Wurf machen, class mil derselben das Geburtsjahr des Till sehr l'niliegesetzt werden muss ; ein Einwurf, welcher geringer erscheinen würde,wenn wir in dem neu erwählten Könige des Liitzelburgers Nachfolger,Ludwig von llaiern, suchen wollten, welcher gleichfalls mit des Erz-bischofes Balduin Unterstützung 1314 October 20 zu Frankfurt er-wählt und am 25. November zu Aachen gekrönt wurde.
Der Erzbischof .Balduin war übrigens ein jugendlicher, hochbe-gabter Herr, welcher herablassend und den BischofsmanLel an denNagel hängend, den Erheiterungen und dem Scherze gern sich hin-gah. Wenn wir nun gar verzeichnet finden, dass Bischof Balduinsklare Augen kurzsichtig waren,') so möchte man nicht bezweifeln,dass der angebliche Brillenmacher aus dem benachbarten Brabant ge-rade diesen Fürsten aufsuchte und von demselben freundlich aufge-nommen wurde.
Delep ierre hat in seiner Ausgabe diese Erzählung in einenAnhang verwiesen, lediglich aus dem Grunde, weil die Brillen erstnach der Zeit des Ulenspiegel erfunden seien. Freilich haben dieKünstler oft von Brillen, wie von anderen Coslümen, sehr unzeitmäs-sigen Gehrauch gemacht, wenn sie dieselben alltestamentlichen Personenerlheilten. Doch führen gerade solche Beispiele uns auf Brabant alsdas Land, in welchem sie geschliffen wurden und auf eine frühe,noch nicht genau ermittelte Epoche der Erfindung. Auf jenes Landmöchte auch noch der französische Ausdruck: “Lunette de Hollande”für lunette d’approche hinweisen. Bekanntlich wird nach den gewöhn-lichen Angaben die Erfindung der Brillen Italienern in der Zeit von1280 bis 1311 zugeschrieben.
Für Friedburg (Friedberg) hat S. Kruffter irrlhümlieh Freiburg.Er sowohl als die Erfurter und die späteren Ausgaben lassen die scherz-haften Bemerkung “funder glofz” weg. Auch fehlt hei ihnen der Um-stand, dass Ulenspiegel mit dem Grafen, nachdem er zum Kaiser be-stätigt war, nach Sachsen gezogen sei.
Zur vollständigen Beurlheilung dieser Historie gehört eine Er-örterung über den Ausdruck, um welchen sie sich dreht: durchdie Finger sehen. Dass derselbe älter sei als die Erfindung derBrillen, erscheint nicht glaublich, wenigstens nicht, sofern ein ab-sichtliches Nichtsehen, Uebersehen dadurch bezeichnet wird, (vergl.D. W. Körte Sprichwörter der Deutschen) — eine Bedeutung,
1) Gesta Baldiiiiii episcopi Trevcrciisis : Cap. IX in Baluzii Miscellan. Tom.
I. Tempore vero jucunditatis opportuno suae juventutis occultis eum suis mili-tibus, capellanis et camerariis, domieellis, velut eorum minimus, dicens: Epi-scopalem dignitatem suspendimus ad parietem, nunc superior, nunc inferior, so-cius jncundissimus .. . Cap. VII. Habuit oculos limpidissimos, apprope aliqua-liter, sursum videndo acutissimos, sed a remotis videndo, more Limburgensium,obtusos.