel fprach: "her wirl, lallen mich vor für mein gelt baden. Ir wollen haben vil gelt, fo wil ich ouch wol baden.” Der bader fprach, das er nur ging vs feiner ftuben, er wolt feins gelts nit haben, wolt er nit gon, er wolt im die thiirc bald zeigen. Gedacht Vlenfpiegel: hie ift bófz fechten naeket mit fchcr- meffern, vnd gieng zur ttir vf vnd fprach: waz hab ich für ein dreck wol gebadet, vnd ging vnd zocli fich an in einer ftuben, 1. Des f c li 1t. 2. Lies: dem. Die LXX. hislune. 103 da der limier in pilag zû elTen mit feinem gefind. Da verfperrl in der Lader vnd wolt in alio erfchrecken, als ob er in fallen wolt, das er im trowel. Die weil vermeint Vlenfpiegel, er wer nit genüg gereiniget in der badllnben, vnd liebt einen zefammen gelegten difch, den thüt er vi, vnd l'clicifz ein dreck daruf, vnd lliüt den wider zü. Alfo zü band liefz in der bailer vs, vnd waren der fach wider eins. Alfo lagt Vlenfpiegel: “lieber meiIler, in difzer Hoben bin ich erft ganz gereiniget, gedenk mein zü gut ee es mittag würd, ich fcheicl darvon.” Die LXX. histori lagt, wie Vlenfpiegel zu Berrnen 1 ) milch koufl von den laiulfrau- wen viul fie züfammen fcliültel. Seltzame vnd lecherlich ding treih Vlenfpiegel zü Bennen '). Wan eins mais kam Vlenfpiegel dafelbft vf den mark -) vnd Iahe, das die bürin vil milch zü mark 2 ) brachten. So wart er eins daruf vf einen marktag 3 ), vnd da kam vil milch, da tiberkam er ein grofze biitte, vnd fetzt fy vf den markt, vnd kouft alle milch, die dar vf den markt kam, vnd liefz fie in die biitte fclnitten. Vnd fehreib ein icgliche frow vf zü ring har, die ein lo vil, die ander fo vil, vnd alfo fiirulz, vnd fagl zü den frawen, das fie beiten fo lang, das er die milch hei einander het, fo wolt er einer ieglichen frawen ir milch bezaleu. Die frawen faffen da vf dem mark 2 ), in einem ringe har vnd Vlenfpiegel kouft der milch fo vil, daz da kein fraw mer mit milch kam, vnd der zu- ber was ouch by vol. Da kam Vlenfpiegel vnd macht ein fchimpf vnd fagt: “ich hab vf dif mal kein gelt. Welche nit beiten wil XIIIl tag, die mag ire milch wider vs der btitten nenien;” vnd gieng damit hinweg. Die büren machten ein geróhel vnd ein rü- mor. Eine die het fo vil gehebt, die ander fo vil, die drit des gleichen, vnd fo füran, fo das fich die frowen darüber mit den ebneren, logelen vnd ilefchen zü dem köpf würfen vnd fchlügen vnd gofzen fich mit der milch in die ougen, ie 4 ) die kleider, vnd vf die erden gefchütlct, fo das es eben da geftalt war als 1. Lies: Bremen. 2. L i e s : markt. 3. Lies: markltug. 4. Lies: in. I 04 Von Vlcnfpiegel. hot os milch geregcl 1 ). Hie biirger vnd alle die das lidien, die Inciden der gomligkoit, das die IVowen alio zii mark giengbn, vnd Vlenfpiegol ward ganz leer gelopt in feiner I'elialkheit. Die LXXI. histori lagl, wie Vlenfpiegol XII lilinden gab XII güktiii als lie meinlen, da ly vf zerlen, vnd vf das left ganz Uliel luinden. Als nun Vlenfpiegel ein land vf wandert, das ander nider, da kam er vf ein zeit wider gen Ha no wer vnd da treib er vil feltzamer abentür. Da reit er ein zeit für das Ihor, ein ackerleng wegs Ijiatzieren, da begegenten im XII blinde. Als nun Vlenfpiegel gegen inen kam, da fprach er: “waliar ir blinden?” Die blinden ftfmden, vnd horten wol daz er vf einem pferd falz, da meinten fie es wer ein erlich man, vnd zohen ir biiet vnd kappen ab vnd fpraeben: “lieber iunklier, wir feint in der Hat ge- wefen, da was ein reich man geftorben, dem hielt man ein lel- ampl, vnd gab l'pend, vnd es was grauflichen kalt.” Da fprach Vlenfpiegol zu den blinden: “es ift ganz kalt, ich fóreht ir erfrieren zfi tod. Secnd hin, hie haben ir XII gülden, gond hin wider in die flat, da kiun ich vs der herberg rvten,” vnd entlock inen das lmfz, “vnd verzerent difze XII gülden vnd» meinent willen, biz Io lang, daz difer winter hinweg ift, daz ir für l'roft wider wandern mögen.” Die blinden ftünden vnd neigten lieb, vnd dankten im Ileiffighch. Vnd meint ie ein blind der ander het das gelt, vnd der ander meint der drit bet das gell, vnd der dril meint der herd het das gelt vnd fiirtan, daz der lotit meint der erl'l bet das. Alfo giengen lie in die flat in die herberg, da lie Vlenfpiegol inweift. Da lie nun in die herberg kamen, fpraeben diele blinden alle, daz ein gut man het für fie geritten, vnd bei inen Xll gülden vmb Gots willen geben, die folten fie vmb feinent willen verzeren biz das der winter hinweg were. Der wiirl was ge riebt nach dem gelt, vnd nam fie fo für an, vnd gedacht nil darvf, das er Ile gefragt het, vnd geloben, welcher blind die Xll gülden bei? vnd fprach: “ia, mein heben brüder, ich wil vch I. Lies: gcrcgenel. Die I, XXI. hislori. 105 gütlich tliiin.” Er fchlftg viul lü'twe zft, vnd kocht den blinden, vnd Iiefz fie zeren, Co lim«' das in dueht, das fie XII giildin ver- zerel. betten. Da fpracli er: “lieben briider, wollen wir reellen, die XII gülden feind gar by verzerrt.” Die blinden Jagten ia, vnd ie einer fpracli den andern an, welcher dife Xll gülden lief, das er fie vfgeb vnd beziilt den wirt. Der ein bat die giildin uit, der ander bat fie oncb nit, der drit oncb nit, der lierd desgleichen, der left mit dem erl'ten der bat die XII giildin nit. Die blinden fagten vnd kratzten die köpf, wan fie waren betrogen ; der wirt des gleichen, der falz vnd gedacht : verliereftu nun lie, fo wiirt dir dein koft. nit bezalt, vnd bebalftu fie onch, fo freffen vnd zeren fie noch bafz, vnd fo haben fy noch nüt, fo biftu in zweien febaden, vnd fchlecht fie binden in den fehwein ftal, vnd befchlufz fie darein, vnd leit inen für ftrovv vnd bew. Ylenfpicgel gedacht, das es folt bei der zeit fein, das die blinden foliches gelt verzeret betten, vnd verkleidet ficli, vnd reit in die l'tat zft difem wirt in die herb erg. Als er min in den hof kam, vnd wolt fein pi'erd in den ftal binden, 1b ficht er das die blinden in dem fcbweinftal liegen. Da ging er in das lmf vnd lagt zn dem wirt: “her wirt, was llun haben ir dar zü, das die armen blinden lüt fo in dem Hall liegen. Erbarmt vch das nit, des Ile eflen das inen lyb vnd leben wee tliflt?” Der wirt fpracli: “ich wolt, das fic weren da alle waffer zfifannnen klimmen, bet ich mein koft bezalt.” Vnd lagt im alle ding, wie er mit den blinden betrogen wer. Vlenfpiegel der fagt: “wie, her wirt, mochten fie keinen bürgen überknmmen?” Der wirt gedacht: “o het ich ielz ein bürgen !” vnd fpracli : “frünt, kilnt ich einen gewilTcn bürgen überknmmen, den nein ich an, vnd lief/, die vn~ feligen blinden loufen.” Vlenfpiegel fpracli: “wolan, ich wil die ganz l'tat vmb hören vnd leben, das ich ich einen bürgen iiber- kmn.” Da ging Vlenfpiegel zü dem pfarrer, vnd fagt: “mein lieber trauter her pfarrer, wollen ir nun tlnln als ein gilt frünt? Hie iff mein wirt, der ill bcl'effen mit dem böfen geilt in di 1er nacht, vnd der lafzl vch bitten, ir im die wollen vfz befchwe- ren.” Der pfarrer fagt: “ia, gern, funder ir milfz ein tag oder zwen harren, folicli ding inöelil man überilen.” Vlenfpiegel fagt im funder: “ich wil gon holen fein frawe, das ir es zft ir fclber Von Vlenfpiegel. 106 fügen.” Der pfarrcr lagt: cc ia, lafzen fie har kuninien.” Da gieng Vlenfpiegel zü feinem wärt widder vnd fpracli züim: ”ich hab vch einen bürgen überkuinmen, das ift Ine üwer pfarrcr, der wil darfitr geloben, vnd vch geben, das ir haben folien, l'o Iafzenl üwer fraw mit mir gon, er wil ir züfagen.” Der will was des willig vnd frow, vnd fand fein fraw mit zü dem pfar- rer, da hub Vlenfpiegel an: cc her pfarrer, hie ift die fraw, fagen ir nun felber als ir mir fügten, vnd mir gelopt haben.” Der pfarrer lagt: cc ia, mein liebe fraw, verzihent ein tag oder zwen, lb wil ich im des helfen” Die fraw lagt ia, vnd gieng mit Vlen- fpiegeln wider zü huf, vnd Tagt das irem hufwirt. Der wirt was frow, vnd liefz die blinden gon, vnd lagt fie ledig, vnd Vlenfpiegel rieht fieli oueh, vnd fchlecht von dannen. Des dritten tags ging die fraw hin vnd mant den pfarrer vmb die XII gülden, das die blinden verzert betten. Der pfarrcr fagt: “liehe fraw, het euch üwer lmfzwirt das fo geheiffen?” Die fraw fagt ia. Der pfarrer fpracli: “daz ift der böfen geift eigenfehaft, daz lie gelt wollen haben.” Die fraw fpracli: “daz ift kein holer geift, bezalen im die koft.” Der pfarrer fagt: “mir ift getagt, üwer hufwirt lie befeffen mit dem böfen geift, holen mir yn, ich wil im helfen darvon mit der Gots hilf.” Die lraw fagt: “das pflegen fclielk zü tlnin, die liigner fein, wa fie bezalen folien. Ist mein hnfwirt gefangen mit dem böfen geift, das folftu leg- licli wol befinden.” Vnd lief zu huf vnd fagt das irem wirt, waz der pfarrer getagt het. Der wirt ward bereit mit fpyfen vnd mit halbarten vnd lief zü dem pfarhof zü. Der pfarrer ward daz gewar, vnd rief feinen nachbnren zü hilf, vnd fegnet lieh vnd fagt: “klimmen mir zü hilf, mein lieben nachburen, felient difer menfcli ift befeffen mit dem böfen geift.” Der wirt fagt: “pfaff, gedenk vnd bezal mich.“ Der pfalf Hund vnd fegnet lieh. Der wirt wolt zü dem pfarrer fchlahen. Die huren kamen dar- zwilfchen vnd kunten fie knm mit grofzer not von einander bringen. Vnd die weil dif wert, vnd der pfarrer lebt, fo mant er den pfarrer vmb den ganzen koften. Vnd der pfarrcr fpracli, er wer im nielifz fehuldig, funder wer er befeffen mit dein böfen geift, er wol im bald darvon helfen. Daz weret die weil fie heid lebten. Dic LXXll. histori. 107 Die LXXII. histori fagi, wio Vlenfpiegel zu Ii e i' m en') leinen gelten den braten viz dem hindern bedroft, den niemans elfen wolt. Als min Vlenfpiegel dife bübery zfl Bennen 1 ) bet vfge- riclil, ward er ganz wol bekant. In der itat zfl Bennen 1 ) was Io, daz in die bilrger wol lyden mochten vnd yn in allen fchim- pl'en haben wolten. Vnd Vlenfpiegel was da lang in der Hat. Da was dan ein fannnelung von bürgeren, ouch inwoneren, als dan koufleüt, die betten ein collation vnder einander, daz einer zfl vorns gal) einen braten, lief vnd hrot, vnd welcher nit kein funder grofz not, der inilft dem wirt die vrten gar geben, als vff Bremer merkt. Vnd vf difz geloch kam Vlenfpiegel vnd fie nnmen in zfl inen für ein fchimpfman, daz er mit inen collation hielt. Alle nun das geloch rings wyf vmbhar gieng, kam es vf Vlenfpiegeln ouch. Da lfld er fein zergefellen in fein herberg, vnd kouft in ein braten, vnd legt yn zum filer. Als es nun heim imbifz wolt werden, da kamen die zergefellen bei dem markt zflfannncn, vnd fprachen vnder einander, wie fie wolten Vlenfpiegeln zfl eren gon. Vnd einer fragt den andern, ob nimanl'z wilfzt, ob er ouch etwas gekocht het oder nit, das fie nit vergebens dar kernen. Vnd wurden einf, das fie zflfamen wolten dabin gon, bel'fer enpftngen fie den fpot fampt, dan einer allein. Allo nun dife zergefellen für die thiir komen, da Vlenfpiegel zfl herberg ivas, da nam er ein ftiiek butter vnd ftiefz das hinten in die kerben, vnd kert den arl'z hinten zfl dem filer vber den braten, vnd bedrouft alio den braten mit dem buttern vfz der kerben. Vnd da die geft für die thiir kamen vnd ftflnden vnd wolten vermerken ob er ouch etwas gekocht het, da Iahen fie, das er alle ftftnd hei dem liier vnd bedrouft den braten. Da " ’ fie alfo: "der düfel fei fein gaft, ich yfz den braten nicht!” Vnd Vlenfpiegel niant fie vmh die vrten, die fie im alle gern gaben, viï daz fie von dem braten nit elfen dürften. 1. Lies: lirenicn. Vci-gl. Hist. LXX. 108 Von Ylciilpiegcl. Die LXXIII, histori lagt, wie Vlenfpiegel in einer i'ial in Saclil'cnlaiul gelegen, l'lein feliet, darnmb er angcfprochcn ward, vnd er antworl: er l'eyel l'chelk. Kurze zeit darnach kam Vlenfpiegel zft der Wefer in ein ftat, vnd falle alle hendel vnder den bürgern vnd was ire an- l'chleg waren, fo daz er irer aller weifz innen ward, wie es vmb ir gefcheft vnd vmb iren liandel ein geftalt het. Wan er da bet Xllll berberg; was er in einem buf lebent, daz fand er in dem anderen wider, vnd hört vnd i'acli') daz er nit wuft. Vnd l'ic wurden fein mild, desgleichen ward er ir mich lniid. Vnd überkam er bei dem waffer kleine fteinlin, vnd gieng vf der gaffen für dem ratlmfz vf vnd nider vnd feyet feinen fot zft beiden teilen. Da kamen die freinbden liid darzft, vnd fragten in, was er feyet? Vlenfpiegel tagte : "ich lebe fehelk.” Die koutleut fpra- clien : "deren dörfftu bie nit (eben, deren ift fürbin me bie dan gilt ift.” Vlenfpiegel lagt: "das ill war.” Sunder fie fpra- clien: "warumb febeftu bie nit ouch frum lent?” Vlenfpiegel Iprach: "frum bit, die wollen bie nit vif gon.” Soliebe wort kamen für den rat. Vlenfpiegel ward belendet, vnd im geboten, fein famen wider vf zft beben, vnd ficli zft der flat vffchöppen. Dem tliet er alfo, vnd käme X mylen von dannen in ein ander ftad, in willen er wolt mit dem fot in Detmerfchcn. Aber das gcfchrei was for im in die Hat klimmen. Alfo folt er in die ftat kummen, fo rnftfte er geloben durch die ftat hinweg zft- zielien on effen vnd drinken, mit feinem fot. Da es ye nit anders möeht fein, da lebent er ein fchifflein vnd wolt fein leck mit dem fot vnd mit dem krom in das fchiff laffen beben. Als der nun von der erden vif gewännen ward, brach der lack mitten entzwei, vnd bleib der fot vnd lack da. Vnd Vlenfpiegel verlief ficli, fol noch widerkummen. J. Kehlt: mit, nichts. nie LXXIIII. hislori. 109 Die LXXIIII. histori Tagt, wie Vlenrpiegel lieh zü Hamburg zu eim barbierer verdingt vml dem meidet - durch die fender in die ftuh gieng etc. Eins mais kam Vlenfpiegel gen Hamburg, vnd kam vf den Hopfenmarkt, vml ftünd vnd fall fielt vmb. So kumpt gon ein bartfeherer, der fragt in, wa er har kein? Vlenfpiegel lagt: “ich kmn da yn har.” Der meifter fragt in : "waz biftu für ein hantwerksknecht?” Vlenfpiegel fagt: tc icb bin ein barbierer mit kurzem gefegt.” Der meifter dingt in, vnd der l'elbig bartfeherer wont vf dem Hopfenmarkt , gleich darbey vber da ftftinl er, vnd das lmf bet hohe fender gegen der ftraffen da die Hube was. Da fagt der meifter zfi Vlenfpiegel: "fielt das huf dar gegenvber, da die hohen fender feind, da gang yn, ich wil gleich nach inkminnen.” Vlenfpiegel fagt ia, vnd get recht zü dem häuf bin durch die holten fender eyn vnd fagt: "Got der grüfz das liantwerk.” Die i'raw des bartfeherers falz in der ftu- ben vnd fpan, die erfchrak all ze mal vnd fpracb damit: "lieh, liert dich der tiifel nit? Kumineftu in die fender, ift dir das tlior nit weit genüg?” Vlenfpiegel fpraclt: “liebe I'raw, zürnen nit, euwer hufwirt bat mich das gebeiffen vnd hat mich gedingt für ein kneclit.” Die fraw fpraclt: "das ift mir ein getruwer kneclit, der feinem meifter fchaden tliiit.” Vlenfpiegel fpraclt : "liebe fraw, fol nit ein kneclit tlmn als in fein meifter heiffet?” Mit dem kumpt der meidet - vnd hört vnd fall den ltandel als Vlenfpiegel begangen hct. Da fpracb der meifter: "wie, kneclit, kunteftu nit zfi der thür yngon, vnd held mir meine lender ganz gelaffen? Was vrfacli liaftu du doch hie in gehabt, daz du mir bid durch die lender liaryn klimmen?” “Lieber meidet - , ir beiden mich da die hohen fender fein, da fold ich yngon, ir w ollen bald hernach klimmen, fo halt ich itn'j nach euwerem beiden gethon, vnd ir feind mir da nit nachkimien, als ir Jagten, das ich vorhin folt gon.” Der meifter der fchwig dil, wan er dorft fein, vnd gedacht, wan ich das mein belfern kan, fo wil ich das wol mit im linden, vnd im das abrechen an feinem Ion. Alfo licl'z der meifter Vlenfpiegeln arbeiten ein tag oder 1. I.ics: nur. I -tí rn irr îiTr]îiiiiffîiRninr'TTTTcr,.r-''Tr¥nrnrr~iiirn j —tmn ***>*«; 110 Von Vlenfpiegel. drei. Da liiefz der meifter Vlenlpiegeln die fchermcffer fchlei- fen. Vlenfpiegel fprach: cc ia, gern.” Der meifter lagt: “fcldeif lie glat vf dem rücken gleich der fchneiden.” Der meifter kam vnd wult züfehen was er darus macht, fo fall er das die mef- fer die er gefchliffen het, der rück was als die fchneid, vnd die melier die er vf dem fchleil'ftein het, die fchliff er auch darnach. Da lagt der meifter: “wie machftu das? das wiirt böf ding.” Vlenlpiegel fagt: “wie folt das böf ding werden? in ift doch nil wee, dan ich thft als ir mich geheiffen haben.” Der meifter ward zornig, vnd fagt: “ich liiefz dich, daz du ein böf verlieft fchalk bift, hör vf und lafz dein fchleifen, vnd gang wider bin da du har bift kunmien.” Vlenlpiegel fagt ia vnd gieng in die ftuben, vnd fprang zü dem fenfter wider Iiinus, da er liinyn klimmen was. Da ward der bartfcherer noch zorniger, vnd lief im nach mit dem bittel, vnd wolt in fallen, daz er im die fenfter bezelt, die er im zerbrochen het. Aber Vlenlpiegel was endlich vnd kam in ein fcliiff vnd für von land. Die LXXV. histori Tagt, wie Vlenfpiegel’) ein fraw zu galt lud, der der rolz ziî der nafen vshieng. Sich begab vf ein zeit, das ein hof folt werden, vnd Vlenfpiegel wolt dar reiten. Da ward im fein pferd hinken. Da gieng er dahin zu lïifz , vnd es was gar licifz, vnd in beguml zü hungern, vnd da was ein klein dôrllin vnder wegen. Vnd da was kein wirtfzhauf in dem ilörllin, vnd es was vmb mittag, da gieng er in dem dorf, vnd er was da felbcft wol bckant. Da kam er in ein hus, da fafz die fraw vnd macht lief, vnd het ein klumpen molken in den henden. Als nun die fraw fafz vbcr den molken, da het fie der beiden henden kein gewalt, vnd ir hieng ein grofzer fchnüdel vf der nafzen. Da bot ir Vlenlpiegel ein güten tag vnd fall den fchnüdel wol, das merkt fie vnd fie dorft die nafz an die ermel nit wifchen, fo kunl fie ouch nit fchnülzen. Da fprach fie zü im: “lieber Vlenfpiegel, gon vnd 1. Lies: Vlenfpiegeln. Die LXXVI. Iiistori. 111 fitzen vnd warten, ich wil euch gflten frifchen buttern gehen.” I)a keret fich Vlenfpiegel vmh vnd gieng zfl der Ihilr vs. Die fraw ni Ct im nach: "beiten doch vnd offen vor etwas.” Vlenfpiegel Tagt: "liebe fraw, darnach daz es feit”, vnd gieng in ein ander häuf, vnd gedacht: den huttern magftu nit. Der darzft ein wenig deik het, dürft kein eyer ynfchlahen, fie würden von dem rotz feift genüg. Vnd beforgt der fchntidel fiel in die molken. Die LXXVI. histori fagt, wie Vlenfpiegel ein weifz miil'z allein vs afz, darum!) daz er ein klumpen vf der nafen daryn liefz fallen. Grofz fchalckeiten thet Vlenfpiegel einer bürin, vf daz er das wyfz mflfz allein efze. So er gieng in ein häuf, vnd was him- gerig, da fand er die fraw allen 1 ), die fafz bei dem feuer vnd kocht ein wyfz mflfz. Das fchmecket Vlenfpiegel fo wol vnder äugen, daz in das luft zfl effen, vnd bat die fraw, daz fie im das wyfz mflfz wolt geben. Die fraw fagt : tc ia, mein lieber Vlenfpiegel, gern, vnd folt ich das felber enberen, fo wolt ich euch das geben, daz ir das allein vfzen 2 )”. Vlenfpiegel fagt: "mein liebe fraw, daz möcht wol klimmen nach cuwcren Worten.” Die fraw gab im das weifz mflfz gar, vnd fetz die Ichüffel vf den tifch mit dem weiffen mflfz, vnd brot dar zfl. Vlenfpiegel was hungrig, vnd begund zfl effen, vnd die fraw kumpt darzfl vnd wolt mit im effen, mis der huer pflegt zfl thfln. Da gedacht Vlenfpiegel: wil fie faft kummen, fo würt nit lang 3 ) hie etwas bleiben, vnd hflftet einen grollen knoden, vnd warf den in die Ichüffel in das weifz mflfz. Da ward die fraw zornig vnd fagt: "pfey dich, das weifz mflfz frifz du felialk nun allein.” Vlenfpie- gel fpracli: "mein liehe fraw, euwere erften wort waren alfo: ir woltcn das felber entberen, vnd ich folt das weifz mflfz allein effen. Nun kummen ir vnd effen mit mir, vnd betten das weifz mflfz wol mit dreien bifzen vs der fchüfzlen geholt.” Die fraw fpracli: "das dich nymmer gflts eiigec 1 )! giinftu mir mein eigne 1. Lies: allein. 2. Lies: efzen. 3. nit lang nit. Orig. 4. Lies: angee, oder crgec. 11 2 Von Vlenfpiegel. koft nit, wie wollt du mir dann dein ko ft geben?” Vlenfpiegel lagt: “fraw, icli llifi nacli cuweren Worten,” vnd alz das weil'z mftfz alles vs vnd wilfehet den mnnd vnd gieng hinweg. Die LXXVII. histori tagt, wie Vlenfpiegel in ein häuf fchifz, vnd bliefz den geftank durch die wand in ein flrlin, die ihn ni t leiden mochten. Heftig wandert Vlenfpiegcl vnd kam gen Nürnberg vnd was da XIIII tage. Vnd in der lierbcrg da er in was, da wont ein fnnn man, der was reich vnd gieng gern in die kirchen, vnd vermocht lieh nit wol der fpillent. Wa die waren oder kamen, da er was, da ging er da von. Da lief der fclb man ein ge- wonheit, das er des iares eins fein nachburen zfi gafl het, thel in den gütlich mit koft vnd mit wein, vnd mit dem heften ge- trenk, vnd in wclichem häuf feiner nachhauren, den er zft gaft pflegt, zft haben, het er ein ! ) frembden gafl, kaufleut, zween oder drei, die lüd er all zeit mit, vnd waren ym wilkmmnen. Da kam die zeit als iederman die gelt wolt haben, da was Vlenfpiegel in feins nachhauren häuf, zft dem nechftcn, da er zft herherg was. Vnd difer man lüd feine nachhauren, als er für ein gewonheit hett, vnd ire geft die fie betten, funder Vlnfpiegeln lüd er nit, den falle er für ein gauklcr vnd fpilman an, die pllag er nit zft laden. Da nun dife nachbucrn zft difem frembden man zft gaft in fein häuf giengen, mit den frummen leuten, die er auch geladen het vnd a ) iren hiilern zft herberg w'aren, da gieng der wirf, auch, hei dem Vlenfpiegel zn herherg w r as, mit feinen gelten 3 ), die auch dar gebeten waren zft galt. Vnd der wftrt lagt zft Vlenfpiegel, wie in der reich man für ein gaukler anfehe, darum!) het er in nit zft gaft geladen. Vlenfpiegel w'as des zftfriden vnd gedacht: bin ich ein gauklcr, Io fol ich im gauklery beweifen, vnd in icklet, das in der man fo verfchmehet. So was es bald nach faut Martins tag, da allb die gaftung gefchah vnd daz der wirt mit feinen gelten in einem koftlichen gemach falz, da er 1. liier sind im Originale die Worte: gullicli mit koft... het er ein etwas entstellt wiederholt. 2. Lies: vn Zoll hoch und beinahe eben so breit: Eulenspiegels Vater zu Pferde, mit dem Knaben, dessen Rock aufgesehlagen ist, hinter sich. Man erblickt drei Menschen hinter ihnen. Auf dem Kopfe des Pferdes, als Eiocchi erhebt sich ein beblätterter Stock mit einem runden Spiegel, auf welchem eine Eule steht, beinahe gleich einer Monstranz. Rogen K ij 40 Blätter in kl. 4., von denen jedoch in dem Kopenhagener Exemplar, dem einzigen bekannten, zwei fehlem X. u. XI. Signatur C 2 u. C 3. Die Seite bat 32, auch 33 Zeilen. Mit 26 Holzschnitten, welche an Michael 'Wohlgemuths frühere Arbeiten erinnern. Am Ende: Gheprint Thantwerpen in die Ivapc by my Micliiel van Iloochftraten. Das Jahr des Druckes ist nicht angegeben. Von dieser Ausgabe ist nur ein Exemplar bekannt auf der K. Bibliothek zu Kopenhagen, welches Sulun einst aus Luxdorphs Büchervcrstei- gerung erwarb. ’J 1. Nachdem ich durch gefällige Miltheilung des oben gedachten Exemplares in den Stand gesetzt, dasselbe zu untersuchen, hat Herr Justizralh Molbech von demselben eine Heschrcihung im Serapeum 1846 Nr. 6 geliefert, als eines plattdeutschen Eulenspiegels, womit ich jedoch nicht übereinstimmen kann. ■.'2WKSX Ausgaben 1520 - 1530. 154 Auf der Rückseite des Titelblattes steht: Die Prologhe. Om die bede van foimnighe vrienden ben ick be | fcriuéer des boecx niet weder fegghen en dorfte. ,| Soe hab ick ghecopu- leert fonnnighe rcene boeuerien | die Thiel Vlefpiegbel bedreuen lieft in fyn leuen ende | fterf alfmen fchreef M.CCCL. Nv be- glieer ick noch | tans veronfculdicbt te fine voor gheeftelijck ende weer | lijck voor hoghe ende leege dat mi niemant te feer hier | in wil ftraffen noch hem feinen daer in verftoren, want | ick dat niet en maecte datter godes dienft hy vermin | dort ende verloren foude fijn. Noch oock datmcn fcalc j heyt foude foecken, maer om des menfchen finnë daer | mede te verlichten ende te vernieuwen. Ende ooc om | dat die (impel flechte menfchen voor der gelijcker boe | ucrijen hem fouden moghen wachten offe hem lieden | voor ooghen quarrten. Ilet is oock beter te hooren en I de te lesen datmen lachtet ende gheen fonde en doet da | «latinen fonde dede ende datmen weende ende fereyde. Das zweite Blatt beginnt: Hoc Vlefpiegel dreimal op eenen dach ghedoopt | was als hi gheboren w'as. (Darunter ein bezüglicher Holzschnitt.) In dem Lande von Saffen int dorp te knetlinge by den welme werdt Vlefpiegbel gheboren. Eñ fijn vader hiet Claes vlefpiegbel ende si jn moeder Wyhclce. En fi fonden haer kind tot A m p 1 e n e n ter doopen .. Das Ganze enthält 46 nicht bezifferte Capitel, wenn wir auf die fehlenden zwei Blätter noch zw'ei rechnen dürfen. Diese Abschnitte enthalten jedoch in einigen Fällen eine kürzere Darstellung dessen, was in späteren Ausgaben in mehrere Capitel vertheilt ist, also etw'a 51 von den 96 Capiteln der Ausgabe v. J. 1519. Ich habe der nachfolgenden von mir entworfenen Liste der Capitelsüberschriften, Ordnungszahlen und Vergleichungen mit der Ausgabe Murner’s beigefügt. (1.) Hoe Vlefpiegbel driemael op eenen dach ghedoopt was als hi gheboren was. M. 1. (2.) Hoe Vlefpiegbel anlwoordc eenen man die nau den wecli vraghedc. (fehlt M.) Ausgaben 1520 — 1530. 155 (3.) Iloe Vlenfpiegel achter finen vader ladt op een peert llionende fyn fealcheyt. M. 2. (4.) lloe Vlefpiegel int water viel van der coorden. ¡VI. 3 u. 4. (5.) Iloe Vlel'piegliels moder he hadt efi onderwces dal hi een amhacht fonde leeren. M. 5. (6.) lloe Vlefpieghel broot creech voor lyu moeder. M. 6. (7.) lloe Vlefpiegel geftolen wert in eenen biekorf. M. 9 u. 10. (8.) Iloe hem Vlefpieghel verhuerde bi een pape. M. 11. (9.) Iloe Vlefpieghel te Buddeuflede colter wert. M. 12 u. 13. (10.) Iloe Vlefpiegel wilde vliegen. M. 14. (11.) Iloe Vlefpieghel medicinen gaf eenen doctoer. M. 15, Lücke von zwei Blättern. Hier fehlen vermuthlich: (12.) Iloe Vlefpieghel ein kranc kint fcliij tende maecte, zoo hy zeyde. M. 1 (5. (13.) Iloe Vlefpieghel op eenen dach alle de fiecken ghenas die int gaftlmys waren. M. 17. Das nächstfolgende Blatt beginnt unten in der Erzählung: (14.) wie Eulenfpiegel bei Mondfehein das Mehl in den Ilof beutelt. M. 20. (15.) Iloe Vlefpieghel een wachter was hi den vorfte van Anhalt om die vyanden te wachten op den toreu. M. 22. (16.) Iloe Vlefpieghel des conincx van Polen fot verwan met grooter fotternien. M. 24. (17.) Hoe die hertoge van Lunenborch Vlefpiegel fijn laut verboot. M. 25. (18.) Iloe Vlefpieghel vertrac bi den lantgraue van Hefsen en gaf hem wt vor een fchildcr. M. 27. (19.) lloe Vlefpieghel difputeerde onder die doctoren. M. 28. (20.) Iloe Vlefpieghel een muylftoter werdt. M. 31. (21.) Hoe Vlefpiegel te Bamberch om gelt adt. M. 33. (22.) Hoe Vlefpiegel te Bornen gliinc om den paus te fpre- ken. M. 34. 156 Ausgaben 1520— 1530. (23.) Hoe Vlefpieghel te Franekefoort drie Joden bedroocli dien hi ftront vereoehte. M. 35. (24.) Hoe Vlefpieghel den prochiaen alTchattede fijn pacrt door fijn bicchte. M. 38. (25.) lloe hem Vlefpieghel voor een linit verhnerde. M. 39. (26.) lloe lieni Vlefpiegel verhnerde met eenen fchoemaker. M. 42. (27.) Hoe Vlefpiegel ftront voor lineer oft vet vernicht. M. 46. (28.) Hoe Vlefpieghel dicnde een cleermaker. M. 48. (29.) Hoe Vlefpieghel te Lobelie den wijntapper bedroech. M. 57 u. 58. (30.) Hoe Vlefpieghel een brilmaker wert. M. 63. (31.) lloe Vlefpieghel hem verhuerde voor een cock. M. 64. (32.) Hoe Vlefpieghel te gafte genoot was. M. 66. (33.) Hoe Vlefpieghel gewan een leyts laken. M. 68. (34.) Hoe Vlefpieghel den XH blinden oin gods willen gaf XX. gulden alfoe fi nieenden. M. 71. (35.) Hoe Vlefpiegel tot Yfzleuen den weert veruaerde inet eenen dooden wolf. M. 78. (36.) Hoe Vlefpieghel eenen hont vilde eñ gaf dat vel der weerdinnen voor dat half gelach. M. 82. (37.) Hoe Vlefpieghel der l'eluer weerdinnen op een tyt feyde hoe dat Vlefpiegel op een rat lach. M. 83. (38.) Hoe Vlefpieghel een weerdinne metten bloten eers fette op die beete affchen. M. 84. (39.) Hoe Vlefpieghel eenen Hollander wtrechte inet eenen ghehraden appel. M. 86. (40.) Hoe Vlefpieghel dede een vrouwe haer eerde potten in ftucken flaen. M. 87. (41.) Hoe Vlefpieghel hotermelck coclite. M. 70. (42.) Iloe Vlefpiegel die trappen afhrac dacr die moniken af vielen ter aerden. M. 89. (43.) Hoe Vlefpieghel te Mollen cranck wert, ende hoe hi den apoteker in fijn huffchen fchect eñ hoe hi in den heyligen gheelt ghedraghen wert. M. 90 u. 91. (44.) Iloe Vlefpiegel finen hiechtvader hedrooch eñ dede hem fijn banden hefchijten. M. 92. Ausgaben 1520 — 1530. 157 (45.) Hoc Vlefpieghel fijn teftament macelo. M. 93 u. 94. (4(j.) Hoe Vlefpieghel begrauen wert. M. 95. Man ersieht aus dieser Lisle, dass der Anlwerpener Text nur eine Erzählung hat, welche in dem des Murner fehlt. Im Uebrigen stimmen beide Texte dem Sinne nach genau überein, nur die Darstellung ist in letzterem etwas breiter. Die Ortsnamen sind stets dieselben , sowie die der angeführten Personen , von denen jedoch der deutsche Text einige enthält, welche in jenem fehlen. Der dem Anlwerpener Texte cigcn- thümliehe Abschnitt aus Blatt 2 11 möge hier als Probe der Sprache folgen : Hoe Vlefpieghel antwoorde eenen man die nae den wech vraghede. (Holzschnitt mit Bandverzierungen.) Als Vlefpieghel noch een hint was, fo waren fijn ouders op een tijl wt ghegacn, ende haddö he alleen thuys ghelaten. Soe quam dacr een man rijden aent buys eñ vraerhde nae den wech, ende want hi nie | Blatt 3 a | niant en fach, fo riep hi: ifser niemant in buys? Doe feyde dat kint Vlenfpieghel: iact, anderhalf man ende een peerts hooft, want, ghi fidt mette haluen lijue in buys met dat hooft van den peerde, ende ich ben een gheheel man. Doe vracchde die man: waer is v vader eñ moeder? Doe feyde dat hint: mijn vader die is van quaet quader maken, eñ ínijn moeder is om febade oft om fehande. Die man feyde: hoe dat? Dat hint feyde: mijn vader die maect eenen quaden wech noch quader, want hi maect putten, dat man opt dbefayde lant niel en fonde riden, ende mijn moeder is broot leenen, ende ghelffe min weder, dat is fcande, gheeflle te vele, dat is lcade. Do feyde die man: wacr fal ick te rechte rijden ? Dat hint feyde: daer die ganfen gaen. Eñ als die man qua rijden, vlogen doe die ganfen int water; doe bat die man twifel ende rcedt weder om ende feyde: die ganfen fijn int water, dus en weet ick waer ryden. Dat kint, feyde: ghi font rijden daer die ganfen gingen, eñ niet dar fi fweminë. Doe rcedt die man wech ende hem ver- wonderte feer van die antwoorde des hints. 158 Ausgaben 1520— 1530. Das letzte Capitel lautet auf Blatt K 3 b.: Iloe Vlefpieghel begrauen wert. Int laellle was ooc die begrauinge vä vlefpieghel wöd’lic wäl als fi hë in dz graf metter kille wilden fetten fo brac dz eë zeel daer fi die kifte medë l'incke wilde aen dz voete ¡ Blatt K 4 a | eynde fo dat die kifte ouer eynde viel in dat graf en vlefpiegel die qua op zy voete metter kifte te ftaen. Doe feyde fi al dye daer bi ware. Laet lie fo ftaen wät hi wond’lic was in zÿ leuê, w’onderlic wil bi zy na fijn doot. Aid? lieten fi vlefpiegel recht int graf f'lae en fi dectG dat graf eü leyden daer op eene fteen daer op gehomven w'as een wie hebbende een fpiegel onder zy clauwen alfo liier na gefigurcert fteen ftaet, ende op den fteen ftont gehomven inet geferifte. Defen fal nyemant vhouwen. Hier leetvlefpieghel begrauen. Hierauf ein Holzschnitt in oblonger Einfassung, ein runder Spiegel in einem Rahmen mit acht Facetten. Auf demselben sitzt eine Eule mit den Klauen ihn ergreifend. Eine Inschrift ist nicht vorhanden. Zwischen diesem Holzschnitt und der oberen angegebenen Bezeichnung des Druckers stellt noch folgendes: Epitaphium. Noctua et ab fpeculo vix noxior eutropelusqz Depofuit, teftans ridiculofus homo, Ne ftat ne fedeat iaceatqz ferant tumulo eius, Vel feclaris vel fpiritualis eum. Dormitat in Christo cum Chrifti fidelibus hic nam, Aut cadit aut ftat hero femus, vt ipfe fuo. Kleine Abweichungen in den im Allgemeinen gleichlautenden Erzählungen, ausser den in der Vorrede und im Anfänge der ersten Historie zu ersehenden sind noch, dass Cap. 3 die Saale nicht benannt ist, der Ort Stafsfurt Staffert genannt wird, Cap. 6, 36, 37 ; und Cap. 8 bei Büddenstedt im Lande Braunschweig die Bezeichnung der Diücese Stift Magdeburg fehlt. Cap. 9 leiden die lateinischen Worte. Cap. 11. Bruno wird Graf von Quecfer anstatt Querfurt genannt, und fehlt die Benennung des Ausgaben 1520— 1530. 150 Schlosses Grevenstein oder Gevekenstein. Cap. 18 wird Marburg nicht genannt; unter den Vorfahren des Landgrafen von Hessen ist dem Ludwig der Beiname "der Fromme” nicht gegeben. Cap. 19 fehlt am Schluss die Angabe, dass Ulenspiegel nach Erfurt ging. Cap. 20. Pommern wird naher bezeichnet als in Oostland belegen. Der Name des neuen Heiligen Brandonis (Brandanus) fehlt. Cap. 23. Der Rabbi wird Akipha genannt, eine Umsetzung von Caiphas, anstatt des Alpha in Murner’s und Kruffter’s Texte. Cap. 24. Risenbrugge anstatt Risenburg, was dem von mir nachgewiesenen Kissenbrugge zufällig näher kommt. Die Bezeichnung des Bisthumes heim Bischöfe von Halberstadt fehlt, so wie die Erwähnung von Wolfenbüttel, und Cap. 30 Friedburgs in der Wetterau. Die Zahlen des Geldes sind gewöhnlich dieselben, nur Cap. 23 verkauft Ulenspiegel dem Juden die Prophetenheeren für 500 11., wo 1519 und 1532 Eintausend Gulden angegeben sind, Ivruff- ler aber nur hundert Gulden hat. Auch Cap. 29 werden zu Lübeck für den Wein X Witten gefordert und VIII Witten geboten, wo bei Murner X und VI Pfenninge, hei Kru (Iter XII und VIII, 1532 XL und XXIV Pfenninge stehen. In dieser Erzählung fehlt, wie auch hei Kruffter, der Name des Weinschenken Lamprecht und Ulenspiegels Gesuch an den Rath besteht darin, dass er von dessen Mitgliedern und dem Bürgermeister zuerst begehrt, was Mur- ner’s und andere deutsche Texte dem Weinzapfer, Schenken und Schinder zuumthen. Cap. 31 ist Ililderssen für Hildesheim, jedoch nicht das irrige Midessheim, desgleichen fehlt der Name des Priesters Herr Heinrich Ilamenstedt, so wie Cap. 32 der letzte Schwank mit dem Schelmschinder. Cap. 33 ist von Grün leyts (Leydener) laken die Rede, anstatt des Grünen Lundisch (Lund in Schweden oder London) Laken. Cap. 34 giebt Ulenspiegel den Blinden XX Gulden, nicht wie hei Murner XII Gulden, wo des Hänfen Fritz Herberge nicht genannt wird, welcher Eigenname erst 1532 vorkommt. Cap. 38 fehlt am Schlüsse der Scherz über die Romfahrt. Als auffallende Uehereinstimmung mit dem älteren Texte lässt sich hervorheben, dass in Nr. 21 Ulenspiegel gleichfalls von Nürnberg nach Bamberg wandert, obgleich Murner’s vorangehendes Capitel 32, welches den Schwank zu Nürnberg ;;r. fP&-3.íSTr™- ■: -î. ‘-i' 160 Ausgaben 1520— 1530. berichtet, im Aiitwcrpencr Texte weggelassen ist. Dagegen vermisst man viel von der Gemülhlichkeit der Mnrner’schen Darstellung. Ulenspiegel wird nie der gute, fromme genannt, sondern er wird mehr als Spitzbube angesehen. Diese Ausgabe kann nicht älter sein als die v. J. 1519, aus welcher alle Erzählungen mit den gleichlautenden Ucberschrift.cn entlehnt sind, mit Ausnahme der zweiten, welche sich auch in S. Kruffters Texte lindel. Man könnte daher die Autwerpcner Uebersclzung für einen um etwa 25 Erzählungen verkürzten Auszug aus dein letzteren halten, wenn jene nicht die Historien 36 und 37, Murner’s Nr. 82 und 84, enthielte, welche hei Kruffter fehlen. Es deutet daher dieser Text wohl gleichfalls auf eine uns unbekannte Ausgabe hin, welche in den nächsten Jahren nach 1519 erschienen ist. Mit diesen Vermulhungen stimmt auch überein, w'as wir über die Zeit des Druckes wissen. Man hat die Ausgabe des Michiel van Iloochftraten um das Jahr 1495 gesetzt. ‘) Doch gewiss ohne Grund. Es ist nämlich von den in diesem Jahre publicirten "Keuren van den landen van Zcelandt”*), welche in mehreren Ausgaben vorhanden sind, auch von jenem eine solche, ohne Angabe des Jahres des Druckes, vorhanden, welche augenscheinlich auch später gedruckt sein kann. Teil habe von seinen anderen Drucken nur in Erfahrung bringen können : 1506. De oudt vaders collation, fol. 1 * 3 ) 1519. Petri Aegidii Threnodia in funus Imperatoris Maximiliane 1527. Ilet Niemve Teftament. 8. AYcim nun sein Druck der Keuren van Zeclandt um das Jahr 1495 gesetzt wird, so dürfte hier wohl ein Irrthum vorhanden sein, jedenfalls wäre für den Ulenspiegel kein Grund für die Annahme cines so Iridien Jahres vorhanden, seihst wenn nicht andere Gründe entscheidend dagegen sprächen. 1 Grütze Lehrbuch einer allgemeinen Literärgeschichte Bd. II, Alitli. 2, 2. S. 1020. 2. S. Panzer Annal. Typograph. Bibliophile Belge T. 11. 3. Bibliophile Belge T. I. p. 82 sq. Ausgaben von 1532. 161 4. 1 532 . Zwischen vier Blümchen zuerst eine Eule, dann lt U 1 e n f p i e g e 1” und darauf ein runder Spiegel. Sodann : De sa vie de ses oeuures | Et nierueilleufes aduen- lures par luy faictes | et des gran- | des fortunes quil a eux, lequel par nuiles fallaces ne se laif | fa tromper. Nouuellement translate et corrige de Flamant | en Francoys. i * ') Bogen K iiij 1 ’ in 4. die Schrift durchaus gothische, ohne Seitenzahl und Custoden. Am Ende: Imprime nouuellement a Paris en lan Mil * CCCCC * xxxij * Ein Holzschnitt auf dem Titelblatte gleich dem oben beschriebenen der Antwerpener vlämischen Ausgabe; die Vorrede und der Schluss, wie Dr. Moser 2 ) sie mittheilt, sind wörtliche Uebersetzungen des Textes derselben Ausgabe; eben so findet sich hier am Schlüsse das lateinischen Epitaphium, nur fehlerhafter gedruckt. Hinter dem Namen des Druckortes ist noch wie dort, ein Holzschnitt des Spiegels und der Eule; ausserdem noch sieht der Beschauer ein Stück von einer Stadt, wie es hei den Holzschnitten im Texte häufig vorkommt. Die französische Vorrede lautet also: Pour la priere daucuns mes amis aufquclz ie acteur de ce prefent hure nofoye reffuffer. Jay compuse aucunes plaifantes tromperies et gaberies, lefquelles Tiel Vlefpiegle flft en fa vie. Et mourut en lan mil troys cens cinquante. Je defire toutes foys et demande delire excufe tant déliant fpirituelz que tempo- relz, deuant nobles et innobles que nully trop margue ne fe courrouce car ie ne lay compofe que le fcruice de Dieu y fuit diminue ou galle, ne auffi quon pourroil cercher aulcune faulcete, 1. Dieses ist verrauthlicli das Zahlzeichen X, welches, wie auf dem später zu verzeichnenden französischen Drucke die Zahl der Bogen (cahiers) andeutet. 2. Naumann’s Serapeum 1840 Bd. I S. 375 — 77. 11 162 Ausgaben von 1532. mais tant feullement pour recreer et rcnouueller les entendemens des hommes, et auffi affin que les limpies gens de telles tromperies fe pourraient garder au tëps aduenir II vault auffí mieiilx douyr et lyre quon rie fans faire ])eche que en plourant on fifi peche. Hierauf folgt ein Holzschnitt quer herüber, wie Ulcnspiegcl auf die Frankfurter Messe kommt. Das einzige bekannt gewordene Exemplar ist in der Iv. Bi- liothek zu Stuttgart. 5. 15 32 . Von Vlenfpiegel eins hau | ren son ') des lands Braun- schweick, wie | er fein leben Vollmacht hat, gar mit | sellzamen Sachen. Am Ende: Gedruckt zu Erffurdt durch Melcher Sachsen ynn der Archen Noe. MDxxxij. Bogen X in 4. 84 unpaginirte Blätter, von denen das letzte leer ist. Gleich unter dem angeführten Titel ein drei Vieriheile der Seite einnehmender trefflicher Holzschnitt, den Eulenspiegel reitend und mit einer Eide in der einen, einen Spiegel in der anderen hochgehobenen Hand vorstellend. Ich bemerke, dass in dem mir vorliegenden Drucke Ulen- fpicgel ein kleines Schwert an der rechten Seite trägt, dessen er sich in seinen Thaten nie bedient. Er trägt einen Bart und auf dem Kopfe eine spitze Mütze mit Zacken und Federn, ein Untergewand oder Schurzfell, blätlcrartig gespalten und einen ähnlichen Zierrath auf den Schultern, alles vermuthlich einer Narrentracht entlehnt. Ich entnehme aus dem sehr gut erhaltenen, der K. Bibliothek zu Berlin gehörigem Exemplare die folgende Vorrede: Es was vor zeitten ein liftiger | vnd durchtribner abenthewrer genant Vien- | fpiegel, Geborn ym Braunfchweigifchen Iler- | zog- thuinb, der yii Teutleben vü Welfchë lande, | vor herrn vnd 1. Sun anstatt tun. gemeinem volck feltzam vñ fchal | cksluftig poffen vñ abentheur volhracht hat, Welch gefchichten ich, fo vnd nach dem ctlich, die mich derwegen gebeten, einiche entfclmldigung annemen wol- ten, zulämen gezogen vnd gepracht, Nicht aber darum]), das ich vormeinte, die andechtige zu trösten, fondern weil die natürlich menlchliche neigung, bey frölichen verfamlungen ein frey vnd ficher gemfiet fordert, vnnd das folch Zeiten, gebürlicher weis zugebracht werden, pflegen auch fonderlich perfonen, leiebtfinnig vnd frölich gefchwengk, neben andern furzubringen, Doch mit furfichtiger mais, vñ ynn fouders, wann es die zeit vnd ftad, darauff böchl'te achtung ift zu haben, auch andere gelegenlieiten, erleiden wollen, der man fiel) nicht allein darum!) gebraucht, das dadurch freundfcbalft, gutwilligkeit oder ein meffig gclechler, bey den Zuhörern erweckt wurde, fondern vielmehr, fo auch zu oll- termalen, folch vnd dergleichen freundlich gefchwenck, laugwirig traurikeiten, ernftlich, neidifch fachen, vnd andere vnwillen, mildern, vnd gar hinwegk nomen, Auch das yhenige, fo mit weifen auslegen nicht kan vnd mag vorlegt vnd ausgelofchen werden. Weil vnd auch aus allen gcbtlrlichcn gefchwencken vfi fabeln, ernfte meinungen gezogen vnd verbanden werden, vnd nicht ferner vnderfchiden fein, dann das ernflliche fachen, weislich vnd tapffer vfi die gefchwenck lecherlich gehandelt werden. Wil mich diefem nach verfehen, es werde ein yeder lefer volgende gefchicht vnd Iliftorien, gütig verlefen, vnnd guter meinung annemen. Auf der Vorderseite des letzten Blattes : EPITAPIIIVM. Dielen ftein fol niemandts erhaben Ulenfpiegel lehent hie begraben. Darunter ein Holzschnitt: der Spiegel mit acht Facetten, auf welchem die Eule sitzt; beide von vier Linien umschlossen. Der Text enthalt, 102 numerirte Historien mit 86 Holzschnitten, unter denen aber nur die ersteren einigen Werth haben, da die späteren, wie es scheint, von älteren schon abgenutzten Stücken gedruckt sind. In der Erlindung gleichen sie mehr oder minder den Strassburger Holzschnitten v. J. 1519, doch ist die 164 Ausgabe 1533 — 1537. Kleidung des Ulenspiegel verschieden, dem eine spitze Kappe und ein unten gezacktes Gewand gegeben ist. Die Nummer der Historie 92 kommt zweimal vor, doch fehlt 43, fo dass die Zahl der Historien wirklich 102 beträgt, oder wenn man, wie in der ältesten Strassburger, dem Epitaphium eine besondere Nummer verleihen will, 103. Ein Exemplar dieses seltenen Druckes ist bemerkt im Verzeichnisse der am 3. März 1834 zu Frankfurt am Main zu versteigernden Büchern S. 4 Nr. 14. Es wird daselbst noch hinzugefügt, dass bis jetzt nur vier Exemplare, fast alle defect, bekannt seien. Die Collection précieuse de livres, Halle 1846 Mars 16., bekanntlich die Sammlung des Wiener Buchhändlers und Antiquars Matlh. Ivuppitsch führte unter Nr. 7181 ein Exemplar auf, mit Portrait und 86 Holzschnitten. Dieses ist mit 60 Bthlr. Gold für die Privatbibliothek S. M. des Königs von Preussen erstanden und von demselben der K. Universitätsbibliothek zu Berlin geschenkt worden. Ein anderes Exemplar findet sich auf der K. Bibliothek zu München. Diese Ausgabe enthält die oben S. 139 flgd. aus ihr abgedruckten Zusätze, hat aber manche eigentümliche Züge der Strassburger Ausgabe, welche noch in der von Kruffter sich befinden, weggelassen, und ist reich an Missverständnissen und Druckfehlern, welche die übrigen Erfurter nicht nur, sondern fast alle folgenden Ausgaben wiedergegeben haben. 6 . 1 5 33 — 37 . Eine der vorgedachten Ausgabe durchaus ähnliche ist aus derselben Druckerei zu Erfurt hervorgegangen, von welcher das dem Herrn von Meusebach einst gehörige Exemplar gegenwärtig auf der K. Bibliothek zu Berlin sich befindet. Leider fehlen in demselben die beiden letzten Blätter, so dass das .Taludes Druckes, so wie Ort und Name des Druckers nicht zu ersehen sind. Letztere sind jedoch nicht zu bezweifeln. Der Druck ist demjenigen vom Jahre 1532 so durchaus gleich, dass nur eine genaue Vergleichung ergiebt, dass in den Ueberschriften so -Ausgabe 1533 — 1537. 165 wie am Schlüsse mancher Historien die kurzen Zeilen anders abgesetzt sind, als in diesem, z. B. Historie 11, 40, 41, 55, 99. Auch finden sich kleirife Abweichungen in der Schreibart, z. B Hist. 49: “geweht” für “gewegt”, “Brenburgk” fur "Orenburg”, u. a., wodurch diese Ausgabe der bald zu erwähnenden v. J. 1538 näher kommt, und dieselbe daher nicht für älter, sondern für jünger als diejenige von 1532 zu erachten scheint. Die fehlenden beiden Blätter am Schlüsse sind handschriftlich ergänzt, ver- muthlich im 17. Jahrhundert, wie schon die Form “Eulenspiegell”, welche für das ältere Ulenspiegel mir nicht vor dem Frankfurter Drucke des W. Han v. J. 1557 — 63 vorgekommen ist, vermuthen lässt. Diese Ergänzung schliesst mit der wunderlichen Notiz: “Gedruckt zue Augspurg durch Simo’n Gymell, so aus der alten Sexischen sprach in gute Teutsche sprach gebracht würden Im 1498 Jahr.” Ein Buchdrucker dieses Namens ist in der Augsburger Bibliographie zu der gedachten Zeit durchaus unbekannt.* Ob 1598 oder 1698 ein solcher vorkommt, muss ich dahinstellen. Die Notiz von der Uebersetzung “aus der Sächsischen Sprache in gute Teutsche” findet sich zuerst in der Cöl- ner Ausgabe v. J. 1539. Noch mehr geht die Verfälschung der Jahreszahl aus den Schlussworten des abgeschriebenen Textes hervor, worin es heisst: Alfo fulleden fye das grab mit erden zw, fatzten einen ftein oben darauff vnd hieben fein biltnufs uff den ftein alfo ftehent und machten im in eine handt ein Eulle vnd in die ander handt ein fpiegell vnd lifsen dieffe fchrifft darauff machen, die lautet alfo: Diefen Stein foil niemandt erhaben, Alhie ftet Eulenfpiegell auffrecht begraben. Alfo ftet diffe grobfchrifft zu Mollen in Saxfen vif feinem grob Anno 1350 Jar. Seihst abgesehen davon, dass die Ausgaben vom Jahre 1519 bis 39 das Epitaphium ausdrücklich nach Lüneburg versetzen, die folgenden aber dabei keines Ortes gedenken, ist die Beschreibung des Bildnisses zu Mölln freilich den später dort nachzuweisenden entsprechend, aber nicht demjenigen Epitaphium, welches in allen mir bekannten Ausgaben, bis zu den neuesten 166 Ausgabe von 1538. lierai) sich beschrieben findet. Soll zu diesen Gründen noch hinzugefügt werden, dass die Ausgabe v. J. 1519 die Abfassung des Werkes erst ins Jahr 1500, also später als jene handschriftliche Angabe eines unnachweisbaren Druckes setzt? Es ist nicht zu bezweifeln, dass der Schreiber die Lücken in dem gedruckten Texte aus seiner Kenntniss des Grabsteines zu Mülln ergänzte, und möchte der Verdacht sogar nicht unbegründet erscheinen, dass er jene absichtlich veranlasst habe, um seinem Exemplare, vielleicht auch dadurch dem Grabstein zu Mölln den Werth eines höheren Alters zu verleihen. 7. 1538 . Von Vlenfpiegel eins bau- | ren fon des lands Braun- fchweick, wie | er fein leben volbracht hat, gar mit feltzamcn fachen. Am Ende: Gedruckt zu Erffurdt durch Melchior | Sachffen inn I der Arche ¡ Noe. ; M. D. XXXVIII. Die Holzschnitte auf dem Titelblatte, so wie in dem ganzen Werke, dessen Bogenzahl und Inhalt stimmen genau mit dem Erfurter Drucke v. J. 1532 überein, selbst im Fehlen der Nummer 43 und Wiederholung der Nr. 93. Man müsste die Drucke für identisch halten, wenn nicht kleine orthographische Verschiedenheiten bemerkbar wären und nicht zu der Bezifferung der Historien andere grosse Buchstaben gewählt wären, hei der zwölften diese Zahl nicht durch XII wiedergegeben und bei den folgenden, wo 1532 auch Ziffern gebraucht, hier gothische, 1538 aber römische Ziffern sich fänden. Auch hier hören, wie 1532 mit der achten Historie, die grossen Initialen auf, wenn diese gleich von einander abweichend gezeichnet sind. Ein Exemplar dieser Ausgabe besitzt die königliche Bibliothek zu Berlin, ein anderes sehr gut erhaltenes hatte Herr von Meusebach. Ein Exemplar besass Professor Job. Adolph Nasser, welcher in seinen Vorlesungen über die Geschichte der deutschen Poesie Th. I S. 213 flgd. daraus die Erzählungen XIIII und XVII hat abdruckcn lassen. Ausgabe 1532— 1539. 167 8 . 1532 — 39 . Zwischen vier Blümchen eine Eule und ein Spiegel; zwischen letzterem: V1 e n f p i e g e 1 De fa vie & de ces oeuues') | Et inerueilleufes adnentures par luy faictes, et des gran- | des fortunes quil a euz, lequel par nuiles fallaces ne fe laif- | fa tromper. Nouuellement Lranflate et corrige de Flamant | en Francoys. -ç * Folgt ein Holzschnitt: Illenspiegcls Vater mit geschwungener Peitsche zu Pferde; hinter jenem das Söhnchen auf dem Pferde liegend mit aufgeschlagenem Rocke. Das Pferd trägt als Fiochi auf dem Haupte einen beblätterten Stock, an welchem ein Spiegel, über dem eine Eule sitzet. Hinter dem Pferde zwei Leute. Zur Rechten dieses Holzschnittes eine Leiste mit Blumen, zwischen denen ein Vögelchen sitzt; zur Linken verschiedene Darstellungen, unter denen eine Verlobung und oben zwei Figuren, davon eine bezeichnet ist: Thobie. Bogen K iii in 4. 40 unpaginirte Blätter. Das erste Blatt jedes Bogens ist unter den Ordnungsbuchstaben bezeichnet: Ulef. Auf dem letzten Blatte: CCEpitaphium. Nocla et ab fpeculo vix noctior eutropelufque Depofuit, teftans ridiculofus homo. Ne ftat ne fedat iaeeatque ferant tumulos eius, Vel fe claris vel fpiritualis eum. Dormitat in Christo cum Christi fidelibus hic nam Aut cadit aut ftat hero feruus: vt ipfe fuo. CI Cy finiit les laictz et inerueilleufes aduëtures | de Thiel Vlefpiegle, lequel a efte lranflate de 1 langage Flameng en Francoys, et nouuelle- | ment imprime a Paris par Alain lolrian de- mou I rant en la rue neufue noflre dame a lenfeigne de lef | eu de France. I. ccs oeuues für fes oeiuires. 168 -■ iff) Ausgabe 1532— 1539. Darunter ein Holzschnitt eines achteckigen Spiegels, auf welchem die Eule sitzt. Rechts vom Beschauer ein grosses Thor und andere Bruchstücke einer Stadt. Von Alain Lotrian wird angeführt bereits zum Jahr 1518 La Phlebotomie de M. Ant. d’Avignon. 8. und La Fleur de Devotion par un Docteur en Theologie. 8. ‘) Doch druckte er noch 1537 — 43 sowohl Mysterien, als Lieder, und zwar in eben der Gasse und dem Schilde, wie oben, in welchem noch 1531 Jean Trepperel bemerkt wird. 1 2 ) Wahrscheinlich ist also dieser Druck dem vorgedachten vom Jahre 1532 bald gefolgt. Das mir vorliegende Exemplar gehört der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, in welches 1567 Jul. 17 Herzog Julius zu Braunschweig und Lüneburg seinen Namen und seinen Wahlspruch: “Aliis inferviendo conlümor” geschrieben hat. Die Vorrede stimmt wörtlich mit derjenigen des Druckes V. J. 1532. Leber derselben ist ein Holzschnitt, in dem ein sitzender Lehrer einen vor ihm stehenden, in ein weites Gewand gehüllten Studenten ermahnt, worunter man sich denn auch den Verfasser denken kann, wie er dem staunenden Hörer die Eulenspiegeleien olfenbart. Nicht zu allen 46 Erzählungen sind Holzschnitte gegeben, sondern nur zu 26 derselben, welche genau mit den älteren Antwerpener übereinstimmen. Bei manchen ist dieselbe Stadtansicht beigefügt, wie auf dem letzten Blatte, bei anderen eine andere Zeichnung von Blumen oder Köpfen. Zu der Erzählung von den zwölf Blinden (34) ist der Holzschnitt von den Juden zu Frankfurt (23) wiederholt. Zu der Historie, wie Ulcnspiegels Vater mit dem Söhnchen zur Stadt reitet, findet sich ein anderer Holzschnitt, als auf dem Titelblatte über derselben Erzählung mit mehreren und kleineren Figuren. Die 46 Erzählungen sind dieselben, wie in der alten Ant- 1. S. (Jean de la Caille) Histoire de l’imprimerie et de la librairie, ou l’on voit ion origine et l’on progrès jusqu’en 16S9. Paris 1689. 4. pag. 89. 2. Brunet Supplement. T. IÍ p. 476 fq. Vergl. denselben unter Mystères 1539. 1542. Clianfon 1543; auch Quatre fils d’Aymon. Im Klossiselien Kataloge findet sieh noch: L’ent’uyvent les procefses et vailiasccs du preux et vaillant Hercules. Paris, Alain Lotrian 1520. w'orpcncr Ausgabe, auch, mil geringen Ausnahmen, in derselben Reihenfolge. Es ist durchgängig die wörtliche Uebersetzung jenes vlämischen Textes zu erkennen. Bei der, wie es aus Dr. Mosers Miltheilungen über den Text der Ausgabe v. J. 1532 sich ergiebt, beinahe buchstäblichen Uebereinstinnnung mit der vorliegenden, muss als die einzige Ausnahme erwähnt werden, dass 1532 die Eule genannt wird: vng calmant, bei A. Eotrian: und zu Anvers: vng cahuet, in der später zu erwähnenden Ausgabe des Bonfons schon wie noch heute: vn chahuant. 9. 1539 . Ulenfpiegel | De fa vie de fes oeuures, | et merueilleu- fes auentures par luy faictes : et des grandes | fortunes cpiil a eu: Ieql par nuiles fallaces ne fe laiffa trom- | per: nouuelle- mët tranflate & corrige de flamed en francoys. Die Verzierungen und der Holzschnitt des Titelblattes, so wie des ganzen Buches sind dieselben, wie in der vorgedachten Ausgabe des Alain Lotrian, mit den gleich zu erwähnenden Ausnahmen. Bogen A—K iii, 40 unpaginirte Blätter in 4. Am Schlüsse: CL Imprime nouuellement a Aimers en | lan M.CCCCC.XXXIX. Das einzige bekannte Exemplar ist auf der Bibliothek zu Wolfenbtittel vorhanden. Es finden sich auf dem Titelblatte und anderen Holzschnitten nicht die eine Einfassung bildenden Holzschnitte. Auf dessen Rückseite steht die Vorrede überschrieben: Prologue. Unter derselben steht ein anderer Holzschnitt über denselben Gegenstand, wie auf der Vorderseite, Ulenspiegel hinter dem Vater auf dem Pferde liegend, welcher letztere Holzschnitt auch zu der betreffenden Erzählung wiederkehrt, ganz so gezeichnet, wie bei A. Lotrian. Auf F ii ist zu der Erzählung, wie Ulenspiegel sich bei einem Hufschmidt verdingt, und noch einmal auf II iii zu dem Abentheuer in Eisleben, der schon auf D ij gegebene zu dessen Schwanke mit dem Herzoge von Lüneburg gehörige Holzschnitt, wiederholt. Bogen G iii ist zu der Erzählung von seinem Abentheuer als Koch zu Hildesheim der PTTH ■ ï ; -?'ii|ílM')?!!)?i'! i-, . .! ;■ .»nuüm'anai,...« 170 Ausgaben von 1530. Holzschnitt wiederholt auf E ii, zu dem in Bamberg gehörig. Der Holzschnitt auf dem letzten Blatte steht vor dem Epitaphium. Die Holzschnitte der beiden Ausgaben stimmen so sehr mit einander überein, dass es häufig sehr genauer Betrachtung bedarf, um eine Verschiedenheit der Stücke zu erweisen. Unter den grossen Initialen der vorliegenden Ausgabe bemerke ich ein V mit einem Bande, worauf: "Landern praebe Deo”, steht, so wie ein anderes V, worin das stattliche Brustbild eines Mannes mit Eselsohren. Unter den entstellten Namen bemerkt man den des Grafen von Querfurt, als "Quecfer’, hei Lotrian "Quccfor”, später hei Bonfons etwas richtiger “Quefur”. 10 . 15 3 9 . In der Privatbibliothek des Königs von Württemberg in Stuttgardt befindet sich eine von Herrn Dr. Moser a. a. 0. beschriebene Ausgabe, worüber das Folgende hier wiederholt werden muss. Titel: EYn wunderbairlich | vnd feltzame Hiftory, vonn Dyll Ulnfpi I gel, biirtig aufs dem land Bruufchweig, wie er fein leben | verbracht hat, newlich aufz Sachfifcher fprach vff | Teutfch verdolmetfcht, feer kurtz- | weilig zu lefenn, myt fclio- | neu figuren. Hierauf ein Holzschnitt, Ulenspiegel zu Pferd hinter seinem Vater. Rechts von dem Beschauer hängt ein runder Spiegel von einem Baumast, auf welchem eine Eule sitzt. Unter demselben die Worte: Gedruckt zu Coin, hey S. Lupus. A 1, h. Vorrede. Als man zalt nach der gehurt | Chrifti. M.CCCC.LXXX11L Bin ich | durch etliche perfonen gebetten worden, die I fe Iliftorien vnd gefchichten zu l'amen brin- | gen vnd befehreiben, AVie vor Zeiten ein lilii- i gor vnd durchtribner oben- theurer, was eins | Bauren fun, was er gethon hat iii Weilchen vnnd Teutfchen landen, Der was geboren jm Brunfchweigifchen llertzogthumh, genannt Dyll Vlnfpiegel, follichs zu tliun, wer ich willicli. Aber ich wuft nicht follicher vernulft, aber mein ant- wort wollen líe für kein entfcluddigen han, Allo hab ich mich Ausgaben von 1539. 17t nach wenig meiner verftentnufs angenommen mit Gotts hilft, vnd myt Heils angefangen, vnd wil mich gegen jederman entfclmldigt haben, das mein fehreiben niemanls zu widcrtriefz hefchelien ift, Nun allein vmb eyn frölich gemiit zu machen, vnnd dem lefen- den vnd zuhorenden niöghen kurtzwcilige fchwenck daraufz fabulieren. Es ill auch jnn diefein meinem fchlechten fchreihen kein kunl't, oder fubteiligkeit, dann ich leyder der Latinifchen gefchrifft nit gelert hah, vnd eyn fchlechtcr Ley bin, vnd dienet dite mein gelchrilft aller beft zu leien, auff das der Gottsdienft nil verhindert würt, fo fielt die meufs vnder den biinckcn beif- fen, vnd die ftunden kurtz werden, vnd fo die bratnen hieren wol fclnnecken bey dem newen wein, Vnd bit hieinit eyne yegk- liclicn, wo mein fchrifft vö Vlnfpegel zu lang od’ zu kurtz fey, das er das beffer, auff das ich nit vndanck verdiene, vnd damit mein Vorred end, vñ gieht eyn anfang Uyl Vlnfpegels gehurt myt zulegung etlicher Tabulen des Pfaff Amis, vnd des Pfaffen vom Kalenberg. Der Text ist eingetheilt in 100 Historien, deren jede ihre eigene Ucberschrift hat. Die erste beginnt: Inn dem wähl Melbe genant in dem | landt zn Sachfen, in de dorfl' Ivnetlingen, da wart Vlnfpe | gel geboren, vnnd fein va- ter hiefz Claufz Vlnfpie | gel, vnnd fein muter Anna Wcibickin, vnd da fie des kindes genafz, da fchickten fic cs gen Amplenen in das dorff zu dem tauff, vñ liefsen es nennen Dyl Vln fpicgcl, vñ Dyl von der bürg Amplenen genant wart fein ta ufp fetter, vnd Ampien ift das fchlofz, die von Magdeburg bey limffzig jaren, mjt billf d’ andern ftett fur ein böfz raublchlofz zerbrochen. Am Schluss: Allo wurffen líe das grab zu, vnd liefsen | ihn alfo fton, vnd fetzten den cyncn Steyn oben auff das Grab j vnd hewen auff das halb teyl ein Eul vnd einen Spigel, den | die Etd hin den Klawen het, vnd fehrieben oben an den llein Dilen Stein foil nemants erhaben. Ilie ftat Vlenfpiegcl begraben. Vnd dife tibergefchrifft ftat zu Liinenburg auff lcynein grab inn ein Stein gehawen. Im lar als man zalt nach Chrifti Ge- burl Dufent drey Hundert vnd Funffzig. 172 Ausgaben von 1539 und 1540. Epitaphium | Difen Steyn fol niemandts erhaben. Vlenfpiegel ftadt da auffrecht begraben! Gedruckt zu Coin für Sanct Lupus, bey Ian von Ach Im lar Dufent Funlfhundert Neununddreiffig. Signatur A his S von je 4 Blättern. Den Namen des Druckers habe ich sonst Ian van Aich gefunden , in der Historie vom Kaiser Octaviano o. J. 4. (in der Bibliothek des Herrn von Meusebach). Panzer T. VII pag. 420 hat Geo. Vallae de fcribcnda hil'toria epiftola. Coloniae prope divum Lupum. 1533. 8. Ausser jenem Exemplare zu Stuttgardt ist ein anderes in der K. Bibliothek zu München bekannt. 11 . 1 5 39 . Wunderbarliche, vnnd feltzame Hiftoryen Tyll Vlnfpiegels, aufz dem land zu ßraunfchweig bürtig , new aufz Sachfifcher fprach a uff gut hochdeulfeh verdolmctfcht. Strafzhurg Jac. Frölich. Mit Ilolzfchnitten. 1539. 4. Angeführt in dem Verzeichnisse einer Sammlung von Büchern, welche am 25. Januar 1847 zu Frankfurt am Main öffentlich versteigert werden sollte. S. 367 Nr. 7172. Vergl. unten z. J. 1543. 12 . 1 54 0 . Eyn wunderbarliche | vnd feltzame Hiftory, von Dyll Vln- I fpiegel, bürtig aufz dem laud Brunfchweig, wie | er fein Lehen verbracht halt, newlich aufz | Sachfifcher fprach auif gut Teutfch I verdolmetfchet, feer kurtzweilig | zu lefen, mit fehönen I figuren. Folgt ein Holzschnitt: der alte Ulenspiegel mit dem Sohne hinter sich auf dem Pferde; vor ihm ein Mann mit einem Topfe, zwei Leute hinter ihm; an dem Baume vor ihnen eine Eule und ein Spiegel. Ausgabe von 1540. 173 Unter dem Holzschnitte: Anno M.D.XL. Am Schlüsse: Gedruckt zu Augspurg, durch Alexander Weif- fenhorn, | Im lar Taufent Funfl'himdert i vnd flertzig. Bogen S iii in Quarto, 73 unpaginirte Blätter. Vorhanden auf der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel. Alexander Weissenborn hatte seit wenigstens zwölf Jahren zu Augsburg gedruckt; das vorliegende Buch ist eine seiner letzten dortigen Leistungen ; in Ingolstadt, wohin Herzog Wilhelm von Baiern ihn berufen, hat er zu Anfang April 1541 die Alexandreis des Gualterus de Caflellione beendigt. Das Buch enthält hundert numerirte Historien und ist durchaus ein Abdruck der gleich viele Blätter zählenden Cölner Ausgabe V. J. 1539. Schon Lessing hat jener gedacht'), doch ist für uns sie nach der Berücksichtigung der älteren Strassburger und Erfurter Ausgaben von geringerem Interesse. Mit dem Titelkupfer enthält sie vierzig Holzschnitte, welche von andern uns bekannten abweichen. Gewöhnlich nehmen sie nicht viel mehr als die halbe Breite des Blattes ein, hei entsprechender Höhe. Es sind hier hundert Historien numerirt, anstatt der gewöhnlichen 102, oder richtiger wegen der zweifachen Nr. 93, 103 Geschichten. Nr. 34 ist doppelt aufgezählt für die gewöhnliche Nr. 37 und 38; dagegen fehlt die Nummer 76, so dass wirklich 100 Historien abgedruckt sind. Von jenen 103 fehlen in der Augsburger Ausgabe Nr. 7 : Wie Ulenspiegel das Weck mit anderen Knaben essen must; Nr. 8 wie er macht, dass des kargen Bauern Hühner das Luder zogen, Nr. 20 wie er im Mondschein das Mehl im Hof beutelt und Nr. 26 wie er einem Bauern seines Landes ein Theil abkauft. Zu den 99 Erzählungen, welche in beiden Texten gleiclnnässig vorhanden sind, kommt nun noch, um das Hundert voll zu machen, die in den niederrheinischen, antwerpener und französischen Ausgaben bereits bemerkte : “Wie Vlnfpiegel antwort eim reyfigen mañ , der nach dem weg fragte. Die ander Hiftory.” 1. Lessings Leben Th. X S. 492. Tii. 3 S. 127. Werke in Lachmanns Ausgabe 174 Ausgabe! von 1541. 13 . 1 541 . Eine Augsburger Ausgabe vom Jahr 1541 , welche zu Lemberg befindlich , wird angeführt in San - Marte Gross- Polens Nationalsagen S. 203 und 207. 14. 1 543 . Wunderbarhcbe , Vnnd | feltzame hifloryen , Tyll Vlen- fpiegels, I aul'z dem land zft Braunfchweig bürtig, newlicli aufz Siich- I fifcher fprach auff gilt IJochdeutfch verdolmetfcht. Holzschnitt: Tyll, ein Jüngling,-ohne Mütze auf einem Pferd, in der Rechten eine Eule, in der Linken einen runden Spiegel tragend. Bogen X in 4. Am Schlüsse: D Gelruckt zu Slral'z- burg, bey Jacob Frölich, | im M.D.XLII1 lar. Die Holzschnitte sind die der Strassburger Ausgabe v. J. 1519. Es sind keine zu den alten Erzählungen, wo jene dort fehlten, auch keine zu den hinzugefüglen Erzählungen, nur anstatt der beiden Wiederboiungen sind zwei neue Holzschnitte gegeben. Dagegen ist zu Nr. 16 der Holzschnitt von Nr. 52 benutzt (s. oben z. J. 1519). Der Druck stimmt mit der Erfurter Ausgabe v. J. 1538 so sehr überein, dass gewöhnlich die Seiten mit denselben Wörtern schliessen. Die Zahl der Historie 93 findet sich gleichfalls zwei Mal, während Nr. 43 fehlt. Die Vorrede lautet in beiden Ausgaben wörtlich gleich, so wie der übrige Text, und Ausnahmen sind selten, wenn zu Strassburg das vernnithlich bekanntere Wort für das des Erfurter Textes gesetzt ist, wie Historie I Gültein für Paten (Taufpathen). Ein Exemplar dieses Druckes ist auf der K. Bibliothek zu Güttingen, aus der Gebauer’schen Sammlung. Eine Ausgabe 1543 Frankfurt, deren Blumenbach in Spiels Vaterländischem Archive Bd. Ill S. 220 gedenkt, beruht nach dessen eigener Erklärung auf einer Verwechselung mit der oben gedachten Strassburger. Ausgabe von 1545. 175 j 15. 1 545 . Scltznme vmul | Wund erbarliclie II i ft or y- ! cn, Dyll Vlenrpie gels, eines Baw- | ren l'on, Biirtig aufz dem Uandt zu Braun- | fchweig. Newlich aufz Sächfifcher | fpraeh, a uff gut Ilodi deutfcli, | verdohnetfeht, felir kurtzwei- | lig, mit fehünen Fi- | guren. Folgt ein Holzschnitt: Ulenspiegel zu Pferde, in der linken Hand die Eule, in der rechten den Spiegel; auf dem Kopfe einen Hut mit drei Federn. Darunter: M.D.XLV. Am Schluss: Gedruckt zu | Franckfurdl am | Mayn, durch Hcr- I man Gülfferichen, in I der Sclnhirgaf- | fenn zum | Krug. Bogen D iiii 109 pagiuirtc Blätter, und ein unpaginirtes, in klein 8. Auf dem letzten unpaginirten Blatte: Epitaphium. Unter einem Portal ein runder Spiegel, darüber die Eule mit gespreizten Flügeln. Herum auf vier Seiten die Worte: Die- fen Stein foil niemandts •— erhaben, Vlenfpiegel — flehet hie aufrecht begraben — Anno Domini M.CCC.L. Das Buch enthält die gewöhnlichen 102 Erzählungen. Die Holzschnitte sind bald neu, bald nach dem Muster der Augspur- ger Ausgabe V. J. 1540, so wie theihveisc die folgende "Vorrede.” Als man Zält nach der Geburt Chrifti | M. CCCC. LXXXIII. Bin ich durch | etliche perfon vmul gute gtinncr ge- | beten worden, die Hiftorieu vnnd feltzame fchalckliftige hoffen Dyll ! Vlenfpiegels eines Bawren fon, zulämmen brin- | gen, vnd zu befchreihen, welches ich uit wnl füg- I lieh hab jlmen können abfc-hlageu. Dieweil den, menfchlich Natur vnd wefen, aufz frü- lichem ge- | fprec-h, olft vnd viel wirdt bewegt, das Traurigkeit, kranckheit, liafz vnd neid wirdt gemiltcrt, vnd vergehen, hab ich fovicl mir möglich, verfaffet, Nicht in meinung, das man daraufz höfz, fondern allein das höfz zu vermeiden, auch ficli vor liftigö menfehen, defter bafz künn hiitenn. Denn jetzt leider fonft alle weit vntmv vnd hofzheit voll ift, Verhoff derhalhen, ein jeder werde ficli felhs inn dem fall, wol küßen hierin richte, vnd difz mein fehreihen zu dem heften auffnemen. 176 Ausgaben 1548— 1556. 16 . 1548 — 56 . Here beginneth a merrye Jest of a man that was called IIow- leglafs, and of many marueylous thinges and Jestes that lie dyd in his lyfe, in Eastlande and in many other places. Ein roher Holzschnitt, welcher das ganze übrige Blatt wegnimmt, stellt einen König auf dem Throne dar, vor welchem zwei Leute stehen, von denen der eine der Narr, der andere Ulenspiegel zu sein scheint. Am Ende : <1 Imprynted at London in Tamestrete at the Vintre on the thre Craned wharfc by Wyllyam Copland. ( ■. • ) Das Buch beginnt also auf der Bückseite des Titelblattes: For the great defyryng and prayng of my good frandes. And I y e first writer of this boke might not denye the. Thus haue I compled and gathired much knauyshnes & falsnes of one Ilowleglas made and done within his lyfe, whiche Ilowleglas dyed y c yeare of our lord God. M. CCCC.&L. ') Nowc I defyre to he pardoned both before ghostly & worldly, afore highe & lowe afore noble and vnnohle. And right lowly I requyre all those y‘ shall reade or lieare this presóte Jeste (my ignorance to excuse). This fable is not but only to renewe y° mindes of men or women, of all degrees fro y° vse of fadnesse to passe the tyme, with laughter or mvrthe. And forbecause y' simple know- yng persones shuld be ware if folkes can see. Me thinke it is better no 1 2 ) passe the tyme with fucli a merry Jeste and laughe there at and doo no synne: than for to wepe and do fynne. Ct Howe Howleglas as he was borne, was christened thre tymes vpon one daye. Yn the lande of Sassen, in the vyllage of Kuelnige, there dwelleth a m;i that was named Nicholaus Howleglas that had a wife named Wvpeke, that lay a childbed in the same wyllage: and that chylde was borne to christening & named Tyell Howleglas. Dieser alte Druck mit gothischen Typen in klein Quart in 1. Lies M. CCC.&L, wie im letzten Capitel des englischen Textes steht. 2. Lies : lo. Ausgaben 1548 — 56. 177 48 Blättern, mit den Buchstaben A - M bezeichnet. Es fehlen dem einzigen mir bekannten Exemplare jedoch vier Blätter D 1, 2, 3, 4, welche durch weisses Papier ersetzt worden sind. Es war in Garrick’s Sammlung alter Schauspiele K. vol. X, und wird zuerst von Percy in den Relicpies of Ancient English poetry Vol. I in der Abhandlung On the origin of the English Stage beschrieben, wo auch die Erzählung von dein Osterspiel abgedruckt ist. ’) Das Exemplar ist gegenwärtig auf dem britischen Museum, und so viel man weiss, das einzige vorhandene. Die nähere Beschreibung verdankte ich vor Jahren der Güte meines gelehrten Freundes des Herrn Thomas Wright, welche Herr Dr. Reinhold Pauli freundlichst ergänzt hat. Einen kurzen Bericht über jene Ausgabe hat II all iw eil in den Shakespeare Society Papers Vol. IV pag. 26 — 28 gegeben, wo jedoch nur das Cap. 2 abgedruckt ist. Die Capitel sind im Originale nicht numerirt und erst in unserm Abdrucke mit Ordnungsziffern versehen. Es sind deren 46, obwohl eine Wiederholung (Cap. 18 und 39) und das eingeschaltete Gedicht 48 Nummern bilden. Die beiden letzten Blätter enthalten eine Inhaltstafel (Here begynneth the table), die von den Ueberschriflen im Texte copirt, häufig abgekürzt und bisweilen in der Orthographie verändert ist. Einmal sind zwei Capitel aus Versehen umgestellt worden. Die Ueberschriften im Texte lauten : 1. Howe Howleglas as lie was borne, was christened Ihre tymes vpon one daye. 2. Howe that Howleglas when that he was a chylde, aun- fwered a man that afked the waye. 3. Howe Howleglas sat vpö his fathers hors behind hym. 4. Howe Howleglas fell fro the rope into the water where of the people had good fporte. 1. Es ist ein Missverständniss Grasse’s, a. a. 0., wenn er von einem Mi- racleplay Ilowleglafs spricht, welcher auch bei Garrick Old plays T. X ahge- druckt sei. Percy a. a. 0. führt das Volksbuch als Beweis für das Alter der Ostcrspiele an und weiset das Vorhandensein des alten Druckes in Garrick’s Bibliothek nach. 12 178 Ausgaben 1548—1556. 5. Howe Howleglas mother learned hym and bad hym go to a crafte. 6. Howe Howleglas gat bread for his mother. 7. Howe Howleglas creeped into a bae hyve and howe he was ftolen in the nyght. 8. How Howleglas was hered of a prieft. 9. Howe Howleglas was made a clerke of Buddeneftde. 10. Howe that Howleglas would flee fro the towne houfe of Meybrough. 11. Howe Howleglas made him felfe a phecifion. and how he begyled a doctour of the Byfhopps of Mayborough. 12. How Howleglas made a ficke childe flûte that afore myght not fhyte, and howe he gat great worfhyp therof and prayfe. 13. How Howleglas made hole al the ficke folke, that were in the Hofpitall, where the fpere of our lord is. 14. How that a baker liyred Howleglas to be his feruaunt. 15. How howleglas was put in wages with the foster of anhalte, for to watche vpon a toure, to fe whan his enemies came: and than for to blowe an horne to warne them therof. 