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Abhandlung über den Ulenspiegel.
wohl zu bezweifeln ist, so hat er entweder jenes Amt nicht an-getreten, oder bald wieder verlassen müssen. In demselben Jahre1509 erschien gleichfalls zu Strassburg eine neue Schrift vonihm, welche seine Charakterlosigkeit in ein helles Licht stellt.Sie ist betitelt: cc De Augustiniana, Ilieronymianaque reformationepoetarum.” ') Es werden hier die römischen Dichter aufs hef-tigste angegriffen; selbst vom Virgil erklärt, dass er kein Dich-ter sei, weil es ihm an der Eloquentia fehle, von demselben Virgil,dessen Aeneide eben dieser Murner bald darauf in deutscheVerse übertrug. Dieses Buch ist aus seinen in Freiburg gehal-tenen Vorträgen entstanden. Die Veranlassung zu dieser mit allenseinen übrigen bekannten Lebensansichten in Widerspruch stehen-den Tendenz wird in dem Wunsche beruhen, seinen Obern zugefallen, deren Ordensgeneral ihm in dem oben gedachten Schrei-ben geboten hatte, in seinen Gedichten keusch und sittsam zusein und die Ehre, Lehre und Vertreter der Religion zu preisenund zu vertheidigen.
In diese Zeit dürfte auch sein Aufenthalt in Trier fallendessen jene Briefe gedenken, und der nach einer andern Angabe' 1 2 )’bald nach seiner Erlangung des Doctorhutes sich ereignete. Auchhier gerictli er bald in Streitigkeiten mit den Domherrn, undwurde gezwungen die Stadt zu verlassen.
Murner lebte in dieser Zeit in einer bedeutenden geistigenThätigkeit, welche ihm trotz aller Anfeindungen viele Freundeund'Verehrer verschaffte. Er gab 1511 zu Frankfurt bei Beat.Murner eine wunderliche Schrift heraus, betitelt: “Ludus s til-den tum F riburgensium” 3 ), in welcher er die Prosodieauf einem Brettspiele lehren wollte, so wie eine ähnliche kür-zere auf Folioblättern, welche mit derselben verwechselt worden :“Scaccus infallibilis quantitatis syllabarum.” Sehr
1. Von dieser Sclirift s. Waldau a. a. O. S. 40 — 4G. Sie befindet sich
zu Wien, Frankfurt, Güttingen, so wie zwiefacli zu München; zu Berlin sindgleichfalls zwei Exemplare, jedoch mit Druckverschiedenheiten. 2. Mur-narus Leviathan. 3. S. Waldau a. a. O. S. 67. Ein Exemplar befindetsich zu Frankfurt, eines zu München, wo auch der folgende Druck sich befin-
det. Zu Berlin ist ein Exemplar mit der Jahreszahl 1512 am Ende, auchstimmt die Beschreibung nicht mit Waldau a. a. 0.