Druckschrift 
Dr. Thomas Murners Ulenspiegel
Entstehung
Seite
225
Einzelbild herunterladen
 

Erläuterungen.

225

Die Ausgabe v. ,1. 1519 erzählt nun, dass das Schloss Ampleven,als ein arg, böses Rauhschloss vor etwa fünfzig Jahren von denenvon Magdeburg und anderen Städten zerstört sei, womit die IvrufT-tersehe Ausgabe iihereinzustimnicn scheint, wenn sie die Zahl derfünfzig in sechzig Jahre umändert. Spätere Ausgaben lassen die Zeit-bestimmung weg. Die Zerstörung der Burg Ampleve durch die Braun-sehweiger und Magdeburger im Jahre 1425 wird von alten glaub-würdigen Chronisten berichtet, 1 ) also beinahe sechzig Jahre vor demin der Cölner Ausgabe v. J. 1539 berichteten Jahre der Abfassungdes Ulenspiogol-Buches, nämlich 1483.

Der Murnersche Text hat uns eine für die Entstehungs-Ge-schichte des Ulcnspicgel- Buches interessante Notiz aufbewahrl. Jenerberichtet nämlich, dass Tliyl von Vlzen, der Burgherr von Amp-leven, dem Küeillingcr Bauerknaben seinen Taufnamen verliehen habe.Die beiden allen Cölner Ausgaben sprechen hier blos von Thyl vonder Burg Ampleven. Jenes Geschlecht war der Geschichte schon1249 durch den Kämmerer des Herzoges Otto von Braunschweig,Herwig von Ullesen bekannt. Vielleicht ist der Ritter Erewi ck,1203 heim Könige Otto und dem Pfalzgrafeh Heinrich, auch Her^-wig 1224 schon ein Vorfahre desselben. 1219 wird von diesemGeschlechle Rako genannt, 1245 Heinrich, 1253 Bode; 5 ) 1246bis 1303 der Ritter Johannes. Der Vorname Till, Tileman ist indieser Zeit, in welche des Till Ulenspiegel Taufe nach Maassgabe sei-nes Todesjahres gesetzt werden müsste, nicht bemerkt worden, dochist jener Vorname in älterer Zeit im Braunschweigischen sehr ge-bräuchlich und erscheint namentlich häufiger in der Familie vonDamm.

1359 besessen die Gebrüder Hans und Wilhelm von Uetze denhalben Zoll vor allen Thoren der Stadt Braunschweig, so wie Herwignoch 1437.

Oh die Herren von Uelzen schon zu Anfänge des vierzehntenJahrhunderts Burgherren von Ampleve waren, ist sehr zweifelhaft. Siebesassen Grundstücke in der Gegend von Amlieben und auch zu Kneit-lingen, doch erst 1360 erhielten sie vom Herzoge Magnus von Braun-schweig das Gut Amllcben pfandweise. 3 ) Wer die Geschichte desadligen Landbesitzes im Mittelalter kennt, wird jedoch nicht läugnenwollen, dass die Herren von Ampleve oder seihst Vorfahren des Her-zoges Magnus jene Burg Ampleve nicht bereits weit früher an die

vicus de Sanipelcvc. s. Lc ihn it il Script, rer. Bruhsvic. T. H. Johannes deTzampleuc war 1353 Archidiáconos im Banne Schoppenstede.

1. Cln-onicon S, Aegidii apud Lcihnitii SS. rer. ßronsvic. T. III. p. 595.Ausführlich hoi Biinting Braunschweig. Chronik S. 112, 2. Origines Gnel-

ficae T. III. p. 627. 673. 697. 723. T. IV. p. 490. Pfetfinger a. a. 0. Th.I. p. 79. 119. 427. 3. Braunschweig, historische Händel Th. 1. S. 126.

t5