16. How Howleglas whan the kinges foole of Cafmery of Pofeyn withe a great point of folifhnes. (Die folgenden 5 Ueberschriften der Blatter D. 1 — 4 sind aus der Tafel ergänzt.) 17. How the duke of Lunenborough banyfhed Howleglas out of his lande. 18. How Howleglas fet his hoftyfe vpon the hoote affhes with her bare arce. 19. How Howleglas toke vpon him to be a paynter. 20. How Howleglas had a great difputacion with all the doctours of Pragern in Bemen. 21. How How'leglas became a pardoner. 22. How Howleglas came to the towne of Banberch and how he did eate for mony. 23. How Howleglas went to Borne to fpeke with the Pope. 24. How Howleglas deceyued the Jewes with durle. Ausgaben 1548— 1556. / 179 25. How Howleglas had gotten the parions horfe, by his confe Ilion. 26. llow Howleglas was liyred of a blacke fmyth. 27. Howe Howleglas was hyred of a fhomaker. 28. How Howleglas fohle turdes for fat.) in umgekehrter Ord- 29. How Howleglas ferued a tayler. jnung in der Tafel. 30. How Howleglas throughe his fottle difceytes, difceyued a wynedrawer in Luheke. 31. IIow Howleglas became a maker of fpectacles, & howe he could fynde no worke in no lande where he came. 32. Howe Howleglas was hyred of a merchaunt to be his coke. 33. How Howleglas w r as defyred to dyner. 34. How Howleglas wan a pece of clothe of a man of the countrey. 35. Howe Howleglas gaue. XX. gyldens to. XII. poore men for chriftes lone. 36. Howe Howleglas feared his hofte. with a dead woulfe. 37. Howleglas fleed a hounde: and gaue the fltyn for hälfe his dyner. 38. How Howleglas ferued the fame hoftice an other tyme, and howe he laye on a whele. 39. How Howleglas fet his hoftyfe vpon the lióte affhes with her hare arfe (fehlt in der Tafelj. 40. IIow Howleglas ferued a holader w' a rofted aple. 41. How’e Howleglas made a woman that fohle earthen pot- tes, to fmyte them all in pieces. 42. How Howleglas brake the ftayres that thei monkes fhould come down on to mattyns, and howe they fell downe into the yarde. 43. How Howleglas bought creame of the womon of the coütrey, that brought it for to fel to Maryandra. 44. How Howleglas came to a fcoier to make verfes with hym to that vfe of reafon. And howe that Howleglas began as after fhal folowe. 45. How Howleglas at Mollen was fycke and howe he did fhvte in the poticaries boxes, and how he was borne in the holy ghofle. 12 * 180 Ausgaben 1548 — 1556. 46. How Ilowleglas deceyued his ghoftly father. 47. How Howleglas made his teftanient. 48. How Howleglas was huryed. Thus endeth the lyfe of Howleglas. Die Liste der Erzählungen giebt das englische Buch als eine Uebcrsetzung der oben beschriebenen niederländischen zu erkennen. Es fehlen dessen lateinischen Verse, dagegen ist als Cap. 44 ein englisches Gedicht eingeschaltet, welches als der einzige eigen- thümliche Zusatz des englischen Textes oben S. 145 und 146 abgedruckt ist. Vermuthlich sind Uebersctzung und Verse von dem Verleger und Buchdrucker. Robert Copland kommt vor 1510 —1528 als Uebersetzer aus dem Französischen. Vergl. Wart on History of Englifh Poetry, T. I p. CCXXXYl; T. Ill p. 129; T. IV p. 138, an welcher letzteren Stelle bemerkt wird, dass er und sein Bruder William Copland verschiedene Romanzen vor dem Jahre 1530 gedruckt haben. Als Buchdrucker werden beide für die Jahre 1515—1561 angeführt. J. Payne Collier, der ausgezeichnete Herausgeber des Shakespeare und Erläuterer der damaligen Bühne, behauptet, dass William Copland wenigstens keine datirte Drucke als vom Jahre 1548—1561 beschafft habe. Doch scheint er nicht beachtet zu haben, dass bei dem Gedichte, angeblich des J. Skelton , welches ihm zu dieser Bemerkung Anlass giebt der Wohnort und das Zeichen des Hauses — Fleteflreet, at the fign of the Rofe Garland 1 ) — andere waren, als die oben angegebenen, wornach eine genauere Zeitbestimmung möglich erscheint. Auch wirkte W. Copland noch in den beiden nächstfolgenden Jahren, wie auch aus den von Collier später gegebenen Auszügen des Registers der Buchhändler-Innung hervorgeht. 2 ) Aus dem Umstande jedoch, dass unseres Druckes überall aus den Jahren 1557 — 64 nicht gedacht wird, weder der dazu ertheilten Erlaubnis, noch einer Strafe wegen verbotenen Druckes, dürfen wir folgern, dass er vor ersteres Jahr fällt. 1. Old Ballads from early prinled copies, edited 5y J. P. Collier in den Percy Society Publications T. I p. 1 & 8. 2. Extracts from Ilie ücgifters of tbe Stationers Company 1557 —87. Vol. ], p. 47, 58, 63 — 67, 81, in don Shakespeare Society Publications. 1848. Ausgaben von 1551. 1554. 1558. 181 17. 1551 . Seltzame unnil I wunderbarliche Iliftorien [ Tyll Vlenfpie- gels, eines Bawren Son, | Biirtig aufs dem land zu Braun- fchwciyg | Newlich aufz Sachfzifcher Sprach, aulï | gut Iloch- deutfcli, vertcutsclit, sehr | kurlzweilig zu lefen, mit l'cho | nen Figuren. Holzschnitt: Bild des Ulenspiegel auf dem Pferde, mit dem Spiegel in der einen, der Eule in der anderen Hand. Zu Slraffhurg | . Im Jahr | M.PLI. In 8., Bogen A — 0, nicht paginirt. Auf der grossherzoglichen Bibliothek zu Darmstadt. Das Buch zählt 102 Historien, jede mit einem Holzschnitte versehen. Die Vorrede beginnt: Da man zalt nach der Gehurt... Schluss: vnd diff mein | fchrei- ben zu dem heften | auflheinen. Auf der letzten Seite : Ulenfpiegels grabgfehrifft. Ein Spiegel mit einer Eule darunter. Daran steht: Dielen Stein loll Niemands erhaben, Ulenfpiegel fteht hie aufrecht begraben. 18. 1 5 54 . Eyn wunderbarlieh... Hiflory von Dyll Ulenfpegel. Cüln. 4. 1554. Auf der K. Staats-Bibliothek zu München. 19. 15 58 . Triumphus 1 ) | humanae | flultitiae, vel Tylus Saxo, nunc primum Latinitate dona | tus ab Joanne Nem io. Vltraiccti. | Ilarmannus Borculous excudebat. | Anno 1558. 572 Bogen in 8. 1. Die Worte : Speculum, alias Vlularum, welche Gesner in Murr’s Journal Th. 14 S. 369 angiebt, linden sich nicht in dem vor mir liegenden, wulil- erhaltenen Exemplare der Lübecker Stadlbibliotliek. Ein anderes ist auf der Göttinger Bibliothek. Vergl. unten zu .1. 1563. 182 Ausgabe von 1558. Dieser lateinischen Uebersetzung eines Rectors der Schule zu Ilerzogenlmsch'j in fliessende Jamben lag der Antwerpener Text vor, wie man gleich an der darin aufgenonnnenen, diesem eigen- thiimlichen Erzählung von dem Kinde Till, welches ein Reisender um den Weg befragt, erkennt. Einen Auszug aus derselben gehen Freytag im Adparatus T. II p. 1017 fq. und Gesner in Murr’s Journal für Kunstgeschichte und allgemeine Literatur Th. 14, S. 360. Jener sucht den Druckort zu Antwerpen, dieser wegen des in Holz geschnittenen geflügelten Hirsches auf einem Ruche sitzend, auf der letzten Seite, zu Cölln hei Eucharius Cervicornus. Doch ist jener Ruchdrucker, mit dem eben beschriebenen Zeichen seiner Offizin nicht unbekannt, wie denn, namentlich mit denselben Typen, wie der Triumphus humanae Stultitiae, 1542 von ihm Aemylii Probi excellentium imperatorum Liber gedruckt ist. Der Name des Ruchdruckers ist also nicht pseudonym. Borkeloh ist ein Orts- und Familienname, welcher in Westfalen vorkommt. Aus den Versen auf dem Titelblatte liehe ich nur den folgenden hervor: “Hactenus es uifus Germanos Tvle per omnes, Nunc etiam Latium doctus adire potes.” Es sind hier die Deutschen wohl im umfassendsten Regriffe, welcher auch die Holländer einscliliesst, gleich dem englischen Dutch — zu verstehen, wenn man nicht annehmen will, dass der Rector zu Herzogenbusch, einen deutschen, dem uns bekannten Antwerpener völlig entsprechenden Text vor sich hatte. Es ist übrigens auffallend, dass Ulenspiegel bei Neinius nie diesen Namen, weder in der deutschen Form noch lateinisch führt, sondern nur Tylus heisst, so wie sein Vater Nicolaus. Er wird als Sachse bezeichnet, aber weder sein Geburtsort näher angedeutet, noch der Ort seiner letzten Krankheit und die Grabstätte, so wie überall die meisten Ortsnamen nicht aufgenonnnen sind. Eben so fehlt ein Todesjahr und man kann nicht verkennen, dass der Ueber- setzer und Dichter alles verschmähte, was er für ein historisches Blendwerk hielt. }. S. A mir eus Bihliolhcea Belgica p. 544. Ausgaben von 1559 und 1557 —1563. 183 20 . 15 59 . Les aventures joyeufes et faitz merveilleux de Tiel Vle- fpiegle, en fein lile les grandes fortunes à luy avenues en diverfes régions, lequel par falace ne fe laifsait aucunement tromper: Le tout traduit d’allemand en françoys. Livre fort récréatif pour réveiller les bons efpritz. Lyon, par Jean Savgrain. 1559. in 16. de 109 pages. S. Du Verdier Bibliothèque des auteurs françois. Lyon 1585. Brunet Manuel führt mehrere Exemplare an. Der geringe Umfang des Buches lässt vermulhen, dass dieser französische Text nicht mehr enthält als derjenige v. J. 1532. 21 . 1 5 5 7 — 63 . Wunderbarlich | vnnd Seltzame Hiftorien | Tyl Eu- lenfpiegels, eines Bawren | Son, bürtig aufz dem Land zu Braun- Ichweig. Newlich aufz Sächffifcher fprach, auff gut [ hoch deutfeh, verdeutfeht, lehr I kurtzweilig, mit fchü- | nen Figuren. Gedruckt zu Frauckfurdt | am Mayn, durch Wey- [ gand Han. Bogen Q v. 127 paginirte Blätter und ein unpaginirles in klein Octav. Auf dem Titelblatte und am Schlüsse befinden sich dieselben Holzschnitte, wie in der Frankfurter Ausgabe v. J. 1545. Unverkennbar sind bei dieser Ausgabe die Stücke der oben gedachten Ausgabe benutzt, doch einige weggelassen und viele andere hinzugefügt. Der Text, namentlich die Vorrede, stimmen überein, wenn gleich aus Ulenspiegel hier zuerst ein Eulenspiegel geworden ist. Doch finden sich einzelne kleine Zusätze, wie am Schlüsse der ersten Historie, wo die Erfurter und Strassburger v. J. 1543, so wie die ältere Frankfurter mit den Worten schliessen: — "Vnd war das erfte Zeichen des grollen vnfals, so das kind, wie es hernach befchrieben, im gantzen leben gewarten muft.” — Setzt der vorliegende Text nicht sehr passend hinzu: Denn vntrevv fchlug auch etwan fein eigen herrn. 184 Ausgabe von 1563. Uebcr den Drucker Weigand Han (Gallus), welchen Münden in der Geschichte der Buchdruckerkuust zu Frankfurt am Main genannt, doch ohne genauere chronologische Angabe, bemerke ich, dass er 1557 die oben gedachte Ausgabe von Pauli’s Schimpf! und Ernst druckte, 1560 mit Siegmund Feyerabend das Ileldenbuch in Folio. 1 ) Damals wohnte er, gleich wie Hermann Gultferich im Jahre 1545, in der Schnurgasse zum Krug; dessen Typen sind augenscheinlich hier benutzt. 1563 — 81 setzten seine Erben das Geschäft mit G. Habe (Corvinus) fort. Das mir vorliegende wohlerhaltene Exemplar dieses Druckes, einst des Herrn von Meusebach, gebürt jetzt der K. Bibliothek zu Berlin; ein anderes ist auf der Universitäts-Bibliothek zu Jena. Vlvlarvm spccvlvm, alias trivmphvs hvmanac stvltitiae, vel Tylvs Saxo, nunc primum latinitate donatus, ah Joanne Nemio. 2 Vt fapiens s’ Cum gratia et privilegio ad decennium. Anno MD.LX111. (ohne Ort) Signatur A — E 38 Blatter. Vorwort: Joannes Neuritis d. Simoni Pelegromio portae caelestis apud Syluarn ducis praesidi, et fanctiflhni ordinis diui Guilelmi per Germaniam Galliamque Prouinciali vigilantissimo etc. S. P. D. Enterzeichnet: E regione vbi nalôeg imperium habent in zovg yovttç. 1508 (sic) idibus. Am Ende : Visus et approbatus est hic libellus a venerabili D. M. Nicolao de Castro Commissario Ilegio, et M. Guillielmo Cin- nelio paftorc Amftelrcdamo & admissus ab llarmao Borculo imprimi. Et erat admissio subsignata. 21 . 1563 . ( ISlltt \ einer i Eule./ S.1I,'[A[A S|[ G. S cry tiers. 1. Bibliotheca J. (í. 1. Breitkopf T. I. Ups. 171)5. pug. 286. Vergi, audi oben vun ]'. Lewen , dem anderen Kalenbergcr. Ausgabe von 15G7. 185 In der von Poniekauischen Öffentlichen Bibliothek zu Halle, unter Bibliotheca Miscellanea Nro. 574. Beschrieben auch in Freytag Adparatus litorarius T. II, p. 1017. Vergl. oben z. J. 1558. 22 . 1567 . Noctvae Specvlum. | Omnes res me- | inorabiles, varias qve I et admirabiles, Tyli Saxonici | machinationes complectens, plané nouo more nunc primum ex idiomatc Germanico latinitate donatum, adiectis infuper elegantifsimis iconibus veras omnium hiftoriarü fpecies ad viuum adumbrantibus, ante hac nun- cpiam vilis aut editis. Avthorc Aegidio Periandro, Bruxellenfi, Brabantino. Holzschnitt, Eulenspiegel im Bienenkörbe getragen. Cum Gratia et privilegio ad decennium. Francofvrti ad Moenum. M.D.LXVII. Am Ende: Imprefsum Francofurti ad Moenum, apud Geor- gium Coruinum, fumptibus Sigifmundi Feyrabendt & Simonis Huteri. Bogen A — Z und a — d. 210 numerirte Blätter, auf denen 103 Holzschnitte, welche dem Jost Aman zugeschrieben werden. ') Doch ist kein Zeichen zu entdecken. Auf den Bibliotheken zu Dresden, Güttingen, München, Hamburg. Eine Uebersetzung in elegischem Versmasse in 102 Erzählungen, nebst einer für des Uebersctzers Lebensgeschichte interessanten Widmung an Christoph Schober und mehreren hinten angehängten Gedichten. Es liegt hier der Erfurter deutsche Text zum Grunde, aus welchem sogar Druckfehler, wie Midesheim für llildesheim, aufgenommen sind. Der Verfasser Giles Omma aus Brüssel urn’s Jahr 1540 geboren, der sich Aegidius Periander nannte, hatte sich hei dem unruhigen Zustande seines Vaterlandes nach Frankfurt gewandt, wo Christ. Schober aus Ingolstadt, und der berühmte Buchdrucker 1. Flöget Geschichte dec Hofnarren S. 4ti8. 186 Ausgaben von 1566— 1 571. Feyrabendt sicli seiner annalnnen. Da sein bekannter Verleger ein Privilegium auf zehn Jahre erhalten hatte, so kann man nicht behaupten, dass das Werk heimlich erschienen sei. In demselben Jahre 1567 erschien von ihm zu Frankfurt noch: Germania, in qua doctifsimorum virorum elogia et indicia continentur. 12., und im nächsten folgenden Jahre: Nobilitas Moguntinae dioece- fis Metropolitanaeque Ecclesiae. Mogunt. 8. mit Holzschnitten. Letzteres Werk, Lohsprüche in Versen, ist 1727 in den Annales et Scriptores Moguntini Tom. Ill wieder abgedruckt. 1567 gab er gleichfalls heraus die Horti tres Amoris. Tom. I. Italorum poetarum, eine Blumenlese, mit einigen eigenen Gedichten. Es war zu Mainz, dass er sein Lehen beschloss. 23. Vor 1571. Eine dänische Uebersetzung des Ulenspiegel war vor 1571 vorhanden, da in des Reravius Vorrede zu seiner Uebersetzung von “Unge Karies og Drenges SpejT ihrer gedacht wird. S. Nyerup Morfkabs laesning S. 269. 24. 1 566 — 7 1. Eulenfpiegel Rei- | mensweifz. | Ein newc Be- I fchreihung vnnd Le- J gendt defz kurtzweiligen Le- ! hens j vnd feltzamen Thaten ¡ Tliyll Eulenfpiegels, mit ¡ fchünen neuwen Figuren be- | zieret, vñ nu zum erften male in artige Rei- I men, durch J. F. G. M. gebracht, | nützlich vnd luftig zu I lefen. Cum Gratia & Privilegio. Getruckt zu Franckfurt. Am Ende: Getruckt zu Frankfurt am Mayn, | durch Johannen Schmidt, in Verlegung | Hieronymi Feyrabends, vnd | Bern- hart Jobin. 16 unpaginirtc und 307 numcrirte Blätter in 8. mit 98 Holzschnitten, ausser dem des Titelblattes. Die numerirten Blätter Ausgaben von 1566— 1571. 187 haben die durchlaufende Columnenühersclirift: Der new Eulen- fpiegel, Reimemveifz. Ebert, Bibliograph. Lexicon Nr. 7078 führt dieses Werk unter dem Jahre 157I an. Das Vorhandensein dieses Werkes des Johann Fischarl, genannt Mentzcr ist bisher vielfach bezweifelt worden, obgleich Fischart in mehreren Stellen seiner anderen Werke von jenem spricht. Halling hatte jedoch schon in dem Nachtrage seines Werkes') die Nachricht erlheilen können, dass der Fischart’sche Eulenspiegel wirklich vorhanden und ein Exemplar im Besitze des Herrn von Meusebach in Berlin sei, wo auch ein anderes in demjenigen des Herrn Professor Ileyse war. Ein anderes gehörte dem Hamburger Senator Lict. M-önckeberg, welches nach dessen Tode 1842 nach Berlin verkauft wurde, vielleicht dasselbe, welches so eben genannt ist. Fischart folgt dem Erfurter Texte, sogar in solchen Fehlern, dass er Midesheim statt Ilildesheim nennt. In der Abtheilung, doch nicht in der Folge der Capitel weicht er zuweilen ab, deren er nur 98 zählt. Die siebente und achte Historie, wie Ulenspiegel das Weck über Macht essen muss und wie er macht, dass des kargen Bauern Hühner das Luder zogen, sind im Capitel VII zusammengezogen. XLI1I fehlt nicht und ist die Erfurter Nr. 45., deren Nr. 60 und 61, beide von den Metzgern zu Erfurt bilden hei Fischart Cap. LVIII. Cap. LXXVI vereint Nr. 79 und 80. Hernach wird - XCII-XCV = - 93 a u. b— 95. - XCVI —XCVIII = - 100 — 102. Es fehlt demnach keine Historie als Nr. 97 : Von Ulenspiegels angeblicher Ehefrau. Als eine anscheinende Verbesserung, welche aber eine willkürliche ist, bemerke ich zu Hist. 63, dass der neue Kaiser, Graf von Schwartzenburg, also der 1349 gewählte Günther von Schwarzburg, anstatt des Grafen von Sup- plinburg benannt ist. 1. Halling .1. FisclnuTs r.lnckhal'tes Schill' von Zürich S. 25U Cap. LXXXIX - XC - XCI = Historie 99. = - 98. = - 96. i -iTHiitnriiHi innMiiOTiriinmr g iIiiiiiíiIiíéii www m wm $m in n \m Ausgaben von 1566— 1571. Am Schlüsse eines prosaischen Vorworts , betitelt "Ein abred an die Eulenspieglcr vnnd Schalckskliigler, Auch an die Eulenstrigler und Eselsziegler”, unterzeichnet er sieh: Der Eulen- zunfft gutwilliger Eulenreimer vnd Eulenreiffer Maintzer geheilten. Auch kurz vor dem Schlüsse des Gedichts sagt er: cc Dann Eulenhandt bringt Ilellenbrandt, Aber die fromhkeit hcilandsftand. Wie solches täglich wird erkannt: — — — So war ich Mentzer bleib genannt.” Die grösste Auszeichnung, welche dem Ulenspiegel je widerfahren, ist wunderlicher Weise die unbekannteste gehliehen, ich meine die vorgedachte Bearbeitung desselben in deutschen Versen desselben durch Fischart. Freilich beweiset aber auch dieses Beispiel, da jene Uebersetzung einen zweiten Abdruck nicht erlebte und sogar bisher zu seinen völlig verschollenen Schriften gehört hat 1 ), wie vielmehr die einfache Erzählung des Volksbuches das Volk anzieht als aller Geist, der Sprachreichthum, die Fülle neugeschaffener Worte, die treffendsten und oft witzigen Bemerkungen. Es bedurfte des Gedichtes nicht für denjenigen, von dem Fischart seihst S. 179 b erklärt: cc Am ganzen Rheine auf und ab Der Menschen Gedächtniss ist sein Grab.” Zwei Zeilen, worin in glücklichster Kürze ausgedrückt ist, was des Ben Jonson bekanntes Epit /' auf Shakespeare von diesem pomphaft feiert. Schon Flügel war auf dieses Werk Fischart’s aufmerksam, welches derselbe wiederholt im Gargantua und in anderen Schriften erwähnt. 2 ) Auch führt Fischart in diesem Werke einige Stellen aus dem Eulenspiegel Reimenweis an, wenngleich zuweilen mit etwas veränderten Worten, wie sie das Gedächtniss ihm ein- gah. Eine aus seinem Podagrammischen Trostbüchlcin angeführte Stelle steht in der Vorrede: "wo es aber war nicht zu bollicren, da 1. Neuerlich hat K. Güdckc mehrere Historien aus jenem ahdrucken lassen in seinen Eilt Büchern Deutscher Dichtung Ablheilung. I S. 161 - 167. 2. Flügel Gesell, der komischen Literatur Th. Ill S. 371. K. Halling a. u. O. S. 69. Ausgaben von 1566 — 1571. 189 must iclis kuttinieren, und wo ich es nicht vermocht zu purgieren, da war es zu laxieren, und musst alsdann lustieren für Justieren.” Pie im Beratschlag zum Gargantua angeführte Stelle aus des gereimten Eulenspiegcls Vorred lautet in derselben: “Ist es nicht angenehmer, ermanl werden mit schertzen, dann mit sclnnertzen? Vnd schimpfflich dann unglimpfllich vnd stümplllich? Vnd mit süsse dann mit biissc: mit Wort als mit Mord? mit rhaten vnd reden, dann mit schaden, Ríidern vnd (odien ?” Eine Beziehung auf den gereimten Eulenspiegcl Cap. 70 in dem Gargantua Cap. 27 auf “die steinen Stulräuber” erklärt sich aus jenen gleichfalls. Es ist der Schwank, wie Eulenspiegel in einer Stadt an der Weser Steine säet. Er spricht hier gegen die Schälke, welche Wucherer sind. Die feind die rechten fchälk vnd Lauren Die da lauren hinder den Mauren, Vnd in den Iläufern Federn fpitzen, In Sammet, Seiden daher glitzen, Vnd rauben doch durch erbarn fchein: Darumb fie die Stulräuber fein, Gleich wie die Reuter Sattelräuber, Vnd in der that ifts doch ein kleiber. Eine von Fischart in “Aller Praktik Grossmuttcr” angeführte Stelle aus dem Schwanke mit dem Kürschner findet sich in seinem Eulenspiegel Cap. 51. Im Gargantua Cap. 12 zu Anfänge sagt er: Dann wer wolt nicht glauben das der Himmel Plo fei, was auch des Mentzers Gefangsweife Eulenfpiegel difputirt Grün fei Plo. Lilt. I ca. 65. Die Anführung des Buches ist hier ein Irrtlmm, da der hier gemeinte Fischart’sche Eulenspiegcl reimens- weise nicht in Bücher, sondern nur in Capitel vertheilt ist. Das Capitel ist aber richtig angeführt, in welchem der Eulenheld einen reichen Landmaun überzeugt, dass das grüne zu Ueltzen gekaufte Tuch blau sei. In der Geschichtsklitterung (Scheibles’ Ausgabe S. 73) wird angeführt, dass Eulenspiegel die Kinder nicht liebe, s. Cap. XXI. Die 98 Erzählungen sind grösstentheils dem Erfurter Texte ziemlich genau nacherzählt: Zusätze, wie in der obengedachten 190 Ausgaben von 15G6 — 1571. Nr. 70 sind selten. Desto launiger sind die drei voranstehen- den Stücke: Der Eulenfpiegel zum Leier. 5 Blätter; Ein abred an die Enlenfpiegler vnnd Sebalkskliigler, Auch an die Eulen- ftrigler vnd Efelsziegler. 6 '¡-i Blätter, Prolä mit vielen gereimten Sätzen : und die Vorrede auff den Eulenfpiegel, 3 i ¡2 Blätter, in Reimen. In dem Abred sagt er: "Dieweil man den armen Eulenfpiegel (welches ich an feinem mühfeligen, Hebenden vnd lähmenden Bogrebnufz, nicht feinem befebreiten Namen, der alio bey Hohes vnnd Niedcrflandts, Jungen vnd Alten, einheymileben vnd aufzländifcben in grolzcm ruff vnd frifeber gedechlnufz noch vorhanden, vnd beffer dann keiner der fieben Weifen aufz Griechen- landen bekant ift,... wil verftanden haben) nun viel Jar her in mancherley weifz, art, fchlag, fprachen, format, grofz vnd klein, grob vnd gmein, iigitrlich vnd vnßgürlich, zierlich vnd vnzierlich, aber doch alle vifierlicb aufzgangen, vnd im Truck gefehen worden: So mochte es nicht wol fehlen können, man würde jhn auch etwa mit der weil Gefangsweifz oder Pfeiffensweifz, der heutigen newbegierigen Welt Vorbringen vnd vorfingen: Dieweil zu jederzeit bey den Alten lieben Teutfchen brauch vnd gewöhnlich gewefen, was fie bekandt, gemein, lieb vnd wertli den Leuten machen wollen, dafz fie dasjenige in Gefangen, Liedern (dar- mit man auch die Vögel fengt) vnd reimens gedichten fürgebracht haben. So ift doch folchs fiedber, weifz nicht aufz was für an- gelegenheit verblieben: Wiewol sich etliche hifzweilen deffen vnderfangen, als vnder anderm mein lieber Herr Välter vnd Preceptor Cafpar Scheid feliger gedechtnufz, fo folche fürhabende Matery feinem Grobiano gleiclnneffig zu handeln befunden, aber von wegen Schulgelchefft vnd ernftlicherem Iludieren darvon abgehalten: Defzgleichen Hans Saclifz in feinen Gedichten, fo etliche des Eulenhelden dilck vnd ftiiek, auch auf eine hindere art, nemlich Spielsweifz, hat anzudeulen fürgenommen, vnd andere villeicht mehr, die mir nit alle bewuft: Bifz letzlich ich als ein Junger, das erwarten, hoffen vnd harren defz Eulenfpieglifchen Volcks, welchs den Schalck gern in allerley Farben vnd kleidun- gen feilen möchte, zu ftillen vnd zu erfüllen, daflelbige fürzunehmen hin erbetten worden.... Demnach in betrachtung, dafz fo Ausgaben von 1566—1571. 191 manche vnd viel Lamltsarten vnnd Nationen in jhren frembden Sprachen, mit vnferer Spiegeleulen prangen, vnd fie für andern Büchern verdolmetfchen vnd fiirher ziehen, wir aber, die es wol heffer fug vnnd recht von wegen feiner Teutfchen ablumfft het- ten, dahinden fitzen, fo bin ich verurfacht gevvefen, den Schäl- cken die teglich wachfen zu nutz, vnd aufzländifchen zu trutz, auff ein andern vnd befondern fchlag fie fürzufpiegeln, vnd in das Weltlich Schauwhaufz zu befichtigcn, zu führen: Zu dem, dieweil ich gemerckt, dafz hievor andern hühern, verftändigern vnd Gelehrtem folche Matery zu handlen nicht für vngefchickt hatt angefehen, auch allbereit etliche kunflhare Leut, es in das Werck zu richten, wo jn die bequemlichkeit, mufz vnd zeit hctt mögen gedeuwen, kein abfcheuwen getragen : Hat es nachgehends mir, als einem, fo noch nicht in gedachter Manner Alter vnd Verfland erwachfen, dieweil on das der Jugend der fchimpff anmutiger, leichtlieh mögen eingeredt werden : Sintemal der fchertz oder fchim])fl' nicht on hohe erfahrnufz bei den Griechen von der Jugend den Namen Ttaiöia hat empfangen .. “ Aus diesen Worten Fischart’s ersieht man, dass ihm bereits viele Ausgaben des Ulenspiegel in mancherlei Sprachen bekannt waren, vermuthlich auch Bearbeitungen, welche für uns verloren gegangen sind : die lateinische Uebersetzung des Job. Neem und des Giles Omina dürften zu den angedeuteten Werken der Gelehrten gehören. Von Hans Sachs führt er mehrere Eulenspiegel-Spiele an. Der Bearbeitung des Thomas Murner wird von Fischart weder hier noch anderorten gedacht. Interessant ist hier die Nachricht, dass bereits Caspar Scheidt aus Worms, welcher als der Verdeutscher des Gro- bianus des Mag. Friedrich Dedekind bekannt ist, schon eine deutsche Versificirung des Ulenspiegel beabsichtigt hatte. Scheidt war im Jahr 1565 mit Weih und Kind an der Pest gestorben. Fischart hat also diese Arbeit später übernommen, doch ver- mulhlich sehr bald nach dessen Tode, da er sich selbst als jung oder doch noch sehr jugendlich bezeichnet. An Andeutungen auf die Zeitgeschichte, welche eine genaue Bestimmung über die Zeit der Abfassung des Gedichtes gewähren könnten, scheint es 192 Ausgaben von 1566— 1571. mir gänzlich zu fehlen. Seihst die in anderen Schriften so sehr häufigen Anspielungen auf Fischart’s Gegner, den Ingolstädter Münch Johann Nass, sind mir nicht begegnet, wenn man nicht jede Stelle, in welcher der Nase eine unangenehme Thätigkeit, oder dem Nassen ein böser Sinn beigelegt wird, auf jenen Münch beziehen will. Folgende Zeilen aus dem Schlüsse der Erzählung XXVII von der Disputation zu Prag sind vielleicht zu berücksichtigen. Der Rector war fchier müd zu fragen Und was folt er auch weiter fagen?... 0 Eulenfpiegel liettft difz gthon Nur zu Parifz in der Sorbon, Sie betten dir gemacht febr hang, Nit gehen audientz fo lang, Sonder mit zifchen vnd mit klopffen Iletten fie clirs Maul können ftopfen, Vnd dich für Ketzrifch gleich gefcholten, Wann fie dich doch nicht hören wolten. Desgleichen wer dir auch gefchehen Zu Eöuen, welches hoch ift angefehen Von Magiftris noftris, noftrandis, Die betten dich verdampt gewifz: Defzgleichen auch die Jefuiter Die es augreiffen nit fo nider, Wann einer nil thut Wunderzeichen, Kan Ariftotelem hrauffer ftreichen, So gilt bey jn kein difputatz Sie meinen nur dalz man fie fatz: Auch halt im recht gcthan mein Tyll Dafz dich hinwegk machft in der ftill, Dann wie meinft tlafz dir wer ergangen Wann fie dich etwa erft nach langem Bekommen betten, ohn genaden Ilettens dich bracht in groffen fchaden. Dann Crimen K yrieleyfitatis Geht für Crimen maieftatis. Ausgabe von 1571. 193 Fischart hat den ältesten Text des Ulenspiegel nicht gekannt, am wenigsten als Murner’s Werk, dessen NarrenbeschwiSrung er in seinem Cap. LXXVI1I zu Ende anführt, wo er gegen die Hundesucht eifert. Aber man mufz fo etwas fehälcken Mit Weiblein die die Hündlein melcken Die fie offt zärtlicher ernehren Dann wan es ihre Kinder weren, Vnd gehen jn die fpeifz vnd koft Die armen kommen folt zu troft, Sie míiffen allzeit bey jhn Hecken In Nafen vnd die Teller fchlecken ... Vnd darum!) kauffen fies To thewr, Ja zehen gülden galtens hewr: Vnd lahn die Hundszucht bringen her Aufz Malta vnd den Infein ferr, Vnd thun jn an viel Arlzeney Mit Eyerklar vnd Trefeney: Das ift thewr Ilundsfell vnd thewr bellen. Die Hundsfucht wer wol ahzuftellen Weil es viel gilt, vnd doch nur hill: Aber die Hundsfucht ift zu wildt Es ift jn nicht zu helffen wol, Vom hellen feind jn d’ohren vol, Dafz fie nicht Doctor Murner hören Wann er fie wolt vielleicht befchweren, Vnd jn die Närrinflicht vertreiben : Wolan fo mögens Närrin bleiben: Ich mufz von Eulenfpiegel fchreiben. 25 . 1571 . EVLENSPIEGELS Wunderbarliche, abentheurifche vnd gar feltzame Hiftorien, Gefchichte, hoffen vnd Fatzwerck, jetzt auffs neuwe mit fchönen artlichen Figuren zugericht, fo vormals im 13 194 Ausgabe von 1507 — 1574. Beutfchen nie gefeiten. (Ein Holzschnitt.) Getruckt zu Frankfurt am Mayn, M.D.LXXI. Am Schlüsse: Gedruckt zu Frankfurt am Mayn, durch | .lohannem Schmidt, in Verlegung Hieronymi Feyerabends Anno MD.LXXI. 21V 2 Bogen in 8., unpagiuirt. Der Lauenburg-Hadelnsche Geschichtsforscher IJ. F. C. Mail ecke hesass ein im Jahre 1815 aus der Bibliothek des verstorbenen Proconsul von Töbing ihm geschenktes Exemplar, aus dessen zu Hannover befindlicher handschriftlicher Notiz (Manu- scriptc Lauenhurg und Hadeln S. 262 flgd.) mir diese Ausgabe näher bekannt ist. Doch schon Flügel Geschichte der Hofnarren führt sie an in 8. und in 12. aus Lippenii bibliotheca philosophica und Draudii Verzeichniss der Bücher, so in teut- schcr Sprache im Drucke ausgegangen. Der Anfang der Vorrede und das Epitaphium sind gleich wie in der Frankfurter Ausgabe V. J. 1545. Auch hat sie gleich dieser 102 Historien; doch fehlt die Erwähnung eines niedersächsischen Originals. 26. 1567 — 74 . Zwischen vier Blümchen eine Eule und ein Spiegel; zwischen letzteren: Vlenfpicgcl. De fa vie 1 ) de fes ocuurcs, | Et mcrucilleufes aduentures par luy faictes. Et de grandes fortu- | nes quil a eues, lequel par milles fallaces ne fe laifsa tromper. Nou- | uellement corrige & tranflate de Flament en Francoys. viii. c. Darauf folgt ein Holzschnitt genau copirt nach demjenigen hei Alain Lotrian, oder seinem Antwerpener Originale, jedoch ist auf dem vorliegenden mehr Raum über der Eule und der Peitsche als auf letzterem. Darunter: A Paris pour la vefue Jean Bonfons, demourant en la rue | neune noftre Dame, a lenfeigne fainct Nicolas. Bogen II iii, also acht cahiers, wie der Titel besagt, oder t. Ks fehlt : ct. 195 Ausgabe von 1567 — 1574. 32 unpaginirtc Blätter in 4. Die grüssern Buchstaben des Titelblattes gleichen sehr denen von Alain Lotrian, doch ist der übrige Druck kleiner. Die ersten datirten Drucke von Jean Bonl'ons sind 1548 bemerkt, theils: Chansons, thcils: Les Illustrations de Gaule et Siu- gularitez de Troyes par Jean le Maire de Belge. 4. — Später: Ilyfloire et Cronicpie du petitJean de Saintré. 1553. 1566 druckte er Bécueil et Difcours du voyage de Charles IX. par Abel Jouan. 8. Von seinem Sohne Nicolas linden sich Drucke 1575, 86, 87 u. s. w. 1598 mit seinem Bruder. ') Wir haben die Drucke der Wiltwe des Jean Bonfons also zwischen 1567 und 1574 zu setzen. Das Vorwort auf der Rückseite des Titelblattes stimmt wörtlich mit dem der älteren französischen Ausgabe. Ueber demselben ist ein Holzschnitt, der einen bejahrten Mann, in ein weites Gewand gehüllt, darstellt, der an einem Pulte sitzend in einem Folianten liest. Auf seinen Schultern steht eine kleine weibliche Gestalt, unbekleidet, mit lang herabwallendem Haar mit — ver- nmlhlich geometrischen — Instrumenten in beiden Händen. Die Zahl und Ordnung der 46 Erzählungen entspricht ganz dem Drucke des A. Lotrian; die Abweichungen von demselben sind beinahe nur in Orthographie und zuweilen in der Wortstellung. Die Holzschnitte scheinen die alten, etwas nachgearbeiteten Stöcke zn sein; hie und da ist oben oder unten etwas hinzugefügt. Zu der Erzählung von den zwölf Blinden ist die Wiederholung des Lotrian vermieden und dagegen findet sich ein bei diesem fehlender Holzschnitt zu jenem Schwanke. Dieser ist aber nicht an der gehörigen Stelle eingerückt, sondern in die bereits mit ihrem eigenen Bildchen versehene Erzählung von Ulenspiegels Disputation mit den Doctoren eingeschoben. Ein Exemplar dieses Druckes ist auf der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel. 27. 1571 . Les aventures joyeufes et faits merveilleux de Tiel VIespiegle, trad, du Flamand. Orleans. 1571. 12. 1. Jean la Caille a. a. O. S. 122 flgcl. Brunei II 193. Supplem. I, 129. II 476—478. Vergl. unter Chanson. Mystère. 13 * 196 Ausgaben von 1571, 1575, 1578, 1579. Flögel Geschichte der Hofnarren nach Bibliothèque des Romans par Gordon de Percel T. II pag. 323. Vergl. oben z- J. 1559. 28. 1571 . Eulenfpiegels Iliftorien, mit newen Figuren zugericht. Frankfurt. 1571. 12. führt an Celfii Elenchus librorum ab ao. 1500— 1602 editorum. II. 221. 29. L’Histoire joyeufe et recreative de Tiel Vlefpiegle; nouvellement reueu et traduit du llameng en françois. Orleans, par Eloy Gibier. In 16. 170. pp. einschliesslich des Titels, und ausser drei Blättern für das Register. Diese Ausgabe ist ohne Jahreszahl, doch hat Brunet sie mit dem 1571 bei demselben Buchhändler erschienenen Buche: "Le Voyage de Panurge“ zusammengebunden gesehen. 30. 1575 . Ulen Spiegel. | Van Ulefpieghels leuen Ende fchimpe- | lijcke wercken ende wonderlijcke auonluren | . . . T’hantvverpen. Ghe- druckt by my Jan van Ghelen in den witten Hasewint. 1575. Met Gratie ende Privilegie. Mit Figg. 4. Besitzt Dr. Jacob Grimm zu Berlin, s. unten b. J. 1580. Es muss diese Ausgabe des Ulenspiegel durch Jan van Gee- len sein, welche in dem auf Befehl des Königs Philipp II. und des Herzogs von Alba im Jahre 1579 zu Antwerpen publicirten Appendix Indicis librorum prohibitorum verboten wurde. 31 & 32. 1578 . 1579 . Histoire joyeuse et recreative 'de Tiel Vlefpiegle, ou eft traité de fes faits et merveilleuses aventures et de grandes Ausgabe von 1580. 1.97 fortunes, quil a avés. Traduit de Flamand en françois. Anvers 1579. 8. Grässe a. a. 0. S. 969. Nach von Murr Journal XIV. 353 erschien eine solche Ausgabe mit Holzschnitten zu Antwerpen 1578. 33. 1 58 0 . Itlcn fpicqcl. I Dan lUrnfpicgljcU Irttctt. (Eit | fdjtjmpc- lijdtc uicrdvctt, entre uumîrctTtjdte (tttontumn | hic Iji Iptîrîre, umnt l)tc en litt Ijent gljcc Öontmjc «crîrrictcn, | fccr plap- faut eñ gl) anted) Itjdt ont lefctt. Ein Holzschnitt, beinahe eben so hoch, wie der in M. v. Hochstratens Ausgabe, doch nicht so breit, mit derselben Zeichnung. Ghedruckt Thantwerpen, ] Opde Camerpoort-brugghe, in den Schilt van Bafele, hy my | Jan van Ghelen de Jonghe, ghefworen Drucker der Con. Ma. | Met Gratie eñ Privilegie. 1580. Das Titelblatt ist mit rothen und schwarzen Lettern gedruckt. Erstere erscheinen in dem mir vorliegenden der K. Universitätsbibliothek zu Güttingen gehörigen Exemplare nur noch auf A 4 wieder. 32 Blätter 4., Signatur A — H ij. Am Schlüsse: l—490 entlehnten Erzählungen. Da der Verfasser Lo- calilülen mul Eingehungen zu verändern gewöhnlich so sehr lieht, auch hier die Geschichte in das übel besprochene Land Pommern verlegt hat, so ist es auch aullallend, dass er denselben Heiligen, den sco- lischen Abi, St. II ran dan, dessen Name gemissbrauchl wird, bei- hehallen hui. Vermulhlich ist dieses geschehen, weil jener Heilige durch die ihm zugeschriebenen fabelhaften Meerfahrten, von denen die ältesten gedruckten Volksbücher berichten, auch in Deutschland grossen ltuf erlangt hatte. Durch des Murner eigene Verweisung auf seine Quelle würde schon die Vergleichung mit des Boceado Decame- rone VI, 10, wenn man diesen auch als den Zeitgenossen des Uleu- spiegel gellend macht, überflüssig, wenn die letztere Erzählung nicht ohnehin nur entfernt der vorliegenden gliche. S. 4 9 Z. 7 ii. 6 V. u. : “vnd liel'z in ynfafzen.” KrufTter und M. Sachs haben hinzugesetzt: liel'z dal. (den) in filuer fafseo: Ein Zusatz, welcher wenigstens nicht auf dem Pfallen Amis hissen kann. S. 43 Z. G. Der Ausfall gegen die Priester in Pommern kann im Jahre 1519 nicht auf llugenhagcn und die nene lutherische Secte bezogen werden. Es ist aber irrig bemerkt von G ervi nu s Geschichte Deutscher Dichtung Th. II. S. 297, dass Krull'tcrs Ausgabe vor der Reformation erschienen sei, weil sie Stellen von llciliglhümern, Stiche auf die böhmischen Ketzer u. dergl. enthalte, welche in den oberdeutschen Ausgaben 1519, 1532 llgd. ausgemerzt seien. Diese Bemerkung ist für die Slrassbtirger Ausgabe unerweislich, auf die Erfurter nur theilweise anwendbar. S. 43 Z. 3 v. u. : “macht fich Vlenfpiegel hin vnd Pfarrer, das er wolt predigen.” Krufl'ler hat: “m. f. V. hyn zom paftoir vnd ge- warl mit jm, dal he jn liel'z predigen.” Die Erfurter: “m. f. V. zu dem planner, hat yhn das er predigen vnd . .. verkündigen wolt. S. 44 Z. 4: “Vnd fagl elwaz von der allen ee, vnd zocli die nüwe ee darein.” Fast wörtlich V. 352 u. 363 a. a. 0. 248 Erl ä ut (.T i mge ii. Nu l'agi, er von der niwen ô unt zoch die alten dar in. S. 44 Z. 5 : “vnd dem guldinen eimer, da daz Iiymmel Lrot innen lag.” Es scheint das Manna in der Wüste, freilich bildlich für himmlische Güter, gemeint. Historie XXXII. Nürnberg hat manches gute Loh im Volksmunde, unter andern, gleich Frankfurt am Main und Leipzig, dass daselbst Geld zu verdienen sei, doch für dessen Verzehrung werden dort Bamberg, hier Mainz und Freyburg angepriesen. S. J. Agricola a. a. 0. Nr. 345. Ber S a win ark t zu Nürnberg wird in der Beschreibung dieser Stadt in Bertii Commentariis rer. Germanic, pag. 632 als “forum suarium” ausdrücklich aufgeführl. Er soll jetzt der Trödelmarkt benannt werden. Historie XXXIII. Der reiche Bischofssitz Bamberg war stets wegen seiner guten Kost gepriesen, wie das oben nachgewiesene Sprichwort beweist: Wann Nürnberg mein wäre, wollte icli’s zu Bamberg verzehren. Das Wohlleben dort überschritt aber weit die Grenzen behaglichen Wohllebens, da diese Stadl auch vorzüglich durch ihre Kebsweiber berühmt war. ln den Epistolis obscurorum virorum (Opp. Hultenii ed. Münch T. VI. pag. 198) werden unter nnderm als besonders zahlreich hervorgehoben: Meretrices in Bamlierga, Artifices in Nurinherga. Es ist aber kein Grund gegeben, die fröhliche Frau Königin für etwas anderes zu halten als für eine gulmüthige Wirlhin zu Bamberg, deren Namen der Niederzciclmer dieses Schwankes lohend nennen wollte. Bei einem Manne als Wirlhe würde eine gleiche Nachsicht als weniger glaubwürdig erschienen sein. Der Preis von XXVI11 Pfenningen für den Platz an der zweiten Tafel, welcher höher sein würde, als derjenige an der ersten, ist aus der Strasslmrger in die Erfurter Ausgaben übergogangeu. Krulller hat jedoch die richtige Zahl XVIII. Historie XXXIV. Zu dieser mit vielem Humor wiedergegebenen Erzählung findet sich schon in Morlini Novelle XII ein Seitenstück, oder richtiger die Quelle, von dem Einfalle eines Bauern, welcher, da ihn die Wachen nicht zum Könige einlassen wollten, auf allen Vieren und einen Freund auf dem Bücken herumrill, bis der König kam, um ihn zu Erläuterungen. 249 selion. 1 ) Diese Erfindung alter und noch mehr deren Anwendung Ulenspiegels auf den Papst, möchte in einer bekannten Liebhaberei des zu der Zeit, wo Murner seinen Helden gestaltete, regierenden Papstes Leo X. ( I 513 — 21) zu suchen sein. Dieser hochgebildete Medicacer, welcher alle höheren geistigen Genüsse so sehr beförderte, besass eine eigcnlhiimliche Vorliebe für Hofnarren und ähnliche Pos- senreisser, so dass diese nicht selten benutzt wurde, um Zutritt hei ihm zu erlangen. 2 ) Auch findet derselbe Schwank sich kurz, erzählt bei J. Pauli Schimfpl' und Ernst Nr. CCCXXX, von einem deutschen Abenteurer zu Rom. Die Wirlhin ist dort- aber auch eine Deutsche und nicht aus den obersten Geschlechtern zu Rom. Sie wird hei Pauli nicht gerufen, um ihr ChristenLhum zu bezeugen, sondern um sie wegen des ihrem Gaste angeblich erlheilten schlechten Rallies zu bezitchligen. Die Wette geht auch nicht um die grosse Summe von hundert Ducaten, sondern nur um soviel Gulden. Es kann liier am wenigsten auf die Summe ankommen, doch mögen wir erinnern, dass eine Summe, welche 1519 in Deutschland glaublich war, bei dem vorhällnissmäs- sig stalionairen Werlhe des Geldes vor der Entdeckung von Amerika auch 1327 nicht zu gross gewesen ist. Im Uebrigen stimmen beide Erzähler zuweilen selbst wörtlich überein. Das Sprichwort : “gang nach Rom frommer man und kum her wider nequam”, ist mir wörtlich so nicht vorgekommen, doch findet sich manches ähnlichen Sinnes bei II. Bebelii Proverbia Germanica, Agricola a. a. 0. Nr. 719 und Frank a. a. 0. S. 156 b . 158 1 ’.: “Je näher Rom, je böser Christen”. “Der nach Rom zeucht, der fliehet einen febalk, Zum andern mal findet er jn, Zum dritten bringt er jn mit jin”. Die alterthümliche Bezeichnung eines Ofterling findet sich hoch in S. Krufftcrs wie in den Erfurter Ausgaben ; fehlt aber schon in der Augsburger u. a. In Rom passt sie nicht für den nordwesl- w'ärts kommenden Fremden. Die Capelle Jerusalem zu St. Johannis Lateranen ist in der Augsburger Ausgabe, wohl nicht ohne Absicht, in Johannem Latronem verwandelt. Die schalkhafte Benutzung der demuthsvollen Bezeichnung, welche der Papst sich selbst ertheill, durch den frechen Osterling, zu einer Anrede: “Du Knecht aller Knechte”, findet sich auch in den übrigen ältesten deutschen Texten. Der Romfalirl Ulenspiegels gedenkt übrigens auch Historie LXXXIV. Herr von Murr bat schon bemerkt, dass diese Erzählung nicht 1. Dunlop, Geschichte der Dichtung, übersetzt von F. Liep recht. An- merk. 360 u. S. 542. 2. Jovius in Vita Leonis X.L.1V. pag. ISO. Iloscoe Life of Leo X. T. IV. pag. 335 sq. 250 Erläuterungen. richtig sein könne, weil seit Papst Clemens V. siebenzig Jahre hindurch der päpstliche Silz nach Avignon verlegt war. Dagegen' ist von Flögel angeführt, dass der Gegenpapst Nicolaus V. zur Zeit des Papstes Johann XXI. und des Kaisers Ludwig von ßaiern, vom Jahre 1328 bis 1330 zu Rom residirle 1 ) und Ulenspiegel denselben also dort gesehen haben könne. Diese Erklärung möchten wir allerdings lieber annehmen, als die VermuLhung gellend machen, dass die Sage die Stadt Avignon, an welche die römische Geistlichkeit, wegen der sog. babylonischen Gefangenschaft ohnehin nicht gern erinnerte, mit Rom verwechselt habe. Historic XXXV. Diese Historie scheint von einem dem Gonella bereits zugesehrie- benen Schwanke ausgegangen, welchen Poggio in den Facetiis (Opp. pag. 404) nach einem vorangehenden ähnlichen, von demselben zu Ferrara verübten Streiche in folgenden Worten berichtet : “Alteri quoque, ul diuinalor lierel, optanti unica, inquit (sc. , pillóla le diuimun reddam. Assenlienti pillulam ex stercore confectam in os ’ praebuit. Ille prae foc tore uomitans, stercus, inquit, sapit quod dedisti. Tum Gonella verum illum diuiuasse aflirmauiL et precium di- uinationis poposcit.” Der unserigen näher stehend ist dic Erzählung in den Facetiis des II. Rebel a. a. ü. Lilt. E iii., wo mittelst der Prophetenbeere ein Jude auf der Frankfurter Messe durch einen Verschwender, welcher nach Vergeudung des väterlichen Gutes zu Relrügereien die Zu- llucht nimmt, getäuscht wird. Dieser beabsichtigt sich zu bereichern dadurch, dass er an grosse Schätze während des Genusses der angeblichen Deere denkt, deren Traum ihm eine Wahrheit werden soll. Da er aber hernach erfährt, dass nun wahr wird, was er während des Zerkauens derselben mit Widerwillen denken musste, so weigert er die Zahlung, zu welcher jedoch der Richter ihn verpflichtet, weil die Redingung des Wahrsagens erfüllt sei. Man wird eingestehen, dass Murner diese rahulislisehe und vielfach widerliche Erzählung mit vieler Laune gewürzt hat. Die Erwähnung des Römers zu Frankluri ist schon in dem Erfurter Texte weggeblieben. Der älteste Rabbi, genannt Alpha. Eben so KrulTler, während im Erfurter Texte der Name ganz fehlt. Der Anlwerpener Text hat Akipha, was eine Entstellung von Kaiphas zu sein scheint. Go he, mlul. gouch, jüdischer Ausdruck für den Christen, wel- 1. Seiner wird selten gedacht. S. jedoch Platina Vite degli pnntilici Romani. T. I. p. 357. 251 Erläuterungen. dien Krull'ler mul die Erfurter Ausgaben aus Uukunde in “Geck” ver- wamlelL haben. Historie XXXVI. Diese Erziildung ist in neueren Werken oft wiederholt, doch tu alteren als das vorliegende mir nicht bekannt geworden. Doch möchte' es leicht sieh damit verhalten, wie unten mit Hist. LXXX. Die Nachweisung einer frühen Benutzung dieses Schwankes verdanke ich der Güte unseres sachkundigen Literarhistorikers und Kritikers Herrn Karl Goedike. Ma crop cd ins oder Lanckveld, der Dichter lateinischer Schulkomödien, aus Genierten bei Hcrzogen- husch, schrieb 1540 eine Komödie Alula, Diese, Ileino’s Frau, aus Ilunscholen, sitzt bis gegen Naehmillag mit Hühnern auf dem Markte, ohne zu verkaufen. Da kommen Spermologus und llarpax, von denen erslerer sich für den Nellen Petronius ausgiebt, um die Hühner zu kaufen. Weil aber llarpax seine Geldkatze vergessen bat und die Bäuerin ihm nicht traut, lassen sie ihr, die Hühner mit sich führend, den Hahn zum Piande. Aluta gebt in ein Wirlhsbaus, betrinkt sich, kann nicht bezahlen, muss den Ilahn für die Zeche lassen, wird her- ausgestossen, auf dem Heimwege von den beiden Betrügern ihrer Kleider beraubt und zuletzt noch in ein Fischnetz gesteckt, heim- gekommen für eine vom Teufel Besessene gehalten, bis der zur Beschwörung herbeigerufene Priester sieht, dass sie betrunken ist. Je mehr uns hier aullallt, dass ein Herzogenbuscher einen Schwank L'lenspiegels in lateinischer Sprache bearbeitete, ebenso wie später der Schulrector sein Stadtgenosse (s. oben Nr. 19), desto mehr müssen wir daran erinnern, dass die liier fragliche Erzählung in die Anlwerpener Ueberlragung und daher auch in die des Nemius nicht übergegangen ist. Lanckveld kannte also das deutsche Volksbuch, oder er hatte mit Murner eine gemeinschaftliche Quelle, zu deren leichteren Auffindung die obige Miltbeilung dienen möge. Die S teph a nsgros c h en scheinen die des Bislhums Halber— Stadt zu sein, welches dem h. Stephanus geweiht war, und dessen Bild auf den älteren Münzen desselben nicht selten erscheint. S. Niemann’s Bislhum llalbersladl. Des Abziehens des Ivugcls oder Kogels wird in keiner andern Ausgabe gedacht. Wir finden hier also die unserem Abziehen des Hutes entsprechende alte Sitte bei Frauen. Die Anrede der Bäuerin: “Kaufmann 3 ’ ist hier als: Käufer zu verstehen. Der später folgende Satz: “cs wäre nicht gut, wenn alle Käufer so kleingläubig wären, es möchten sonst die guten Stalbriidcr übel bekleidet geben”, ist ironisch zu nehmen : wollten die Kaufleute keinen blinden Credit geben, wo sollten lustige Gesellen gleich mir das Tuch zu ihren Kleidern finden? 252 Erläuterungen. Historie XXXVII. Hohen Egelsheim isl ein l'famlorf zwischen Braunschweig und Hildesheim belegen. Ilistorie XXXVIII. Schon die Erfurler Ausgaben haben den ersten Salz dieses Abschnittes entstellt: “Böfer fchalkheit lies ficli Vlenfpicgel nicht ver- driefsen, zu Bifcnburg ynn dem doriF falTen die burger zu gericht. Da wont auch” u. s. w. Diesen sinnlosen Salz haben die Strass- liurger Ausgaben v. J. 1543 und spätere Frankfurter verbessern wollen durch : "... fallen die bauern zu gericht” Da später gesagt wird, dass der Herzog dem Dfarrer das Pferd nicht nehmen konnte, weil das Gericht unter dem Käthe der Stadl Braunschweig stand, so glaubte man dieses bereits in den Worten : die bürget’, oder die bauern, hier angedeutet zu sehen. Die richtige Lesart hat sich uns jedoch glücklicher Weise in den beiden ältesten Ausgaben zu Slrassburg und Gobi erhallen. Afseburg, eine in der älteren Geschichte wohlbekannte Burg auf dem kleinen Bergrücken, die Asse genannt, gegenwärtig ein wüstes Schloss, giebl noch seinen Namen einem adligen Gerichte bei Wolfen- büllel. Seit 1258 war diese Burg in den Händen des Herzoges Otto des Milden von Braunschweig, welcher vor dem Jahre 1354 Schloss und Gericht daselbst an den Bath der Stadt Braunschweig verpfändete, in dessen Händen beides verblieb. Eines Mehreren bedarf es wohl nicht, um den älteren Text hier als den richtigen zur Anerkennung zu bringen. Doch ist noch hervorzuheben, dass ausdrücklich erwähnt wird, dass der dortige Pfarrer unter dem Bischöfe zu Ilalbersladl stand. Aber auch der Name des Kirchdorfes Byfenburg, obwohl er in allen deutschen Ausgaben gleichlautet, ist zu berichtigen. Die Antwcrpener Ausgaben benennen es: Bifenbrug, wie auch A. Lo- trians französischer Text: BilTenhrug. ’) Dieses kommt dem richtigen Namen näher, nämlich Kissenhrügge, an der Kisse belegen, ein Kirchdorf, etwa 3 /i Meilen südwestlich von Asseburg, i ¡\ Meile südlich von Wolfenbüttel, wo jetzt ein landesherrschaftlicbes Gericht, auch Hedwigsburg genannt. Hier finden wir anstatt einer in der fraglichen Gegend unbekannten Riesenburg, eine alle Pfarre mit einem Archidiaconate in der Halberstädter Diöcese, an deren Grenze gegen die Hildesheimer hin. 2 ) Wie leicht die beiden Anfangsbuchstaben 1. Bonfors hat: ltissebuurg. 2. Vergl. Lüntzel die alte Diiiccse Ilildesheiin S. 14. Erläuterungen. 253 jener Namen vertauscht werden, ist ans Handschriften und allen Drucken wohlbekannt; noch leichter konnte in der Tradition eine so bedeutsame Benennung, wie die der Riesenburg, das unverständliche Kissenbrügge, welches eine Sage von Christenbrügge, wo die Ostfalen getauft seien, vergeblich herzuleilen versuchte, verdrängen. Im Jahre 1292 finden wir dort den llalberslädLer Vicedominus Ileidenrik als Archidiáconos und den Pfarrer Conrad genannt, als der Zehnte jenes Dorfes dem St. Aegidii Kloster zu Braunschweig verkauft wurde. 1 ) 1353 war der dortige Archidiaconus Johannes von Soelde. 2 ) Der Herzog von Braunschweig, von welchem hier erzählt wird, kann nur Heinrich der Wunderliche (f 1322) oder dessen Sohn Heinrich II., von Griechenland benannt, gewesen sein. Wunderlich ist der grosse Werth, welcher darauf gelegt wird, dass das Asseburger Gericht unter dem Rathe zu Braunschweig stand, und das geistliche Gericht, unter welchem der Pfarrer war, nicht berücksichtigt wird. Allerdings war die städtische Machtvollkommenheit, namentlich Braunschweig’s, auf ihrem IlOhepunct in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts, welche in der letzten Hälfte desselben durch die Aufstände der Bürger und deren Folgen vermindert wurde. Es soll durch jene Hinweisung vorzüglich angedeulel werden, dass der Herzog es nicht wagen durfte, sich des begehrten Rössleins mit Gewalt zu bemächtigen und die städtische Gerichtsbarkeit zn beeinträchtigen. Die Verletzung des Beichtgeheimnisses setzte den Pfarrer strenger Ahndung seines Bischofes, desjenigen von Halberstadl, aus. Diese Erzählung ist in Pauli’s ältester Ausgabe von Schimpf und Ernst in Nr. 650 wiedergegeben, und zwar mit Beibehaltung des Namens Ulenspiegel, ist in den folgenden Ausgaben aber weggeblieben. Diese Umstände scheinen dafür zu sprechen, dass sie als unserem Volkshuche eigentümlich betrachtet wurde; doch ist kaum zu verkennen, dass sie mehr als irgend eine andere der Historien desselben den Character einer italienischen Novelle trägt, und daher die Auffindung ihrer Quelle jenseits der Berge den Forscher mehr erfreuen als überraschen würde. Pauli bezeichnet übrigens anstatt des Herzoges von Braunschweig irgend einen Fürsten oder Grafen, und anstatt des Bischofes von Ilalbersladl, vor dessen Gericht der Pfarrer verklagt werden soll, denjenigen von Salzburg. Historie XXXIX.. Den Schmied linden wir in der gewerbthäligen Hansestadt Rostock, wo das von Slaven geübte Schmiedchandwerk mit schwedischem Eisen sich erhielt. 1. Hacbcrlin Analecta medii aevi. pag. 553. 2. S. L ii n t z el a. a. 0. ■' < 254 Erläuterungen, Historie XL. Dass Ulenspiegel sich zum Abschiede durch Anpinselung seines Namens oder Zeichens zu erkennen gegeben, stellt im Widerspruche mit anderen Erzählungen, wornach er sich nirgends durfte blicken lassen und daher sogar sich verkleiden musste. Doch zeigt sich dadurch, wie weit der Uebermuth eines solchen Burschen geht. Nebenher mag man einen Spott auf bürgerliche Wappen finden, welche nur nach dem Namen oder dessen Silben gebildet sind. Auffallend erscheint es, dass diese Nachricht von Ulenspiegels Denkzeichen im Volksbuche zu der Erzählung gegeben wird, welche zwischen Rostock und Wismar spielt, während gerade in letztgedachter Stadt der unlenge- dachte Stein (§. 3) mit dem Bilde der Eule und des Spiegels, die einzige auf uns gekommene sehr alte, fast gleichzeitige Darstellung dieses Gegenstandes, sich findet. Wir dürfen dieses Zusammentreffen nicht als zufällig ansehen, sondern können nur eine Beglaubigung für Einzelheiten der Sage darin linden. Historie Xlil. Diese Erzählung beruht auf einer scherzhaften Verwechslung des Wahrsagens aus der Zukunft und einer Belehrung über Wahrheiten. Statt der Blicke in die kommende Zeit werden nur Gemeinplätze von Ulenspiegel ausgesprochen, welche durch ihre Oberflächlichkeit und Plattheit komisch werden. Vergl. übrigens oben Hist. XXX. Historie XLIII. Die Erfurter Ausgabe hat hier XLI1., doch fehlt in derselben dagegen XLIII. Dieser Schwank gehört zu den zahlreichen Wortklaubereien des Ulenspiegel, welchem sein Meister hier mit Recht vorwirft, er time nach den Worten, nicht nach der Meinung. Das Handwerk der Schuster war in den Ostsee- und anderen norddeutschen Städten in grossem Flor. Davon zeugen nicht nur die Zollrollen, sondern auch die vielen Schusterladen in denselben, wie namentlich zu Hamburg. (Lib. resignat, in der Zeitschrift des Vereins für Hamburg. Geschichte, Th. I S. 239 ff.). Zu Wismar kennen wir Statuten der Schuhmacher v, J. 1411 und einen Vergleich derselben mit den Gerbern v. .1. 1413. s. Burmeisters Wismar. Alterthümer S. 67. Viele der Schuhmacher wanderlen über die deutschen Grenzen hinaus mit dem hansischen Kaufmanne, welche nicht lediglich für ihre Landsleute arbeiteten , wie die grosse Anzahl derselben zu Bergen und die Rolle, welche sie daseihst spielten, bezeugt. Dass zu Wismar sich eine merkwürdige Erinnerung an Vlen- spiegel in der Mauer der dortigen St. Marienkirche erhallen hat, wird unten in der Abhandlung im §. 3 näher nachgewiesen werden. Erläuterungen. 255 Historie XlilV. Diese Posse fïllirt Ulenspiegel nach Slade, wo wir ilm häufiger finden werden und wohin jene darin erwähnten Seelische gehören. Der Streich seihst trill't jedoch die Schuster nicht, sondern ist eine gegen einen unkundigen Landmaim gerichtete plumpe und schadenfrohe Keckerei. Historic \liV. Oh der Verfasser einen zu Braunschweig am Kohlenmarkl wohnenden Schuster Chrislofier liai verewigen wollen, mögen die Geschichtsforscher jener Stadt ermitteln. Abweichend ist von unseren Sillen, dass damals die Stiefeln zum Schuster gehracht wurden, um gcsrhniierl zu werden, um so mehr, da dieses nur durch einfachen Speck geschah. Das Bespicken der Braten muss dagegen üblicher gewesen sein, als andere Erzählungen, welche des Belräufelns des Bratens mit Fett gedenken, vernmlhen lassen. Diese Erzählung gehört zu den von Pauli in seiner ersten Ausgabe von Schimpf und Ernst aufgenommenen, Nr. 642 (im Register Nr. 645), hernach aber weggelassenen. Anstalt mit seinem Namen wird Ulenspiegel nur bezeichnet als: “ein Abenlheurer, der kirnt je- derman fpollen.” liier sind auch Einzelheiten des Herganges mit aufgenommen, wie diejenigen, dass der Schuhmacher von einem seiner Gesellen zu seinem Streiche verleitet wird und dieser dafür zuletzt biissen muss. Historie \I,VI. Diese Erzählung beginnt mit einer ausdrücklichen Beziehung auf Nr. XLI11. in dem Leben unseres Vagabunden, wobei die Absicht jedoch keine andere ist, als die boshafte Schadenfreude des Lesers dadurch zu würzen, dass derselbe Mann vom Ulenspiegel zum zweiten Male angeführt wird. Ob der sinnige Name der Herberge in Wismar: “zum güldenen Sterne” als historisch zu betrachten ist, werden dortige Chroniken ergeben müssen. Historie XI>VII. Auch hier findöl sich eine Anspielung auf einen früher von Ulenspiegel zu Eimbeck verübten Streich, welchen der Verfasser vielleicht wegen seiner Widerlichkeit, oder weil ein Holzschnitt fehlte, bisher weggelassen hatte, doch später kurz vor’m Schlüsse in Nr. LXXXV11I. ohne Holzschnitt nachgeholt hat. Jedenfalls tritt die Flüchtigkeit des Verfassers in aullallender Weise hervor. Eimbeck war im Mittelalter durch sein Bier berühmt. Bekanntlich hat selbst Hamburg, welches dasselbe Getränk von einer Güle lieferte, die es schon ira 13. Jahrhunderte zura stark begehrten Ausfuhrartikel, besonders nach Holland und Ostfriesland erhob, 1 )'und noch 1442 dem Hamburger Bierkeller neben dem Ralhhause zu Lübeck seinen Namen verlieh, eine solche Vorliebe für das Eimbecker Bier gezeigt, dass es ira fünfzehnten Jahrhunderte auf oder über dem Hamburger Ralhsweinkeller geschenkt wurde 2 ), und dass daher dieses Haus, welches zu vielen und den wichtigsten Verwaltungszwecken diente, bis auf die neuesten Zeiten die wunderliche Bezeichnung des Eimbeckischcu Hauses geführt hat. Oh die wiederholte Erwähnung des Eimbecker Bieres (vergl. Hist. LX1V.) nicht der Zeit ¡Burner’s mehr als derjenigen des Ulenspiegel angemessen war, möge hier dahingestellt bleiben. Wenn nicht Hamburgs Brauereien, dessen llopfenmarkt der Verfasser kannte (s. unten Hist. LXXIV.), so hätte passender Wismar angeführt werden können, dessen Bier schon Rynesberch als berühmt anführt. 3 ) Nach den Lüneburger Eddags - Artikeln /) wo auch das Hamburger Bier im dortigen Rathskeller geschenkt wurde, die Bürger aber Eimbecker Bier zapfen durften, scheint dieses damals das geringere gewesen zu sein. Der Name des Hundes Hopf möchte ersonnen sein, um den Schwank des falschen Brauerknechles zu ermöglichen. Doch kommt er als Geschlechlsname zu Hamburg wirklich vor. Historie XXV11I. Der erste Schwank dieser Historie, welcher den Leser nach Berlin führt, ist nicht weiter nachzuweisen. Desto auffallender aber erscheint es, den zweiten von dem englischen Hausgeisle Rohin Goodfellow berichtet zu finden (s. unten die Abhandlung §. IV), wobei es freilich sehr zweifelhaft bleibt, ob dieser Kobold hier mit Ulenspiegel, oder ob dieser mit jenem identificirt ist? Wenn auch diesem die Bezeichnung des Gut g es eil bisweilen gegeben wird, so gehört dieser Streich, wenn auch keiner der schlimmsten, mehr dem wortverdrehenden, schadenfrohen Ulenspiegel an, als dem gulmülhig neckischen Rohin. S. 71 Z. 2: Wolf. Dieser Ausdruck ist nicht lediglich ein Scherz des Schneiders, sondern kommt auch sonst vor: in den Schildbürgern Historie 25, w r o von der Hagen den Ausdruck, unter Bezugnahme auf diese Stelle, durch Mönchskutte erklären will. 1. Vergl. Anm. 100 zu meinen Geschichtsquellen des Erzstifts und der Stadt Bremen. 2. Cellarium Eimlieccense in den Hamburger Stadlrechnungen seit 1471, bald darauf auch domus Eimbeccensis, welches diesen Namen zu tragen fortfuhr, bis der Brand v. J. 1842 es in Asche legte. 3. Meine Bremischen Geschichtsquellen S. 85. Burmeister Wismar. Bürgerspraclicn an vielen Stellen. 4. Pufendorf Obscrv. Iuris Universi T. II. Appendix pag. 190 sq. Kraut Altes Lüneburger Stadtrecht. S.-32. Kilä ul «Tmiucii. 257 Historie XlilX. Der Name des Orles, welchen auch die Erfurter Ausgaben eben so ballen, isl häufig, nur nicht von S. Krulfler niisverslanden. Bren- naborcb für Brandenburg isl eine in älteren Jahrbüchern nicht unbekannte Form, ans welcher vielleicht auf das hohe Alter dieses beliebten Schnciderscherzes zu folgern ist. Jener findet sich in den Annales Quedlinburgenses, im Widukind. Wer wollte aber in Abrede stellen, dass Geschirhtchen, wie diese, nicht eben so alt sein mögen, wie das aus dieser Gegend und gleicher Zeit auf die neueste gelangte Lied vom Bucku von llalbersladl? In Pauli’s erster Ausgabe von Schimpf und Ernst findet sieh auch dieser Schwank unter Nr. C58 (im Register Nr. 661) erzählt von einem “Spollvogel in einem wilden Kleide." Historie ¡L. Wir begegnen hier einem Schwanke, welchen wir einen acht beimatblicben nennen dürfen. Schon des Gegenstandes wegen, da kein Volk an Scherzen ober die Schneider so reich ist, wie das deutsche , was riicksicbtlicb der südlichen Völker schon in dem Umstande seine Erklärung findet, dass sie weniger von diesem Handwerke abhängig sind und dieses daher auch dort weniger Leute beschäftigt. AeclH norddeutsch sind aber auch die Versammlungen der Handwerker der niedersächsischen und wendischen Städte im Mittelalter, welche über Gegenstände ihres Gewerkes auf ergangene Einladung durch ihre Depulirlen an dem vorgcschlagenen Orte sich berielhen , bis sie zu Satzungen oder Abschieden sich vereinigten, deren Spuren in den älteren Statuten der Innungen noch bisweilen zu entdecken sind. Am häufigsten werden diese Berathungen unter den Gewerken slattgefunden haben, welche für die Ausfuhr, also ein hansisches Gesammlinleresse, arbeiteten. Zu solchen Versammlungen der ehrbaren Männer des Handwerkes der auf ihre Wohnorte beschränkten Schneider, wie Ulenspiegel sie nach Rostock beruft, scheint aber keine Veranlassung Vorgelegen zu haben, wodurch der vorliegende Schwank um so ergötzlicher wurde. Historie ILS. Die Gewerbe, welche die märkischen Städte und unter ihnen besonders Stendal von jeher auszeichneten und ihnen einen Namen in der Ilandelsgeschichte des Mittelalters verschafften, waren seine Wollemveberei und Tuchbereitung. VergL Zimmermann märkische Städlevcrfassung. Klüden Stellung des Kaufmanns während 17 i 258 Erläuterungen. des Mittelalters. Ernst Weihe Sagen der Stadt Stendal. Die Possen mit diesen Gewerben mussten also zu Stendal gelriehen werden. Ein Bild von Ulenspiegel an dem zu Stendal vorhandenen Boland kann ich indessen, wie unten weiter zu erwähnen, nicht erkennen, jedenfalls wäre es neuer als unser Text. Zu Anfänge der Erzählung bemerken wir ein Zengniss für die alte Sitte der blauen Montage, an welchen die Gesellen zu feiern plleglen, und welche die grosse Zahl der damaligen Feste und Hei— ligentage, die der Industrie so wie der Moral des Handwerkerstandes so sehr nachtheilig wurden, zu ihrem und ihrer Meister Schaden erweiterten. Historie LU. Mil. Bei den Erzählungen Nr. Ell. his LVI. fällt uns die nicht gewöhnliche Einheit der Zeit auf, da in allen des Winters gedacht wird. Ulenspiegel sorgt gewöhnlich nur für den Winter, s. auch Hist. XL. Wenn wir hier und in der folgenden Historie Ulenspiegel hei Kürschnern oder Pelzern zu A s c h e rsl eben finden, so dürfen wir nach dem früher Bemerkten folgern, dass diese Stadl, gleich den in derselben Beziehung später erwähnten Städten Berlin und Leipzig, einst durch Pelzhandel ausgezeichnet war. Des Sprichwortes : “Böses mit Bösem zu vertreiben”, gedenkt auch Egenolph’s Sammlung a. a. 0. BL 7 a und S0 b . Iliitorie MV. Diese Erzählung beginnt mit einem wunderlichen, mit jener durchaus nicht zusammenhängendem Ausfälle gegen die Schwaben. Es / fehlt entweder etwas aus der ursprünglichen Erzählung, oder, was wahrscheinlicher ist, der Verfasser hat, um den Baum zwischen den Holzschnitten auszufüllen, diesen von der augenblicklichen Laune eingegebenen Lückenhiisser eingeschaltet. Der Schwank selbst von den Wölfen des Kürschners ist nur eine Variation auf den launigeren von den Wolfen des Schneiders, s. oben Nr. XLV111. Doch wird durch diese Erinnerung Ulcnspiegels Antwort an den überlisteten Schwaben, dass er durch seine Kunst, Wölfe zuzuschneiden, im Sachsenlande nicht am wenigsten bekannt sei, desto scherzhafter. Kürschner in Berlin sind weniger bekannt. Wohl aber wird Frankfurt (an der Oder?) wegen seiner vielen Kürschner angeführt : “Pellifiees in Francofurdia.” Epist. obscur, viror. I. b Krlatiiuriingcti. 259 Historie LV. Dor Scherz in dieser Erzählung beruht besonders wohl darin, dass eben Kürschner, welche nur das Keil betrachten, mit der verkleideten Katze angeführt werden. Dass das Geschäft der Kürschner in Leipzig lebhafter gewesen sei, als an anderen Orten von demselben Umfange, ist nicht bekannt. Historie 1VI. Die Ueberschrift giebl die Wohnung des Braunschweiger Gerbers auf dem Damme an. Es darf nicht auflallen, dass der Gerber bald erralhen kann, dass es Ulenspiegel war, welcher ihm den bösen Streich gespielt bal, da er ihm aus den mit dem Bäcker und mit dem Stiefel— mâcher Ghrisloflel auf dem Kohlmarkte verübten Possen bekannt war. s. oben Hist. XIX. und XLV. Der Gerber will den Ulenspiegel nicht zurückholcn, zunächst wohl, weil der Vagabund ihm keinen Ersatz für die verbrannten und verdorbenen Gegenstände verschallen kann. Aber wenn gleich in der Gesetzgebung ein stärkerer Rachedurst herrscht und dieser sich vielfältig in den Chroniken jener Zeit ausspricht, in der schonungslosen Hinrichtung wegen vieler Vergeben, welche keine Theorie, geschweige die Praxis mit Todesstrafen belegen konnte, so war es doch sehr schwer, hei dem schwerfälligen Proeessverfahren gegen geringe Frevel Recht zu finden. Prellereien, wie die des Ulenspiegel mussten der Selbslrache überlassen bleiben. Dass alle diese Erzählungen von seinen Bübereien immer ohne Andeutung einer Bestrafung oder auch nur Rechlsverfolgung schliessen, deutet darauf, dass die Zeit ihrer Entstehung an die Bestrafung solcher kleiner Vergehen noch nicht dachte und wohl gar ihre heimliche Freude an denselben halle. Denn dass er vom Herzoge von Braunschweig aus dem Lande verwiesen war (Hist. XX.), können wir hier nicht berücksichtigen, da wir nicht wissen, um welches Verbrechens willen diese Strafe verhängt sein mag , und die gleich folgende Posse zu Lübeck setzt einen Betrug gegen die Stadt voraus und hat keinen anderen Zweck, als die Behörde dem Spotte preiszugeben. Historie Mil mul M UI. Der Inhalt der ersten dieser beiden Erzählungen findet sich schon in den Repeues franches P. I, 4. Doch spielt dort die Scene in einem gewöhnlichen Wirthshause und der Betrüger entkommt unbestraft. Es fehlen also alle ferneren Züge, durch welche Murners Erzählung ein erhöhtes Interesse gewinnt. Das Recht der freien Städte im Mittelalter musste ein strenges 17 * ‘260 Erläuterungen. sein und die Selbsterhallung erheischte, dass nicht nur Verbrechen gegen Leih und Lehen, sondern auch diejenigen gegen das Eigenl'hum unerbittlich gestraft wurden. Es ist bekannt, wie viele See- und Landräuber in den Hansestädten mit dem SchwerLe gerichtet wurden, wie häufig Galgen für Diebe errichtet werden mussten. Fremde oder Gäste wurden überall vom Gesetze nicht begünstigt, und augenscheinlich hinter den Bürgern zurückgestellt, so dass jene viele Gründe erhielten , sich zu hüten , dem Gericht in die Hände zu fallen. Die Verfügungen, welche dem Gaste verbieten mit dem Gaste zu handeln, welche seinem Zeugnisse nur geringen Werth beilegen, ibm nur kürzeste Zahlungsfrist gestatten, sind wohlbekannt. Lübeck bei seiner eigenlhümliehen Lage und seiner Entfernung von der schützenden Hand des Kaisers oder auch nur eines Landesherren hatte jede Veranlassung für die Sicherheit der Stadt und ihrer Bürger zu sorgen und sein allher berühmtes, so vielen andern Städten als Norm dienendes liecht mit Umsicht und Strenge zu erhalten. Dass dem Rathe zu Lübeck jedoch der Vorwurf gemacht worden, es sei denn von Strauchdieben und Herumstreifern, dass er das Recht zu strenge handhabe, ist uns nicht bekannL geworden. Wohl aber mussten seine Aussprüche in grossen Ehren stehen, als so viele norddeutsche Städte zur Auslegung und Erweiterung des von ihnen angenommenen Liib- schen Rechtes an den Rath zu Lübeck zogen und auch von den hansischen Faetoreien an denselben appellirl ward. Der Raths Weinkeller, der Herren Keller, ist zu Lübeck, wo man von Alters her bis auf den heutigen Tag der Behandlung der Weine besonders kundig war, während das Braugewerbe sich weniger auszeichnele, sehr alt. Schon in der ältesten Lübecker Rathsrolle, der des Albert von Bardewyk, vom Jahre 1298, wird der Herren des Rallies, welche dem Weinkeller Vorständen, der Wynmestere, gedacht, s. Dreyer de Jure naufragii: “Es ift nienian fo weyfz, er würt von doren betrogen” Dieselbe Lehre findet sich mehrfach oben in Historie XV. von dem weisen Doctor auf Giebichenslein. Unter dem hochmüthigen Weinzepfer, der hier den Wein verkauft, ist wohl der Herrenschenke zu verstehen, welcher bekanntlich ein wichtiger Beamter des Rathes in alten Sladtverfassungen war. Leider lässt sich nicht nach weisen, oh ein Lamprecht in diesem Amte zu Lübeck war. Lamprecht, niederdeutsch Lambert, erscheint in der Abkürzung Lampe schon in der alten Thierfabel als zweiter Name des Hasen') neben dem ältesten, Cuwaerl, engl. Coward. Das Urtheil des Lübecker Gerichtes, welches den Ulenspiegel zur Strafe des Galgens verdammt, ist allerdings vpn fabelhafter Härle. Ulenspiegel war freilich mit offenbarer Schuld oder handhaftiger Thal 1. J. Grimm Reinhard Fuchs, pag. CLXIX flgd. Erläuterungen. 261 begriffen, allein nach dem alten Sachsenspiegel wurde wohl ein Räuber ohne Rücksichl auf den Werth des Gegenstandes enthauptet, der Dieb doch aber nur dann gehängt, wenn das gestohlene Gut wenigstens drei Schillinge worth war. Das alte Lübecker Statut erhöhte die Werthhestimmung auf einen Feeding (4 Schill. 8 Pfenning), das Gos- larische auf fünf, das Ilamlmrgisehe auf acht Schillinge. Der Weinzapfer selbst schätzt den Wein, welchen er dem Ulenspiegel eingeschenkt halte, nur auf zehn Pfenninge. Wenn auch S. Kruffter diese Summe auf zwölf und die Erfurter Ausgabe sie auf 24 Pfenninge ver- grössern, so wird dadurch die gesetzliche Summe noch lange nicht erreicht. Es müssen also in dem gegen den städtischen Beamten geübten Betrüge und dem an städtischem Gute verübten Diebstahle die Gründe zur Schärfung der für einen kleinen Diebstahl bestehenden Strafe gesucht werden. Immer aber lässt die ausserordentliche Geringfügigkeit des Gekhvcrlhes, um welchen der Delinquent gehängt werden soll, wenn auch der Scherz berücksichtigt wird, auf eine sehr frühe Zeit der Entstehung desselben scliliessen. Nicht wenig überraschend ist es daher , zu dem älteren Lübecker Stadtrecht nach der Recension v. J. 1294 folgenden späteren Zusatz zu finden: “Stelet dar ok iemenl in dem flauene, odder vppe deine vrigen markede, el'le in der vlefchhoden, edder in den bereu winkelre bauen XVIII penninghe, den def mach man henghen.’ 3 ‘) Wir finden hier also eine strengere Strafe des Diebstahls, welcher im Rathsweinkeller begangen wurde, von welcher der Herren Gut gewiss nicht ausgenommen war; wir finden sie eben in Lübeck. Dass der Summe von 18 Pfenningen früher eine kleinere vorangegangen sein könnte, ist eben so wenig zu verkennen, als dass besonders in der Verdünnung des Weines, zu welchem das Wasser gegossen wurde, eine Anregung zu grösserer Strenge lag. Das blosse Verlassen des Weinkellers, ohne den getrunkenen Wein bezahlt zu haben, ward zu Wismar 1417 mit lebenslänglicher Stadtverweisung bestraft. 