Druckschrift 
Dr. Thomas Murners Ulenspiegel
Entstehung
Seite
395
Einzelbild herunterladen
 

Biographisches lind Literarhistorisches über Thomas Murner.

395

Hasel mul Slrassburg zurück, so dürfen wir wohl folgern, dassMurners anderweitig) erwähnte Reise nach Bologna und Vene-dig in diese Zeit fällt. Für diese Vermuthung lässt sich nochanführen, dass, wenn er damit verhöhnt wird, dass er zum Pa-triarchen von Venedig erwählt worden wäre, wenn StrassburgerKaufleute ihn nicht in ein nachlheiliges Licht gestellt hätten, einsolcher Scherz sich nur auf die Zeit damaliger Patriarchenwahlenbeziehen kann, nämlich 1504, 150S oder 1524, wo man dann fürdie mittlere Zahl sich unbedenklich entscheiden wird, liier erhielt ereinige Jünglinge zur Aufsicht, mit denen er, statt ihre Erziehungzu fördern, possenhafte Bücher gelesen haben soll, bis er, auchdieser Stellung müde, unter dem Vorwände körperlicher Schwächenach Strassburg zurückgekehrt sei. 1 2 )

1508 soll er zum Lesemeister der Barfüsser in Bern be-rufen sein, wo er 1509 eine Schrift über den Streit des WigandWirt und Hans Spengler erlassen haben soll, unter dem Titel:"Von den fier Ketzeren Prediger Ordens der obser-vantz zu Bern verbrannt u. s. w., 1509 in 4. 3 ) In letzte-rem Jahre finden wir ihn zuerst als Doctor der Theologie be-nannt,, und zwar aui dem Titel einer neuen, zu Slrassburg er-schienenen Ausgabe seiner Logik. Seines Aufenthalts in Bern,wo er behauptet haben soll, dass Jesus Christus ein Mönch ge-wesen, wird auch in den Briefen der Finsterlinge gedacht, woMurner auch wegen seiner andern Streitigkeiten, so wie wegenseiner Spielkarten, mit denen er Logik und Grammatik, und wegendes Schachspiels, w omit er Metrik lehren wollte, wegen seiner Viel-wisserci und seiner deutschen Verse scharf mitgenommen wird.Vieles von diesem Tadel muss uns aber verdächtig werden, wenner dort zugleich ein Freund des Johann Reuchlin genannt wird. 4 )Auffallend ist es, dass er in seinen Schriften nirgends als Lese-meister, geschweige als derjenige der Barfüsser zu Bern bezeich-net ist. Da die Nachricht von seiner Berufung dahin nicht

1. Murnarus Leviathan, welcher jedoch diese Reise in eine andere Zeit

zu setzen scheint. 2. S. Murnarus Leviathan und die zu demselben

unter §. 12 folgenden Erläuterungen. 3. S. Jung a. a. 0. S. 249, der diesesnach seiner Meinung zu Strassburg gedruckte Werk für eine Schrift Murners

erklärt. 4. Epistolae obscuror, viror, p. 171 sq., 185, 263, 272.