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Abhandlung über den Ulenspiegol.
Otto des Fröhlichen lustigen Rallies oder Hofnarren, des so benann-ten ßauernfeindes, dessen Tod ungefähr hundert Jahr vor demdes Ulensiiiegel fällt. 1 ) Auf jenen sind nach den gewöhnlichenUeberliefcrungen einige Bauern dargestellt, welche mit Spiessennach dem todten Feinde stechen. Nach neuerer genauerer Un-tersuchung findet sich dort jedoch die auf einem Grabsteinenicht minder auffallende Darstellung* wie der Herzog Otto einenStreit zwischen Nithart und den Bauern schlichtet. S. v. d.Hagen Minnesänger, Th. IV. S. 438. Das hohe Alter diesesGrabmales ist unbestritten und wird dessen jedenfalls schon ineinem dem fünfzehnten Jahrhunderte wohl noch AngehörigenDrucke der Gedichte des Neithart Fuchs erwähnt; hier sieht mandie Bauern nicht auf dem Grabe, sondern ausserhalb des um-gitterten Steines nach der Leiche stechen. 2 ) Auch unseren Nie-dersachsen waren ähnliche Schwänke nicht fremd. In der St-Marien-Kirche zu Hamburg befand sich ein Grabstein mit demhäufig beschriebenen Esel als Sackpfeifer, dessén Rand die Zei-chen der vier Evangelisten zierte, ein Grabstein, welcher in die-ser Kathedrale nicht auffallender erscheinen konnte, als der vorder Möllner Kirche. 3 )
Der erheblichste Einwand gegen das Alter des Möllner Lei-chensteines möchte in seiner Sprache gefunden werden - . Wir findenim nördlichen Deutschland nie eine andere als die lateinische inUrkunden und auf Monumenten in der ersten Hälfte des vier-zehnten Jahrhunderts. Man dürfte eine lateinische Inschrift,gleich derjenigen auf van Merlens Bilde (s. §. 5.) jener Zeit demSinne wie der Sprache nach für angemessener halten. Doch istdiese gerade der Wendepunkt, wo man auch in Niedersachsen
1. Nach dem von Conrad Celtes verfassten Epitaphium auf dem angeführ-ten Grabdenkmale starb er angeblich erst im Jahre 1334, (richtiger 1234?)S. Dr. Reuss in Naurnann’s Serapeum 1S50, S. 80. 2. Von mir be-
schrieben in den Wiener Jahrbüchern 1828. Bd. 42. Anzeige-Blatt S. 17 flgd.
3. S. den Kupferstich in Lambecii Origines Ilamburgcnses am Ende. Z. C. v.Uffenbach in seinen merkwürdigen Reisen Th. II. S. 12 t bemerkt, dass der un-ten angebrachte Mann nicht in einem Hiihnerkorbe stecke, sondern mit einemkurzen, durchschnittenen Mantel bekleidet sei; letzteres ist aber ein Irrthum,wie der Augenschein noch heute lehrt. Die Zeitschrift des Vereins f. Hamb.Gesch. wird nächstens Mehreres ¡¡her diesen Stein mittheilen.