1 2 ) Von einer Abänderung oder Steigerung dieser Posse in der ältesten Antwerpener Ausgabe vergl. oben S. 158. Marculfs Erfindung, sich vom Galgen zu befreien, indem er sich vom Könige die Erlaulmiss erlheilen liess, den Baum, an welchem er gehängt sein wollte, sich seihst auszusuchen, worauf ihm aber zu diesem Zwecke kein Baum ge- allen wollte, lässt sich nur entfernt mit Ulenspiegels Zote vergleichen. Historie I>1X. Wegen der Verfertigung guter Taschen und Säcke war Thüringen, ausgezeichnet durch seine Viehzucht und durch selbige reich au 1. Hack l.iibcckcr liecht. 2. D unii eis t er Altcrtlüiiner des Wismar’- sclien Stadlreclites S. 22. 262 Erläuterungen. Ocliseii- und Kalbshäuten, bekannt.: “TIaleces in Flandria, sacci in Thuringia”, heisst es am Schlüsse der Verse in den Epistolis obscurorum virorum (ed. Mitnch. Opp. Iluttenii T. VI. pag. 198.). Dieser Schwank ist also angemessen nach Helmstedt verlegt, wenn wir annehmen dürfen, dass diese Stadt, welche allerdings zum alten Nord- thürigenn, dem Ilalberstädlischen Risthume, gehörte, (s. L. von Lcde- bur’s Nordthüringen) auch später mit seiner Gegend noch als thüringisch bezeichnet wurde. Diese Erzählung ist aus zwei Schwänken zusammengesetzt: dem Scherze, welcher mit dem relativen Begriffe der Grösse eines Gegenstandes getrieben ist, und dem anderen, dass unter dem Begriffe der Grösse etwas ganz anderes verstanden wird, dass nämlich die Tasche stets mit Gelde gefüllt sei, eine Eigenschaft, welche den kleinsten Fortunatus -Säckel eben so gehaltvoll wie eine Riesentasche macht. Die dem Illenspiegel eigenlhümliche Bosheit fehlt aber hier auch nicht. ( Historie IjV. Der Erzähler scheint hier vergessen zu haben, dass er den Illenspiegel bei der llebertragung eines Schwankes aus dem Pfaffen Amis auf jenen schon einmal nach Erfurt gebracht hat. Wenn er ihn also hier als den Bürgern und Studenten bisher unbekannt auftreten lässt, so wird dem ursprünglichen niedersächsischen Texte gefolgt sein. Die Historien von dem Braten dürfLen wir nirgends zweckmässiger finden, als in dem durch seinen Viehsland von altertluimhcher Zeit her berühmten Thüringen. Ilistoi’ic li\l. Wir linden diesen Schwank schon in den Facetiis des Poggio: De cantilena tabernariis placita (Opera pag. 487.). Es wird dort von einem Beisenden berichtet, welcher dem Wirlhe, den er durch andere Lieder nicht hat befriedigen können, zuletzt dessen Beifall abzwingl mit dem dem Reisenden eigenthümlichcn Liede: cc Metti mano alla borsa e paga Toste.” Ausführlicher isL in derselben Einkleidung diese Posse in den dem Villon zugeschriebenen Repeues franches P. II, 3. Die Vergleichung lehrt, wie gut der Schwank durch den Strasslmr- ger Erzähler benutzt ist. Die Erzählung findet sich auch in des Marlinus Mont anus Wegkürzer 1557, wo Dosch zur Wirlhin singt: Komm her, mein liebes Säcklein, Und bezahl der Wirlhin das Zechlein. Erläutcrungcii. 2(53 Historie L\II. Erfurt wird liier zu Hessen gerechnet. S. Krufl'ter lässt den Namen des Landes ganz weg, die Erfurter Ausgaben setzen anstatt desselben berichtigend : Düringen. Die Bezeichnung: Dresden vor dem Böhmer Walde, deutet auf eine Zeit, wo dieser noch bekannter war als jene Stadt. Jener Name ward auch noch lange nach Feststellung der Grenze Böhmens gegen Sachsen dem diesseits der Grenze gelegenen Walde gegeben, s. Sebastian Münster Cosmographie. Die Nähe des trefflichen Holzes muss das Schreinergewerbe in Dresden gefördert haben. Dass dasselbe mit besonderer Kunstfertigkeit geübt wurde, dürfen wir wohl schon vom vierzehnten Jahrhunderte, gewiss aber von Murners Zeit annehmen in einer Residenz, deren alle Kunstschälze dort gesammelt sind, weil die Zeitgenossen ein lebhaftes Interesse daran nahmen und welche, wenn nicht dort entstanden, doch zur Nachahmung erwecken mussten. Historie LXIII. Die Erwähnung des im Jahre 1125 zum römischen Könige erkorenen Grafen von Supplenburg, Lothars, passt nicht zu den übrigen erwähnten Umständen, am wenigsten zu der Zeit Lleuspicgels, aber auch nicht zu der Einführung der Brillen. Doch erklärt es sich leicht, wie cm niedersächsischer Erzähler den Namen des der lleimalh seines Hidden benachbarten Supplenburg in den Text brachte. Fi schart in seinem gereimten Eulenspiegel hat, so wenige Aciideruugen von dem ihm vorliegenden Texte er sich auch gestattete, diesen Misgrilf nicht nachschreiben wollen und statt dessen den Grafen von Schwarzenberg genannt. Graf Günther von Schwarzhurg ward bekanntlich am 1. Januar 1349 zu Frankfurt zum römischen Könige ernannt, doch belagerte er die Stadt -nicht. Wahrscheinlicher ist es mir, dass Supplenburg aus Lützlenhurg entstanden ist. Karl , Herzog von Lützelhurg, ward 1347 zum römischen Könige erwählt und zwar vorzüglich durch den Herzog von Sachsen und den hier als auf des neuen Königs, Karl IV., Parlhei stellend genannten Erzbischof von Trier. Wolllc man auf den Titel des Grafen besonderes Gewicht legen, so könnte man in dem gedachten römischen Könige den Grafen Heinrich von Liilzlcnburg suchen, welcher besonders auf Betrieb seines Bruders Balduin, Erzhischofes von Trier, seit 1307 (f 1354,) durch die am 22. November 1308 auf dem Königstuhl zu Dense geschehene Vorwahl und die bald darauf zu Frankfurt am Alain vor- geiiommene feierliche Wahl ernannt, am G. Januarsl309 aber zu Aachen gekrönt wurde. Gegen lelztcie Erklärung lässt sich der Ein- Wurf machen, class mil derselben das Geburtsjahr des Till sehr l'nilie gesetzt werden muss ; ein Einwurf, welcher geringer erscheinen würde, wenn wir in dem neu erwählten Könige des Liitzelburgers Nachfolger, Ludwig von llaiern, suchen wollten, welcher gleichfalls mit des Erz- bischofes Balduin Unterstützung 1314 October 20 zu Frankfurt erwählt und am 25. November zu Aachen gekrönt wurde. Der Erzbischof .Balduin war übrigens ein jugendlicher, hochbegabter Herr, welcher herablassend und den BischofsmanLel an den Nagel hängend, den Erheiterungen und dem Scherze gern sich hin- gah. Wenn wir nun gar verzeichnet finden, dass Bischof Balduins klare Augen kurzsichtig waren,') so möchte man nicht bezweifeln, dass der angebliche Brillenmacher aus dem benachbarten Brabant gerade diesen Fürsten aufsuchte und von demselben freundlich aufgenommen wurde. Delep ierre hat in seiner Ausgabe diese Erzählung in einen Anhang verwiesen, lediglich aus dem Grunde, weil die Brillen erst nach der Zeit des Ulenspiegel erfunden seien. Freilich haben die Künstler oft von Brillen, wie von anderen Coslümen, sehr unzeitmäs- sigen Gehrauch gemacht, wenn sie dieselben alltestamentlichen Personen erlheilten. Doch führen gerade solche Beispiele uns auf Brabant als das Land, in welchem sie geschliffen wurden und auf eine frühe, noch nicht genau ermittelte Epoche der Erfindung. Auf jenes Land möchte auch noch der französische Ausdruck: “Lunette de Hollande” für lunette d’approche hinweisen. Bekanntlich wird nach den gewöhnlichen Angaben die Erfindung der Brillen Italienern in der Zeit von 1280 bis 1311 zugeschrieben. Für Friedburg (Friedberg) hat S. Kruffter irrlhümlieh Freiburg. Er sowohl als die Erfurter und die späteren Ausgaben lassen die scherzhaften Bemerkung “funder glofz” weg. Auch fehlt hei ihnen der Umstand, dass Ulenspiegel mit dem Grafen, nachdem er zum Kaiser bestätigt war, nach Sachsen gezogen sei. Zur vollständigen Beurlheilung dieser Historie gehört eine Erörterung über den Ausdruck, um welchen sie sich dreht: durch die Finger sehen. Dass derselbe älter sei als die Erfindung der Brillen, erscheint nicht glaublich, wenigstens nicht, sofern ein absichtliches Nichtsehen, Uebersehen dadurch bezeichnet wird, (vergl. D. W. Körte Sprichwörter der Deutschen) — eine Bedeutung, 1) Gesta Baldiiiiii episcopi Trevcrciisis : Cap. IX in Baluzii Miscellan. Tom. I. Tempore vero jucunditatis opportuno suae juventutis occultis eum suis militibus, capellanis et camerariis, domieellis, velut eorum minimus, dicens: Episcopalem dignitatem suspendimus ad parietem, nunc superior, nunc inferior, socius jncundissimus .. . Cap. VII. Habuit oculos limpidissimos, apprope aliqualiter, sursum videndo acutissimos, sed a remotis videndo, more Limburgensium, obtusos. Erläuterungen. 265 welche jener Ausdruck ersl erhallen halten kann, nachdem die Hand mittelst einer von derselben emporgebaltenen Brille das Mittel ward besser zu sehen. Ist der Ausdruck nicht so alt als die erste Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts, so ist noch mehr Veranlassung vorhanden , zu forschen , in welcher Sprache der Ausdruck zuerst vorkommt und oh also auch in fremder Zunge die Historie erfunden sein könnte, welche später auf den Braunschweiger Bauernsohn übertragen ist. Man findet übrigens diese Erzählung von dem Kurfürsten von Trier und dem Abenlheurer, welcher sich für einen Brillenmacher ausgab, die sich “im freien Feld” begegnen, nebst einem fernem Schwanke desselben Abenlheurers mit jenem Kirchenfürsten in den Erläuterungen zu Henri ci Bebelii SprUcbwörtern, welche S. 156 der Sammlung Sprichwörter, Schöne w'eise Klugreden (Frankfurt, hei Ehr. EgenollJ 1548. 8.) angehängt sind. In der voranstehenden Sammlung S. 103 *’ ist auch das Sprichwort verzeichnet: Man muss Zeiten durch die Finger sehen. Beide Erzählungen sind dort vermuthlich aus Pauli’s Schimpf und Ernst entlehnt, wie sie in Nr. 490 und 491 sich finden in derselben Weise erzählt, mul gleichfalls ohne den Namen des Ulenspie- gel ; jedoch etwas ausführlicher, auch unter Anführung des Umstandes, dass der Bischof von Trier auf den Reichstag zu Frankfurt ging. Vortrefflich dnrehgeführt ist die ganze Erzählung von Hans Sachs in dem Gespräche eines Bischofes mit dem Eulenspiegel. Historie LXIV. Für Ilildesheim haben KrufTler und die Erfurter Ausgaben nebst den meisten übrigen, sogar Fischart, ein räthselhaftes Midefzheim. Kleine Gärten der Bürger, um Blumen, Gemüse und Fruchtbäume zu ziehen, findet man schon im dreizehnten Jahrhunderle bei den deutschen Städten, wie ich deren zahlreiche für Hamburg naehgewiesen habe in meinen Erläuterungen der Elbkarte des Melchior Lorichs v. J. 1568 S. 63. Ueber Gärten vor Wismar 1310 s. Burmeister Alterlhümer S. 12. 26. Es ist ein nicht zu übersehender Zug in unserem Volksbuche, welcher mit manchen Ungezogenheiten desselben etw'as versöhnt, dass mit Ausnahme einer oder der andern Wirihiu, die Frauen sogleich den widerwärtigen Gesellen in ihm erkennen und ihre Abneigung aus- drücken. Die Zubereitung der Speisen auf welsche Manier giebt den Beleg für die alte Vorliebe der Deutschen für ausländische Küche. Besonders interessant ist in dieser Beziehung das vom Stuttgarter literarischen Vereine herausgegebene Buch von guter Speise, aus dem vierzehnten Jahrhunderte, u’elrhes uns mit den von unseren Vorfahren 266 Krläulunuigrii. aus dein Griente, aus liülnneu und anderen heidnischen Ländern geholten Gerichten und ihrer Zubereitung bekannt macht. Allo gedruckte Kochbücher führt l’anzer in den Zusätzen zu den Annalen an: Küchemncistcrey o. 0. 1487. 4. s. Denis. Zu Augsburg. 1507. 4. s. Zapf. Strassburg. 1507. 4. — Ein niedersächsisches druckte zu Hamburg Joachim Löuw ums Jahr 1550: Von kakende, sedende und bradeude, kokenbackende. 8. Vom Eimbecker liier s. oben S. 255. Herr Heinrich Ilamenstede. ln diesem der Antwerpener Ausgabe fehlenden Namen entdecken wir eine eigenlhiimliche Eulenspiegelei des Verfassers selbst, welcher einen ihm ohne Zweifel wohlbekannten Geistlichen verspotten und unter den Galgen fahren lässt. Jener war Capellán zu Volkersheim hei liockenem und zu St. Egidii zu Goslar und schenkte im Jahre 1496 sein Haus zu liockenem der dortigen Kirche, wogegen diese seine Ainlsgeschäl'le zu Volkershcim versehen lassen sollte. Ich verdanke diese unerwartete Auskunft dem wohlverdienten Forscher der Hildesheimer Diöeese, dem verstorbenen 11. A. Litntzel. Leider hat er nicht erwähnt, worauf diese Nachricht sich stützt. Ii ii c h Ii o I z Geschichte von liockenem isL mir nicht zu Gesicht gekommen. Eine neuere Iheilwoise Uebertragung einiger Historien vom Ulenspiegel auf den Urinier bausch hat auch den diesem ursprünglich nicht zugeschriebenen Schwank mit aufgeuonnnen, wie der Wagen eingeschmiert wird, worüber zur Hist. LXXXIX weiter die Hede sein wird. Doch muss auf dieselbe hier noch mehr aufmerksam gemacht werden, da Bruder Rausch bekanntlich, so wie in der vorliegenden Historie Ulenspiegel, als Koch seines Klosters erscheint. In der prosaischen Historie of Frier Rush London 1620 ist jedoch zu lesen, wie dieser den Reisewagen seines Priors mit Tlieer (stalL mit Wagenschmiere) beschmutzt. Vermuthlich ist aber diese letztere Bearbeitung, wie Wolf aus anderen Andeutungen wahrscheinlich macht, aus dem Deutschen in das Englische übertragen. Die Bemerkung Ulenspiegels, dass er alles lliue, was mau ihm heisse, er aber dennoch keinen Dank verdienen könne, ist ihm sehr geläufig. S. oben Historic XLVII. LI. L1V. LX11. Historie l.XV. Die Uebersehrifl verlegt die Handlung nach Paris und spricht von einem Franzosen, während der Text die Handlung nach Wismar verlegt und nur einen Rosstäuscher nennt, nicht aber dessen Nationalität bezeichnet. Bei S. KrulfLer fehlt diese Historie; die Erfurter Ausgaben, die Slrasshurger v. .1. 1543, die älteste Augsburger u. a. haben dieselben widersprechenden Angaben nachgedruckt. Höchst Erläuterungen. 2(37 wahrscheinlich ist die Ueberschrifl aus Murners Quelle , welcher jener hei seiner folgenden Umarbeitung abzuändern vergass. In einem neuen Charakter erscheint Ulenspiegel hier, nämlich als uneigennütziger Lehrer des Volkes, woran jedoch immer eine Schelmerei geknüpft ist. Es wird hier ihm Kenntniss der schwarzen Kunst vom Erzähler beigemessen, während er früher sie sich nur anmaassl, wie zu Marpurg Hist. XXVII, oder sie vom Volke zu Lübeck Hist. LVIII bei ihm vergeblich vermulhet wird, und er Hist. LXXXV1I auch deren Kunde entschieden ablehnt. Nur in dieser Erzählung, welche jedoch augenscheinlich erst von unserem Rédacteur eingeschaltet ist, erscheint Ulenspiegel einigermaassen dem Dr. Faust ähnlich. Schon der ersten Erfurter Ausgabe hat unseres Helden Vertrautheit mit der schwarzen Kunst anstüssig geschienen, welche jedenfalls auch mit seinem Aufklärungseifer nicht übereinstimmen will. Sie giebl daher alles Uebrige wörtlich wieder, aber nach den Worten oben S. 95 Z. 15: “Vnd tiberkam ein pferd” unterlässt sie hier die Erwähnung der schwarzen Kunst und fährt fort: “vnd macht yhm da ein fchwanlz mil blut vnnd hartz als er das haben wolt” etc. Nach dieser Interpolation, welche die späteren Ausgaben alle aufgenommen halten, kann von einem Zauberstiickchen nicht länger die Rede sein; ein sehr einfältiger Rosstäuscher wird gefoppt, das Volk lacht, wird aber nicht belehrt, und der Schwanz wird ohne geheime Künste dem Pferde angeklebt. Der Ausruf: “Rabbio” fehlt in den Erfurter Ausgaben. Der italienische Ausdruck von rabbiare, erbosst, wülhcnd sein, scheint die Ileimath der ganzen Geschichte zu verra then. Historie IVVI, Auch dieser heitere Schwank scheint italienischer Herkunft, doch ist er von mir nicht nachzuweisen. Der Pfeifenmacher spielt hier eine Rolle, welche wir eher dem Pfeifer, fistulator, welchen wir im 14. Jahrhunderte mit den herum- ziehenden Gauklern und Schauspielern vereint finden, zuschreiben möchten. Aus dem wandernden Pfeifer, dem Landläufer, der mit dem Io tierholz umhergelaufeu, musste wohl, wenn er sich häuslich einrichten sollte, ein Pfeifendreher werden. Fabelhaft erscheint die grosse Strafe von zehn Gulden, in welche der Pfeifendreher genommen wird, weil er den Schinder angeführt hat. Doch waren bekanntlich die älteren Stadtrechte sehr strenge zur Aufrechthaltuhg der Autorität auch der untergeordneten städtischen Beamten. S. Hach: hübsches Recht I, 55. IV, 57. Rurmeister Wismar. Stadlrecht S. 22. Hamburg. SladlrechL 1292. 268 Erläuterungen. P. XV. 1497. M. VII. Nirgends aber (indet sich die auf unsere Erzählung so passende Verfügung der LüneburgerEddags-Artikel: “Were dal yenich loder edder gherende man an der fiad queme, de gheld neme dorh fines ghylendes willen, vnd woltle de enen guden man vorlmnen mit worden eder mit daden, worde he darvmme tuchteghet vnd efschede he (sc. der Verhöhnte) bnteringe, men fcholde eure dre worpele in de band doen: alfe mannieli oglie lie worpe, alzo manighen pennig fcholde he erne to beteringe gheuen vnd en fcholde dar nene uoed mer vmme liden.” ') Dürfte man in dem zweiten Theile der Erzählung, worin der Lotterbube für eine dem Schinder nicht zu seiner, sondern zu Ulenspiegels Verhöhnung, angeblich zugefügte Beleidigung eine so grosse Strafe zahlt, nicht eine Verspottung der Lüneburger Salzung durch einen dortigen Gaukler linden? Historie LXVII. Auch diese Erzählung, wenn sie gleich auf Ulenspiegels hei— mathlichem Boden spielt, so wie die vorhergehenden und nachfolgenden, und sogar in wenig bekannten Localitälen desselben, hat dennoch einen fremdartigen Anstrich. Die Uauplerzählung, wie das ländliche Ehepaar durch den listigen und gierigen Pfaffen zu einer neuen Cc ' gebracht wird, handelt von Ulenspiegel gar nicht und er seihst erscheint erst in dem folgenden an jene geknüpften Schwank, und in diesem wird nicht die alle Bäuerin, sondern er von ihr geäfft. Dass die Anführung des Pfarrers zu Gerdau, dass das Gelübde des Gehorsams für den Mönch seine bindende Kraft verliere, eben so aus der Luft gegriffen ist, wie seine Behauptung von der Nolli- wendigkeit, das Band einer fünfzigjährigen Ehe zu erneuern, wird keines Beweises bedürfen für jeden, welcher die Bedeutung der Sacramente in der christlichen Glaubenslehre kennt. Gerdau ist ein Pfarrdorf im Amte Bodenteich, unter Inspection des Klosters Ebstorf. Zu Ehstorf war ein jungfräuliches Benedic- tiner-Kloster für 46 Nonnen unter einer Priorin und einem Propste. Historie LXYHI. Eine ähnliche Geschichte findet sich in der ältesten Ausgabe von Pauli’s Schimpf und Ernst Nr. 635 (im Register Nr. 632), wie ein Bauer von drei Leuten beschwatzt wird, dass sein Thier, welches er für ein Schaf hält, ein Ilund sei, worauf er dasselbe in Verzweiflung weglreibt. 1. Das ulte Stadtrechl von Lüneburg, licruusgegelieii von W. Th. Kraul. S. 2S. * ErlaiitmiiigcM). 269 Diese Erzählung, welche sich auch hei It r uni yard Summa Praedicantium til. Servire findet und oft nachgeahmt wurde, ist indischer Horlumfl und ursprünglich schon in der Panlchatanlra. Ein Diamine, welcher eine Ziege gekauft hat, um sie zum Opfer zu bringen, wird von drei Gaunern, welche ihm sagen, er habe einen Hund gekauft, dazu gebracht, sich für verzaubert zu halten und den vermeinten Hund, ein von den Diaminen für unrein angesehenes Thier, um nicht durch dessen Berührung sich zu verunreinigen, jenen preiszugeben. Auch in der arabischen Sammlung Calila und Dimna findet sich diese Erzählung wenig verändert, so wie in “Les Mille et un quart- d’heure” von Gue niel te, welche tarlarischen Ursprungs sein sollen. S. Wright Selection of latins ories Nr. XXVII und Notes S. 222. Murner hat vielleicht keine seiner Erzählungen besser verändert und erneuert als die vorliegende. Die geschichtlich interessanten Worte hinter.larmarkt geen Olzen: “da dann vil Wenden vnd ander landvolck hinkumpl. Da gienge er nun hin und har”, finden sich auch hei S. Kruffter, doch fehlen sie in den Erfurter und allen folgenden Ausgaben. In der Gegend nördlich von Ueltzen nach der Elbe zn in der Grafschaft Dannenberg, besonders im Drawehn und dem Amte Lüchow, haben die Wenden sich lange auf dem Lande erhalten und ist ihre Sprache erst mit dem letzten Jahrhunderte ausgestorben. Trachten und einige eigenlhüm- liche Sitten sind noch länger bewahrt. Grün lundifch Tuch. Die Ausfuhr von Tüchern aus England war stets bedeutend und lässt sich im vierzehnten so wohl als im sechszehnlen Jahrhunderte nachweisen. Deutlicher, als Zahlen es vermögen, fuhrt der vorliegende Schwank uns vor Augen, wie es seihst in die entlegensten Dörfer geführt wurde, und wir begreifen, wie Jahrhunderte lang das Hecht, die Tücher auszuführen, ein Gegenstand der Scheelsucht nnd des Streites zwischen den Engländern und den Hansen in England sein konnte. Ueltzen aber, an der ehemals bis dahin schiffbaren Ilmenau belegen, soll von ältester Zeit an ein Handelsplatz der dort angesiedellen Engländer gewesen sein, welche dasselbe so wie Stade erst nach dem ergangenen Reichsverbote 1597 verbessern So erscheint denn Ueltzen als die nothwendige uns gegebene Dühne für den Vorfall mit dem Londoner Tuche. Die Schottenpfafien scheinen aus den Rheingegenden, wo wir sie zu Göln, Slrassburg u. a. 0. finden, auf diese Gegend ziemlich irr- thümlich übertragen zu sein. Die Scoten waren bekanntlich Rene- dictiner, ursprünglich irische, welche an der alten Regel strenger festhieltcn, als die Mehrzahl. Aeusserlich unterschieden sie sich von ihren schwarz gekleideten Ordensgenossen durch ihre weisse Tracht, s. Helyot Bd. VI. S. 334. Rivius historia monaster. 270 Erläuterungen. Es ist kein Schotlenklostcr in der Nähe von Ucltzen näher als zu Erfurt bekannt. Zu Meissen heim Dom wurden sieben unter den Domherren Schollen genannt, welche in einem Mause zusammen wohnten und 14S0 erwühnl werden. Fabricii Iler. Misnicar. 1. VII p. 159. Wahrscheinlich wollte der Erzähler nur den Schotlenmönchen wegen ihres Ernstes etwas anhaben. Es sollen übrigens die vorgedachten englischen Kaudeute auch zu dem Hau der ersten Kirche zu Ueltzen St. Marien hehiilllich gewesen sein, eine Thalsache, welche englische Mönche herbeigezogen haben kann. Historie IAIV. Ein altes Beispiel gesuchter Ausdrucksweise, über welelie Ulenspiegel hier spottet. Der Schluss der Erzählung gleicht sein’ der unten folgenden Historie LXX1X. und also auch deren Quelle, einer Facclie des Hebel. Das Leinlhor zu Hannover war wohlbekannt, die porta Lagi- nensis in der Karle der Ilannovera Antiqua in Gr up en Origines Hannover, s. daseihst auch S. 398. Die Kemerkung, dass der Staub in der Sonnen, und auch in der Erden, in der Aschen und in dem Sande, ist in diesem Zusammenhänge uns unverständlich: vermulhlich ist eine vorhergehende Zeile weggefallen. Die alleren Ausgaben wiederholen jene Worte jedoch unverändert: neuere haben sie zweckmässig weggelassen. Historie liVX. Grüningers Druck hat hier, so wie Historie EXX1I Hermen, über dessen Berichtigung aber um so weniger Zweifel obwalten kann, da auch in Hist. LXXXVII vom Hischofe zu Hermen die llede ist. In der ältesten Ausgabe von l’auli’s Schimpf und Ernst findet sich dieser Schwank von einem “kurzweiligen Abcnlheurer” berichtet in Nr. 644 (im Register Nr. 647). Im Morgenblatt 1813 Nr. 652 findet sich derselbe vom Herzoge Boleslav von Miinslerbcrg berichtet. Der erste Herzog dieses Namens starb 1342, der zweite 1377, und gehören sie allerdings dem Zeitalter au, in welchem hochgestellte Personen sich dergleichen Scherze eher gestalten durften, als ein fremder Abenlheurer, welchen der Marklvoigl bald zurecht gewiesen haben würde. Historie IAM. Man ersieht aus den Anfangsworten der folgenden Historie, dass die gegenwärtige zwischen die beiden Bremer Geschichten ziemlich planlos eingefügt ist. Krlüulcniiigoii. 271 Dieser heitere Schwank von den zwölf gefoppten lilindeu und dem exorcisirl.cn Wirlhe isl schon vom Trouveur C o u r le ha rh e im Fahlian von den Trois aveugles de Compiègne wiedergegeben. S. in Legrand d’Aussy Fabliaux et Contes T. III. pag. 49 llgd., im Auszüge aus Barbazan Bccucil T. III, im Originale aber im Anhänge p. 5. Hier sind schon ho ! s Erzählungen mit einander verschmolzen. Es isl hei diesen elw.: weniger unwahrscheinlich, aber weniger spasshafl die Zahl der ßliulen auf drei beschränkt. Hans Sachs hat ihn zu einem Fastnachtspiele mit sechs Personen benutzt: der Eulefpiegel mit den Blinden 1553 am 4. Tag Seplembris. Auch er beschränkt sich darauf, deren drei vorzuführen, und könnte also einen älteren als den vorliegenden Text gekannt haben, dessen Held jedoch Ulenspiegel war. Näher an Murners Text hat sich der Meisler- sänger geschlossen, dessen Sang v. J. 1547 wir aus der oben schon erwähnten Berliner Handschrift (S. 233.) MS. German, f. 22 am Schlüsse der Erläuterungen zu dieser Historie werden folgen lassen. Den ersten Schwank von den drei Blinden, deren jeder glaubt, dass einer der anderen von einem freigebigen Gönner Geld für den Unterhalt aller drei empfangen habe, findet sich auch schon unter den Schwänken Gonella’s in dem bereits im J. 1506 gedruckten poetischen Berichte des M. Raynaldo de Mantua. Le Grand d’Aussy a. a. 0. S. 59 bemerkt, dass das Abenteuer der drei Blinden sich auch finde der Arcadia di Brenta p. 340, in den Serées von Bouchet, und in den Contes du Sieur d’Ouville, der zweite Schwank mit dem Geistlichen aber in des angeblichen Villon Repeues franches (in Prompsault Edition des Oeuvres de M. Fr. Villon pag. 374.), bei d’Ouville, in den Nouveaux contes à rire, den Facétie di Poncino, l’Arcadia di Brenta pag. 252. Delepierre a. a. 0. pag. 188 erzählt, wie die Mystification des Pfarrers und des Wirlhes auch in neuerer Zeit nachgeahml sei, um einen Juwelier in Paris zu bestehlen. Es wird ihm unbekannt gewesen sein, dass schon der Pfalf Amis einen Juwelenhändler, dessen Edelsteine er gekauft, aber nicht bezahlt hat, binden lässt und als seinen, angeblich eigenen, geisteskranken Vater dem Arzte übergiebl, während er selbst mit seinem Raube entflicht, s. daselbst V. 2043 — 2472. Die herberg . . . und entdeckt ihnen das Ilufz. Murner giebl, wie auch die älteste Antwerpener Ausgabe, der Herberge keinen Namen ; Krulfter nennt sie die “Ilerberg tzom gulden leuen” ; die Erfurter Ausgaben lassen die Blinden schicken zum Hansen Fritz in die llerberg. Die älteren deutschen Texte lassen XII Gulden geben ; die Antwerpener XX. “Ich woll, dasz fie weren da alle waffer z ûfa mm en kommen’, (I. h. im Ocean. Doch lässt sich wohl in dieser Verwünschung eine verdunkelte Erinnerung an die Wasserhölle der deutschen 272 Erläuterungen. MythenwelL linden. Siehe von derselben Dietrich in M. IlaupL’s Zeitschrift für Deutsches Allerthum, lid. IX. S. 175 186. Pauli a. a. 0. Nr. 646 hat diese Erzählung nach Murner, nennt jedoch anstatt Hannover die Stadt Nürnberg. No. 18. In der gefanngweif Homerfell. Die zwei ff blinden. 1 . Eutenfpiegl Zu Bremen rail fur daz stall dor, dem begegneten zwöllf plimlen darvor. Zu dein 1 ) fpraeh er: wo weit ir hin, ir armen? Sy flunden ftill, naigten liech fpraehen: Liber here, wir gent dem almnfen im Laut nach weit vnd ferr. Eulenfpiegl fpraeh : ir lut mich erparmen, Set hin, nemht die zwollf gulden roll, die vcrzerl in der statt peim Cunz wirt eben. Sy daneben im Heilig durch Gott, wie wol er ir kainen 2 J hei etwa!' geheim, Vnnil körten fcölich in die statt. Ein ieder maint, der ander het daz gelte vnnd zuegen ein zum Cunz wirt fpatl, saigten: Ein Trümer lierr dauf auff dem fehle gab vnf zwölf!' guida in gemein,. Sol wir bey euch verzeren. Der wirt drueg auff bir, brot vnd wein, vnnd fchlueg ein fchwein vnnd hief die blinden frolich fein, lief ly fant Merten ehren. 2 . Alf nun auf zehen taig l'chlemet der plinden zall, fpraeh der Cunz wirt: ir gefl, loft vnf rechnen ein mall. Da warenf eben gleich zwollf guida fchuldig. Da sy wollen zallen , da het keiner daz gell. Da faigtenf: der hat vnf petrogen auf dem fehl, Kein gelt hak wir. Der wirt wair vngedultig, fpert ly in ein feyftal zufam gab in den wafer nicht!' vnnd hert brotrinnden. Nach dein auf 3 ) Eulenfpiegl kam, sprach zum Cunz wirt : waf zeiget ir die blinten. 1. !.. den. 2. L. kainem. 3. L. haus. Erläuterungen. 273 Der wirt faigt von der grofen fchulde. Eulenfpiegl fprach : wen ir het ein bürgen, wolt ir die blinten lai'en los? Der wirt fprach : ja, den bürgen wolt ich würgen. Eulenfpigl der ging durch lift Zum pfarrherr, fprach vermelen: mein wirtin hit vmb helff, daz wift in difer frift, die weil ir wirt leihhafftig ift mit dem deuffel befefen. 3. Der pfarer fprach : in drey taigen hilff ich an fchewch. Eulenfpigl fprach: fo wil ich bringen zu euch fein weih vnnd faiget ir daz. Mit verlangen Eulenfpigll zum wirt kam. Bift gedroft! ich bah ein Burgen funden, der di her 1 ) Blinden loft, der pfarher. Doch eh drey taig finnd vergangen, der wirt fchickt fein weih mit im hin, die fiechf hört felber von dem pfarher Taigen. Der pfarher fprach : willich binn euren man zu helflen in dreyen taigen. Der wirt die Blinden ledig lief. Eulenfpiegl riet zuu der Statt hinaufe. Nach dem der wirt liech zalen hief. Der pfarher Hoch, fpert for im zw daz häufe, vermaint der wirt befefen wer. Der klopft an vnverzogen vnnd l'chrie : gib die zwelff gülda her ! Verlaugnet ehr. 2 ) Al drei parthey wurden mit gfer mit difen fchalck hetrogenn. Ano Saluvis 3 ) 1547 den 26. taig Junii. Historie IfVVIl. als vff Bremer merkt. Diese nicht deutlichen Worte fehlen bei Kruffter, so wie in den im Uebrigen fast wörtlich übereinstimmenden Erfurter Ausgaben. Der Sinn jener Worte dürfte sein, dass der Belauf der Zeche, welcher nicht im Voraus und gleichmiissig be- 1. L. dich der. anno Salutis. 2. L. Vort läugnet er (nämlich der pfarrer). 18 3. L. I ' • A’4Slr' 274 Erläuterungen. stimmt war, je nach den Bremer Marktpreisen für die Victualien angesetzt wurde. Das Motiv dieser Erzählung ist schon in den ßepeucs franches P. I, 2, wo der Spassvogel, der angebliche M. François Villon, den Freund, welcher verabredeter Maassen den reingewaschenen ent- blössten Hintern zeigt, mit den gekauften, aber unbezahlten Stücken Fleisch oder Eingeweiden schlägt, welche die erzürnte Verkäuferin jetzt nicht wieder zurücknehmen will und ihn damit wcglaufcn lässt. Historie fcXX.HI. Es mag eine eigenthümlich zarte Rücksicht gewesen sein, welche der Verfasser genommen hat, als er die Stadt an der Weser nicht nannte. Doch lässt die Angabe über die Entfernung von zehn Meilen von der Stadt, aus welcher Ulenspiegel nach Ditmarschen Uberschillen wollte, wohl keine andere Deutung als auf Bremen und Stade zu. Anstatt der vierzehn Herbergen, welche auch Kruffters Text hat, begnügen die Erfurter und spätere Ausgaben sich mit zwölf. Der Schwank seihst beruht auf der Erzählung vom Deucalion, welcher nach der Flulh Steine säete, aus denen die rohen Menschen hervorkeimten, wie Virgil sagt in Georgicis L. I. v. 63: Deucalion vacuum lapides iactavit in orbem, Vnde homines nati, durum genus. Vergi. Ovidii Metamorphos. L. I. v. 410 sq. Es bedarf hier keiner Herleitung des Namens der Sachsen aus dem lateinischen saxum. Dieser Schwank ist hei einem späteren Anlasse der Ileimath Ulenspiegels näher gebracht, nämlich nach der Stadt Braunschweig, unter deren Bürger Tyll den Ungehorsam gegen ihren Landesherren aus- gesäet haben soll, wie das Lied berichtet, welches folgenden Titel führt: “Ein fchönes gedenckwirdiges Lied. Von Tilen Eulenfpiegeln, der vor hundert vnd mehr Jahren in einem Dorff, Knedtling genandt, am Elm, ein viertel einer Meilen von Scheppenftedt belegen, geborn, zu Ampleben getaufft, vnd als im zurücklragen ihn die Bademutter in Kot fallen laffen, wieder gebadet, vnd entlieh nach viel getriebenen Ebenthewer zu Mölln hei Lübeck begraben worden etc. Wie der- felbe in Braunfchweig die böfe vnnütze halsftarrige Bürger anfänglich gefeiet, welcher Same nunmehr reiff, vnd zu der Krndte eilet. Dem- l'elben verbefeten Samen zur Warnung vnd beflerung geftellt, vnd gemacht. Im Thon, Ich reit einmal zu Braunfchweig aus etc. Am 8 July Anno 1606. 3 ’ Ein Exemplar dieses Liedes findet sich in der Raths-Bibliothek zu Lüneburg, wo es E. Slapelii tragico-comoedia angebunden ist. s. Man ecke im Hannoverschen Magazin. 1812 Stück 47. Erläuterungen. 275 Historie LXVIV. Auch hier bemerken wir des Verfassers Kenntniss der Localilät, da der Hopfenmarkt allerdings ein alter Markt Hamburgs ist, welcher schon 1353 urkundlich nachzuweisen ist. Historie tVXV. Ulenspiegel erscheint hier als ein Cavalier, welcher einen Hof oder doch ein Hoffest besuchen will. Der Gaukler suchte stets die Gesellschaft hoher Herren: der Könige von Polen und von Dänemark, der Erzbischöfe von Magdeburg, Trier und Bremen, der Herzoge von Braunschweig, des Landgrafen von Hessen, des Grafen von Anhalt, früher anscheinend Dienste suchend, später als Fossenreisser. Es ekelt ihn hier vor dem widerlichen Anblick der verschnupften Frau und die Besorgniss, dass die Molken verunreinigt werden konnten, treibt ihn schon vorher weg in ein anderes Haus. Die letzten Worte unserer Erzählung: “vnd beforgt, der fchmtdel fiel in die molken,” fehlt in den Erfurter und folgenden Ausgaben, wodurch Simrock zu einer mit unserem Texte nicht übereinstimmenden Ergänzung verleitet ist: “Als es nun nicht fo fiel, wie er gewünfeht halte, ging er” &c. Historie LXXYI. Hier finden wir Ulenspiegel mehr in seinem hergebrachten Charakter, doch gerade entgegengesetzt von demjenigen in der nächst vorhergehenden Geschichte. “Dasz dich nymmer g fits en gee.” J. Agricola Sprichwörter Nr. G26 bemerkt, dass dieser gräuliche Fluch sonderlich der Weiber Fluch sei, was hier und unten in Historie LXXXII. seine Bestätigung findet. Doch haben wir ihn auch oben im Munde des Hildesheimer Kaufmanns wahrgenommen : Hist. LXIV. “Und wüschet den mund vnd gieng hinweg.” Diese sprichwörtliche Redensart wird in J. AgricoJa’s Sprichwörtern wohl nicht ganz richtig erläutert: “er Ihut es und läugnet es,” unter Vergleichung des Sprichwortes Salomonis Cap. XXX. v. 20 : “Also ist der Weg der Ehebrecherin, welche verschlinget, vnd wischet ihr Maul und spricht: Ich habe kein Uebels gelhan.” Historie LXXVII. Zu Anfänge dieser Erzählung ist ein Schreib- oder Druckfehler in den älteren Ausgaben zu berichtigen. Der reiche Mann wohnte nämlich, wie das Folgende ergiebt, nicht in der Herberg, da er in was, sondern bei, neben derselben. IS* 276 Erläuterungen. Ulenspiegel wird hier zum ersten Male seine richtige Bezeichnung, die eines Gauklers oder Spielmannes gegeben. Als eine alte Sitte bemerken wir hier, dass bald nach St. Martins Tag von unseren Vorfahren die Feste gegeben wurden. “Vor ein fchalk foil man zwei liecht fetzen." Ein treffliches Sprichwort, welches in den Sammlungen der Sprichwörter, wenigstens den älteren fehlen dürfte. Historie 1XXVIII. Diese Erzählung von seinem Landsmanne findet sich hei J. Agricola von Eisleben a. a. 0. unter Nr. 43: “Es ist dir in Worten, wie manchem im Sinne”, welches Sprichwort wir auch zu Ende unseres Textes finden. Es liegt aber in diesem Umstande kein Grund, mit Gödecke anzunehmen, dass Agricola, welcher den Ulenspiegel in seiner Vorrede bereits unter seinen zahlreichen Quellen anfuhrt, einen niedersächsischen Text vor sich gehabt habe. Nürnberg. Kruffter und die Erfurter Ausgaben haben Nürnberg. Für jenes scheint die grössere Nähe und die baldige Rückkehr der Kaufleute im harten Winter zu sprechen. Vf die Hart. Kruffter: in den wähle. Wir würden Eulenspiegel zunächst auf dem Harze suchen ; denn hier finden wir den Plural von der Hart, der Wald, also die Wälder. S. 116 Z. 20: “Das fpil wil hiit gut werden.” Vom Karlen- und Würfelspiel sind manche ältere, jetzt nicht mehr übliche Sprichwörter entlehnt ; jenes noch gebräuchliche scheint früher nicht nachzuweisen. S. 116 Z. 26: Die Sachfen mit irem fufen, ln Saxonia potatores — sagt auch der Vers in Epistolis obscurorum virorum pag. 198. Historie LXU&IX. Diese Erzählung ist nur eine Variation auf den Schluss des Schwankes, beim Bader zu Hannover verübt, in Nr. LXIX berichtet. Beide stammen aus der Facetia des Bebelius pag. A VIL, wie ein Mensch zu Freiburg, welcher meinte, dass er vom Bader nicht mit gehöriger Rücksicht behandelt worden, sich durch seine Unreinlichkeit rächte. Kürzer, doch dem Sinne nach übereinstimmend hat die letzte vorliegende Geschichte von einem nicht näher bezeichneten Gaste Pauli Schimpf und Ernst Nr. CCCLVI., welcher auch in der vcrsönlichen Gesinnung des Wirthes bei der widerlichen Ueberraschung übereinstimmt. S. 118 Z. 2: Des morgens tagt es im frieg, der Tag bricht ihm frühe an, er stand frühe auf. So auch Hist. LXXXIV. Erläuterungen. 277 Historie I<\XX. ' S. 119. Cölifche Wyfzp fenn ing. Es ist vom Verfasser hier eben so richtig die Ortsmünze benannt, wie anderswo die Gulden und Pfenninge, die Stellensgroschen zu Quedlinburg, Hist. XXXVI; die Marken in Dänemark, Hist. XXIII; zu Erfurt die Schock Groschen, Hist. XXIX; zu Rom die Ducaten, Hist. XXXIII. Dieser treffliche Schwank findet sich in etwas veränderter Form in der ältesten Ausgabe von Pauli a. a. 0. Nr. XLVIII, wo er jedoch später weggelassen ist. Nach Pauli’s Nachricht verklagt der Wirtli den Bettler, welcher den Geruch des Bratens nicht bezahlen will; die Richter wissen nicht sofort zu entscheiden. Einer derselben trägt den schwierigen Fall seinen Hausgenossen hei der Tafel vor und der Narr ertheilt den Bath, dem Wirth die für den Geruch des Bratens verlangte Zeche mit dem Klange des Geldes zu bezahlen. Dieser Meinung tritt der Gerichtshof bei, und so kann auch ein Narr ein Uriheil finden, wie Pauli hinzusetzt, oder vermuthlich schon der von ihm zu dieser Historie angeführte Johannes Andreä. Es ist mir nicht gelungen, dieselbe aufzufinden in den bändereichen Schriften dieses berühmten Canonislen, welcher um’s Jahr 1270 geboren, 1348 im Juli an der Pest, der schwarze Tod genannt, zu Bologna starb, und also als Zeitgenosse des Ulenspiegel zu denken ist. Doch giebt es schon eine ältere, italienische Erzählung in der achten der Cento Novelle antiche, deren Sammlung in die letzte Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts gesetzt wird. Zu Alessandria in Romania, heisst es dort, kam am Montag ein armer Sarazene zu dem Koch Fabratto, welcher in den Gassen nach dortiger Sitte seine Küche hatte, und liess den Dampf aus den Kochtöpfen in sein Brot ziehen. Fabratto, welcher an dem Morgen wenig verkauft hatte und deshalb verdriesslich war, verlangte von jenem Geld und erregte so viel Lärm, dass der Sultan von dem Streite hörte. Dieser befragte die Weisen des Landes, deren einer zuletzt die obige Ansicht auseinander setzte, welche der Sultan zu seinem Urlheilsspruche erhob. Wir werden durch diese Version schon in die Ileimath dieser Erzählung geführt. Denn eine sehr ähnliche Geschichte begab sich in Aegypten, wie schon Plutarch im Demetrius Cap. 27 berichtet hat. Ein Jüngling in diesem Lande, sagt er, liebte eine vielbegehrle Buhlerin Thonis, welche jedoch eine ihm unerschwingliche Summe forderte. Der Leidenschaftliche ward indess durch einen Traum beschwichtigt, in welchem er seine Wünsche bei der Thonis erreicht zu haben meinte. Sie forderte ihn nun in das Gericht, um ihren Lohn von ihm zu erhalten. Der König Boccoris erkannte darauf, nach Anhörung beider Theile, dass der Jüngling die ganze verlangte Summe Geldes in eine Vase legen und deren Schatten auf die Buhlerin fallen lassen solle. Denn der Traum sei eben auch nur ein 278 Erläuterungen. Schatten der Wirklichkeit gewesen. Die Erzählung scheint jedoch eine noch ältere Grundlage zu haben, da der Traum eines so beruhigten Liebhabers schon berichtet wird in Bezug auf die Archidike, in dem ägyptischen Naukralis , welche gleich nach der Zeit des Königes Amasis, also auch des Cyrus lebte, s. Aeliani Varia Historia 1. XII. c. 63. Bei diesem Hergänge bedarf es kaum für die Genesis dieser Erzählung der Hinweisung auf die Scheinbussen des germanischen Hechtes (s. Sachsenspiegel Bd. 111. Art. 45. Grimm Rechlsallerlhümer Bd. II. S. 677.) wornach für wcrlhlose Personen ein geringes oder lediglich scheinbares Wergeid entrichtet wurde. Eine Scheinbusse mit Geldesklang ist zwar bekannt. Wohl aber kann der Seitenblick auf solche rechtlich vorhandene Scheinbussen unserer Historie mehr Eingang verschafft haben und Gaukler mögen sich durch deren Vortrag an dem noch bestehenden Buchstaben des Rechtes gern gerächt haben, nach welchem ihr Wergeid mit dem Schallen eines Mannes geleistet wurde. Vergi. B. Kopp Bilder und Schriften Bd. I. S. 105. Historie 1XXXI. Die Erzählung, welche dem früheren Plane später eingeschoben scheint, knüpft sich ganz beziehungslos an die Historie XXXIX oder an L an. Sie ist fast wörtlich aus Bebelii Facetiis Bogen B. VII. entlehnt. Sie wird dort von einem damals bekannten Priester Fuse- Iinus Ftifzli berichtet, welcher von den Acliantinopolitanern besoldet wurde, um für die Brüderschaft des h. Sebastian Almosen zu sammeln. S. 119 Z. 7 V. u. : vil kinder — vngern. Von Ulcuspiegels Kinder war oben im Cap. XXI. die Rede. S. 120 Z. 8: ich heifz. Die Verbesserung: “ich reifz” ist durch Bebelius gerechtfertigt, wo der Wirth antwortet: quia eras esset emigraturus. Die Erfurter Ausgaben haben: ich kers. Historie LXXII. Es ist hier eine Variation des ohigen Schwankes Hist. XXXVI von der Bäuerin mit dem Hahn, welcher als Pfand gegeben wird, was ihr schon eigenthümlich gehört, nur schalk- und boshafter. Die Scene dieses Schwankes ist, wie die Ueberschrift der folgenden Historie ergiebt, Stasfurt. S. 121 Z. 12 v. u. : d a z dir nimmer gluck befe he, s. oben Hist. LXXVI. Historie LXXXIII. Das Komische liegt, ausser dem Misversländnisse im Wortspiele und dem Unerkannlsein Ulenspiegels, in dem Misvcrhältniss der Strafe y Erläuterungen. 279 des Rades, welche nur Mordbrenner und die gröbsten aller Verbrecher traf, während einfache Mörder und Räuber mil dem Schwerte gerichtet wurden, liier aber das Verbrechen ein so geringes war, dass es durch das Wergeid oder Ersatz des Hundes und eine Geldbusse gesühnt werden konnte. Historie I VWIV. Eine Erinnerung an Ulensjiiegels Romfahrt, wodurch das Ganze eine historische Farbe bekommt. S. 11 23 Z. 5: tagt es im ganz frieg, s. Hist. LXXIX. S. 23 Z. 12: alfo fol man die Romfard volbringen. Die Romfahrten standen in schlechtem Rufe; s. oben S. 219, und Ulenspiegcl musste sie also mit einem Schalksslreiche beschliessen. Historie I.VWV. Dieser Schwank ist von Pauli Schimpf und Ernst, doch nur in der ersten Ausgabe Nr. 653 aufgenommen. Ulenspiegel wird dort wie in Nr. 658 — s. oben Ilistorie XLIX. — als ein Spotlvogel in einem wilden Kleide bezeichnet. Eine etwas ähnliche schmutzige Geschichte findet sich in den Merie tales of Skelton c. 9, wo dieser sich in den alleinigen Besitz des Beltes zu setzen weiss. Diese konnte dem Murner bekannt sein. Historie 1XXXTI. Unter Gonclla’s Possen (1506) findet sich auch eine, wie dieser dem Herzoge von Ferrara ein mit feinem Zucker überstreutes Confect aus Venedig mitbringt, in welchem dieser bald den von ihm von dem Reisenden früher in böser Laune verlangten Kolli (slronzo) findet; ein Schwank, welcher einer sprichwörtlichen Redensart der Italiener seinen Ursprung zu verdanken scheint, wenn diese nicht aus jenem entstanden sein sollte: “a tollo a confettare slronzi”, für: er hat unnölhige Schwierigkeiten übernommen, so wie auch für: er macht unverdienten Leuten den Hof. Faffonien in der Uebersehrift musste verglichen mit der Erzählung Fliegen oder Mücken bedeuten. Doch da ein solches Wort unbekannt ist, welches auch S. Kruffler und M. Sachs weggelassen haben, so möchte hier leicht ein Druckfehler vorliegen, etwa für faf- fonien, oder für fafranien, Safran, im Italienischen zaflerano, wo es eben den Nebensinn der Gabe Gonella’s bat. Die Erfurter Ausgaben haben hernach für mttcken: miickenlreks, lassen den Apfel misslichen braten und mit Zucker und Ingwer bestecken. 280 Erläuterungen. Es wird ziemlich wahrscheinlich, dass Murner ein italienisches Original vor sich hatte, welches er viel schalkhafter und für dieses Mal sauberer umgestaltet erzählte, während die Erinnerung der ursprünglichen Geschichte, wie oben in Hist. LX1I im Titel verblieb. Die Abänderung Holländer für Hochländer ist schon von M. Sachs angenommen. Man könnte unter Hochländer Oberländer suchen, doch war theils diese Bedeutung eine ungewöhnliche, theils möchte dieses plumpe Betragen des Kaufmanns der gewöhnlich verbreiteten Ansicht von dem Nationalcharakter der Holländer mehr entsprechen. Die krönt etfogel, Kramsvögel, als Leckerbissen, dürften kaum früher erwähnt sein. Kruffter hat dafür; “gebraten felthöner vnd fneppen.” Historie LXXXVII. Eine Quelle für diesen Taschenspielerstreich ist nicht nachzuweisen. Dürfen wir daher hier historische Treue suchen, so finden wir in dem Bremischen Erzbischöfe den heiteren, prachtliebenden, aber sehr geldbedürftigen ßurchard Grelle, erwählt 1327, f 1344.') Dass ein Fürst, selbst ein geistlicher Herr, einen solchen Schwank, um seine reichen Ministerialen um ein Stück Geldes oder Vieh zu foppen, von einem Possenreisser erlernte, liegt ganz im Geiste jener Zeit. Derselbe Schwank soll vom Herzoge Boleslav zu Münsterberg (der erste dieses Namens starb 1342, der zweite 1377) verübt sein. Siehe Morgenblatt 1813, Nr. 152. Vlenfpiegel reifte wieder gen Bremen. Murner hat nicht vergessen, dass er seinen Helden in dieser Stadl schon früher hat verweilen lassen, s. Hist. LXX. LXXII. LXXIII. S. 126 Z. 24: mit der fchWarzen kunft. Vergl. oben S. 267 zu Hist. LXV. S. 127 Z. 9: dreifältig. Die vorgeschlagene Lesart zwei- fältig würde hier durchaus zutrelfen. Denn da der Bischof sechszehn Ochsen erhält, von denen er einen an Oienspiegel verspricht, so verbleiben ihm fünfzehn Stück zu vier Gulden ein jeder, was also sechzig Gulden beträgt. Damit verträgt sich auch Ulenspiegels Forderung der halben Beute. Kruffter hielt sich an dreifältig und taxirte den Ochsen auf sieben Gulden, M. Sachs auf zwölf Gulden; jenes aber ist beinahe das Vierfache, diese noch nach Abzug eines Ochsen für den Gaukler gerade das Sechsfache der 30 Gulden. Historié LXXWIII. M. Sachs hat in der Ueberschrift gleich Grüninger: Lübeck; Krulfter hat Einbeck, wie die anderen auch im Texte haben. Diese 1. S. meine bremischen Gescbichtsijuellen S. 38 flgd., 87 ilgd. Erläuterungen. 281 Lesart muss die richtige sein, da die Herzoge von Braunschweig daselbst ein Turnier halten, und ist also weder an Lübeck noch an das holsteinische Oldenburg in Wagrien zu denken. Ein Oldenburg bei Eimbeck ist uns freilich nicht bekannt; doch mag der Verfasser an einen der verschiedenen Orte Oldendorf gedacht haben, welche in der Nähe von Eimhcck liegen. Nämlich Stadtoldendorf, welches eine alte Burg hat, und also auch ein Oldenburg als denkbar erscheinen lässt, 2 '/2 Meile nordwestlich von Eimbeck; Markoldendorf und Klein Oldendorf, über eine Meile westlich zwischen Eimbeck und Dassel. Eimbeck war vor der Zeit Ulenspiegels, nämlich schon unter Herzog Albrecht dem Grossen an Braunschweig von den ausgestorbenen Grafen von Dassel übergegangen. Als ein besonders berühmt gewordenes Turnier wird das vom Herzoge Ernst, Herzog Ernst des Wunderlichen Sohn, zu Eimbeck im Jahre 1322 veranstaltete Rennen, Stechen und Brechen gepriesen. Letzner, welcher desselben in seiner Dasselschcn und Eimbeckischen Chronik S. 87 gedenkt, bringt dasselbe irrig mit der bereits 1308 vollzogenen Vermählung des Herzoges in Verbindung. Das in Rede stehende muss nach den Worten unseres Textes in eine Zeit fallen, wo mehrere Fürsten von Braunschweig mit einander regierten. Ulenspiegel, wie oben Hist. XXXXVIII, verübte diesen Streich mit den Bauern vor demjenigen mit dem Hunde des Brauers zu Eimbeck. Ulenspiegel erscheint hier als ein unmässiger Schlemmer, wie seit der Jugendgeschichte Hist. IX ihm nicht nachgesagt ist. Historie LXXXIX. Diese Erzählung führt auf einen schon oben zu Hist. LX1V angedeuteten Zusammenhang einiger Historien vom Ulenspiegel mit denen vom Bruder Rausch. Dieser, zum Koch des Klosters angenommen , hetzt die in der Nacht zur Messe gehenden Mönche in der Kirche mittelst der ihnen gegebenen, von ihm geschnitzten Knüttel und einer zwischen dieselben geworfenen Bank zum blutigen Kampfe gegen einander. Von dieser Historie datirt der älteste uns bekannte hochdeutsche, ein Strassburger Druck vom Jahre 1515; ein älterer niedersächsischer Text ist vorhanden. S. F. Wolf in Sc hei ble ’s Kloster Bd. XI S. 1070 —11 18, wo jener Druck, schon 1835 zu Wien in wenigen Exemplaren neu abgedruckt, zur allgemeineren Kunde gebracht ist. Der späteren im Jahre 1620 gedruckten englischen Bearbeitung, welche dem Friar Rush auch den Schwank zuschreibt, wie er des Priors Wagen mit Theer beschmiert habe, ist oben zur Hist. LXIV gedacht. In dieser Ausgabe findet sich, ausser dem oben gedachten Streiche in der Kirche, gleichfalls die Erzählung, wie Bruder 282 Erläuterungen. Rausch, zum Küster befördert, die Stufen der Treppe abbricht, um die zur Mitternachtmesse gehenden Mönche zu zählen. Beide mit dfem Vienspiegel gemeinschaftliche Geschichten sind in jenem Drucke v. J. 1620 unmittelbar hinter einander eingeschaltet und scheinen nur von dem Ulenspiegel auf Bruder Rausch übertragen. Beide Schwänke finden sich vereint in einem deutschen Gedichte, welches, vielleicht alter, uns durch eine papierne Handschrift des 15. —16. Jahrhunderts Bl. 23 — 26 im Besitze des Herrn M. Kupp its ch in Wien durch deren Abdruck in Mone’s Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit Bd. VIII S. 78 — 82 bekannt ist. Der Herausgeber hat ihr wegen des unverkennbaren Zusammenhanges mit dem Eulenspiegel diesen Namen gegeben, welcher jedoch in der Handschrift nicht vorkommt. Bei dem noch nicht aufgeklärten Zusammenhänge jener Erzählungen scheint es zweckmässig, dieselbe hier wiederzugeben. Der Schwank von dem endlosen Läuten ist hier neu, dagegen ist der von der Abweisung der Gäste aus dem Kloster durch den Pförtner hier so wie in den englischen Text von Friar Rush aufgenommen. Eulenspiegel. 1. Nun hört von einem reichen pauren, dem wart dick sein leben saur, im sturb weyh und kinde : er dacht noch einen guten mttt, wo er’s mocht pekummen (1. finden). 2. Eines mais nam er fur sich in synn, er kam zw einem kloslcr hin ; zw den manchen det er laufen, um zway hundert guldin det er ein pfrünt im kaufen. 3. Do schnait man im ein kutten an, sy sprachen : ,,pifs ein piderman, recht als ein lnyenpruder, so nim den orden zw dir.“ (fehlt ein Vers.) 4. Des dauclit sich der paur gemaydt, da er die kutten an laydt, er geleicht sich zw einem phaffen und kert sich furbafs nit daran wafs man mit jm thet schaffen. 5. Do das ein lange zeyt hell gewert und er sich doch an nyemant kert, es det die mitnch verdriessen, sie hielten mil (I. ein) gemainen rat, wafs sie den pawren hiefsen. Erläuterungen. 283 6. Sie sprachen: „nym war der rechten zeyt und wafs dir auch daran leyt, metlen mufst du dw lewten. Tryfflw nit die rechte zil, es wirt dir wol pedewtet, 7. So hastw verlorn dein pfrundt, (fehlt ein Vers.) das lafs wir dich hie wissen.“ Der paur sprach : „es wirt versuent, ich wil sein so geflyssen.“ 8. Da jederman nun schlofen gieng, der paur daz leuten an fieng, er leut die ganzen nacht; die mttnch gewannen grofs unrue und worden ungeschlacht. 9. Des morgens slroilltens jn gar schier, er sprach: „hah ich unrecht gethan? nun was doch ewr gepote, das ich doch (treffe) das rechte zyl, das thet ich als ich solté. 10. Darumh leut ich die gantzen nacht.“ Die münch hetten ein sinn erdacht: „morgens frue wol wir ausvaren, ' so rust dw uns den wagen zw und thue uns wol pewaren. 11. Wiltu dein pfrundt verlorn nit, (fehlt ein Vers.) so schmir dw uns den wagen.“ Er sprach : „ich kann wol recht da mit.“ Er letz, als ich euch thue sagen. 12. Der paur nam daz karrenschmir (1. schmer), er schmirt den karrn hin und her, aussen und allenthalben, inwendig do man sitzen soit, da thet er jn fast salhen. 13. Des morgens do der tag herprach, ir einer den andern an sach, die miinich schyeden vom lande; do die sunn gegen tag aufgieng do wurden sy zw schänden. 14. Je einer sach den andern an: „ist das nit ein schnöder man? Er hat sich poshait geflissen, 284 Erläuterungen. das er uns den wagen hat so schemliehen peschissen?“ 15. Die waren jemerlichen peschlept, da hinden und da vorn bedrosselet, und darzw bedriebt; das thet den munchen zorn, (fehlt ein Vers.) 16. In was beclaibt antlilz und hend, sy sprachen : „daz dich als ungelitck schendt, dw schnöder filzpaur! wir wellen all zw sammelt thuen, es muefs dir werden sawre.“ 17. Wer sie ansach, der jr da spott, widerumb haim was in not, die kulten muslcns waschen, sy sprachen all: „du schnöder paur, man soit dir’s maul zw treschen, 18. Das dw dich solcher poshail fleyst und uns den wagen bescheist, aussen und auch innen, du pist ein paur von falschem list mit deinen posen synnen.“ 19. Er sprach: „ir hantz gehaissen mich, (fehlt ein Vers.) das ich den wagen soit schmieren, das thet ich als fleyssiklich.“ die münich sprachen gar schyre: 20. „Morgen wann man zw metten gat und welcher dann der erst auf stet, der ander und der dritte, der viert, der funft, der sechst, der sibent, der acht, der neunt darmite, 21. Das soltu auch merken dar pey, welcher der erste im köre sey, kanstu uns das nit sagen, so wollen wir dich morgen frue zum kloster aus hin jagen.“ 22. Der paur sprach : „ce daz ich wolt, daz ich mein pfrunt verloren soit, vil lieber will ich wachen.“ So yederman nun schlaffen gieng, nun hört, waz kunt er machen; 23. Als ich die sach vernummen hab. (fehlt ein Vers.) Erläuterungen. 285 er schleich hin fur die zellen, prach yedem münich ein Staffel ab wol vor der stiegen schiere; 24. Dem prior det er auch also, dem selben prach er ab wol tzwo von der stiegen denne, darumb daz er der oberst was, das man in mocht erkennen. 25. Des morgens, do man leuten wart, der erst münch stand auf wol zw der fart, metten wolt er singen : die oberst Staffel was hinweck, auf die nasen must er springen. 26. „Nun wait sein Got, ich hab ir einen!“ der selbig münch ward schreyen und weinen, Der ander kam gegangen, er viel auch da die stiegen ab, tzelf staffeln langen. 27. „Nun wait sein Got, ich hab ir zwen!“ (fehlt ein Vers.) Der drit der kam mit schalle, er fiel daz maul und zen ; „ich hab euch noch nicht alle.“ 28. Der viert münch auch hernach viel auf sein pladt und auf sein giel. ‘) Der paur sprach: „quatuor zincken.“ 1 2 ) Der fünft maint, sy spilten im prêt; der viel, das er must hinken. 29. Der sechste münich viel auch hernach, das er auf allen vieren krach. „nun thunt, als ir da sollen.“ der sibent münich fiel so hart, das man in auch must eilen. 3 ) 30. Der acht münch hört das geschray, er fiel den rechten arm entzway. „also meine liben knaben, yczunt hab ich eur acht, noch vier mufs ich euer haben.“ 31. Der neunte munch hört dise klag, er wuscht auf aus dem schlaf, 1. giel, Kehle, Rachen, Schlund. 2. quatuor cinque aus dem Würfelspiele entlehnt. 3. Lies: Must zellen, d. li. man musste ihn zählen. 286 Erläuterungen. er fiel daz er geschwunden lag, (fehlt ein Vers.) der zehenl mtinch schray: „wallen!“ 32. wann er kam vil in grosse not, er viel sich me dan halben zw tot. Der eylft kam gesprungen; der paur sprach und lachet: es wirt ein melten gesungen ! 33. Der prior do der letzte was, er zeviel das maul und auch die nas und mangelt zwayer Staffel, er viel ein ripp im pauch entzway das haupt und auch die waffel, 34. das er so jemerlich plut. Der paur sprach: „mein sach ist gut, ich wolt es nit anders wollen, jetzund hab ich den zwelf ; ich kann euch wol zellen.“ 35. Sy sprachen: „dw arger wist (1. wicht), (fehlt ein Vers.) wiltu uns hie ermorden?“ Ein teyl mtinch wurden unterricht, das sy eins mit jm worden. 36. Sie gaben dem pauren wider sein gelt und schickten jn weit ubers feld. die mtinch lagen in noten, sy sprachen all: „der schnöde paur moclit uns zwlelzten erdoten.“ 37. Difs abenteur die ist geschehen, das hat ein plinto fraw gesehen, ein stumm sagt uns die mere, ein krebfs den brief geschrieben hat, ein muck die praeht in here : 38. Das weifs ich mit drey piderman, ein karehet, der nit schweren kann, schweren und auch fluchen, ein pader, der nit schwitzet hat, wo sol ich den mir suchen? 39. Ein rofstauscher ist der drit, (feldt ein Vers.) der nimer hat gelogen, rofstauschen und kaufen da mit, und nyemant hat petrogen: Erläuterungen. 287 40. Das sein die piderman alle drey. Also enl sich die scampaney, thuet Hensle Narr hie singen: trew und Wahrheit seltzam ist hie in disen dingen. Ma rien thaï ist eine Cistercienser Ahtei unfern Ilclmslädt, 1138 in der Ilalherslädter Diöcese gestiftet. Vergl. Ilenrici Maibo- mii Chronicon Marienthalense in dessen Rerum Germanicarum Scriptoribus T. III. p. 246 sq. Niemann Geschichte des Stiftes Ilalbersladt. Diese Erzählung führt in die Zeit, wo die Klöster und Kirchen nicht ganz von Steinen aufgerichtet und hölzerne Treppen gewöhnlich waren. Aus vielen Beispielen sei hier nur eines naheliegenden gedacht. 1382 kam der Erzbischof Ludwig von Magdeburg durch das Einstürzen der Treppe auf dem Rathause zu Calhe urn’s Lehen. Historie M. Ueher Mölln ist ein Mehreres unten in unserer Abhandlung gesagt hei Anlass des dortigen Grabes. Doch muss hier erwähnt werden, dass dort sehr früh ein Siechenhaus und ein Hospital zum heiligen Geist bestand, deren jedem in einem vor dem Jahre 1289 abgefassten Testamente des Lübecker Bürgers Godeke von Swinehorch fünf Mark Geldes vermacht wurden. Siehe Lübecker Urkundenhuch Th. I. Nr. 530. Der Mutter des Till Ulenspiegcl ist seit seinen Jugendjahren, wo sie zu Stassfurt wohnte, nicht gedacht. Die Erwähnung derselben als lebend und rüstig genug, um von ihrem entfernten Wohnorte hei seinem im Jahre 1350 erfolgten Tode zu ihm zu reisen, trifft merkwürdigerweise mit der unten §. 6. zu erwähnenden Frau Ulenspiegel zu Braunschweig zusammen. Historie XCI. Béguin en zu Mölln unter diesem Namen nachzuweisen fehlen augenblicklich die Mittel. Doch ist ihr Vorhandensein daseihst um’s Jahr 1350 und früher nicht zu bezweifeln, da wir sie in den benachbarten Städten Hamburg und Lübeck schon früher, im dreizehnten Jahrhunderte finden. Dort erhielten sie von den Grafen von Holstein schon im Jahre 1255 den Platz zu dem von ihren protestantischen Nachfolgerinnen noch gegenwärtig bewohnten Hause, der Convent genannt. S. Hamburger Urkundenhuch Nr. 589. Zu Lübeck wird ihrer unter andern auch in mehreren Testamenten vor und in dem Jahre 12S9 gedacht. S. Lübecker Urkundenhuch Nr. 530. 531. 533. 288 Erläuterungen. S. 133 Z. 13—18. Kruffter hat hier blos: “Die begyn facht, dat laift uch leit fyn. Ile facht: mir ift leit, daz ich fy niet getloyn hain noch konde gedain. Dat yrfte is ...” Historie XCII. XCIII. Das Testament des Ulenspicgel entspricht seinem Todesjahre, da die Anordnung erst später üblich geworden zu sein scheint, dass der Nachlass der in einem Hospital verstorbenen Siechen demselben anheim fallen musste. Die Ordnung des Heiligen-Geist-Hauses zu Lübeck V. J. 1263, (Lübecker Urkundenbuch Th. I. S. 258.) welche von anderen benachbarten Städten, wie Kiel, angenommen wurde, enthält darüber folgende Bestimmung: “Item si quis infirmus ad domum ueniet, ut misericorditer ibi suscepto in necessariis, sicut consuetudo habet, prouideatur, in primo Deo et presbytero ipsius domus sub stola reatum suum confiteatur et de consilio ipsius penitencie formam suscipiat, res suas, si quas de consciencia et sub testimonio fratrum magistro committet, easdem, si uoluerit, recepturus; si minus, pro remedio anime sue domui ad usus pauperum remanebunt.” Schon nach diesen Anordnungen konnte also bei Lebzeiten von dem kinderlosen Siechen über sein Vermögen, jedenfalls mit Genehmigung des Rallies, von welchem alle Testamente in Städten aufgesetzt wurden, verfügt werden. Freilich enthalten die lelztwilligen Verfügungen jener Zeit gewöhnlich eine Anzahl kleinerer Legate an verschiedene nahe und fernere Klöster, Kirchen und milde Stiftungen, doch kommen solche einfache Anordnungen auch vor. Ungewöhnlicher könnte das Drittel an den Rath erscheinen; doch kam diesem schon wenigstens ein Zehntel von dem erblosen Gute oder dem des Fremden zu, wenn nicht ein grösserer Anlheil ; andererseits waren die Heiligen-Geist-Hospitäler städtische Anstalten, welche unter dem Rathe standen, und musste also durch jenes Vcrmächtniss der billige Anspruch des Hospitales befriedigt erscheinen. Sehr gross aber ist das Vermächtniss an den Pfarrer, welcher nur für die Gestaltung des Begräbnisses in geweihter Erde zu entschädigen war, so fern wir nicht an Seelenmessen für den frommen Ulenspiegel denken oder die Verlheilung des Geldes an die Armen des Kirchspieles voraussetzen wollen. Historie XCIV. Die Heiligen-Geist-Hospitäler besassen in grösseren Städten häufig eigene Friedhöfe, wie wir es von Hamburg durch Urkunden v. J. 1288 — 96 wissen. (Hamburger Urkundenbuch Th. I. Nr. 835, 836, Erläuterungen. 289 891.) Da dieses jedoch eine besondere Vergünstigung unter erzbischöflicher Genehmigung war, so dürfen wir keinen Anstoss daran nehmen, wenn ein Kirchhof des Hospitals zu Mölln nicht vorhanden war, und Ulenspiegels Grab auf demjenigen der dortigen Pfarrkirche gezeigt wird. Der Tod ten bäum ist ein ausgehöhlter Baumstamm, im folgenden Capitel auch der Stock benannt, an welchen die Leiche festgebunden wurde. Später verblieb dieser Name auch dem aus Brettern gezimmertem Sarge. Vergl. J. u. W. Grimm deutsches Wörterbuch s. V. Baum. Unter den Pfaffen und Beguinen haben wir hier vielleicht die Bruder und Schwestern des Hospitals zu verstehen, da andere ordi- nirle Geistliche und Nonnen doch schwerlich die Leichen selbst zu tragen pflegten. Historie XCV. Bei Ulenspiegels Begräbniss ging es wunderlich zu, doch dürfte die Erzählung einer Schilderung nach dem Leben wiedergegeben sein. Finden wir doch ziemlich ähnliche Vorgänge bei der Beerdigung so hochgestellter Personen wie des Königs von England, Wilhelm des Eroberers, dessen Leiche von allen Angehörigen verlassen, durch die Bemühungen eines einfachen Bitlersmannes endlich bestattet und nicht ohne die grössten Uebelstände zuletzt in die Grabstätte hineingedrängt werden konnte. S. meine Geschichte Grossbritanniens Th. II S. 157. Mil dem Grabsteine zu Damme, welcher des Jacob von Macrlant oder Ulenspiegels Gebeine decken soll, findet sich keine ähnliche Inschrift oder Sage über die verkehrte Einsenkung der Leiche verknüpft. Seltsam aber ist es, dass wir dieser Sage bei dem Grabe des Ben Jonson in der Westminster Abtei wieder begegnen, ') des grossen englischen Dramatikers, welcher den Owleglass in seine Werke häufig eingeführt hat. Historie XCVI. Lünenburg. So auch bei Kruil'ter und im anderen Cölner Drucke v. J. 1539, so wie nachweislich in den Erfurter Ausgaben V. J. 1532 und 1538, wahrscheinlich auch in der dritten, deren letzte Blätter uns fehlen. Später ist diese Ortsbezeichnung weggeblieben, und in die Uebersetzungen nie übergegangen. Zufolge einer schriftlichen Mittheilung des Herrn Senator Albers zu Lüneburg v. J. 1846 befand sich nach Erinnerung aus seinen Kinderjahren auf dem 1. Quarterly Review. 1819. Vol. XXL p. 108. 19 Erläuterungen. 290 dortigen St. Marien Kirchhofe ein Denkstein mit einer Eule, aber ohne Spiegel; dieser soll jedoch hei einem vor zwanzig Jahren geschehenen Abbruche der Kirche und bei Planirung des Kirchhofes verschwunden sein. Es wusste aber auch diese Angabe nichts von einer Aufschrift oder Tradition. Da oben Hist. XCill ausdrücklich gesagt war, dass Ulenspiegel zu Mölln beerdigt und sein Grabstein dort noch zu sehen sei, so erscheint die Erwähnung Lüneburgs jedenfalls hier unerklärlich. Es lässt sich kaum annehmen, dass ein älterer Text Ulenspiegels Tod nach letzterem Orte verlegt haben sollte und von Murner erst nach Mölln übertragen, jener Ort in der Ueherschrift aber, wie oben Hist. LXV Paris irrig verblieben sei. Es dürfte auch zweifelhaft erscheinen, welcher Ort unter Lunenburg zu verstehen ist? Freilich kommt Lüneburg unter dieser Form in Murners Text und den nachfolgenden vor. Doch erscheint es als ein wunderliches Spiel des Zufalls, dass, wie unten nachzuweisen, wir den Namen Ulenspiegel mit einem Geschleckte von Lünen verknüpft finden, welches auf einen Familiensitz, eine Burg hinweisen könnte. Eher jedoch, als etwas Geschichtliches, könnte ein Scherz des Rédacteurs, welchem jene von Lünen bekannt waren, hier unterliegen, so wie jener deii Braunschweiger Abt Arnold Papenmeier und den Geistlichen Heinrich Hamensiede zu Goslar in diese Welt der Possen einführte. Zusätze der ältesten Ausgaben. S. 139. Zur Historie I. Diese Erzählung, welche hier nach Kruffters Text abgedruckL worden, ist in die vlämischen, französischen und englischen Ueberselzun- gen aufgenonnnen, doch fehlt sie bei Murner und in anderen deutschen Texten, bis auf die neuesten herab. Die erste Hälfte derselben ist vom Markolf und Salomon auf Illenspiegel und den Reisenden fast wörtlich übertragen. Die folgenden Fragen sind die andere Hälfte der Erzählung im Markolf; nur die Frage nach dem Wege ist ganz neu, weshalb auch diese ganze Historie darnach betitelt ist. S. 140. 153«. Historic LXXXIX. Die beiden in den Erfurter Ausgaben hier folgenden Rosstäuscher Geschichten sind verinulhlieh unmittelbar aus Pauli’s Schimpff und Ernst entlehnt, wo sie die Nummern 112 (106) und 110 (105) bilden. Sie hätten ihren Platz hinter der Historie LXV, wie LTenspiegel ein Rosstäuscher zu Paris oder Wismar geworden, finden müssen. Krufl'ter hat nur die vorliegende aufgenommen, höchst wahrscheinlich aus einer uns unbekannten Ausgabe des Ulenspiegel, welche nach der vom Jahre 1519, doch vor der ältesten Erfurter Ausgabe veranstaltet ist. Vergl. oben S. 152. Sie findet sich schon in Bebelii Facetiis 1508 fol. R iii. 1561. L. !, fol. 9 b . mit einem schon bei Pauli weggelassenen Zusatze, dass der Verkäufer sagte, er verkaufe, weil das Pferd zu viel fresse. Der Käufer findet hernach, dass sein neues Ross alle Nahekommenden heisst und bemerkt, dass es allerdings zu viel fresse. Dagegen ist im Ulenspiegel der Scherz hinzugefügl, dass er nicht um einen Pfenning verkaufe, sondern um 15 Gulden. S. 140 Z. 5 und 12. kouffman ist hier, wie oben Hist. XXXVI, für Käufer zu verstehen. 19 * 292 Erläuterungen. S. 140. 1539. Historie XC. Diese Erzählung von dem Rosstäuscher zu Ilildesheim wird bei Pauli a. a. 0. von einem Rosstäuscher zu Florenz erzählt, wie dieser sie in den Facetiis des Poggio (Opera pag. 464) gefunden hatte. Dieser berichtet, wie ein ihm bekannter Florentiner heim Pferdehandel zu Rom hintergangen sei. Anstatt der 25 Ducaten (aurei) des Italieners, oder 26 Ducaten des Pauli, hat der Erfurter Ulenspiegel, welcher dem Verkäufer einen Gulden ahdingt, nur 24 Gulden. Der Schwank selbst ist jedoch älter. Schon in den Cento novelle antiche wird in der Novelle X erzählt, wie ein Bürger von Bari auf die Pilgerschaft gehend einem Freunde 300 Byzantiner anvertrauet, um sie, falls er nicht wiederkäme, für sein Seelenheil zu spenden, sonst aber ihm wiederzugehen, was ihm behage. Als er heimkehrt, will der Freund nur zehn Byzantiner zurückgehen, weil es so bedungen sei. Bei dem italienischen Novellisten findet sich aber noch ein Spruch des Richters, dass der Freund dem Pilger die 290 Byzantiner zurückgeben muss, welche ihm behagen. Eine artige Variante der obigen Posse finden wir heim Bebel (Facetiae 1508. fol. II j.) von einem Adelichen, welchen ein Jude zu Frankfurt hei einem Barbier findet und um das ihm geliehene Geld mahnt. Der Gläubiger verspricht jedoch zu warten, bis jenem der Bart ganz abgenommen sei. Der Schuldner lässt nun den halben Bart zeitlebens stehen und der Jude muss sich gedulden. S. 441. 4533. Historie XCI. Diese hier auf Ulenspiegel und den Herzog von Braunschweig übertragene Geschichte findet sich bei Pauli a. a. 0. Nr. 361 (344) von einem untreuen Reiter, welcher auf andere Weise als Beamter seinen Verdienst sucht, und dem Herzoge von Mailand. Von diesem handelt auch die nächste Historie hei Pauli Nr. 362, so wie auch Nr. 398, (383) und sind sie daher wohl einer uns unbekannten italienischen Quelle entnommen. Das Sprichwort am Schlüsse findet sich in beiden Gestalten hei Agricola a. a. 0. Nr. 290, welcher jedoch hei diesem Anlasse ein anderes Geschichtchen erzählt. S. 441. 4533. Historie XCII. Diese Posse, so bekannt sie uns erscheint, ist unter denjenigen, die dem Texte v. J. 1519 eingeschaltet sind, die einzige, welche nicht weiter nachzuweisen ist. Erläuterungen. 293 S. 143. 1533. Historie XCVI. Von den vier folgenden sehr ungeschickt, nachdem Ulenspiegel sterbend und sein Testament machend dargestellt war, hier eingeschalteten Historien liest man die erste hei Pauli a. a. 0. Nr. 77. Dort findet sich beim Ulenspiegel der Zusatz, dass der Teufel von unserem Helden, welcher ihm zeitig genug gekündigt, um seine Seele geprellt wird. Diese Erzählung ist jedoch schon früher nachzuweisen und zwar zuerst in der von Thomas Wright unter den Publications der Percy Society T. VIII herausgegebenen Selection of Latin Stories Nr. 77, wo sie aus dem Promptuarium Exemplorum entlehnt ist. Es wird hier zu besserer Beglaubigung erzählt, dass der Diener, welcher den Schultheissen (Advocatus) begleitete, die Unterredung mit dem Teufel berichtet habe. Dieselbe Erzählung findet sich schon in seiner Weise ausgeschmückt bei Chaucer in den Canterbury Tales, im Freres tale V. 6957 — 7226. S. 143. 1533. Historie XtVIi. Der Erfurter Rédacteur, welcher diesen Schwank einschaltete, hat übersehen, dass dem Ulenspiegel bisher keine Frau gegeben wurde. Er ist aus Bebelii Facetiis 1508 fol. E ij. 1561 L. II. fol. 38 b entnommen, welcher seihst sie mit einer veränderten Einkleidung dem Poggio entlehnte (Facetiae in Operibus fol. 459). Es wird hier erzählt, wie der Eremit Ansimirus, welcher viele Frauen verführt hatte, zur Zeit des siebenten Herzoges von Padua, Franciscus, vor den Richter geführt, dem Gericlitsschreiher, welcher im Verhüre mit grosser Freude die Namen jener Weiher niedergezeichnet hatte, als dieser auf die Nennung noch anderer Namen mit Gewalt gedrungen halte, zuletzt auch noch die Ehefrau des entsetzten, jetzt verspotteten Gerichtsschreibers namhaft machte. S. 144. 