344
Abhandlung über den Ulenspiegel.
namcn, welche mit Spiegel endigen, sind mir nicht bekannt. Spie-gel, Speghel kommt zuweilen als Name, auch eines bekanntenadligen Geschlechtes vor, und mag ursprünglich ein ehrenvollesVorbild bezeichnet haben.
Zu Anfänge eines Ortsnamen, wie Spiegelberg, dürfte maneine andere Bedeutung suchen.
Ungewisser kann man sein über den Charakter, welcherdurch die Eule ausgedrückt werden soll, als deren Vorbild unserBauernsohn Till erscheint. Die Griechen scheinen sie vorzüglichdes Auges wegen, das im Dunkeln sieht, geehrt und der PallasAthene zur Begleiterin gegeben zu haben. In neuerer Zeit istsie verspottet als der Vogel, welcher hei Tage nicht sehen kann.In der mittelalterlichen Thierfabel wird ihrer wenig gedacht.Görres erklärt den allegorischen Namen für richtig gewählt undbezeichnet die Eule als bösartig, katzenmässig, schadenfroh, frat-zenhaft, glühäugig, diebskniffig. Alle hier angedeuteten mora-lischen Eigenschaften scheinen aber der Eule nie zugescbriebenzu sein ; unser Held Ulenspiegel wird als ein schöner und wun-derlich angezogener Mann geschildert..
Wenn von einer geschichtlichen Untersuchung über denUlenspiegel die Rede ist, so wird man seine Lebensumstände,wie das Volksbuch in ältester Gestalt sie berichtet, und seinenAufenthalt in verschiedenen Städten und Dörfern nicht wie denLebenslauf der deutschen Kaiser nachweisen wollen. Es kannnur darauf ankommen, zu ermitteln, ob die in dem ältestendeutschen Volksbuche erwähnten historischen und geographischenAndeutungen unter sich so wohl Zusammenhängen, dass sie zueiner Beglaubigung für das Dasein eines solchen im Jahr 1350verstorbenen Schalksnarren, oder doch zu der Entstehung einerSage über dessen Schwänke in einer bestimmten Gegend undzu einer zu ermittelnden Zeit führen können.
Die geographischen Angaben sind so ausführlich, dass sieüber das dem Ulenspiegel zugeschricbene Vaterland keinenZweifel lassen. Die niedersächsische Ileimath des Ulenspiegelbewährt sich durchaus durch den Schauplatz, welcher seinerJugend und seinen spätei’en Jahren untergelcgt wird; mit Aus-nahme von Rom und Paris liegen alle in dem alten Volksbuche