Erläuterungen.
241
Der letzte Satz von der Stärke des Wassers ist im Geiste desSalomon und Markolf, doch scheint er daher nicht entlehnt.
Historic XXII.
Diese Erzählung gehört zu denen , für welche keine ältereQuelle nachzuweisen und, wenn irgend eine, für den geschichtlichenVienspiegel in Anspruch zu nehmen scheint. Zunächst muss uns derTitel des Grafen von Anhalt auflallen, während andere, gleich-nachzuweisende Sagen das Städllein und Schloss, in welchem dieScene spielt, näher bezeichnen als ßernburg. Es war Graf ßern-hard II. von der alten Bernburger Linie, welcher im Jahre 1318 denTitel eines Fürsten von Anhalt annahm. 1 ) Wir dürfen daher unterdein Grafen von Anhalt hier nur jenen in viele Fehden verwickeltenBernhard II. suchen, ehe er den Fürslcntilel annahm oder doch der-selbe im Volke üblich geworden war. Diese Nachweisung stimmtaber vollkommen zu der Lebenszeit des Ulenspiegel.
ln Bernburg ist noch ein Thurm vorhanden, welcher Ulenspie-gels Namen trägt und an welchen noch Sagen von demselben sichknüpfen. Ich bemerke aus den mir über denselben durch die Gütedes Herrn Archivar Schünichen zu Bernburg gewordenen Mit—theilungen folgendes. 2 ) Zu den Hauptzierden des Bernburger Schlos-ses gehört ein hoher, runder, mit später aufgesetzten welschen Gie-beln und einem spitzen Dache versehener Thurm, etwa BO Fuss hoch,dessen zwölf starke Mauern eben so sehr sein Aller, wie seine Festig-keit darlhun. Der Thurm dürfte 1000 Jahre alt sein, weil das Schlossschon im neunten Jahunderte erbaut gewesen sein soll. Dieser Thurm,früher auch der rothe genannt, ist seit undenklicher Zeit nur unterdem Namen des Eulenspiegel bekannt, obgleich sich weder Bild, nochInschrift, noch irgend ein Emblem auf jenen lustigen Gesellenbezüglich an demselben findet. Der untere Baum des Thurmes wirdfrüher zum Burgverliess und Burggefängnisse benutzt worden sein, gegen-wärtig .birgt er ein grosses Wasserhassin, mit dessen Wasser durch Röh-renleilungen aus dem Saalthale die Bergsladl Bernburg nach allenRichtungen hin versehen wird. Der obere Raum, zu welchem eineBrücke, früher Zugbrücke, aus einem darnebenslehenden Gebäudehinüberleitet, bildet ein mit drei kleinen Fenstern versehenes Gemach,welches, nach seinen Fensternischen zu urlheilen, auch gleich heiErbauung des Thurmes einen wohnlichen Zweck, vielleicht für denThurmwarl oder Gefängniswärter enthalten haben mag. Dieses Zimmerweiset die Sage dem Eulenspiegel als Wohnzimmer an. Auch be-
1. Vcrgl. Stenzel Geschichte von Anhalt. 2. Vergl. J. II. D. Antiqua-
rius des Elbstromes. Frankfurt a. M. 1741.
16