1533. Historie XCVIil. Diese Erzählung ist aus Pauli a. a. 0. Nr. 152 (139), welcher sie aus Bebelii Facetiis 1508. E v. genommen hat, wo sie betitelt ist : De superstitione rusticorum. S. 144. 1533. Historie XCIX. Auch diese Erzählung ist aus Pauli a. a. 0. Nr. 104 (98), welcher das Speculum morale als seine Quelle anführt. Das so benannte Werk des Vincenz von Beauvais habe ich vergeblich desfalls durchblättert. â-.Ça. “ Vue- --f • • *4 =wf 294 Erläuterungen. S. 145. W. Copland. Chap. 44. Das hier sehr planlos eingerückte Gedicht, welches den Sieg Christi über Mars, Venus und Bacchus feiert, ist vermuthlich von W. Copland seihst verfasst. Nur der Dichter selbst konnte seinem jungen Werke die erste beste oder schlechte Stelle verleihen. Die zweite Strophe ist nicht deutlich. Der Sinn scheint zu sein, dass nur eine gewisse Person, nämlich der Teufel, mit Hülfe der Gestirne, den Menschen überwältigen könne. Abhandlung über den Ulenspiegel §. 1. Einleitung. Es ist kein Volksbuch vorhanden, welches einer grösseren Theilnahme im Volke in vielen Ländern Europa’s und seihst bei den Gebildeteren der Nation sich erfreuet hat, als dasjenige, welches seit mehr als drei Jahrhunderten als die Historie des Eulenspiegel bekannt ist. Die grosse Anzahl der von uns nachgewiesenen Ausgaben desselben in verschiedenen Sprachen könnte schon allein den Beweis in Zahlen liefern; doch müssen wir noch erwägen, dass jene fast nur die wegen ihres Alterthums und ihrer Seltenheit in den grossen Bibliotheken gesammelten Ausgaben sind, von denen lediglich ein günstiger Zufall uns ein einziges Exemplar erhalten hat. Diese Bemerkung hat sich hei den ältesten deutschen, französischen, vlämischen und englischen Drucken bewährt. Es wäre daher eine Vermessenheit nicht anzunehmen, dass gar manche alte Ausgaben für uns ganz verloren sind, wenn auch eine oder die andere uns noch von glücklicheren Forschern nachgewiesen werden dürfte. Die unzähligen Abdrücke von Jahrmarktsausgaben aber, welche besonders im achtzehnten Jahrhunderte an denselben Orten ohne Zeitangaben buchstäblich wieder und wieder abgedruckt sind, können wohl nirgends zusammengestellt und nur selten von einander unterschieden werden. Eulenspiegels Name ist vermuth- lich einer grösseren Menge von Menschen in deutschen und welschen Landen bekannt geworden, als derjenige der berülim- 296 Abhandlung über den Ulcnspiegel. testen und ausgezeichnetsten Männer und Heroen der politischen Geschichte. Kein Mensch hört den Namen, ohne ihn zu verstehen und den damit verknüpften Begriff heiteren Spottes und mehr oder minder harmloser Schalkhaftigkeit sich zu vergegenwärtigen. Keinem ähnlichen Helden der Fahel und der Bühne ist ein solcher allgemeiner Uebergang in das Bewusstsein anderer Volker geworden, wie dem Eulenspiegel, nicht dem Kleon, nicht dem Thraso, nicht dem Harpagon. Die Namen der Gaukler und Hofnarren, welche ähnliche Possen, wie er, verübt haben, sind nur wenigen gelehrten Forschern bekannt, während der seinige sogar in mehrere Sprachen übergegangen ist. Eulenspiegel bezeichnet seit Jahrhunderten einen gewissen Charakter und hat daher in den vielfältigsten Anwendungen dem gewöhnlichen Lehen so wie theologischen, politischen, moralischen, belletristischen Schriftstellern dienen müssen.” Die Espiègleries, so wie ein Hauptwort und Beiwort Espiègle haben hei den Franzosen 1 ) und hei uns die Eulenspiegeleien ihr Bürgerrecht in den Sprachen längst erworben. 2 ) Zahlreiche Bilder und andere künstlerische Erinnerungen beziehen sich auf Eulenspiegel und tragen wenigstens seinen Namen, besonders in Deutschland, wo verschiedene Provinzen mit Flandern sich um die Ehre streiten, ihn als ihren Landsmann anzusehen. Das Alter der Historie kann wenigstens bis zum Jahre des ältesten Druckes — 1519 — nicht bezweifelt werden, und selbst derjenige, welcher zu dem Volkshuche sich nicht hingezogen fühlt, kann nicht verkennen, dass es als ein häufig mit viel Witz und Laune gezeichnetes und treues Bild der Sitten und Denkungsweise seiner Zeit seinen Werth hat. Die deutschen Literarhistoriker haben daher dessen Bedeutung nie ganz verkannt und ist besonders von den neueren demselben viel Aufmerksamkeit geschenkt. 3 ) Nicht minder hat die na- 1. Dictionnaire de l’Académie. 2. Rücksicbts der deutschen Muttersprache, um von Fischart’s wundersamen Wortbildungen hier nicht zu reden, erinnern wir noch an das nicht ungewöhnliche Adjectiv: eulenspieglerisch. Goethe hat das Verbum: "eulenspiegeln” in W. Meister’s Wanderjahren Bd. I. Cap. 6, ein Buch, in welchem auch andere Ausdrücke auf seine Vertrautheit mit dem Eulenspiegel hinzuweisen scheinen. 3. Ausser Flögel’s Hofnarren u. Görres deutsche Volksbücher s. Gervinus Geschichte der deutschen Dichtung Bd. 2 Verbreitung in Deutschland. 297 tionale Geschichtsforschung den Volksbüchern ihre Aufmerksamkeit zugewandt und die historische Bedeutung des Reinecke Fuchs und Eulenspiegel in ein richtiges Licht gestellt. ') Doch ist es noch wenig erörtert, wie ein solches Buch entstand, wie es sich verbreitete und wie es so lange ein Liebling verschiedener Nationen gebliehen ist? Der Verfasser ist in Zweifel gezogen, noch schwieriger ist die Frage, oh Ulenspicgel denn wirklich gelebt habe oder ob er nur als mythische Person zu betrachten sei. Welche Erzählungen nun gar seiner Person oder nur der Erfindung angehören, ist eine kaum und erst neuerlich aufgeworfene Frage. Diese und verwandte Aufgaben gelöst zu sehen verlangt nicht nur der gelehrte Literarhistoriker, sondern jeder Freund unseres Volkes und seiner Literatur. In welchem Sinne wir diese umfangreichen Fragen zu lösen versuchten, wird ein Blick auf die vorstehende Bibliographie des Ulenspiegel und die dem Abdrucke des Textes beigegebenen Erläuterungen gezeigt haben; es wird jetzt möglich sein, die einzelnen Erörterungen der obigen Fragen kürzer zusammen zu fassen. §. 2. Von der Verbreitung des Volksbuches in verschiedenen Ländern. I. In Deutschland. Da selbst diejenigen, welche über das Grab des Ulenspiegel und den Schauplatz mancher seiner Thaten im Widerspruche sind, alle, mit Ausnahme eines neueren Belgiers, seine Geburt und seinen gewöhnlichen Aufenthalt nach Niedersachsen verlegen, so dürften wir die ersten Aufzeichnungen seiner Schwänke und den ersten Druck derselben in niedersächsischer Sprache suchen. Weisen doch die genaue Ortskenntniss des Verfassers und die Angaben der Titel so vieler Ausgaben seit der Cölner v. J. 1539 auf jene hin. Es ist jedoch so wenig wie eine andere Iland- (1836, S. 337; 1853, S. 297); Vilmar’s deutsche Nationalliteratur S. 377 ; Ett miiller, deutsche Literaturgeschichte S. 293; G ö dicke, Geschichte deutscher Dichtung Bd. I. S. 146. 1. L. Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. Bd. I. S. 256. 298 Abhandlung über den Ulenspiegel. schrift vom Ulenspiegel eine niedersächsische bisher entdeckt; nnd eben so ist kein Druck in dieser Sprache nachgewiesen. Während Bücher ähnlichen Inhalts, wie vom Bruder Rausch, zuerst in derselben erschienen, und viele Volksbücher und Lieder in dieselbe aus dem Hochdeutschen übertragen sind, wie das Buch von dem Nachfolger des Ulenspiegel, Hans Clawert, fehlt ein ursprünglicher, so wie ein übertragener plattdeutscher Text des Ulenspiegel. Ueberraschend muss es uns aber erscheinen, im ganzen nördlichen Deutschland, diesseits Erfurt, wo andere Erinnerungen an Ulenspiegel nicht fehlen, und wo, wie zu Lübeck, Hamburg, Berlin, Rostock, Wittenberg, Leipzig, die Buchdruckerpressen nicht gefeiert haben, auch viele Volksbücher gedruckt sind '), keine Ausgabe des Volksbuches vor der Hamburger vom Jahre 1714 zu finden. Stammt daher auch die Historie vom Ulenspiegel ursprünglich aus Norddeutschland, so dürfen wir es doch wohl dem Einflüsse der reineren Lehre und der an dieselbe geknüpften strengen Sittenzucht zuschreiben, dass Jahrhunderte hindurch dort kein Buchhändler zu dem Drucke der oft anstüssigen Geschichten sich verlocken liess. Das älteste uns erhaltene Exemplar einer Ausgabe des Ulenspiegel ist das der Strassburger vom Jahre 1519, welche in der vorliegenden Gestalt als das Werk des Dr. Thomas Murner anzuerkennen, einer gleichzeitigen unwidersprochenen Nachricht gegenüber uns nichts abhallen dürfte (s. unten §. 8.). Wir dürfen dem guten Geschmacke selbst des grossen Publicums vertrauen, dass es mehr durch die von dem Dr. Murner hinzugefügten besseren Erzählungen aus anderen Quellen, als durch viele der ursprünglichen Ulenspiegelpossen angezogen wurde. Das Werk fand bald grossen Beifall und der treffliche Franciscaner Johannes Pauli benutzte schon verschiedene Erzählungen Murner’s in der zweiten Auflage seines Werkes Schimpff und Ernst, s. unten §. 6- 1. Ausser dem, was schon aus Panzer bekannt ist, finden wir manche seit dem Jahre 1502 zu Hamburg gedruckt (s. meine Geschichte der Buchdruckerkunst daselbst, S. 8 flgd., 109.) vor 1600. Im Jahr 1601 druckte Hermann Müller dort: Vom Thedaldo unde Ermeliano; Apollonius; Gabriotto und Heinhardt, alle in 8. Verbreitung in Deutschland. 299 Eine zu Coin von Servais Kruffter gedruckte Auflage (1520 bis 1530) ist die zweite uns bekannte, welche vor den folgenden deutschen für mehrere Jahrhunderte sich dadurch auszeichnet, dass sie manche der 96 Erzählungen Murners weggelassen hat; nach welchem Grundsätze dieses geschah, ist jedoch schwer zu erkennen. Vermulhlich sind jedoch zwischen den Jahren 1520 — 30 uns unbekannt gebliebene Ausgaben erschienen. Wäre uns nicht auf der herzoglichen Bibliothek zu Gotha das einzige Exemplar des Druckes v. J. 1519 erhalten worden, so würde die älteste Kunde desselben mit sicherer Zeitangabe in des Joh. Agricola Vorrede zu seiner Sammlung Deutscher Sprichwörter v. J. 1528 enthalten sein: “Es ist gerühmt Freidank.... vnd was bey vnferm gedenken ift new worden, Centinouella'), das Narren Schill Sebaftian Brands 1 2 ), der Pfaff von Kalenberg 3 * ), VIenfpiegel — vnd Thewerdanck ’).” Den Ankauf von zwei Ulenspiegeln durch Albrecht Dürer zu Brüssel für einen Stüber im Jahre 1520 übergehen wir hier, weil hier von einer bildlichen Darstellung die Bede gewesen sein muss; und eben so die Benutzung durch Joh. Pauli 1522, weil deren Bedeutung erst aus der Vergleichung des Ulenspiegel v. J. 1519 wird erkannt werden können, s. Tom. 9. A. Dass aber schon Sebastian Brant 1494 einen gedruckten Ulenspiegel gekannt habe 5 ), ist ein Irrthum, welcher vermutblich auf dessen Anführung des Pfaffen vom Kalenberg im Narrenschiffe beruht. Wahrscheinlich ist es mir, dass bald nach der Strassburger Ausgabe v. J. 1519 eine neue, vermehrte erschien, welche jetzt verschwunden, die von Servais Kruffter und den Niederländern und Franzosen aufgenommene, von den Deutschen aber als dem Marcolf angehörig aber zurückgewiesene Erzählung vom Kinde Ulenspiegel und dem Reisenden enthielt, so wie die Erzählungen der Erfurter Ausgaben, von denen Kruffter und die Uebersetzer nur einige sich aneigneten. 1. Diese Uebersetzung oder Nachahmung des bekannten italienischen Buches ist die seit etwa 1473 häufig gedruckte deutsche Uebersetzung des Deca- merone des Boccaz. 2. Zuerst gedruckt 1494. 3. Aelteste Hinweisung auf einen Druck. 4. Gedruckt 1517 und 1519. 5. Wie P. von Robbe Geschichte des Hcrzogthumes Lauenburg. Th. III. S. 384 annhnmt. 300 Abhandlung über den Ulenspiegel. Gedenken wir hier der drei Erfurter Ausgaben vom Jahre 1532 —1539, von denen diejenige, deren Druckjahr uns nicht bekannt, die älteste derselben sein konnte, so wie des zweiten Coiner Druckes von letzterem Jahre, so erkennen wir leicht, wie aus der Mitte Deutschlands das Volksbuch in besten und gut ausgestatteten Drucken sich verbreitete. Von der Kunde vom Ulenspiegel im nördlichen Deutschland hat sich der älteste Beleg bisher in einer nicht viel später geschriebenen, wenn nicht gleichzeitigen Hamburger Chronik gefunden. Es wird daselbst zum J. 1521 berichtet, dass vor den Thoren der Stadt Doctor Vit (dessen voller Name Veit Volsch war) zu Asche verbrannt sei, “vmme veler vndad willen, de he bedreven hadde aldenvegen. Wende he was Vlenfpeigel nicht feer vngelik gewefen : tor enen tit was he ein pape, da he quam vnd dede miffe, tor anderen tit was he ein bademome vnd halp den frowen in ohren noden”. S. m. Hamburg. Chroniken S. 46. Etwas jünger ist die unten hei Anlass des Grabsteines zu Mölln näher zu erwähnende Stelle in der Lübecker Chronik des "Reimer Rock vom billigen Lehen fanct Ulenfpiegels.” Wichtiger sind uns die mehrfachen Belege von Dr. Luthers Bekanntschaft auch mit diesem Buche, welcher nichts unbeachtet liess, was auf seine Nation irgendwie einwirkte. In seinen Randglossen zum Jesus Sirach 1533 Cap XIX V. 5: "Wer lieh freuet, dafz er Schalkheit treiben kann, der wird verachtet”, fügt jener hinzu, “als Ulenspiegel, Vincentius, Pfaff von Kalenberg.” In der Auslegung viel schöner Sprüche aus der h. Schrift 1546 heisst es zum Evangelium S. Johannis Cap. 1 : “Denn wo Du nicht fliehest in diefem Buche, dafz Verbum caro factum eft, fo wäre Dir beffer einen Marcolfum oder Vlenfpiegel zelefen.” Auch schrieb Luther noch eine Vorrede zu dem Werke des Erasmus Alberus, dessen Titel zeigt, wie jener Name schon ein in die Sprache übergegangener Begriff geworden war, nämlich: Der Barfüffer Mönche Eulenfpiegel und Alcoran. Wittenberg, Hans Lufft 1542. 4. und früher ohne Ort und Jahr, angeblich 1537. Aehnlich finden wir des Ulenspiegel gedacht im Titel des Reinecke Fuchs 1544: Das ander Teyl des buch’s Sclnmplf und Ernst, welches nit weniger kurtzweiliger, denn.... Eulenspiegel Verbreitung in Deutschland. 30 J etc. Der Österreichische Minnesänger Nithart wird sogar auf dem Titel des Baches seiner Gedichte u. Historien v. J. 1566 mit dem Beinamen des anderen Eulenspiegels beehrt. Beim nördlichen Deutschland sind noch zu erwähnen, wenn gleich in der Universalsprache jener Zeit geschrieben, einige Verse des Max. Friedrich Dedekind in seinem Grobianus sive de morum simplicitate 1549 Cap. IV. Nr. 17: cc Fecit idem quondam vir famigeratus ubique, Cui nomen fpeculo noctua juncta dedit. Hunc homines cuncti laudant, mirantur, honorant; Hunc vita et factis poffe referre Itu dent. Illius quoque tu quantum potes indue mores Et toto in mundo poftmodo clarus eris.” Mittlerweile hatte der Ulenspiegel im südlichen Deutschland grössere Verbreitung gefunden. Er ward gedruckt zu Augsburg 1540 und wiederum 1541; 1543 die dritte Ausgabe zu Strassburg; 1545 eine neue zu Frankfurt am Main; 1551 die vierte zu Strassburg; 1554 die dritte zu Coin; ohne Jahr, etwa 1560, die zweite zu Frankfurt, wo nach einigen Jahren Fisch art ausführte, was schon früher C. Scheidt aus Worms beabsichtigt hatte, eine poetische deutsche Bearbeitung des Ulenspiegel. Schon vor ihm batte zu Nürnberg Hans Sachs 1 ) einige Schwänke des Ulenspiegel zu seinen dramatischen Arbeiten benutzt, und um diese Zeit sind auch die oben abgedruckten Meistergesänge abgefasst. Gleichzeitig mit Fischart gab der Brüsseler Giles Omma (Periander) seine Uebertragung der Historien vom Ulenspiegel in lateinischen Versen zu Frankfurt heraus, gleichfalls im Verlage der Feyerabends, welche für beide Uebersetzungen sich Privilegia verschafft hatten, die für deutsche Ausgaben des Volksbuches nicht Vorkommen, so wie andererseits aber auch nicht die in einigen Ländern erlassenen Censurverbote gegen das ganze Buch oder Abschnitte desselben. Auf einer durchaus ungenauen Wahrnehmung beruht auch die Behauptung von G (irres in seiner im Uebrigen vortrefflichen 1. S. Iloflinaun von Hans Sachs S. 63. 302 Abhandlung über den Ulenspiegel. Cliaracteristik des Eulenspiegel, dass bald nach der Strassburger Ausgabe v. J. 1543 jener sich mit Deutschland in einen protestantischen und einen katholischen Eulenspiegel geschieden, wovon jener, ehrbarer, die stärksten Zoten strich, dafür aber nebst den 92 (?) gewöhnlichen Schwänken noch zehn andere über Papst und Pl'afl'enthum hinzufügte. S. dessen: Die teutschen Volksbücher S. 198. Der obige bibliographische Abschnitt weist den Ungrund dieser Behauptung hinlänglich nach. Dass 1568 vom Herausgeber die Erzählungen von Neithart Fuchs auf dem Titelblatte dadurch empfohlen wurden, dass man ihn den andern Eulenspiegel nannte, zeigt, wie behebt dieser trotz alles verdienten Tadels blieb. 1565 wird er in der Schrift: De generibus ebrioforum et de Ilde meretricum mit Klingsor und dem Pfarrer vom Kalenberg zusammengestellt. Di Rollenhagen’s Vorrede zu dem mn’s Jahr 1566 gedichteten, doch erst dreissig Jahre später erschienenen Froschmäuseler sagt jener: “linier weitberiimter Landtmann Eulenfpiegel oder auch andere fcliand - Bücher, der Pfaff von Kalenberg, Kaziporus, Rollwagen etc.” 1571 finden wir die vierte Frankfurter Ausgabe, vor 1588 eine fünfte, während wir von einem Drucke vom J. 1586 den Ort nicht anzuweisen wissen. Ein ferneres Zeugniss für die Freude jener Zeit an unserem Volksbuche giebt 1591 Stangwald in der Vorrede zu Luthers Tischreden: cc Wie viel findet man deren wol, die lieber Mar- colphum, Eulenfpiegel vnd dergleichen vnnütze Charten lefen und lefen hören, denn diefe Colloquia Lulheri?” Wir haben also zuverlässige Kunde von 18 uns erhaltenen deutschen Ausgaben im sechszehnten Jahrhunderte. Dagegen sind uns aus dem siebzehnten Jahrhunderte nur drei mit Jahr und Ort versehene Ausgaben erhalten, ausser einigen, wo jene Bezeichnungen fehlen. 1617 finden wir wieder lebhaften Tadel ausgesprochen in des Adolph Rosen von Creutzheim Vorrede zu seinem komischen Gedichte: Efclkönig: cc die ärgerlichen, fchand- baren und fchädlichen Bücher von Eulenfpiegel, Marcolpho, Katziporo, Pfaffen von Kalenberg vnd dergleichen, wie auch Schand und Schmachkarten, welche mehr zu zerrittung dann zu ergetzlichkeit dienen.” Nach 1618 während des dreissigjäh- Verbreitung in den Niederlanden. 303 rigen und während der folgenden, beinahe gleichen Reihe von Jahren, bis 1675 können wir keinen deutschen Druck nach- weisen. Dass er jedoch mittlerweile nicht in Vergessenheit ge- rathen war, dafür bürgen Büchertitel, wie der des Werkes des Rauscher: tc Zwey hundert papiftifche Lügen, welche aller Narrenlegend, als des Eulenfpiegels, Marcolphi, des Pfaffen vom Kalenberg, Fortunali, Rollwagens, etc. weit übertreflen.” 1652 — 65. Woran, in das achtzehnte Jahrhundert übergehend, wir gleich das Werk des Jacob Lydius reihen, betitelt: cc Der Roomfche Vylenfpiegel, ofte Luft-Hof der Calholycken. Amfter- dam. 1716. 8.') Mit dem Jahre 1713 beginnen wieder häufigere Drucke des Volksbuches, deren wir für dieses Jahrhundert zwölf kennen. Dagegen haben wir für die erste Hälfte dieses Jahrhunderts bereits sechszehn anfgezäldt, unter denen wir gern purificirte Ausgaben, wie die Münchener, so wie kritische Abdrucke, wie Sim- rocks, hervorheben. Zusammen genommen kennen wir an deutschen Ausgaben über fünfzig, wobei wir jedoch den Verlust mancher älteren mit Gewissheit annehmen dürfen, so wie auch viele der neueren, gedruckt in diesem Jahre, uns völlig unbekannt gehliehen sind. II. In den Niederlanden. Die älteste und beachtenswertheste Uebersetzung, des deutschen Volksbuches ist die vlämische, welche zu Antwerpen nicht lange vor dem Jahre 1530 gedruckt erschien. In dem Lande, wo Volksbücher, wie Salomon und Marcolf, seit dem Jahre 1483 wiederholt gedruckt waren, Reynart so früh belicht war, und ein so grosser Reichthum satyrischer und sarcastischer Schriften und bildlicher Darstellungen vorhanden ist, wo schon 1520 Lucas von Leyden Radirungen lieferte, welche auf Ulenspiegel bezogen wurden, in diesem Lande musste das Buch vom Ulenspiegel, welches durch die vielen dort lebenden Hansen und anderen Deutschen in Antwerpen bald bekannt wurde, bald nachdem es üffent- 1. Vergl. über dieses Buch Flögcl, Geschichte der komischen Literatur. Bd. III. S. 587. 304 Abhandlung über den Ulenspiegel. lieh erschienen, als stamm- mul sinnverwandt beachtet werden. Es wurde diese Uebersetzung um etwa 25 Erzählungen verkürzt, welche sich in dem deutschen Texte vorfanden ; hei der Auswahl darf man jedoch keine Rücksicht unterlegen, welche die katholische Geistlichkeit begünstigte; eher liesse sich das Gegentheil behaupten, dass der Niederländer keinen gegen die Geistlichen gerichteten Spott weggelassen habe. Es fehlen dort nur solche Gescliichtchen, welche dem Uebcrsetzer zu unbedeutend erschienen. Diese Gestalt ist es, in welcher Ulenspiegel auch den Franzosen und den Engländern bekannt geworden ist. Es ist jedoch ein halbes Jahrhundert vergangen, aus welchem wir keinen ferneren Druck in vlämischer Sprache kennen, eine Erscheinung, welcher die Einwirkung der Kirchenreformation nicht fremd gewiesen sein kann. 1539 erschien jedoch zu Antwerpen ein Abdruck der französischen Uebersetzung, und 1558 bei diesem der damaligen Gelehrtcnsprache wohlbeflissenen Volke zu Utrecht die erste, fünf Jahre spater die zweite Auflage einer lateinischen Uebersetzung in Jamben durch einen Rector zu Iler- zogenbusch, Jan van Neem. Hieher gehört auch als dem wahren Vaterlande die bereits erwähnte lateinische versificirte Uebersetzung' des Giles Omina, wenn sie gleich in Deutschland gedruckt wurde. Diese Uebersetzung des Nemius finden wir durch den königlichen Connnissarius und einen Amsterdammer Prediger in bester Form genehmigt. Wenn gleich der Ursprung mancher Volksbücher, so fern sie auf mittelalterlichen Dichtungen beruhen, in lateinisch niedergeschriebenen Erzählungen zu suchen ist, so möchte doch schwerlich eine andere so früh in das Lateinische übersetzt sein, am wenigsten in lateinische Versmaasse. Vom Jahre 1575 an häufen sich jedoch die nicderländh- schen Ausgaben. In jenem Jahre erschien eine solche zu Antwerpen, bald darauf zwei französische in derselben Stadt. Das Verbot eines solchen Druckes durch den König Philipp und Herzog Alba vom Jahre 1579 führte nur zu einem 1580 benutzten Privilegium auf sechs Jahre. Rechnen wir hiezu noch den Druck um’s Jahr 1592 in der Landessprache, so zählen wir der uns bekannten niederländischen Ausgaben in verschiedenen Zungen Verbreitung in Frankreich. 805 etwa zelten im sechszehnten Jahrhunderte. Wie sehr verbreitet im Volke aber die Sagen vom Ulenspiegel waren, ergiebt sich aus derjenigen von seinem Grabe zu Damme, welche im Jahre 1584 durch eine besondere Schrift zu widerlegen der erste Hath zu Brügge für erforderlich hielt. Die folgenden niederländischen Ausgaben unterscheiden sich von den eigenen älteren und von denen der übrigen Nationen dadurch, dass sie mehr willkürliche Abänderungen und Zusätze enthalten. 1013 erfahren wir von einem zweiten Ulenspieghel, Cornelius; 1637 erschien zu Amsterdam eine Ausgabe, welche bald darauf zu Antwerpen als anti- katholisch bitter getadelt und durch eine mit neuen Geschichten vermehrte Bearbeitung erwiedert wurde. Aehuliche neue Zusätze linden wir noch namentlich in den Ausgaben der Jahre 1774 und 1827. Ueberall kennen wir von den Niederlanden etwa 25 und mit Einschluss der in französischer Sprache in Holland gedruckten etwa 30 Ausgaben. Unter den neueren sind mir zwei Bearbeitungen in französischer Sprache durch J. A. Delepicrrc bekannt, welche sich durch die bedeutendsten und willkürlichsten Abänderungen von dem Urtexte auszeichnen. Vergl. obige Bibliographie Nr. 94 und 98, so wie unten vom angeblichen Gralssteine Ulenspicgels zu Damme. III. In Frankreich. So geringen Einfluss die Deutschen durch ihre Dichtkunst und die schönen Künste mehrere Jahrhunderte hindurch auf die Romanischen Völker und besonders auf die Franzosen ausgeübt haben, so fehlt es in beiden dennoch nicht an Ausnahmen. Wir dürfen hier nur auf das Interesse aufmerksam machen, welches jenes heitere und satyrischc Volk deutschen Scherzen und Schwänken in einer Zeit, wo Europa an beiden so reich war, zugewandt hat. Von Dr. Sebastian Brant’s im Jahre :1494 gedrucktem Narrenschiffe waren zu Paris 1497 schon zwei französische Ueber- setzungen nach Lochers lateinischer Ueberlragung vorhanden, welche häufig wiedergedruckt und nachgealnnt sind. Nicht viel später dürfte in Frankreich der Pfaffe vom Kalenberg bekannt geworden sein und Eingang gefunden haben. Der in die 20 306 Abhandlung über den Ulenspicgel. Weltsprache tibergegangene Ausdruck Calem bourg für pin Wortspiel scheint nicht besser zu erklären, wenn gleich, wie in Deutschland die ältesten Ausgaben und die englische Ueber- setzung bis auf ein Fragment, so die französische vielleicht ganz untergegangen ist. Allerdings wäre es richtiger, jene Wortspiele Eulenspiegeleien anstatt Kalenberger zu nennen, da Ulenspiegel mehr als jener Pfaffe mit Worten spielte, wie hei den Schneidern mit den Ausdrücken Wölfe und Aermel anwerfen, in Bernburg dem Anblasen der Feinde, den Spässen zu Hildesheim, der Einladung zu Lüneburg und so vielen anderen praktischen wie sprachlichen Wortspielen. Doch wie Neithart und der Kalenberger mit Eulenspiegels Namen von den Deutschen bezeichnet sind, so konnte eine solche ähnliche Verwechselung noch leichter von den Franzosen begangen werden, welchen Espiègle schon früh den Begriff harmloser Possen, besonders wie sie von Kindern verübt werden, vergegenwärtigte. Ulenspiegel kam schon zu der heiteren, schwanklustigen Zeit König’s Franz I. in dem vlämischen Gewände nach Paris. Manche Fabliaux und Werke, wie die ächten des Maistre François Villon und die demselben zugeschriebenen Gastmälcr ohne Zeche (Bepeues franches), von denen Murner einige, wenn gleich nur wenige Erzählungen benutzt hatte, haben dem deutschen Pos- senreisser den Weg gebahnt. Schon im Jahre 1532 erschien eine französische Uebersetzung, und zwar, wie sie sich uns später gewöhnlich ankündigt, aus dem Flamländischen, zu Paris. Diese und die beiden nächstfolgenden Ausgaben zu Paris und 1539 zu Anvers sind uns nur als die grössten literarischen Seltenheiten, als Unica in zwei deutschen Bibliotheken erhalten und waren bis neuerlich selbst gelehrten französischen Bibliographen unbekannt, worauf wir nur aufmerksam machen, um darauf hinzuweisen, wie unsäglich viele dieser für die allgemeine Bildungs- und Völkergeschichte lehrreichen Bücher verloren gegangen sein mögen. Auch finden wir in den nächsten zwanzig Jahren keinen neuen Druck, obgleich es in dieser Zeit war, wo Ronsard (geh. 1524) das Wort Espiègle bei seinen Landsleuten einbürgerte, und sein älterer Zeitgenosse Rabelais starb (| 1558). Rabelais, wenn wir der Sage allein vertrauen dürften, lebte in verschiedenen Ständen, Verbreitung in Frankreich. 307 vagabomlirte und starb wie Ulenspiegel; diese Sage ist, wenn auch eine sehr einseitige Auffassung, doch diejenige, welche seiner Zeit die mundgerechteste war. Sollte man die folgende Geschichte, wenn man sie ohne den Namen fände, nicht für einen der besten Streiche des Kneillinger Bauernsohnes halten? cc Le Cardinal du Bellay, dont Babelais était le médecin, étant malade d'une humeur hypochondriaque, il fut avisé par la docte conférence des docteurs, qu’il fallait faire à monseigneur une décoction apéritive. Bahelais sur cela sort, laisse ces messieurs achever de caqueter pour mieux employer l’argent: il fait mettre au milieu de la cour un trépied sur un grand feu, un chaudron dessus plein d’eau, où il mit le plus de clefs qu’il put trouver et un pourpoint connue ménager, remuait les clefs avec un bâton pour leur laire prendre cuisson. Les docteurs descendus et s’en enquêtant, il leur dit: “Messieurs, j’accomplis votre ordonnance, dautant qu’il n’y a rien tant d’apéritif que les — clefs, et si vous n’êtes contons, j’enverrai à l’arsenal quérir quelque pièce de canon, ce sera pour faire la dernière ouverture.” ') Kehren wir zu unserem Volksbuche zurück, so bemerken wir einschliesslich der Antwerpener Ausgaben in franziisischej Zunge bis zum Jahre 1519 eine französische seit derjenigen vom Jahre 1532, sodann aber eine lange Lücke von 76 Jahren, bis wir 1655 die erste Ausgabe zu Troyes finden, eine Lücke, welche wohl nur unserer Unkunde zuzuschreiben und die jedenfalls durch einige Ausgaben o. O. u. J. auszulullen sein mag. Denn von dem Jahre 1655 an bis 1714 war das Verlangen nach dem Buche lebhaft genug, um vierzehn uns bekannte Drucke ans Licht zu fördern. Wir rechnen zu diesen auch die in Holland gedruckten französischen Texte, welche gewiss auch für Frankreich bestimmt waren, zugleich aber auch, wie schon ihr häufigeres Vorkommen in grossen und kleineren Bibliotheken zu beweisen scheint, auch nach Deutschland versandt wurden, wo unseren Grossältern die Eulenspiegeleien in der französischen Hülle und der dort herkömmlichen Auswahl besser mundeten, als in der gar zu verständlichen Muttersprache. 1. Deroalde de Ver ville Le Moyen de parvenir. 20 * 308 Abhandlung über den Ulenspiegel. Der von uns nachweisbaren Drucke in französischer Sprache sind etwa dreissig an der Zahl. IV. In England. Um dem Ulenspiegel seinen Platz in der Weltliteratur anzuweisen, welche, sofern sie uns die schnelle und allgemeine Verbreitung der literarischen Erzeugnisse einer Nation in den meisten Ländern Europa’s bezeichnen soll, mit den Volksbüchern begann, müssen wir uns auch nach England wenden. Deutsche sa- tyrische Werke und Volksbücher finden wir in England bisweilen schon früh übersetzt, wenn wir gleich nicht immer angeben können, ob durch Vermittelung lateinischer oder französischer Texte. Des Sebastian Braut 1494 erschienenes Narrenschilf wurde bald von Alexander Barclay in seine Muttersprache übertragen und 1509 zuerst, und wiederum 1570 gedruckt. DnssRcincckeFuchs, Griseldis 1 * * IV. ), die Aimonskinder (1504), Kaiser Octavian 2 ), des Aeneas Sylvius Eu- rialus und Lucretia (1560) 3 ), Bruder Bausch ( 1568) J ) früh und wiederholt gedruckt sind, bedarf hier keiner Belege. Von Dedekinds Grobianus et Grohiana vom J. 1549 sind zwei englische Ueber- setzungeu, doch erst von den Jahren 1605 und 1739 bekannt. Unserem Gegenstände liegt näher, dass, wenn man gleich den auf englischen Ursprung hindeutenden Pfaffen Amis weder im Originale noch in einer Uebcrtragung des späteren Mittelalters bisher gefunden hat, doch der Pfalf von Kalenberg in englische Sprache übersetzt und gedruckt ist unter dem Titel: the parson of Ka- lenborow. Man kennt freilich nur ein Fragment dieses Buches, welches in der Bibliothek des bekannten englischen Alterthums- 1. In den Publications der Percy Sociely Yol. III. ist die prosaische Erzählung von der Griseldis nebst Balladen abgedruckl. Hoch sind ältere jetzt unbekannte Drucke v. J. 1565 figd. verzeichnet in den Registers of the Company of Stationers. Yol. I. p. 114 ílgd. 2. Die Gestes des Octavian und des Ysam- bras werden mit den altenglischen Volksbüchern Bewis von Hampton und Guy von Warwick bereits in dem vor dein Jahre 1384 geschriebenen “Mirrour of Life” des William Nassyngton aufgeführl. S. 11 all iw eil in der Vorrede zu seiner Ausgabe des : Romance of the Emperor Octavian in den Percy Society Publications. Vol. XIV. 3. Ilalliwell in Shakespeare Society papers. Vol. IV. p. 25. 4. Register of the Company of Stationers. Vol. I. p. 199. Verbreitung in England. 309 forschers Douce vorhanden war. 1 ) Wir wissen nicht, oh die Uehersetzung unmittelbar aus der deutschen, oder einer anderen Sprache entnommen ist. Vom Ulenspiegel ist eine englische Uehersetzung, von welcher ein Exemplar sich erhalten hat, jedenfalls vor dem Jahre 1557 gedruckt, nach dem vliimischen Auszuge, wenn gleich die Nähe der Wohnung des Buchdruckers und verrnuthlichen Ueber- setzers W. Copland beim Stahlhofe eher auf ilic Kunde eines deutschen Exemplares hinweisen möchte. Es war dort wohlbekannt. 1572 ward dieses Buch Ilowleglass unter anderen schlechten Büchern, wie Guy von Warwick, Arthur, Iluon von Bourdeaux, den llaymonskindern, Bruder Rausch durch Edward Being von der Canzel herab bitter getadelt. 2 ) Einige Jahre später 1575 wird es als in der Bibliothek eines in den Tagen der Königin Elisabeth bekannten, auch bei ihrem Feste zu Kenilworth thtitigen Capitains Cox 3 ) belindlich erwähnt, in einer Liste, welche, sic mag historisch richtig oder scherzhaft zusammengestellt sein, doch in gleicher Weise zeigt, dass jenes Buch bekannt war. Einen auffallenderen Beleg, dass es dem englischen Volke ■wohlbekannt und dass vergeblich dagegen gepredigt ward, finden wir darin, dass Shakespeares Zeitgenosse und Nebenbuhler, Ben Jon son sich des NamenS 0 wieglass sprichwörtlich zum Tadel oder zur Beschimpfung eines Menschen wiederholt bedient. So sagt in dem zuerst im Jahr 1601 aufgeführten Poetaster Act III. Scene 4: Tueca zum Histrio: “What, do you laugh, 0wieglas, death, you perstcmpluous (für presumptuous) variet: I am none of your fellows”. Eine andere Stelle ist in seinem 1626 auf die Bühne gebrachten Maskenspiele: The fortunate isles. Hier wird unter den berühmten Geistern früherer Zeiten auch Ilowleglass genannt, der auch Vienspiegle heisse. Hernach werden die bald näher zu erwähnenden Skogan und Skelton eingeführt, und letzterer schildert den Ulenspiegel, wie er in einer folgenden Scene in einem Zuge wirklich erscheint: 1. Foreign Quarterly Review. Nr. 40, wo auch, nie in Nr. 28 über die alte Verbindung der deutschen und englischen Literatur sich lehrreiche Bemerkungen finden. 2. Collier in Registers of the Stationers Company Vol. I. p. 13. 3. Hall ¡well a. a. 0. 310 Abhandlung über den Ulenspiegel. An ITowleglassc To come, to passe On his Fathers Asse; There never was By clay, nor night A finer sight. With leathers upright In his horned cap, And crooked shape, Much like an Ape, With Owle on list And Glasse at his wrist. Dass Ulenspiegel verwachsen dargestellt wird, ist eine malerische Verschönerung des Dichters. Von der Uebertragung der Sage von Ulenspiegels Grab auf den Dichter, zu dessen Unsterblichkeit es keiner solchen Schwänke bedurfte, s. oben die Erläuterung zur Historie XCV. Es lässt sich nach den Erfahrungen anderer Länder über die Seltenheit alter Ausgaben der Volksbücher, welche erst in späteren Zeiten, als sie meistens verschwunden waren, in grossen Bibliotheken eine Stätte fanden, nicht annehmen, dass keine ferneren Auflagen des Owleglasse in London gemacht seien, besonders da englische Alterthunisforscher mit Beeilt behaupten, dass ausserordentlich viele Bücher dieser Art zu London hei dem grossen Brande im Jahre 1666 untergegangen sind, eine Wahrnehmung, welche um so mehr begründet erscheint, da die Verleger der Volksbücher in den damals zerstörten Theilen der Stadt wohnten. Eine spätere Uebersetzung hat unser bibliographisches Verzeichntes unter dem Jahre 1709 aufgeführt. Wenn Ulenspiegel jedenfalls in England nicht so vielen Beifall fand, wie auf dem Festlande, so können wir die Ursache davon theils darin suchen, dass eine bessere Literatur, namentlich ein besseres Schauspiel sich zu Ende des sechszehnten Jahrhunderts Einfluss verschaffte, theils in der grossen Zahl eigener Volksbücher, welche häufig einen zu localen Charakter tragen, um diesseits des Meeres bekannt geworden zu sein. Unter die- Verbreitung in England. 311 sen sind manche, welche mit dem Ulenspiegel auch in Hinsicht der derben, widerlichen Seiten viele Aelinliclikeit haben. Es ist unter diesen hier besonders der Schwanke eines älteren Zeitgenossen des Marner zu gedenken: des John Skelton, geboren im Jahr 1460, eines seiner Zeit vielgepriesenen, zu Oxford gekrönten Dichters (Poet Laureat), der einige Jahre Erzieher des nach- h erigen Königes Heinrich VIH. war, für welchen er auch ein Speculum principis schrieb. Dieser Geistliche, welchen Erasmus von Rotterdam bezeichnet als: "unum Britannicarum literarum lumen ac decus”, war durch seine Spässe bekannt, welche oft witzig, doch nicht selten schmutzig waren. Einige derselben sind gesammelt und nach seinem Tode unter dem Titel: Certain merrie tales of Skelton, Poet Laureat, im Jahre 1567 gedruckt 1 ), auch wiederum 1843 in Alexander Dyce’s Ausgabe von Skeltons Werken, mit einigen Zusätzen aus anderen Berichten. Dieser Dichter, der mit dem späteren Babelais verglichen ist, hat auch in der Beimischung dos Schmutzig-Gemeinen zu dem Ernsten manche Aehn- lichkeit mit Murner, der ihn in England noch gekannt haben kann oder doch von ihm gehört haben dürfte. Von Skelton wird eine ähnliche Geschichte berichtet, wie von Ulenspiegel Nr. 85. Doch finden wir selbst in den wenigen Erzählungen, welche die gedruckte Sammlung enthält, etliche, die sich früher in anderen Ländern gedruckt finden, und also vcrmuthlich viel älter und auf ihn übertragen sind. So ist der Schwank, wie er durch seine Klage, dass er reinen Wein in den Altarkelch gegossen, von der Weinhändlerin das Geständniss erhält, dass sie längst Wasser beigemischt habe, nur eine Erweiterung des Geschichtchens bei Pauli Schimpff und Ernst (Ausgabe 1526) Nr. 357. Zu diesen Dichtern und höher gestellten Männern, welche sich zu den uns so wenig mehr zusagenden, doch damals in England so sehr beliebten Possen hergaben, w 7 o nicht nur Könige ihre bekannten Hofnarren hielten, sondern selbst wohlhabende Privatpersonen, — wie dies von Thomas Morus erzählt wird, — gehört ein Freund des Dichters Chaucer, Henry Scogan, dessen guter und selbst richtiger Name über den von ihm er- t. Register of the Stationers Company. Vol. I. p. 160. 312 Abhandlung über den Ulenspiegel. zahlten Splissen fast untergegangen ist. Shakespeare gebraucht nach beinahe zwei Jahrhunderten seinen Namen als den eines gewöhnlichen Narren, an dessen Schädel Falstaff seine jugendliche Kraft zeigte, s. Heinrich IV. P. 2. Act 3. Die Possen, welche seinen Namen tragen, und oft in spätere Zeiten gesetzt werden, so dass man mehrere des Namens annehmen möchte, waren von Dr. Andrew Borde, einem Arzte aus der Zeit Heinrich VIII., gesammelt und 1565 zuerst und oft hernach, z. B. 1626 und noch 1796 wieder gedruckt. Aber auch diese sind nicht eigen- thümlich; Flögel erwähnt schon von ihm einen Schwank mit der Königin und ihren Hofdamen, von denen er geschlagen werden soll, welcher vom Gonelia und anderen Narren erzählt wird. Wahrscheinlich hat Ulcnspicgcl Einfluss auf cc It ob in G oo elfe ] 1 o w, his mad pranks and merry jests” gehabt, so wie dieselben aus der Ausgabe v. J. 1628 von J. P. Collier für die Percy Society Bd. II. wieder abgedruckl und in dem dort gleichfalls wieder mitgctheilten etwas neueren'Gedichte aus diesen beiden wieder von Ilalliwell Illustrations of the Fairy Mythology of a Midsummer Nights Dream (in den Publications der Shakespeare Society) vor uns liegen. So verschieden der poetische englische Hausgeist von dem Gutgesell Ulenspiegel erscheint, so ist doch von letzterem vermulhlich das Verhältniss zur Mutter und der nur auf dem Wortspiele beruhenden Schwänke mit dem Schneider (s. zu Hist. II u. XLVIII) aiM jene aus der englischen Uebersetzung des Owleglass übertragen. Der sachkundige Forscher Collier nimmt eine frühere Ausgabe von Robins Schwänken an, doch nur etwa 40 Jahre älter als die eben gedachte und also jedenfalls jünger als der Owleglass. Seit 1709 finden sich keine Ausgaben des Owleglass verzeichnet, doch muss ein Buch hier bemerkt werden, was als eine Nachahmung desselben bezeichnet ist: 1 ) "The in ad pranks of Tom Tram, Son-in-Law to Mother Winter.” Sein Inhalt würde mir gänzlich unbekannt sein, wenn Ilalliwell Notices of popular bistories (Percy Society Publ. Vol. XXIII.) nicht einige Nachrichten darüber mittheilte. Aus den hier ab- 1. S. Wb alley zu Ben Jonson’s Poetaster a. a. O. Verbreitung in Dänemark. 313 gedruckten Capileliiberschriflen dari' man wohl folgern, dass Tom Tram dem Ulenspiegel geistesverwandt ist. Ich führe nur an: I, 2. Of Tom’s displeasing the mayor, though he did what he hid him. 4. Shewing how he paid a man for his horfehire. II, 1. Tom hinds himself apprentice and of what means he used to get from his master. Ill, 7. Tom hires himself to a justice and what pranks he played while he was his servant. Als Geistesverwandte und Nachfolger des Ilowleglass werden auch noch bezeichnet: Tom Stitch, the tailor, und Tom Long, the carrier of the men of Gotham. Die Ballade von Letzterem ward 1561 zu drucken gestaltet 'J. Sie alle, sagt ein heiterer Kenner dieser Literatur: “they all belong to the ancient and noble and widely dispersed family of Tom Fool, which has obtained such preeminence and dignity in church and state throughout all Christendom.” 2 ) V. In Dänemark. Bei Snorro und Saxo Grammaticus fehlt es nicht an Nachrichten von Gauklern und Scherzen , welche den Ulenspiegel und seine Possen in Erinnerung bringen dürften. Doch sind keine unmittelbare Beziehungen zu denselben wahrzunehmen. Dem Ulcnspiegel naher ist der Bruder Rausch im Kloster Esrom auf Seeland, doch ist hei dem hohen Alter der nieder- sächsischen Texte kein Beweis zu führen, dass diese Erzählung ihren Ursprung in Dänemark hat. Deutsche Minne- und Meistersänger haben die Könige von Dänemark besucht, so wie es dem Ulenspiegel untergelegt wird; sie haben diese besungen in Liedern, wie deren uns schon vom Reimer von Zwcter, von Tanhuscr, den Meistern Rumclant und Heinrich von Meissen (Frauenloh) 3 ) aufbewahrt sind, und die Possen deutscher Gaukler werden nicht minder beim dänischen Volke Eingang gefunden haben. Es kann daher nicht seltsam erscheinen, wenn hei dem vielfachen Verkehr deutscher Kaufleule und Handwerker in Dänemark nicht lange nach der Einführung der Buchdrucker- 1. Registers of the Stationers Company. Vol. 1. pag. 46. 5S. 2. Quarterly Review a. a. 0. 3. Vergi. Müll en ho ff: Mittelhochdeutsche Gedichte an nordelbische Herren, in den Nordalbingischcn Studien Bd. 111. 314 Abhandlung über den ülcnspiegcl. kunst in diesen Ländern, eine dänische Uebersetzung des Ulenspiegel schon früh vorhanden war, von welcher, wenn gleich kein Exemplar mehr vorliegt, wir wissen, dass sie vor dem Jahre 1571 erschienen ist. Die älteste vorhandene Uebersetzung dalirt vom Jahre 1696, sie enthält alle 102 Capitel der Erfurter Ausgabe. Die dritte dänische Ausgabe, welche wir angeführt finden, ist vom Jahre 1787. Diese Ausgaben sind durch Jahrhunderte von einander getrennt, welcher Zeitraum es schon wahrscheinlich macht, dass, da das Volksbuch sich hei dem Volke erhielt, andere für uns verschollene Ausgaben dazwischen liegen müssen; wenn sie auch selbst dem Späherblick Ny er up ’s entgangen sind, dem Dänemark ein Werk über seine Volksbücher verdankt, welches, nach dem Vorgänge von Görres Teutschen Volksbüchern und von der Hagen’s Narrenbuch entworfen, doch beide an Umfang, Uebersichtlichkeit und Genauigkeit der Iiterar-historischen Nachweisungen überbietet, welches anderen Ländern ganz fehlt und wenn gleich für die so sehr viel reichere deutsche Literatur schwieriger auszuführen, als für das kleine Reich der dänischen Zunge, doch hoffentlich nicht zu lange auf sich wird warten lassen. VI. In Polen. Sowizrzal ist der Name, welchen Ulenspiegel im Polnischen führt, von sowa, die Eule, und zreadlo, das jetzige swierciadlo, der Spiegel. Doch nicht nur dieser Name ist übersetzt, sondern auch einige Namen sind polonisirt, wie Ulenspiegels Geburtsort in Sachsen, Kneitlingen, in Knotowicz, des Vaters Name Claus in Kulas, d. h. der Hinkende, der Pathe Tylock Lachowicz (der Lacher), der ihn auch seinen Namen Dyll nennen liess. Sowizrzal stirbt nicht zu Mölln, sondern auf dem Gute des Herrn von Mo- linsky, welchem er ein Drittel seines Nachlasses vermacht. Auf solche kleine Abänderungen hin, welche noch geringer sind, als die des neueren belgischen Textes, hat Maciejowski 1 ) versucht, Sowizrzal für einen an der Elbe lebenden Slaven zu erklären 1. Bibliotheka Warszawska. 1841, Juli; übersetzt im Ausland 1841, August, Nr. 230 — 233. Verbreitung in Polen. 315 und demnach das einfache Verhiiltniss der Uebersetzung des deutschen Volksbuches völlig verkannt. Am wunderlichsten ist sein Gedanke, in dem Schwarzkünstler Twardowsky, dem polnischen Faust, einen wiedergeborenen Sowizrzal zu suchen. Die Ansicht Maciejowskv’s ist jedoch bereits von San-Marte widerlegt, mit Hülfe der vom Herrn Professor J. J. Ilanusch zu Lemberg demselben gelieferten Nachrichten über die älteren Ausgaben des Volksbuches Sowizrzal, aus welchen die völlige Identität mit dem älteren deutschen Ulenspiegel hervorgeht. Doch seihst Maeiejowski setzt den ältesten ihm bekannten Text nicht früher als in die zweite Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts; Ilanusch aber jene, so wie die nächstfolgende, in das siebzehnte. Da diese Ausgaben jedoch sich schon als berichtigte auf dem Titel ankündigen, so werden jedenfalls ältere vorhanden gewesen sein. Schon in dem Auctarium librorum haereticorum et prohibitorum 1617 editum sind unter den von dem Bischöfe zu Krakau verbotenen Büchern aufgezählt : Fraszki nowe Sowizrzafowe (Neue Possen des Eulenspiegel) und Sowizrzalnowy (der neue Eulenspiegel)'). Ein älterer Eulenspiegel dürfte also der polnischen Literatur nicht gefehlt haben. Es könnte noch von Interesse sein, zu ermitteln, welchem Texte die polnischen Uebcrsetzungen gefolgt sind, da namentlich die ältere (auf der Universitäts-Bibliothek zu Lemberg 64 Bl. kl. S.) nicht alle Erzählungen des deutschen Textes hat. Da bei jenem die Erzählung fehlt, wie Ulenspiegel mit dem vermeinten Heiligthume, dem Kopfe des St. Brandanus herumzog, so wird hier auch nicht der holländische oder französische Text zum Grunde liegen. Wir finden also hier eine Auswahl des deutschen Textes, eben so wie der älteste vlämische Uebersetzer eine ähnliche veranstaltete. Neu ist in den mir über die polnische Uebertragung bekannt gewordenen Notizen nur diejenige, dass auf dem Titel der ältesten Ausgabe Sowizrzal dargestellt wird, wie er am Thore zu Braunschweig zu sehen ist. Der dabei befindliche Holzschnitt stellt einen Mann dar, welcher Weintrauben in der Hand hält, die er in einem runden Gefässe kel- 1. J. D. Janozki Nachricht von den in der hochgräflich Zaluski’schen Bibliothek sich befindenden raren polnischen Büchern. S. 14. 15. 316 Abhandlung über den Ulenspiegel. tert. Bei letzterem am Boden sind rechts zwei Fische, links ein Bock abgebildet. Da dieses Bild auf keinen Schwank Ulenspiegels sieh bezieht, noch weniger wohl dessen Urbild zu Braunschweig zu suchen sein dürfte, so mochten wir darin das Zeichen des Buchdruckers vor uns sehen. Die zweite vorhandene Uebersetzung ist durch ein Exemplar der Ossolinkski’schen Bibliothek bekannt auf 87 Blattern in kl. 8. Sie enthält sechs Erzählungen mehr als die ältere Uebersetzung, nämlich von unserem Texte Historie LXXXII. LXXXIII. LXXXV1 und XCI., so wie vom Erfurter Texte Historie XCI und XCII. Eine neuere Ausgabe ist oben unter Nr. 80 angeführt. Dabei werden die deutschen Texte so wie die französischen Ueber- setzungen in Polen nicht selten gewesen sein. Vergl. oben Nr. 13. Dass die Geschichten vom Ulenspiegel sich auch einzeln und vor der oben gedachten von der Geistlichkeit verbotenen Ueber- sclzung in Polen verbreiteten, davon findet sich ein Beleg in einem 1566 zu Krakau erschienenen Buche des Lucas Gor- nicki: Dworzanin, einer Sammlung von Schwänken der Hofnarren und Ilofleute. Hier wird ein Schwank berichtet, wie ein Schüler des Twardowsky einen Hofmann prellt, in derselben Weise, wie Ulenspiegel den Erzbischof von Bremen mit den zerschlagenen Milchtöpfen. ') VII. Am Milteimeere. In Italien sind der Erzählungen von Schalksnarren gleich dem Ulenspiegel und ihren losen Streichen sehr viele verbreitet; manche der den Deutschen von Murner untergelegten Possen sind von uns hei älteren Italienern nachgewiesen. Eine Uebersetzung des deutschen Buches in die italienische Sprache hat Crescenbini als vielleicht vorhanden betrachtet, doch ist keine nachgewiesen und ist sie jedenfalls nicht populär geworden, ver- muthlich weil Italien ähnlicher Possen schon selbst so viele bcsass. Bei den Orientalen findet man ähnliche Charaktere wie den Ulenspiegel, doch keine Kunde von unserem Volkshuche. Herr 1. S. San-Martc Gross-Polens Nationalsagcn S. 197 figd., welchem ich in diesem Abschnitte beinahe allein gefolgt bin. Bildliche Darstellungen. 317 Schott hat der Berliner Academie in der philosophisch-historischen Classe kürzlich (1853 Mai 2) eine Abhandlung vorgetragen, welche überschrieben ist: Nassreddin Chodsa, der Eulenspiegel der Türken. Von einem cgyptischen Eulenspiegel wissen gleichfalls neuere Reisende, welche mit dem Volke verkehrten, zu erzählen. §. 3. Bildliche I) a rslcllungen und Gegenstände mit Ulen Spiegels Namen. Es lässt sich erwarten, dass ein so beliebter Charakter, wie Ulenspiegel, den Künstlern bisweilen Stoff zu Darstellungen gegeben habe. Auch ist vielleicht kein Volksbuch in allen seinen Ausgaben so regelmässig mit Holzschnitten versehen, wie das vorliegende. Indessen ist bei denselben vorzüglich zu verwundern, wie wenig Erfindung sich in denselben zeigt und wie getreu dieselben von den Druckern verschiedener Städte und sogar verschiedener Nationen wieder benutzt sind. Nur ist Ulenspiegels Tracht zuweilen verschieden. In der Strassburger Ausgabe v. J. 1519 erscheint er jugendlich, ohne Bart, mit rund geschnittenem Haupthaar und ist mit einem einfachen Bocke bekleidet, welcher jedoch unten in bis auf das Knie herabhängenden Blättern ausgeschweift ist. Ebenso in der Antwerpener Ausgabe und der Strassburger v. ,1. 1543, wo jedoch dem Rocke dieser Schmuck auf manchen Bildern fehlt. In den Erfurter Ausgaben sind die blätterartigen Zacken grösser und breiter, auch sind kleinere auf den Schultern angebracht. Er hat hier auch einen grossen, spitzen Bart und trägt eine spitze, mit aufrecht stehenden Zacken am Bande und mehreren Federn versehene Kappe. In der Augsburger Ausgabe erblickt man ihn in dem einfachsten Gewände, doch mit weiten, bauschiglen Pumphosen. Neue Coin- positionen bemerkt man bei den lateinischen, namentlich Perian- ders, Uebersetzungen, so wie Fischarts gereimtem Eulenspiegel, wie auch die artigen Illustrationen des Lauters (1840) neu erfunden sind. Interessanter für uns sind die mit dem Buche nicht verbundenen Bilder, welche, wenn sie von hohem Alter, über die Entstehung und Verbreitung des Volksbuches Aufschluss 318 Abhandlung über den Ulenspiegel. zu geben vermochten, oder, aber was eher zu erwarten, manchen Irrtlmnr veranlassen können. Der erheblichste hierher gehörige Gegenstand ist ein im Gemäuer des Daches der St. Marienkirche zu Wismar vorhandener, für gleichzeitig mit dem ersten Baue vom Jahre 1339 — 58 erklärter Backstein, auf welchem, ehe er gehrannt ist, eine Zeichnung angebracht wurde, in welcher man das Bild einer Eule mit einem Spiegel zu finden geglaubt hat 1 ). Wenn mm Beispiele nicht fehlen, dass gebrannte Ziegelsteine mit Stempeln und anderen Zeichen schon im Mittelalter vorhanden sind 2 ), so scheint die Untersuchung über das Zeitalter des fraglichen Steines hier um so interessanter, da nach der durch Herrn Archivar Lisch mir gefälligst zugestellten sorgfältigen Zeichnung, welche der Verein für Meklenburgische Geschichte nach einem Abdrucke in Gyps in natürlicher Grosse von beinahe 12 Zoll hoch und 5''V-i Zoll breit hat abnehmen lassen, und welche in verkleinertem Maassstahe unserem Buche beigefügt ist, die Eule trotz des etwas menschenartigen Antlitzes zu erkennen ist, und wir den viereckigen Gegenstand in der aufgehobenen Klaue für einen Spiegel halten können. Letzterer ähnelt freilich mehr einem Buche oder Briefe. Man wird die Zeichnung des Steines am leichtesten mit Ulenspiegel in Verbindung bringen können, wenn man sich der Nachricht erinnert, dass er eine Eule mit dem Spiegel auf der Wand von Häusern, welche er heimgesucht hatte, zuritckliess. S. Historie XL, wobei es für uns besonders beachtenswert ist, dass dieses uns bei Anlass seines Aufenthaltes zwischen Rostock und Wismar erzählt wird. Freilich wird es sich fragen, oh solche Steine etwas anderes bezeichnen sollten und ihre irrige Deutung jene Nachricht von Ulenspiegels Zeichen, vielleicht gar die Entstehung seines Namens veranlasst haben könnten. Eine kürzlich angestellte sorgfältige Untersuchung des Baues jener Kirche, besonders des betreffenden Oberschiffes, hat die Ansicht begründet, dass jener Stein mit der Eule dem letzteren, welches schon vor 1339 erbaut war, hei dem in jenem Jahre begonnenen 1. Burmeister in Lisch Jahrbüchern des Vereins für meklenburg. Geschichte. Tb. IV. Jahresbericht S. 54. Th. V. S. 220. 2. Vergl. Bü'sching Merkwürdigkeiten altdeutscher Kunst in der Altmark. Erste Lieferung. Bildliche Darstellungen. 319 Neubaue des obersten Theiles der Mauer, und also jedenfalls vor 1353 eingelugt sei. Wir dürfen unsern selbstprüfen- den Lesern die von Herrn Professor Crain auf Veranlassung der fünften Säcularfeier der Marienkirche zu Wismar in einem nicht in den Buchhandel gelangten Aufsatze, betitelt: “Die Be- deulung des diesjährigen Lätaresonntages für die hiesige Marienkirche”, unterzeichnet Pr. Cr. Wismar, den 27. Februar 1853. (ohne Titelblatt, 6 Blätter 4., gedruckt Ralhsbuchdruckerei von J. G. W. Oestcn Wvve.) erthciltc Auskunft nicht vorenthalten. „Man findet nämlich am Fusse des Oherschiffes nicht weit von der ersten der nach dem Innern der Kirche offenen Luken auf der Südseite des Chores unterhalb der Bedachung des Seitenschiffes in einer ringsumherlaufenden Schicht auf der hohen Kante eingcmaucrler, eine Art Fries bildender Steine, in einer für die Betrachtung bequemen Höhe einen Stein, auf welchem mit einem scharfen Instrumente noch vor dem Brande, wie die durch die Glühhitze aufgetriebenen Einschnitte zeigen, das Bild einer Eule mit einem Spiegel in der Klaue eingegraben ist, in welchem Bilde man das Wappen oder Zeichen des im Jahre 1350 zu Mülln gestorbenen berüchtigten Till Eulcnspiegel, W'ie er noch auf seinem Grabstein zu sehen sein soll, wieder zu erkennen nicht nur nicht umhin kann, sondern es wohl auch denkbar ist, dass dasselbe in irgend einer näheren Beziehung zu dem närrischen Eulenspiegel selbst steht, da dieser nach dem, die von ihm bekannten Anekdoten enthaltenden Volksbuchc auch mehrmals in Wismar sein Wesen getrieben hat. Warum konnte nicht der Einfall eines Ziegelformers jenem wunderlichen Kauze, seinem Zeitgenossen, auf jenem Steine ein Denkmal haben bereiten wollen? Oder hat vielleicht Eulenspiegel seihst dabei die Hand im Spiele gehabt? Denn dass er gern, wo er einen Streich gespielt hatte, sein Zeichen zum Andenken hinterliess, wissen wir gleichfalls aus dem Volkshuche. Es sei dem letzteren wie ihm wolle, wir nahmen den Stein mit zum Beweise, dass die Mauer, worin er enthalten, nicht leicht eher gebaut worden, als jener Mann lebte, dass also das ganze Oherschitf erst seit 1339 aufgeführt sein werde. Nun schien aber diese Annahme dem kürzlich entdeckten Funde eines erst in einer 320 Abhandlung über den Ulenspiegel. gewissen Höhe über dem Steine beginnenden Neubaues zu .widersprechen. Aber siehe da, bei nochmaliger näherer, während Niederschreibung dieser Blätter angestellten Untersuchung ergab sich’s glücklicher Weise, dass zwar die übrigen den angedeuteten Fries bildenden Steine von der Grösse und Farbe des alten Mauerwerks sind, derjenige aber, welcher das Zeichen des Eulenspiegel trägt, nach Dimension und Colori t der Zeit und dem Brande der Steine des oberen Neubaues angehört, und erst später hier zum Andenken des Zeitgenossen dieses Baues eingesetzt ist. Durch die Ermittelung dieser Thalsache ward denn nicht nur der Widerspruch des Steines mit der Annahme, dass das Oberschiff von der oben bezeichneten Grenze an nebst dem Gewölbe ein Neubau sei, vollkommen gehoben: die Annahme ward um so l'ester gestützt. Und so werden denn die Worte des Contracts „bis zur Vollendung“ vollkommen verständlich, und die Grundlage der Kirche, Mittelschiff und Seitenschiff, seihst das Oberschiff bis zu der angegebenen Höhe waren vor 1339 schon da, das übrige bis zum Gewölbe ward nun erst zum Abschluss gebracht, so dass im Jahre 1353 laut der angezogenen Urkunde bereits der Chor eingeweiht werden konnte.“ Es giebt eine nicht geringe Anzahl von Denkmälern, welche Ulenspiegels Namen tragen, seihst an Orten, welche das Volksbuch mit demselben nicht verknüpft hat. Vom Grabsteine zu Mölln wird in Folgendem ausführlich die Rede sein, so wie auch von demjenigen zu D a mme. Des angeblichen Lüneb urge r Grabsteines ist in unseren Erläuterungen zur letzten Historie gedacht. Von dem Steine mit seinem Bilde zu Kneitlingen ist oben S. 223 verzeichnet, was berichtet wird. Von seinem Bilde am Thore zu Braun schweig hat die alte polnische Ucbcrsetzung Kunde gehabt. Siehe §. 2, VI. Auf dem Rolandsbilde zu Stendal befindet sich unter den Nebenfiguren eine, welche in unseren Augen keine Deutung auf Ulenspiegel oder seine Schwänke zulässt, welchen aber dennoch vom Volke der Name seines gerngesehenen l’ossenreissers ertheilt ist. Vergl. oben S. 258. Es ist nach der Zeichnung bei Weihe a. a. 0. die auf der Rückseite des Rolands angebrachte Gestalt eines taumelnden Musi- Bildliche Darstellungen. :i2i kanten oder Narren mit herablallender Schellenkappe, welcher mit der einen Hand eine Sackpfeife an sich drückt, mit der anderen ein Wappenschild emporhält. Dasselbe ist der Lange nach in zwei Theilc gespalten, von denen der eine einen halben Adler mit ausgespreiztem Flügel, der andere der Breite nach getrennt, im oberen Felde eine und in dem unteren drei Lilien enthält. Es ist dieses das Slendal’sche Sladtivappen, und ist in der Figur also eigentlich nur der Stadtmusikant zu suchen. Zu Goslar ist auf dem Markte eine Säule, auf deren Capital eine nach ihm benannte Figur sich befindet, welche dem Beschauer sich so zeigt, wie Ulenspiegel sich dem Schelmeuschinder zu Lünehurg darstellt, s. Hist. LXVI. Zu Lübeck findet ihn der wandernde Handwerker, Schmutz und Reinlichkeit vereinigend, wie Hist. LXIX, in der Gestalt eines Mannes, welcher den Ilin- terlheil seines Körpers wäscht, worin eine Anspielung auf seine Bitte, durch die er sich vom Galgen befreite, gefunden werden kann. Auch jenseits des Rheines, an welchem er in der Anwohner Gedächtnisse begraben war und lebte 1 ), zu Trier auf dem Domplatze steht ein Brunnen mit gewundenen Säulen, etwa aus dem Anfänge des sechszehnten Jahrhunderts, wo in Hautrelief eine Figur, etwa drei Fuss hoch, angebracht ist, welche gebückt mit einem Spiegel sich den II. besieht. Es heisst diese der Eulenspiegel. Zu Nürnberg, zu Prag, wo er bekanntlich sich aufhielt, in manchen norddeutschen Städten, welche uns nicht näher bezeichnet sind, sollen sich ähnliche Belege finden. Zu Aachen zeigt man noch neben dem Granus - Tliore das kleine Haus, welches er bewohnte 2 ). Des Thurmes zu Bernburg und seiner Beziehung zum Ulenspiegel haben wir zur Historie XXII. ausführlich gedacht. In Gross-Pampau im Herzogt.hume Lauenburg zeigt man das Haus, worin der berühmte zu Mölln Verstorbene geboren ist. Im Harze, unfern Clausthal, befindet sich der Eulenspiegcls-Teich, bei Bosen Hof. Vergl. auch die Erläuterungen zur Historie XXX. Unter den Kupferstichen, welche Ulenspiegel zu verherrlichen bestimmt sind, ist keiner berühmter, als einer des Lucas 1. Siehe oben S. LS8. 2. Dele pierre a. a. O. S. 4. 21 322 Abhandlung über den Ulenspiegel. von Leyden, welchem jener Name gegeben wird. Das Blättchen ist klein Quart, nur 6 Zoll 4 Linien hoch und 5 Zoll 2 Linien breit. Ein Mann spielt auf einer Sackpfeife, und trägt zwei Kinder in einem Korbe auf dem Rücken; ein Esel trägt auch zwei Kinder, eine Frau eins. Vor ihr an einem Stecken geht das sechste Kind, auf dessen linker Schulter eine Eule sitzt. Hat der Künstler hier wirklich eine Scene aus Ulenspiegels Lehen andeuten wollen, so kann nur des Vaters Auszug aus seiner Ileimalh Kneitlingen in das Magdeburgische Land gemeint sein. Als Albrecht Dürer im Jahre 1520 zu Brüssel war, kaufte er, wie er in seinem Reisetagebuchc erzählt, für einen Stüber zween Eulenspiegel'). Es ist wohl wahrscheinlicher, dass darunter zwei Exemplare des eben erschienenen kleinen Kupferstiches, als eines niederländischen Druckes gemeint sind. Jener war schon vor zwei Jahrhunderten so selten, dass er mit sechszehn Louisdor bezahlt wuirde, nach von Murrs Angabe im J. 1670 mit 200 Blhlr.' 2 ) Ein trefflich erhaltenes Exemplar findet sich auf der K. Kupferslichsaminlung zu Berlin. Heinrich Ilondius stach 1644 eine Copie, welche gleichfalls ziemlich selten ist, und später ein Unbekannter eine zweite, welche sein- sorgfältig nach dem Originale gearbeitet sein soll 3 ). Von Rembrandt giebt cs ein Blatt vom Jahre 1642, ohne Unterschrift, welchem Eulenspiegcls Name gegeben wird. Ein Hirte, der die Flote bläst, blickt nach den Beinen einer Hirtin hin. Auf seiner Schulter sitzt eine Eule. Ein phantastisches Bild des Ulenspiegel durch van Merlen erwähnt Delepierre a. a. 0. Seite 3., so wie dessen beigefügte Grabschrift zu Damme. Näheres über dieses Blatt habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Johann oder Jacob von Merle und soin Bruder Theodor 1550 — 60, vielleicht noch später, scheinen eine Kunsthandlung besessen zu haben, aus welcher eine grosse Anzahl kaum dem Kunstgebiete ungehöriger historischer Bilder blos mit ihrem Excudit hervorging '). 1620 t. S. das Tagebuch in Ch. G. v. Murr’s Journal zur Kunstgeschichte. Tb. Vil. S. 72. 2. Von Murr Journal Th. XIV. S. 356 flgd. 3 Flügel Geschichte (1er Hofnarren S. 475 nach von Murr’s Bibliothek der Romane Bd. IV. S. 108. 4. Naglers Neues Allge.m. Kimstlerlexieon Bd. IX. Bildliche Darslellungén. 323 arbeiteten Abraliani und Cornelius van Merlen kleine Blätter, wahrscheinlich für ßuchhändler. Auch linden sich kleine Porträts in 8. Idos mit v. Merlen fecit oder excudit. Alle diese Arbeiten haben jedoch keinen Kunslwcrlh. Vielleicht ist der Kupferstich des van Merlen dasselbe Bild, welches Caspar Schneider (f 1720) einst aus Holland gebracht batte und welches in seinem von J. C. Knauth iin Jahre 1727 herausgegebenen nachgelassenem Werke : Saxonia vetus et magna in parvo pag. 188 , mit der Ueberscbrift: Vera efügies Thyly Vlenfpiegel wieder copirt ist. Knauth bemerkt, dass nach der Unterschrift des Originals jener 1301 zu Damme gestorben sein soll. Eine verkleinerte Nachbildung desselben batFlögel seiner Geschichte der Hofnarren vorgefiigt. Es stellt einen alten bärtigen Mann auf einem Stuhle sitzend, im Cosltim eines wohlhäbigen Herren in der Milte des scchszchntcn Jahrhunderts vor, der ein kleines Buch in der Hand hält, also verinuthlich einen Schriftsteller. Der Mantel ist mit Pelzwerk besetzt, die Obcrärmel gleichfalls mit Rauchwerk verbrämt. Die Unlerärmcl sind zwiefach geschlitzt. Auf dem Haupte, von dem langes Haar herabwallt, trägt er eine mit Pelzwerk versehene Mütze; eine Spitze derselben mit einem Knopfe steht hervor. Letztere konnte die sehr zweifelhafte Andeutung eines Hofnarren beabsichtigt haben und aus dieser die Ueberlragung auf den Till Ulenspiegel entstanden sein. Ein Bildniss des Eulcnspiogel von E. Felder, auf der Rhe- diger’schen Bibliothek zu Breslau, stellt ihn dar, wie er eine eingefädelte Nähnadel in der Hand hält. Es ist iu Kupfer gestochen vor dem zweiten Tlieile von Herzberg’s Buche, s. oben S. 210. Die Beziehung aul die Historie L. ist nicht zu verkennen. J. Heinrich Ra mb erg gab 1827 zu Hannover 55 radirte Blätter in Querlolio zum Till Eulenspiegel in sehr karrikirlen Umrissen heraus. Neulich hat sieb der rühmlich bekannte Maler Ad. Sehröd- ter zu Düsseldorf mit einer Darstellung des Ulenspiegel beschäftigt, von welcher alle, welche seine Leistungen, namentlich den Don Quixote, kennen, Vorzügliches erwarten werden. Des Geringeren wollen wir nach diesem nicht weiter gedenken, wenn es gleich Sammlungen von einigen Tausend Bildern 21 * 324 Abhandlung über den UlcnspicgH. dos Ulenspiegel gicbl welche grossenllieils aus den Holzschnitten der gedruckten Volksbücher bestehen. Eine solche besáss noch kürzlich ein süddeutscher Antiquar. §. 4. Ulenspiegels Grab zu Mölln. Den wichtigsten Beleg für einen geschichtlichen Eulenspiegel scheint man in dem Grabsteine zu Mölln zu suchen, und erfordert derselbe daher unsere besondere Aufmerksamkeit. Es ist kein Grund vorhanden, welcher es als unmöglich oder auch nur unwahrscheinlich darstellte, dass Ulenspiegel nicht in der in dem Volksbuche berichteten Weise dort erkrankt und gestorben sei. Mölln, an der Mark der Sachsen gegen die Obo- Iriten und andere Slavenstämme, in dem Lande Sadelbande, Sadelbingien, belegen, ward schon zu Anfang des dreizehnten Jahr- hunderf.es genannt 1 ) und war ein durch seinen Zoll bekanntes und mit einem dem Lübecker nachgebildeten Stadtrechte durch die Herzoge von Sachsen-Lauenburg begabtes Landstädtchen. 127 ó war das Möllner Stadtrecht so ausgebildet, dass Herzog Johann von Sachsen dasselbe auch auf sein Städtchen Bergedorf übertrug. 2 ) 1320 verlheidigten die Möllner ihre Stadt uniting gegen den Grafen Gerhard von Holstein. Bald darauf wussten sie sich ein Privilegium von dem Landesherrn zu verschaffen, dass kein Schloss und keine Festung innerhalb der Stadt, noch auf den Feldern der Bürger gebaut werden solle. 3 ) Es kommt ein von dem dortigen Siechenhause verschiedenes II. Geist-IIospilal schon vor 1289 urkundlich vor 1 ), Kalandsbrüder werden gleicli- alls um diese Zeit genannt. 6 ) Die Herzoge und Herzoginnen residirten dort häufig; die Leiche des im J. 1344 zu Lübeck verstorbenen Herzoges Albrecht IV. ward zu Mölln beigesetzt. In allen derzeitigen Nachrichten erkennen wir ein trotz der von der Landstrasse von Hamburg nach Lübeck wegclagernden und also 1. In Arnold’s von Lübeck Chronik zuerst erwähnt L. VI. c. 15 zum Jahre 1202. Urkundlich 1212 und 1217 im Hamburg. Urkundenhuche Nr. 387.404. 2. Ebendaselbst Nr. 75S. 3. P. von Kob he Geschichte des Herzogthuines Lunenburg Th. II. S. 45. 52. 4. Vergl. oben Erläuterungen S. 287. 5. Lübecker Urkundenhucli Th. I. : Chartularium Moelnense dea. 1318—1593, abgedruckt in W. F. Pistorii Amoenitates Histor. Juridicae T. III. p. 514 — 616. Sciri Grab zu Mollii. 325 deren mittleren Ruhcpuukt, Mölln, umschwärmenden Raubritter, aulbliihendes Landstädtchen, welches wohl nur durch die im J. 1359 zuerst erfolgte Verpfandung abseilen ihrer stets geklbedürf- ligen Landesherren an die Stadt Ltibek verhindert ward, sich zu einem selbstständigen Mitgliede der deutschen Hanse auszubilden. ! ) Es finden sich weder in den gedachten Verhältnissen noch anderweitig Nachrichten, welche Möllns Bürger als einen Gegenstand des Scherzes ihrer Zeitgenossen darstellen, wie denn auch seihst in demjenigen, was unser Volksbuch berichtet, nicht mehr Spott gegen die Möllner beabsichtigt ist, als dieses bei anderen dort genannten Städten und Personen der Fall ist. Die älteste ausserhalb des Volksbuches aufbewahrte Nachricht von Ulenspiegels Tode zu Mölln würde, falls sie nicht später eingeschoben ist, in einer niederdeutschen Chronik enthalten sein, welche nicht 1455, sondern nach dem Jahre 1486 niedergeschrieben ist, also später als die angeblich älteste Redaction des Ulenspiegels v. J. 1483, doch viel jünger, als der älteste uns bekannte Druck. Diese Chronik, deren Handschrift der Herausgeber, Caspar Abel, 1 2 ) als einen ererbten Resilz der Ilet- lingischen Familie zu Ilalbersladl bezeichnet, sagt zum J. 1350, nachdem sie der Verheerungen gedacht hat, welche die Pest, genannt der grosse oder schwarze Tod, damals auch zu Braunschweig anrichtete : “dosulffcst fterlf Ulenfpeygel lo Möllen unde de Gheyfeler Broder kernen an.“ Die Beweiskraft dieser Stelle, welche vielleicht nicht älter ist als das Volksbuch, wird noch mehr durch die Bemerkung verringert, dass sich diese Nachricht in keiner der anderen sächsischen Chroniken des fünfzehnten Jahrhunderts findet, na- 1. Jedenfalls irrig ist die Nachricht hei Berkenmeyers Anliquarius S. G6G, dass Mölln im J. 129t an die Liibeker von den Herzogen von Sachsen Ernst (?) und Erich für 9737 Mark 8 Pfenninge und drei ldaue Windhunde verkauft sei. 2. Sammlung etlicher noch nicht gedruckter aller Chroniken. Braunschweig 1732. 8. Uebcr die Handschrift vergleiche die genauere Angabe in der Vorrede zu C. Abels Teutschcn und Sächsischen Alterthiimcrn. 1729, wonach jene sog. Hellingische Chronik erst gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts verfertigt wurde. 326 Abhandlung über den Ulenspiegel. meütlich auch nicht in der Liiheker, zu deren Gesichtskreise das nahe gelegene Mölln durchaus gehörte. Die nächste Ilindeutung eines niedersächsischen Historikers auf das bekannte Grab zu Mölln findet sich in der Mitte des sechszehnten Jahrhunderles in II ei mar Kock’s Lübscher Chronik in folgendem Scherze, -welchen er sich über den Cardinal Raymond beim J. 1503 gestattet: cc De Kardinal is des erfteir Nachts tho Mölln gebleveu. Und wen he hadde düdische fprake yorftan vnd vom billigen leuende S. Ulenfpegels gehöret hedde, fo dar hadde geldt vorhanden gewefen — wente dar dürftet alle Walen uudt Spaniers na hedde Ulcnfpcgcl in des Pavveftes kalender kommen können.” ') Aus diesem bitteren Spotte über die Canonisirungen der römischen Kirche erkennt man zugleich, dass unseres frommen Eulenspiegels Grab und Reliquien schon damals von Reisenden aufgesucht wurden, vielleicht schon von den Pilgern, welche, wie unten aus Delhlev Dreyers Chronik erwähnt werden wird, Re- freiung von Zahnübeln suchten. Die älteste Reschreibung des Mollner Leichensteines scheint uns durch die Niederzeichnungen des churfürslliehen Pfalzkanzlei- Registrators Michael lieberer von Breiten erhalten zu sein. Dieser berichtet auf seiner im Jahre 1592 nach Schweden und Dänemark vollbrachten Reise Folgendes 1 2 ): “Mollen ist eine kleine Stadl, den Herrn von Lübeck zuständig. In diser Stadt ist in dem Jahr Christi 1350 der Eylenspicgel begraben worden, dessen Grabschrifft a uff dem Kirchhof daselbsten, stracks an der Kirchen angeleinet auffgericht, mit folgender Grabschrifft zu sehen. An diesem ort ward dieser Stein aulfgehahen, Darunder ligt Eylenspiegel begraben. 1. P. V. Kobbe a. a. 0. S. 219. Der hier bezügliche drille Tlicil der Kock’schen Chronik ist zwischen 1550 65 geschrieben. 