117
„Meine liebe Fanny," sagte er, gerührt von ihrerfreudigen Begrüßung, „das Herz wird mir warm, wennich Euch sehe. Ich habe Euch ein Geschenk von der Stadtmitgebracht. Ich erinnere mich aus meinen Knabenjahren,daß meine arme Mutter gern einige einfache Lieder sang,die, ich weiß selbst nicht wie, mir einfallen, wenn ich Euchsehe und höre. Ich denke mir, Ihr würdet sie wenigstensebenso sehr verstehen und lieben wie ich — denn weiß derHimmel, (sagte er vor sich hin,) mein Ohr ist im Ganzenstumpf genug gegen das Reimgeklingel." Nnd er gab ihrein kleines Bändchen jener ausgesuchten Lieder in die Hand,worin Burns die Natur in Musik gesetzt hat.
„Oh! Ihr seyd so gütig, Bruder!" sagte Fanny,mit Thränen in den Augen, und küßte das Buch.
Nach ihrem einfachen Mahl eröffnete VaudemontFanny und Simon sein Vorhaben, für einige Tage zu ver-reisen. Simon hörte es an mit der stummen Apathie,welche mit seltenen Ausnahmen die beständige Stimmungseines Lebens war. Aber Fanny wandte Ihr Angesicht abund weinte.
„ES ist nur aus einen oder zwei Tage, Fanny."
„Eine Stunde ist manchmal sehr—sehr lang," sagtedas Mädchen, den Kopf schüttelnd und traurig.
„Kommt, ich habe noch ei» wenig Zeit übrig, unddie Luft ist mild; Ihr seyd heute noch nicht draußen ge-wesen— wollen wir, einen Gang —"
„Hm!" unterbrach ihn Simon, sich räuspernd und