Biographisches und Literarhistorisches über Thomas Murner. 399
muthlich abgeändert mit kaiserlichem Privilegium zu Basel ge-druckt. ')
Im Jahre 1515“) erschien sein Gedicht: "Die Mülle vonSchwyndclsheym und G redt Mülleri n Jarz ey t. M 3 ) Eserschien ohne seinen Namen, doch hat Waldau aut das Zeug-niss desselben “Dialogus zwischen einem Pfarrer und Schult-lieiss”, welcher Murner den Verlassen des Ulenspiegel nennt,ihn als Verfasser jenes Gedichtes anerkannt, worin ihm nie wi-dersprochen ist. Es ist mit vieler Laune, grösstentlieils widerdie Geistlichkeit gerichtet. Murner spricht schon in der Sehel-menzunft im ersten Abschnitt “von blauen Enten predigen”, vonGretmiillerin Jahrzeit, woraus nicht gefolgert werden darf, dassdieses Gedicht schon damals existirte, wohl aber dass Murnersich schon damit beschäftigte. Demselben Jahre gebürt nocheine poetische Arbeit von ganz anderem Charakter an, nämlichdie Uebersetzung der Aeneide des früher von ihm geschmähtenVirgil, ein dem Kaiser Maximilian gewidmetes Werk, welchesJ. Grüninger zu Slrasslmrg in Folio mit vielen Holzschnittendruckte. ! ) In diesem Jahre am 15. August crliess er eine kleineSchrift, in welcher er sich wegen seiner Verhältnisse zu demBarfüsser-Kloster in Strassburg entschuldigen wollte. 1 * * * 5 ) Wir er-sehen daraus, dass er seihst auf dem Ordenseapitel zu Nürdlin-gen zum Guardian jenes Klosters erwählt war, und dass derProvinzial während der Zeit, dass er dieses Amt verwaltete,einige Väter und Amtsträger absetzte. Es wurde ihm die Schulddieses strengen Verfahrens beigemessen und er seihst von er-bitterten Ordensbrüdern der Veruntreuung von mehr als 500Gulden angeklagt. Er ward des Guardianais ohne gehörige Un-
1. Die Ausgabe von 1519 ist zu Wien, Berlin, München, Güttingen, Woh-
lenbüttel und Dannstadt. Hier und zu Berlin befinden sich auch Abdrücke
von 1565 Frankfurt, in 8. bei Siegmund Feyerabcnd und Simon Hüters, 149
Blätter mit Register und Holzschnitten. Neuester Abdruck in Sch ei file’sKloster Bd. VIII. 2. S. Waldau a. a. 0. S. 49. Wenn Grasse a. a. 0.Th. III. S. 587 eine Ausgabe von 1514 anführt, so dürfte hier wohl ein Irr-thum obwalten. 3. Ein Exemplar befindet sich auf der Bibliothek zu Wolfen-biittel, ein defectos zu Berlin. 4. S. Waldau a. a. 0. S. 109 und Pan-
zer Annalen S. 384. Ein Exemplar der Originalausgabe befindet sich zu Ber-lin. 5. S. Rührich a. a. 0. S. 588 — 590.