2. Siche S. 504 in dessen Aegyptiaca servitus, d. i. Warhaftc Beschreibung einer dreijährigen Dienstbarkeit, So zu Alexandria in Egypten ihren Anfang etc. genommen. Mit zwo angehcnklen Reisen in Vier Königreich. Heydelberg o. .1. 4. Die Vorrede ist V. J. 1610 dtitirt. Eine neue Auflage erschien 1747 zu Frankfurt unter dem Titel : Der Pfälzische Robinson und Creulzbruder. 8. daselbst Th. III. S. 225. Sei n Grab zu Mülln. 327 Gedenk daran, Der du lliust lumber galm, Dann aufl' dieser Erden Du mir auch kaust gleich werden. Es ist auch ein Eyl und ein Spiegel aull' heyden ecken des Steins darauíí gehawen. 1 Die nächste Notiz über jenen Grabstein lindet sich in Me- rians Topographie von Niedersachsen, und zwar nach einer Nachricht vom Jahr 1614. Doch schon dieser Stein wird als ein erneuerter angesehen. Es heisst daselbst in dem Abschnitte von Mölln : “Man weilet allliie des berühmten Eulenfpiegels, der Anno 1350 geftorben, Grab, so voriger Zeit renovirt worden. Es ifl auf des Steins beiden Ecken eine Eule und ein Spiegel gehauwen zu feilen.” Die Grabsehrill wird dann eben so angegeben, wie von lieberer, obwohl sie unten in uiedersäch- sischem Dialecte, wie der Leser die Grabschrift hier bald linden wird, gelautet haben dürfte. “Und alio ftunde es im Jahr 1614 allliie, und fcheinet nicht glaublich zu feyn, dais in dem nächsten Teutleben Krieg, obfehon Möllen denfelben auch erfahren (wie dann der Mansfelder diefes Städtlein Au. 1625 mit Accord erobert hat) etwas daran geändert worden feye; W'eil die Soldaten folcher Sachen gemeiniglich eher, als anderer wichtigem zu verfchonen pflegen.” Aus der handschriftlichen Chronik des Doth lev Dreyer, Prediger zu Seedorf, im Jahr 1631, welche Chronik unter andern auch den Schelmulfsky kennt, verdanke ich der Güte des Herrn Dr. Dcecke folgende Mittheilung: “In die fern Jahr (1350) ist geftorben der wunderbahre vnd fcltzfahme Menfcli oder zu vnfen Zeiten alfo genandle vnd der gantzen Welt bekandte Luttherifche Heilige Tiel Eulenlpie- gel, eines Bauren Sohn, gebürtig aus dem Lande zu ßraun- fzweig unweit Ilehnllädt in dem Dörff Knöillingen, welcher lein Lehen mit vieler fchalckheit und betrug (zugebracht), wie den ein ganzes huch von ihm gefchrieben aufzweilet. Der letzte Albern ill. in ihm aufzgangen in dem an Lübeck gehörigen Slädl- lein Möllen, lehnet dafelhft begraben an der linken feiten, wen man in die Kirchthur gehen will, wolelhfl ein holtzern Slacket 328 Abhandlung über den Ulenspiege 1. und darin ein langer Leichilein, darauff Er abgebildet und aufz- gehauwen; fein grofz und kleiner Pantzer ift auch noch hciiti- gefz tages all'z ein alterthunibfz gedechtnüfz vad rarität da leih ff uffn Rathhaufz zu leben. Gleich wie er nun feine gantze Le- benfzzeit narrifch zugebracht, alfo ift es auch bey feiner einfen- ckung infz Grab wunderlich zugangen, in dem dafz Tatw zer- rifzen und der Sarck alfo par malheur zu lehnen kommen. Die garftige politur ift folchergeftalt auf feinem grabftein zu fehen; auff dem Kopff hat er einen Hut mit Federn und in der Hand einen Spiegel nebft einem Korb mit Eiden haltend, eingeliauwen, und ift darauff diefefz fchttne Epitaphium zu bemerken: Anno 1350. Ifz diifze Steen upgehaven, Tiel Ulenfpegel lehnent hierunder begraven. Mereket wohl un denkt doch dran, wat ick geweft up Eren, Alle de hier voriiwer gähn möten mie glick währen.') Und damit diefefz herrliche Monumentum nicht möge mit der Zeit vergeben, fondern den Nachkümlingen zum kräfftigen Troft erhalten werden, alfz ift noch vor wenig Jahren ein Stacket de novo gemacht, weile man, wie spaggirt wird, par simplicité dafz holtz von dem alten abgefchnitlen, folche fplilter zu Vertreibung des Zahnwehefz employiret. Efz ift. auch olims Zeiten die fiegur diefes Patrons zu Müllen in allen Stuben an die Wand gesebmie- 1. Anm. In P. I,. B or ckonmey ers Vermehrten Curieuser Antiquarius (1712. 5, Aufl. 1720.) lautet dio Gvabsehrift : Anno 1350 ifz (lüfte Steen upgehafen, Tylle Eulenfpiegcl lelincnt hierunder begraven. HJerclit wol und denclit daran, All de hier voröver gan, Wat ick geweft up Erden, Möten my glicck werden. Bcrckenmeyer erwähnt keiner Abbildung des Ulenspiegels auf dem Grabsteine, sondern nur der Eule und des Spiegels auf zwei Ecken des Steines. Auch J. C. Sachse iin Jahre 1776 gedenkt nur der letzteren und giebt die von ihm in seine Schreibtafel eingetragene Grabschrift eben so, nur dass bei ihm 1530 für 1350 steht, s. Der Deutsche Gilblas, eingeführt von Goethe. S. 77. Sein Grab zu Mülln. ' 329 ret worden, fo aber nun meiftentheils von den neuen Eulenfpie- geln ausgelüfcbet. Elz hat ein alter Poetaster felbem zu Ehren folgende GrabfchrilTt gemacht : Hier ift begraben Tiel Ulenfpiegel Auf! diefem hohen Erdenhügel. Wer dran zweiffeln wil, ihn l'elhft verlangt zu feilen, Der fchau im Spiegel nach, fo wird er vor ihp flehen, Und weil dafz Seil zerrifz, da man ihn wolt einfencken, So liegt und fteht er nicht, er lehnend blieb behencken. Wie er im Lehen wahr von grofzer Wunderkralft, So ift auch fein Geripp nicht fonder Ileilungfz-Safft, Daher wer Zahnweh hat, kan folches bald vermeiden, Wo er ein Slöcher wird von dem Stacket abfclmeiden, Den ja das alte hat fo grofze Werc-k gethan, Wie folches ihm nachrülnnht und noch wcifz Jedermann. Drum, lieber Lefer, dencke frey, Dafz Eulenfpiegel maufztodt fey, Ift dafz nicht fchad: Eyl Eyl Ey! Ey! Ein ander Grabfchrifft von dem heiligen Tiel Ulenfpegel. Umb ein Schilling ein gantzen Ilauffen, Sie wollen mir aus dem Korb entlauffen. Mich dünckt, ich habe schon etliche verlohrn, Die gute Eulenfpiegel find worden. So gute Art feind meine Kind, Dafz man fie in allen Landen itz find Mit Schalckheit und Bctrilgerein ; Wollen dennoch keine Eulenfpiegel fein. Sufficit. Ich fetze der Feder diefefz Zieh], Efz giebt der Eulenfpiegel noch fehr viehl.” Zu 1503, bei Gelegenheit der Wirksamkeit des Cardinals lîaymundus sagt derselbe Chronist: — “Zu Möllen ift der Cardinal die Nacht verblieben, vnd vermeinen etliche Politici, wan die Möllnifchen etwas dran gewand oder spendirl hetlen, der Cardinal hette Ihren heiligen Eulenfpiegel canonisiret, und wehre er mit in den Calender unter andere Heilige gefetzet worden, welches den Möllnifchen auch eine grofze Ehr gewefen, aber da- 330 Abhandlung über den Ulenspiegcl. mahls verabläumet worden.” — was mit Reimer Cock überein- stimrnt; — indessen eine Hinweisung auf denselben ist doch wobl nicht darin. Etwa 40 Jahre später gedenkt auch Zeiller in seinem Hei löblich durch Hoch- und Nieder Teulfchland. 1674. des Städtchens Mölln: “wo Eulenfpiegel, fo Anno 1350 geftorben, begraben liegt, del'fen Monument, fo neulich renovirt worden, zu leben.” Dann giebt er die Grabscbrift so, wie auch Merian sie hat. Ein ganz besonderes Interesse an dem Eulenspiegel bewährte der bekannte gelehrte Frankfurter Zacharias Conrad von Ul'fenbach, welcher Mölln im Jahre 1710 besuchte. 1 ) Er ist in dem Irrllmme, gleich wie Bcrckenmeyer a. a. 0., dass diese Stadt der Geburtsort Eulcnspiegels gewesen, 2 ) und lässt sich schon zu Bardewyk allerlei von ihm so betitelte Eulenspiegels- Possen und Gewohnheiten der Einwohner erzählen. 3 ) Dort augelangt sieht und wittert er alle Arten Eulenspiegcl, im Wirthe, an jeder Wand, sogar in der Kirche. Das Volksbuch in plattdeutscher Sprache konnte er nicht linden, doch berichtet er, dass die in Mölln last in allen Stuben hinter dem Ofen anzu- treffenden Bilder desselben, von “einem elenden Albrecht Schmierer” zu einem Thaler häutig von dort versandt würden. lieber den Grabstein selbst berichtet er Folgendes von den älteren ¡Nachrichten Abweichendes : “Wir besahen erstlich an der Kirche, welche auf einer kleinen Höhe stehet, gleich wenn man die Treppen auf den Kirchhof hinauf gehet, olmfern der Tlnire das Häusgen, worinnen der Grabstein des Eulenspiegels aulgerichtet und wider die Mauer der Kirche gelelmet, stehet. Er bat sonst bey der Kirche auf dem Kirchhofe selbst unter der daselbst noch wirklich befindlichen Linde gelegen, weil er aber öfters von bösen Buben ver- 1. S. dessen Merkwürdige Reisen durch Niedcrsachsen, Holland und Engelland. Th. II. S. G — 10. 2. y. Ko li he Geschichte von Luueuhurg. Th. III. S. 384, führt an, dass Till zu Gross-l’umpau, einem Dorfe, eine Meile von Mölln belegen, in einem dort noch gezeigten Hause geboren sei. 3. Máncete im Neuen Hannoverschen Magazin 1812 S. 724 hat sich die Mühe gegeben, nachzuweisen, wie unbegründet die meisten dieser von UH'enbach berichteten Vorwürfe gegen die Möllner sind. Soin Grab zu Mölln. 331 letzet und von Hegen und Wetter verderbt werden wollen, ;ds liât ein Hochlöbl. und Wohlweiser Magistrat allbier selbigen schon vor langen an die Kirche lehnen und ein Iläusgen, so rings herum zugeschlagen ist, vnd vorne nur ein ollen Fenster oder Loch hat, setzen lassen. Der Stein ist*tlher vier Ellen hoch, und nur etwa eine breit. Es ist nicht nur auf des Steins beyden Ecken eine Eule und ein Spiegel gehauen, wie M crian oder Zeiller in Topogr. Sax. infer, p. 184 sagt, sondern Eulenspiegels vornehmes Bildniss ist in Lehens-Grosse, obgleich nicht völliger Statur und Lange nach, darauf, und hat ohbemeldtc Stücke seihst in seinen Händen. Dass er Schellen anhat, mag nicht sowohl daher kommen, dass er einen klugen Narren oder Schalksknecht agirt, sondern dass die Schellen zu der Zeit grofz Mode waren, seihst von grossen Herren zu tragen, vide Observat. Hailens, ad rem liter, spectant. Germanicas .vom Sehellen- Moritz. Die unten auf dem Steine stehende Schrift ist durch Hegen und Muthwillen zimlich verletzt, so dass sie denen, welchen sie nicht bekandt, schwer zu lesen ist. Marperger in Europäischen Heisen führet selbige an. In das Holz am Iläus- gen haben sehr viele Eulenspiegel ihre Namen eingcsclmitten. 31 Uffenbach scheint hier also weder den renovirten Grabstein ohne Bildniss, welchen Merian beschreibt, gesehen zu haben, noch denjenigen, welchen Dethlev Dreyer beschrieb, da Uffenbach den Korb mit Eulen schwerlich würde unbemerkt gelassen haben. Auch kann seine Beschreibung nicht wohl anders verstanden werden, als dass nicht die ganze Figur Eulenspiegels, sondern nur etwa bis an das Knie in den Stein gehauen war. Uni’s Jahr 1754 konnte der Confector Gesner zu Lübeck, wie er 1779 an Herrn von Murr 1 ) schrieb, und was andere glaubwürdige Männer für eine kürzer verllosscne Zeit bestätigten, keine Spur einer Inschrift entdecken. Auch diese Männer kannten keinen plattdeutschen Eulenspiegel. Seitdem der Grabstein von aller profanen Berührung entfernt war, wurde es üblich, dass jeder reisende Ilaudwcrks- bursche in den Stamm einer alten, jetzt abgestorbenen Linde 332 Abhandlung über den Ulenspiegel. auf dem Möllner Kirchhofe, unter welcher jener früher gestanden haben sollte, einen Nagel einschlug, so dass dieser Stamm ganz mit Eisen bedeckt gewesen sein soll. Der jetzige Grabstein steht aufgerichtet an der Thurmmauer, in dem Bogen, der die frühere westlich^ Thür bildete, und ist mit einem hölzernen Verschlage umgeben, welcher die unten stehende Inschrift verdeckt. Die Zeichnung der nur im Umriss gehauenen und bemalten Figur ist sehr roh und deutet in der Narrentracht und in den Schriftformen auf spätere Zeit, als die Jahreszahl angiebt. Da die ganze Figur auf dem Steine dargestellt ist, so ist der Grabstein ein anderer, als derjenige, den Uffenbach beschrieb, und nicht einmal als eine Copie des früheren Grabsteines zu betrachten, wenn gleich die Eule in der einen Hand der oben gedachten, der Hut mit Federn (kleinen Hahnenfedern) dem des Dethlev Dreyer entspricht, wenn wir nicht annehmen wollen, dass Dethlev Dreyers Beschreibung sich in der Angabe des Eulennestes ein wenig, die des Herrn v. Uffenbach aber in derjenigen der Figur wesentlich irrte. Beide gleichen sehr der Darstellung des Ulenspiegel in den Erfurter Ausgaben von 1532 flgd. Uffenbach erwähnt gleichfalls des bei der Rathsstube zu Mölln in einem kleinen Schranke anfbewahrten alten Panzers von Eisendrath, welcher ihm als Eulenspiegels Kleidung gezeigt sei. Jetzt werden noch sein Degen, Becher und Geldbeutel, alle einer späteren Zeit angehürig, gezeigt. Der Becher von Holz ist sehr lang und enge; er Iiess ihn sich verfertigen, wird dabei berichtet, weil die Mutter ihm den Bath ertheilt, die Nase nicht zu tief in das Glas zu stecken. Noch in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderls hat der Magistrat zu Mölln es zu den Vorzügen seiner Stadt vor den andern deutschen Städten gezählt, dass dieselbe Eulenspiegels Geburts-, richtiger letzter Wohn- und Sterbeort sei. 1 ) Doch ist die Celebritäl Ulenspiegels den Bewohnern Möllns längst zu einer Last geworden und lassen sie sich, wie schon Möllenhoff 2 ) bemerkt hat, ungern über den alten iîerrn aus. Dieses misstrauische 1. A. F. Büsch ings Selbslbiographie in (len Beilrügen zu der Lebens- Beschreibung merkwürdiger Personen. Bd. VI. 2. Siehe dessen Sagen, Mähr- clien und Lieder in Schleswig-Holstein u. Lauenburg. Sein Gral) zu Mölln. 333 Schweigen soll besonders durch die Neckereien der Nachbarn, namentlich der Ratzeburger veranlasst sein. Doch behaupten jene jetzt, nachdem ein Brückenbau zu Ratzeburg unter besonders drolligen Umstanden misrathen ist, dass Eulenspiegel nach dieser Stadt gezogen sei und man sich dort über ihn Nachricht zu erholen habe. Unter den Sagen über den Müllner Grabstein müssen wir auch eine neuere aufluhren, wenn wir sie gleich nur als ein Abhandlung über den Ulenspiegcl. van Luncn, genannt Ulenspcygcll, als Vorsprachen.') Wir finden hier also einen, wie es scheint, zu Soest ansässigen Zweig einer ursprünglich verniulhlich adlichen Familie, welche jenen Beinamen I'iihrte. 1 2 3 ) Doch schon 1337 und 1335 lehte zu Braunschweig eine Frau UlenspeygeF') und ist also jedenfalls der Familienname für diese Zeit beurkundet. Die alte Handschrift, welche die Braunschweiger Velmigerichls-Ordnung enthält, ist von den Zeitgenossen zugleich zu den Verzeichnissen der Bestraften und Verbannten benutzt, wobei deren Vergehen und auch der Name des Anklägers bemerkt sind. Hier liest man nun Folgendes: Anno M°CCC XXXV1F factum oft vemeding in fofsalo Sti Petri et novae civitatis feria fecunda " ' nicam Jubilate etc. Engelke Lenkener citatus pro mitra (marca?) quam non tulit mulieri Ulenfpeygel. Lenkener war also auf das Vehmgericht gefordert, weil er eine Haube oder wahrscheinlicher eine Mark der Frau Ulenspey- gel nicht gebracht hatte. Dass diese unseres Till Ehefrau war, lässt sich um so weniger behaupten, da einer solchen, wie es scheint, nicht gedacht wird, und auch die Erzählung von der von dem Pfaffen gemishrauchten Frau kaum von einer solchen zu verstellen ist und jedenfalls nicht zu den ursprünglichen Geschichten vom Ulenspiegel gehört. Doch konnte hier die Frau des Claus Ulenspiegel, des Till Mutter, Anna Wibekc gemeint sein, w’elchc dessen letzte Krankheit in Mölln noch erlebte. Diese Vermuthung setzt indessen voraus, dass des Till Eulenspiegel Mutter von dem an der Saale belegenen Dorfe, wohin sie mit ihrem alten Manne ausgewandert war, sich nach Braunschweig wenigstens gelegentlich begehen habe. Jedenfalls ist durch diese Nachweisung sein Name in seiner Heimath und zur Zeit seines Lebens, wde unser Volksbuch beides angiebt, urkundlich beglaubigt. 1. Hacberlin Analecta medii aevi pag. 430. 447. 450. 45S. 2. Dicd- ricli von Lünen erscheint als liatliniarin zu Soest 13S9. s. v. Steinen Versuch einer Weslphälischen Geschichte. Th. I. S. 240. Theodoricus de Liinen, ordinis praedicatorum domus Susacicnsis. 1483. s. Sei h er ts Landes- und Uechtsgeschichtc des Horzogthumes Westfalen. Th. III. S. 172. 3. S. oben S. 2S7. Johann von Luncn war Bischof von Lievland 1272 — 80. Der gesebicliüiclie Ulcnspiegel. 313 Derselben Frau wird noch im Jahre 1355 mit gleicher Glaubwürdigkeit gedacht. In dem alten braunschweigischen Deghe- dinghe (Vertrags)-Buch des Weichbildes der, Stadt wird zu dem gedachten Jahre angegeben: "dem rade is witlik, dat de Vlen- Ipeyghelfchc lieft enen verdingh gehles innc Hanfes hus Nygenwerder.” Die Frau Ulcnspiegel lebte also noch und wenn sie gleich in den Volksbüchern als eine arme Frau geschildert wird, so hesass sie dennoch ein Viertel Mark Zins in einem dortigen Hause. Sie gehörte jedoch den unteren Ständen an, sonst würde ihr die Bezeichnung von Frau erlheilt sein ; der Mangel des Vornamens scheint sie noch mehr herabzusetzen. Wäre sie nicht Wittwe gewesen, so wäre der Mann als Eigenthümer angegeben. In jener Stadt finden wir diesen Gescldechtsnamen noch 1547, wo in einer Soldaten-Musterrolle, betitelt: Der gerichte- den fenlein ander manet 1547 — der errichteten Fähnlein zweiter Monat — S. 77 unter dem Stallmeister Hans Krage von Husar (Iluxar) aufgeführt wird : Hans Vlenfpeigel, mit einer Rii- stung, welcher drei Gulden Sold empfing. Es kann daher zweifelhaft werden, oh jener Zuname der väterliche Name des Helden war, oder oh ihm zuerst ein solcher Beiname ertheilt, und derselbe dann auch auf andere Leute, wie etwa zu Soest auf verschmitzte Advocaten übertragen ist? Es scheint nicht, dass der Name etwas anderes bedeute, als wie er in dem Volkshuche selbst erläutert wird, wenn es erzählt, dass Ulenspiegels Gewohnheit gewesen sei, über die Thür eines Hauses, worin er einen Schalksslreich verübte, eine Eule und einen Spiegel mit der Ueberschrift: "Hic fuit”, zu malen. Die Bedeutung des Spiegels ist hier in der im Mittelalter gebräuchlichen j zu nehmen, in der eines Lehrbuches oder Vorbildes. Also in demselben Sinne, wie im Beicht-, Ehren-, Klag-, (des Sebastian Brant) Laien-, Sassen-, Schwaben-, Frauen- und Trost-Spiegel (der Gailer von Kaisersberg 1510) im Handspiegel des Pfefferkorn, im Augenspiegel des Reuchlin, im speculum morale historiale des Vincenlius Bellovacensis, im Miroir des Dames, im Mirror of love, of good manners, of magistrates, of mirth, of monstres und was alles die Spiegelmanie des Mittelalters an Wortbildungen geschaffen haben mag. Beinamen oder Geschlechts- 344 Abhandlung über den Ulenspiegel. namcn, welche mit Spiegel endigen, sind mir nicht bekannt. Spiegel, Speghel kommt zuweilen als Name, auch eines bekannten adligen Geschlechtes vor, und mag ursprünglich ein ehrenvolles Vorbild bezeichnet haben. Zu Anfänge eines Ortsnamen, wie Spiegelberg, dürfte man eine andere Bedeutung suchen. Ungewisser kann man sein über den Charakter, welcher durch die Eule ausgedrückt werden soll, als deren Vorbild unser Bauernsohn Till erscheint. Die Griechen scheinen sie vorzüglich des Auges wegen, das im Dunkeln sieht, geehrt und der Pallas Athene zur Begleiterin gegeben zu haben. In neuerer Zeit ist sie verspottet als der Vogel, welcher hei Tage nicht sehen kann. In der mittelalterlichen Thierfabel wird ihrer wenig gedacht. Görres erklärt den allegorischen Namen für richtig gewählt und bezeichnet die Eule als bösartig, katzenmässig, schadenfroh, fratzenhaft, glühäugig, diebskniffig. Alle hier angedeuteten moralischen Eigenschaften scheinen aber der Eule nie zugescbrieben zu sein ; unser Held Ulenspiegel wird als ein schöner und wunderlich angezogener Mann geschildert.. Wenn von einer geschichtlichen Untersuchung über den Ulenspiegel die Rede ist, so wird man seine Lebensumstände, wie das Volksbuch in ältester Gestalt sie berichtet, und seinen Aufenthalt in verschiedenen Städten und Dörfern nicht wie den Lebenslauf der deutschen Kaiser nachweisen wollen. Es kann nur darauf ankommen, zu ermitteln, ob die in dem ältesten deutschen Volksbuche erwähnten historischen und geographischen Andeutungen unter sich so wohl Zusammenhängen, dass sie zu einer Beglaubigung für das Dasein eines solchen im Jahr 1350 verstorbenen Schalksnarren, oder doch zu der Entstehung einer Sage über dessen Schwänke in einer bestimmten Gegend und zu einer zu ermittelnden Zeit führen können. Die geographischen Angaben sind so ausführlich, dass sie über das dem Ulenspiegel zugeschricbene Vaterland keinen Zweifel lassen. Die niedersächsische Ileimath des Ulenspiegel bewährt sich durchaus durch den Schauplatz, welcher seiner Jugend und seinen spätei’en Jahren untergelcgt wird; mit Ausnahme von Rom und Paris liegen alle in dem alten Volksbuche Der geschichtliche Ulenspiegel. 345 benannten Städte und Dörfer in Deutschland, und nur Nürnberg, Frankfurt und Marburg nicht in Sachsen. Alle kleinen Orte und Dörfer aber liegen unfern von Braunschweig, und diese sind cs, von denen auch in den meisten Ausgaben manche mehr oder minder undeutlich geworden sind. Wie wir in den Erläuterungen näher nachgewiesen haben, zeigen sich in unserem Texte statt so mancher bis zur Unkenntlichkeit entstellten Namen, wie der Wald Gelbe oder Seih, der Ort, wo die Bürger oder Bauern zu Gericht sassen, das Pfarrdorf Biesenburg, die Stadt Midcs- lieim, Strasfort, für den Wald Elm bei Kneitlingen, die alte Asseburg, das Archidiaconat Kissenbrügge, die Bischofsstadt Ilildes- heim, das nicht unbekannte Stasfurt. Bei so vielen gewonnenen neuen Standpunkten konnte man den kleineren Orten und Dörfern, welche im Volksbuche genannt werden, gleichfalls mit Sicherheit ihre Lage anweisen. Dem Leser dürfte daher die für unser Buch entworfene Karte über Ulenspiegels Fahrten von Interesse sein, und diese die Ansicht über die Entstehung und die geschichtliche Grundlage desselben wesentlich fördern. Durch diese geographischen Aufklärungen erkennen wir deutlich den vaterländischen Boden mit seinen Städten, Klöstern, Dörfern, Wäldern und Flüssen, und können wir auch einigermaassen eine Zeitpe- riode erkennen, zu deren näherer Begründung wir jetzt mit mehr Vertrauen die geschichtlichen Daten untersuchen. Nachdem wir manchen Historien eine ältere Quelle nachgewiesen haben, welche Murner, oder wer schon sein Vorgänger gewesen sein mag, mit vieler Gewandtheit auf den Ulenspiegel übertrug, so müssen alle diese für die historische Beurtheilung wegfallen. Es kann nicht länger darauf ankommen, dass die Universität zu Prag erst im Jahre 1348, Erfurt erst 1378 gestiftet, 1392 eingeweiht ist. Die fabelhaften Namen der Vorfahren des Landgrafen von Hessen können eben so wenig wie jene Universitäten in den aus dem Pfaffen Amis übertragenen Schwänken kritischen Anstoss erregen. Auffallend ist es allerdings, wenn von den vielleicht in dem Volksbuche angeführten päpstlichen und weltlichen Fürsten nur so sehr wenige — höchstens zwei oder drei — mit Namen genannt werden. Selbst der Landesherr des Helden, der Herzog von Braunschw'eig (Historie XXXVIII. 346 Abhandlung über den Ulenspiegel. LXXXV. LXXXVIII.) und der Herzog zu Lüneburg-Zell (Historie XXV. XXVI. LXXXV.) werden nicht namhaft gemacht, was dem Charakter der gleichzeitigen Erzählung, so wie der Sage, im Gegensatz der geschriebenen Chronik, nicht minder entspricht. Von den Namen jedoch, welche angegeben sind, ist keiner, welcher so wichtig erscheint, als der des Königs Kasimir von Polen, und zwar in einer widerlichen Geschichte, welche des ächten Kneitlinger Schmutzhelden würdig ist. Aber auch für die unbeuannten Kirchen- und Landesfürsten, welche in unserem Volkshuche Vorkommen, haben sich viele unerwartete Losungen dargeboten, welche das traditionelle Todesjahr als unsere wichtigste Zeitangabe unterstützen; wir brauchen hier nur in der Kürze zu erinnern an dasjenige, was wir oben über den im Volksbuche noch vorkonnnenden Titel der Grafen von Anhalt angeführt haben. Was über die Erzbischöfe Balduin von Trier und Burehard von Magdeburg, Grafen von Querfurt, über das Turnier der Lüneburgischen Fürsten zu Eimbeck nachgewiesen ist, führt zu übereinstimmenden chronologischen Daten, und jedenfalls zu viel genaueren historischen Nachweisungen, als wir sie bei Werken der Dichtung wahrzunehmen gewohnt sind. Bei all dieser geschichtlichen Basis gewinnt denn auch die Erwähnung des Taufpathen des Kneitlinger Bauernsohnes Till, des Burgherrn von Amplcve, auch wenn der Vorname bei ihm nicht nachgewiesen werden kann, eine nicht gering zu achtende Bedeutung. Bei den also über das Geschlecht des Ulenspiegel, die Hei- matli des Till und seine fürstlichen Zeitgenossen gewonnenen Standpunkten, werden uns die Aufklärungen, welche zu einzelnen Historien uns aus der Sittengeschichte und besonders den Stadtgesetzen der vorkommenden Orte haben dargeboten werden können, von doppeltem Werthe sein. Einige derselben scheinen so zutreffend, dass, wenn man nicht wirklich Erlebtes annehmen will, man voraussetzen dürfte, dass irgend ein wandernder Sänger die oben angedeuteten Städte bereist, und ihre Oertlichkeilen und Gesetze emsig erforscht habe, um sie possenhaften Erdichtungen unterzulegen. — Abfassung dés Buches. 347 §. 7. Von der Abfassung des Buches vom Ulen Spiegel. Nach der Vorrede der uns vorliegenden Ausgabe des Buches vom Ulenspiegel ist der Verfasser im Jahre 1500 von seinen Freunden ersucht worden, die bisher ungeschriebenen Geschichten vom Ulenspicgel zu sammeln und niederzuschreiben. Oh diese Niederzeichnung gleich geschehen ist, oder oh sie bis zum Jahre 1519, dem des Druckes, verschoben ist, wird nicht ausdrücklich bemerkt. Die in dem Buche verkommenden, auf die Zeit der Abfassung deutenden Notizen lassen sich sehr gut mit dem Jahre 1500 in Einklang bringen, namentlich die Erwähnung des Abtes Arnold l'faffenmeyer ') zu St. Aegidien in Braunschweig, so wie die des Geistlichen Heinrich llannnenstede zu Goslar. Die Angabe über die Zerstörung des Schlosses Ampleve durch die Magdeburger und ihre Genossen, welche vor etwa 50 Jahren geschehen sei, lässt sich freilich nicht mit dem Jahre 1500, noch weniger mit einem späteren vereinigen, da sie sich schon im Jahre 1425 ereignete. In den der ältesten folgenden Ausgaben ist die Erwähnung der Jahre gänzlich weggefallen, bis die eilfte der uns bekannten die zwei neuen Notizen giebt, dass dieses Buch aus dem Nieder- sächsischen übersetzt sei, und dass dieser Text aus dem Jahre 1483 stamme. Es ist nicht zu verkennen, dass diese beiden Nachrichten, so wunderlich es ist, ihnen in einer Ausgabe zu begegnen, in welcher sich sonst keine Spuren kritischer Bestrebungen vorfinden, da sie im Uebrigcn alle Mängel der zunächst vorangehenden Drucke hat, dennoch nicht ganz unwahr sein möchten. Das Jahr 1483 stimmt ziemlich zu der Angabe von der, wie Grüningers Druck sagt, vor fünfzig, oder wie derjenige des S. Kruffter hat, vor sechzig Jahren vollbrachten Zerstörung des 1. Es liätte oben S. 220 schon angedeutet werden können, dass hinter der Anführung dieses Namens PfaiTenmeyer oder Papenmeier ein Spott verborgen liegt, da die Papenmeierschcn aus dem Reinecke Fuchs als die verrufenen Pfaffenkellnerinnen bekannt waren. 348 Abhandlung über den Ulenspiegel. Schlosses Ampleve. Auch finden sich einige, wenn gleich nur sehr wenige Spuren in den Erzählungen, welche die ursprüngliche Grundlage des Ulenspiegel gebildet haben, um auf einen niedersächsischen Text hinzuweisen. Unter diesen ist die Grabschrift Ulenspiegels die wichtigste, wo unsere hochdeutschen Texte für das Zeitwort erheben eine Form "erhaben’ zu schaffen sich gezwungen sahen, um nur auf begraben zn reimen. Andere Spuren finden sich in der irrigen Benennung des Ortes Köhlingen, Hist. XVI., vielleicht auch in den verwischten Reimen der Hist. XLI. Von besonderem Interesse wird die älteste Ausgabe auch dadurch, dass sie, flüchtig wie sie gearbeitet ist, uns durch ihre Anordnung den Plan des ursprünglichen Herausgebers deutlicher überschauen lässt, als die späteren mit den willkürlich eingeschalteten Zusätzen. Es ergiebt sich bald, dass die Erzählungen weder nach einer Zeitfolge, noch nach den Orten der Begebenheiten aneinander gereiht sind, sondern nach gewissen Gattungen der Schwänke. Als die Ordnung unseres Buches ist die folgende zu erkennen. Nr. 1 — 9. Herkunft und Jugendstreiche des Till Ulenspiegel, wozu auch vielleicht Nr. 10 und 21 noch gerechnet werden können. Nr. 11 — 13. Tills Schwänke bei dem Pfarrer zu Budensteten. Nr. 14—17. Marktschreier- und Quacksalbernovellen. Nr. 18 — 20. Drei Brot und Bäcker betreffende Schwänke. Nr. 22 — 27. Sechs sehr verschiedenartige Geschichten, welche aber darin übereinstimmen, dass der Possenreisser in denselben weltlichen Fürsten gegenübersteht, welche er überlistet. • Nr. 28 und 29 verhöhnen die Weisheit der Universitäten, so wie Nr. 30 diejenigen anderer Klugen. Nr. 31—38 mit einigen Ausnahmen betreffen geistliche Herren. Nr. 39 — 62 erzählen sämmtlicli von gefoppten Handwerkern; auch Nr. 74, welche später gestellt, wie oben Nr. 18 bis 20, die Bäcker betreffend, voran gestellt waren. Abfassung des Buches. 349 Nr. 63 — 66 betreffen verwandte Gewerbe. Nr. 67— 73 enthalten verschiedenartige Schwänke, deren Quellen meistens nachweisbar sind. Nr. 75 — 86 beziehen sich sämmtlich auf Wirthe und Be- wirthung, wohin also auch Nr. 33 richtiger gehört hätte. Nr. 87 — 89 folgen drei anderweitige Historien. Nr. 90—96 erzählen von der Krankheit, dem Testament, Tod und Grab des Ulenspiegel. Diese Uebersicht wird lehrreich, wenn wir sie zu den bisher nachgewiesenen Quellen halten. Es zeigt sich nämlich, dass diese sich gefunden haben oder doch zu ermitteln sind für die meisten Erzählungen, welche nicht Tills Jugend und letzten Tage, so wie alle mit den Handwerkern verübten Schwänke betreffen, also Nr. 39 — 62, nebst den vorher eingereihten Nr. 18 — 20. Diese bilden ersichtlich die eigentliche Tills-Legende, den Kern, an welchen andere Sagen angereiht sind. Sie spielen alle in Niedersachsen, meistens in den nach damaligem Sprachgebrauch so benannten Wendischen Städten. Wenn man nun diese Handwerker-Erzählungen zusammen betrachtet, so wird es zunächst auffallen, wie Ulenspiegel, so vielerlei ein verschmitzter Vagabund auch nacheinander versuchen kann, es vermochte, bei so vielen Handwerkern hinter einander sich eine Anstellung zu verschaffen, da bekanntlich nach heutigen Ansichten der Handwerker, welcher einmal für ein Gewerbe sich bestimmt hat, dasselbe nicht leicht verlassen kann, weil die Aufnahme der wandernden Gesellen bei einem Meister nicht ohne bündige Legitimation geschehen darf. Wie konnte denn Ulenspiegel alle Jahre oder Monate ein neues Handwerk betreiben? Oder wie konnte der Dichter ihn so dar- zustcllen versuchen, wie etwa der angelsächsische Scalde den Wanderer von einem zu dem anderen, durch Raum und Zeit oft weit getrennten Volksstamme ziehen lässt? Jener hieraul gestützte Einwand verliert aber an Gewicht und führt vielmehr zu einiger Begründung der Wahrscheinlichkeiten , wenn wir annehmen dürfen, dass die betreffenden Ordnungen und Gesetze der Handwerker erst der Entwickelung des Städtewesens ihre Entstehung verdanken, und in der später lange erhaltenen strengen Form erst im vierzehnten Jahrhunderte 350 Abhandlung über den Ulenspiegel. sich gestaltet haben. Erst zu Ende desselben sind die uns bekannten Rollen der Handwerker-Aemter und Innungen entstanden, nachdem etwa zwei Jahrhunderte früher die ersten Spuren des Zunftwesens in den Städten sich nachweisen lassen. ') Die der sämmtliehen Aemter zu Hamburg wurden erst 1376 von dem Rathe gesammelt und zusammengetragen, unmittelbar nach der Beschwichtigung eines Aufstandes einiger unruhigen Gewerke, liier so wie in anderen niedersächsischen Städten kennen wir nur einzelne Satzungen der Handwerker.-) Jene ausführlicheren Settinge, wie sie hiessen, oder Statuten waren das Resultat der von dem aufblühenden in seiner Wohlhabenheit iihermüthigen Handwerkerstände erregten Unruhen. Der wolilhäbigen, üppigen, trotzigen Meister führt uns unser Volksbuch nicht wenige vor. Solche Männer waren es, welche schon 1340 die Händel zwischen dem Rathe und der Bürgerschaft zu Helmstädt erregten, wo die Handwerker, von den Tuchbercitern angeführt, mit den Kaulleuten in Fehde, den Rath absetzten, und einen neuen aus ihrer Mitte einsetzten, der so lange herrschte, bis Herzog Magnus der Fromme den Aufruhr mit gewaffneter Hand unterdrückte. In Hamburg, Lübeck und anderen norddeutschen Städten wurden einige Jahrzehnte später ähnliche Unruhen leichter bewältigt, und die Theilnahme der Handwerker an der Regierung ward auf Abordnung einiger ihrer Meister zu der stimmfähigen Bürgerschaft beschränkt; 3 ) jedoch musste Braunschweig deshalb einige Jahre aus der Hanse geslossen werden. Auch in Bremen wiederholten sich diese Kämpfe in bedenklicher Weise, welche in einigen norddeutschen Städten, wie 1345 zu Stendal, ' 1 * ) und häufiger noch in manchen süddeutschen Städten zu einer langjährigen Theilnahme der Handwerker am Stadtregimente führten, wie sie in der Rathsverfassung zu Frankfurt am Main noch bis heute zu erkennen ist. Erst nachdem die Rollen der Meister geordnet waren, konnte auch für die bessere Zucht der Gesellen 1. S. J. A. Ortloff Recht der Handwerker. §. 11. S. 43. 2. Siche manche derselben nachgewiesen in Kosegarten, Rommcrschc und lliigen- sclie Geschichtsdenkmale. Th. I. S. 128 flgd. 3. Vcrgl. meine Schrift über die Biirgerschaflliche Verfassung Hamburgs. S. 17 llgd. 4. Lud ewig Reliq. Ms. Tom. VH. p. 145. Abfassung des Huches. 351 gesorgt werden, was die Hansestädte sich sehr angelegen sein liessen. Einen Beweis davon finden wir in den Beschlüssen jener Städte vom Jahre 1321'), welche besonders sich auf die unordentlichen und verlaufenen Knechte, wie man damals die Gesellen und Burschen nannte, beziehen. Wie wenig die Verhältnisse der Lehrlinge zu den Meistern im nächstvorhergehenden dreizehnten Jahrhunderte geordnet waren, ersehen wir unter Anderem aus einem Lehrcontracte, welchen im Jahr 1273 zu Wismar ein Lehrling mit einem Schustermeister auf zwei Jahre abschloss. 1 2 J Selbst die Morgensprachen der Aemler (maneloquia 3 ) wurden in dieser Stadt erst 1345 angeordnet und dürfen wir daher annehmen, dass sie in den andern Städten nicht viel älter waren. Herbergen der Aemter, wie ihrer oben in der Hist. XIX. gedacht wird, finden sich zu Lübeck für die Böttcher schon im Jahr 1289: "domus, in qua morantur dolifices.” Für die Schuster ist ein ähnliches Gebäude in Hamburg 1262 nachzuweisen, welches den Namen der Hülle führte. 4 ) Bemerken wir hier auch noch, dass Tagefahrten besonderer Gewerke auch in den rheinischen Städten gehalten wurden, wie 1352 zu Worms eine von den Bäckern der umliegenden Städte gehalten ist. 5 ) In den nordischen Städten wurden diese Zusammenkünfte noch bis in’s vorige Jahrhundert fortgesetzt. 6 ) Durch die Folgerungen, welche aus diesen Thatsaohen sich ergeben, werden wir, wenn wir dem Treiben des Ulenspiegel eine historische Grundlage anweisen, dazu geführt werden, diese in den Anfang des vierzehnten Jahrhunderts zu legen, welches eine Zeit der fahrenden Handwerker, wie der fahrenden Sänger 1. Urkundliche Geschichte der deutschen Hanse. Nr. 129. Vergl. Kosegarten a. a. O. S. 135. 2. B u rm e i s 1er Alterthiimerdes Wismarschen Stadtrechts. S. 30. 3. Siehe Burmeister a. a. 0. S. 19. Vergl. auch Ort- loff a. a. 0. S. 53 flgd. 4. Siehe Zeitschrift für Hamburgische Geschichte, lid. I. S. 357. Auch zu Lübeck war ein infernus, s. Melle’s Lübeck. S. 24. Zu Pölde befand ebenfalls sich curia domus quae dicitur infernus. Siehe Fritsch Geschichte von Quedlinburg. S. 226. 5. Böhmer Urkundenbuch der Stadt Frankfurt. S. 625 flgd. 6. Beispiele derer der Bäcker von 1570 bis 1745 siehe bei Burmci s t er a. a. 0. S. 82 — 84. 352 Abhandlung über den Ulenspicgel. und Scholastiker gewesen ist, dieselbe Zeit, in welche sein bekanntes Todesjahr fällt, und andere Anzeichen von ihm Vorkommen. Fehlten auch diese Angaben und Andeutungen uns gänzlich, so dürften wir doch nicht bezweifeln, dass die Entstehung jener Ilandwerkergcschichten in keine spätere Zeit fällt, so wie auch, dass sie keiner wesentlich früheren angehören kann. §. 8. Von den Quellen der Erweiterungen des Buches. So deutlich wir aus dem Vorliegenden erkennen dürften, welche Gattungen von Erzählungen dem ursprünglichen Buche vom Ulenspiegel angehören, so lässt sich dadurch freilich noch nicht auf die Entstehung jeder einzelnen Erzählung folgern. Jedoch ist es ziemlich wahrscheinlich, dass seihst die Vorrede des angeblichen Laien schon theilweise der ältesten Redaction angehört, und wäre es seihst möglich, dass die nur in den drei Ausgaben von Strassburg 1516, Cöln und Augsburg 1539 und 1540 erwähnte Zulegung etlicher Fabulen vom Pfaffen Amis und vom Pfaffen von Kalenberg, bereits vom Dr. Murner vorgefunden sei, welcher sodann diese Erzählungen ihrem wahren Geiste ziemlich getreu, dem Gegenstände nach aber sehr willkürlich, der Anzahl nach verdoppelte. Es kann nicht in Abrede gestellt werden, dass die meisten dieser hinzugefügten Geschichten ihrem inneren Gehalte nach die besseren sind. Die Quellen derselben in den Erläuterungen jedesmal nachzuweisen, haben wir uns daher um so sorgfältiger bemüht, jedoch nur kurz, um hier einige allgemeinere Bemerkungen folgen zu lassen. Hierzu wird noch die Erwähnung einiger Schriften gehören, welche wir zwar nicht als Quellen betrachten können, die aber auf beiden gemeinschaftlich hinweisen. Spätere Nachbildungen zu berücksichtigen , schien jedoch nur in einzelnen Fällen erheblich. Es möchte hier der Ort zu bemerken sein, dass Vilmar 1 ) in einem im Allgemeinen anzuerkennenden Artikel über den 1. S. dessen Geschichte der deutschen Nationalliteratur 2. Auflage 1847 S. 377 flgd., und S. 697. lieber die Quellen der Erweiterungen des Buches. 353 Eulenspiegel unter dessen Quellen den Nithart ohne Grund nufführl, und ausser anderen kleinen Irrthilmern den Namen Eulenspiegel dem Till abspricht, weil derselbe auf einer angeblich im 16. Jahrhunderte ständigen Redensart 1 ) beruhe: “Der Mensch erkenne seine Fehler eben 'so wenig, wie ein Alle oder eine Eule, die in den Spiegel sehen, ihre eigene Hässlichkeit erkennen”. Der Spruch findet jedoch in der Geschichte unseres Ulenspiegel gar keine Anwendung. Am wenigsten kann aber dieser, wie es von Vilmar geschieht, mit einem im 16. Jahrhunderte im südlichen Deutschland vorkommenden Bochart identificirt werden. Sebastian Frank (Giildin Arch 1538 fol., Bl. 267"), welcher als Beleg angeführt wird, sagt nur, dass der Christ im Unglücke des Glückes gedenke: “weyl nun ein Christ auflf das zukünftig sihet, dass noch nit vor äugen erscheint, und in der hoffnung lebt, fo trawret er gewifs, wie Bochart, jlicner narr, wann es schon ist oh dem zukünftigen vbel, das gewifz nit aufz bleibt, wie nach dem fommer der winter, nach fchonem weiter der regen etc.” Es ist hier also ersichtlich nur von dem verständigen Christen die Rede und liegt also in dem Vergleich mit Bochart kein Tadel, der jedenfalls als W'eiser Narr, aber nicht, wie Ulenspiegel, als ein listiger und tückischer Gesell erscheint. 1. Vom Pfaffen Amis. Der Pfaffe Amis, welchen unsere Vorrede meint, ist ohne Zweifel das dem Strickaere zugeschriebene gereimte Gedicht, dessen Alter durch eine l’ergamenlhaudsehrift, welche der Zeit zwischen dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderte angehört, beglaubigt wird. Die Erzählungen scheinen jedoch älteren und fremden Ursprungs. Der Pfaffe Amis selbst wird für einen Engländer ausgegeben, womit sein normannischer Name übereinstimmt 2 ). Es heisst dort Vers 44—47: 1. Ich finde sie in Seb. Franclien Sprichwörter elc. Frankfurt a. M. 1541 Blatt 122. 2. S. den Abdruck in G. F. Benecke Beiträgen S. 501. Yergl. Gervinus Geschichte der deutschen Dichtung. Th. II. S. 299. und besonders J. M. K cm bl e ’ s Salomon and Saturnus, London 1S4S. S. 302 — 322. 23 354 Abhandlung über den Ulenspiegel. Er het liùs in Engellant in einer slat ze Trànis, unt liiez der pla iïe Amis. Ein Ort Trànis ist unbekannt; drei Handschriften lesen Tr am eis und Améis. Sollte nicht zu lesen sein zer Tamis? Zur Themse (sur la Tamise, supra Tamisim im mittelalterlichen Latein) konnte der Ucbersetzer um so eher sagen, da auch wir Deutschen Graf zu Rhein, Cöln zu Rhein sagen. Es sind die Erzählungen 17, 27, 28, 29 und 31 aus den mehr als 900 ersten Versen des Pfaffen Amis auf den Ulenspiegel übertragen, und zwar mit grosser Gewandtheit und wesentlich ahgekürzl, ohne den Kern jener Geschichten irgend zu beeinträchtigen. Oh hier schon ein prosaisches, für uns verloren gegangenes Volksbuch das Gedicht des Slrickaere mit dem Ulenspiegcl vermittelte, müssen wir dahingestellt sein lassen, doch scheint uns kein Grund für solche Annahme vorzuliegen. II. Vom Pfaffen vom Kalenberg. Von den bekannten Schwänken des Pfaffen vom Kalenberg') finden sich nur zwei auf den Ulenspiegel übertragen. Das historische Dasein des Pfaffen vom Kalenberg fühle ich mich hier nicht berufen, weder gänzlich in Abrede zu stellen, noch auch beweisen zu wollen. Gewiss aber ist das Buch seiner Schwänke älter, als die Sammlung derer vom Ulenspiegel. Jenes Buch, welches Fugger (EhrenSpiegel des Hauses Oesterreich) 1555 schon nicht mehr finden konnte, ist vielleicht die einzige Quelle über den Namen des Pfaffen vom Kalenberg, Weigand von Theben, falls derselbe nicht noch andere, uns unbekannte Nachrichten hatte. Dass sein Fürst, Herzog Otto der Fröhliche, zu Wien im Jahre 1350 gestorben, wie das Buch vom Pfaffen vom Kalenberg erzählt, ist irrig, da jener im Jahre 1339 Fehr. 17 im Kloster Neuburg in Steyermark starb, und deutet also auf eine nicht sehr bald nach dessen Tode veranstaltete Compilation. Es fehlt uns jedoch eine schriftliche oder gedruckte Sammlung, so wie überall die Nachweisung einer Er- 1. Vcrgl. über ihn von der Hagen’s Narrenbnch. Heber die Quellen der Erweiterungen des Buches. 355 wähnung desselben vor dem Jahre 1494. Bisher war die älteste, von unseren Literarhistorikern bemerkte, mit einer Zeitangabe versehene Notiz über denselben in Agricola’s Vorrede zu den Sprichwörtern vom Jahre 1528. Auch war nicht gehörig lier- vorgehohen, dass die Facetiae des Heinrich Bebel, welcher in dem zweiten Buche des Pfaffen vom Kalenberge erwähnt, “de cuius facetiis urbaneque dictis integri libelli perferipti funt“, mit einer Vorrede vom Jahre 1506 versehen, und 1508 gedruckt sind. Auffallender ist, dass die Erwähnung des Pfaffen vom Kalenberg in dem von Sebastian Brant im Jahr 1494 herausgegebenen Narrenschiffe 1 * * * V. ) bisher allgemein übersehen scheint. Für uns noch interessanter ist die Wahrnehmung, dass Murner selbst des Pfaffen vom Kalenberg gedenkt, und von ihm eine Geschichte erzählt, nämlich in der Narrenbeschwerung, Caput 37, so wie er seiner auch gedenkt im Caput 18 am Schlüsse. Es könnte also die gereimte Erzählung seiner Schwänke, welche Villip Frankfurter zu Wien verfasste, schon vor dem Jahre 1494 gedruckt, und dieser Druck, von welchem die Hamburger Stadtbibliothek das einzige bekannte Exemplar besitzt 2 ), eines der von Bebel erwähnten Bücher, und selbst dasjenige gewesen sein, welches schon Fugger vergeblich suchte. Der Name Weigand von Theben kommt jedoch auch hier nicht vor. Eine für die älteste irrig angegebene Ausgabe, welche 1550 zu Frankfurt am Main in 8. gedruckt ist, hat Wackernagel neuerlich benutzt. 3 ) Bebel scheint übrigens von sinnreichen Beden und Wortspielen des Kalenbergcr’s zu sprechen, während seine uns bekannten Schwänke nur allenfalls thatsächliche Wortspiele genannt werden dürften. Eine Sammlung aber solcher Wortspiele, 1. In A. W. Strobcl’s Ausgabe S. 205. 2. Diese werthvolle Ausgabe, welche uns auch die Lücke des Textes in von der Hagen’s Ausgabe des Narrenbuchs vom .1. 1620 ergänzt, ist von mir beschrieben in den Wiener Jahrbüchern der Literatur. 1828. Bd. 42, Anzeigeblatt S. 17 flgd. Von spateren Ausgaben V. J. 15S2 flgd. s. von der Hagen Narrenbuch S. 526 flgd. 3. S. dessen Altdeutsches Lesebuch. 2. Ausgabe. Th. I. S. 945. Vergl. auch Gervinus a. a. O. Th. IL S. 291. 23 * 356 Abhandlung über den Ulenspiegel. deren Andenken in der französischen Benennung des Calembourg sein Gedäclitniss für ewig erhalten wird, ist vermuthlich für uns verloren gegangen. S. o. S. 306. Der Pfaff vom Kalenberg ist in einer französischen Ueber- tragung uns nicht bekannt. Von einer niederländischen hat Büschin g ') ein zu Ulm vorhandenes Fragment nachgewiesen. Eine englische ist gedruckt unter dem Titel: “the parlón of Ka- lenbarow”, von welcher jedoch nur noch ein Fragment in der bekannten Sammlung des englischen Alterthumsforschers Douce vorhanden war. 2 ) Ohne. Zweifel sind in Deutschland manche Drucke des Pfaffen vom Kalenberg vor dem ersten uns bekannten, mit einem Datum versehenen vorhanden gewesen, wie aus den häufigen Erwähnungen jenes geistlichen Eulenspiegels zu scldicssen ist, und zugleich aus der im Jahre 1560 zu Nürnberg gedruckten Nachahmung desselben: “Tliftory Peter Lewen, des andern Kalcn- bergers. Was er für feltzame abenthewr fürgehabt vnd begangen, in Reimen verfasst durch Achilles Jason Widman von Hall, gedruckt zu Frankfurt a. M. von Weigand Han, wohnhaft in Frankfurt a. M., in der Schnurgasse zmn Krug. 3 " Nach den Bemerkungen über den Eulenspiegel desselben Druckers (s. oben S. 183) 1557 — 63 dürfte jener Druck des Peter Lewin der ältere und also in die Jahre 1557 — 59 zu setzen sein. Auch in der Vorrede zu Fischarts Eulenspiegel findet sich ein anerkennendes Zeugniss für den Pfaffen vom Kalenberg: Wir wölln von eines Narren wegen Das Spiel darum!) nicht niderlcgen. Es ist on vrsach nicht geschehen, Dann wir haben hievor gesehen, Wie dass den Leuten solches Spiel Sehr auss der massen wml gefiel, Als nemlich das schon Buch vnd Werck Von dem Pfaffen vom Kalenberg Vnd andere, die ich hie nicht nenn, Dann ich die Narren nicht all kenn, 1. Briefe in die Heimath. Th. ]. S. 131. 5. Foreign Quarterly Review Nr. 40. lieber die Quellen der Erweiterungen des Buches. 357 Die nechst in Reimen seind verfast, Ist keiner, der solch Bücher hasst, Er sev dann viel ein grosser Geck, Dann der so in den Büchern steckt. Die neueste Bearbeitung des Pfaffen vom Kalenberg, welchem jedoch ein Abdruck des Textes nach den ältesten Ausgaben zu wünschen bleibt, erschien unter dem Titel : "Der geistliche Eulenspiegel oder der Pfarrer vom Kalenberg nebst Schwänken einiger anderen lustigen Gesellen.” Leipzig. 1818. III. Vom G on ella. Einige der dem Dlenspiegel von Murner zugeschriebenen Schwänke lassen sich auf Gonella, den Hofnarren des Markgrafen Nicolaus von Este (f 1441) und seines Sohnes Dorso, Herzoges von Ferrara, (f 1471) zurückführen, und zwar sind ihrer so mannigfaltige, dass wenn nicht ein besonders gedruckter oder handschriftlicher Bericht über Gonella dem Murner vorlag, er auf die zerstreuet gefundenen Nachrichten über diesen Collegen Ulenspiegels besonders aufmerksam gewesen sein muss. Eine grossere Sammlung seiner Schwänke scheint durchaus unbekannt. Eine grosse Seltenheit sind die Faceeie del Gonella compofte per maeftro Fran- cefco dicto maeftro Raynoldo da Mantua. Bologna per Juftiniano da Rubiera 1506. ein balber Bogen in 4. mit zwei Holzschnitten, anf welchen in 29 achtzeiligen Stanzen verschiedene Schwänke des Gonella berichtet werden. Wir haben wegen der geistigen Verbindung mit dem Ulenspiegel, und wegen der grossen Seltenheit des Druckes, welcher nirgends angeführt zu sein scheint, denselben in der Anlage unseres Buches mitgetheilt. Neuere Bearbeitungen dieser versificirten Erzählungen scheinen die in dem Katalog der Bibliothek von Libri, Paris 1847 Nr. 1530 und 1531 angeführten Drucke zu sein: Le bulfonerie del Gonella (in ottave rime), cosa piacevole, e da ridere, di nuovo aggiuntovi una bella burla, che egli fece alla duchessa di Ferrara. Firenze (Senz’ anno), in 4 de 4 If. à 2 colon. Le buffonerie del Gonella. Firenze, all’ insegna della testug- gine, 1615 in 4. de 4 ff. à 2 colon. Libri setzt den ersten dieser Drucke in die erste Hälfte des sechszehnten 358 Abhandlung über den Ulenspiege!. Jahrhunderts. Unter diesen Schwänken ist auch die Erzählung von den drei Blinden, deren jedoch schon oben in der erweiterten Erzählung des Trouvere Courteis de Barbe, welche dem Murner unmittelbar vorlag, gedacht ist. Einige seiner Buffonc- rien linden sich in den Sammlungen: Scelta di Facecic, Buf- l'onerie, Molti e Burle del Piovano Arlotto, del Gonclla etc., welche unter etwas abweichendem Titel in Italien nicht selten gedruckt sind, und von denen uns ein neuerer Druck zu Lucca o. J. vorliegt. Doch finden sich manche andere Erzählungen von ihm hei Poggio und in anderen Sammlungen. Von jenen ist schon die von den Prophetenheeren aufgeführt. Vom Gonelia wird gleichfalls erzählt, dass der Herzog ihn aus dem Gebiete von Ferrara auf ewig verbannte, er aber auf einem Korbwagen, mit Erde von Padua gefüllt, auf den Marktplatz von Ferrara gefahren sei. ’) Wir erkennen hier unseren Ulenspiegel in der Geschichte Nr. 26. Vom Gonclla finden sich auch Schwänke hei Poggio, so wie hei Morlini. 2 ) Bei Sacchetli beziehen sich auf Go- nella die Novellen Nr. 27, 173, 174, 211, 212, 220. In die deutsche Literatur ist Gonella neuerlich sehr gut eingeführt in dem 1S51 zu Leipzig erschienenen historischen Romane aus Padua’s Vorzeit: Carrara. Gewöhnlich sind die Historien vom Gonclla denen des Pfarrers Arlotto Maynardi angehängt, eines Geistlichen zu Florenz, geh. 1385, + 1483, dessen historisches Dasein Domenico Manni aus gleichzeitigen Urkunden und anderen Zeugnissen nachgewiesen hat. 3 ) Vergl. über ihn v. d. Hagen’s Briefe in die Heimath, und Jagemann in F. L. Hoffmann’s historischen Miscellen. 1819. S. 156—166. Sehr viele datirte Ausgaben seit 1520, so wie eine ältere ohne Jahreszahl findet man verzeichnet im Brunei Manuel du t. Flügels Hofnarren S. 314. Wenn aber dori S. 311 eine andere Erzählung vom Gonella aus Sacclietti’s Novelle 174 angeführt wird, so muss bemerkt werden, dass Sncchetti scchszig Jahre vor Gonella starb (1410), und jene Novelle also zu den später seiner Sammlung eingeschalteten gehört haben muss. 2. Morlini’s Novelle handelt Nr. 50 de ioculatore Gonella, qui voluit Neapolitanos periclitari; und ist auch wohl genannt in Nr. 65: De lanello caupone, qui Neapolitanos decepit. 3. Vita di Arlotto Malnardl, di Domenico Maria Manni. Carpi, 1762. in 8. und dessen veglie piacevoli ovvero notizie de piu hizarri c giocondi uomini toscani. 1702— 1763. Ueber die Quellen der Erweiterungen des Buches. 359 libraire. Es fehlt dort eine zu Vcncgia bei Fr. Bindoni et Maph. Pasini 1548 in 8. erschienene. S. Libri a. a. O. Nr. 2357. IV. Poggio. Manche der dem Ulenspiegel zugeschriebenen Schwänke stammen, wie schon angedeutet, aus Italien, wo heitere Laune und Witz nicht nur einen besonders günstigen Boden fanden, sondern auch früh in die Literatur übergingen. In dem Lande, wo die Novellen des Boccaz grossentheils erlebt, durch Dichter verschönert und in gefälligster Form erzählt wurden, sammelte sich bald viel ähnlicher Stoff von Schwänken und Possen aller Art. Die Faceticn des apostolischen Secretarios, des Florentiners Poggio Bracciolini, sind auf der Kanzlei des Papstes Martin V. entstanden, oder von seinen Freunden zusammengetragen und von ihm in elegantem Latein niedergeschrieben. Dieses Buch fand schon vor Poggio’s im Jahre 1459 erfolgtem Tode vielfältige Verbreitung in Italien nicht nur, sondern auch in Frankreich, England und Deutschland. Schon vor dem Jahre 1470 zu Born und seitdem häutig zu Nürnberg, auch 1488 zu Basel gedruckt, ist es in Deutschland sehr bekannt geworden. Von den Erzählungen im Ulenspiegel ist auf Poggio höchstwahrscheinlich zurückzuführen die von Murner so trefflich erzählte Nr. 35, von den Prophetenheeren, welchen Schwank jener dem so eben erwähnten Gonelia unterlegt: Altera facetia eiusdem (Go- nellae) de vno qui divinare volebat. Ganz unbezweifelt ist aus ihm die Historie Nr. 61 entlehnt. Vergl. oben S. 262. Die Erzählung, wie Ulenspiegel fliegen wollte, könnten wir auf Poggio zurückführen, wenn der Verfasser selbst nicht vorher seiner Einschaltungen aus dem Pfaffen vom Kalenberg gedacht hätte. Die Erzählung, wie ein Esel buchslabiren lernen soll, ist kurz hei Poggio: Hominis facetum dictum asinum erudire promittentis •— doch hat Murner sie ausführlicher gefunden und benutzt im Pfaffen Amis. Beides ist auch der Fall mit der Historie 17. Vergl. S. 238, und zeigt uns dadurch wiederholt, wie dieselben Schwänke stets auf andere Personen übertragen wurden, wenn man nicht annehmen will, dass ein so practischer Spass, wie dieser, in der Wirklichkeit zuweilen wiederholt worden ist. Von 360 Abhandlung Uber den Ulenspiegel. den Erzählungen, welche sich erst in der zweiten uns bekannten Ausgabe unseres Volksbuches linden, und für welche Pauli’s Schimpf! - und Ernst die unmittelbare Quelle gewesen sein dürfte, sind gleichfalls mehrere zuerst im Poggio nachzuweisen: Ilist. 90, wie Ulenspiegel dem Pferdehändler den halben Kaufpreis con- tractmässig schuldig bleibt, welche jedoch, wie oben bemerkt, aus den älteren Cento Novelle antiche entlehnt sein kann; Ilist. 97, von dem Pfarrer, welcher Ulenspiegel mit einer Beschuldigung gegen seine angebliche Frau verhöhnt. V. Cento Novelle a n t i c h e. Diese alte Sammlung italienischer Novellen, gewöhnlich El Novellino genannt, stammt aus dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts, doch ist kein dalirter Druck älter als 1525, durch Girolamo Benedetti zu Bologna, bekannt. Dieser, als der vorzüglichste, ist zu Mailand 1825 wiederholt. Vergl. das. die Vorrede u. F. Liebrecht, Uebersetzung von J. Dunlop’s Geschichte der Prosadichtungen. Aus ihnen ist die Novelle Nr. 9 zur Historie 80 und die Novelle Nr. 10 zu der Historie 90 der Erfurter Ausgabe schon bemerkt. Bei beiden ist es jedoch nicht sehr wahrscheinlich, dass die italienischen Novellen dem deutschen Verfasser unmittelbar Vorlagen, wenn gleich nicht unmöglich. Denn das unter dem Namen "Centinovella” gedruckte Werk ist, wie §. 2, 1 bemerkt, der Decamerone des Boccaz. Ein neuerer Druck findet sich hinter Pauli’s Schi mp ff und Ernst . . . "Hiezu seint kommen die hundert neueren Historien, sonst Cento Novelle genannt u. s. w.” VI. Morlini. Aus den Novellen des Morlini haben wir die Uebereinstim- mung mit Ulenspiegels Hist. 2 bemerkt. Dieses sehr seltne, zu Neapel 1520 gedruckte Buch ist zu Paris 1799 in wenigen Exemplaren wieder abgedruckt, doch haben wir weder den alten noch den neuen Druck zu Gesiebt bekommen. Unsere Kenntniss davon beschränkt sich auf dasjenige, was Herr F. Liebrecht (S. oben S. 228) aus dem Exemplare des Herrn Dr. Spieker in Berlin mitgetheilt hat. Ueber dic Quellen der Erweiterungen des Buches. 361 Aechte Eulenspiegelstreiche, wenn sie gleich nicht vom Till erzählt werden, von einem Diener, welcher die Befehle seines Herrn zu wörtlich befolgte, enthält Morlini’s Novelle 73: "De famulo qui cum domino fecit capitula”, wie deren Vergleichung mit Slraparola: "Piacevoli nolti”, 13, 7 ergieht. VII. IT. Bebel. Unter den Sammlungen der Schwänke des Mittelalters sind die des Heinrich Bebel aus Justingen in Schwaben, seit 1497 Professor zu Tübingen (f 1514), sehr verbreitet gewesen. Die erste Ausgabe seiner Opuscula nova, welche seine Facetiae enthalten, ist im Jahre 1508 zu Strassburg hei demselben Johannes Grüninger, welcher eilf Jahre später den Ulenspiegel druckte, erschienen.') Dass Murner dieses Buch kannte, ist nicht zu bezweifeln, und daher wohl anzunehmen, dass es in einigen Fällen als dessen unmittelbare Quelle zu betrachten ist. Die schon oben bei Gonella erwähnte Erzählung von den Prophetenheeren hat auch Bebel ähnlich wie Poggio, doch steht ihm in Angabe des Orts und anderer Umstände Murner viel näher. S. oben S. 250. Mehrere Erzählungen Bebels finden sich in den späteren Ausgaben Hist. S9 und Hist. 98 des Ulenspiegels. Doch als Quelle ist er uns besonders erschienen für Ulenspiegels Hist. 69 und Hist. 81, was deshalb zuerst uns überraschte, weil beide Geschichten zu den eigenthümlich widerlichen Streichen des Kueit- linger Bauernsohnes gebürten. Die erste der obengedachten Geschichten, welche Bebel "Egregium Facinus” betitelt, und die von der unsauberen Behandlung einer Badestube zu Freiburg handelt, ist von Murner in seiner 69. Historie nach Hannover verlegt, und nicht nur nach seiner Weise sehr erweitert, sondern auch wesentlich verändert, da der tückische Bauernsohn nicht einmal über die Vernachlässigung zu klagen hatte, über welche der Unfläthige zu Freiburg sich beschweren 1. Margante facetiarum. Argent. 1509. 4. ibid. 1514. 4. Vergi. Brunet 1. 1. u. V. d. Hagen Narrcnbucli S. 433. Von dem Wcrthe dieses Buches für die Characteristik des damaligen Deutschlands s. K. Hagen Deutschlands literarische und religiöse Verhältnisse im Reformations -Zeitalter. Th. I. S 381 bis 408. ! 362 Abhandlung über den Ulenspiegel. durfte. Desto bestimmter tritt uns Bebels Text als Quelle der 81. Historie entgegen. Jener ist dort überschnellen : "De eodem” (fc. (facerdote), und bandelt gleich den danebenstehenden Geschichten von einem gleichzeitigen, übelberufenen Geistlichen Fiissli (Fusilinus) Vergi. S. 278. Der Wirth entschuldigt den Unflath bei seinem Hause damit: "quia eras esset emigraturus”, und der Gast Ulenspiegel, welcher den Schmutz zu vermehren sich nicht bedenkt: “quia hodie abibo.” Murners Text hat an jener Stelle die Worte: "ich Iieifz morn hinweg”; an dieser: "ich hies tcglich hinweg.” An beiden Stellen erkennen wir mit Hülfe des lateinischen Textes sogleich den wiederholten Druckfelder für: “ich reise”. Die späteren Ausgaben haben den Druckfehler nicht erkannt und auf eine auf den Gast nicht passende Weise zu verbessern gesucht durch: "ich kehrs heute (morgen) hinweg.” VIII. Mai tre François Villon. Der M. Fr. Villon, geh. 1431, welchen Clement Marot herausgab und als den besten Pariser Dichter preist, ist besonders durch sein “grand testament” 1461 so wie das “petit testament” bekannt. Es werden von ihm wie von dem Engländer Skelton viele tolle Streiche erzählt, welche ihn, wie auch einst den Go- nella, unter den Galgen brachten, von welchem er nur mit grosser Mühe befreit wurde. Das oben S. 230 flgd. angeführte Werk “les repeues franches” ist jedoch nicht von ihm, wenn gleich viel älter, als der Druck des Buches vom Ulenspiegel. Murner, dem zu Strassburg die französische Sprache und Literatur nabe lag, und der selbst auf der Universität zu Paris gewesen ist, kann jenes Werk sehr wohl gekannt haben. Es sind aus demselben nachgebildet Ulenspiegels Hist. 6, 57, 61, 62 und 72. Ausführliches über Villon und die Literatur auch dieses ihm zugeschriebenen Buches findet inan in J. IL B. Prompsault’s "Oeuvres de M. Fr. Villon”, wo auch die repeues franches abgedruckt sind. Vergl. auch C. A. Sainte-Beuve: Tableau de la poésie française au XVI. siècle p. 12 llgd. Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher. 363 §. 9. Von einigen späteren, dem Ul en Spiegel V e r w a n d t e n B ü c Ii e r n. I. Johannes I’anli, Sch imp ff und Ernst. Ein allerer Zeit- uml Ordcnsgenosse des Thomas Murner war der Franciscaner Johannes Pauli. Dieser scheint, um das Jahr 1455 von jüdischen Eltern entsprossen, eigentlich den Namen Paul Pfcdersheimer geführt zu haben, schon früh aber zum Christenthum übergegangen zu sein und zu Strassburg den Grad eines Magisters der freien Künste erlangt zu haben. 1 ) Er ging in den Barfüsser-Orden und schon seit 1479 predigte der junge gelehrte Convertit in dem Kloster der kleinen Reichsstadt Thann in der alten Grafschaft Pfirt im Sundgau oder Eisass, Departement des Oberrheins. Wir hören von ihm zuerst 1499, wo er, ein ausgezeichneter Prediger, zu dem von dem General-Vicar der Franciscaner, Franz Sabarra, nach Oppenheim berufenen Convente beschieden wurde. In den Jahren 1506 bis 1510 finden wir ihn als Gardian des dortigen Barfüsser-Klosters zu Strassburg, wo er die Predigten des trefflichen Dr. Geiler von Kaisersberg (f 1510 März 10) niederzeichncte, in den folgenden drei bis vier Jahren ausarbeitete und 1515 unter dem Titel: das Evangelibucb, geprediget von Geiler von Kaisersberg, von Job. Pauli ungeschrieben, durch Grilninger daselbst drucken liess. Unerachtct des Widerspruches des Neffen und Erben Gei- lers, des gelehrten P. Wiekgram, gab Pauli bald darauf noch 41 Fastenpredigten Geilcrs, unter dem Titel: "Die Ein eis” heraus. (Slrassburg, Grüninger 1516, auch 1517 foi.) Ferner im folgenden Jahre dessen Brösamlcin, gleichfalls eine Sammlung von Predigten. Wir erfahren aus den Schlussworten, dass Job. Pauli 1. K. Veith, Ucber den Barfüsser Job. Pauli und das von ihm verfasste Volksbuch Schimpft und Ernst, nebst 46 Proben aus demselben. Wien. 1S39. S. 3. Flöget hatte eine besondere Abhandlung über dieses für die Geschichte der komischen Literatur wichtige Werk beabsichtigt, weshalb er desselben in seiner Geschichte jener Literatur (Tb. III. S. 63) nur kurz gedenkt. Jene ist jedoch nie erschienen. 364 Abhandlung über den Ulenspiegel. 1515 Lesemeister im Franciscaner-Kloster zu Schietsladt war. Früher oiler etwas später war er Lesemeister zu Villingen, wie er selbst erwähnt. 1 ) 1518 verweilte er wieder in derselben Stellung in seinem ersten Kloster zu Thann, 2 ) wo er bis zu seinem um’s Jahr 1530, also ungefähr gleichzeitig mit Murners erfolgten Ableben verblieb. Die Erfolge jener Schriften veranlassten ihn, noch eine Sammlung von Predigten, welche Geiler im Jahre 1498, auf Veranlassung von Sebastian 11 rant’s Narrenschiffe, in deutscher Sprache gehalten hatte, die aber nur in einer lateinischen Uebersetzung des Jac. Other bekannt waren, in der Muttersprache unter dem Titel des Narrenschiffes wieder im Jahr 1520 herauszugeben. 3 ) Mittlerweile halte Pauli sich mit der Sammlung von kleinen Erzählungen beschäftigt, welche bald ein sehr beliebtes, uns in etwa 50 Ausgaben bekanntes Volksbuch zu werden bestimmt waren. Dass er zu Thann im Jahr 1518 daran schrieb, berichtet er seihst; die Vorrede fällt jedoch in das folgende Jahr 1519, dasjenige des ältesten Druckes des Ulenspiegels. Der Druck ist erst vom Jahr 1522 dalirt. Diese Sammlung theils ernster, theils scherzhafter Erzählungen, Fabeln, Anecdoten, deren Zahl die Vorrede auf 680 angiebt, die aber in der ältesten Ausgabe sich auf etwa 700 beläuft, in späteren Abdrücken jedoch verringert und gelegentlich durch andere ersetzt ist, wird von ihm unter gewisse Rubriken gebracht und häufig mit guten Lehren versehen. Die Quellen dieser Erzählungen giebt er oft selbst an. Er benennt die Bibel, Aristoteles Nr. 90, Nr. 231, Aesopus Nr. 159, Fabulae poetarum Nr. 161, die lateinischen Dichter lloraz, Juvenal, Terenz, Boethius, Fronto, Cato Nr. 239 Séneca, dann Valerius Maximus Nr. 231, Julius, (?) Eusebius, Paulus Orosius, die Kirchenväter St. Hieronymus, St. Augustinus, Chrysostomus Nr. 158, St. Gregorius in Dialogo Nr. 237, Nr. 158, das Speculum Morale, Caesarius vom Cistercienser Kloster zu Ileisterbach, Historia Longobardorum Nr. 215, Bonaventura Nr. 248, Gerson, Hugo de Prato 1. Schimpft und Ernst. 1522. Nr. 327. (1526. Nr. 308.) 2. S. daselbst die Vorrede. Auch Nr. 23L (1522. — Nr. 214. 1526). 3. Vcrgl. über diese Schriften die Abhandlung über Geyler von Kaiserberg in den Amoenitates lite- rariae Friburgcnscs. Fase. 1. Ulm 1775. Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher. 365 Nr. 359, Jacobus de Vitriaco Nr. 236, Nicolaus de Lyra Nr. 159, den Barfüsser Rupertus de Luci aus seiner Fasten-Predigt Nr. 213, Felix Ilämmerlin Nr. 65, 202, 291, 488, 489, 493, Johannes Andreae, Petrarca, De remediis utriusque fortunae 1. I. c. 5. Nr. 193, Petrarca Nr. 240, 164, 171, 190, 192, 248, 231, 239. Die, so weit uns bekannt ist, älteste Ausgabe von Pauli’s Buche (von der angeblichen vom Jahre 1501 siehe unten zum Jahre 1550) erschien im Jahre 1522 mit folgendem Titel: Schimpf vü I Ernft | heifet | das Buch mit name | durchlaufet es d’ weit handlung mit | crnftlichen vnd kurlzweiligcn exem | plen, parabolen vnd hyflorien | nützlich vnd güt zu heffe- | rung der menfehen. Cum priuilegio Im. Dieser Titel steht in einer oblongen Tafel, welche von Holzschnitten eingefasst ist. Unten Herodias, welche den Ivopf Johannis des Täufers ihrem Vater bringt, zur Beeilten Adam und Eva, zur Linken der Bischof Martin, oben St. Georg mit dem Lindwurm u. a. Andere Holzschnitte enthält diese Ausgabe nicht. Bogen A — X iiii. Blätter CXX1II1. in Folio; Druck in zwei Spalten, ohne fernere Holzschnitte. Auf der Rückseite des letzten Blattes: Gctruckt zu Strassburg von Johannes | Grieninger, vnd volendet vff vnfer liehen frawen tag der gehurt, | in dem iar nach der gehurt Chrifti vnfers lierren. Taufend | fünf hundert vnd zwei vnd zwantzig. etc. Hierauf folgt noch Bogen Y mit sechs Blättern, welche aber irrthtimlich paginirt sind CXXVII—CXXXII, das Register des Buches enthaltend. Das mir vorliegende Exemplar gehört der K. Bibliothek zu Dresden. Es ist sehr wohl erhalten, nur fehlen die Blätter VII und VIII. Andere besitzen die K. Bibliotheken zu Berlin und München. Das Register führt, mit einigen Auslassungen, 698 Erzählungen auf. Im Texte ist die Numerirung sehr in Unordnung gerathen, besonders am Schlüsse. Es folgen dort die Zahlen : 690, 697, 700, 627 und schliesslich 629. ln der Vorrede ist die Anzahl der Historien nur auf 680 angegeben. i 366 Abhandlung über den Ulcnspicgd. Die in den späteren Ausgaben sehr abgeätulerle : cc Vorred dis buchs” lautet also: So nun i et§ etliche gcit vergangner Icuff Bnb [pen, auch irrungc burcf) Bit Bitb manigfaltige büd)liit Begangen, bie tjeifame biicfycr ewiger fclifcit Bnb fribfamend lebend etliche ¿eit gcfdtlaffcn fyaben, on allen ¿weifet Bon bem fjerren 31)c[u, burd) feine gitab halb wiberuntb erweeft werben. 3ft initier geit bifcd bud) ¿afamen gelefcit Bon bem erwurbigen Batter Bnb brttber 3o? tjanned ÿauli barffiffcr erbend, lepmcifter ¿ft 3d)ait in bem felbeit flofter, fo er .XL. iar Bff erben geprebigt i>at, Bnb I>at bife crem* peí ¿ufamen gclefcn Bf allen büd)crn, wa er cd funbcit liât, bclrrr, I)pftorien Bnb parabulcn ¿ft beiben Ijcitblen, geiftlid) Bnb wcltlid; bienenbe. SSitb Bff bad, bad wort bed billigen Gmangclp crfiilt werb, lefcn bie bröfamlin ¿Afamen, bad fie nit Bcrlorcit werben. Gd ift and) ein arm bing, b¿ einer ftefj bruebt bad, bad ba funben ift, Bub bad er nid)(s mtwed ftnbct, Bnb bad ba funbe ift, nit beffert, Bnb ift bid bud) getaufft Bnb ¡in b’ nam Bffge* fcfct. Sd)impff Bnb Graft wan Bit fd)impftid)cr, furfwciligcr Bnb Ied)erlid)er ercmpcl bavin fein, bainit bie gciftlidfen finber in ben befdilopencit iloftern etwa ¿ñ lefcit íjaben, barin fíe ¿ñ ¿citen iren geift mögen erlüftigen Bnb rftrncn, wan man nit alwegen in einer ftrenefeit bleiben mag. 93nb aud) bie Bff ben fd)löffertt Bnb bergen won? Bnb geil fein, crfd)roifèlid)c Bnb crnfttidjc bing finbeit, ba Bon fie gebeffert werben. 9t«cf) bad bie prebieanten ercmpel fyabeii, bie fd)tcfferlid)cn mcnfdfcit ¿ft erweden, Bnb íüftig ¿ft l)örc madfen, aud) bad fie ofterfpil l)abcn ¿ft oftern, Bnb ift itid)b tjcr gefegt, ban bad mit eren Wot mag geprebigt werben. Gd bit and) ber obgemclt fainter bid bud)d, bad man ed tefen wot in ber meinung, atd er cd gemacht t)at, nit Bcrfereit nod) Berwcrffcit, funb’ beffent Bnb cd meren, Bnb anbere gütiglidie ftücf í>er¿ftfef en, bie fid) ¿imen, ban er l)at ftd) gclnit Bor fd)ampcrn Bnb bii¿M)í tigen erempten, bereu im Bit entgegen gangen fein, bamit er nie* mand fein ergerung geb, Bitb ift etwad fträftid)d i)crpn gcfejjt worben, fo begert er gitab Bitb Ber¿eit)ung boh got be t)crren, Bnb SDîaria feiner licbften muter, Bon fancto grancifco, Bnb Boit fancto SJiartino feinen patrone, Bnb Bon altem l)imelifd)cn í)er, aud) be* nen ¿ft tob er bid bud) gemacht I)at, aud) Bon alien mcnfdjen. Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher. 367 23itb ift biö bud) gemacht worben 3 ft 2J)an in bem felbigcn fioftcv und) ber gebürt (Sfyrifti ïntfaê i)crren. Xaufenb CCCCC. ,r t r. tar. ln der Bezifferung der Nummern finden sich im Texte wiederholt kleine Irrthümer, z. B. erscheint 333 zweimal hinter einander, während das Register richtig fortzählt. Nach der Rubrik 556 cc Ein geiftlichen Moyen zu Recken geiftlichen Riten uif den meytag” und der darauf folgenden “Geiftlichen vfzlegung des mein 3 folgt eine neue Abtheilung: "Etliche exempel kurtz- weilige reden von mancherlei dinge, da keins zü dem andern gehört, hat Frater Johannes Pauli hieher wöllen letzen für brö- famlin, das fie nit verloren würden, mag iederman zü articulen vnd titulen, wie es im gefeit.” Die Nummern folgen dann 558 u. s. w'. Nach Nr. 624 springt der Text plötzlich auf Nr. 631. Aus dem Register ersehen wir, dass hier nicht sechs, sondern neun Erzählungen fehlen, unter dem Titel: Von Verziehen vñ von dem dot. Seinen fchateu Hoch ein nar.bevrö. Fünf knaben warde eim erfchlagê .btxtöj. Ein bild neigt ficli gegen eim.baxwij. Von zweien doctoribus 1 ).bcXTütij. Eine kufzt eins mörders hend.berriv. Ein krole fach einer für lacrante l.baxT. Dz waffer wolt dz feur nit lüfehen. barrí. Alexand’ verzoch eim ritter etw : z.bcrrrR. Zwen bauren fachten mitenand’.borrrii). Der Text fährt nun anstatt mit Nr. 634: “Von allerlei zürn andern mal”, wie das Register hat, fort mit Nr. 631 : “Allerlei zúlame gefamlet ein and’ titel.” Mit diesem Zahlenunterschiede fährt der Text fort, also im Texte 663 gleich 665 des Registers. Die Ziffer 664 ist im Texte vergessen, also im Texte Nr. 665 ist Nr. 667 im Register. Nr. 672 aber fehlt im Texte völlig, Nummer und Erzählung, welche im Register angegeben ist Nr. 674: “Barnabas fitzt vff III pierden”. Während die Nummern im Texte nicht unterbrochen werden, fehlen in demselben, laut des Registers, dessen Nr. 677: “Die eptifzin het ein nidergewand für ein weder vffgelegt”. 1. Dies könnte Ulenspiegels Historie 15 sein. 368 Abhandlung über (len Ulcnspiegel. Nr. 678: Saut bernhart kirnt nit ein pater nol'ter betten on anfecliten. Nr. 681 : Sant bernhart gewan eins menfchen fei derfelliig beffert fich. Nr. 686: In der beicbt verl'cbwyg ein fraw iren eebruch. Vermuthlich aus Caesarii Ileisterbacensis dialogus Miraculorum Dist. Ill cap. 31. Es entspricht jetzt Nr. 681 des Textes der Nr. 687 des Registers. Des letzteren Nr. 691 : “Malebus lert von den omeifzen” fehlt im Texte, wodurch die letztere Nr. 686= Nr. 692 der ersteren. Die Ziffer 687 fehlt aber wieder im Texte, so dass dessen Nr. 688 = Register Nr. 694, und also Nr. 690 = Register Nr. 696. Nunmehr aber sind im Texte die Ziffern 691—696 übersprungen, und ist unter Nr. 697 die früher vergessene Geschichte vom Malchus eingeschaltet. Die folgende Nr. 698 entspricht dem Register Nr. 697. Im Texte ist aber die Zahl 699 wieder übersehen, so dass Nr. 700 folgt, welche der letzten Nummer im Register Nr. 698 entspricht. Im Texte folgen jedoch noch Nr. 627 und Nr. 629, welche die beiden oben bezeichnten Erzählungen aus dem wahrscheinlich durch ein Versehen des Setzers weggebliebenen Titel sind. Es fehlen also im Texte wirklich zwölf der im Register verzeichnten Geschichten. Von den Erzählungen in diesem Bande sind etwa 172 in die folgenden Ausgaben nicht übergegangen. Von denselben fehlen etwa 42 früher, von 561 bis 700 fehlen die Historien in fast ununterbrochener Reihenfolge. 2.) Für die zweite Ausgabe hält Veilh a. a. 0. S. 24 eine, welche, die k. k. Ilofbibliotliek besitzt, betitelt: Das Buch Schimff u. Ernst genannt.... jetzund von Newen wider Getruc-kt, und mit Schönen figuren durchaus getziret, deren vormals keine darin gewesen .... fol. 106 Blätter. Die untere Hälfte des letzten Blattes ist in jenem Exemplare weggeschnitten, so dass der Ort und Name des Druckers nicht zu ersehen sind. Die Vorrede ist, wie Veilh ausdrücklich bemerkt, vom Jahr 1519, doch führt er als deren Schluss an: “Geben zu Tann nach der gehurt Christi unsers säligmachers M.D.Ixjx.” liier scheint also hei Veith ein Druckfehler zu sein. Leider bemerkt derselbe die Zahl der Erzählungen nicht; die Zahl der Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher. 369 Seiten lässt auf einen abgekürzten Text folgern. Aus dem, was er über die Holzschnitte bemerkt, ersieht man, dass dieselben in der Ausgabe v. J. 1535 wiederholt sind. Wir finden sie auch in denen v. J. 1538 und 1543, wo ich derselben weiter gedenken werde. Das Titelblatt der Ausgaben v. J. 1526 lind 1536 besagt gleichfalls, dass vormals keine Figuren in diesem Werke gewesen; wir müssen es daher dahinstcllen, ob das Wiener Exemplar wirklich schon die zweite Ausgabe enthält. 3. ) Eine Ausgabe von Schimpffund Ernst&c. Strassburg 1525. fob, 700 Erzählungen stark, wird in R ei chard ’s Bibliothek der Romane Th. XVII. S. 115—125 angeführt, wo auch Proben aus derselben gegeben sind. Die Erzählung 231 ist dieselbe, welche unter dieser Nummer in derjenigen v. J. 1522 sich findet, und dürfen wir beide Ausgaben wohl für identisch halten. 4. ) Das Buch Schimpff vnnd Ernft | genannt, Wülches durchlauft! der weit hendel, | Mit vil fehonen vnd kurtzweyligen Excmplen vnd gleichnuffen, Parabolen | vnnd Iliftorien. Auch darneben etliche ernftliclie Gefchichten, ab wol- | eben der Meufch, fo er die lefen ift, lieh billich belferen wirt, Je- | tzuncl von newem wider getruckt, vnnd mit fchünenn Figu- | ren durch aufz ge- zieret, derenn vormals keyne darin ge- ¡ wefen. Auch fleyffig vberfehenn, gemeret vnd gehef- | fort, Mit vil newenn Exemplen, jetzt hinzu | gethan, va ft kurtzweylig zu | lefen etc. Hierunter ein grosser Holzschnitt, überschrieben: Ernst. Scbimpff. Unter letzterer Bezeichnung erblickt man ein Festmahl, ein Turnier und vorn eine Gruppe, wo ein Vater ein von einem Priester begleitetes junges Ehepaar mit Geld aussteuert. Unter dem Worte "Ernst” zeigt der Holzschnitt im Hintergründe einen Thurm, zu welchem eine Treppe hinaufführt. Ausserhalb des Thurmes hängt ein Korb, in welchem ein Mann zusammengekauert sitzt, ohne Zweifel zur Strafe. Davor erblickt man zw r ei bewaffnete Männer, welche einem w'ohlhäbigcn Bürger Geschmeide zum Verkaufe anzubieten scheinen. Unten die Jahreszahl MDXXVI. Auf der Rückseite des Titelblattes findet sich die Vorrede des Joh. Pauli gegeben zu Tann 1519. Das einzige bekannte Exemplar dieser Ausgabe in Folio, 24 370 Abhandlung über den Ulenspiegel. das ineinige, aus einer Bücher-Versteigerung bei Ileberle zu Coin 1852 Febr. 26 unter Nr. 1730, ist leider am Schlosse defect. Es gebt nur bis Blatt XCIIII, Signatur Q iiii und bürt auf der Rückseite in der Erzählung : Von Schimpff das CCCCCXVI auf mit den Worten : Er sprach. — Doch lasst das Fehlende sich ergänzen aus der mit der Jahreszahl 1536 abgedruckten Ausgabe, welche sich nur durch die Jahreszahl auf dem Titelblalte zu unterscheiden scheint. Jene scheint mir also die erste Augsburger Ausgabe zu sein. Von den Holzschnitten hat nur einer das Zeichen des Künstlers, vor Nr. 265, ein Kirchhof, wo ein Skelett im Grabe, eine junge, trauernde Frau an der Pforte, hinten das Kirchengebäude. Das Zeichen ist dasjenige des Hans Scheyfelin. Vor der Ausgabe vom J. 1536 finden wir jedoch noch vier andere Ausgaben. 5. ) Die eine hei Barth. Grüninger zu Strassburg, fob, mit Holzschnitten, 1533, besass Herr M. Ivuppitsch zu Wien 1 ), dieselbe ver- muthlich, deren Veith a. a. O. S. 26 Note gedenkt, als im Besitz des Professors J. G. Seidl in Cilly, ist auch auf den Bibliotheken zu Berlin und Wolfenbüttel. Die einzige Notiz, welche Veith darin angiebt, dass der Schwank, wie viel Fuchsschwänze in dem Himmelreiche, sich unter Nr. 91 fol. XIX linde, passt übrigens auch für die Augsburger Ausgaben v. J. 1526 und 1536. 6. ) Eine zweite Augsburger Ausgabe v. J. 1534 bei II. Steyner ist auf der K. Staatsbibliothek zu München und auf den Bibliotheken zu Güttingen und Wolfenbüttel. 7. ) Genauer sind wir über die folgende unterrichtet, die dritte der unseres Wissens von Grüninger veranstalteten Ausgaben. Der Titel lautet: Schimpff u Ernft wiirth das Buch genannt. Wülchs durchlauft! der weit händel mit vielen fchünen u kurzweiligen Gleichntiffen ... ulf das ileifl'igeft überlefen, geniert u. gebelfert, mit viel néwen Exempeln. Straffburg. Grüninger. 1535. fol. 97 Blätter und 5 Bl. Register. Die Vorrede ist vom J. 1519; unter ihr befindet sich die folgende Nachricht: “Lieber Lefer, fo dir dife jetzt gegenwertig arbeit angenem fein wiirth, hab ich dir nit verhalten wüllen, das ich in willens hin noch einen tlieil zu difem Buch zu trucken, Welcher tlieil mit fil grüfzerem fleifz, 1. Catalogue d’une Collection précieuse de livres. Halle. 1846. Nr. 5296. Spätere, dem Ulenspiegel verwandte ßüclier. 371 müe u. arkeit zufamen braclil ift, mit viel yelzimd weltleuffigenExem- plen, Iliftorien, und fabeln, vorhin in kheinem truck nie aufzgangen.” Der Exempel, über welche auch ein Register vorhanden ist, sind 545, also nur wenige mehr, als in den Ausgaben vom J. 1526 und 1536. Dem von Veith abgedruckten Register nach zu urtheilen, welches schliesst mit der Rubrik : “Einer geiftlichen Maien zu Recken”, so fehlen bis hicher nur zwölf Exempel der Ausgabe vom Jahre 1522, doch alles Uebrige bis zur 700. und letzten Historie. Eine dem Exemplare der K. Bibliothek zu Beilin eingetragene Bemerkung bestätigt die Vermuthung, dass diese Ausgabe der vom J. 1536 gleich sei und erwähnt, dass diejenige vom J. 1535 mit guten Abdrücken der Holzschnitte in der Sammlung des Herrn Geh. Rath von Meusebach vorhanden sei. Dass letztere jedoch mit den Ausgaben v. J. 1526 und 1536 nicht identisch ist, ergiebt sich aus ihrem Zusalze zum Vorworte und der Verschiedenheit der Nummern der Erzählungen, so wie der Seitenzahlen. 8. ) Eine Augsburger Ausgabe vom 10. Apr. 1535 bei II. Steyner, 99 Blätter, ohne Register, mit Holzschnitten, besitzen die Bibliotheken zu Berlin (in 2 Exemplaren), Göttingen und Wolfenbüttel. 9. ) Die Ausgabe mit der Jahreszahl 1536 fol. 99 paginirte Blätter, Bogen II iij. Ein Register fehlt. Am Schlüsse: Gedruckt vnd vollendet inn der Iveyferlichcn | Statt Augfpurg, durch Heinrich Steyner, An dem | zwölfften tag des monats Junij, Im jar nach der [ gebürt Chrifti, Taufendt Fünffhundert, | vnnd im fechs vnd dreyffigften. Die Zahl der Exempel ist 540. Vcrmuthlich sind sie identisch mit denen der Ausgabe vom Jahr 1535, welche einige Irrthümer und Mängel in der Bezifferung vermieden hat. Die Uebcrschriften sind zahlreicher, als Veith sie von der Ausgabe vom J. 1535 verzeichnet hat, und gleichen denen der zunächst folgenden Ausgaben. Exemplare derselben Ausgabe mit der Jahreszahl 1536 besitzen die K. K. Universitätsbibliothek zu Wien, die K. Bibliothek zu Berlin, die Sammlung des verstorbenen Herrn von Meusebach, auch die K. Bibliotheken zu Göttingen und Dresden. 10. ) Eine Augsburger Ausgabe vom Jahre 1537 besitzt die K. Staatsbibliothek in München. 24 * 372 Abhandlung über den Ulensjnegel. 1 1.) Hierauf folgt eine bisher unbeschriebene, für die uns vorliegenden Beziehungen interessante Ausgabe, welche die K. Bibliothek zu Berlin, die K. Universitätsbibliothek zu Güttingen und die herzogl. Bibliothek zu Wolfenbültel besitzen. Schimpft' vnnd | Ernft, durch alle Welthiinndel. | Mitt vil fchönen vnd Warhaiften Iliftorien, Kurtz- | weiligen Exmpeln, Gleichnuffen vnd merckhchen Gefchichten fürgefiel | let. Einem jeden zu underweifung, manung, vnd leer, in allen hand- | len. Jetzund von newen, weitter dañ vormals gemeehrt, | mit Excm- plu vnnd Figurn, fait kurtzweilig | vnnd nützlich zu lefen. Folgt ein grosser Holzschnitt, darstellend ein heiteres Mahl bei Becherklang, das Gekosc zweier Liebenden aut einem Ruhebett, und den tüdtlichen Kampf mehrerer Gäste, mit den Ue- berschriften : Schimpft. Ernft. Zu F. am Mcyn. Bei Chriftian Egenolph. M.D.XXXVIII. Auf dem letzten Blatt: Getruckt zu Strafzburg durch Bar- tholomeum Grüninger, In Koften vnd | verlagk defz ehrngeachten Chriftian Egnolplien, vnd vollendet | den acht und zwentzigl'ten tag defz Augflmonats, | im jar nach Chrifti vnfers heben herren vnd fe- I hg machers gehurt, M.D.XXXViij. 103 bezifferte Blätter und fünf Blätter Register. Fol. Bogen S iiij und zusammen 42 Holzschnitte. Die nicht datirte Vorrede benennt den Verfasser und schliesst mit den Worten: Sunder wa er jm (nämlich der Schreiber dem Leser) hat züuil oder zu wenig I getlian das belfern vnnd merhen, vnnd ander gütliche | ftflek herzüfetzen, die ficli zimmen, vnd ill etwz | fträfilichs hierin gefetzt, fo beger ich | Verzeihung von Got dem Iler- | ren, auch von allen denen | difz büch fürkumpt. | Iliemit alle men- fclien Gott belolhen. Amen. Hierauf folgen noch die auf dem vorgedachten Zusatze vom Jahre 1535 ersichtlich bezüglichen Worte: Zürn Leier. | Lieber lefer, wie wir vormalfz verheifzen, das büch zftmeren, ift jetzund befche- | hen, das füch zühinderft im büch, da findeft du fie bey einander. Die Rubriken entsprechen mit geringen Ausnahmen denen vom Jahre 1535, doch sind der Erzählungen nur 489, also 56 weniger denn in jenen. Dagegen folgen noch Nr. 490 — 497 Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher. 373 unter der Aufschrift: “Etliche exempel vnd kurtzweilige reden von manchen dingen”, u. s. \v.; acht Erzählungen, welche in der Ausgabe vom J. 1522 Nr. 558 — 560, 571 und 651 — 654 bilden. Anstatt der folgenden Nummern jener ersten Ausgabe folgen 1538 noch neunzehn neue Erzählungen, Nr. 498—517, mit der Ueberschrift im Register: “Anfang der newen ftuck fo vil difz huch jetzunt mer dann vormals inlialt.” Die Ziffern 506 und 507 und 514 sind übersprungen. 12 u. 13.) Es sind unseres Wissens nach 1538 einige Jahre vergangen, bis das beliebte Ruch neu herausgegeben wurde. Nämlich mit wörtlich gleichlautendem Titelblatte, wie der Strassburger Druck vom J. 1538, und denselben Holzschnitten auf diesem und in dem ganzen Werke. “Gelruckt in d’ Lüh. Statt Benin, durch Ma thiam Apiarium Auff den 24 lag Februarij. Anno M. D.XLHI.” (Wir vernehmen so eben von einer dort erschienenen Ausgabe schon aus dein Jahre 1542.)') Rogen II iiij XCVIII paginóte Blätter und zwei unpaginirte des Registers. Es liegt mir das Exemplar der Hamburger Stadtbibliothek vor. Der Erzählungen sind zusammen 503. Nach verschiedenen, grossentheils aus Irrthum in der Bezifferung entstandenen Abweichungen stimmen die Ausgaben von 1538 und 1543 in Nr. 477 überein, darauf fehlen in dieser aus jener Nr. 478 bis 487 und ferner Nr. 489 ; Nr. 488 ist hier Nr. 478. Die folgenden sind deren Nr. 490—497; die Nrn. 487 — 503 sind gleichfalls die sämmtliehen 1538 irrig Nr. 498 bis 517 bezifferten Erzählungen. Von den letzten acht Rubriken der Ausgabe vom J. 1535 ist in der vorliegenden nur diejenige 477 : Vom Himelreich. Diese ist aber im Werke selbst 478, ein Irrtlmm um eine Nummer, welcher schon 345 beginnt. Von den zahlreichen Holzschnitten sind mehrere mit den Initialen der Holzschneider versehen; namentlich zu Nr. 155: Von der Geytigkeit, das verschlungene IIF mit 1516, wie in der Ausgabe vom J. 1538, und wie Veitli sagt, in derjenigen von 1535. Zu Nr. 119: Vom harten orden der Ehe. Von framen frawen 1. Bei demselben Drucker; 74 BL, 2 Bi. Reg., mit Holzschnitten; vorhanden zu Berlin, gleich der. von 1543. 374 Abhandlung über den Illenspiegel. findet sicli J. K., vermuthlich Jacob Kobel, der 1533 zu Oppenheim verstorben war. Nr. 393: Von dem Gotswort, sind auf drei Säulen hinter der Kanzel die drei Buchstaben D. J. K. angebracht'); Nr. 103: Von Notarien und Richtern, und Nr. 457: Von dem gfttten Jar zftheifchen einem predicantcn, ein verschlungenes II S ist das Zeichen des Hans Scheyfelin 2 ). Nr. 355: Von den gemeinen metzen, hat der Holzschnitt das Zeichen des Hans Baidung Grün zu Strassburg 3 ), welcher auch Nr. 380 : Von Vater und Mütter, wiederkehrt, so wie, Nr. 169: Von den Wucherern, Nr. 272: Von meyfterfchafften, Nr. 424: Von dem eydtfehweren. Bei der Ucbereinstimmung dieser Holzschnitte mit den von Veith verzeichncten der Strassburger v. J. 1535, so wie der v. J. 1538, scheint Bienenwärter die Ilolzblücke des Grtlninger nach Bern gebracht zu haben. Der letzte Holzschnitt seiner Ausgabe ist zu Nr. 470: Von Strategematibus, also zu dem letzten Abschnitte von den Brüsamlein sind gar keine gegeben. Das Verhältniss dieser unter sich abweichenden Ausgaben wird demnach bei denen, welchen die ältesten derselben zugänglich sind, noch immer eine nähere Beachtung verdienen, als sie ihnen bisher geworden ist. lieber spätere Ausgaben verzeichne ich nur Folgendes: 14. ) Eine-Augsburger Ausgabe von Schimpff und Ernst vom J. 1542 besitzt die K. Staatsbibliothek zu München. 15. ) Eine Frankfurter Ausgabe v. J. 1543 führt an: Zacher a. a. 0. aus der Bibi. Thomas. Vol. III., I.ect. I. Pag. 90. 16. ) 1544 erschien, Frankfurt Cyr. Jacobus eine Ausgabe, vereinigt mit der ersten hochdeutschen Bearbeitung des Reinecke Fuchs, welche »dem Michael Beuther zugeschrieben wird. 17. ) 1544 Schimpff und Ernst, Augsburg bei II. Steiner, fob, 103 Bl. und 4 Bl. Reg. mit Holzschnitten, vorhanden in Berlin. 18. ) 1545. Von Schimpff und Ernst vil weiser Spriich. 0.0. 4., in der bibliotheca J. C. Adelungii. Berlin 1827. Nr. 1824. 19. ) 1546 eine neue Ausgabe zu Bern bei Math. Apiarius, fob, 98 Bb, 2 Bl. Reg., mit 39 Holzschnitten; vorhanden in Berlin. 1. Dieses ist nicht d. J. K., wie V eith a. a. 0. S. 25 meint, welches jedoch zu ÎNr. 394 vorkommt. 2. S. Heller Geschichte der Holzschneidekunst. S. 118. 3. Heller a. a. 0. S. 92. Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher. 375 20. ) Eine Ausgabe von Seit imp ff und Ernst ward gedruckt zu Frankfurt am Main bei Herman Giilffericb 1546, 219 Bl. in 8. In der Vorrede wird der Leser gewarnt: fielt zu hüten vor den Buchlen, fo unter diefent Namen ausgehen, welche aus diefent gefliimpelt und gelnimpelt fein, und doch nicht die halbe Meinung frater Johannis Pauli ist.') Diese Ausgabe hat 455 Erzalilungen unter folgenden Rubriken: 1) Von Kaifern und weltlichen Regimentern. 2) Von Urtheil, Richtern und Notarien. 3) Von Doctora und Studentem. 4) Von Haushaltung und Wirtfchaften. 5) Von Kunft und Künfllern. 6) Von Narren und Thoren. 7) Von Laftern, im Gemein. 8) Vom Bapft und bäpftlichen Regimentern. 9) Von München und Pfaffen. 10) Von Nonnen und Klofterfrauen. 11) Von Poenitentz und Beichten. 12) Von Teufel und büfen Geiftern. 13) Von Tod und Sterben. So sehr verändert die Anordnung ist, so scheinen doch die Erzählungen sänuntlich aus denen der vorgedachten Ausgaben genommen. 21. ) Eine Augsburger Ausgabe v. J. 1546 fol. befindet sich auf der K. Staatsbibliothek zu München. 22. ) 1546 Bern. M. Apiarius; fol., 98 BL, 2 Bl. Reg., mit Holzschnitten ; vorhanden in Berlin und Güttingen. 23. ) 1549 Augsburg. Hans Zimmerman. 8. 227 Bl. u. 8 Bl. Reg., mit Holzschnitten; vorhanden in Berlin. 24. ) 1550. Frankfurt a. M. bei Cyriacus Jacobus; 126 und 6 Blätter; 514 Historien mit Albrecht von Eybe’s Uebersetzungen zweier Comüdien des Plautus und der Philogamia des Ugolinus vermehrt. Sie befindet sich in Berlin, München und Wolfenbüttel. 25. ) Roch Compendium der deutschen Literatur Bd. II. S. 294 führt an: 1. Nyerup Almindelig Morskabslaesning. S. 251. 37G Abhandlung über den Ulenspiegel. Scherz mit der Wahrheit. Vom guttem Gespräche,, in Schimpf! und Ernst-Jieden, vil hofflicher, weiser Sprilch, lieblicher Historien vnd Lehren, zu Vndenvcisung vnd Ermanung in allem thun vnd Leben der Menschen, Auch ehrlichen Kurtzwei- len, Scherz vnd Freudenzeiten zur erfrewung des gem ills zusam- mengehracht. Jetzund New vnnd vormals dermassen nie ausgegangen. Cum privilegio Imperat. Getruckt zu Frankfurt a. M. bey Christian Egenolll. Im Merlz des Jahrs 1501. 80 Bl. fol. Diese Sammlung, fährt Koch fort, bestellt aus 221 Volks- mährchen von verschiedenen Verfassern, unter denen auch einige aus fremden Sprachen entlehnt worden sind. Proben s. in 11 eich ard’s Bibliothek der Romane Th. VI. S. 65 — 82. In dem Catalogue d’une collection précieuse de livres. Halle 1846. NT. 5301 wird dieses mit 43 Holzschnitten versehene -Werk für das oben besprochene des Johannes Pauli erklärt, und die Jahreszahl mit 1550 (also MDL) angegeben. Jedenfalls druckte Christian Ege- nolf nicht vor 1513, aber bis etwa 1555. Auffallend ist jedoch nicht nur der sehr abweichende Titel, sondern auch die geringe Zahl der Erzählungen. Nyerup, welcher zu Kopenhagen dieses so wie das ächte Werk Pauli’s vor sich halle, weiset jedoch nach, dass dieses Werk, wenn es gleich einige Erzählungen mit jenem gemein hat, dennoch von letzterem wesentlich abwciche. 1563. Frankfurt a. M., Egenolf’s Erben, fol., mit Holzschnitten. 84 Bl. und 2 Bl. Inhaltsverzeichniss. Diese Ausgabe ist, wie Veitli bemerkt, ganz umgeordnet und geändert. Vergl. Nyerup: Almindelig Morskabslaesning. S. 257)' i ). 26. ) 1556. Frankfurt a. M., Weygand Han, 8., 184 Bl. u. 2 Bl. Reg., vorhanden in Berlin; sie ist gleich der Frankfurter von 1546’). 27. ) 1557. Ebendaselbst mit Holzschnitten 3 ). 28. ) Eine Ausgabe in zwei Octavbänden mit Holzschnitten erschien zu Frankfurt 1563. Ge. Rahe u. Weyg. Hanen Erben. 276 Bl. u. 10 Bl. Reg., vorli. in Berlin. 29. ) Eine Frankfurter Ausgabe v. J. 1567 führt an: Zacher a. a. O. 1. S. Nyerup a. a. O. 2. Biinemann, Catal. Msstomm item librorum ab inventione typographiae impressorum. Pag. 117. 3. Die K. Staats- Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher. 377 30. ) Die R. Universitätsbibliothek in Gültingen hat eine Ausgabe V. J. 1570, 8-, getruckt zu F ran cf. a. M. durch Nicolaum Basse in Verlegung Thomam Rebarth; auch vorhanden in Wolfenbüttel. 31. ) 1574. Frankfurt 8. Bibliotheca Adelungii Nr. 2535. 32. ) 1577 o. 0. 8. 287 Bl. und 13 Bl. Register. Hinter der Vorrede steht dieselbe Warnung, wie in der Frankfurter Ausgabe V. J. 1546 und 1556. Die Geschichten sind in 13 Abschnitte vertheilt. S. Veitli S. 26. 33. ) Eine Strassburger Ausgabe v. J. 1582, 8. Chr. Müllers Erben : in Meusebachs Bibliothek. 34. ) Eine Frankfurter Ausgabe, fol., v. J. 1583, welcher noch angehängt ist Cento Novella; in der Wolfenhüttier Bibliothek. 35. ) Eine Ausgabe v. J. 1583, 8., ist gleichfalls in Wolfen- biittel. 36. ) 1594. Frankfurt a. M. 8. In der Sammlung von Büchern, ausgezeichnet durch alte und seltene Drucke. Berlin 1821. S. 13. Nr. 177. 37. ) 1597 o. 0. 8. 287 Bl. u. 12 Bl. Reg., vorli. in Berlin. 38. ) 1597 o. 0. 8. 314 Bl. u. 16 Bl. Reg., vorli. in Berlin. 39. ) In Wolfenbüttcl befindet sich eine Ausgabe ohne Titel; auf der letzten Seite steht: Gedruckt in Frankfurt a. M. durch Thomas Rebarth und Weigands Erben. 8. 40. ) Eine Frankfurter Ausgabe v. J. 1602. 8. Mich. Hartmann. 41. ) 1609 o. 0. 314 Bl. u. 10 Bl. Reg., 8., vorh. in Berlin. 42. ) Eine Frankfurter Ausgabe v. J. 1612. 8. Trendel. 43. ) Eine Frankfurter Ausgabe v. J. 1613. J. Treuttel. S. Zacher a. a. 0. 44. ) 1618. Basel bei Koenig, 255 Bl. 8., entspricht ganz der vorgedachten Ausgabe von 1577. Sie ist beschrieben von Gustav Jördens: Sinnreiche Geschichten aus J. Pauli’s Schimpft' und Ernst. Leipzig 1822, 8. 45. ) Eine Strassburger Ausgabe v. J. 1630, 8., führt Zacher a. a. 0. an. Bibliothek zu München besitzt zu Folge der mir mitgetheilten Liste von diesem Werk Ausgaben s. 1. 1563, 1569, 1583, 1597 und Strassburg 1654, sämmt- lich in 8. 378 Abhandlung über den Ulenspiegel. 46. ) Eine Strasshurgcr Ausgabe v. J. 1654 befindet sieb ,in der Wolfenbültler Bibliothek. 47. ) 1677. Strasslmrg. 8. Kuppitsch a. a. 0. 48. ) 1699 o. 0. 12. Ebendas. 49. ) Eine Ausgabe 1771, vormals zu Freystadt, 8., ist aufgeführt bei Kuppitsch Nr. 5306. Von Uebcrsetzungen ist mir bekannt geworden: 1) Eine holländische: Joc en Ernst door Jan de Brune de jonge. Amsterdam 1644. 4. Vcith S. 23. 2) Mehrere dänische. Eine im Jahr 1701 gedruckt bei Just. Iloegs Willwe. 372 S. 8. Eine vierte Ausgabe führt den Titel: Tre bundrede udvalgtc og lystige ny Ilistorier, eller Skjemt og Alvor, meget nyttelige og artige at fordrive Tiden med, nu nyligen samlede, sammensatte, forbedrede, og til Trykken befor- drede Efter Manges Begjering fjerde Gang oplagt. Kjobcnh. 1781, trykt bos II. J. Graae. 271 S. 8. Die dänischen Ausgaben sind nach derjenigen veranstaltet, welche 1546 zu Frankfurt erschien. Die Eintlieilung ist dieselbe, doch sind deren Nr. 7 und 8 weggefallen, so dass nur 11 Rubriken geblieben sind. Zwischen diesem Werke, Schimpft und Ernst, in den älteren Ausgaben und dem Ulenspiegel findet eine unverkennbare gegenseitige Einwirkung statt. Es ist oben schon angedeutet, dass von den acht Erzählungen, welche sich in der Erfurter Ausgabe des Ulcnspiegel 1532 mehr finden, als in der Slrassburger v. J. 1519, die meisten aus Pauli’s Buche entlehnt und von den dort nicht benannten Personen auf Ulenspiegel übertragen sind. Ferner sind schon in den ersten Ausgaben von Schimpft und Ernst mehrere Stücke aufgenommen, welche mit Geschichten vom Ulcnspiegel übereinstimmen und zuweilen unmittelbar hinter einander aus dem Ulenspiegcl entlehnt scheinen. Letztere befinden sieb vorzüglich gegen Ende des Werkes, ein Umstand, welcher ihre Ilinzufügung nach dem Erscheinen des Ulenspiegel wahrscheinlich macht. Die meisten derselben fehlen in der Ausgabe v. J. 1526, doch sind einige davon in diejenige vom J. 1538 wieder aufgenommen. Aber auch in dem frühem Theile von Schimpff und Ernst Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher. 379 finden sieh Erzählungen, welche jener mit dem Murnerschen Ulcnspiegel gemein hat. Doch sind sie dieselben, aber nicht wörtlich übereinstimmend, und auch andere Umstände deuten bisweilen auf eine gemeinschaftliche Quelle. Schon in Pauli’s Nr. 3 findet sich, wenn gleich in ganz abweichender Einkleidung Ulcnspiegels Hist. 30, die Erzählung von einem Abcnthcurer oder Gaukelmann, welcher sich erst durch das Sagen der Wahrheit beliebt macht, hernach aber die Hausfrau als schielend verhöhnt. Von den Historien hei Pauli Nr. 642 bis 658 scheinen nicht weniger als acht dem Ulenspiegel entlehnt, dessen Namen in einer derselben auch vorkommt. Dieser Umstand erscheint mir als ein Beleg, dass diese acht Erzählungen unmittelbar dem Murner’schen Ulenspiegel v. J. 1519 entnommen sind, da er beweiset, dass Pauli dieses Buch kannte, in welchem die verschiedenen Schwänke, so alt manche derselben auch waren, doch zuerst unter jenem Namen vereinigt sind. Es sind die folgenden: Ulenspiegels Historie 6, Pauli’s v. J. 1522 Nr. 651. - - 12, - - - - 652. - - 38, - - - - 650. - - 45, - - - - 642, - - 49, - - - - 658. - - 70, - - - - 644. - - 71, - - - - 646. - - 85, - - - - - 653. Ein fernerer Beweis, dass Pauli den Ulenspiegel nicht nur kannte, sondern auch sehr wohl verstand, begegnet uns noch in dem folgenden Geschichtchcn der ersten Ausgabe, welches später weggelassen ist. Von S c h i m p f f das d X C1X. Xantus fprach zu feinem kueclit Efopo: fetz vnfz ein linfz zft. Efopus thet nur ein linfz in ein baffen mit wafser. Da man effen folt da fragt er oh die linfen gefotten wer. Er fprach ich wil lügen, vnd bracht im die linfz in einem löflel. Der her riirt die linfz an vnd zertruckt fie mit dem finger vnd fprach, rieht an. Efopus rieht die fupen an. Der her fficht 380 Abhandlung über den Uienspiegel. mit dem loifrl linfen, da was keine da, vnd fprach zii dem knecht, wa ha (tu die linfen hin getlion? Efopus fprach, ir haben fie vff dem loffel zertruckt. Der her fprach haftu dan nur ein linfz zu gefetzt. Efopus fprach ia, ir haben mich heiffen ein linfz zu fetzen, das hab ich gethon, betten ir gefprochen, fetz linfen zu, fo het ich vil zu gefetzt. Alfo fein vil menfchen die thfln mit ileifz was man fie lieifzt, vnd wie man fie heifzt, das fol nit also eyne fein, man fol ein ding thün nach der mei- nung vnd den willen des gebielers. Der verirten vnd fellzamen hiftorien findeftu in dem Vlenfpiegcl, der thet was man in hiefz. II. Bruder Rausch. Bei dem hohen Alter der Erzählung vom Bruder Bausch konnte man versucht sein, zu vermuthen, dass er zu den Quellen des Ulenspiegel gehörte, auch finden, wie oben zu den Historien 64 und 89 bemerkt ist, Beziehungen zwischen beiden Büchern statt, welche jedoch, wie die genauere Untersuchung erwiesen hat, sich lediglich auf die englische Ausgabe des Friar Rush beziehen. Es ist hier zu der anziehenden Abhandlung des Herrn F. Wolf, welche er seiner Ausgabe des Bruder Rausch beigefiigt hat, nichts erhebliches hinzuzusetzen, doch lässt sich die von ihm gegebene Literatur noch etwas vervollständigen. Die älteste Bearbeitung des Bruder Rausch, welche wir kennen, ist die niedersächsische, von welcher ein urn’s Jahr 1500 veranstalteter Abdruck in dem einzigen bekannt gewordenen Exemplare aus der Sammlung des Herrn von Meusebach in die K. Bibliothek zu Berlin übergegangen ist. Der älteste hochdeutsche Text ist zu Strassburg durch Mathis Ilüpfuff gedruckt, und in einem Exemplar der K. K. Bibliothek zu Wien erhalten. Dieser Abdruck ist von F. Wolf und St. Endlicher zu Wien 1834 auf zwei Bogen mit 50 Seiten Einleitung wiederholt in nur 50 Exemplaren, und neuerlich in Scheibles Kloster B. XI wiedergegeben. Leider ist der niedersächsische Text noch nicht wieder aufgelegt worden, jedoch verdanke ich einer zu Berlin freundlich durch Herrn Dr. Pin der veranstalteten Vergleichung folgende Nachricht: Die Erzählungen Spätere, dem Ulenspiegel verwandte Bücher. 381 stimmen in beiden Bearbeitungen tiberein, es sind nicht mehrere, und sind in gleicher Folge. Die hochdeutsche Bearbeitung ist weitläufiger, die Reden ausführlicher, aber zuweilen wörtliche Ucbcrtragung. Zu beachten ist, dass die letzten 36 Zeilen der hochdeutschen Bearbeitung in der niederdeutschen durch die von Wolf Seite 49 angeführten Schlusszeilen ersetzt sind. In dem niederdeutschen kommt die Bezeichnung des Klosters nicht vor, die im hochdeutschen in den obenerwähnten 36 Schlusszeilen und vorher einmal “In denmarck bey Helsinghore” sich findet. Die nächste Ausgabe dürfte eine Nürnberger sein, durch Friedrich Gutknecht o. J. in 8.; von dieser befindet sich ein Exemplar in der Ministcrialbihliothek zu Celle. Derselbe druckte 1554 — 80. Eine andere Nürnberger Ausgabe durch Valentin Newter, welcher zwischen 1550 und 1582 druckte, hat F. Wolf a. a. 0. beschrieben. In diese Zeit fällt auch schon die älteste englische Uebersetzung. Der Buchdrucker John Aide erhielt 1568 bis 1569 die Erlaubnis, ein Buch zu drucken, betitelt: “Freer Russlte.” ’) Dieser Abdruck mag es gewesen sein, welcher sich 1575 in der für Volksbücher so lehrreichen Bibliothek des Ca- pitain Cox zu Coventry fand. 2 ) Dieser englische Text war ver- mutlilich, wie seine Nachfolger es sind, in Prosa, während alle bekannten deutschen Ausgaben gereimt sind. Eine Ausgabe zu Magdeburg durch Wilhelm Ross erschien 1587. In diese Zeit gehört auch schon eine dänische Uebersetzung unter dem Titel: “Om Munken Rus.” 3 ) 1620 erschien eine Ausgabe der “Historie of Frier Rush”, zu London gedruckt durch Edward Aide, Sohn des obengenannten John Aide. Diese enthält unseres Wissens zuerst die obengedachten dem Ulenspiegel nachgebildeten Zusätze. Sie wurde 1810 in wenigen Exemplaren und hernach 1820 von W. J. Thom in seiner: “Collection of early prose romances” ab_ gedruckt, welche R. O. Spazier 1830 übersetzt hat. Edward 1. S. J. P. Collier: Register of the Stationers company 1557 — 1570 p. 199. 2. Shakespeare society papers. Vol. IV. p. 20. 3. S. Nyerup: Almindelig Morskabslaesning, S. 239 und F. Wolf a. a. 0. 382 Abhandlung über den Ulenspiegel. Aide gab eine neue Ausgabe 1626 in 4. '), welche 1629 seine Wittwe wiederholte. 2 ) Eine schwedische Ausgabe in Versen vom Jahre 1645 wird von Ny crup a. a. 0. erwähnt. Eine dänische in Versen kennt man noch vom Jahre 1730 zu Kopenhagen gedruckt. (S. Wolf a. a. 0.) III. Claus Narr. Claus Narr von Ranstedt war von 1486 bis 1532 Hofnarr der Kurfürsten von Sachsen; er erscheint zuweilen dem Ulenspiegel ähnlich, jedoch sind seine Schwänke und Witzeleien meistens sehr ilau und unbedeutend. Er war schon hei seinen Lebzeiten sehr bekannt, und wird er schon in Pauli’s Schimpft und Ernst im Titel : "Von den Narren” Nr. 47 bis 49, namentlich mit seinen Possen und dem sprichwörtlich gewordenen Hunde 3 ) Lepiseh, aufgeführt. Eben so früh nennt ihn schon Murner in seiner Schrift: "Oh der König ufz Engelland ein Lügner war oder der Hr. Luther.” 1522 ‘’j : “Es is fo wol ein fein böfzlein ... was er gleich Clauf nar gesagt het.” Die älteste Ausgabe vom Jahre 1572 (eine angebliche von 1551 oder 1552 scheint auf Druckfehlern zu beruhen) gieht in einem Schlussakrostich, Oratio Autoris, als Verfasser den Magister Wolfgang Bvttner, Pf(a)rrer zu Volflerstet (im Mansfeldi- sclien) an, welches Akrostich die späteren Ausgaben durch Weglassung von vier Reimzeilen zerstören. Auch lassen sie unter der Vorrede die Zeile weg, welche wieder ergiebl: M. v. B. p(arocha) vol(ferstelensis) 5 ) Der Verfasser scheint uns den Claus Narren sehr zu überschätzen, wenn er in der Vorrede sagt: “Und warumb solten dieses guten Menschen reine wort und gute Sprüche den Eulenspiegelischen schänden un unleidlicher sclmüdigkeit nicht fürgesetzet unnd besser geachtet werden?” Dieser Büttner ist übrigens der deutschen Literatur nicht ganz unbekannt; Adelungs Fortsetzung zum Jocher führt 1. S. II all in eil in Shakespeare society papers 1. 1. p. 26. 2. S. J. P. C o 11 i er a. a. 0. 3. S. Franck Deutsche Sprichwörter. 1548. S. 17 b . 4. Abgedruckt Scheible’s Kloster IV. S. 947. 5. Ich verdanke diese Notiz, welche G er vinus a. a. 0. S. 303 gleichfalls schon kennt, der Güte des Herrn Dr. Massmann. Spätere, dem Ulcnspicgel verwandte Bücher. 383 von ilnn an: “Eine deutsche Logik 1574”, "Epitome historiarum oder christliche Geschichten. 1576. fol”, und "Historische Catechisnms- Predigten über die 10 Gebote, l'ol.” Auch wird er ohne Zweifel der von Gervinus 1 ) angeführte Pfarrer Wolf Büttner in Wolflerstädt sein, dessen gereimter kleiner Catéchisions für die Wandersleute auf der Strasse und die Handwerksgesellen auf der Werkstatt, 1572 eine wiederholte Ausgabe erlebte. Bei der bei Crûsse a. a. O. Bd. Ill, S. 36 flgd. sehr reichlich gegebenen Literatur des Claus Narr fehlt jedoch eine auf der Hamburger Stadtbibliothek vorhandene Ausgabe, o. 0. 1617, 8. IV. Hans Cl a wert. Einen Nachfolger des Eulenspiegels können wir den Hans Clawcrl nennen, der aus folgendem Buche bekannt ist: Hans Clawerts | Wercklike Iliftorien, kortwy- | lieh vnde fehl 1 lnftich tho lefen, ! Befchreuen durch | Bartholomaeum Krüger, Stadtfchriucr tho Trebbin.— Holzschnitt: Büste eines Narren auf einem runden Postament, in welchem ein kleiner Narr stellt. — Utli dem Iloclidüdefchen in de Saffefche fprake mit llytc auer gefettet. Vermutblicli zu Magdeburg gedruckt; 108 paginirte und 10 unpaginirte Seiten in kl. 8. Ein Exemplar findet sich auf der Ministerialbibliothek zu Zelle. Das hochdeutsche Original oder eines der ältesten Drucke ist von Gervinus a. a. O. Th. II. S. 300 angeführt unter dem Titel: “Hans Clawerts werkliche Historien” durch Barthol. Krüger, Stadtschreiber zu Trebin. Berlin 1587. In Wigands Volksbüchern findet es sich in Nr. 39, herausgegeben von L. B. Wolff. Vergl. auch K. Gö- decke 11 Bücher deutscher Dichtung Bd. I. S. 147. Ausgaben zu Berlin 1590, 1591, in 8., ohne Ort und Jahr in 8., ohne Ort 1659 in 8, niederdeutsch Uelzen 1598 in 8., führt an: Grasse, Allgemeine Literärgeschicbte Bd. III. S. 639. Von dem aus Trebin in der Mark Brandenburg gebürtigen Helden Hans Clawert, Peters Sohn, werden in 36 Capiteln, welchen stets ein Morale in Versen folgt, viele Schwänke und Schelmereien erzählt, welche derselbe meistens in dortiger Gegend 1. A. a. 0. Th. III. S. 21. 384 Abhandlung über den Ulenspiegel. verübte. Er war anfänglich Schmidt, treibt auch andere Gewerbe, führt manche Wirthe, Handwerker, alte Frauen an, häufig durch absichtlichen Misverstand ihrer Worte. Sein Tod wird urn’s Jahr 1566 gesetzt. Häufig wird sein Gönner Herr Eustachius von Schliven, Ilocvetmann auf Trebbin und Zassen, genannt. Ein Edelmann mit diesem Vornamen, aus der jüngeren branden- burgischen Linie der Herren von Schlierten erscheint allerdings um diese Zeit in der Geschichte dieses Geschlechtes. Doch wird dessen Gemahlin nicht, wie in jenem Buche, Catharina, sondern Maria genannt. Die beiden letzten Capitel erzählen von Hans Clawerts Gedichten, worin ein treffliches Vorbild der Erzählungen des Herrn von Münchhausen sich befindet. §. 10. Dr. Thomas Murner, der Verfasser des Ulen Spiegel. Wenn es als erwiesen angesehen werden darf, dass keine der uns bekannten Ausgaben des Ulenspicgels älter ist, als die Strassburger vom .1. 1519, und nur etwa ein uns unbekannter früherer hochdeutscher Abdruck derselben bald nach dem in der Vorrede benanntem Jahre 1500 da gewesen sein kann, so möchten wir doch nicht bezweifeln, dass es schon früher eine im Braunschweigischen entstandene Sammlung seiner Schwänke in niedersächsischer Sprache gab, welche bereits 1483 gedruckt oder doch niedergeschrieben ist. Man wird nie den Strassburger Herausgeber für den Erfinder des grösseren Theiles jener Braunschweigischen Historien halten dürfen. Wenn daher der bekannte Franciscaner Thomas Murner von einer Seite für den Verfasser der ersten hochdeutschen Ausgabe des Ulenspiegel erklärt, von anderer Seite diese Angabe aber völlig in Abrede gestellt ist, so beruhen beide Ansichten auf einem Misverstande, welcher bei dem Interesse, das jene Ausgabe durch ihre grössere Richtigkeit und manche eigenthümliche Züge in der Darstellung erweckt, nähere Untersuchung verdient. Wir haben oben schon ausgeführt, dass ein niedersächsisches Original des Ulenspiegel sich nur auf einen kleinen Theil des vorliegenden Buches beschränkt haben dürfe, nämlich auf Dr. Murner, Verfasser des Ulenspiegel. 385 die Erzählungen von der Jugend, den Handwerkerscbwänken und den letzten Tagen des Volksnarren. Dass diese Sammlung früher gedruckt gewesen sein könnte, ist aus dem Grunde nicht sehr wahrscheinlich, weil sich von diesen Schwänken keine Spur in irgend einem bisher auf unsere Zeit gekommenen Werke vor dem Jahre 1519 nachweisen lässt, selbst nicht einmal der Name Ulenspiegel in Beziehung auf irgend einen Schwank. Je näher wir dagegen die vorliegende alte Ausgabe betrachten, je deutlicher erkennen wir in dem Dialect des Verfassers einen Strassburger. Wir sehen ferner aus einigen lateinischen und vielen dieser Sprache nachgebildeten deutschen Wörtern, dass jener nicht, wie in der Vorrede behauptet wird, ein unkundiger Laie war, sondern vielmehr ein in der lateinischen und vermuthlich mehreren neueren Sprachen, jedenfalls der französischen, bewanderter Gelehrter, welcher die von uns nachgewiesenen verschiedenartigen Quellen zu benutzen wusste. Wenn wir nun den Witz und die Laune betrachten, mit welcher die meisten Erzählungen wiedergegeben, und die Gewandtheit, mit welcher die aus anderen Büchern entlehnten Schwänke verkürzt, erweitert oder miteinander verflochten sind, so können wir in dem Verfasser einen geistreichen Darsteller und geschickten Ilandhaber seiner Sprache nicht verkennen, und haben wir ihn unter den bedeutenderen Schriftstellern jener Gegend zu suchen. Unsere Vermuthungen müssten schon auf Dr. Murner fallen, selbst wenn nicht für ihn ein bestimmtes Zeugniss aufträte. In einer vermuthlich 1521 erschienenen Schrift: Ain fchöner Dialogus und gcfprech zwifchen aim Pfarrer und aim Schulthayfz, betreffend allen übel Stand der gayftlichen, o. J. u. 0., 4., wird gesagt: “Murner hat herfür gebracht die hoch ergründten leer, mit namen die narrcnpfchwerung, die fchelmenzunfft, der greth- millerin jartag, auch den Vlenfpycgel, und andere fchüne Büchle raer.” ') Wenn dieses Zeugniss auch das einzige gleichzeitige ist, welches von Murners Antheil an dem Ulenfpiegel spricht, so ist dessen Wahrheit wenigstens im Allgemeinen nicht zu bezweifeln. Die andern dort genannten Werke, die Narrenbeschwü- 1. Flögel Geschichte der komischen Literatur Th. III. S. 203. Der ganze Dialog ist neu abgedruckt in Scheib le ’s Kloster Bd. X. S. 301 — 320. 25 3S6 Abhandlung über den Ulenspiegel. rung iuk] die Scliehncnzimfl, sind als die seinigen allgemein bekannt. Der Greth-Müllerin Jartag wird von Murner selbst erwähnt. Die Autorschaft des letztgenannten, des Ulcnspiegel, wird keinem anderen Manne irgendwo zugeschrieben, auch wird sie von Murner selbst nie in Abrede gestellt. Dass Fischarl den Murner tadele, weil er den Ulenspiegel verbreitet und übersetzt habe, dari' freilich nicht als Beleg für diese Autorschaft angeführt werden; cs ist diese Angabe lediglich der lrrtlmm eines hochverdienten Literar-Historikers, welchen die von ihm selbst angeführten Worte Fischarts widerlegen. ’) Dieser gedenkt des Murner an jener Stelle mit keiner Sylbe, und anstatt die Bücher Ulenspiegelischer Art zu tadeln, nimmt er sie in Schutz gegen übelwollende Kritiker. Wir werden Fischart jenen Tadel auch um so weniger unterlegen können, da wir wissen, was er selbst für den Ulenspicgel gcllian bat. Eher liesse sich aus seinem Schweigen über Murner in Beziehung auf jenen folgern, dass er ihn nicht als den Verfasser des Ulenspiegel kannte. Andere Zeugnisse sind neuer, beruhen jedoch schwerlich auf der oben angeführten Schrift, sondern vielmehr wahrscheinlich auf anderen für uns imtcrgcgangenen Nachrichten. 1 2 ) Lessing, welcher Murner nicht als den Verfasser anerkennen wollte, kannte jenes gleichzeitige Zeugniss nicht und hat auch wohl nur behaupten wollen, dass jener nicht der Erfinder des Buches sei, auf dessen angeblich alteren niedersiichsischen Text er so eben durch die Auffindung der Augsburger Ausgabe vom Jahr 1540 aufmerksam geworden war. 3 ) Es scheint mir, dass irgend ein Grund fehlt, die Richtigkeit der Angabe des oben angeführten Zeitgenossen zu bezweifeln. Thomas Murner war im Jahre 1500 fünf und zwanzig Jahre alt und kann also das niedersächsische Buch schon auf einer Reise nach Braunschweig kennen gelernt haben. Der Charakter des Buches entspricht dem seiner eigenen satyrisehen Schriften, wie er in 1. Gervinus Geschichte der poetischen National-Literatur. Tb. II. S. 337. Diese Behauptung ist auch in der eben erschienenen Ausgabe vom Verfasser stillschweigend zuriiekgenommen. 2. Waddingi Scriptores ordinis .Minorum. Iíoinae 1G50 fol. p. 325. Excerpta e Jacobi Thoinasii epistolis apud SlruviuiD in Actis liter, fase. VU. p. 41. 3. S. oben S. 172 Nr. 12. Biographisches und LilerarhisUirischcs »her Thomas Murner. 387 vielen gediegenen und witzigen, aber mich in manchen unfläthi- gen Worten und llildern niedergelegt ist. Dass die Sprache durchaus die seinige ist, wird ein Blick auf unser Glossar lehren , dessen Anführungen aus Murners Schriften, wenn es der Mühe worth schiene, sich sehr vermehren liesse. Wenn Murner sich nicht als Bearbeiter nannte, so mag er, zumal in früheren Jahren, Bedenken getragen haben, seinen Namen voran zu stellen, wo er ohnehin nur geringes Verdienst hatte, wenn er nicht gar Vorwürfe besorgen musste. Auch andere Schriften scheint er in einem Fledermaus-Incognito mit halb heruntergezogenem Visir herausgegeben zu haben, wenn das Gedicht: tc Von celichs Stadts nutz vnd heschwerdcn durch Jo an ne in Murner gedieht und gemacht” mit Recht dem Thomas Murner zugeschrieben wird. Die unverkennbare Flüchtigkeit, mit welcher die Redaction gemacht ist, möchte gleichfalls darauf hindeuten, dass sie von einem Manne herrührt, welcher sich mit wichtigeren Dingen zu beschäftigen pflegte,, hier aber aus Schwankest, oder auch, wie dies dem Murner öfters nachgesagt wird, des Gelderwerbes wegen, diese Bogen eilig zusammengeschrieben hat. Dass Beweise ungewöhnlicher Nachlässigkeit sich in der Ausgabe von 1519 finden, möchte als ein Beleg dafür anzusehen sein, dass ihr keine ältere Ausgabe Murners vorangegangen ist; dass sie jedoch bei Johannes Grüninger erschien, Murners gewöhnlichem Strassburger Verleger, möchte auch für seine Vaterschaft dieses Buches sprechen. §. 11. Biographisches und Literarhistorisches über Tliomas Murner. Die Nachforschungen über das Verhüllniss des Thomas Murner zum Ulenspiegel haben mich zu näheren Untersuchungen über Murners Leben und Schriften geführt, welche die Mängel der Biographie desselben von G. E. Waldau_(1 775) häufig aufgeklärt haben und mich zu dem Wunsche führten, dem vorliegenden Werke eine ausführlichere Uebersicht des Lebens und der Schriften Murners anzuhängen. Jedoch hat tlieils ein sehr 25 * 388: Abhandlung über den Ulenspiegel. gediegener Aufsatz des Pfarrers T. W. 11 ill) rieh zu Strasslnirg') nebst den Mittheilungen von A. Jung 2 ), A. W. Strobel 3 ) und J. J. IIottinger’) das Bediirfniss einer solchen Arbeit sehr verringert, llieils dürfte eine noch ausführlichere Abhandlung über Murner, vorzüglich über seine späteren Jahre, für dieses Buch nicht mehr geeignet erscheinen. Ich werde mich daher hier darauf beschränken, einem gedrängten Umrisse seines Lebens solche Erläuterungen einzuschalten, welche bisher unbekannt geblieben sind, oder doch in einigem Zusammenhänge mit seinem Verhältniss zu dem Ulenspiegel erscheinen könnten. Es standen mir dazu verschiedene ungedruckte oder doch unbenutzte Documente zu Gebot; einiges ist bisher übersehenen Stellen seiner eigenen seltenen Schriften entlehnt, anderes den, freilich nur mit einiger Vorsicht zu benutzenden Schriften seiner zahlreichen Gegner. 5 ) Thomas Murner ist den gewöhnlichen Annahmen nach im Jahre 1475 December 24") zu Strassburg geboren. Der unten in der Anlage mitgelhcilte Brief des Jacob Wimphcling behauptet jedoch, er sei nicht zu Strassburg, sondern zu Ehenheim, einem Dorfe südlich von dieser Stadt, am Flüsschen Ergers, jetzt Ober- und Nieder-Enheim, geboren, wo sein Vater früher Schuhflicker gewesen, der hernach aber als Sachwalter auftrat, als welcher er zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts noch zu Strassburg lebte. Wir kennen fünf seiner Geschwister: Jo- t. Niedncrs Zeitschrift für historische Theologie. Jahrgang, 184S. 2. Beiträge zur Geschichte der Reformation. B. II. 1830. 3. Beitrüge zur deutschen Literatur und Literürgeschichte. 1827. Aus ihm sind die betreffenden Briefe wieder abgedruckt in Scheible’s Kloster Bd. IV. S. 250—605. 4. Geschichte der Eidgenossen während der Zeiten der Kirchentrennung. Bd. VII. 2. Aktheilung. 5. Bei der Anführung der Bibliotheken, welche mich für meine Arbeit giitigst unterstützt haben, sind der Kürze wegen nur die Orte genannt; es sind damit gemeint zu Wien die K. K. Ilofbibliotkck, zu Berlin die K. Universitätsbibliothek, zu München die K. Hof- und Staatsbibliothek, zu Güttingen die K. Universitätsbibliothek, zu Wolfenbüttel die Ilcrzogl. Bibliothek, zu Frankfurt ä. M. und zu Hamburg die Stadtbibliotheken. 6. Murnarus Leviathan, eine Schmähschrift gegen Murner, welche jedoch viel Anspruch auf historische Glaubwürdigkeit hat. Einer der seltenen Originaldrucke ist auf der Hamburger Stadtbibliothek zu finden. Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 389 Int unes, Sachwalter zu Strassburg dessen Namen die seinem Bruder Thomas gewöhnlich zugeschriebene Schrift: “Von E elicits Stadls nutz" etc., vorhanden zu Berlin und Hamburg, trägt; ferner Bat oder Beatus, als Buchdrucker uns bekannt, Rudolph, Sixtus und Maria, welche von einem der sittenlosen Stiftsherren der St. Petrikirche zu Strassburg, nach dem Familiennamen einiger ihrer Mitglieder gewöhnlich die Wölfe genannt, verführt war. ') Des Vaters Matthaeus gedenkt er selbst in der Vorrede zu den 1521 gedruckten kaiserlichen Stadtrechten, vor welchem er auch Jacob Murner nennt, vernuithlich einen älteren Bruder des Vaters, und, wie der Zusammenhang andeutet, einen Richter oder Sachwalter; Beide werden schon früher genannt in seinem Tractatus de phitonico contractu. Seine Jugend brachte er, wie es scheint, in einer Schule der Franciscaner in Strassburg zu; hierauf zog er noch als ein wahrer fahrender Schüler auf vielen Universitäten herum, von denen uns Paris, Freiburg, Strassburg, in Niedersachsen Rostock, ferner Prag, Wien und Ivrakau genannt werden. 1 2 ) Im 19. Jahre, also 1494 soll er bereits zum Priester geweiht sein, wie sein Vater dem Jacob Wiinpheling erzählt hat 3 ), was nur durch eine sehr ungewöhnliche Dispensation möglich gewesen sein kann. Als die älteste Schrift Murners erscheint seine “Invectiva contra Astrologos” 4 ), deren Druck zu Strassburg am 8. Mai 1499 vollendet wurde, worin er dem Kaiser Maximilian den Sieg über die Schweizer Eidgenossen prophezeien will. Auf dem Titel dieser Schrift bezeichnet er sich nicht, wie Waldau sagt, als Magister liberalium artium studii Parisiensis, sondern auf der Rückseite in der Dedication an seinen Freund Job. Wörnhcr de Mörsperg: Sacrarum literarum studens Parisiensis. Lessing hat die falsche Angabe Waldaus im Titelblatt richtig bemerkt, aber die Rückseite des Titelblattes nicht beachtet. 5 ) Murner war 1. S. Jung a. a. 0. S. 238 ilgd. und 63 figd. 2. Murena Defensio Germaniae Jacobi Wiinphelingii, nach der Anführung bei Jung a. a. 0. S. 239. Vergl. auch (Itiegger) Amoenitates litterariae Frihurgenses. p. 21t sq. 3. S. Itiegger a. a. 0. p. 210. 4. S. Waldau a. a. 0. S. 40. Die Schrift enthält 6 Bogen. Exemplare derselben befinden sich zu Göttingen und Wolfen- büttel. 5. S. Lachmann’s Lessing XI. S. 493. 390 Abhandlung über den Ulenspiegel. jilso von dom Studium der freien Künste zu dem der Theologie übergegangen und halte deshalb zu Paris verweilt, hatte dort jedoch Keinen akademischen Grad erworben, und es bleibt also der ihm von Thomas Wolf 1 ) gemachte Vorwurf, dass er dies nicht habe erreichen können, als richtig bestehen. Er hatte übrigens Paris schon verlassen und hielt sich zu Freiburg auf, als er die Widmung an seinen Freund schrieb. Es ist demnach die bekanntere Schrift Murners, der Tracta lus perutilis de phitonico contractu... Ad instantiam Generosi domini Johannis Wocrnher de Moerspcrg compilatus 2 ), nicht der Erstling seiner Feder, da diese freilich in demselben Jahre 1499, aber nach der auf dem Drucke angegebenen Zeit: “Sole in XVII. grado libre gradiente”, im October vollendet wurde. Sie wurde auf der Hochschule zu Freiburg im Breisgau geschrieben. Die Angaben, welche beide Schriften dem Jahre 1494 zuweisen, sind irrig, wie ich mich bei letzterer durch mein eigenes Exemplar 3 ) dieses seltenen Druckes überzeugt habe. Der Gönner, welchem Murner den Tractat widmet, war damals Hector der dortigen Universität 4 ) ; er wird auch Baro dominusijue in Morsperg et Befordt betitelt und wird häufiger in seinen Schriften genannt. Er ist derselbe, der noch in dem Gedicht: “Vom grossen lutherischen Abarren” 1522 im Bundesgenoss XIII neben den Murners Vater wohlbekannten, verstorbenen Schweizern, Dr. G rei ff, Ritter Peter und Uli von Stauf- fen 5 ) aufgeführt wird, und einen Sohn, der dort gleichfalls Uli 1. Hinter der Defensio Germaniae J. Wimp h el ingii. ltiegger Amoenitates academiae Friburgensis p. 214. 2. Vergleiche Waldau a. a. 0. S. 38. Die Schrift ist zu Freiburg gedruckt und enthält 12 Blätter in 4. Sie ist wieder ahgcdruckt in Jak. Sprengers Malleus maleficarum. Franco!. ad Mocn. ap. Nie. Rasscum 1580 in 8. Spätere Ausgaben: Frankfurt 1588 in 8. und Lugduni in 4. sind angeführt in Dähnert Acad. Cryphis- wald. hihi. T. II. Eine Ausgabe : Frankfurt a. M. 1600 befindet sich zu Wolfenbiiltel. 3. Ein anderes befindet sich zu München ; zu Wien eine Ausgabe o. Ort und Jahr. 4. R i e g g er a. a. 0. S. 5. 5. Uli von S ta offen ist uns aus der ersten Ausgabe von S. R rants Narrenschiff als Holzschneider bekannt. S. Strobels Ausgabe S. 38. Murner nennt ihn auch in der Schelmenzunft Cap. II. Auch die beiden Ersten finden sich daselbst: Abschnitt „vom grossen Rühmen“ (der LXXVI. Narr.) , wo der Ritter Peter von llrundrut etwas verhöhnt und Dr. GrcilT gepriesen wird. Biographisches und Literarhistorisches (¡her Thomas Murner. 391 genannt wird, hatte. ') In beiden angeführten Schriften bezieht Murner sich auf ein grosseres Werk wider die Astrologen, welches er "Quadripartitum mains” nennt, in dem letzteren auch auf seine Arbeit über die Perspective. Heide angeführten Bücher sind, wie schon Lessing vermuthete, beabsichtigt, und es gebürt deren Anführung wohl nur zu der dem Murner eigenthümlichcn vorgreifenden Perspective in die Zukunft. Nachdem Murner in seinen beiden ersten Schriften gegen den Irrwahn der Astrologen und den Betrug der Medicin geeifert hatte, so finden wir ihn jetzt beschäftigt, das römische Recht durch Erläuterungen der Institutionen des Justinian populär vorzutragen. Grössere Arbeiten darüber erschienen später, und werden unten von uns erwähnt werden; doch scheint er schon jetzt Erläuterungen des Rechts durch Bilder und seihst Spielkarten versucht zu haben 1 2 ), wenn wir sie gleich erst aus dem Drucke vom Jahre 1518 kennen. Diese ersten juristischen Arbeiten oder Spielereien sind spurlos verschwunden. 3 ) Sehr nachtheilig jedoch waren für seine Stellung und für seinen Ruf die Streitigkeiten, in welche er durch einen Angriff wider seinen allgemein verehrten Lehrer Jacob Wimpheling verwickelt wurde. Letzterer hatte 1501 zu Slrassburg eine Schrift herausgegeben : "Germania”, welche die Errichtung einer neuen Gelehrten-Anstalt in Slrassburg bezweckte; Murner vertheidigte dagegen die lateinische Schule in seinem Kloster zu Strassburg, in welches er zurückgekehrt war, und sprach sich gegen Wim- phelings bei diesem Anlasse aufgestelltc Behauptung aus, dass 1. In dem Abdruck dieser Schrift in Schciblc’s Kloster Bd. X. heisst er gewiss irrig Hans Wnernher von Anorspcrg. 2. S. Murners Brief an G. V. Kaisersberg in der Anlage, und Murner: „honestorum poematum laudatio.“ fol. a. 8. 2. und fol' b. „Ingenue fateor me in imperatorias constitutiones ... quosdam commentarios edidisse cartiludium institutionum ac pictasmate Justinianeum textum ad facilem memorandi viam revocasse.“ Darüber wird ihm auch ein Vorwurf gemacht in : Thomas Wo 1 f jun. Briefe an Albert von Ilatsamhusen; abgedruckt in der sehr seltenen, in meiner Sammlung befindlichen, 1502 oder 1503 gedruckten Schrift : „Versiculi Theodorici Gresemundi Legum Doctoris.“ Vergi. Riegger pag. 216. 3. In diese Zeit scheint auch seine epistola ad Wimphelingium, s. 1. et a. zu gehören, die sich auf der K. Staatsbibliothek in München befindet. 392 Abhandlung über den Ulenspiegel. Strassburg zum deutschen Reiche gehöre, da jene vielmehr, eine gallische Stadt sei. Die Schrift, in welcher er dieses that, "Nova Germania” betitelt, scheint m keinem Exemplare mehr vorhanden, da sie bald nach dem Erscheinen, 1502, vom Kaiser verboten und vom Magistrat confiscirt wurde. ') Der hieraus ent- sponnene Streit über die Grenzen Frankreichs und Deutschlands rief noch viele Schriften, besonders von Wimphelings Freunden hervor, und dürfte , noch immer gelegentlich eine nähere Betrachtung verdienen. Einen in diesem Streite von Murner an Gey- ler von Kaisersberg erlassenen Brief, auf welchen von seinen Gegnern Bezug genommen wurde, können wir in der Anlage zuerst vollständig mittheilen. Eine Vertheidigungsschrift Murners gegen Wimpheling ist: “Honestorum poematum condigna laudatio, impudicorum vero miranda castigatio.” 1 2 ) Auf ihrem Titel nennt er sich auch einen Strassburger und zuerst "divinarum litterarum baccalaureus Cracoviensis”. Uebcr Murners Thätigkeit in den nächsten Jahren sind wir in Ungewissheit; vielleicht ist dieses die Zeit, in welcher er Guardian seines Klosters wurde, dessen Besitzthum er jedoch sehr nachlässig, wenn nicht gewissenlos verwaltet haben soll, 3 ) worauf wir unten zum Jahre 1515 zurückkommen müssen. Er begab sich später nach Frankfurt, wo er ein Buch, aus dem hernach sein Gedicht, die Narrenbeschwerung, entstand, lateinisch niederschrieb, und in deutscher Sprache darüber predigte, und wo, wie er -selbst klagte, man sich über seine Possen, "die oft nicht ganz wohl gehobelt gewesen”, lustig gemacht habe. Er verwickelte sich hier aber bald, vermuthlich aus Hass gegen Wimpheling, welcher ein Gedicht: "de triplici candore Mariae” (1493) 4 ) über die unbefleckte Empfängniss der Jungfrau Maria geschrieben hatte, in die über diesen Gegenstand entstandenen Streitigkeiten des Dominikaners Wigand Wirt 5 ) mit dem Fran- 1. S. Jung a. a. 0. S. 246 flgd. Strobel S. Brant Narrenschiff S. 30. Rö hri ch a. a. 0. S. 591 flgd. 2. Exemplare dieser seltenen Schrift, welche Waldau nicht kannte und S. 40 mit der erst 1509 erschienenen Poetarum reformatio verwechselte (3 Bogen 4.), befinden sich zu Berlin, München, Hamburg und Frankfurt; s. auch Riegger a. a. 0. p. 216 sq. 3. Murnarus Leviathan. 4. S. Riegger p. ISO. 5. Ueber Wirt s. unten zum Murnarus Leviathan. Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 393 eiscancr llans Spengler, in deren Folge er auch Frankfurt verlassen musste. ‘) Im Jahre 1506 ward er vom Kaiser Maximilian mit dem Lorbeerkranze des gekrönten Dichters beehrt, welchen anzunehmen der Franciscanergeneral Egidius Delphin de Pomewia ihm in einem Schreiben aus Viterho vom 26. September gestattete. 1 2 ) Es ist nicht wahrscheinlich, dass diese Auszeichnung eine Folge der bereits vor sieben Jahren erschienenen kleinen Schrift gegen die Astrologen gewesen, sondern dass seit der 1503 vom Kaiser verbotenen Schrift Murners derselbe durch ein deutsches Gedicht die Aufmerksamkeit des kaiserlichen Hofes auf sich gezogen habe. Vielleicht hat er schon damals eines der später herausgegebenen poetischen Werke in einem uns jetzt unbekannten Drucke dem Kaiser vorgelegt. Es könnte dies die Schelmen- zunl't sein oder wahrscheinlicher der erste Entwurf der Narrenbeschwerung, von welcher eine zu Dasei im Jahre 1506 erschienene Ausgabe angeführt wird, eine Nachricht, welche jedoch bei der geringen Genauigkeit ihrer Quelle auf einer Verwechselung mit dem an demselben Orte und in demselben Jahre erschienenen “Narrenschiff” von Sebastian Brant zu beruhen scheint. 3 ) Eine in Murners Gedichte “Vom grossen lutherischen Narren”, welches, wie dessen Herausgeber Dr. H. Kurz bemerkt, im Jahr 1520 begonnen wurde, belindliche Stelle, Vers 162: “Ich hab vor íierzehen gantzer jaren Allein die kleinen närlin beschworen” führt jedenfalls den Anfang seiner “Narrenbeschwerung” auf das Jahr 1506 zurück, was auch durch den obengedachten zu Frankfurt a. M. entstandenen lateinischen Text, so wie durch deutsche Predigten beglaubigt wird, seihst wenn hinsichtlich des Abdruckes ein Irrtlmm olwvaltcn sollte. Wahrscheinlich erlangte er jene Ehre bei einer persönlichen Anwesenheit zu Wien. Wir linden ihn bald darauf zu 1. Jung a. a. O. S. 248 flgd. 2. S. Waldau a. a. 0. S. 11 und 44 IL Egidius ward noch im Jahr 1506 seiner Würde entsetzt und starb bald darauf. S. Waddingi Annales Minorum, p. 312 und 378. 3. Herdegen Schediasma de Tb. Murneri logica memorativa. Nürnberg 1793. fol. pag. 3. 394 Abhandlung über den Ulcnspiegel. Krakau, wo er die Studenten, welchen die Logik nach den ,un- geniessbaren Scliriftcn des Petrus Hispanus gelehrt wurde, durch die von ihm erfundenen Spielkarten in dieser Wissenschaft zu fordern suchte. Seine Erfolge hierin überraschten die dortige Universität so sehr, dass er in den Verdacht der Zauberei ge- rieth, und es wurde auf derselben zu seiner Rechtfertigung ein Attest ausgestellt. In diesem Attest, welches übrigens schon einer früheren Zeit angeboren konnte, wird erwähnt, dass Murner in Krakau studirt. (filium nostrae Universitatis Cracoviensis), so wie, dass er dort einen akademischen Grad erlangt habe (in numerum nostrum promovimus); sodann wird in derselben bezeugt, dass die Zeit von einem Monat seinen Schülern zum Studium der Logik genügt, er denselben jedoch einen Eid abgenommen habe, sein Geheimmittel für die nächsten zwei Jahre nicht zu verralhen. ') Hat er diese Periode abgewartet, oder nicht — im Jahre 1507 liess er bei J. Haller in Krakau erscheinen sein Chartiludium logice seu logica poetica vel memorativa cum jocundo pictasmatis exercitamento.' 1 2 ) Dieses war also ein wunderlicher Versuch Murners, wie er früher mit dem römischen Recht gethan, die Logik der Jugend in Versen, Bildern und Spielkarten beizubringen. In der Vorrede sagt er, dass er bereits in Freiburg hierüber gelesen. Das obengedachte Schreiben des Franciscanergencrals enthält am Schluss den Befehl an Murner, auf der allgemeinen Ordens- Versammlung am nächsten Pfingstfeste zu Rom zu erscheinen. 3 * S. ) Nehmen wir an, dass Murner diesem Gebote gefolgt sei, blicken wir auf den vorgedachten muthmasslichen Aufenthalt in Wien, 1. S. Mcnestricr Biblioth. curieuse et instructive, Toni. XI. pag. 186 und Marchand a. a. 0., bei welchem auch viele Notizen über ähnliche Karten- und Würfelspiele zur Unterweisung in Künsten und Wissenschaften gesammelt sind. 2. Ebert Nr. 14594. — Brunet Manuel du libraire. — Später ist jene Schrift wieder aufgelegt Argentine 1509 in 4., welche Ausgabe in den Bibliotheken zu Wien, Berlin, München nnd Wolfenbüttel vorhanden ist. Eine dritte Ausgabe erschien durch Thomas Vaudact, Brüssel 1609 in 8., und eine vierte zu Paris: opera, notis et conjecturis J. Balesdens 1629 in 8 c. fig. (vorhanden in der Göttinger Bibliothek.) 3. S. dasselbe hei Waldau S. 44 tlgd., welcher in dem Schreiben jenen Befehl gauz verkennt, und für Itoniae : Bomanae druckt. Biographisches lind Literarhistorisches über Thomas Murner. 395 Hasel mul Slrassburg zurück, so dürfen wir wohl folgern, dass Murners anderweitig’) erwähnte Reise nach Bologna und Venedig in diese Zeit fällt. Für diese Vermuthung lässt sich noch anführen, dass, wenn er damit verhöhnt wird, dass er zum Patriarchen von Venedig erwählt worden wäre, wenn Strassburger Kaufleute ihn nicht in ein nachlheiliges Licht gestellt hätten, ein solcher Scherz sich nur auf die Zeit damaliger Patriarchenwahlen beziehen kann, nämlich 1504, 150S oder 1524, wo man dann für die mittlere Zahl sich unbedenklich entscheiden wird, liier erhielt er einige Jünglinge zur Aufsicht, mit denen er, statt ihre Erziehung zu fördern, possenhafte Bücher gelesen haben soll, bis er, auch dieser Stellung müde, unter dem Vorwände körperlicher Schwäche nach Strassburg zurückgekehrt sei. 1 2 ) 1508 soll er zum Lesemeister der Barfüsser in Bern berufen sein, wo er 1509 eine Schrift über den Streit des Wigand Wirt und Hans Spengler erlassen haben soll, unter dem Titel: "Von den fier Ketzeren Prediger Ordens der obser- vantz zu Bern — verbrannt” u. s. w., 1509 in 4. 3 ) In letzterem Jahre finden wir ihn zuerst als Doctor der Theologie benannt,, und zwar aui dem Titel einer neuen, zu Slrassburg erschienenen Ausgabe seiner Logik. Seines Aufenthalts in Bern, wo er behauptet haben soll, dass Jesus Christus ein Mönch gewesen, wird auch in den Briefen der Finsterlinge gedacht, wo Murner auch wegen seiner andern Streitigkeiten, so wie wegen seiner Spielkarten, mit denen er Logik und Grammatik, und wegen des Schachspiels, w omit er Metrik lehren wollte, wegen seiner Viel- wisserci und seiner deutschen Verse scharf mitgenommen wird. Vieles von diesem Tadel muss uns aber verdächtig werden, wenn er dort zugleich ein Freund des Johann Reuchlin genannt wird. 4 ) Auffallend ist es, dass er in seinen Schriften nirgends als Lesemeister, geschweige als derjenige der Barfüsser zu Bern bezeichnet ist. Da die Nachricht von seiner Berufung dahin nicht 1. Murnarus Leviathan, welcher jedoch diese Reise in eine andere Zeit zu setzen scheint. 2. S. Murnarus Leviathan und die zu demselben unter §. 12 folgenden Erläuterungen. 3. S. Jung a. a. 0. S. 249, der dieses nach seiner Meinung zu Strassburg gedruckte Werk für eine Schrift Murners erklärt. 4. Epistolae obscuror, viror, p. 171 sq., 185, 263, 272. 396 Abhandlung über den Ulenspiegel. wohl zu bezweifeln ist, so hat er entweder jenes Amt nicht angetreten, oder bald wieder verlassen müssen. In demselben Jahre 1509 erschien gleichfalls zu Strassburg eine neue Schrift von ihm, welche seine Charakterlosigkeit in ein helles Licht stellt. Sie ist betitelt: cc De Augustiniana, Ilieronymianaque reformatione poetarum.” ') Es werden hier die römischen Dichter aufs heftigste angegriffen; selbst vom Virgil erklärt, dass er kein Dichter sei, weil es ihm an der Eloquentia fehle, von demselben Virgil, dessen Aeneide eben dieser Murner bald darauf in deutsche Verse übertrug. Dieses Buch ist aus seinen in Freiburg gehaltenen Vorträgen entstanden. Die Veranlassung zu dieser mit allen seinen übrigen bekannten Lebensansichten in Widerspruch stehenden Tendenz wird in dem Wunsche beruhen, seinen Obern zu gefallen, deren Ordensgeneral ihm in dem oben gedachten Schreiben geboten hatte, in seinen Gedichten keusch und sittsam zu sein und die Ehre, Lehre und Vertreter der Religion zu preisen und zu vertheidigen. In diese Zeit dürfte auch sein Aufenthalt in Trier fallen dessen jene Briefe gedenken, und der nach einer andern Angabe' 1 2 )’ bald nach seiner Erlangung des Doctorhutes sich ereignete. Auch hier gerictli er bald in Streitigkeiten mit den Domherrn, und wurde gezwungen die Stadt zu verlassen. Murner lebte in dieser Zeit in einer bedeutenden geistigen Thätigkeit, welche ihm trotz aller Anfeindungen viele Freunde und'Verehrer verschaffte. Er gab 1511 zu Frankfurt bei Beat. Murner eine wunderliche Schrift heraus, betitelt: “Ludus s tilden tum F riburgensium” 3 ), in welcher er die Prosodie auf einem Brettspiele lehren wollte, so wie eine ähnliche kürzere auf Folioblättern, welche mit derselben verwechselt worden : “Scaccus infallibilis quantitatis syllabarum.” Sehr 1. Von dieser Sclirift s. Waldau a. a. O. S. 40 — 4G. Sie befindet sich zu Wien, Frankfurt, Güttingen, so wie zwiefacli zu München; zu Berlin sind gleichfalls zwei Exemplare, jedoch mit Druckverschiedenheiten. 2. Mur- narus Leviathan. 3. S. Waldau a. a. O. S. 67. Ein Exemplar befindet sich zu Frankfurt, eines zu München, wo auch der folgende Druck sich befindet. Zu Berlin ist ein Exemplar mit der Jahreszahl 1512 am Ende, auch stimmt die Beschreibung nicht mit Waldau a. a. 0. Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 397 vielen Beifall, der jedenfalls besser begründet war, erwarb er sich durch seine Vorträge in Frankfurt. Einer seiner Gönner, Philipp Keylbach, der ihn schon in Frankfurt gekannt hatte, forderte ihn deshalb auf, nach Mainz zu gehen, wo tausend Ohren ihn zu hören wünschten. Er scheint diesem Verlangen jedoch nicht gewillfahret zu haben, gab aber als eine Probe jener Predigten eine im Advent gehaltene über die Geduld heraus, in dem eben gedachten Jahre und in derselben Druckerei, unter dem Titel: "Arma patientiae contra omnes seculi adversitates.” 1 ) Im folgenden Jahre 1512 finden wir bei demselben Beat. Murner eine Schrift des Thomas Murner gedruckt, welche zu den Spöttereien über seine Kenntniss des Hebräischen den Anlass gegeben haben wird, betitelt: “Ritus et celebratio phase (leg. pasche) iudeorum... per Doctorem Thomam Murner ex hebreo in latinum traducta.” Ihr ist auch das: "Benedicite ju deorum” angehängt. 2 ) In diesem halben Jahre und in den nächstfolgenden er- , schienen die uns bekannten ersten Ausgaben derjenigen seiner Schriften, welche ihm einen Platz in der Geschichte der deutschen Literatur als Satyriker verschafft haben. Diese sind zunächst die schon oben erwähnte Narrenbeschwerung, welche zu Strassburg 1512 durch Mathias Hupfuff gedruckt wurde. Der lateinische Text dieses Buches, so wie die deutschen Predigten dazu, deren er am Schlüsse des Gedichts gedenkt, sind nicht vorhanden. 3 ) In demselben Jahre erschien auch seine Schelm en zunft, bei Beat. Murner. 4 ) Auch von diesem Buche sagt er in dessen 1. 1 Bogen fol., zu München und Frankfurt. 2. Vcrgl. Waldau a. a. O. S. 104— 109. Ein Exemplar von beiden befindet sich zu Wien. 3. Vorhanden in Berlin; andere Ausgaben : s. 1. 1512 in 4. zu Wien, Strassburg bei Knoblauch 1518 in 4. zu Berlin und München; Strassburg 1522. Ueber die spätem Ausgaben des Georg Wickram vgl. Waldau a. a. 0. S.-51, wo jedoch eine Ausgabe Strassburg. 1618 und eine andere s. 1. s. a. in 4. (vorhanden in München) fehlt. WickramsText ist auch abgedruckt inScheible’s Kloster Bd. IV. 4. Spätere Ausgaben sind: Augsburg 1513, zu München, Berlin und Hamburg; Augsburg 1514, Strassburg 1516, zu Berlin und Darmstadt, Slrassburg ohne 398 Abhandlung über den Ulenspiegel. letztem Abschnitte, dass er es “zu Frankfurt am Main anfänglich dichtet zu Latein”. Die erste Entstellung dieses Werkes muss aber in seine frühere Lebenszeit fallen, da er schon in der N'ar- rcnbeschwerung Abschnitt 17 von demselben spricht. Beide Gedichte landen schnellen Beifall, und wurden bald und wiederholt aufgelegt. Auch dem Kaiser Maximilian gefiel das ersten; Gedicht, welcher es “das andere Narrenschilf” nannte, und den Dichter im nächsten Jahre zu sich bescheiden wollte. ') Ob die Anforderung an ihn gelangte, und oh er hinging, ist uns jedoch unbekannt, wohl aber sehen wir, dass der errungene Beifall un- sern Poeten zu immer ausgelassneren und nachlässigeren Arbeiten verführte. Im Jahre 1514 gab er sein Gedicht heraus: “Ein andech- tig geistliche Badenfarl... in dem Bad erdicht, gelert und ungelerten nützlich zu bredigen und zu lesen;” gedruckt bei J. Grüniuger zu Strassburg. 2 ) Die geistlichen Uebungen der Christen werden hier, in der Absicht, die Misbräuche der Geistlichen zu tadeln, aber häutig in der unschicklichsten Weise, mit einem Bade verglichen, ein Glcichniss, welches bis zur Ermüdung auf fünfzehn Bogen durchgeführt wird. Diesem Jahre gehört auch die “Geuchmatt” an, welche er dem Buchdrucker Ilupfuff um 4 Gulden verkauft hatte, deren Druck ihm jedoch von dem Magistrat zu Strassburg untersagt wurde, weil die dortigen Franciscaner besorgten, dass etwas gegen sie darin enthalten sei. 3 ) Mit Sebastian Brant muss ein gutes Vernehmen wieder eingetreten sein, da Murner sich an diesen wandte, um die Rücknahme des Druckverbots zu bewirken, welche jedoch nicht erfolgte. Sie wurde erst später (1519), ver- Datum, vielleicht vor 1514. S. Panzer Zusätze S. 140. Vun neueren Ausgaben und der lateinischen Ucbersetzung des Johann Flilner: Nebulo nebulonum 1620 sq., so wie einer holländischen, s. Flügel Geschichte der komischen Literatur ßd. 111. S. 191 Hgd. Grässe Allgemeine Literärgeschichtc. lid. III. S. 587. 1. J. Wcncker Apparatus et Instr. Archiv, p. 16. 2. Exemplare hiervon befinden sich zu Wien, zu Güttingen, zu München und auf der Stadtbihlio- thek zu Lübeck. Eine spatere Ausgabe erschien zu Strassburg 1518. 3. Rubric h a. a. 0. S. 591. Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 399 muthlich abgeändert mit kaiserlichem Privilegium zu Basel gedruckt. ') Im Jahre 1515“) erschien sein Gedicht: "Die Mülle von Schwyndclsheym und G redt Mülleri n Jarz ey t. M 3 ) Es erschien ohne seinen Namen, doch hat Waldau aut das Zeug- niss desselben “Dialogus zwischen einem Pfarrer und Schult- lieiss”, welcher Murner den Verlassen des Ulenspiegel nennt, ihn als Verfasser jenes Gedichtes anerkannt, worin ihm nie widersprochen ist. Es ist mit vieler Laune, grösstentlieils wider die Geistlichkeit gerichtet. Murner spricht schon in der Sehel- menzunft im ersten Abschnitt “von blauen Enten predigen”, von Gretmiillerin Jahrzeit, woraus nicht gefolgert werden darf, dass dieses Gedicht schon damals existirte, wohl aber dass Murner sich schon damit beschäftigte. Demselben Jahre gebürt noch eine poetische Arbeit von ganz anderem Charakter an, nämlich die Uebersetzung der Aeneide des früher von ihm geschmähten Virgil, ein dem Kaiser Maximilian gewidmetes Werk, welches J. Grüninger zu Slrasslmrg in Folio mit vielen Holzschnitten druckte. ! ) In diesem Jahre am 15. August crliess er eine kleine Schrift, in welcher er sich wegen seiner Verhältnisse zu dem Barfüsser-Kloster in Strassburg entschuldigen wollte. 1 * * * 5 ) Wir ersehen daraus, dass er seihst auf dem Ordenseapitel zu Nürdlin- gen zum Guardian jenes Klosters erwählt war, und dass der Provinzial während der Zeit, dass er dieses Amt verwaltete, einige Väter und Amtsträger absetzte. Es wurde ihm die Schuld dieses strengen Verfahrens beigemessen und er seihst von erbitterten Ordensbrüdern der Veruntreuung von mehr als 500 Gulden angeklagt. Er ward des Guardianais ohne gehörige Un- 1. Die Ausgabe von 1519 ist zu Wien, Berlin, München, Güttingen, Wohlenbüttel und Dannstadt. Hier und zu Berlin befinden sich auch Abdrücke von 1565 Frankfurt, in 8. bei Siegmund Feyerabcnd und Simon Hüters, 149 Blätter mit Register und Holzschnitten. Neuester Abdruck in Sch ei file’s Kloster Bd. VIII. 2. S. Waldau a. a. 0. S. 49. Wenn Grasse a. a. 0. Th. III. S. 587 eine Ausgabe von 1514 anführt, so dürfte hier wohl ein Irrthum obwalten. 3. Ein Exemplar befindet sich auf der Bibliothek zu Wolfen- biittel, ein defectos zu Berlin. 4. S. Waldau a. a. 0. S. 109 und Panzer Annalen S. 384. Ein Exemplar der Originalausgabe befindet sich zu Berlin. 5. S. Rührich a. a. 0. S. 588 — 590. 400 Abhandlung über den Ulenspiegel. tersuchung entsetzt. Oh er sich nun gleich an den Magistrat wandte, welchem die Mitaulsicht über das Kloster zukam, und sich zur Rechnungsablage und etwanigem Schadenersätze erbot, auch die Rechnungen richtig befunden wurden, so konnte er dennoch seine Wiederherstellung nicht erlangen. Ehen so wenig Erfolg hatten seine Vorstellungen hei dem Ordensprovinzial, und er sah sich gezwungen, sich aus seinem Kloster zu entfernen. Es fehlt leider eine Angabe der Jahre, in welchen diese Streitigkeiten vorlielen, und scheinen sie also etwa in die drei letzten Jahre zu gehören. Doch füllt das Guardianat nach andern Anzeichen in eine frühere Zeit, und würden wir nicht überrascht gewesen sein, wenn jene Schrift statt des Jahres 1515 die Jahreszahl 1505 trüge. Auffallend ist es, dass Murner in derselben sagt, er sei aus den welschen Landen (Ralien oder Frankreich?) nach Slrassburg gekommen, welche Reise mit der Thütigkeit des letzten Jahres kaum vereinbar scheint. Möglich bleibt es allerdings, dass er das Guardianat in der früher gedachten Zeit aufgehen musste, im Jahre 1515 aber eine uns unbekannte Veranlassung fand, sich wider die alten Beschuldigungen aufs Neue zu ver- theidigen. Nach den höchst verdriesslichen Streitigkeiten über das Guardianat der Barfüsser zu Strassburg ist Murners Aufenthalt für einige Zeit unbekannt; später wandte er sich nach Basel und widmete sich dort für mehrere Jahre Studien des römischen Rechts. In der dort, wie oben erwähnt, im Jahr 1519 erschienenen Geuclnnatt und in anderen Schriften betitelt er sich einen “Licentiaten beider Rechte”, nachdem er zu Basel in diesem Jahre, ungeachtet des Widerspruchs ehrenwerther Männer, wie des Juristen Ulrich Zasius zu Freiburg, diese Würde in der Juristen-Facultät erhalten hatte. Dort liess er 1519 eine deutsche Uebersetzung der Justiniancischen Institutionen mit kaiserlichem Privilegium wider den Nachdruck drucken , welche 1520 neu aufgelegt wurde.') Auf dem Titel der zweiten vor uns liegenden Ausgabe wird gesagt, dass er diese Uebersetzung in seiner ordentlichen Lectur öffentlich mit dem Lateinischen verglichen 1. Die Ausgabe von 1519 ist zu Göttingen und auch in meinem Besitz, die von 1520 zu Wolfenbüttel ; beide finden sieb zu Berlin und München. Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 401 haben. Er scheint also eine Professur der Rechte bekleidet zu haben. Wer Murners Arbeiten kennt, wird sich nicht wundern, hier eine äusserst ungenaue, oft fehlerhafte Umschreibung des ursprünglichen Textes zu finden. Dennoch muss man, sow' eit überhaupt die populäre Richtung der Murnerschen Arbeiten anzuerkennen, es hervorheben, dass dieser Versuch der erste ist, ein römisches Rechtsbuch in’s Deutsche zu übertragen. Seine Ueber- setzung der Institutionen ist der ersten holländischen noch im Jahre 1547 zu Grunde gelegt. 1 ) 1518 gab er zu Strassburg bei Johann Prils ein Chartiludium institute summarie heraus 2 ], ein ausführliches Werk, worin er, wie früher die Logik und Metrik, jetzt die Jurisprudenz durch Spielkarten zu erläutern sucht. In demselben Jahre liess er zu Easel drucken: Utriusque iuris tituli et regulae in Allemannicum traducti eloquium, eine Uebersetzung der Ueberschriften und Rechtsregeln des römischen Rechts, den Rechtsbeflissenen der Universität Easel gewidmet. 3 ) Es sind jene Rechtsbücher die vier Bücher der Institutionen, Digestum vetus Lib. 1—24; D. infortiatum Lib. 1 — 14; D. novum Lib. 1 —12; Codex Lib. 1—9; Liber constitutionum novellarum authenticarum; Collatio Lib. 1—9; Codicis Lib. X repetitae praelectionis Lib. 10 —12; Consuetudines feudorum; Collatio decima Lib. 1 — 2; Extravagantes; Aurea bulla Caroli IV., Romanorum imperatoris; Decretum abbreviatum: Tituli decretalium Lib. 1 — 6 1. Antwerpen 1547 in 8., auch s. Gravenhuge 1648 in 8. Beide Ausgaben sind zu Güttingen. 2. Nach Waldau S. 77 enthält dieses Werk 30 Bo- gen 4. Auf den K. Bibliotheken zu Wien, Berlin, München und Wolfenbüttel sind Exemplare vorhanden. Ein Irrthum scheint es zu sein, wenn Breitkopf Ursprung der Spielkarten S. 116 von einer Ausgabe zu Basel ohne Jahreszahl spricht, und diese Erläuterung der Institutionen identisch hält mit: “Chartae lusoriae, quibus tituli Pandectarum et Codicis leges variae ex iisdem exhibentur”, die zu Venedig auf sechs Karten gedruckt wurden, (siehe auch Gesner Bibi. fol. 618) und auch zu Basel 1519 deutsch in 4. herauskamen. In der Bibi. Utfenbach tom. II. app. 129 n. 393 finden sich Chartae lusoriae Iu- ridicae circa initium sec. XVI jam inventae, quibus tituli Pand. et Cod. legesve variae ex iisdem exhibentur. Name des Verfassers, Ort und Jahr sind nicht angegeben. 3. Exemplare befinden sich zu Göttingen und Wolfenbüttel. Eine Ausgabe Basel 1520, October, durch Adam Petri, Bogen a—z u. A — II in 4. ist auf der Universitätsbibliothek zu Heidelberg vorhanden. Beide Ausgaben sind zu Berlin und zu .München. 26 402 Abhandlung über den Ulenspiegel. et, G'lementinarum; sodann Regulae iuris civilis, decretalium et Sexti decretalium. An diese Werke scliliesst sich ein, wie es scheint, von den Literarhistorikern bisher gänzlich übersehenes, welches nach seiner 1520 erfolgten Rückkehr nach Frankfurt im nächsten Jahre auf St. Michaelis durch Grieninger gedruckt wurde. Es ist betitelt: Der keiserlichen statrechtcn ein ingang und wahres fundament. Meister und rädten liitscher nation von Dr. Thomas Murner gegabet und zu gefallen vcrlütschet.') In der dem Ritter Hans Rock gewidmeten Vorrede klagt er über den Mangel deutscher Rechtsbücher für den Unstudirlen und sagt, dass er es für ein besseres Werk, als Reten und Fasten, gehalten habe, nachdem er früher die Institutionen übersetzt, nunmehr das ganze, in 77 Büchern verfasste römische Recht in die deutsche Sprache zu übertragen: “Schul das geistliche vvcrck das har ob den oren ab lassen scheren, ein grofs glockenseil tragen, zerschnitten scliüh, ein wüllin hembd, uff den slrosack ligen, über disch und in den erützgang nit reden, von lull's zu lmfs lau 11 en, um Jliesus willen betlen, sich arm erzögen, bei groser file vil fastens klagen, mit vil gelt kein gelt nenien: so beken ich mich öffentlich, das ich kein geistlich man byn, noch nym- mer werden sol, dan solche affenspil stat den beginen bafs an, den einen frumen, unrichtigen, redlichen, christlichen man. Ich holf mein geisllicheit und gemiet zu erzeigen in ergründung der gereebtigkeit, in solcher grossen mie und arbeit, die ich jetzt in das drit iar also mit surem Schweifs geiibet hab.” Er behauptet, bereits den grüssern Theil vollendet zu haben, als er durch des Kaisers Maximilian Ableben, dem er das ganze Werk verehren wollte, entmuthigt sei und das grosse Werk eine Zeit lang unterlassen habe. Er sei aber nach Welschland gezogen (also eine zweite oder dritte Reise Murners nach Italien), von den Gelehrtesten in den Rechten weitere Erfahrenheit zu ergründen, und habe nach der erfreulichen Erwählung Kaiser Karls V. das Werk 1. Bogen A — Z und a — o und 2 Blätter 4. Ich besitze eines der wenigen mir Bekannten Exemplare dieses Werkes selbst, welrlies vermutlilich mit der oben angeführten Ueberselzung der Institutionen bisher immer verwechselt worden ist; die anderen sind auf den Bibliotheken zu Berlin und München. Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 403 fortgeführt, Italie diese Instituten in sieben Tlteile getheilt und wiederum verdeutscht. Die gereimte Vorrede ist die seiner deutschen Institutionen mit Erweiterungen. Die Bücher sind überschrieben : 1) Von den Rechten der personen. 2) (Jeher kumnnms der gieter ufs gemeinem Völkerrecht. 3) Der erlangten gieter mit stadt recht. 4) Wie ufs testamenten ererbet wiird. Die Bezeichnung des fünften Buches, nämlich von den Intestaterben , fehlt bei der von Murner bekannten Nachlässigkeit. 6) Von Verbindungen und hendelcn oder conlracten. 7) Von gerichtsbruch und Übung. Vielleicht gehören noch in die Zeit seiner in der Vorrede dieses Werkes erwähnten Reise nach Italien die zu Venedig gedruckten Spielkarten über die Digesten und den Codex, deren oben Seile 401 Note 2 gedacht ist. Neben den juristischen Studien betrieb er im Jahre 1519 noch zwei leichtere Arbeiten, vermuthlich um die Kosten seiner Promotion zu decken. Er übersetzte nämlich die im April dieses Jahres zu Mainz gedruckte Schrift des Ritters Ulrich von Hutten: “Von der wnnderbarlichen Arzney das IIolz Guaja- cum genannt, und wie man die Franzosen oder Blattern heilen soll.” 1 ) Die andere ist der uns vorliegende Ulenspiegel, dessen anonyme Herausgabe und eiliger Druck auf eben jenen Zweck des neu creirten Doctors hinweist. Sie erschien, wie jenes Werk, zu Slrassburg, bei dem Verleger mehrerer Schriften von .Murner, Johannes Gricninger, und wurde am Tage St. Margarethen (Juli 20) vollendet. Im Jahre 1520 linden wir Murner zu Strassburg in seinem Kloster, wo er sich jetzt mehr von der Jurisprudenz abwandte und in die immer lebhafter werdenden theologischen Streitigkeiten sich zu verwickeln begann. So rücksichtslos er bisher gegen die Misbräuche der Geistlichkeit und besonders seiner Ordensbrüder in seinen Schriften aufgetreten war, und wenngleich er seinen Tadel gegen das erste Auftreten Luthers sehr erinäs- 1. Slrassburg 1510. 4. S. Münch U. de Ilutlen Opera T. III p. 239. Ein Exemplar isl zu München. 26 * 404 Abhandlung über den Ulenspiegel. sigt hatte, so hielt er es doch hei dem ernsteren Fortschpeiten desselben fiir angemessen, für das Papstlhum aufzntreten. Wahrscheinlich fällt in die letzten Monate dieses Jahres die deutsche Uebersetzung von Dr. Luthers kurz vorher erschienenem “Tractatus de ca pt i vitate Babylonica” ’), zu welcher er sich in einer spätem Schrift selbst bekannt hat 1 2 ) ; verfasst, wie Luther behauptete, um ihm durch eine schlechte Uebersetzung zu schaden ; wahrscheinlich aber wohl nur, um in einer Weise Geld zu verdienen, bei welcher er es noch mit beiden Parteien zu halten schien. In demselben Jahre aber schrieb er eine Reihe ziemlich umfangreicher Schriften, mit welchen er ohne Nennung seines Namens zu Ende desselben hervortrat. Auf Martini erschien : “Ein ch rist- li che u nd bried erlich e erra anung zu dem hoch gelerten Doctor Martino luter, dass er etlichen reden von dem neuen testament der heiligen messen get.hon, abstande” u. s. w., auf St. Ca tharinen Abend in demselben Monate (November 24) das Büchlein: “Von Doc t or Martinus Inters leren und predigen, dass sie argwenig seint” 3 4 ), beide Schriften mit kaiserlichem Privilegio auf ein Jahr. Die erste dieser Schriften ist es vermuthlicb, die der Geschichtsschreiber des Franciscancrordens ’) als das in diesem Jahre erschienene Buch Murners “Sacerdotium novi testamenti” bezeichnet, da jedenfalls eine lateinische Schrift unter diesem Titel nicht bekannt ist. Am folgenden 13. December wurde seine Druckschrift: “Von dem b abstent hu m .. . wider Doctor Marlinuni Luther” herausgegeben, und eilf Tage später diejenige: “An den Adel tülscher Nation, wider Martinum Luther” 5 ), auch diese beiden Schriften mit kaiserlichem Privilegio. Zu diesen Schriften gehört auch noch, nach der Vermullmng des ausgezeichneten Renners dieser Literatur, Herrn von Meusebach, die am 17. Februar im Druck vollendete Schrift: “Wie Doctor M. Luther, vfz falschen Ursachen bewegt, das geistlich Recht verbrannt hat.” Am Ende: “Gedruckt zu Strassburg durch Johann Gricninger. 1. S. Veescnmejer Literärgeschichle der Briefsammlung von Dr. Martin Luther S. 141. 2. S. Waldau a. a. 0. S. 90. 3. S. Panzers Annalen Seite 439. Waldau a. a. 0. S. 7S flgd. Vorhanden zu Wien und Berlin. 4. Waddingi Annales minorum. 5. Vorhanden in Berlin. Biographisches und LUcrarhistorisches über Thomas Murner. 405 1521 vf den Mondtag Inuocauit.” 5 Bogen 4.‘) Sie bezieht sich auf die Schrift: cc Warmnb des Bapsts und seyner Jüngern Bücher von Doct. Martino Luther verbrannt seyen”, welche bestimmt war, die am 11. December 1520 von Dr. Luther zu Wittenberg vollbrachte Verbrennung der päpstlichen Bulle und der Decretalien in 30 Artikeln zu rechtfertigen, welcher Schrift Widerlegung der Verfasser jenes Buches in einem sehr anständigen Tone versucht. In diese Zeit fällt auch sein Lied: "Ein neu Lied vom Untergang des christlichen Glaubens” l. 2 ). Diese gegen Luthers Lehren gerichteten Schriften konnten nicht verfehlen, viele Angriffe gegen Murner hervorzurufen. Auch Luther selbst nahm den hingeworfenen Fehdehandschuh auf in der 1521 erschienenen Schrift: “Auff das überchristlich, über- geystlicb und überkünstlich huch Bocks Emsers zu Leyptzick Antwort D. M. L. Darynn auch Murnarrs seynfz gesellen gedacht wird.” Diese und die andern mehr satyrischen Schriften verletzten Murner sehr. 1521 März 8 erliess er zu Strassburg eine gedruckte Protestation: “Das er wider Doc. Mar. Luther nichtz Unrechts gehandlet hab”. 3 * S. ) Er bekennt sich in diesem Aufsatze zu sechs zu Strassburg bei Grüninger erschienenen, gegen Dr. Luther gerichteten Schriften, und spricht von sechsundzwanzig ähnlichen noch ungedruckten. Wir müssen die Wahrheit der letzteren Behauptung indessen um so mehr dahingestellt sein lassen, da in diesem Jahre wenigstens keine jener Schriften erschienen sind; vielmehr scheint er noch einmal einen Versuch gemacht zu haben, sich mit Rechtsstudien zu beschäftigen, wovon das bereits oben angeführte Buch : “Die kaiserlichen Statrechte”, Zeugniss giebt. Doch im folgenden Jahre 1522 kehrte er wieder zu den theologischen Streitigkeiten zurück, welche seine übrigen Lebenstage ausgefüllt haben. In diese Zeit wird eine mir unbekannte Schrift gesetzt: “Antwurt und Klag mit entschuldigung wider l. Ein Exemplar dieser Schrift befindet sich zu Berlin. 2. S. Sch eitle’s Kloster VIU. S. 667. Der Originaldruck findet sich zu Wien, Berlin und München. Zu Berlin ist auch das Lied danvider Vom auffgang der Cb ris t en h eit jn I). Mur. Veiten thon, abgedruckt hei Scheitle a. a. 0. S. 671. 3. Ganz abgedruckt bei Bö brich a. a. 0. S. 598 — 602. 406 Abhandlung über den Ulenspicgel. Bruder Michel Stifel”. 1 ) Am 7. September vollendete J. Grie- ninger den Druck von Murners Uebersetzung der Schrift des Königs Heinrich VIII. von England: "Bekennung der sieben Sacramenten widerMartinumLutherum gemacht”. 2 ) AufMartini erschien seine Schrift: “Oh der Kunig ufz engelland ein liigner sey oder der Luther”. 3 ) In dieser Schrift bemerkt er, dass er dieses Königs Buch wider Dr. Luther verdeutschet habe, aus welchen Worten sich freilich noch nicht ergiebt, dass es bereits publicirt war. Am 13. December desselben Jahres erschien nunmehr ein sehr heftiges, längeres, gereimtes Werk unsers Franciscaners: “Von dem grofzen Lutherischen Narren, wie in Doctor Murner beschworen hat”. 4 ) Jenes Buch, in welchem er sich auf die Seite des Königs Heinrich VIII. gegen Luther schlug, führte ihn bald zu einer der merkwürdigsten Begebenheiten seines Lebens. Ein uns unbekannter Engländer, welcher, wie es scheint, ohne genügenden und formellen Auftrag, brauchbare Männer für des Königs Dienst in Deutschland zu werben suchte, wurde mit Dr. Murner bekannt, welcher unter dessen Verantwortlichkeit nach London reiste. Wir finden ihn hier im August 1523, und ersehen aus einem, unter dem 23. d. M. 5 ) von Sir Thomas More an den Cardinal Wolsey gerichteten Schreiben, dass Murner sich dort sehr geltend gemacht hatte, und als eine Hauptstütze der Religion gegen die lutherische Faction betrachtet wurde. Er hatte sein Buch für den König wider Luther in das Lateinische übersetzt und dem Könige sich so angenehm gemacht, dass dieser unserem Bettelmönche eine nicht geringere Summe als 100 Pfund Sterling bei seiner Rückreise bewilligte; auch empfahl ihn der König noch besonders in einem sehr huldvollen Schreiben unter 1. S. Catalogue d’une collection précieuse de livres. Halle, le 16 Mars 1846 p. 268. 2. Panzer a. a. 0. ßd. II. Veesenmeyer a. a. 0. S. 144 flgd. Ein Exemplar ist aut der K. Bibliothek zu Berlin. 3. Ein Exemplar findet sich auf der K. Bibliothek zu Berlin. Neu abgedruckt in Sc heikle’s Kloster Bd. IV. S. 893 — 982. 4. Exemplare sind zu Berlin, München und Wolfenhüttcl ; neu ahgedruckt in Sch ei ble’s Kloster Bd. X. ; auch mit Erläuterungen lierausgegcben von II. Kurz 1848. 5. S. unten die Beilage. Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 407 dem 11. September 1 ) d. J. dem Magistrat zu Strassburg, welcher nicht wenig über das dem ihm so ganz anders bekannten Mönche gespendete Lob überrascht gewesen sein mag. Während seiner Abwesenheit von Strassburg hatte der re- formatorische Geist hei einem bedeutenden Theile der Bürger und der Geistlichkeit grosse Fortschritte gemacht. Der Bischof von Strassburg forderte die abtrünnigen Geistlichen auf, am 24. Januar vor ihm zu Zabern, seiner Residenz im Eisass, zu erscheinen, und Murner, der es in seinem Interesse fand, der Reformation sich immer mehr entgegen zu setzen, liess sich von dem Bischöfe als dessen Abgeordneter nach dem Reichstag zu Nürnberg senden. 2 ) Er verklagte hier hei dem päpstlichen Legaten Lorenzo Campeccio zunächst den Strassburger Rath, welcher seinerseits auch Abgeordnete au die dort versammelten Reichsstände entbot. Murners Bemühungen waren wenig erfolgreich, und er kehrte bald nach dem am 18. April d. J. erfolgten Abschiede zu Nürnberg zu dem Bischöfe zurück. Obgleich Murner mit gewohnter Geschmeidigkeit hin und wieder sich der Reformation günstiger erklärte, sobald sie die Oberhand zu gewinnen schien, und vor Allem aus seinem Mönchsorden zu treten sich bemühte 2 ), liess sich der Rath zu Strassburg doch nicht täuschen, und begann vielmehr eine strengere Verfolgung seines Gegners. Des Ralbes Diener drangen in sein Haus, suchten ihn auf, um ihn unter Beschuldigung des Aufruhrs in’s Gcfängniss zu setzen, nahmen viel von seiner Habe, welches verkauft wurde, besonders aber auch, was ihn vor Allem bedrückte, ein Buch von seiner Handschrift, den König von England betreffend. Er seihst erkrankte zu Ober-Ehenheim, dem Orte, in welchem er vermuth- licli geboren war, wohin er also zu Verwandten geflüchtet sein mag, von wo aus er um Michaelis dieses Jahres mehrere Briefe mit seinen Beschwerden an den Strassburger Rath richtete. Hier finden wir ihn noch im folgenden Jahre zu Ende Januar, eine neue Klagschrift an denselben richtend. Vermuthlich blieb er hier noch fünfzehn Monate, bis zum Frühling 1526, krank und i. S. J. Wen cker 1. J. 2. Sleidanus de statu religionis et reipublicae Bd. IV. Waldau a. a. 0. S. 24 flgd. Jung a. a. O. S. 176. 3. Vergl. auch den Brief Luthers vom 4. Juli dieses Jahres bei Waldau a. a. 0. S. 27- 408 Abhandlung über den Ulenspiegel. dürftig, bis er, durch zusammengclaulene Bauern vertrieben, in Laienkleidern über die Greuze seines Vaterlandes in die Schweiz ilüchtete. Hier wusste er sich jedoch neue Gönner zu verschaffen in dem Bathe zu Luzern, welcher, wie derselbe zu Anfang Mai dem Rathe zu Strassburg schrieb, diesen berühmten, gelehrten Mann, welcher “unverdient und ohne rechtlichen Spruch an den Bettelstab abgefertigt worden”, aus Mitleiden miL seiner noch nicht gänzlich gehobenen schweren Krankheit freundlich aufnahm. Die Herren zu Luzern bekleideten ihn reichlich aus ihrem Seckel und versahen ihn mit Allem, wie es einem Doctor gebühre, verliehen ihm auch eine Stelle in dem dortigen Franciscaner- Golteshause und sogar ein Prediglamt. Er predigte auf seiner Kanzel wie auch, um dem grossen Andrang zu genügen, auf einer auf Öffentlichen Plätzen errichteten Schaubühne. Von hier aus setzte er seine Beschwerden über das Verfahren der Strassburger fort. ') Er war bei der Disputation zugegen, welche am 18. Mai dieses Jahres, 1526, zu Baden im Aargau vor den 12 Orten der Eidgenossenschaft von katholischen und evangelischen Geistlichen angestellt wurde. Doch liess er sich weniger, wie seine Glaubensgenossen Eck und Faber, in allgemeinen Fragen, als in Schmähungen gegen Ulrich Zwingli vernehmen. Aus einer in diesem Jahre erlassenen Schrift: “Ein worhafftigs verantworten der doctores, die zu Baden uff der disputation gewesen”, worin ein Brief an den Rath zu Zürich enthalten ist, ersehen wir, dass dieser ihn fälschlich beschuldigte, eine Schrift gegen ihn, den Rath geschrieben zu haben, während er behauptete, dass er nur ein Schreiben gegen Ulrich Zwingli habe drucken lassen, und sich vielmehr beschwerte, dass dort zwei Lästerschriften gegen ihn erschienen seien. 2 ) Im folgenden Jahre, 1527, dem Jahrestage des Badener Ge- 1. Ucber das Vorhergehende siehe: Correspondenz des Dr. Thomas Murner mit dem Magistrat der Stadt Strassburg von 1521 — 1526, in Strobels Beiträgen zur deutschen Literatur und Literärgeschichte. Auch abgedrucltt in Scheible’s Kloster Bd. IV. S. 5S0 — 605. 2. Von dieser sehr seltenen Schrift, welche Waldau nicht gesehen, und Panzer Annalen Bd. II. S. 44t etwas ungenau anführt, besitzt die Hamburger Stadtbibliothek ein Exemplar. Andere sind zu Wien und München. Vergl. das Schreiben Murners 1526 von Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 409 sprächs, wurde endlich seine Ausgabe der Acten jener Disputation vor den XII Orten vollendet.') Im Februar dieses Jahres hatte er schon eine arge Schmähschrift herausgegeben: "Der luterischen - evangelischen Kirchendieb- und Ketzerkalender”, in welchem besonders Ulrich Zwingli geschmäht wurde. 2 ) Zu der zu Bern auf den 0. Januar 1528 angesetzten Disputation hielt Murner es für rathsam, nicht zu erscheinen. Statt dessen erliess er eine Schmähschrift gegen deren Ankündigung unter dem Titel: "Hie wiirt angezeigt das unchristlich.... und verechtlich ufsrieffen und fürnehmen einer loplichen lierr- schaft von Bern, ein Disputation zu halten”. 3 ) Jener Ketzerkalender scheint dem Murner auch zu Luzern vielen Unwillen erregt zu haben, da er sich bewogen fand, eine kleine Schrift drucken zu lassen, um sich gegen den Vorwurf zu rechtfertigen, dass er durch den von ihm gemachten Kalender seinen gnädigen Herren zu Luzern einen Landkrieg erweckt habe. Sie ist betitelt: An die fursichtigen ersann! rug | fame vnd frommen ftandt- hafftigen | christen des alten woren vnd ungezweiffleten glaubens I der gemeinen Christenheit alle vnderthon vnd verwan | ten der löbliche Ilerfchaft von Lutzern ein entschuldig | ung Doctor Murners. Am Schlüsse: geben zu Lutzern vif freitag nach Iubilate in dem iar Mccccc vnd XXVII. Diese sehr seltene Schrift, ein Martini, worin er jener Schrift bereits gedenkt, bei Strobel a. a. 0. S. 88 bis 104. 1. Uebcr dies seltene Werk, welches gegen 58 Bogen betrug, 4., siehe G. V C.ES enm ey er, Beiträge zur Geschichte der Literatur S. 67 ilgd. J.J. Hotting er, Geschichte der Eidgenossen während der Kirchentrennung, Bd. IL S. 83 tlgd. Ein Exemplar findet sich auf der K. Bibliothek zu Berlin. Man hat Murner lange im Verdacht gehabt, diese Acten verfälscht zu haben; indessen die im .1. 1720 erfolgte Auffindung der Originalacten in einer Mauer des Schlosses zu Baden soll ihn gegen jeden Argwohn gerechtfertigt haben. Vergl. Von Balthasar’s historische Aufschriften, im Auszuge bei Scheible Kloster X. 397. 2. Vergl. Grün eisen Niclaus Manuel, Leben und Werke. Er ist neu abgedruckt in Scheible’s Kloster Bd. X. S. 201 — 215. Vergl. Waldau S. 32 flgd., der ihn bereits 1804 auf 2 Bogen in 8. abgedruckt hat, und Hotting era. a. O. S. 173. 3. S. Hottinger a. a. O. S. 174. 410 Abhandlung über den Ulcnspiegol. Bogen in 4., ist mir nur in einem Exemplar der K. Staatsbibliothek zu München vorgekommen. Im nächsten Jahre, aus welchem uns andere Nachrichten über ihn fehlen, setzte er zu Luzern seine Rechtfertigung fort, und erliess zu diesem Zwecke die folgende Schrift: "Die gotsfcylige mefz vö gott allein erstif't, ein ftädt vñ lehendigs opfler für die lebendigen vii die dodten ... zu Lutzern öffentlich durch Doctor Thomas Murner gcprediget. .. Lutzern uf den zwölften tag des Wintermondts. 1528.” 7 Bogen 4. l ) Sie ist gegen die kurz vorher zu Bern stattgefundene Disputation gerichtet, gegen welche Murner nach seiner Weise auch einige Verse auf dem Titelblatt hat abdrucken lassen. In dem Religionskriege von 1529 , in welchem Jahre die Regierung von Zürich schon am 14. Februar ihn gerichtlich zu verfolgen beschlossen hatte 2 ), befand er sich noch im Juni zu Luzern, wo er auf der Kanzel vergeblich sich bemühte, die Männer zum Vernichtungskrieg gegen die Evangelischen mit heftigen Reden zu entflammen. 3 ) Hier liess er noch eine Flugschrift drucken : Vfzlcgung des ungefalzenen Briefes der Ilerrfchaft von Bern an die acht christlichen Oerter in der Schweiz. 4 ) Mit den Vorfällen zu Cappel war jedoch sein Loos in der Schweiz entschieden. In dem gleich zu Johannis abgeschlossenen Landesfrieden 5 ) ward festgesetzt, dass Murner den Städten Zürich und Bern vor den ernannten Schieds- leuten zu Baden Rede stehen solle, und dass die Luzcrner gehalten seien, ihn zu bestrafen. Murner aber entfloh verkleidet; auf sein Vermögen ward Beschlag gelegt. 6 ) Man vermuthetc, dass er nach Strassburg geflohen sei, und die Rathsboten Tillmann 7 ) und Nicolaus Manuel, der uns als Maler und Dichter bekannte 1. Von dieser Schrift ist mir nur ein Exemplar auf der K. Universitäts- Bibliothek zu Berlin bekannt. 2. Hottinger a. a. 0. S. 155 Note 9. 3. S. H otlinger a. a. O. S. 256. 4. Von dieser, wie es scheint, ganz unbekannten Schrift (Luzern 1529, 9 B. 4.) ist ein Exemplar vorhanden auf der Bibliothek zu Wolfenbüttel, abgedruckt hinter dem Wiederabdruck des Sendbriefs der acht christlichen Orte an Bern 1527, mit der Antwort von Bern 152S, in dieselbe eingeschaltet, nebst angehängler Protestation. 5. Abgedruckt in E s ch e r und Hottinger Archiv für schweizerische Geschichte Bd. I. S. 85. 6. Hottinger a. a. 0. S. 27G und 302. 7. S. Grüneisen a. a. 0. S. 143. Biographisches und Literarhistorisches iiher Thomas Murner. 411 Schweizer Staatsmann, ein erklärter Gegner Murners'), erhielten unter ihren nach Strassburg gerichteten Aufträgen auch denjenigen, den Murner daselbst zu belangen. Er batte sich jedoch nicht dorthin, sondern nach Heidelberg begeben, wo tier Kurfürst Friedrich von der Pfalz, den rcformatorischen Bestrebungen weniger geneigt, den flüchtigen Gegner derselben aufnalnn und mit grossem Beifall an seinen Hof zog. 2 ) Nach einer nicht sehr zuverlässigen Nachricht, welche auf Verwechselung mit Murners früheren Schriften beruhen konnte, soll er noch 1530 zügellose Schmähschriften gegen die reformirten Cantone der Schweiz erlassen haben. Mit mehr Bestimmtheit wird jedoch behauptet, dass noch unterm 9. Juni d. J. die reformirten Cantone Zürich und Bern ihre Gesandten nach Strassburg entboten, um vor dem dortigen Magistrat Murner zu verklagen, worauf derselbe ihn vorforderte , und da er nicht erschien, ihm sein Jahrgehalt entzog 3 4 ). Dieses ist die letzte Nachricht, welche wir über Murners Leben erhalten. Die Angabe, dass er zu Luzern ermordet sei, würde nach dem Obigen voraussetzen, dass er sich wieder nach der Schweiz zurückbegeben habe, zu welcher Annahme kein genügender Grund vorliegt. Eben so wenig glaubwürdig erscheint es aber, dass er die letzten Jahre seines Lebens in Niederdeutschland zugebracht habe, wofür wir, so zuversichtlich es behauptet wird' 1 ), nach Belegen vergeblich geforscht haben. Wenn er, w'ie gewöhnlich angenommen wird, gegen sechszig Jahre alt geworden ist, so hat er etwa noch vier oder fünf Jahre gelebt, welche er in einer ungewöhnlichen literarischen Unthätigkeit, vielleicht durch Kränklichkeit gehindert, zugebracht haben muss. Den Grabstein des aus so vielen Ländern vertriebenen Sclnnäh- redners hat keine Gemeinde beansprucht. 1. Vergleiche in seinen Werten a .a. O. S. 347 u. 415 — 434 den Billern Spott über die Mühle zu Sclnvindelsheim, die Gäuchmatte, die Schclmenzunft. 2. K. F. Vierordt Geschichte der Reformation im Grossherzoglhuin Baden S. 277. 3. Ruch at Hist, de la Réformat, de la Suisse. Tom. HI. p. 147 4. Von Balthasar a. a. 0. S. 399. 412 Abhandlung über den Ulenspiegel. §. 12. Anhang über den Murnarus Leviathan und einige andere Schriften gegen Murner. Murner spricht in seinen Schriften sehr wenig von seinen eigenen Lebensverhältnissen ; mehr würden wir vielleicht aus den gegen ihn gerichteten Schriften lernen, wenn in diesen die Ueber- treibung und der zur Verläumdung gesteigerte Hass verkannt werden könnte. Ein Verzeichniss derselben zu geben , würde für eine vollständige Biographie unerlässlich sein ; hier wird es genügen, rUcksichtlich seiner früheren Jahre, auf Ilieggers Amoenitates lit. Fr i burge nses zu verweisen, welche zugleich aus den seltensten Schriften lehrreiche Auszüge gehen. Für die letzten Jahre sind vorzüglich die kirchenhistorischen Werke der Schweiz nachzusehen. Die interessantesten für uns sind die der mittleren Zeit, welche jedoch zugleich die bekanntesten sind. Zu ihnen gehören einige schon 'früher angeführte Briefe in den Epistolae obscurorum virorum. Einige der kleineren sind in Scheible’s Kloster wieder abgedruckt, namentlich auch der wichtigste von ihnen, Murnarus Leviathan, als dessen Verfasser das Titelblatt den Namen Raphael Musaeus nennt, unter welcher Maske Ulrich von llutten irrig gesucht ist. Diese Vermu- thung erscheint um so unbegründeter, da die Schrift sich als zum Schutze Luthers und Huttens geschrieben angiebt. Die Schrift ist besonders lehrreich, da sie viele Aufschlüsse Uber Murners Lehen darzubieten scheint, welche sie jedoch leider nicht in chronologischer Ordnung gegeben hat. Doch verdient sie eine nähere Betrachtung, zu welcher hier ein Beitrag dargeboten werden möge. Der Verfasser erwähnt zuerst die Vertreibung Murners aus Frankfurt mit Wigand Ilessius, womit nur Wigand Wirt gemeint sein kann, ein Ereigniss, welches etwa in das Jahr 1512 fällt. Darauf gedenkt er seiner 1502 entstandenen Streitigkeit mit Sebastian Brant und Jacob Wimphcling, welche die Folge hatte, dass er Strassburg verlicss und nach Freiburg ging. Dann lässt der Verfasser ihn nach Trier wandern in Folge seiner Angriffe auf das Evangelium und die heilige Jungfrau. Murnarus Leviathan u. andere Schriften gegen Murner. 413 den Schrift gleichfalls sehr geschmähte Wed dele, welcher ein hohes städtisches Amt bekleidet halten dürfte, soll ihn von dort verbannt oder seine Verbannung (excommunicatio) veranlasst haben. Dann wird der Reise nach Bologna gedacht und des Aufenthalts in Venedig, wo er, wie es scheint, Erzieher einiger Jünglinge war. ') Die gleichfalls dort gegebene Anzapfung von dem beinahe erlangten Patriarchat würde jedoch den Aufenthalt in Venedig in ein früheres Jahr stellen (vgl. oben S. 395 und S. 402). Von dort ging er nach Slrassburg zurück, wo er sich zur Zeit des Erscheinens dieser Schrift bekanntlich noch aufhielt. liier möge auch der Ort sein, zu bemerken, dass der Verfasser sagt, er hasse Murner nicht, halte vielmehr zu Basel, Frankfurt, Trier freundschafllichst mit ihm verkehrt, und sei, obgleich Murner ihn persönlich verletzt, doch nur wegen seiner Gotteslästerungen und seiner Angriffe auf den Apostel Paulus gegen ihn aufgetreten. Nach der Weise, wie dort Murners 1520 December 24 erschienene Schrift: “An den Adel deutscher Nation”, als die jüngste Schrift desselben angeführt wird, ist jene in das Jahr 1521 zu setzen, womit auch die Erwähnung einer unten weiter anzulührenden Schrift des L. Phryse übereinstimmt. Es giebt Sodann erscheint er unerwartet in Basel, von wo er nach Strassburg geht. Der unten weiter zu erwähnende, in der vorliegen- 1. Es wird hier dem Murner scherzhaft das Lob eines schlechten Buches in den Mund gelegt; es ist dies das Testamentum Grunnii Corocottae Porcelli, welches erwähnt wird in des Hieronymi Pracf. 1. XII Comment, in Isaiam und Apolog. adv. Bufinum 1. I. Es ist das scherzhafte Testament des Obigen und gleich einem ähnlichen Testamentum asini gedruckt bei La mb ec. 1. II Comment. Addit. 15. Jetzt in Kollar Analecta Monuin. Vindob. col. 1317. Die älteste uns bekannte Ausgabe ist diejenige unter dem Titel : „Grunnii Corocottae M. Porcelli testamentum ; Laur. Abstemii hecatomythium secundum ; ejusdem libellus de verbis communibus. Fani. Hier. Soncinus 1505“, in 8., ferner wieder abgedruckt Arg., Knobloch 1522 in S. Später Venet. 1524 in 8. Auch abgedruckt bei J. Alex. Brassicani „Proverbiorum symmicta“, Viennae 1529, und Par. 1532. Deutsch in: „Der Geist von Monsieur Cortesan oder historischer Lustwald von Philamon von Miscinen“ o. 0. 1666, p. 24 — 30. Vgl. D e n i s Wiener Buchdr.-Gcschichte S. 693. Desselben Lesefriichle t, 50. Achn- liche Testamente kommen öfter vor im Mittelalter, von denen das ausgefiihrtcstc das in Versen abgefasste des obengedachten M a i s t r e Francois Villon ist. 414 Abhandlung über den Ulenspiegel. noch eine spätere, mit andern Gesprächen vermehrte Ausgabe'). Die Sprecher in dieser Schrift sind ausser Murner und dein Gott Plutus Weddele und L. Phrysius. Weddele wird einge- liihrt als verheiralhet, mit Kindern, ist also kein Münch; er spricht von seinen Rechtskenntnissen und Reclitsschril'len, und wie er die Gandiente geprellt habe. Er muss Einfluss auf die Verbannung Murners aus Strassburg gehabt haben. Es ist weiter nichts von ihm bekannt. In einer unten anzuführenden Schrift: “Ein kurtzi An red” werden als Feinde des Dr. M. Luther bezeichnet Murner und der Kreter Wedel. Es stellt dahin, oh mit Kreter mehr bezeichnet werden soll, als eine Anspielung auf den bekannten paulinischen Vers. Eine literarische Thätigkcil ist hei ihm unbekannt, wenn gleich vorauszusetzen. Anders ist es mit unserer Kunde von den Werken des L. Phrysius,— Lorenz Phryse 2 ). Derselbe war ein Arzt, gebürtig aus Kolmar; von seinen Schriften können wir nennen: a) eine Schrift de morbo gallico, vermuthlich 1507 erschienen, wieder abgedruckt in Luisinus de morbo gallico omnia cpiae exstant. Venet. 1566 fol., und in Roerhave’s Ausgabe desselben: Aphrodisiadis. b) Spiegel der Arzny, Strassburg 1518 3 ), und wiederum 1519, 1526 und 1537 kl. fol. c) “Synonima vnd gerecht vfzlegüg der werke so man in der artzny allen kreutern, wurtzeln, blumen u. s. w. ... In lateinischer, hebräischer, arabischer, krie- chischer und männlicher teutscher zungc... me conscrisit Phri- sius Argentarie.” Johannes Grieninger zu Strassburg 1519 fol. ') d) “Tractat d e r W i 1 d b ä d e r natur, Wirkung.” Daselbst 1519 in 4. c ) e) “Ein kurtze schirmred der kunst Astrologie wider etliche unverstandene Vernichter, auch etliche antwurt vff 1. S. Waldau a. a. 0. S. 9 und Flöget Gesell, der komischen Literatur III. p. 212. 2. Mit L. Phryse ist nicht zu verwechseln der über ähnliche Gegenstände schriftstellernde Rein crus Gemma mit dem Beinamen Phrysius, geboren zu Boclum in Friesland 150S, Mathematiker und Medici- ner f 15S8. Er ist der Verfasser der Schrift „de principiis astronomiae et astronomia et usu globi.“ Antwerpen 1533. Er gab auch heraus den „cosmogra- pliicus über“ des Petrus Appianus mit Zusätzen, Antwerpen 1533 und nach Brunet 1540, 1574 und 1584 in 4.; ferner „Arithmeticae practica methodus.“ Wittenberg 1561. Paris 1569. 3. S. Panzer Annalen’S. 417 und 425, dessen Zusätze S. 149 und 161. 4. S. Pa n z e r Annalen S 425. 5. S. ebendaselbst. Murnarus Leviathan n. andere Schriften gegen Murner. 415 die reden, vnd fragen, Martini Luthers Augustiners.” Daselbst 1520 in 4.’) Diese Schrift, welche in dem vorliegenden Pamphlet “defensio necromantiae vel astrologiae” genannt wird, ist es, rücksichtlich welcher im Murnarus Leviathan ihm der Vorwurf gemacht wird, dass er sie geschrieben babe, obgleich die Eitelkeit der Astrologen durch Johann Picus Mirandulae in seinen bereits 1494 erschienenen Libri XII disputationum in astrologos s. in astrologiam divinatricem gründlich nachgewiesen sei. f) Auch Ptolemaeus war Gegenstand seiner Studien, dessen lateinischen, bei Gricniuger im Jahr 1522 erschienenen Text, der mit 47 Karten erläutert ist, er mit Anmerkungen versah. 1 2 ) g) Unstreitig ist auch von ihm die “Aufzlegung der mcrcarthen oder cartha marina”, welche Laurentius Friess, der sich “natürlicher philosophus” nennt, dem Buchdrucker Joh. Gricninger 1527 gewidmet hat. h) 1532 gab er zu Basel seine Schrift “de curandis pustulis heraus. S. Panzer T. VI. S. 291. i) Name und Druckort lassen vermuthen, dass ihm auch folgende Schrift augehört : “Ars memorativa naturalis”, welche gleichfalls zu Strassburg, aber schon 1488 erschien und wiederum daselbst 1497. Im Murnarus Leviathan wird auch seiner Verse (versiculi) gedacht, von denen wir nichts weiter wissen. Wigand Wirt (Caupo), aus Stuttgard, welcher, wie es scheint, nicht mit dem Wigand Trebellio Ilasso zu verwechseln ist 3 ), gehörte den Dominikanern an, und bekleidete in deren Kloster zu Frankfurt das Amt eines Lectors. Er erscheint hier als ein Gegner des Jacob Wimpbeling, der in seiner um’s Jahr 1493 erschienenen Schrill “de triplici candore virginis Mariae” deren unbefleckte Empfiingniss verlheidigt hatte; bald darauf gcrielh er gleichfalls in eine Fehde mit dem berühmten Abt von Sponheim, Johann Trithemius, und Sebastian Braut. Gegen Ersteren schrieb er die Schrift: “Dialogus apologeticus adversus Trithemium de conceptione B. V. Mariae. 1. S. Panzer a. a. O. S. 440. 2. S. Panzer Ann. typugr. Bd. VI. p. 98. 3. Dieser schrieb 1503 im Einverständniss mit Wimpheling : „Concordia curatorum et fratrum mendicantium. Carmen elegiacum, s. a. et I.; auch hei Gricninger Argent. 1524 in 4. S. Uiegger Amoenit. Fri- burg. p. 221, und Panzer Ann. VI. 104. 073. IX. 373. 073. XI. i 53. 416 Abhandlung über den Ulenspiegel. Oppenheim. 1494 in 4. 1 ) Von demselben wurde er jedoch zu einem Widerruf zu Köln 1497 September 16 gezwungen 2 ). Später musste er Frankfurt verlassen 3 ), weil er den Orden der Francis- caner in seinen Predigten gelästert hatte, besonders den Barfils- ser Hans Sprenger (oder Spengler) 4 ). Es ist schon oben erwähnt, dass mit ihm Tb. Murner aus Frankfurt vertrieben wurde, wobei es allerdings räthselhaft ist, wie dieser Francisca- ner auf der Partei der Gegner des Barfüsserordens gestanden haben soll. Eine wenig und, Wie es scheint, in Bezug auf Murner gar nicht beachtete Schrift ist die folgende : "Ain kurtzi anred | zu allen myfzgunstigen Doctor | Luthers und der christen | liehen freybeit”. Es folgt ein Holzschnitt, welcher sechs Männer in langen, grüsstentheils geistlichen Gewändern darstellt, von denen fünf, deren Namen in der folgenden Anrede bezeichnet werden, Thierköpfe tragen; am Schlüsse steht: "I A hat es gemacht, da er fröhlich was.” 1522. Ein Bogen in 4. 6 ) Die Schrift beginnt mit einer Anrede an die Feinde Christi und des Dr. Luther, zunächst den Th. Murner und den obgedachten “Kreter Wedel”. Es wird dann angeführt, wie Murner in einen Drachen, Weddele in eine Sau, Einser in einen Bock, Dr. Dann in einen Eselskopf, Alexander in einen Löwen verwandelt sei, und Eck mit einem “Quasten-Wedel” versehen. Diese ganze Anrede ist mit Ausnahme der Anführung der verwandelten Personen lediglich eine Uebersetzung des Schlusses des Murnarus Leviathan. Hierauf folgt auf 3 Seiten eine gereimte Anrede an die vorgedachten Personen. Wir können nicht angeben, ob die Buchstaben I A am Schlüsse für die Initialen des Namens des Verfassers zu halten sind, und an wen dahei zu denken sein könnte. 1. Panzer II. 243. 2. S. Bzovii annales ecclesiastici a. 1502. Die Epp. obs. vir., die seiner wiederholt gedenken, nennen mehrere seiner Werke, und sprechen von einem Widerruf seiner Schriften zu Heidelberg, s. Epp. obsc. viror, ed. Münch p. 158 und 178. Vergl. daselbst Beilage S. 554. 3. S. Schröckh Kirchengesch. XXXIII, S, 384 ff. 4. MS. chronic. Dominicanorum, angeführt von A. Kirchner Gesell, der Stadt Frankfurt I. 516. 5. Panzer Ann, II. S, 88 führt die Schrift an, welche er nur aus Hirsch Millen. I, p. 20 kannte. Anhang über den Murnarus Leviathan u. andere Schriften gegen M. 417 Andere hier noch zu erwähnende Schriften sind folgende : III. Der “Karsthans mit vier Personen, so vnder inen selbst ain gesprech vnd red halten” o. J. u. 0. (1520)')• Waldau kannte 5 Ausgaben dieses Buches, Kurz beschreibt 3 derselben näher, und hat das ganze Büchlein neu abgedruckt 1 2 ). Einen 7ten Abdruck hat Scheible Kloster X. S. 219. Diese Schrift ist Ulrich von Hutten ohne Grund zugeschrieben, welchem sie jedoch Veranlassung gab, eine seiner späteren Schriften Neu Karsthans zu betiteln 3 ). IV. tc Defensio Christianorum de Cruce, id est, Lutherano- rum. Cum pia admonitione F. Thomae Murneri”; von Matthäus Gnidius; wahrscheinlich gedruckt 1520 in Hagenau 4 * ). V. Ein fliegendes Blatt, betitelt “Das hond zwen schweitzer bauren gemacht. Fürwar sy hond es wol betracht”, erschienen 1521. Es ist abgedruckt bei Scheible Kloster X. S. 377 6 ). VI. Antwortt deutsch Mart. Luthers auff Künig Henrichs von Engelland buch.” Wittemberg 1522, 6 Bogen in 4.°) Ein Abdruck findet sich bei Scheible Kloster X. S. 385 mit der Jahreszahl 1527. VII. “Ain schöner Dialogus vnd gesprech zwischen aim Pfarrer und aim Schulthaiss” 7 ), abgedruckt bei Scheible a. a. 0. X. S. 301. Diese Schrift ist uns besonders interessant, weil sie uns Murner als den Verfasser mehrerer anonymen Schriften, namentlich des Ulenfpiegel, nachweist. VIII. Hinter dem Murnerschen Gedicht: “Ain new Lied von dem vndergang des Christlichen glaubens” ist abgedruckt: “Ain ander Lied Darwider vom auffgang der Christenheit jn D. Mur. Veiten thon.” o. O. u. J. Panzer kennt diese Schrift nicht, welche Scheible a. a. O. VIII. S. 667 if. abgedruckt hat. IX. Auf dasselbe Murnersche Lied bezieht sich die Schrift: 1. Panzer Zusätze S. 197. 2. Waldau a. a. 0. H. Kurz Vorrede zu Murners gr. Iuther. Narren und Seite 161—192. 3. S.Münch U. de Hutten, t. V. 5. 528. 4. S. Röhrich a. a. 0. S. 597. 5. S. Pa n z e r Ann. II. S. 42. 6. S. Panzer, Ann. II. S. 74, wo S. 75 eine Ausgabe ohne Angabe des Druckers und Jahres angeführt ist. 7. S. Panzer a. a. 0. S. 44., wo zwei Ausgaben, beide ohne Jahreszahl, aber vermuthlich vom Jahr 1521 angeführt werden; Röhrich a. a. 0. S. 597 nimmt an, dass diese Schrift schon 1520 zu Strassburg gedruckt sei. 27 418 Abhandlung über den Ulcnspiegel. “Wider Doctor Murnars falsch crdycht Lyed : von dem vnder- gang Cliristliclis glaubens. Bruoder Michael Styfels von Esslingen vssleg und Christliche gloss darüber.” 7 Bogen 4. (1522)'). X. “Nouella” 4 '/2 Bogen 4. (1522), abgedruckt bei S cheibl e a. a. O. VIII. S, 675 IT. Das Original ist auf der Hamburger Stadtbibliothek. XI. “Antwort dem Murnar vff seine frag, Ob der künig von Engellant ein lügner sei, oder der gütlich Doctor Martinus Euter.” Am Schluss: “Datum Ex Mithilena insula Anno XXI11” in 4. Abgedruckt bei Scheible a. a. O. X. S. 241—300. XII. Utz Ecksteins “Concilium” und XIII. Desselben Ry chs stag, beide abgedruckt bei S cheible a. a. O. VIII. S. 705 und S. 827. XIV. “Antwort Michel Styfels vff Doctor Thoman murnars Murnarrische phantasey, Wittenburg. 1523.” 3 Bogen 4. Stiefel sagt in der Vorrede, dass dieses Büchlein eine Antwort sei auf eine Schrift Murners: “Antwort, Entschuldigung und Clag wider Stiefeln”, wodurch derselbe die unter VIII. angeführte Stiefelsche widerlegen wolle 2 ). XV. Niclaus Manuel: “Die Ordnung vnd letzter will der Messz”, ein Anhang zu der Schrift desselben Verfassers: “Ain klegliche Botschafft dem Bapst zukomen”, abgedruckt in Grünei sen’s N. Manuel. S. 423 ff. (vgl. daselbst S. 420), so wie bei Scheible a.a.O. X. S. 362, aber hierunter dem Titel: “ Send- brieff Von der Messkrankheit vnd jrem letsten willen.” s. 1. et a. 8. (1528). In diesem Testament wird Murner als Verfasser der “Gouchmatt” genannt und verspottet. Die Schrift “Musa nocturna Murneriana” ist nicht etwa ein Werk Murners, sondern ein lateinisches Gedicht von Nocturno Brumnitzio (d. h. Nicolaus Baer, Schulcollegen in Bremen), mitUebersetzung in die niederdeutsche Mundart, wahrscheinlich im Jahre 1685 erschienen. Sie handelt vermutldich über Katzenmusiken S. Blenz, Bibliothek. 1844. S.233. 1. S. Panzer a. a, 0. S. tOOsq. 2. Panzer Ann. II. S. 209 und Waldau a. a. 0. S. 102. Ein Exemplar dieser bisher unbekannten Schrift Murners findet sich in Eipperts Catalogue d’une collection* précieuse de livres. Halle. S. 268. BEILAGEN. I 5Ï íí “.;•. '; *«**} '.'iÿ:V*A: I. Inuectiua T. Murner ad Jo. Keisersbergium, quia phantastice sompniauit illum de se predicasse, cum neque eius personam, neque nomen, neque statum vn- quam cognouisset. 1502 *). Tomas Murner Argentinus Joanni Keifersbergio, vrbis Trebo- tine concionatori, fe offert deuotifsimum. Non pofsum non mirari vehementer, doctor egregie, neque mihi ipsi facilis 2 ) perfuadebo veftras me hactenus conciones non olfendifse, fingulari ad hoc ftudio inftituto, virum utique et perfone et doctrine veftre cali- difsimum promotorem, cum prêter me fit nemo, qui Justiniani Cefaris Inftitutionuin libros in tam celeberrima a ) variafset exercitationum commoda, per vos, me audiente, in propatulo viriata. Atque me auctore quafcumque fuper angelorum materia applicationes ymaginari gloriofius fuifsc edocuiftis. Illa autem quid volunt? Profecto nihil credi poteft, quam toruo Argentinos filios oculo 4 ) paterna bona in plerisque ftudiorum achademiis defectafse fufpicari. Transeo fenfum veftre paternitatis; transeo libens, fi paterna fit correctio. Id dumtaxat volui digna exoracione confcribendum de me infequentes fermones non fpargere verbo 5 ), ne fabula in plebe con ftitutus paterna videar fine fructu bona difpenfafse. Mallem, inquam, quam rifus efse et paterna conjecturari bona inutili ftudio confumpfifse, in vos omni mentis conamine (quoad ordinis obedientia fineret) et difputatione et feriptura, aduc°) autem et thcotonico furore atque angelorum queflionibus perfonali indagine defeuire. Argentinos, obfecro, veftros filios habetote, cum nos patronum vereremur. Ne autem minari videar parenti filius, denuo fupplex rogo: petita exequa- mini. Ex ftudio noftro 1502. 1. Dieser und der folgende Brief ist einer kleinen Sammlung Wimpfclingi- sclier Handschriften entlehnt, welche, in Quart geschrieben, im Besitze des Herrn Pastor Monckeberg zu Hamburg sich befindet. 2. L. facile. 3. L. creberrima. 4. Die letzten Worte werden als Murners von Wolf in der Defensio Germaniae angeführt. 5. So für verba. 6. L. adhuc. 422 Beilagen. II. Thome Murner J a c. Wimphelingius S c h 1 e t s t a- tinus nomine Keisersbergii, in sermonibus faciendis occupatissimi. Lectis hefterno vefpcri literis tuis ad Joannem Keifersper- gium, preceptorem meum, datis, cum is miraretur plurimum, quidnam fibi velint fcripta tua, quippe qui neque vitam neque perfonam neque doctrinam, fed neque nomen tuum plane cogno- uifse sese teftabalur, nec in animum fuum unquam defcendifse de te loqui aut in te inueliere, hominem fibi incognitum, querebat ex me, fi ego te nofsem? Cum id affirmarem, aiebat literas tuas obfcuras intelligcntiam fuam latere; anne ego eas caperem? Cum legerem et relegerem, inueni eas mihi longe obfcuriores, prefer- tim dum te fcribis “ inftitutiones variafse in creberrima commoda”, et deinde fubdis, “quod illa sint per Keifcrspergium te audiente viciata”, quod fane in malam partem fonare videtur. Si tu inftituta variafti in commoda, ubinam ille viciauit? Ille, inquam, qui omni fere concione perfuadere nititur ad omnem legem, inprimis diuinam, deinde ad fanctifsimas cefareas (quae ex nature fonte procedunt) obferuandas, utpole in ultimis voluntatibus et teftamentis non violandis. Contraque plebifcitum hic emerfit, neminem ultra quinque folidos denariorum in egritudi- nis lecto legare pofse. Adiecifti hec verba : “ atque me auctore quascumque fuper angelorum materia applicationes imaginari gloriofius fuifse edocuiftis”. Edifcere parabolam hanc: quid docuit Keiferfpergius te auctore? Quae angelorum applicaciones gloriofius imaginari pofsunt? Jacobus fum, non Edippus. Poftremo fufpicaris Keiferspergium toruo efse oculo in filios Argentinos. Quis tibi hec falfo fuggefsit? Quis magis vnquam dilexit Joannem Simler, Joannem Rot, Petrum Schottum, viuen- tes et mortuos? Quis fincerius amat D. Sebaftianum Brant, Joannem Schottum, Joannem Lilium, doctorem Auguftinenfem, patrem Tliomam Lampar ter, et reliquos multos hoc vno noftro Keiferspergio? Et, ni fallor, tu non Argentine, fed in Ehenheim natus es ex patre olim calciatorum ‘) repetiatore, nunc autem cau- 1. L. Calciamentorum. Schreiben J. Wimphelings an Murner. 423 fidico. Porro quis ardentius defíderat incrementum pubis Argentine? qui vna mecum cupiuit bic inftitui pro pueris prima rudimenta nactis feparatas ab ecclefiis fcolas, in quibus triennio aut ad furam um quinquennio dociles ephebi fundamenta docerentur omnis latine lingue, epiftolariun fcribendarum, hiftoriarum, morum et omnis honefte compofitionis in verfu et profa. Quippe quibus in paucis annis ex poetis Virgilium aut Baptiftam Mantuanum, ex oratoribus Tulium in officiis, ex liiftoricis Saluftium et Valerium Maximum plane et perfecte boni preceptores tradere pofsent. Et quid adolefcentie falubrius, etiam fi nunquam banc vrbem fit exitura? Si tu liuorein aut odium arguis ex caftiga- tione vitiorum, odio habet omnis maturus pater filios fuos, odio habet matrona filias luas, quas cafligat; odio habuit Criftus Ju- deos et tu ipfe (cum venia loquor) odio habes Argentinenfes, quos heri (et bene) reprehendifti de inferendis auibus et inducendis canibus ad templa, et quod vxores non folum fperarent in mortem maritorum, fed et ad eam promouendam vota ad limina fanctorum emitterent, id quod tibi nonnullas in confefsione de- tcxifse afiirmafti. Vtinam hoc verbum obticuifscs ! Quod vero vocas in certamen, in furorem et feuiciam Kei- ferspergium, virum magne fidei et maxime integritatis, nefeio fi id tuam inventam, tuam religionem, tuam, quam profefsus es, regulam deceat. Neque Francifcus, neque Bonauentura, neque frater Dauid id in te, credo, probarent ; dicerent potius, (ut eon- iecto) : “Tiloma , noli tantum virum lloccifacere, qui non folum neotericos, fed et antiquifsimos theologos lectitauit, et non folum theologos, fed et hiftoriograplios, fed moraliffimos philofophos, fed oratores atque poetas; qui quinque fere luftris diurnos et nocturnos labores fecit in concionibus ad populum Argentinen- sem, cuius honorem, decus, vlilitatem et precipue animarum fa- lutcm ex toto corde defiderat. Etas, integritas, conftantia, diuturni labores, veritas, zelus animarum, amor, quem habet in rem- publicam, caritas in pauperes, celeberrimum nomen, auctoritas apud exteros, ftudium, fapientia, virtus, caftimonia, frugalitas et infignia magiftralia prohibere debebant, ne tu, Thoma, tantum virum non abfque contemptu in clamofam difeeptationem prouo- cares.” Ilee et liuiusmodi reor tuum, fi liodie in terris 424 Beilagen. efset, Francifcura aut alios ordinis tui diuos ad te locutur.os. Vale et ab amico veritatem bono animo accipe. III. Schreiben des Kanzlers Thomas Morus an Cardinal Wolsey d. d. Esthamftede (1523) Aug. 26.‘) It may ferther lyke Your good Grace to be advertifed that one Thomas Murner, a Frere of Saynt Francisce, which wrote a booke againft Luther in defence of the Ringes boke, was oute of Almaigne fent in to England, by the meane of a fimple 1 2 ) perfon, an Almaign namyng hymfelfe fervaunt un to the Ringes Grace, and alferming un to Murner, that the Ring had gevyn hym in charge to defyre Murner to cum over to liyrn in to England, and by occafion ther of he is cunnnen over, and has now bene here a good while. Wher fore the Ringes Grace, pitiyng that he was fo deceived and having tendre refpecte to the goode zele that he bereth toward the fcith, and his good hart and mynd toward Ilis Ilighnes, requyreth Your Grace that it may lyke you to caufe hym have in reward one hundred pownde, and that he may retourn home, wher his prefence is very necefsary; for he is one of the chiefe ftays agaynft the faction of Luther in that parties, agaynft whom he hath wry tien many bokis in the Almayng tong; and now, fith his cumming hither, he hath translated into Latyn the boke that he byfore made in Almaign, in defence of the Ringes boke. He is Doctour of Divinité and of bothe Lawes, and a man for wryting and pre- ching of great eftimation in his cuntre. Hit may like Your Grace ferther to wite, that the fame fimple perfon, which caufed Murner to cum in to England, is now cunnnen to the Court, and hath brought with hym a Barons fon of Almaygn, to whom lie hath also perfuaded, that the 1. Dieses Schreiben des Sir Thomas More an den Cardinal Wolsey ist den State Papers Vol. I. pug. 125 entnommen. Easthampstad ist ein königliches Jagdschloss im westlichen Theil von Windsor forest. 2. Simple ist hier wie hernach in: “fimple ways”, nicht für: "einfältig” zu nehmen, sondern für : verschmitzt, schlecht. Schreiben des T. More an Wolfcy. 425 Kinges Grace wold be glad to have hym in his fervice. He hath also brought letters from Duke Ferdinand un to the Kinges Grace, which lettres .1 fend unto Your Grace, wherin he defireth the Kinges Highnes to take in to his fervice and to reteyne with fome convenient yercly pention Ducem Mechelburgensem; of which requeft the Kinges Grace greatly merveileth, and ve- ryly thinketh that this fimple felow, which brought the lettres, lykewise as he caused Murner to cum hither, and perfuaded the Barons fone, that the King would he glad to have his fervice, fo hath by fome fimple ways brought the Duke of Mechel- borough in the mynd, that the Kinges Grace wold, at the contemplation of Duke Ferdi nandis lettres, he content to reteign the Duke of Mechelborough with a yerly pention. The felow hath brought alfo fro the Duke of Mechelborough lettres of credence written in the Duche tong. He bare hym felfe in Almaign for the Kinges fervaunt and hofted that he had a yerely pention of fiftie markes, and that the King had fent him thither to take upp fervauntes for hym ; and now he faith he is fervaunt un to the Emperours Mnjefte, and is going into Spaigne with lettres to hym; and in dede he hath diverse lettres to His Magestie, and fo it was easie for hym to gete, if he entend to deceive and mocke; as the Kinges Grace thinketh that he doth. For His Grace never faw hym byfore, hut he underftandeth now, that byfore this tyme he was in England, when th Emperour was here 1 ), and flew a men and efcaped his way. Wherfor His Grace requyreth Yours to gevc hym your prudent advice, as well in a convenient answere to he made both to Duke Ferdinand and the Duke of Mechelborough, as also in what wyfe hit filial be convenient to ordre this fimple felovve, that fo hath deceived menne in the Kinges name. 1. Kaiser Karl V. war 1522 26. Mai zu Dover gelandet, und blieb in England bis zum 1. Juli. 426 Beilagen. IV. Facecie del Gon ella com poste per maestro Francesco, dicto maestro Raynaldo da Mantua 1 ). 1 . 10 lafsaro chiamar la lira Orpheo E Polimnia e Minerua, a quel poeta Che l’acqua toise al fonte pegaseo E a l’omhra del Parnaso pon la meta: Ne cerchero niuno altro semideo, Ne l’opra eruda, abenche el non se veta: Ma d’un Satyrro o Phaono la ciampogna F chiamero: quel non me fia vergogna. 2 . E dei Gonella cantaro a mio modo Qualche facecie in questa octaua rima. Et se ben vi sera errore o frodo, Nel basso ftille niun si’n fazza stima, Et' fe’l Mantuan Raynaldo merta il flodo, Como colui che tal versi non lima, A vostro modo fati, el bem 2 ) vi nasca, Pur che quatrini a me vengano 3 ) in tasca. 3 . Mentre il Gonella si era fanciulletto Di sette o otto anni, si bebe ad amalare. El Ducha di Ferrara per diletto Ogni giorno lo andana a vifitare. 11 che vedendol de appetito abietto, L’ebe il signor con prieghi a dimandare: 1. Vergleiche oben S. 357. Der folgende Abdruck ist wörtlich mit .Beibehaltung der vermuthlich dialectischen Eigentlnimlichkeiten der Sprache, wozu besonders das “n” anstatt “m” in der ersten und das “i” für “e” in der zweiten Person Pluralis gehören. Hinzugefügt sind theilweise die Interpunction, die Apostrophirung und die Wörterlheiiung. Druckfehler sind in den Noten bemerkt. 3. Für bene. 4. 0 r. regano. Facecie del Gonella. 427 “Gonellin mio, ti vien di niente voglia? Di’ mel, figliol, non ftar de mala voglia.” 4 . Rifpose el Gonellin: "Temo e ho vergogna A dimandar cpiel che mangiar vorrei, Ma se i mei fpirli e il ceriiel non mi fogna, Se ne mangiafsi certo, i’ guarirei; Ma nol vo’ dir, perche gli e vna poltrogna, E portaro pacientia ai dolor mei.” Rifpose il ducha: "Dil, fe Dio te ayta, Dillo, íigliol, fe’l fufse bene vscita.” 5 . Difse il Gonella: "O signor, tu Tai detto. Voria de vn ftronzo, habenche e disonesto. I’ l’ho chiesto a colui, che mi fa el letto; Non mel vol dar : de’, fa’ mel dar ') tu presto.” El duca, attento a farli ogni diletto, Chiamo quel seruo, e difse: "I’ ti protesto, Che se non fai ció che vol el Gonella, lo faro fpezar ti la 2 ) ceruella.” 6 . Odito questo el hon Gonella chiefse Vno ftronzo di sopra nominato. R seruo timoroso vn stronzo prese, Et sopra vn quadro li hebe apresentato. Difse il Gonella: “Amico mio cortcfe, Ilabia me vn poco questo masticato. Meti Io in boca e biafcica Io 3 ) alquanto, E lo appetito mi verra fra tanto.” 7 . Coftui non per feruir, ma per paura Ne toise in bocea afsai piu 4 ) di vna prefa; 1. Or. da. 2. Or. le. 3. Or. bias acal o. 4. Or. pin. 428 Beilagen. Biafsato alquanto attarlo si procura, Dicendo: cc or to’I” con l’aima irata e accefa, Ma a dirli villanía non se afsicura, Teniendo non riceuer qualche offesa. El duca staua pur arremirare, Se’l Gonelin vol lo ftronzo mangiare. 8 . Mentre a veder qui ftauan tutti quanti, Rifpose el Gonellino al feruitore Senza far riso, con certi semhianti: cc Tu sempre me portasti poco amore.” Et con certi atti e con singulti et pianti Difse: cc Tu li ciciafti ogni fapore, Et or a me me porgi la vinaza. Mo mangial tu; che’l mal pro fi te faza!’ 9 . El ducha delle risa si scopiaua Con tutti i circumftanli, ch’auea intorno. Cosí ridendo a difinar si andaua, Lafsando il feruo scornato e musorno. E vui, domini mei, fe’l non ve agraua, Prcftati me audientia in questo giorno, Che ve diro moite altre gentileze Pur del Gonella e afsai piaceuoleze. 10 . Fatto ormai hom el buffon nominato, Vn giorno in cinesia a tempo de natale, Ilauendo il duca in dofso vn bel brocato, El bon Gonella, che par non ha equale, Gli ebbe vn scartozo adofso riuersato Pien de pidochi, e in modo se preuale, Che ognuno el vide, e poi da lui si scosta, Fin che i pedoclb fanno la preposta. Facecie del Gonella. 429 It. Stando el signore il dir di vn miserere, Piglia vn pedochio, e dui, e fette, e otto, E il bon Gonella s’acosta ad vedere, E mostra non faper, se non di botto: “Spogliate”, difse, “non stare afsedere, Mettite la mia vesta, e non far motto, Che gli e vergogna. Oue diauol se’ stato?” E con tal danza li tolfe el brochato. 12 . E mai pin al duca non refe tal vefta, Benche piu volte gli e’ la adimandafse. Ora ascoltate 1 ) quiui vn’ altra festa. Par che’l fignore el Gonella pregafse, Che di mandar sua moglie a lui non refta. Onde il Gonella par sempre negafse, Dicendo, gli era sorda e mal parlaua, E non odiua se’l bom non cridaua. 13 . Or difse el ducha: “Manda la si fatta; Madama e inferma e’n batiera a piacere.” El Gonella alla moglie a dir fe adatta, Dicendo: “El ducha pur te vol vedere. Va lo a ritrouar, e 2 ) fa che tu sia atta Afsalutar lo como gli e el douere, Et fe lo aduien, ch’el te parla per forte, Cegna li, che’l e sordo, e crida forte.” 14 . La donna attempo se ne va al signore Et lo saluta como fe fa vn sordo. El ducha con gran voce e gran clamore La risaluta 3 ), e ciaschun par balordo. Madama inferma, che odo tal cridore, Manda a pregar, che non parlan si in gordo. 1. Or. ascoltata. 2. Or. ritrouae. 3. Or. ti saluta. 430 Beilagen. Difse el signor: cc Cofte¡ e sorda tanto, Che affarla vdir conuien cridare alquanto.” 15 . Difse la donna: CC I’ non fon forda niente. Seti pur vui, a me ditt’a el Gonella.” Refto scornato il duca in quel presente, E di vergogna allhor piu non fauella. La donna torno a casa incontinente, Tutta confusa e barbotta e martella, E cosí se pagon di tal derrate. Or lafsian queste e quest’ altre ascoltate. 16 . Tre ciechi infierne erano in domo allato, Doue il Gonella li pafso da prefso, E difse: “Allhor habiate Idio pregato Tutti tre vui pel mio peccato exprefso. Questo teftone ve voglio hauer donato. Partitel poi tra voi senza altro excelso.” Ognun difse: “Gran merce, Mifser nostro, Nui pregaremo Idio per amor vostro.” 17 . Giunta Thora che fu del definare, Andando a casa diceua vn de quegli: “Faciamo quel teston discambiare, E partiren lo da tre bon fratelli.” Rifpose vn altro: “Egli e cosa d’affar.” El terzo difse: "Or che tante zambegli, Che lo scamb’.” E quel difse: “Non io.” II terzo difse: “Mancho io l’ho per Dio.” 18 . Difse vn: “Tu l’ai, tu!” E lui difse: “Ne menti, Donche ') l’ha questo.” “Non ho.” “F ti conosco.” 1. Or. don cha. Facccie del Gonella. 431 E non fecen tra lor parole venti, Che adoperorno la fonza del bosco. Et fe non fufse el pafsar delle genti, Si serian morti; fi eran pien di tosco. Ognun credea che in lor fufse el dinaro, Ma non l’hauea niun: questo e il diuaro. 19. Or lafsian questo e dician del Gonella. Dal duca va; e’ a cafo era turbato. “Signore, i’ vo a Venetia”, li fauella, “Se tu vo’ niente, i’ te lo 1 ) haro portato.” "F voglio vn stronzo”, li rifpofe in quella. Toise il buífon allhor da lui combiato. Era gran gielo, e a pie vn pezo si auioe, E a caso in vn gran stronzo se incapoe. 20 . Su lo racolse, che gli era zelato, Poi lo fece coprir de vn zuchar fino. Ora a breuiare: in Ferrara tomato, Efsendo il ducha di meglior latino, Ando el Gonella a lui, come era vfato, E doppo il bel faluto e il bello inchino Difse il fignore : “O! tu vien da Venegia: 2 ) A tu niente de bel che s’apregia?” 21 . Li vodo le bifsaze in su la tola. Non v’ era da veder se non el confetto. Difse el Gonella: “Se hai longa la gola, Mangia de questo, ch’en harai dilecto.” Non li fece il signore altra parola, Ne mangio vn poco fenza altro fufpecto. Difse el signor: “Jo odo vn puzor disconzo.” Difse el Gonella: "Sfa, che gli e el to 3 ) stronzo”. 1. Or. i t e ¡ o. 2. Or. Vene sia. 3. d. h. tuo. 'mÊÈŒtëÊfflÊÊmmmÊmiËÊësmMmm 432 Beilagen. 22 . De li a piu giorni el Gonelia a Madama Li fece vn scrizo, che non li fu grato. Onde turbata piu donzelle chiama, E difse: "Ogniuna habia vn baston parato, Et se ciascuna, como credo, me ama, Sopra al Gonelia l’babia adoperato. Faro lo qui venir. Ma ben guárdate, Che’l non ve habia con zanze auilupate.” 23 . Ciascuna dice: "Dica cio che volé, Che lo refrustraremo per Dio sancto.“ Madama a quello mando a dir, fe’l puo’le, *) Che lo prega, che venga da lei alquanto. Cosí el Gonnella va fra quelle prole E vede ogniuna che ha il baftone a canto, E per vfcirse for di quella stanza Al improuiso ritrouo vna zanza. 24 . Dicendo : “1’ so che mi voleti dare, Che ben qui vedo piu bafton parati. Ma vna sol gratia vi vo’ adimandare: Che prima all’ altre lafsar cominciati A quella che piu volte hebi a basare Come putaña e di prete e di frate. S’ardischa contra la salute mia, Ora comincia tu, putaña ria!” 25 . Ciascuna odendo tal nouela exposta, Difse fra se: "I’ non son gia puttana.” Et al Gonnella niuna non s’acosta; Si che a Madama fu la impresa vana. Fuge el buffon e niente non fe arosta, 1. Or. sel pote. Facecie del Gonella. 433 E la signora con la mente insana Odendo questo le riprese afsai. Dicea ognuna: "Puttana non fu mai.” 26 . Non vargo tropo giorni che’l Gonnella Ne fece vn’ altra. Or stati ad ascoltare. Hauea vn cauallo bolso, senza sella, Vechio, malfattore, lo mando afferrare. Vide el fignore vna tal roza, in quella Chiamo el Gonnella e difse: tc Che voi fare Di questo morbo pien di mille mali?” Difse el buffon: “Tu non hai boni ochiali.” 27 . E comincio a lodar questo cauallo, E che piu alto di soi el faltarebbe; Metria cento ducati senza fallo Contra vn sacco di gran, che’l vincerebe. Or difse el duca, fenza altro interuallo Che’l menafse el caual che’l giocharebe. La roza allhora fe il buífon menare E su im palazo la fece montare. 28 . El simile monto il caual del duca, Credendo ognun che in sala se saltafse. II Gonnella il caual fuo allhor trabucha, E nel dar giu par che’l ciel ruinafse. Se fracafso il caual come vna zucha, Perche for d’un balchon par che lo vrtafse Alto da terra forsi cento braza. Difse il duca : “Non son si bestia paza ! 29 . Piu presto dalli vn bon sacco di grano, Che i mei caualli non san far quel falto.” 28 434 Facecie del Gonelia. E il bon Gonnella se ne va pian piano, E toise vn sacho trenta braze alto, Andofse ne al granar presto e tostano Empiello di tormento senza ismalto, Perche quel facho era pur disonesto. Nel altro canto i’ ve diro poi il resto. FINIS. Imprefso in Bologna per Justiniano da Rubiera, nel Anno della salute 1506, a di vltinio di Aprile. SAR Vorzüglich benutzt sind Benecke (mhd. Wörterbuch), Grimm (deutsches Wörterb.), Kurz (Glossar zu MurnerV Gedicht vom grossen lutherischen Narren), Weber (Wörterbuch zu den Gedichten Oswalds ron Wolkenstein), Ziemann (mhd. Wörterbuch). A. ab, von. II. 31. S. 44. aben, hinabgehen; aben gon 11.78. S. 116. abcntur n., Schwank. II. 23. S. 31. aber, 1) wiederum. II. 4. S.6.H. 9. S. 11. II. 12. S. 16.11.20. S. 26. 11.37. S. 53. II. 39. S. 58. 2) Dagegen. II. 28. S. 40. Vgl. Be- necke. abetzen, abweiden. 11.141. S.91. abgehen, abnehmen, abgang. 11.63. S. 90. abkummen mit d. Genit, etwas ab- selzen, loswerden. II. 88. S.128. ablafzen, Subst. neutr. S. 1. Ir ab- lafzen nit wolt sein, sie wollten nicht ablaszen, aufhören. abrecben, ahrechnen. 11. 74 S. 109. abscheid, Abrede. II. 50. S. 73. 11.78. S. 115. II. 87. S. 126., abfcbleifzen, abstreifen. II. 30. S. 42. abfton, scheiden ; von tods wegen abston, sterben. 11.93. S. 135. acht nemen mit d. Genit., wahrnehmen. II. 22. S. 29. achten mit dem Genii. , mit etwas warten. II. 8. S. 9. acker, zu acker faren, den acker bestellen. 11.26. S. 34. ackerlenge, einAckerWegs.il. 64. S. 93. ein ackerlengin: Accus. II. 9. S. 11. ade, adieu. H. 83. S. 122. S. aide, aflenspil, Aeflerei. II. 24. S. 32. albe, Messgewand. II. 12. S. 15. aide, adieu. S. Benecke. II. 37. S. 54. all, schon. H. 50. S. 74. all, Adv. oder Adj., vgl. Grimm all, adj. allen tag, jeden Tag. II. 22. S. 30. aller ding, ganz, H. 64. S. 93. allerhinderst, uf das allerhinderst, auf das Aeussersle.il. 87. S. 125. alles dings, immer, zu allen Zeiten, durchaus. II. 36. S. 51. allumblier, nach der Reihe. H. 55. S. 81. allweg, allwegen, alweg, alwegen, immer. H. 21. S.28. — 11.22. S. 30. — 11.34. S. 48. —H.45. S. 67. —11.90. S. 141. allzemal, auf einmal. II. 74. S. 109. als, ganz, immer, s. Grimm. S. 247. als nach thun, gleich, stets nach thun. 11.24. S. 32. als — als, so — wie. II. 37. S. 53. II. 38. S. 54. 438 Glossar. alsamen, alle zusammen. II. 14. S. 18. also, auf diese Weise. II. 46. S. 6S. ambisz, Ambosz. 11.39. S. 58. an dem bet, in. II. 51. S.75. anblasen, durch Blasen anzeigen. H. 22. S. 29.30. andingen, die Bedingung stellen. 11.27. S. 36. anfechten, bitten. II. 14. S. 17. angefachten, Part, gebeten. II. 14. S. 17. anfohen, anfangen. II. 52. S. 77. angesicht, Anblick. 11.27. S.37. angewinnen, abgewinnen, anthun. 11.17. S. 23. angón. l)EineArbeit anfassen.II.54 . S. 80. 2) Dasz dich nimmer güts angón müsz, treffen. II. 51. S. 76. das dich nymmer guts angee. II. -76. S. 111. vgl. S. 275. anlafz, mhd. anekiz, Anzeige, Verabredung. S. Ziemann. II. 17. S. 23. anlegen, anziehen. II. 13. S. 17. annemen mit dem Genit., sich abgeben mit etwas. 11.27. S. 38. ansaclien, einem etwas anhaben. 11.38. S. 56. ansclilagen, (eine Wette) abschlies- sen. 11.87. S. 126. anschmecken, gefallen. II. 61. S. 88. antlit, Antlitz. II. 13. S. 17. II. 15. S. 20. H. 40. S. 60. antreflen, 11.41. S. 62. antreff, anbeträfe. II. 41. S. 62. antwurt, Antwort. 11. 35. S.49. antwurten. II. 28. S. 39. II. 41. S.62. antwurt, antwortete.II.28. S. 39. arbeit. Der lantgrafhettgrofz ar- beit mit, beschäftigte sich viel mit. II. 27. S. 35. archamist, Alcbymist. II. 27. S. 35. archamy, Alchymie. II. 27. S. 35. arg, karg. II. 40. S. 59.vgl. Grimm, armut n., sich ergeben in ein ar- mut, in ein Kloster treten, 11.89. S. 129. artist, Künstler. II. 27. S. 35. artzet, artzt, Arzt. 11.15. S. 20. II. 17. S. 22.II.53.S.79.artzet, Plur. II. 15. S. 19. arzneien, Arznei ertheilen. 11.15. S. 18. arzny, Arznei. 11.16. S. 21. auge. — under äugen: in der Nähe. 11.76. S. 111. ausbaden, s. vsbaden. aussetzen, ausspannen (die Pferde). II. 64. S. 93. B. hachen, backen. II. 19. S. 25. II. 20. S. 26. buch Imperf. II. 19. S. 24. bademume, badmflme, Hebamme, die das neugeborne Kind badet. S. Grimm. Bademuhme. II. 1. -S.3. bald, schnell, rasch. II. 22. S. 29. 11.35. S. 50. banc, bank, mase. Bank. S.2. II. 15. S. 20. benche, Plur. S.2. bankrefse, eigentlich ein auf der Bank, nicht im Ehebette Erzeugter, ein Bastard, dann ein adliger Bastard. Hier ist es ein Schimpfwort, wie auch Spitzbube ursprünglich Page bedeutete. Vgl. Bankert, Bankhart, und besonders Bankriese bei Grimm. — S. Gargantua Cap. 5. — 11.16. S. 22. Glossar. 439 bas, bafz, besser. II. 7. S. 9.— 11.15. S. 19. — 11.37. S. 52. II. 56. S. 82. II. 71. S. 105. 11.79. S. 118. II. 88. S. 128. bäum, Stange am Karren, den bäumen. S. 144. II. 98. batir. II. 2. S.4. dafür bur. II. 8. S. 9.1rrthümlicli fürnacliburen. II.71. S. 106. bedarft, Praes, erbedarf. II. 63. S. 90. bedeckt, gedeckt. II. SO. S. 118. bedenken, bedacht sieb,überlegte. 11.15. S. 19. —was bedacht, er hatte überlegt, gefunden. — 11.15. S. 19. bedoren, bethüren, überlisten. 11.57. S.83. bedrüfen, bedroufen, s. betreifen, bedunken, meinen. II. 15. S. 19. 11.47. S.69. beducht, Imperf. meinte. II. 47. S. 69. beleihen, befalch, befahl. 11.44. S. 65. befründen, für sich befriinden, sich verwandt machen. 11.27. S. 35. begeben, sieb zu etwas begeben. II. 5. S. 7. s. Grimm, begeren mit d. Genit. , etwas begehren. II. 17. S. 23. begeren fur das recht, vor Gericht erscheinen wollen, klagen wollen. 11.96. S. 143. beginnen, beginnen. II. 3. S. 5. — 11.40. S. 59.— II. 46. S. 68. — II. 75. S. 110. begund, begun- den. Imperf. II. 3. S. 5. II. 40. S. 59. II. 75. S. 110. II. 46. S. 68. begon, sein seel begon, für seine Seele sorgen. II. 93. S. 135. begrebtnis, ßegriibniss. II. 95. S. 137. begriflich, handgreiflich, leicht. 11.28. S. 39. begyn, eine Ileguine. II. 91. S. 132. behelfen sich mit, sich auf etwas verstehen. II. 65. S. 95. beliilf, Bequemlichkeit. II. 69. S. 102. bellt, Bett. II. 79. S. 117. bei, mit. 11.17. S. 23; in. II. 51. S. 76. bei ein, bei einander. II. 53. S. 78. bei halber, zur Seite. II. 88. S.129. beim imbifz, zur Essenszeit. II. 72. S. 107. beinach, beinah. II. 4. S. 6. beifze f., die Beize des Kürschners. 11.53. S. 79. beiten, w’arten. II. 9. S. 11. II. 61. S. 87. II. 66. S. 97. II. 70. S. 103. 11.75. S. 111. II. 80. S. 118. II. 92. S. 135. beiten, Imperat. II. 61. S. 87.' bekant mit d. Genit., für etwas bekannt sein. II. 54. S. 80. bekümmern mit, mhd. bekum- bern, sich abgeben mit etwas. 11.27. S. 38. bekummen. 11.25. S.33. 11.51. S. 75. 11.78. S. 114.115. be- kum, entgegenkomme, Conj. Praes. 11.78. S. 115. bekam, begegnete. 11.25. S.33. bekam wol, gefiel. 11.51. S. 75. benügen, genügen. 11.27. S. 37. beladen, belastet, mit schalksleu- ten. II. 45. S. 67. mit einer scbalkbeit. Erf. schalckshaut. II. 52. S. 77. s. Grimm. Diese Lesart hat viel für sich, da die Historie bei einem Kürschner spielt. Der Ausdruck fände seine beste Erläuterung in dem Umstand , dass die Narren Jacken aus gelbem Leder trugen, vgl. 440 Glossar. Douce Illustrations of Shakespeare S. 511 u. 518. beleihen, bleiben. II. 9. S. 11. be- Iib, bleib, Imperf. II. 9. S. 11. 11.30. S. 42. 11.66. S. 96. beiz, Pelz. H. 30. S. 42. 11.52. S. 77. beiz weschen. II. 30. vgl. S. 247. beraten, versorgen. 11.67. S. 98. here, Bahre. II. 59. S. 86. bereit, bereitet. II. 53. S. 78. II. 62. S. 89. bereiten ; bereit, Imperf. II. 66. S. 97. berichten, Bescheid geben. 11.28. S. 39. beschehen, geschehen. S. 1. II. 34. S. 48. zu Theil werden, daz dir nimmer gluck besehe. II. 82, S. 121 .vgl.S.275.Vgl.auch H.64. S. 93 u. II. 76. S. 111. 11.83. S. 122. beschicht, bschicht, geschieht. II. 34. S. 48. 11.37. S. 53. beschliefzen, befchlufzen, beschlossen. H. 35. S. 50. be- schlofzen, ringsumschlossen, eingehegt. H. 55. S. 81. beschreiben, verschreiben, berufen. beschreib, Imperf. II. 54. S. 80. besehen, zusehen. II. 47. S. 69. besenden, senden zu. II. 29. S. 40. besorgen sich, mit dem Genit., etwas besorgen, befürchten. II. 25. S. 33. 11.29. S. 40. befzeren, befzern, (mhd. bezze- ren), verbessern. II. 74. S. 109. zum Lohne geben. 11.87. S.126. gebefzert werden, Genugtuung erhalten, oder Vortheil haben von. 11.77. S. 113. best, die besten, die angesehensten, vornehmsten Bürger, die Optimaten, vgl. S.235. H. 14. S. 17. best. — so best, so gut wie. II. 60. S.87. II.64. S.93. am besten. 11.66. S.97. bestanden, zufrieden. II. 28. S. 40. befteln, besorgen. 11.29. S. 41. bestalt, Imperf. beston, zu Theil werden, das dich nymmer glück bestee, vgl. Agricola a.a.O.S.473. „Das dich alles Unglück bestehe.“ vgl. auch angón und beschehen. II. 53. S. 79. 11.64. S.93. bestehen. 11.29. S. 49. bestreichen mit einem heiltumh, welches zum Küssen dargereicht wird. 11.31. S. 43. bet, Bille. 11.58. S.85. beth, Bell. II. 79. S. 117. beireifen, beträufeln. II. 1 l.S. 13. bedrouft, bedrüft, Imperf. II. 72. S. 107. 11.80. S. 118. beiid, Beute. 11.22. S.29. be waren , versehen, verwahren. 11.93. S. 136. sichern, das heilige Abendmahl reichen. S. Ober- lin 147. sichbewaren, sich das h. Abendmahl reichen lassen, es empfangen. II. 38. S. 55. Imperf. bewerete. bewern, erweisen, belegen. H. 28. S. 39. bezalen den schalk mit einem schalk. 11.79. S. 117. bezetteln, bestreuen. II. 86. S. 124. bieten, baten Imperf., boten. 11.15. S.20. bout, bot an. 11.65. S. 95. bir, Birne. S. 2. blsem, Bisam. 11.35. S.49. bittel, Büttel. 11.74. S. 110. Glossar. 441 bitten, bate, bat. H. 40. S. 61. ge- betten, gebeten. S. 1. blafen, blasfen, heranblasen. 11.22. S. 29. bletzen, flicken. II. 4. S. 7. blöd, schwach. II. 78. S. 116. böslichen, zornig. II. 20. S. 27. büsz, ein büsz verdreibt das ander. 11.52. S. 77. vgl. S. 258. bogen, Bogen bei der Wollenweberei. II. 51. S. 75. boldern, poltern. 11.39. S. 58. bosheit, Zorn. II. 38. S. 56. brat ni., Braten. 11.61. S. 88. breifz, Preis. 11.24. S. 32. brenklvn, 1. benklyn, (?) kleine Bank. II. 57. S.83. bretloch? 11.62. S.89. (auch bei KrulTter). brief, Theses, Sätze. 11.29. S. 40. bringen, zu geld bringen, zu Geld machen. 11.19. S. 25. brocht, gebracht. II. 80. S. 118. broit, Brod. S. 139. brosten, Prt. von bresten, brechen. Das hat dem kind in dem leib brosten, das war es, was dem Kinde fehlte. II. 16. S.22. brüch, Beinkleid. 11.66. S.98. brun vnd blaw, braun und blau. II. 38. S. 56. buch, Bauch. II. 80. S. 119. 11.94. S. 137. buchen, beuchen, in Lauge einwei- chen. II. 30. S. 42. bflcbs, Büchse. 11.96. S. 142. bitberei, bübery, Schalksstreich. 11.25. S.33. II.27. S. 35. u. S. 37. 11.31. S.45. biine, der Boden unter dem Dache. 11.3. S.5. II. 39. S. 58. II. 51. S. 75. II. 53. S. 78.II. 62. S.89. btitlen, buttelen, beuteln. 11.20. S. 26. bülte, f. Gefäss. II. 48. S. 70. II. 70. S. 103. bur, s. baur. burgher, Burgherr. II. 1. S. 3. butter, m. II. 72. S. 107. II. 75 S.lll. by, beinahe. 11.70. S. 103. 11.71. S. 105. by die metzige. 11.60. S.87. C. christen, ein Christ. 11.34. S.48. collegat, ein Student, lat. collegiatus, collegii alumnus, convictor, franz. boursier. II. 28. S. 38. H. 29. S. 38. II. 29. S. 40. companion. II. 64. S.94. company. II. 39. S. 58. und companien. II. 39. S. 58. pl. companien. H. 27. S. 36. II. 39. S. 59. Gesell, Kumpan. custor, Küster, lat. custos. H. 12. S. 16. ». dair, da. S. 139. damit, sofort. II. 64. S.94. dan, sofern, wenn. II. 23. S. 31. dan wa, sofern etwa. 11.21. S. 28. dann, denn, als, beim Comparaliv. S. 1. dannocht, dennocht, doch. 11.27. S. 36. 11.67. S. 100. dar, dahin. 11.75. S. 110. daran ist deine macht, daran ist wenig gelegen. II. 40. S.61. darfclilagen, zuschlagen beim Handel. II. 90. S. 140. deik, teig. 11.19. S. 25. 11.75. S. 111. dennesch, dänisch. 11.23. S. 31. dennocht, s. dannocht. der, Gen. Plur. des Pron. demonstr. II. 27. S. 35. für deren etliche: 442 Glossar. wie der (sich) befründet haben m i t (statt m i r)u.S.38 der lehen. der. niemant kunt sagen der etwas fche, dass er. II. 27. S. 38. der. herr der rector (Monsieur le Recteur), in der Anrede. 11.29. S.41. derginne, dieginnen, derjenige, diejenigen. II. 46. S. 68. 11.92. S. 134. desche, Tasche. 11.59. S.86.11.67. S. 99. deshalban, deshalb. II. 54. S. 79. dester, desto. II. 15. S. 19. II. 25. S. 33. II. 91. S. 132. det, detten, s. thün. deur, dewer, theuer. II. 52. S. 77. doben, toben, verrückt sein. II. 37. S. 54. doben für da oben, doch so, jedoch. 11.44. S. 65. dürfen, dürfen. 1) brauchen, noting haben. II. 27. S.36. 11.32. S. 46. S. 141. II. 91. 2)bedürfen. II. 39. S. 58. 3) wagen. II. 4. S.7. 11.39. S. 58. 11.49. S. 72. II. 57. S. 83. — dürft, dorft, dürften, dürft. Imperf. H.27. S. 36.11.39.S.58.H.49. S. 72.11.57.S.83.S.141.11.91. S. 143. 11.97. dol, toll. II. 22. S. 29. donne, dünne, Tonne. II. 46. S. 68. II. 64. S. 94. dorery, Thorheit. 11.64. S.93. doufgüttel, taufgüttel, Pallie, s. S.223. II. 1. S.3. dragen, dreit, droig, drüg, s. tragen. dreten, treten, drat, Imperf. II.89. S. 130. dretten, dritte. 11.79. S. 117. drew. II. 53. S. 79. drig. 11.68. S. 101, drei. drucken, trocken. 11.53. S.78. driifz, Beule. II. 38. S. 56. duck, Tücke. 11.89. S. 130. düfel, Teufel. II. 64. S. 94. gon für den düfel, zum Teufel gehen. II. 64. S. 94. diipp, Topf. II. 10. S. 12. dünnein, durmein, purzeln, kollern. 11.49. S. 72. II. 94. S. 136. dumlen, taumeln. 11.9. S. 11. sich dumeln, sich tummeln. II. 3. S. 5. dünken, fielt dünken lafzen, meinen. 11.47. S. 71. 11.57. S. 83. daucht, duclit, Imperf. II. 15. S. 18.11.30. S.42. 11.71. S. 105. durch — willen, um — willen. II. 15. S. 18. einer durch den andern, alle durch einander. 11.53. S.78. durchtribne sclialklieit. II. 34. S. 47. dy, dye, die. 11.32. S.45. 11.33. S. 46. II. 37. S. 52.11.43. S. 64. dynt, deinem. 11.36. S. 51. M. eher, männliches Schwein. 11.45. S. 66 u. 67. ee, (altes und neues) Testament. II. 31. S. 44. ee, eer, ehe, eher. 11.80. S. 118. II. 8. S.9. eer, Ehre. S. 1. II. 92. S. 134. effen, äffen. 11.67. S. 100. eiger, PL Eier. II. 86. S. 124. eint, einem. II. 12. S. 1 5. einduncken,eintunken. 1I.I0.S.12. einerlei, eins. II. 27. S. 36. II. 63. S. 90. einist, einmal. II. 9. S. 11. 11.67. S. 98. eins, einmal. II. 1. S. 4. II. 9. S. 11. 11.29. S. 41. II. 34. S. 48.11. 60. S. 87. II. 63. S. 90. eins des Glossar. 443 iares, einmal im Jahre. 11.77. S. 112. eistlich (mhd. eislich), schrecklich. 11.78. S. 116. empsick, hastig. II. 53. S. 78. en, heim Verhum: nicht. H. 84. S. 122. S. 139. S. 141. II. 91. enberen, entbehren. 11.21. S. 28. H. 76. S.lll. end, W inkel, Ecke, Ort. II. 9. S. 10. II. 44. S. 65. II. 80. S. 118. An demselben end , zuletzt. 11.31. S.43. endlich, entlieh, endlichen, en- lich, enlichen (mhd. endeli- chen), rasch, eilig. II. 6. S. 8. 11.35. S. 49 u. 50. II. 51. S.76 u. 77. 11.55. S. S I. 11.61.S.87. II. 66. S. 96 u. 97.11.74. S. 110. 11.80. S. 119. enthalten: vor lachen kirnt er kuin enthalten. II. 14. S. 18. entpfinden, empfinden. II. 38. S. 56. entplüfzen. sich seins wafzers, mingere. II. 39. S. 57. entragen, wegtragen, entziehen, einer Sache iiherhehen. des en- trüge, dessen iiberhebe. S. 141. 11.91. entschlafen, einsclilafen. 11.78. S. 116. entsehen, entsach, erblickte. 11.27. S. 37. entstên, entston, auferstehen. II. 13, S. 16. Vgl. Kurz S. 199. erbieten, erweisen. S. 1. erdenken, ausdenken. II. 14.S. 19. erdrich, erd tri ch, Erdreich, Gebiet. 11.26. S. 35. eren mit, schenken. II. 79. S.119. ergeben sin in das kloster, in dasselbe eingetreten sein. 11.89. S. 130. erlafzen einen einer Sache, einem etwas erlassen. S.l. 11.28. S.39. erlich, ehrsam. II. 58. S. 85.11.71. S. 104. ernst, Eifer. 11.81. S. 119. ernft, eifrig. 11.82. S. 134. erst, des ersten, schnell. 11.19. S. 26. erwischen, erwust, Imperf. erwischte. II. 3. S. 5. II. 4. S. 7. 11.38. S. 56. erzelen. erzelt, hergezählt. II. 58. S. 85. esche, Asche. II. 69. S. 102.11.84. S. 122 u. 123. esel. den esel lesen leren. 11.29. S.40. Vgl. M urners Narrenbeschwerung 71 : Ein Esel Latin lehren. efz (ags. aes) Aas. II. 25. S. 33. efz, es. II. 52. S. 77. efzen, ich ifz, yfz, Praes. II. 10. S. 12. 11.72. S. 107. yfz, Imperat., iss. II. 24. S. 32. 11.72. S.107. afze, ass. II. 11. S. 13. etwan, einst. 11.36. S. 51. eiiwcr, euer. 11.13. S. 16. 11.23. S. 31. ewech, weg. S. 139. F. fabulieren, erzählen. S. 1. fadmen, einfädeln. 11.50. 74. faffonien. II. 86. S. 125. Vgl. S. 279. fallen vom Pferde, abspringen. 11.25. S. 33. 11.38. S. 57. fan n., die Siegesfahne des Aufcr- standenen. II. 13. S. 17. fantafy, Thorheit. II. 50. S. 74. 11.53. S. 79. fanzen, Thorheilen , Schnurren, wohl entstanden aus fantasien. 444 Glossar. Vgl. firlefanz, Alfanzerei. 11.43. S. 63. fast, sehr, schnell, stark. H. 15. S. 20. 11.32. S. 46.11. 33. S.46. 11.47. S. 69. H. 51. S. 75.11.76. S. 111. H.87. S. 125. H.90. S. 131. fastnacht abent, Tag vor Fastnacht, an dem viele Handwerker ein Fest feierten. 11.55. S. 8t. federn (mhd. vacíeme, engl, fathom) Faden, II. 8. S. 9. feite, Vieh. S. 141. 11.91. feige, nichtswürdig. H. S. feindaio, flndaio, d. b. feind da! die Feinde sind da! II. 22. S. 29. feifzte f., Fett, Schmalz, mhd. veizete. H. 44. S. 65. II. 64. S. 93. fer, ferr. 1) fern. II. 28. S. 39. 11.38. S. 55. 2) so fer, wenn. II. 17. S. 22. ferlin, Ferkel. II. 18. S. 24.11. 94. S. 136. fettich, Fittig. II. 14. S. 18. fiert, führt. II. 74. S. 109. finster f., Finsterniss. II. 9. S. 11. fmsterling (mhd. vinsterlingen) Adv., im Dunkeln. II. 9. S. 11. fliefzen, schwimmen. S. 139. fligel, Flügel, einer Tischtafel, Klappe. II. 79. S. 118. flocli, floh. 11.35. S.49. fogel, der Gans entgegengesetzt. II. 14. S. 18. fol, voll, betrunken, wenn nicht etwa toi zu lesen. H. 39. S. 58. folgen sein bit, seine Bitte gewähren. II. 58. S. 85. fraw, frauw, Frau. 11.30. S.42. frieg, früh. II. 79. S. 118. 11.84. S. 123. frisch, kühn. II. 12. S. 16. freiden, mhd. vreude, heitere Unterhaltung. S. 1. fronmefz, die heilige Messe, unterschieden von der späteren "hohen mefz”. 11.37. S.52. Knifften friiemesz. frow, froh. II. 54. S. 80. frum, tüchtig, brav, ehrbar, 11.28. S. 39. 11.31. S. 44. II. 62. S. 88. 11.85. S. 124. Ironisch gebraucht: 11.64. S. 94. 11.66. S. 96. frumkeit,Tüchtigkeit. II. 23. S.30. fügen, verfügen. 11.77. S. 113. für, 1) vor. 11.22. S. 29. für den düfel,s. dtifel. 2) als, tamquam. II. 1. S. 3. II. 22. S. 30. fiiran. und so fiiran, und so weiter. 11.70. S. 103. fürgeben, furgehen, aufgebeii. 11.27. S. 36. II. 29. S. 40. fürliin, 1) weiter. H. 27. S. 36. 2) zuvor, vorauf. 11.66. S.96. 3) vorläufig. 11.73. S. 108. ftirst, First, Giebel. 11.39. S. 58. fürter, fürder. 11.52. S.78. II.67. S. 98. fiirufz, für vfsin, (mhd. vür vz hin)weiter. 11.47. S. 71. 11.70. S. 103. hissen rock, Rock aus Fuchspelz. S. 141. II. 91. furhengen, anspannen. 11.64 S. 93. fyer halten, feiern. 11.51. S. 75, am montag, vgl. S. 258. fy, Vieh. S. 141. II. 91. fyften (mhd. visten , niedsächs. vistern) farzen. 11.52. S. 77. Gr. gach, geh, jäh, erpicht. 11.34. S. 48. zornig. 11.38. S. 56. gaden n., Zimmer. 11.47, S. 71. Glossar. 445 gain, gein, kein. S. 139. galgen, als Fluch, s. Agricola no. 56. 11.64. S. 93. gang an den galgen. H. 20. S. 27. Vgl. S. 240. galgenriiwe, späte Reue. H. 89. S. 129. ganz ser, seer, gar sehr. H. 70. S. 104. II. 80. S. 118. gar, ganz, völlig. 11.71. S. 105. leder gar machen, gerben. 11.56. S. 82. gar f., für gare, zubereitete Kost. IL 80. S. 118. gebaren vom Manne : erzeugen. II. 27. S. 36. gebaren sich, sich gebärden.II. 14. S. 17. geben, gib, Praes. S. 2. 11.17. S. 23. 11.35. S.50. geben, gegeben. II. 58. S. 84. gebresten, fehlen. II. 16. S. 21. 11.17. S. 23. gebresten n., Krankheit. 11.15. S. 19. II. 63. S. 91. Vgl. Kurz. S. 219. gebrote, das Braten.II. 80. S. 118. gebund, Bund. II. 11. S. 14. geding n., Abrede. S. 140. II. 90. geen, gegen. S. 1. II. 16. S.22. II. 27. S. 35. 11.40. S. 59. gefallen, gefeil, Imperf. S. 140. II. 88. gefert, Verrichtung. II. 4. S. 6. Umstände. 11.34. S.49. gegne, (mhd. gegene), Gegend. II. 6. S. 8. gelieret, gehaart. 11.54. S. 80. gehowen, gehauen. II. 96. S. 138. gejegede, Jagd. II. 55. S. 81. s. N. 2. geil, muthwillig. 11.90. S. 131. gein, kein. S. 141. II. 91. geitikeit, Habgier. 11.92. S. 134. geizig, habgierig. 11.92. S. 134. gekriit, Kraut. II. 10. S. 12. gelagt, geloch, Gelag. II. 55. S. 81. II. 66. S. 96. 11. 72. S. 107. Zeche. II. 82. S. 121. gehlen, gelten, 1) kaufen. S. 140. II. 88. 2 ) zahlen. II. 85. S. 123. geliehen, belieben. 11.22. S.29. sich zu einem geliehen, sich anschmiegen. 11.82. S. 120. gemach , Gemächlichkeit. II. 89. S. 129. gemach, seins gemachsthün, sein Bedürfniss befriedigen. 11.81. S. 120. 11.89. S. 129. 11.90. S. 132. gemeinen, meinen. II. 64. S. 93. gemerk, Beobachtung.il. 65. S.95. gemlich, spassig, scherzend. H.78. S. 115. II. 90. S. 131. gemligkeit, Spass. 11.70. S. 104. gemurmel, Gerücht, Kunde. II. 22. S. 29. genaturt sein vff etwas, geartet. II. 15. S. 19. geraten, mit dem Genit., erfinden. 11.55. S. 81. geraw r en, gereuen. II. 87. S. 127. gerecht, bereit, fertig. II. 80. S. 118. 11.90. S. 131. geren, gern. II. 11. S. 14. gericht, erpicht. 11.71. S. 104. gerief, Geschrei. II. 78. S. 116. geroch, Geruch. II. 80. S. 119. gerühel, gerühel, gerühel, Geschrei, Gerücht, (nieders. gegröl) II. 13. S. 17. 11.70. S. 103. gerüf, Ruf. II. 54. S. 80. geschmack, Geruch. 11.46. S. 68. geschmütz, Schmutz. II. 37. S.54. geschrei, Ruf. II. 31. S. 44. 446 Glossar. geschwellen. gesell wall, schwoll. 11.13. S. 17. gesicli, Gesicht. II. 63. S. 90. gesiehe, sähe. 11.20. S. 26. gesottes vnd gehratles, Gekochtes und Gebratenes. II. 22. S. 29. 11.66. S.96. 11.68. S. 100. gespunnen, gesponnen. II. 10. S. 12. gefpan, Milknechl, Kumpan. II. 39. S. 58. geston, bestehen. Imperf.gestand. II. 63. S.90. geftrafen, tadeln. 11.27. S. 37. getrompt, träumt. 11.9. S. 11. gevvegt, geweht. 11.49. S. 72. geweicht, gweicht, geweiht. II. 68. S. 101. H.93. S. 135. geweldig, gewaltig. S. 141. II. 91. geweren, gewähren, sy gewurden des kouffs. S. 140. 11.88. gewifset, gewusst. 11.50. S. 74. gewünnen, gewunden, von win den. II. 73 .S. 108. geziig, Zeug, Handwerkszeug.il. 50. S. 74. ginne, s. der ginne, glauben, hei grossem glauben Zusagen. II. 17. S. 23. glen (mhd. gleven), Lanze. H. 10. S. 12. gliickheit. II. 57. S.83. glüst, gelüstet, Praes. II. 57. S.83. gnawesl, genauest. 11.62. S.88 u. 89. II. 92. S. 134. aller- gnüwest, allergenauest. II. 36. S. 51. gniegen, sich neigen. II. 34. S. 49. gniipfen (niedersächs. knuffen), II. 9. S. 11. gücklerei. II. 3. S. 5. gauklery. 11.18. S.24. gecklerei. H. 14. S. 17, Gauklerei. güttel, göttelfraw, Hebamme. H 1. S. 3. vgl. taufgöttel, badmüme. goh. 11.35. S. 50. Vgl. S.250. gon, mit dem Inlin., wie schlafen gehen, wie klimmen und dasfranz. aller. S. 142. 11.96. aben gan. H. 78. S. 116. s. aben, gon, gond, Inf. II. 1. S. 3. II. 2. S. 4. II. 3. S. 5.11. 7. S. 9.11.12. S.16. II. 14. S. 18. II. 17. S.23.11.33. S. 46. gang, ich gehe. II. 9. S. 11. gat, (er) geht. II. 10. S. 12. II. 17. S. 23.11.37. S.53. 11.39. S.58. gang, gehe, Imperat. H. 10. S. 12. II. 20.S.27. gond, gont, gehet. Imperat. II. 35. S. 50. H.47. S.71.11.66. S.97. sich us dem husz gon. 11.40. S.60. einen weg usgon, einen Weg zu Ende gehen. II.9. S. 11. Got geb, Gott geh. II. 13. S. 17. 11.38. S. 56, Gott weiss. Häufig bei Murner. S. Kurz S. 220. grappelen, greifen. 11.35. S.49. grasgarten. 11.55. S. 81. grät n., Rückgrat, fisch vf dem grat. 11.41. S.62. graufzlich, schrecklich. II. 78. S. 116. adv. graufzlichen. 11.71. S. 104. griiszlich. II. 53. S. 78, sehr. greifen, greif, Imperf. II. 9. S.ll. H. 58. S. 84. greybenfcliinder; von griebe, ausgeschmolzenes Speck, auch Excremente. (s. Fastnachtsspiele aus dem 15ten Jh. S. 184 u. 1485). 11.58. S. 85. griefzen, grüssen. H. 64. S. 91. groppe. 11.35. S.49, Groppe, kl. Fischart, Sc hm eil er. (Kr. pilcher; vgl. das engl, pilchard, pilcher, Sardelle.) Glossar. 447 grundel, (grimlel), starkes Stück IIolz. 11.45. S. 67. guklin, golden. 11.31. S. 44. gilt, Güte. 11.79. S. 119. mit güt. güt, Ailj. Ul. gedacht: daz würt gilt. H. 66. S. 96. das spil wil hüt gut werden. 11.78. S. 116. gweicht, geweiht. 11.93. S. 135. II. hafen, Topf. II. 10. S. 12. hafner, Töpfer. II. 87. S.125. hafnerin. II. 87. S. 126. halbart, Hellebarde. II. 71. S. 106. halber, halb. 11.47. S. 70. hals, das lügstu dein hals vol. II. 9. S. 11. halten, heilt sich, Impcrf. hielt sich. II. 57. S. 83. hand, die hend daufthün, die Hände darauf geben. 11.58. S.85. handelung, Verfahren. H. 41. S. 61. hantieren. IL 11. S. 15. har, her. II. 6. S.8. II. 35. S.49. 11.43. S. 63. II. 50. S.74.H.52. S. 78 (2). 11.71. S. 106.11.74. S. 109. harfiir, hervor. 11.57. S.83. liarufz, heraus. 11.27. S. 33. haryn, herein. 11.74. S. 109. haubet, Haupt. 11.15. S. 20.11.32. S. 45. hauen, howet, er haut. II. 40. S. 60. houw, Imperat, baue. II.40. S.60. hüw, hüwe, hü- wen, Impcrf., hieb. II. 7. S. 9. II. 32. S. 45. II. 71. S. 105. 11.95. S. 137. gehowen, Part. II. 96. S. 138. gehauen, hauren, kauern. II. 10. S. 12. Vgl. huren, bocken, bei Kurz S.226. haus, Familie, mit haus, mit seiner Familie. II. 3. S. 5. haw, hew. II. 11. S. 14. II. 54. S. 80, Heu. heben sich vfz, sich aufmachen. 11.62. S. 88. heftig, rasch.11.77.S.112. heftig- liclien, schnell. 11.56. S.83. 11.64. S.94. heiltumb, Reliquie. 11.31. S. 43. 11.32. S.45. (Brant’s Narrenschill'. Von bettleren v. 11.) heimburgin, Frau des heimburge, Gerichtsboten. S. 143. 11.97. heischen, heist, fordert. II. 58. S.85. hiesch, Imperf. mit dem Dat. S. 140. 11.90. henep, Hanf. II. 10. S. 11. henke, henkin. henkens wert. S. 141. 11.91. vgl. S.292. heraber, herab. 11.89. S. 130. herwider, wieder her. II. 17. S. 23. her, Ralhsherr. II. 57. S.83. meiner herren gericht, Gericht des Raths. II. 20. S. 27. heufde, Haupt. S. 139. hie aussen, ausserhalb, draussen. 11.41. S.61. hiefurt, fortan. 11.79. S. 118. bien, hin. II. 89. S. 130. hin, hierinnen. II. 66. S. 97. hinder im gelafzen, nach seinem Todehinlerlassen. 11.89. S.129. hinder sich, zurück. II. 20. S. 28. II. 27. S. 36. II. 31. S.43. hinder sich gon, hei Seile gehen. 11.35. S.50. hindern sich, Zurückbleiben. 11.22. S. 30. hinnen , innen im Hause. 11. 69. S. 102. hochbocher, Ilochpocher, Prahlhans. II. 78. S. 115. 448 Glossar. hocken, haken. 11.45. S. 66. hübet, Verdeck am Ilintergestell des Wagens. 11.64. S. 93. hol', lloftag. II. 75. S. 110. holl unge, Knappe. II. 10. S. 11. hofgesind, Höfling, einer vom Hofstaate. 11.23. S. 31. holen vf, holen, erbeuten von. II. 79. S. 117. hon. 11.20. S. 27. hain, S. 141. II. 91. haben. Praes. 1 te Person. Sing, hob, hon, icli habe. H.14. S. 18. II. 20. S. 26. II. 28. S. 39. 3te Person. Sing, hot, II. 41. S. 62. haid, II. 91. S. 141. (er) hat. 2te Pers. PI. bond, hon, (ihr) habet. II. 11. S. 14. II. 15.S.21.H. 19. S. 25. 11.37. S. 54. 3te Pers. PI. hon. II. 11. S. 14. Praes. Conj. heb, (er) habe. 11.55. S. 81. Imperf. hat, halte. II. 18. S. 24. het. 11.45. S. 66. 11.66. S. 96. Imperf. 2te Pers. Sing. hon. 11.66. S. 96. Part, gehaben. II. 27. S. 36. dafür hon , dafür halten, meinen. 11.56. S. 82. hiillichen. vshüllichen, aushöhlen. 11.86. S. 124. huis, huyfz, Haus. S. 139. hurt, Gatter aus Flechtwerk. 11.51. S. 75. vielleicht ein Gitterwerk, worin der Wollenweber seine Wolle aufgestapelt hat. liuswirt, Hausherr. 11.66. S.97. Ehemann. 11.71. S. 106. hut, Haut. 11.25. S.33. I. J. ia, auch. H. 64. S. 94. gut, wohl. 11.74. S. 109 u. 110. jair, Jahr. S. 141. 11.91. tar, jach, schnell. 11.19. S. 25- s. rit. icklen, ekeln, ärgern. II. 77. S.l 12. ietlich, jeglich. 11.17. S. 23.11.18. S. 24. II. 32. S. 45. yetlich. S. 2. im, ihm. II. 6. S. 8. sich. 11.22. S. 30., 11.92. S. 133 u. a. imans, jemand. 11.60. S. 87. imber, Ingwer. 11.86. S. 124. in, ihnen. S. 1. in. in im, bei sich. 11.92. S. 133. in triiwen, wahrlich. 11.41. S. 62. indem, während dess, indessen. 11.28. S. 39. 11.48. S.72.11.56. S. 82. inhen, hinein. II. 64. S. 94. innen, drinnen. II. 78. S. 115. iomer, Jammer, rufen zu iomer, jammern. II. 84. S.l 23. iunker, Anrede an einen Kaufmann. 11.64. S. 92 u. 93. iunkher, Junker, lütter. 11.10. S. 11. 11.71. S. 104. iuppe (mhd. jope, franz. jupe), Ueherkleid mit Aermeln. 11.55. S. 81. K. kalch, Kalk. H. 46. S. 67 u. 68. kanten, Kanne. H. 57. S. 83.H.92. S. 134. karch, der Karren. H.6. S. 8.11.46. S. 49. 11.88. S. 128. karchsalbe, Wagenschmiere. H.64. S. 93. karig, karg. II. 7. S. 9. kat n., Kolli. II. 6. S. 8. 11.15. S. 19. kathedrieren, auf dem Katheder stehen, um zu dispuliren. II. 99. S. 145. katz, m. und f. II. 55. S. 81. Glossar. 449 kauffmann für Käufer. II. 36. S.51. Vgl. S. 25t. kaufinanschaft, Waare. H. 35. S. 50. kaufmanschatz f., Waare II. 35. S. 50. II. 78. S. 115. kauf'schlagen, handeln um etwas. 11.65. S. 95. keichen, keuchen. 11.31. S. 44. kellerin, Magd, Haushälterin. II. 11. S. 14. plaffenkellerin. II. 13. S. 17. kennen, kaut, 3tePers. S. Praes. 11.29. S. 41 und Imperf. II. 31. S.43. kerbe, Ritze. 11.72. S. 107. keren, kehren, kort, körte, Imperf. II. 12. S. 16. II. 34. S. 48. kiffen, keifen. II. 9. S. 11. kippen, abheissen. II. 8. S. 10. kirchherr, Pfarrer. II. 40. S. 61. 11.93. S. 135. knittel, Knöchel. II. 92. S. 134. knoden, Klumpen. II. 76. S. 111. knötelin. 11.35. S.49. kniiw, Kniec. 11.40. S. 60. können, künde, Inf. 11.14. S. 18. kund, er kann. II. 15. S.20. H. 20. S. 27. lumt, ktint, künden, Imperf. 11.24. S.31.11.27. S. 35. u. 38. knnt vf der fideln wol, verstand gut die Geige zu spielen. 11.24. S.31. kint, Conj. Imperf. könnte. 11.80. S. 118. kokensclnnalz, Schmalz. II. 46. S. 68. kolqnest, Kohlenquast. II. 40. S. 61. kontor, Schrank. II. 62. S. 88. kouf, Kauf. 11.59. S.86. 11.87. S. 127. kraus, bunt. 11.62. S.89. krawen, krauen, kratzen, sich mit schalkneglen. 11.22. S. 30. kreigen (niedersächs. kreien), schreien. 11.64. S. 91. kriechen, kriichl, Praes. 11.53. S. 78. krouch, Imperf. H.9.S.11. kripl'e, Krippe. II. 29. S.41. krom, Kram. 11.73. S. 108. krometvogel, Krametsvogel.il. 86. S. 125. kröpf, Pfannkuchen, Kräpfel. 11.46. S. 68. krunip, krumm, alles was krump und recht ist geben. II. 90. S. 132. kucb, Küche. 11.44. S. 65. 11.87. • S. 127. kuchin Dat. Sing, kün, stolz. II. 78. S. 114. kürfzner, Kürschner. 11.52. S.77. lutw, Kühe. II. 22. S. 29. kügel, Kappe. 11.36. S.51. klimme, kaum. II. 64. S. 92. kummen II. 35. S. 50. II. 82. S. 121 u. 122. kum, Imperat. II. 26. S. 35. kumpt, Praes. II. 51. S. 76. kämme, Imperf. 11.64. S. 93. Mit vil Worten kamen sie, kamen sie darauf, dass. 11.41. S.61. kunnnen mit dem Inf. wie das franz. aller. H. 25. S. 33. 11.26. S.34. 11.51. S. 76. H. 62. S.89. Vgl. Kurz S. 228. sich kummen. II. 10. S. 11. künstlich, künslich, weise, gelehrt, erfindungsreich. II. 29. S. 40. 11.32. S. 45. kunstner, Künstler. 11.25. S. 35. kunstrech, sinnreich. II. 54. S.79. kustor, Küster. II. 12. S. 15. kynt, Kind. S. 139. L. lack, Gebrechen. S. 140. landfarer, Landläufer, Ilausirer. H. 66. S. 96. 29 450 Glossar. landfraw, ßiiurin. 11.36. S. 51. landgrav, lantgrav, Landgraf. H. 27. S. 35. PI. lantgrefin. 11.27. S. 35. landlöffer, Vagabunde. II. 16. S.21. lantdor, Landstreicher. II. 50. S.74. last, m. 11.46. S. 68. laube, loube, Erker, Balcon. II. 14. S. 17. Vgl. S. 235. laufen, luf, lief. II. 32. S. 45. Kiffen, liefen. II. 13. S. 17. lecker, Schalk, boshafter Bube. II. 2. S. 4. leckersch, schalkhaft. IL 11. S.15. leckery, Büberei. 11.15. S. 20. * ledig, fertig. 11.66. S. 97. legen, leit, legt, Praes. 11.61. S. 87. II. 62. S. 88. gelacht, gelegt. S. 140. leger, Lager. 11.90. S. 132. leiten, lehent, entlehnte. II. 73. S. 108. leib, Leib, Leben, Zeit. II. 29. S. 41. leich, Leiche, pl. leich. 11.94. S. 136. leichtig, leicht. 11.58. S. 85. leid. Es ist einem leid, einer befürchtet. H. 28. S. 40. II. 58. S. 84. 11.77. S. 113. 11.80. S. 119. leilachen, Bettlaken. 11.79.S.l 17. lenge. die lenge, so lange. II. 51. H. 75. lesen, Legende. S. das Titelblatt, lesen, lefze, lese, Conj. Praes. H. 40. S. 61. levuluonder. 11.35. S. 49. Note. Vgl. groppe. liebtveh, beliebteuch. 11.64. S.94. lidern, gerben. II. 53. S. 78. liecht, hell, öffentlich. 11.64. S.93. liecht, Licht. II. 77. S. 114. vor ein schalck zwei liecht setzen. Vgl. Murners Narrenbeschwe- rung: dem teufel zwey liecht anzünden. hegen, lügen. II. 2. S. 4. ligen. frei ligen, frei sein. II. 29. S.41. leist,liegsL. 11.92. S.134. lyftu, liegst du. II. 22. S. 29. list m. II. 22. S. 29. listfindig, listig. 11.67. S. 98. loh, das Angeloble, der versprochene Preis. 11.24. S. 33. loge), kleines Fass, lat. lagena. 11.70. S. 103. loin, Lohn. S. 141. 11.91. Ion, lassen. 11.26. S. 34. II. 39. S. 59. lond, lasset. Imperat. 11.28. S. 39. 11.35. S.50.11.39. S. 59. lotterholz, ein Zauberholz , welches umläuft. II. 66. S. 96. Vgl. Grimm. Myth. S. 1063. Kick, Lücke. II. 32. S. 46. luck, locker. 11.40. S. 59. lüder n., Lockspeise. II. 8. S.9. Vgl. S. 231. lugen, ausschauen. II. 9. S. 11. 11.79. S. 118. lust m. 11.22. S. 30. II. 40. S.59. lüsten, lüstet dich, lüstet dich. 11.52. S. 78. lut, Leute. II. 2. S. 5. Gen. lütz. II. 35. S.50. lyh, Leib, lyb und leben thütwee. II. 71. S. 105. seinem lyb und leben wee thun. 11.88. S.128. lyden, leiden. 11.52. S. 77. sich lyd en, sich gedulden. II. 56. S. 82. lym, Leim. II. 62. S. 88. he. machen, mach, (er) macht. 11.20. S.26. machend, machet, Imperat. II. 27. S. 36. mecht, Glossar. 451 Conj. linperf. II. 17. S. 23. 11.44. S. 65. II. 59. S. 86. macht!, mit d. Gen., Gelegenheit. II. 47. S. 69. daran ist dein macht, daran ist wenig gelegen. 11.40. S.61. kein macht, nichts. 11.84. S. 122. mag, vermag, kann. 11.19. S. 25. magstu, magst du. II. 52. S. 78. malgelach, Preis für das Mitlagsessen. II. 33. S. 47. malzeit, n. 11.40. S. 59. me, mehr. II. 86. S. 125 u. a. meier, Meier. II. 7. S. 9. meisten, Magister. II. 28. S. 38. meit, kleinste Geldmünze, Heller. 11.20. S.26. Vgl. Kurz. S.234. menglich, männiglich, jeder. II. 4. S.6. 11.50. S. 74. 11.63. S.89. mer, mehr, nit mer dan endlichen, nur rasch. II. 66. S.97. vor mer, schon häufiger. 11.13. S. 17. mererteiln.,Mehrzahl. 11.58. S.85. merklich, merkwürdig. II. 17. S. 22. metzig, metzige, Schlachtzeit, Schlächterei. 11.37.S.52. 11.60. S. 87.11.64. S. 92. metziger, Metzger. 11.60. S.87. miegen, miigen, sich mühen, wieder ersehnen, sich ärgern. 11.87. S. 127. milt, reich, freigebig. 11.21. S.28 II. 27. S.36. mir, wir. 11.35. S.50. 11.63. S.90. 11.64. S. 92. II. 78. S. 116. mislrüstig, untröstlich. 11.56. S.82. mit dem, währenddess. II. 74. S. 109. mitnacht, (engl, midnight). 11.39. S. 58. mittel n., Milte. II. 28. S. 39. molkenkarr, Geschirr für Molken. II. 7. S.9. Vgl. S. 231. monier, Manier. H. 64. S. 91. mordenio, Mord! 11.78. S. 116. morn, morgen. 11.81. S. 120. moofz, Moor. II. 78. S. 114. mül'zig gon mit d. Genit., nicht lassen von. II. 13. S. 16. mtlfz, Mäuse. S.2. miifz, Muss. 11.76. S. 111. müszlichen, zu Muss bereitet. II. 86. S. 125. multe, Mulde. 11.20. S. 27. mihn, Mutier, (niedersächs. müm). II. 5. S. 7. mucken, Rühen. 11.7. S.9. mût, Stimmung. II. 38. S. 56. Sinn. II. 55. S. 81. N. nach, Adv., nahe. H. 19. S. 24. 11.28. S. 39. II. 34. S. 48. Vgl. hie hl nähen. Nib. Str. 910. Lachm. beinahe. II. 44. S. 65. neher, genauer, wohlfeiler.H. 36. S. 51. nachbaur, nachbur, nachbuer, Nachbar. II. 2. S. 4. II. 7. S.9. 11.20. S. 27. 11.60. S. 87. nachdem, da. 11.93. S. 135.nachdem und als, sintemal. II. 15. S.21. nachkummen seinem schaden, Ersatz erhalten für seinen Schaden. 11.46. S. 67. nachrieften, Imperf. II. 64. S.93. naclisehen: er het das nachse- hen. 11.19. S.26. nacht, m. II. 41. S. 61. nachtag, lendemain. II. 47. S.69. narry, nary, Narrenstreiche. 11.14. S. 18. II. 19. S. 25. II.24.S.32. II. 31. S. 43. 11.51. S. 76. nechtin, adv., in der Nacht. 11.85. S. 124. 29 * 452 Glossar. negen, neigen, neyen, nein, nähen. H.43. S.63. 11.48. S.70 u. 72. 11.52. S. 77. neg, ney, Imperat. H.43.S.63.H.48.S.70. neivverk, Näharbeit. 11.48. S.70. nenien, seltzam nenien, Wunder nehmen. S. 143. II. 97. nennnen, nennen. 11.29. S.41. nequam. H. 34. S. 47, in dem Sprichwort über den von Rom Ileimkehreuden. Vgl. Bebelii Facetiae Lib. III. S.87. nichsz, nichts. II. 71. S. 106. nichts, nach nieinans für etwas. II. 9. S. 10. niderfellen, durch Fallen entwerfen. 11.53. S.79. nienian, niemans, niemants, nie- nianz, nieniantz, nemen, niemand. II.6.S.8. II.9.S.10.11.35. S.49. 11.51. S.76. 11.52. S.77. II.58. S.84. 11.77.S.l 13. 11.96. S. 138. S. 143. 11.97. nien, kein. II. 44. S. 65. niergen, nirgend. II. 9. S. 10. II.21. S. 28. niergen kein.II.23. S.31. nierngen. 11.47. S.70. nim, nicht mehr. II. 20. S. 28. nininien, nicht mehr. 11.65. S.95. nymnie. II. 40. S. 59. niner, in keiner Weise. II. 19. S.25. nit. nit dan, nichts als. 11.63. S.90. noch, nach, Praep. II. 45. S. 66. II. 56. S. 83. noch, jedoch. II. 51. S. 78. noch dan, dennoch. IT. 2. S. 5. II. 14. S. 18. noch — oder, weder — noch. 11.88. S. 128. nötig, eilends. H.43. S. 64. nötlich, artig, niedlich. II. 2. S.4. etwas nütlichs dings. II.4. S.6. nötlicheit, Niedlichkeit, Artigkeit. II. 21. S. 28. not, Eile. II. 20. S. 27. Bedürfnis«. H.43. S. 64. II.44. S.65.11.56. S. 82. II. 67. S. 100. II. 81. S. 120. notstall, Nolhstall. 11.41. S. 62. noturft, Bedürfniss. II. 62. S. 88. ntit, nichts. S. 1. II. 2. S.4. II. 11. S. 14. II. 19. S.25. 11.25.S.33. II. 31. S. 44. II. 71. S. 105. 11.81. S. 119. nüw, nuw, neu. II. 17. S. 22. ne uw. S.2. 11.25. S. 32. minier, ninnner. II. 53. S. 79. nununen, nur. II. 13. S. 16. (Nach dazu fehlt also nichts. S. 16. Z. 8 V. u.) o. ob, oben. S. 145. II. 99. oder, weder — oder, weder — noch. II. 22. S. 29. on, ohne. S. 1. II. 22. S.29. oninechtig, schwach, mager. 11.22. S.29. opfer, Gabe. II. 31. S.43. osternnietten, Ostermesse. II. 13. S. 16. osterfpil, Schauspiel am Osterfeste. II. 13. S. 16. oups, Obst. 11.88. S. 128. P. pasz. nit wol zu pafz, unpässlich. 11.85. S. 124. pert, Pferd. S. 139. pfeningswert n. das pf. el'zen, die Speisen einzeln, portionsweise bezahlen. 11.33. S. 46. pflanzen. Schalkheit pflanzen. 11.34. S. 47. pflogen, Praes., sie pflegen. II. 5t. S.76. pflum, Pflaume. 11.88. S. 128 u. 129. Glossar. 453 pfeiffentrciger, pfüffentreiger, Pfeifenilrchcr. II. 6G. S. 96. pfny dich an. (nds. In dik an). II. 2. S.4. pletzen, flicken. II. 39. S. 59. Vgl. bletzen. plon, Plan, Ebene. 11.50. S. 74. portner, Pförtner. H. 89. S. 129. prophetenbeer. 11.35. S.49. Vgl. Seb. Francks Sprichwörter II. 84. prophey, Privet. II. 40. S. 59. piirin, Bäurin. II. 2. S. 4. puntenloch, Spundloch. 11.57. S. 84. purgation, purgatz, Purganz. II. 15. S. 19 u. 20. a. quad, zornig. II. 38. S. 56. queck, Vieh. 11.22. S.29. R. rabiio. 11.65. S.95. Vgl. S.267. rape, Rahe. II. 25. S. 34. raspeln, raffen. II. 48. S. 72. rasten sin, ruhen, in Gott ruhen, vom Ileiliglhume auf dem Altar. 11.17. S. 22. rechen, berechnen. II. 38. S. 56. II. 71. S. 105. II. 80. S. 119. H. 82. S. 121. 11.85. S. 124, recht rs, grad aus. 11.64. S.93. II. 74. S. 109. recht Gottes, das Abendmahl.H.38. S. 55. Gericht. II. 80. S. 119. reden, reden , abschwalzen. ret, redt, redet. II.4.S.6.11.28. S.40. reff, ref, Gerippe. II. 20. S. 27. II. 47. S. 70. reinikeit. II. 69. S. 102. reiterschaft, Ritterschaft. II. 54. S. 80. resell, rasch. II. 6. S. 8. S. 33. reuchstu, riechst du. II. 52. S.77. ricken m., ein Gestell, etwas darauf zu hängen. II. 53. S. 78. rimpfen sich, die Nase rümpfen. rimpstu. 11.52. S. 78. ring, Kreis. S. zu. ring, gering. 11.58. S.85. ringswys, im Kreise. II. 72. S. 107. rit,rittm., kaltes Fieber. S. Agricola deutsche Sprüchw.Nr.478. Kurz s. V. ritten. 11.19. S.25. II. 54.S. 80. 11.81. S. 120. Romfard, Romfahrt. II. 84. S.123. rofzheufft, Pferdekopf. S. 139. riiter, reiter, Ritter. 11.14. S.19. rufen, mit dem Dal. 11.40. S. 60. er rief den leuten zu im, er rief die Leute zu sich. II. 60. S. 87. rieft, rief. 11.64. S. 94. 11.92. S. 135. rümpf, rundes Gefiiss, Kumme. 11.40. S. 60. rümpfen sich, sich krümmen. II.9. S.ll. rupf m., Ruck. 11.9. S. 10 u. 11. rftt f., Ruthe, womit Wolle geschlagen wird. II. 51. S. 75. s. sa, so. II. 22. S. 29. sagen. II. 11. S. 14. seids, sagt es, H. 11. S. 14. seit, sagt. II. 79. S. 118. Sammlung, Versammlung. II. 28. S. 39. santloffeljSandlöflel, ein Schmiede- gerälh. 11.40. S. 60. sat, gediegen. II. 69. S. 102. sattel. us dem sattel erneren. II.10.S.12. Vgl. Murners Narrenbeschwerung. Cap. 23. saw, suw, Sau. Plural sew. 11.18. S. 24. II. 94. S. 136. S. 142. 11.96. II. 25. 454 Glossar. schachzabel, Schachlafel, Schachbrett. H. 27. S. 36. schaffen, veranlassen, schüfe, Im- perf. II. 34. S.49. schalk. betrogener schalk. H. 64. S. 94. verlaszner schalk. H.64. S. 93. schalkecht, schälkisch.11.66. S.97. schalkhaftig. 11.35. S.49. H.36. S. 51. Schalkheit. 11.38. S. 54. II. 55. S. 81. sch. thûn. II. 44. S.65. 11.65. S. 94 u. S. 95. sch. uszrichten. 11.44. S.65. mit einer Schalkheit beladen. Vgl. beladen. 11.52. S.77. schalknagel, du krawest dich mit schalkneglen, sprichwörtlicher Ausdruck. II. 22. S. 30. schamlot, Camlot. II. 38. S. 55. schalksleute. II. 45. S. 67. Schalksnarr. II. 24. S.31. II. 62. S. 89. schamperlich, scbandbarlich oder schimpfirlich. II. 10. S. 12. (schamper: S. B rants Narren- scliiff: zanken und zu gericht gon, V. 35.) scharf, dringend. II. 50. S. 73. scharpf, schnell. II. 15. S. 20. scharpf, schnell und stark, Alliteration. schank, Küchenspinde, Fliegenschrank. II. 44. S. 65. schele, schielend. 11.30. S. 42. schelklichen, Adv., wie es ein Schalk verdient. II. 83. S. 122. schellig, (mhd. schellich) albern, verkehrt. II. 48. S. 71. Vgl. Ku rz S. 246. schelmengrüb , Aasgrube, (vom mhd. Schelme, gefallenes Vieh.) II. 37. S. 54. II. 46. S. 49. II. 69. S. 102. H. 88. S. 129. schelmenschinder, Schinder.II.66. S.97. II. 69. S. 102. schelten, scholt, Imperf. H. 40. S. 61. schempten sich, schämten sich. 11.49. S. 73. schendlich. 11.77. S. 114. schenk, Geschenk. 11.27. S.36. II. 50. S. 74. schicken, fördern, beeilen. II. 27. S. 37. schick sich, es fügte sich. 11.56. S. 82. Schickung, Gelegenheit. II. 34. S. 48. schimpf, Scherz. II. 15. S. 18. II. 32. S. 46. II. 64. S. 92. 11.70. S. 103. schimpfing, spöttisch. II.19.S.25. schimpfred, Spott. 11.14. S. 17. schinden, schand, Imperf. II. 83. S. 122. schinderkarch, Schinderkarren. 11.66. S. 98. schitten, schütteln, vom rit, Fieberfroste. II. 19. S.25. H.54.S.80. II. 81. S. 120. Vgl. Kurz S. 239. schlahen, schlagen. II. 3. S. 5. II. 7. S.8. II. 10. S. 13. II. 51. S. 76. II. 71. S. 106, wo es mit zu (d. h. nach) verbunden ist. 11.78. S. 113. schlecht, (er) schlägt. II. 39. S. 58. II. 86. S.124. schlu, (er) schlug.II.51. S. 75. schlug die Iiend in die kannen, steckte rasch die Hände in die Kanne. II. 92. S. 134. schlamp, Schlemmerei. 11.67.S.98. schlappen m., Tracht Prügel. 11.40. S. 60. schlecht, schlicht, ungelehrt. S. 1. schleichen, schlendern. II. 43. S.62 und 63. schleichen, sich Glossar. 455 leise von dannen machen. 11.71. S. 106. schlecht, Praes. 11.71. S. 106. schleich, Imperf. schlich. H.3. S.6. schleifen, schlüpfen. II. 64. S. 94. schlof, Imperf. schlüpfte. II. 9. S.ll. Schlempen, schlemmen. II. 35. S. 51. 11.67. S. 98. schlopen sich, sich wegschleppen. 11.64. S. 94. schlupf, Schleif, Riemen. II. 45. S. 67. schmecken, schmecken, 1) riechen, stinken. II. 15.S.20.11.44. S. 65. II. 46. S. 68. II. 77. S.113. 2) gefallen. II.61. S.88. — II. 76. S. 111. schmecket vnder äugen, fallt in die Augen, sclnnicke, Ruthe. II. 7. S.9. schmidte, schmitte, Schmiede. 11.41. S. 61. schmieren, mit Fett üherstreichen. 11.45. S. 66. 11.46. S. 68. sclnnolt, von schmelzen, schmelzen, vor Hunger vergehen, II. 22. S. 30. Vgl. S. 242. schmutzen, 1) schmunzeln. 11.14. S. 18. 11.37. S.52. 2) schmutzig sein. II. 37. S.53. schneiden, schnyd, Praes., schneidet. II. 45. S. 66. schneid, schnitt. II. 3. S. 5. 11.44. S.65. schnieren, ? — Erf. schüren. II.5t. S.75. schmulel, Rotz. 11.75. S. 110. schöffel, Scheffel. II. 59. S. 86. schottenpfaffe. 11.68. S. 100. Vgl. S. 269. schreiben, schreib, schreiff, Imperf. H.40. S. 60. S.141. H.91. schliffe, sclmoffe f., Geräth des Brauers, Schaufel. 11.47. S. 69 u. S. 70. schftnen. schüh, Imperat, scheue. 11.63. S. 90. schumen, schäumen, schumpt, Praes. 11.37. S.53. schwärt f., Schwarte, die Haut, auf der die Haare sitzen. II. 9. S.ll. schwarze kunst. II. 65. S. 95. II. 87. S. 126. (Uehersetzung des aus Nekromantie verderbten Wortes Nigromantie.) schwechen, verkleinern, schlecht machen. S. 1. schweigen, schweig, schwieg. II. 5. S.7. 11.66. S. 96. II. 79. S. 117. S. 143. II. 97. schwengen, schwingen, rütteln. II. 64. S.93. schyt, Scheit. 11.51. S. 76. see m„ Ostsee. 11.65. S. 94. seer, sehr. 11.70. S. 104. serer, Comparativ. 11.35. S. 55. segnen sich vor etwas, sich verwahren gegen etwas. II.21 .S.28. sehe, säe. seyet, säet. II. 73. S. 108. sehen, ich sich, siehe, ich sehe. 11.10. S. 12. 11.14. S.18.H.27. S.87. sichstu, siehst du. 11.10. S. 12. sicht, er sieht. II. 30. S. 42. 11.43. S. 64. sieht aus. II. 40. ,S. 60. ir sehent, ihr sehet, sich, siehe. II. 47. S. 69. II. 66. S. 96. sehend, sehet. 11.27. S.36. sach, sah. II. 6. S. 8. II.9. S.ll. H.33. S.46. 11.40. S. 61. 11.48. S.71. durch die Finger sehen. 11.63. S.90. Vgl. S. 264; die Redensart findet sich schon in S. Brant’s Narrenschiff“ : von frowen huet- ten V. 36. seliin, sieh an. H.40. S.59.11.43. S. 63. II. 89. S. 130. II. 24. 456 Glossar. S. 32, wo sehin statt se hin zu lesen, richtiger als geh hin. seim, seinem. II. 6. S.8. 11.27. S. 38. sein, was wol mit, war zufrieden mit. 11.89. S. 129. schul, seid. 11.15. S.21. 11.83. S.122. wes, sei (Conj.) 11.43. S.64. gesein, gewesen. II. 31. S. 44, wenn nicht zu lesen geseit für gesagt. selikeit. II. 67. S. 99. seltzam. es nam Ul. seltzam, es nahm ihn Wunder. S. 143.11.97. seltzems, seltsames. II.19.S.25. selzeml'z. II. 24. S. 3 2. senep, Senf. II. 10. S. 11. senft, leise. 11.28. S.40. setzen, satzl, Imperf. II. 33. S.46. seykorb, ein Geräth des Brauers, vielleicht zum Dnrchseihen, Durchsieben des Bieres. II. 47. S. 69. sich, sielt gon und klimmen. Vgl. Beides. II. 10. S. 11. 11.40. S. 60. sieden, sode, soudl, soud, sott. 11.37. S. 53. 11.47. S.69. 11.56. S. 82. II. 62. S. 89. silberin, silbern. 11.37. S. 53. simle, Semmel. 11.80. S. 118. sinn, Einfall. II. 7. S, 9. II. 77. S.98. Anschlag. 11.14. S. 19. sitzen, ich wil hinder dich sitzen. II. 2. S.4. slähen, treiben, namentlich das Vieh auf die Weide, schlecht, treibt. 11.71, S. 105. so dan, solhan, solcher, solches. 11.69. S. 102. so fer, wofern. 11.58. S. 85. sol, solle. S. 1. solich, solichs, sülch, solch, solches. S. 1. II. 15. S. 18. sorgfeltigkeit, Sorge. II. (j7. ^S. 99. sót, m., die Saal. II. 73. S. 108. specnlieren mit d. Acc., sinnen auf. 11.35. S. 49. speien, spitwen. II. 37. S. 53. spiiw, Imperf. II. 10. S. 12. speihen, verspotten. II. 87. S. 125. speiten, spotteten. 11.49. S.72. speiwort, Spollrede. II. 61. S.87. sperhaken, Sperrhaken, Schmiede- geralh. II. 40. S. 60. spet, des liier spet, Feuerspiess. 11.40. S. 60. speyig, höhnisch (mlul. fpie, Verhöhnung ; Ipiwen, fpien, spotten). II. 19. S. 25. spil s. güf. spilman, Spielmann, Gaukler, Hofnarr. 11.24. S.32. 11.77. S.112. spilleut. 11.77. S. 112. spiszlin, Spiess. S. 142. II. 96. spital m. Hospital. II. 17.S.23. spottig, spöttisch. 11.78. S. 114. sprachlms, Sprechzimmer, secretarium, geheimes Gemach. 11.69. S. 102. Sprichwort, Redensart. II. 38. S. 57. spyfen, Spiessen. 11.71. S. 106. Stal f., ein Kirchengeralh. S. 143. 11.97. stalbruder, Camerad. 11.36. S.51. 11.55. S. 81. 11.64. S.91. stehen, stand, Imperat. II. 40. S. 60. stark, gesund. 11.94. S. 136. stat, Stätte, Stelle, Gelegenheit. 11.41. S.62. zu stat, zur Stelle. 11.50. S. 73. statknecht, Stadtknecht, Stadtdiener. S. 143. 11.96. statzinierer, Reliquienhändler. II. 31. S. 43. (S. Strobel Glossar. 457 Bran l’s Nan’enscliifl'S. 183 und Murners Narrenbeschwerung Cap. 15. “Die falschen heil— thumb umbher filren beltler und die slatzionierer”). stcbelin, Süihlcin. II. 27. S. 36. sie ft, Stifte, pl. 11.40. S. 60. Stege f., Treppe. II. 53. S. 79. 11.89. S. 130. steigen, steig, stieg. II. 4. S. 6. 11.31. S. 44. 11.51. S. 7 6. stellen mit dem Dal., Jagd machen auf. II. 78. S. 115. in das recht Dellen, vor Gericht bringen. 11.80. S. 119. steppen, stechen. II. 47. S. 70. sterk, Stärke. 11.21. S.28. Stettin, Slädllein. 11.22. S.29. stieben, stub, stob. 11.51. S. 75. Stuben, stoben. Imperf. II. 39. S. 58. stielelmacher. 11.45. S. 66. stiften, veranlassen. 11.60. S. 87. sliliklichen, in der Stille. 11.89. S. 130. still, mit stillen Worten, ohne Worte. 11.87. S. 126. stillschweigend, Adj. stall des Adv., eine Hypallage. II. 15. S.20. stock, Sarg. 11.95. S. 137. ston, stehen. 11.2. S.4. 11.9. S.10. II. 15. S.20. 11.18. S.24.11.20. S. 28. 11.26. S.35. 11.35.S.50. slost, du siehst. II. 25. S. 33. slot, steht, IT. 28. S. 39. 11.66. S.96.11.96. S.138. stellt, steht. S. 149. II. 99. Done!, stand. 11.14. S. 17. ston, stand, Imperf. 11.19. S.125. ston nach, Lrach- ten nach. 11.90. S. 131. stot, der Stand. 11.67. S. 98. stouf, Sliibgen, ein Mass. II. 57. S. 83. struchen, straucheln. 11.53. S.79. stumpfen, verstümmeln. II. 32. S. 46. stürmen, zanken. II. 78. S. 114. stul, Katheder. II. 28. S. 39. stund, von stund, sogleich. H.34. S.48. 11.37. S. 53. II.38. S.57. 11.51. S. 75. sturzkarch, Karren, welcher hinten abgeselzt werdenkann. 11.26. S. 34. silberhell, säuberlich, nett', hübsch. 11.27. S. 37. subtilig, fein. 11.58. S. 84. süwleder, Schweinsleder. II. 18. S.24. sürfeln? 11.52. S.78. suer, heftig. II. 18. S. 24. sun, Sohn. S. 1. sunder, aber, sondern. 11.40. S.61. 11.58. S.85. 11.64. S.92.11.71. S. 105. II. 73. S. 108. II. 78. S. 117. 11.82. S. 121. 2) dagegen. Vienspiegel sagt im sunder, entgegnet ihm. II. 71. S. 105. sunst, sonst. II. 22. S. 29. sur, sauer. 11.52. S. 77. syn, Grund. S. 141. II. 91. T. tafel. talein der fensler, Fensterscheiben. II. 45. S. 67. tafelsbenklin, eine Bank, Tafel zum Verkaufen. 11.35. S.49. tagt, es tagtimfrieg.il. 79. S. 118. 11.84. S. 123. tauft m. II. 1. S. 4. taufpfetter, Gevatter. II. 1. S. 3. teghebruck, Ziehbrücke. II. 38. S.57. teglicb, gleich heut, noch heut. 11.71. S. 106. 11.81. S. 120. teil, Seite. II. 73. S. 1 08. 458 Glossar. tesche, Tasche. II. 67. S. 98. Vgl. deschc. thiel, thile, Tenne, Estrich. II. 32. S.45. 11.41. S. 61. thier. gen. pi. thierer. II. 43. S. 63. - thorecht, thöricht. II. 15. S.21. thorin, llofnärrin. II. 27. S. 37. Vgl. S.245 und Douce Illustrations of Shakespeare, wo solche Thöriiinen aus der Zeit Heinrichs VIII. abgebildet sind, timer, iheuer. II. 35. S.49. thün. ein schenk thftn, ein Geschenk geben. II. 50. S. 74. mefs thün, Messe lesen. II. 34. S.48. eins thün, etwas schnell ausführen, nicht zögern. II. 2. S. 4. die liend da vf thün, geloben. II. 58. S. 85. thün mit dem Dativ, etwas betreiben, beschaffen, arbeiten : ich wil den sachen also thün. II. 28. S. 39. timt im noch recht, (er) genügt ihm noch. 11.27.S.37. Ebenso 11.47. S. 7 1. 11.63. S. 90. II.64.S.93 u. S. 94. II. 78. S. 115. (dem thün). II. 87. S. 125. II. 94. S. 137. so hab ich im (nicht nur) nach euwerem heifzen gethon, so habe ich es auf euer Gebot angefangen. II. 74. S. 109. det, that. 11.79. S. 118. II. 87. S. 126. detten, tha- ten. II. 81. S. 120. thon Inf. II. 19. S. 25. tlmnd Inf. II. 10. S. 12. thun, time. Imperat. II. 40. S. 59. tlmnd, Imperat. II. 58. S. 85. gethon. II. 77. S. 113. II. 78. S. 114. Daz waz also gethon mit der red, für diesmal bliebs noch hei den Worten. II. 22. S. 29. gthon, gethan. S. 1. gethün, gethan. 11.44. S. 65. II. 45. S. 67. II. 62. S. 89. thurnmann, thurnbleser. 11.22. S. 29. toben (nieders. töwen), zögern, warten. II. 28. S. 40. todtenbaum, Sarg. S. Grimm s.v. Baum. H.94. S. 136. II.95.S-137. Vgl. S. 289. tragen, treg, trägt. II. 51. S. 76. treit, trägt. II. 53. S. 78. dreit, trägt. 11.51. S.76. drag, trage, Imperat. II.71. S.76. drüg, trug. 11.55. S. 81. II. 62. S. 89. droig, trug. S. 141. 11.91. Irang sich, drang. II. 34. S. 48. trank, Getränk. 11.21. S. 28. treck, Dreck. 11.15. S. 19 u. 20. 11.24. S. 32. 11.35. S. 49 u. 50. treiben, treib, trieb, Imperf. II. 7. S.9. II. 15. S.20. 11.70. S.103. trengen, anslrengen. trengt, er drängle, 11.40. S. 59. trungen, drängten. II. 31. S. 44. 11.41. S. 62. treuw, Treue. II. 18. S. 24. tru- wen für in truwen, wahrlich. 11.43. S. 64. II. 51. S.76. treuwen, trowen, drohen. 11. 3. S. 5. 11.17. S.23. 11.69. S.103. getrowt, gedroht. II. 17. S.23. trifft an, betrifft. 11.34. S.98. trinken sich, sich betrinken. II. 9. S. 10. trösten sich, sich getrosten, fest glauben. II. 78. S. 114. tiifels. was tiifels? was zum Teufel? 11.48. S. 71. 11.51. S.76. wei (wie) den teufcl. II. 47. S. 70. tügen. die hüner tügen, fallen. II. 64. S. 91. tzyt, einst. S. 139. Glossar. 459 V. (IT. tí.) vaken, oft. II. 20. S. 27. val, fahl. II. 21. S. 28. Der Toil reitet bekanntlich nach der Oflenb. Job. VI. 8. auf einem fahlen Pferde. vast, sehr. II. 15. S. 18. II. 23. S. 31. II. 24. S. 32. vber. über das mal, bei Tische. H.33. S.46. vber die fytten, bei Seite. II. 58. S. 85. vber macht, über Vermögen. II. 7. S. 9. vb erial f. II. 28. S.39. übergeben, aufgehen. 11.80. S. 118. vbergefzen vnd vbcrdrunken. 11.88. S. 128. vberkummen, bekommen, erlangen. II. 6. S. 7. II. 15. S.20. 11.26. S. 34. 11.29. S.41.11.31. S. 43 u. 44. 11.35. S.50.11.38. S. 55. II. 50. S. 74. II. 71. S. 105. vberkum Praes. 11.82. S. 121. vberkam, nahm. 11.35. S. 49. II. 70. S. 103. II. 73. S. 108. vberkcm, annahm. 11.27. S. 36. vberkamen, einholten. 11.64. S. 93. vberladen, belastet, mit einem schalk. II. 15. S.20. vberlengen, einholen. II, 25. S. 33. uch, euch. II. 39. S. 59. Urte, urte, Zeche, Speise-Preis, Essgeld. II. 17. S. 23. II. 72. S. 107. 11.80. S. 118. Gesellschaft, Pickenick. 11.55. S.81. 11.77. S.112. ver,verr, ferne, weit. 11.50. S.74. 11.91. S.133. verbieten, entbieten-. H. 28. S.39. verbrennen, verbrin, Imperat. 11.64. S. 92. verblieben, durch Beuchen verderben. 11.30. S. 43. verdenken, Argwohn. 11.32.S.45. verdenken, für etwas halten. S. 1. verdingen sich, sich annehmen lassen als. II. 19. S. 24. sich verdingen zu einem pfarrer, sich verdingen hei, an. 11. 11. S. 13. vcrdinck Imperf. 11.22. S. 28. 11.44. S. 65. 11.56. S.82. verdriefzen, vertriesen mit dem Dat. 11.28. S. 38. vergeben mit d. Dat., vergiften. 11.86. S. 125. vergeben, vermachen. 11.93. S. 135. verhalten, zuhalten, ein aug verhalten, bildliche Redensart filr betrügen. II. 35. S. 49. verheien, verderben, verheit, verdorben, perditus. II. 40. S. 60. 11.74. S. 110. II. 89. S. 130. verhönen, entstellen. 11.65. S.95. verkünden, verkuuten, verkündeten. II. 51. S. 75. verkydeln, verkitten, verbinden. 11.62. S. 89. verlafzen mit d. Genit., erlassen. 11.28. S.39. hinterlassen. 11.93. S. 135. verlafzen, von Gott verlassen, s. schalk. II. 64. S. 93. verlaufen sich, weglaufen. 11.73. S. 108. verlehen, verleihen, verliend, verlieh. S. 141. 11.91. verlieren, es ist verloren, esgeht nicht. II. 52. S. 77. vermessen, sich vermessen mit d. Genit., erwarten. 11.46. S.68. vermögen sich mit d. Gen., sich befassenmögen mit. 11.77. S.112. verneinen, sehen, verslehen.il. 46. S. 67. II. 80. S. 118. II. 83. S. 122. 11.89. S. 130. vernum- 460 Glossar. men, walirgenommeii II. 67. S. 100. verrennen, verrent, verrannt, verirrt. H. 40. S. 60. verschallten sich, zum Schalk werden. II. 4. S. 7. verschnnicn, beschämen. H. 28. S. 38. verschämt, beschämt. II. 28. S. 39. verscliempt, beschämt. II. 31. S. 44. verschmähen, verschmacht, ver- scbmähelc. 11.31. S.44. verschreiben, durch Schreiben aullbrdern. 11.50. S. 73. verschflflen Part., verschoben, zu einem anderen Gerichtstag (Vgl. mild, sclmpj. II. 58. S.84. versehen, versieh, Praes. II. 37. S. 53. versperren, einsperren. II. 69. S. 103. verstand, Versländniss, Kcnnlniss. 11.47. S.69. verstentnis. nach wenig meiner verstentnis, nach meinem geringen Verstände. S. 1. vertrieben, s. verdriefzen. vertrinken die kinder, auf das Wold der Kinder trinken. H.l.S. 3. verwaren, beohachten. II.43.S.63. verweilt, umgewandt. II.94.S. 137. verwilligen sich, sicli verpflichten. II. 17. S. 22. verwilligt, bewilligt. 11.27. S. 36. II. 28. S. 38. verwilsen, Part, von verwisen, verwiesen , vorgeworfen. II. 30. S. 42. verwonte (Erf. verweilt), machte glauben. II. 4. S. 6. verwundern sich, gespannt sein auf etwas Wunderbares. II. 24. S. 32. verzogen, das recht ward verzogen, das Uriheil ward hinge- hallen. S. 141. II. 90. vf seinen fynden holen, von. 11.22. S. 29. vfenthalten, Aufenthalt geben. 11.15. S. 18. vfheben, erbeben. 11.31. S. 43. uflupfen sich, sich erheben. 11. 2. S.4. Vgl. Weber. S.377. vl rapp en, aufraflen. 11.20. S. 26. vfrichten, ausrichlcn. II. 55. S. 81. vfschneiden. vfschneid, Imperf. 11.25. S. 33. vfston, aufslehn. 11.77. S. 113. stand vf, sta n vf, 1 te Pers. Praes. 11.40. S. 60. 11.79. S. 118: vf- stund. 11.40. S. 60. vfgestünd, Imperf. II. 15. S. 20. vfwischen, sich schnell aufrichten. 11.53. S. 78. vlzerrcn, aufreissen. zart vf, Imperf. 11.66. S. 98. viel, fiel, V. vallen. II. 89. 8.130. vigiligen, Vigilien. 11.93. S. 135. vmb vnd vinb. II. 27. S. 35. vmbgeben werden mitkrankheit, befallen werden von. II. 89. S. 130. vmbhar, umber. II. 46. S. 68. vinhhin klimmen, herumkommen, herumlaufen. 11.28. S. 39. vmbtreiben, irre führen. II. 66. S. 96. vnder äugen. 11.76. S. 111. (Vgl. schmecken). H.79. S.118. vndersack, eine Art Sack. II. 78. S. 115. vnderwegen. H. 78. S. 114. vnderweilen, unterdessen, mittlerweile, zugleich. II. 31. S.44. vnderzeiten, bisweilen. II. 36. S. 51. Glossar. 461 vngesclilafen, ohne Schlaf. II. 35. S. 49. vnglüclthaftig. II. 64. S. 94. vnrecht, verkehrt. II. 94. S. 137. vnredlich, des retiens unfähig. 11.29. S. 40. vnsuberkeit. II. 1. S. 3. vnuerdacht, ohne Arg. S. 142. II. 96. vmicrmelt, unangezeigt. II. 38. S. 57. vmvillen. vor Unwillen nenien, unwillig aufnehmen. 11.50. S.74. vnwürl'z, zornig. 11.80. S. 119. vol lialten, traetiren. 11.67. S.98. volfchleifzen, vollenden, zu Ende bringen. II.89. S. 129. von ein, aus einander, II.47.S.71. von stund, s. stund, vor, früher. II. 13. S. 17. 11.31. S. 43. vorher. II. 50. S. 74. II. 69. S. 102. 11.75. S. 111. vor, voraus oder vorher. II. 63. S. 90. vor als nach, nach wie vor. 11.34. S. 49. vor lang, schon lange. II. 24. S. 32. II. 28. S.39. vortan. und also vortan, und so fort. S. 141. H.91. vrlob, Abschied. 11.47. S. 70. vrsache. des zu vrsaclien (Dal.) II. 52. S. 77. Ursachen, vrsaclien sich von, verursacht werden. 11.63. S. 90. vsliren, hinausführen. 11.58. S.84. vssin, vor sich hin, voraus. 11.48. S. 71. vfz der malzen, über die Massen. II. 29. S. 41. 11.35. S. 49. vfzbaden, zu Ende haden. II. 3. S. 6. II. 4. S.7. Es hat aber auch den Nebenhegriff von etwas Unangenehmem, besonders für den, der angekleidet durchnässt wird. Vgl. G r i m m. Die Entstehung der Bedeutung abhüssen findet sich in der unter dem Namen Prelle oder Wippe bekannten Strafe, wobei die Sträflinge Gefahr liefen, durch das llerabstürzen in ein untenfliessendes Wasser gebadet zu werden. Vgl. Dreyer Ueber Lebens-, Leibes- und Ehrcnstrafen S. 122 fl'., die Abbildungen in einem Codex, der Stadt Soest in den weslphuli- sehen ProvinzialbläUern Band I. Heft 4. S.154. J. G ri ni m s deutsche llcchtsaltertbümer. S.726. vszbeschreiben, ausschreiben, berufen. 11. 50. S. 73. vszerlesen, Adj. 11.89. S. 130. vszgeben, verkündigen. IL 1 4.S. 17. vszkeren. 11.81. S. 120. vszgelefen, auserlesen. II. 84. S. 122. usgelesener schallt, ein schallt oh allen schellten usgelesen. 11.92. S. 135. vszmachen, fertig machen. 11.48. S. 71. vszschöppen sich, sich wegschaffen. II. 73. S. 108. vszthun. 11.31. S.43. ein statzi- nierer. Erf. sich für ein st. uszt., sich dafür ausgeben, vsztringen. hervordringen, usz- trungen, lmperf. II. 49. S. 72. vszweschen. 11.30. S.42 u. 43. vurnemen mit recht, verklagen. S. 140. w. wa, 1) wo. II.6. S.7. 11.14. S.19. H.77.S. 112. 2) wenn. S.2.II. 17. S. 23. II. 19. S. 25. II. 21. S. 28. 11.28. S.39. 11.38. S.55. 462 Glossar. wabei, wobei. IL 15. S. 21. wachen, wach, Imperf. 11.39. S.58. wackelig 1. waiiklUge, Betrug. 11.87. S. 127. wacker, mmiLer. 11.32. S. 45. waenen. wont, wähnte. II. 15. S. 20. wahar, woher. 11.71. S.104.11.78. S. 114. wail, wohl. S. 140. wann, da. II. 13. S. 16. wau, wann, 1) denn.11.14. S.19. H. 21. S. 28. 11.65. S.94.H.74. S. 109. 2) wenn. 11.45. S.66. wapen, wapfcn, Wappen, einem wapen geben, einen in Dienst nehmen. II. 63. S. 90. waren, wahrnehmen, wart, achtet. II. 51. S.76. war, wair, wohin. II. 33. S. 46. 11.89. S. 130. S. 139. war, wahr. II. 4. S. 6. war sagen, das Richtige, die Wahrheit sagen. 11.14. S. 18. war wort, eine Wahrsagung. 11.41. S.61. warhaftig, wirklich eintreffend. 11.41. S.61. waning, Warnung. II. 92. S. 135. wasser. da allewasserzftsannnen kummen. 11.71. S. 105. Vgl. S. 271. weekbrot, Scmmelhrot. II. 7. S. 8 u. 9. Vgl. S. 230. wecken, wackt, er weckte. II. 29. S.58. weg m. in alle weg, durchaus. 11.12. S. 17. zu wegen bringen. s. zu. wegt, es wehet. II. 18. S. 24. wegfertig, reisefertig. II.78.S. 115. wegfertigen, zur Reise abferligen. 11.33. S. 46. wegfertigkeit, das Reisen. 11.78. S. 115. wei, s. tilfel. weinzepfer. II. 57. S. 83. weifz machen, etwas aufbinden. 11.27. S. 35. welle, Bund, Büschel. 11.64. S.93. werden mit dem Inf., beginnen, anfangen. 11.3. S. 6. II. 9. S. 10. II. 11. S. 14. II. 14. S. 18.11.18. S. 24. 11.22. S. 30. H.23.S.31. 11.25. S. 34. 11.28. S.38.11.30. S. 42. 11.37. S.53. 1I.48.S.72. 11. 50. S.74.11.67. S.99.11.75. S. 110. II. 77. S. 113. 11.86. S. 125. 11.90. S. 131. 11.94. S. 137. wiirt, wird. II.66.S.96. würstu, wirst du. 11.47. S. 70. war de, ward. II. 2. S. 4. warden, wurden. II. 48. S. 72. ward, ereignete sich. II.62.S.88. werken, arbeiten. 11.35. S.49. wes. Vgl. sein. weschen, waschen. II. 30. S.42. wettung, Wette. 11.87. S. 126. widerdriefz, Verdruss. S.l. II. 11. S. 15. widerreis, Rückreise.II.78.S.l 15. widerteil, Gegentheil. II. 90. S. 131. wildpreht, Wildbret. 11.85.S.l23. wirdig, würdig. II. 1. S. 3. wirt. ein milter wir!. II.21.S.28. wa ein schalle. 11.79. S. 117. Vgl. Agricola a. a. O. 299. 2j Hausherr. 11.66. S. 97. wis, Wiese. 11.50. S.74. II. 78. S. 115. wischen, eilen. 11.51. S.75. wisz, weise. 11.57. S. 83. wifzen. wifzte, wifzt, wusste.II.7. S.9. II. 9. S, 11. II. 14. S. 17. wifzt, wüsste. S. 1. wollen, wollen. II. 2. S. 4. wel, (er) will. 11.91. S.132. wellen, (ihr) wollt. H. 92. S. 134. Glossar. 463 wollen, (ihr) wollt. 11.25. S.33. II.27. S.35. wellent, (sie) wol- ien. 11.27. S. 37. wöllent, (sie) wollen. 11.29. S. 41. wol, (er) wollte. 11.23. S. 31. wolt, (er) wollte. 11.45. S. 66. wörme, Wanne. IT. 52. S. 77. wol, wahrlich. 11.2. S. 4. wolf, ein llauernrock. H.4S. S.7 l. Vgl. S. 256. wol. das sol mir wol und wee thftn,das soll entscheidend sein. H.6S. S.101. Wortzeichen , symbolum , Wahlspruch. II. 77. S. 113. wuchenmarkt, Wochenmarkt. H. 36. S. 51. witrft, wirft. 11.47. S. 71. wüschen, abwischen, den mund. 11.64. S. 93. Vgl. S. 275. wüschen, entwischen,entschlüpfen. II. 50. S. 74. wiissen, wissen. II. 38. S. 55. wyfzpfenning, (kölnischer) Weisspfenning. II. 80. S. 119. r. ye, jeglicher. II. 2. S.5. yetlich. Vgl. ietlich. ylen. 11.22. S.29. ylens, eilends. II. 10. S. 12. 11.17. S.23. 11.22. S.29. 11.32.S.45. II. 39. S. 58. ymhifz, Zwischenmahl.il. 10.S. 12. yme, Biene. II. 9. S. 10. ymen, Bienenkorb. II. 9. S.IO.j ymer, immer. II. 2. S. 4. II. 16. S.22. 11.27. S.35. yn, ein. II. 34. S. 47. yn har, einher. 11.74. S. 109. yngehen, einraumen. II. 54. S.80. yngon, hineingehen. 11.77. S.113. yngond, Inf. II. 44. S. 65. Vgl. gon. ynschlagen, einfüllen. 11.47. S.70. ytel, yteil, eitel, nur, nichts als. II. 19. S. 25. 11.54. S.80. z. zalbret, Zahlbrett. 11.80. S. 119. zannen, grinsen, die Zähne zeigen. II. 2. S. 4. ze, zu. II. 3. S. 5. zeihen, zoch mich, zieh mich, klagte mich an. 11.34. S.49. zeit, vf ein zeit, zu derselben Zeit. II. 50. S. 72. gut zeit, zu guter Zeit. II. 64. S. 92. zeitlich, zeitig, hei Zeiten. 11.13. S. 17. 11.47. S. 7 1. 11.62.S.89. zem, ziemte. Imperf. II. 14. S. 19. zendel, halbseiden Zeug. II. 35. S.49. Vgl. Ziemann. s. v. zerbrechen, ein raubschlofz, zerstören. II. 1. S. 3. zergesell , Tischgenosse. II. 72. S. 107. zerhauen, zerlniw Imperf. 11.56. S.82. Vgl. hauen, zerung, Nahrung. 11.36. S. 51. II.7S. S.115. zetteln, streuen. 11.92. S. 134. zeugen, zeigen. II. 4. S.6. zögen, sie zeigten. II. 2. S.4. ze wegen bringen. II. 3. S.5. Vgl. zu wegen bringen, ziehen, zeucht, zieht. 11.39.S.58. 11.57. S. 83. zoch das in ein gelechtcr, machte daraus einen Gegenstand des Scherzes. 11.27. S.37. zohe, zog. II. 8. S. 10. 11.32. S.46. zühe, zog. Imperf. II. 65. S. 95. zollen, zogen. II. 4. S. 7. 11.13. S. 17. 11.71. S. 104. zugen, zogen. II.4. S.6. 11.8. S.10. zörit, herrlich. 11.82. S.120. Vgl. Ziemann s. v. zorlit. 464 Glossar. zu. zu dem ersten, zu Anfang. 11.39. S. 58. zu der Stuben, bei der Stube. II.51.S.76.ZU einem, zugleich. II. 81. S. 120. zu hals schütten, in den liais schütten. II. 86. S. 124. zu hand, so gleich. 11.69. S. 103. zu ring har, im Kreise herum. II. 70. S. 103. zu wegen bringen, zu Stande bringen. II. 34. S. 47 u.48.II.82.S.121. II.88.S.128. lierbeischaflen. II. 38. S. 55. Zuber, offenes, irdenes oder metallenes Gefass. II. 56. S.82.II.70. S. 103. zubriugen. zübrachte, (?) zugebracht. II. 17. S. 23. zucken, ziehen, reissen. H. 92. S. 134. hinder zucken, zurück- ziehen. II. 8. S. 10. züchtig, bescheiden. 11.92. S.134. zürnen das, darüber zürnen. 11.22. S. 30. zukunnnen verlornen Schadens, Ersatz halten für. 11.46. S.68. Vgl. nachkunnnen. Zukunft, Ankunft. II. 54. S. 80. zulaufen, zuluffen Imperf. II.2. S.4. Vgl. Weber. S.371. zumal, sehr. II. 15. S.20. zurichten, cinrichlen. 11.20. S.26. zusammenkummen, Übereinkommen. II. 55. S. 81. zuseher, Zuschauer. II. 14. S. 17. zustrawet, zerstreuet. II. 94. S. 136. zutettig, zuthiitig, eifrig. II. 47. S. 69. zweispennig, uneinig. II.68.S.101. zweitrechtig, zvvietrachtig. 11.63. S. 89. zwüret, zweimal. II. 61. S. 88. GEOGRAPHISCHES REGISTER (Die Zahlen bedeuten die Historien.) A. Alexandria 35. Ample ue 1. Anhalt. Graf von Anhalt 22. Antdorf 86. Antwerpen. Aschersleue 52. 53. Asse bürg. Asseburger Gericht 38. Vgl. S. 252. B. Berlin, Berlin 48. 54. 55. Anh. 96. B e r n h u rg, (22.) s. Erl. S. 241. Bohemen. Behemen 28. ßöhe- mer Wald 62. Bomherg 33. Bamberg. Brabant 63. Brag 28. Prag. Bremen 87. Bennen 70. 72. Bischof 87. Brenburg 49. Brandenburg Brunsclnvig, Brunschwick, Brunswick. Land 11. Anh. 91, Stadt 18. 19. 38. 45. 56. Herberge zu dem Wilden Mann 19. Kohlmarkt 45. Fürsten von Br. 88. Herzog von Br. Anh. 91. Budensteten 11. 12. 13. Bummeren. Bummern 31. 50. Pommern. c. Cöln, Collen 79. 80. Wysspfen- ninge 80. J). Denmarkt 23. König von D. 23. Detmerschen 73. Ditmarschen. Dressen 62. Dresden. Düringen, s. Thüringen. E. E i n h e c k 47. 88. Einbecks Bier 64. Elbe 62. Eller 26. Die Aller. Elm. Melme für im Eime 1, vgl. S. 223. Epsdorf 67. Erdfurt, Erdfurd, Ertfurt, Erdt- furt, Ertlord 29. 60. 61. Anh. 92. Herberge zum Tomen 29. Vgl. S. 246. 30 466 Geographisches Register. ■iJi'i! r. ;vi F. Flandern 27. Frankfurt an dem Mein, Frankfurd 35. 63. Rümer 35. Francfurt an der Odern 85. Fridburg 63. Friedberg. G. Gerdaw 67. Gevenkenstein. (Auch Greuen- stein im Orig.) 15. Giebichenslein. Gosslar 64. M. Ilalberstat 18. Dom zu Sauet Stefian 18. Steifansgroschen 36, vgl. S. 251. Hamburg 50. 74. Ilopfenmarkt 74. II ano wer, Ilonower 69. 71. Leintbor 69. Hart, die 78. II e lm s te t 58.59. Ilelmslädtische Schuhe 4. Hessen. Land 62. 27. Landgraf 27. Hildesheim, Ilildeshem, Stift 16. Stadt 37. 64. Anh. 90. Ileumarkt 64. Hohen Egelsheim 37. Ilochlender 1. Holländer 86. Holstein 50. I. I sie u en 78. Eisleben. K. Ivissenbrugge 38. Vgl. S.252. Kn et ling en 1. 3. Kneitlingen. Köhlingen 16. F. Lübeck 50. 57. 58. Lündisch luch 68. Tuch aus London, vgl. S.269. Lüneburg, Lünenburg, Lunenburg. IIerzoglbuni25. 67. Stadt 66. 96. Herzog 25. Lypzigk 54. 55. 56. m. Maigdborg, Megdburg 1. 14. Stift 11. 15. Markburg 1. Marburg 27. Marien tal 89. 90. Abtei von M. 89. Mecklenburg, Meckelburg 3 9. 50. Melme, s. Elm. Mollen 89 — 95. N. Nigcstetten 30. Vgl. S.246. Nümburg78. Naumburg. Vgl. S. 276. Nürnberg, Nürenberg 17. 32. 33. 77. Das neue Spital 17. Ö. Oldenburg bei Einbeck 88. Oltzen, s. Ulsen. Osterling 34, ein Einwohner der niederdeutschen Hansestädte. I*. Pariss, Parys 65. Anh. 99. Pegnitz 32. Peyne 16 . Poln 24. König von P. 24. a Quedlinburg 36. Burgthor. Querfurt. Grat zu Q. 15. J». Rein 80. Ryssenburg, s. Kissenbrugge. Rom 34.35. GolumneserinR. 27. i Geographisches Register. 467 Ros en cl al 16. Rostock 39. 50. 81. S. Sal 3.4. Saale. Sachsen , Saclisenlarnl, Sassen- land 1. 10. 27. 34. 50. 54. 63. 73. 78. 80. Sangerhusen30. S ehwab en, die S. 54. Slade 44. S la sfur t 6. 83. Stendel 51. Stendal. Stettin, Land 50. S un l 50. Stralsund. Supplenburg, Graf von S. 63. T. Thüringen, Düringen 30. Trier. Bischof von T. 63. * V. Ulsen, Ollzen, Olzen 20. 68. Uelzen. w. Wederau63. Wetterau. Welsch, welsch monier 64. Vgl. S. 265. Wenden 68. die windische stat 50. Die wendischen Städte. Weser 73. Wismar, Wissmar 41. 43. 46. 50.65. Herberge zum goldenen Stern 46. Wülfenbütel 38. z. Zell 16. 26. Zelle. ZUSAETZE UND BERICHTIGUNGEN. Vun den zahllosen Druckfehlern der Originalausgabe von 1519 (vgl. oben S. 148) sind ungeachtet der angewandten Sorgfalt einige in unserem Texte stehen geblichen, welche in dem folgenden Verzeichnisse durch Or. bezeichnet werden sollen. S. 12. Z. 15. sachische lies: sächsische. - 18. N. 2. wie unten steh 1. wie auch unten zu lesen. - 21. Z. 19. V. u. Nach Zeiten tilge das Komma. Or. - 30. - 15. wer 1. wer er. - 30. - 3. V. u. tilge was. Or. - 30. - 1. V. u. tilge wol. - 34. Ueberschrift XVI. 1. XXVI. - 35. Z. 11. des 1. das. - 35. N. 5. 6, und S.36. N. 1 : tilge N. 5; N.6 und N. 1 (36) ist vereint zu lesen : sich mit. - 42. Z. 14. nach verwissen statt des Punktes ein Komma. - 45. - 14. umbstemd 1. umbstend. - 47. - 2. gabent I. ge bent. - 69. - 1. V. u. begunden schuoffen 1. begunden ein schuoffen. Or. - 70. - 7. hat gedan. Hier fehlt hinter gedan thiin, hat thun lassen; oder es möchte nach Anleitung der Erfurter Ausg., womit Kruffter ziemlich iibereinstimmt, in der ersten Ausgabe eine Zeile wcggefallcn sein, die in der Erfurter so lautet : nun hat ge heissen das ich hab darein gelhon, und ist anders nichts dann hopf. - 70. - 12 V. u. asz 1. sasz. - 74. - 5. vermeiden 1. vermelden. - 76. - 7 v. u. laszi darns I. lasz in darus. Or. Erf.: lasz ihn daus. Kr. Laisz in dairusz. - 76. Tilge N. 3. So für : dafc. - 96. Z. 4. nach wont fehlt ein. - 120. - 9 v. u. nach kannen setze Komma statt Punkt. - 123. - 2 v. u. gelegen, was einen 1. gelegen was, einen. - 129. - 10 v. u. du bistu I. du bis. 0 r. - 136. - 6. gruben 1. graben. - 140. - 8 v. u. nach gulden fehlt geben. Or. •{❖à® a¿ £l i ¡S3fi ¿»'■¿'444 Zusätze und Berichtigungen. 469 S. 141. Z. 16. affetzen 1. abetzen. - 141. - 23. henkes 1. henke ns. Or. - 145. - 18. asler 1. after. - 145. - 13 v. u. figthyng 1. fighting. - 269. - 13. latins orics 1. latin stories. - 279. - 9. 11 23 1. 123. - 279. - 10. 23 I. 123. Der Verfasser ist leider zu spät mit der verinuthlich ültcstcu näher nachweislichen bildlichen Darstellung Ulenspiegels bekannt geworden, um derselben an der gehörigen Stelle, in der Abhandlung §. 3. S. 217 f. gedenken zu können. Es ist nämlich auT der ltalhsstuhe zu Mölln ein Bild vorhanden gewesen, welches dem löten Jahrhunderte angehört haben dürfte und jedenfalls in Beziehung zu der Zeichnung Ulenspiegels auf dem dortigen Grabstein steht. Dasselbe ist uns aus J. von Heiners Trachten des christlichen Mittelalters Ute Abth. S. 106. Tafel 77 bekannt geworden. Das Bild ist umstehend im Holzschnitte wiedergegeben. Aus Hefners Bemerkungen entnehmen wir Folgendes : „Tyll Eulenspiegel in einer Tracht des XV. Jahrhunderts, gezeichnet vom Herausgeber nach einer eolorirten Zeichnung aus einem Beisebuche, welches sich im Besitze eben desselben befindet. Dieses Reisebnch ist von einem gewissen Friedrich Stadalmann, welcher Baumeister war und mehrere andere Aemter hatte, geschrieben. Er begleitete den Gotthard Freiherrn zu Herberstein, Ncupcrg und Gultcnberg 1 ) auf einer Reise 1607—10 durch mehrere Länder, und vcrzeichnete dabei alles, was ihm merkwürdig schien. Zu Müllen im Lauenburgiseben fand er auf dem Ralhhause das Bildniss, wel ches er in genanntem Reisehuch nbbildete, wie folgende Stelle aus demselben beweist: Auf dem Kirchhoff lait Tyl Eulenspiegcl, welches sein Contrafet hierbei zursech, welches der Rath zu Möllen mit grossem Vlcis sein Biltnus auf dem Rathhaus Behalten wegen seiner viclgetricbenen Schalkheit. -Und wehr Ime wil abmalen lassen, muss hei dem Stattschreiber anhaltcn, dass lm sein rechte abcontrafeuung Ime nachzumalen von dem Rathhaus geliehen würfet, desgleich wier auch gethan. Tyl Eulenspiegel starb schon im Jahre 1350. Das obenerwähnte Bildniss aber wurde, wie seine Tracht durchaus beweist, erst im XV. Jahrhundert, wohl 100 Jahre nach seinem Tode verfertigt. Durch diese Figur wollen wir keine Vorstellung von Eulenspicgels Person gehen, sondern wir stellen sie hier nur als ein Trachtenbild aus der Mitte oder 2ten Hälfte des 15tcn Jahrhunderts auf. Wiewohl man hei dem Gedanken an Eulenspiegel versucht werden möchte, diese barocke Tracht für die eines Gauklers oder Narren zu halten, so ist sie doch nichts anders, als der ganz gewöhnliche Anzug eines jungen Mannes der genannten Zeit. Die anliegende Unterkleidung, der unmässig kurze Mantel, die. Schnabelschuhe und das mi-parti in Schnitt wie Farbe findet man im 15. Jahrhunderte bis zur höchsten Uebcrtrcibung. m 1. So für Gutenhag. 470 Zusätze und Berichtigungen. Was dieses Bild als das des Eulenspiegels characterisirt, sind allein die ihm heigegebenen Attribute, als: ein Korb und Becher mit Schalksnarren, der' Hund mit der Schellenkappe und das Wappen Eulenspicgcls, eine von hinten gesehene Narrenhaube mit Spiegel und einer Eule darauf. Letzteres befindet sich auch auf Eulenspiegels Grabstein, welcher aber ebenfalls lange nach Eulenspiegels Ableben gesetzt wurde.“ Das hier beschriebene Bild muss früh untergegangen sein, da die ältesten Beschreibungen des Grabsteines zu Mölln desselben bei diesem Anlasse nicht gedenken. Es erläutert uns jedoch die Beschreibung des Grabsteines, welche Detlev Dreyer (s. o. S. 327 f.) gegeben hat. Der Korb mit Eulen, welchen nach seiner Angabe Eulenspiegel hält, durfte nichts Anderes gewesen sein, als der Korb mit Narren auf dem vorliegenden Bilde, und vielleicht der Spiegel nur ein Becher. fínUurtjtoeifo Idm von0tl Men fpi^ûQémm \>ß?t tont 5Ä j6i<«fwíd^«a f« Ubc voifoacfi i— ifa ¿sai i /trr v, /,a///ta//jerr/ líl Ntciii in der .MaiïPiikiiThc ztiW'ismai »illfir um» Jahr IJ 30 i {mffuayei, her v. ¿et/t/te/iheny. k Roatork Lübec Nviaipa \ejta/Kef/urgr ïtode Bremen Ebtäor. ) tendal ERLIV haät^öveSs^ BTftimNpliWlö 4 * />‘Vr^ y/rüna ^¡■fféBbú ü/Uef, 30 « ^ fe. riicfc de «ni eutnlo22ç*«%<- ag’d.eüirrg’ «*"***■ Jffnfr. 7/ ""^ jtaiMUrih AYmáeck- ) 4 Ä%- rVacherplebcm \ ^ ttingcns ^Aeu.tfadt j j SnngerhauBcn ^ o J r arrUieu(ó ert ° 0 Ersieh en Giebichendeut Halle J iyeftc(t< 7 t ! Ûue/fùrt \ . . ° . , W ^ J Leipzig A amnburg RESDES lirfurt Si arbirrg